Dienstag, 17. April 2018

"Unsere Aufgabe in Syrien ist es:. Zeugnis geben, Gutes tun und in diesem Leben so leben, dass es einen Sinn hat."

Pfarrer Elias Ousta Jabbour
Pfarrer Elias Ousta Jabbour ist einer von zwei Pfarrern in Latakia an der Mittelmeerküste. Dort befindet sich die größte evangelische Gemeinde der National Evangelical Synod of Syria and Lebanon (NESSL). Die Region gilt als sicher. Das hängt auch mit der Präsenz des russischen Militärs zusammen. Die Einwohnerzahl Latakias ist durch den Krieg stark gestiegen. Viele Flüchtlinge sind in die Stadt oder ins Umland gekommen. Die von Islamisten besetzte Stadt Idlib ist nur 100 km entfernt.
Elias selbst stammt aus Aleppo. Zu Kriegsbeginn bekam er die Chance, zwei Semester in der Schweiz zu studieren.  In den Ferien kehrte er nach Syrien zurück - gerade zu dem Zeitpunkt, als die heftigsten Kämpfe in Aleppo begannen. Er kam nicht mehr raus aus der Stadt. Also half er in den evangelischen armenischen Gemeinden mit. Zehn Monate war er eingeschlossen. Er erzählt von der Wasser- und Lebensmittelnot, von Kämpfen, die er hautnah miterlebte, von Toten. Und er erzählt von den vielen jungen Männern, die geflohen sind. "Gerade diejenigen zwischen 20 bis 45 sind gegangen, weil sie nicht zu Militär wollten. Militär in Syrien heißt, dass du gefangen bist in dem System. Wenn du nicht verwundet wirst, kommst du da nicht raus", sagt er. "Wer Geld hat, der besticht mit Geld, um nicht an die Front zu müssen." Auch in den evangelischen Gemeinden fehlen die Männer dieser Generation: "Sie sind nicht da. Sie sind in Europa ..."
Vor dem Krieg gab es in Syrien 10-12 % Christen. Ihre Zahl - so Elias - habe sich inzwischen mindestens halbiert. 
Und auf die Frage, was die Aufgabe der Christen sei, sagt Elias Jabbour: "Jesus ist inmitten seiner Feinde nicht vom Kreuz geflohen. Das ist auch unsere Aufgabe. Zeugnis geben, Gutes tun und in diesem Leben so leben, dass es einen Sinn hat." Zum Schluss zitiert er noch Dietrich Bonhoeffer: "Wie Christus nur Christus ist als der leidende und verworfene, so ist der Jünger nur Jünger als der leidende und verworfene, als der mitgekreuzigte. Die Nachfolge als die Bindung an die Person Jesu Christi stellt den Nachfolgen-den unter das Gesetz Christi, d. h. unter das Kreuz." Das - so Elias - sei ihm Richtschnur im Lebe, im Glauben, in Syrien.

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