Freitag, 27. April 2018

Evangelische Theologie studieren in Rom

Waldenserkirche bei der Fakultät
Fußläufig vom Vatikan entfernt befindet sich mitten im Zentrum Roms eine wunderschöne evangelische Waldsenerkirche. Daneben unterhält die Kirche einen gut sortierten Buchladen mit zahlreicher theologischer Literatur. Direkt hinter der Kirche befindet sich die Theologische Fakultät der Waldenserkirche, die eine lange Tradition hat. Dadurch konnte die Kirche für ihren Pfarrer- und Pfarrerinnennachwuch selbst sorgen und die jahrhundertealte evangelische Tradition in Italien pflegen und jeweils in die neue Zeit mitprägen und sich verschiedenen gesellschaftlichen Herausforderungen stellen. Dazu gehört u.a. die Mitgestaltung und theologische und soziologische Reflexion des Integrationsprogramms der Kirche "Gemeinsam Kirche sein". Hier geht es um die Integration der nach Italien kommenden evangelischen Migranten - insbesondere aus Afrika. Auch lateinamerikanische Gemeinden gibt es. Das Zusammenleben ist eine Herausforderungen, kommen doch unterschiedliche Sprachen und Kulturen zusammen. Mit viel Enthusiasmus wurde das Programm vor einigen Jahren begonnen. Inzwischen gibt es Ernüchterungen. Das erhoffte Wachstum der Kirche blieb aus. Und auch die für die Waldenserkirche notwendigen Gemeindebeiträge - Richtmass sind 3% des Nettolohnes - wird von den neuen Mitgliedern nicht unbedingt in breitem Masse mitgetragen. "Das ist
Prof. Lothar Vogel (li) und GAW-GS Enno Haaks
durchaus zu verstehen," bemerkt Prof. Lothar Vogel, Vize-Dekan der Fakultät. "Denn: Oft schicken die aus Afrika oder Lateinamerika kommenden neuen Mitgliedern einen Teil ihres Geldes zu Verwandten in die Heimat, weil dort damit gerechnet wird und die Not oft groß ist. So bleibt für die Waldensergemeinden nicht viel übrig. Auch sind sie es nicht gewohnt, die Gemeinde so mitzutragen. Das allerdings ist auch ein Problem der jüngeren italienischen Generation, die wegen oft prekärer Einkommenssituation, Arbeitslosigkeit etc nicht genügend für die Kirche abgeben können." Vogel betont: "Das Programm ist wichtig und richtig, auch wenn es die Kirche nicht retten wird. Es ist ein Zeichen in die Gesellschaft - auch gegen Populismus und Abgrenzung." 
Eine Herausforderung bleibt es für die Kirche, Theologennachwuchs zu gewinnen. Derzeit studieren 10 Studierende als Residenten an der Fakultät. Die Hälfte davon gehört zur Waldenserkirche. Dazu kommen ca. 15 Austauschstudierende meist aus Deutschland. So sind die Kurse einigermassen ausgefüllt. Zu diesem Studienprogramm kommt ein Fernstudienkurs, der zum Bachelor führt. Daran nehmen ca. 200 Studierende teil. Fünf Professoren unterrichten. Finanziert wird die Fakultät mit Beiträgen aus den Kirchengemeinden, einem staatlichen Zuschuss aus der OPM-Kultussteuer, Studienbeiträgen und Unterstützung von Freundeskreisen und Partnerkirchen. Das theologische Niveau ist gut. Dazu trägt auch die umfangreiche Bibliothek bei, die frei zugänglich ist. Das GAW unterstützt diese Bibliothek regelmäßig und trägt damit dazu bei, dass sie auf einem guten Niveau bleibt. Auch wirbt das GAW immer wieder für das eigene Stipendienprogramm, um den Austausch zu fördern. "Vielleicht wird im kommenden Jahr eine Studentin nach Leipzig kommen. Sie lernt schon fleißig Deutsch," sagt Vogel zum Abschluss.

Donnerstag, 26. April 2018

Die italienische Kultursteuer stärkt Projekte weltweit

v.r.nach li.:Jennifer Mensah, Susanna Pietra (Leiterin des OPM-Büros
der Waldenserkirche) und GAW-Generalsekretär Enno Haaks
Die Waldenserkirche gehört zu den Kirchen, mit denen das GAW schon seit dem 19. Jahrhundert verbunden ist. Sie nimmt in Italien eine wichtige Rolle ein aufgrund ihres ökumenischen und diakonischen Engagements, das möglich ist durch die Mittel aus der italienischen Kultussteuer OPM (otto per mille).
Die OPM-Steuer wurde 1984 in Italien eingeführt und beträgt acht Promille der Lohn- bzw. Einkommensteuer, daher der italienische Begriff „otto per mille“ (OPM). Der Steuerzahler kann verfügen, welche der inzwischen elf Religionsgemeinschaftendie Steuer erhalten soll. Die Waldenser bekommen so viele Prozente des Steueraufkommens, wie Steuerbürger ihr Kreuz auf dem Steuerbogen für die Waldenserkirche gesetzt haben. Derzeit sind es rund 530.000 Steuerpflichtige, vor einigen Jahren waren es 616.000. Zum Absenken der Zuwendungen an die Waldenser hat unter anderem die Tatsache geführt, dass die Anzahl der  Religionsgemeinschaften in den letzten Jahren gestiegen ist. Inzwischen sind zwei hinduistische und eine buddhistische Vereinigung staatlicherseits anerkannt worden. Interessanterweise entscheidet sich nach wie vor 50% der Steuerpflichtigen für keine Religionsgemeinschaft. Diese Kultussteuermittel werden prozentual aufgeteilt. Aber Fakt ist: Um diese Stimmen wird geworben. Die Waldenserkirche führt regelmäßig Kampagnen durch, um für ihre Arbeit zu werben. Eigentlich hat die Kirche nur 20.000 Mitglieder. Aber sie beansprucht die Mittel nicht für kircheninterne Arbeit. Das für viele Steuerpflichtige ein Argument, die Waldenser zu unterstützen. Andere haben Vorbehalte gegenüber der katholischen Kirche.
Die OPM-Mittel ermöglichen der Waldenserkirche, sich für die italienische Gesellschaft zu engagieren. Bis zu 40 % der Mittel gehen jedoch mithilfe ausländischer Partnerorganisationen in die Unterstützung weltweiter Projekte. Hier ist das GAW für die Waldenserkirche ein wichtiger Projektpartner und fördert im Auftrag der Waldenserkirche Projekte weltweit.  

Mittwoch, 25. April 2018

Nach außen zeigen, was wir innen glauben - in Frankreich keine einfache Aufgabe

Kirchenpräsidentin der EPUdF Pfrn. Emanuelle Seyboldt
Immer zu Himmelfahrt trifft sich die Synode der Vereinigte Protestantische Kirche von Frankreich (Eglise Protestante Unie de France - EPUdF). Das ist schon seit dem 17. Jahrhundert eine Tradition. Vier Tage lang wird beraten und werden Entscheidungen getroffen. Neben den den administrativen und finanziellen Tagesordnunspunkten gibt es immer auch ein theologisches Thema. 2015 ging es z.B. um die Frage der Segnung Homosexueller. Eine Debatte, die intensiv geführt wurde und letztlich mit 92 gegen acht Stimmen positiv abgestimmt wurde. Das führte dazu, dass die Kirche insbesondere aus dem evangelikalen Bereich heftigst angegriffen wurde.
2017 ging es um die Frage des Glaubens in der seit 2013 unierten Kirche. Mehrheitlich ist die Kirche reformiert geprägt. Es gibt aber zwei lutherische Kirchenbezirke: in Montbeliard und in Paris. Beide sind unterschiedlich geprägt. Der Pariser Bezirk ist mit 22 teilweise sehr kleinen Gemeinden und neun Pfarrern heterogen. Immer noch gibt es hier einen lutherischen Bischof: eine Herausforderung. 
Nach der Verabschiedung einer gemeinsamen Glaubensdeklaration auf der letzten Synode soll es in diesem Jahr um das Leben der Kirche gehen. Das ist konsequent. "Wie kommen wir zu einer Haltung als evangelischer Christ oder Christin, dass wir zu unserem Glauben stehen? Wie schaffen wir es, nach außen zu zeigen, was wir innen glauben? Das sind die Grundfragen, denen wir uns stellen wollen", sagt Pfarrerin Emmanuelle Seyboldt, Kirchenpräsidentin der EPUdF. "Denn in der teilweise agressiv laizistischen Gesellschaft, in der alles Religiöse ins Private gedrängt wurde, und in der Protestanten lange bedrängt oder auch verfolgt wurden, hat sich in der Kirche und unter den Gläubigen die Haltung verfestigt, nicht öffentlich zum Glauben zu stehen", so Seyboldt. "Bis hin zu den Kirchengebäuden spürt man diese Haltung. Oft weist von außen nichts darauf hin, dass hier eine protestantische Kirche ist. Da müssen wir herauskommen. Migranten, die in der Kirche aktiv sind, machen es uns vor. Sie stehen viel stärker zu ihrem Glauben."
Auch müsse sich die Kirche wieder stärker darum kümmern, dass in den Gemeinden die Bibel gelesen wird und Bibelkenntnis da ist. "Das ist auch nicht mehr selbstverständlich", bedauert Seybold und ergänzt: "Wir wollen unsere Mitglieder stärken, dass sie sich klar zu ihrem Glauben bekennen. Und wenn sie gefragt werden, wenn sie etwas Gutes tun, dass sie nicht sagen, dass sie Humanisten sind, sondern Christen." Das sei in Frankreich nicht üblich, weil nichts mit der Kirche strukturell identisch sein darfDeshalb werden neben der Kirche extra eingetragene Vereine gegründet, z.B. für diakonische Aufgaben. Trotzdem sie Vorsicht geboten: z.B. dürfen Gelder von der Kirche  nicht in den diakonischen Verein fließen. 

Dienstag, 24. April 2018

Welche Perspektiven haben Flüchtlinge in Mylotopos?

Kirche Mylotopos; der Wagen wurde vom GAW finanziert
Seit drei Jahren arbeiten im Norden Griechenlands, in Mylotopos, viele Freiwillige der griechisch evangelischen Kirchengemeinde  ehrenamtlich, um Flüchtlingen zu helfen. Es begann in Idomeni. Regelmäßig fuhren sie in dieses riesige Flüchtlingslager und brachten Lebensmittel und andere notwendige Dinge für das tägliche Überleben. Dann entschlossen sie sich, Menschen aus den Flüchtlingscamps herauszuholen - meist schwangere Frauen und Familien mit kleinen Kindern. Inzwischen sind 18 Flüchtlinge in Mylotopos untergekommen. Das GAW hat mit Unterstützung der württembergischen Landeskirche mehrere Wohnungen hergerichtet. Diese sind bezogen. Die Flüchtlinge haben sich gut in die Dorfgemeinschaft in Mylotopos integriert. Eine Sozialarbeiterin ist angestellt und kümmert sich um die täglichen Bedürfnisse und Behördengänge. Ein Problem: Es gibt
In beiden Häusern hinterm Sportplatz sind Flüchtlinge
untergebracht; das GAW hat die Sanierung unterstützt
in Mylotopos keine Arbeit. Die Region ist ländlich geprägt. Bleiben ist deshalb schwierig, auch wenn vor allem die Kinder der Flüchtlinge durch den Schulbesuch gut
Griechisch lernen.
Wir wird es weitergehen? Die Evangelischen sind motiviert, auch wenn man spürt, dass nach drei Jahren das ehrenamtliche Engagement nachlässt. Die Leute sind müde geworden. Und sie müssen sich bei all den Krisen auch um ihr eigenes Leben kümmern. 
Was würde geschehen, wenn wieder ein Flüchtlingsstrom wie 2015 einsetzen würde? Wo kämen dann Kraft und Mittel her? Die Sorge besteht, dass die Zahl der Flüchtlinge erneut ansteigen wird. Anzeichen dafür sind da. Lesbos ist übervoll. Vor Kurzem gab es dort heftige Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Flüchtlingen. Und zunehmend erreichen Flüchtlinge Griechenland über den Landweg von Evros.

Menschen können alles verlieren - nur nicht ihre Würde

Nähwerstatt in Katerini

Sprachkurs Griechisch
Seit einem Monat gibt es in Katerini eine Nähwerkstatt. Sofia leitet 30 Frauen an, zu nähen. Sie hat über 20 Jahre Berufserfahrung. Einige der Frauen, die zur Werkstatt kommen, können schon nähen, für andere ist es Neuland. Was sie eint, ist der Wunsch, etwas Sinnvolles zu tun.
Sofia selbst ist eine Kurdin aus dem Norden Iraks. Sie floh mit ihren zwei Kindern. „Als geschiedene Frau in einem muslimischen Land allein zu überleben - das ist fast unmöglich!“, sagt sie. Sie entschloss sich, zu gehen, weil die Sicherheitslage immer bedrohlicher wurde. Derzeit ist sie bei der evangelischen NGO (Non Government Organisation) „Perichoresis“ angestellt. Für ein Jahr reichen die bewilligten Mittel einer deutschen Organisation. Ziel ist es, dass Frauen befähigt werden, von ihrer Hände Arbeit zum Lebensunterhalt beizutragen. Die Nähwerkstatt ist ein erster Schritt. Und es ist ein Teil der vielfältigen Arbeit von Perichoresis. Insgesamt werden ca. 550 Flüchtlinge in Katerini von Perichoresis in Koorperation mit einem UN-Projekt betreut. Für sie wurden 115 Wohnungen angemietet und sie werden mit Notwendigstem  unterstützt.
In einem anderen, auf fünf Jahre angelegten Projekt geht es darum, anerkannten Flüchtlingen eine Lebensperspektive in Griechenland zu ermöglichen. Sie sollen integriert werden. Das ist die Hoffnung. 38 Personen sind in diesem Projekt eingebunden. Dazu gehört ein Sprachkurs - vom GAW gefördert - , Fortbildungsangebote, Jobsuche – bis dahin, dass die Familien auf eigenen Beinen stehen können. Erste Erfolge gibt es. Ein Flüchtling konnte als Automechaniker vermittelt werden, einer als Pizzabäcker, ein Ehepaar in einem Altersheim als Reinigungskräfte. Arbeit zu finden ist nicht einfach, denn in Griechenland ist die Arbeitslosigkeit hoch. Und die Gefahr ist immer da, dass Flüchtlinge in andere Länder gehen, wenn sie erst einmal ihr permanentes Aufenthaltsrecht haben.
Die Nähwerkstatt ist ein Weg, Menschen zu bestärken, die viel verloren haben. Man muss sich immer wieder vor Augen führen, dass Flüchtlinge oft alles verlieren, aber nie ihre Würde.

Montag, 23. April 2018

Die Flüchtlingszahlen steigen in Griechenland

Meletis Melitiadis 
In Volos wurde vor Kurzem das Flüchtlingscamp wieder eröffnet. Es war geschlossen worden, als die Flüchtlingszahlen zurückgingen, doch inzwischen steigen die Zahlen derer, die die türkische Grenze überschreiten, stetig an. "In den letzten zwei Tagen sind 1 500 Menschen angekommen", sagt der Moderator der Griechischen Evangelischen Kirche Meletis Melitiadis. "Meist kommen sie über den Landweg. Es scheint, als würde türkische Seite mit den Menschen spielen, um politisch Druck auszuüben." Fakt ist, dass mehr Menschen kommen. Nur wie geht es für sie weiter? Wie sollen sie hier versorgt werden?
Als das Flüchtlingscamp wieder geöffnet wurde, bekam Meletiadis von dem zuständigen Militärkommandanten einen Anruf. Er bat um Hilfe bei der Versorgung. Es fehlt an vielen Dingen, die der griechische Staat nicht geben kann, weil scheinbar die Mittel fehlen. Da geht es um Shampoo, Toilettenpapier, Seife, Zahnpasta bis hin zu Nahrungsmitteln. In einer ersten Aktion hat die Gemeinde 150 Pakete gepackt mit den ersten notwendigen Dingen. Als Meletiadis im Camp die Tüten übergeben wollte, wurde es ihm plötzlich verwehrt. Auch die Unterstützung vom
150 Hilfspakete im Gemeindehaus der ev. Gemeinde
von Volos, die derzeit nicht übergeben werden können
orthodoxen Bischof von Volos half nicht, die Tür des Camps zu öffnen. Dem Militärkommandanten war es peinlich. Er hatte eine Anweisung erhalten, die Meletiadis den Zugang, den er bisher hatte, verwehrte. Nun liegen die Hilfsgüter in den Gemeinderäumen. Um diese Situation zu verstehen, braucht es eine tiefere Kenntnis darüber, wie die griechische Gesellschaft funktioniert und wie die Stellung der Protestanten ist.
Nun überlegt die Gemeinde eine Alternative: "Die Menschen in den Camps brauchen uns. Wir möchten einen kleinen Laden anmieten, in dem die Flüchtlinge die Hilfsleistungen selbst abholen können. Wahrscheinlich wird dieses Projekt so auch nachhaltiger und für die Gemeinde unabhängiger."
Durch die derzeitige Lage im Nahen Osten und die kritische Situation in der Türkei ist es anzunehmen, dass Meletis Meletiadis mit seiner Einschätzung recht hat und die Flüchtlingskrise noch länger andauern wird.
Zudem: "Griechenland braucht Investitionen, die es ermöglichen, Flüchtlingen hier zu bleiben. Kulturell würde es ihnen hier besser gehen als im Norden Europas", ist Meletiadis überzeugt.

Samstag, 21. April 2018

In Exarchia beginnt für Avras ein (hoffentlich) neues Leben

Avras und seine Frau (re.)
Avras ist 35 Jahre alt. Er ist Kurde aus dem Norden Iraks. Mit seiner Frau und den beiden kleinen Mädchen kam er im September 2017 in Griechenland an nach einer dreimonatigen Flucht. Vier Mal hat die Familie versucht, die türkische Grenze zu passieren. Einmal wären sie fast ertrunken. Die vierjährige Tochter fängt immer noch sofort an zu weinen, wenn man ihr die kleine Schwimmweste hinhält. „Lieber zurück nach Irak, als dass ich meine Töchter ertrinken sehe…,“ erzählt Avras in fehlerfreiem Deutsch. Drei Jahre lebte er in Schleswig-Holstein und studierte dort. Danach war er auch in Dänemark und Schweden und lernt beide Sprachen. Er hat dann als Übersetzer gearbeitet sich dann aber entschieden, in den Irak, in die Heimat zurückzukehren. Nur – hatte er durch die Kontakte in Europa den christlichen Glauben kennengelernt. Im Irak hatte er sich entschlossen, Christ zu werden. Das machte ihm letztlich das Leben in der Heimat unmöglich. Die Familie musste gehen.
Inzwischen ist er in Exarchia in Athen in dem Flüchtlingsprojekt der Griechischen
zu renovierendes Kirchengebäude
Evangelischen Kirche mit seiner Familie. In der griechischen Anarchistenhochburg bietet die kleine evangelische Gemeinde vier Familien – insgesamt derzeit 15 Personen – eine vorübergehende Bleibe und hilft bei den ersten Schritten, sich in der griechischen Gesellschaft zu integrieren. Anna ist dafür angestellt. Zusammen mit Pastor Alexandros kümmert sie sich um die Belange und Notwendigkeiten der Flüchtlinge. Psychologische und medizinische Hilfe wird organisiert, bei Behördengängen geholfen, Sprachkurse durchgeführt – und vor allen Dingen versucht, dass sie letztlich in der griechischen Gesellschaft Fuss fassen. Dazu gehört es, Arbeit zu finden, damit sie eine Bleibeperspektive finden.
Bei Avras ist das relativ einfach. Er lernt fleißig Griechisch. Und er hat es geschafft, sich eine Arbeit als Übersetzer in einem Flüchtlingscamp in Larissa zu besorgen. Anna sagt: „Mit Avras läuft das super, denn er hilft uns, dass wir ihm helfen können. Das ist aber nicht unbedingt der Normalfall. Viele Flüchtlinge haben es schwer, sich zu integrieren, die Sprache zu lernen, hier anzukommen. Aber – diese Menschen hat uns Gott an die Seite gestellt. Sie brauchen uns!“
In Exarchia unterstützt das GAW die Erweiterung des Projektes der Griechischen Ev. Kirche. In einem Haus sollen demnächst nach Umbau 7 Flüchtlingsfamilien untergebracht werden.

Donnerstag, 19. April 2018

"Lass uns beten! Das reicht nicht zu sagen in der konkreten Not der Menschen," Najla Kassab

Rev. Najla Kassab
"Komm: Lass uns beten! - das wäre zynisch zu jemandem sagen, der in einer konkreten Not als Ausgebombter, Vertriebener, Obdachloser oder aus anderer Not zur Kirche kommt - sei es in Aleppo, Homs, Qamishly, Mhradeh oder an anderen Orten in Syrien. Dieser Mensch in Not braucht konkrete Hilfe. Er braucht Nahrung, Obdach - eben materielle Unterstützung. Er braucht eine Perspektive. Wir können nicht sagen, dass wir nicht helfen können oder, dass wir nichts tun können. Das wäre ein glaubensloser und untröstlicher Satz. Zum Glauben gehört die konkrete gute Tat!" das sagte in einer beeindruckenden Zusammenfassung der Herausforderungen der evangelischen Kirche (NESSL - National Evangelical synod of Syria and Lebanon) in Syrien Pfarrerin Najla Kassab, die gleichzeitig Präsidentin der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WGRK) ist. "Wir müssen versuchen reale Hilfe im Leben der Menschen zu geben. Dazu müssen wir die Kirchenmauern verlassen und zu den Menschen gehen, Perspektiven eröffnen, Chancen zum Bleiben schaffen - wenn es geht Obdach herrichten und bei Arbeitsperspektiven zu helfen - und das so gut es geht. Beten allein reicht nicht! Das heißt für uns: Der Gottesdienst am Sonntag muss sich im Alltag - und ganz besonders JETZT in Syrien - bewähren und konkret werden." 
Und Najla führt weitere Herausforderungen auf, vor denen die Kirche steht: "Es geht um Fragen der Sicherheit, die brüchig ist, wie man nach den jüngsten Raketenangriffen erlebt hat und die Folgen davon. Dann geht es auch darum, Treffen der evangelischen Gemeinden, die in ganz Syrien verteilt sind zu ermöglichen. Transportkosten sind dabei ziemlich hoch. Aber es gilt, den Zusammenhalt der Kirche zu stärken, und damit den Glauben zu stärken. Denn aus dem Glauben heraus gilt es die christlichen Werte zu wahren: keine Gewalt auszuüben, keine Rache zu erlauben, Gutes tun an jedermann. Mit all dem gilt es der Jugend der Gemeinde Halt zu geben und ihnen Chancen und Hoffnung auf eine Zukunft in Syrien zu geben, denn viele junge Leute haben das Land verlassen. Werden sie wiederkommen, wenn es Frieden gibt? Das ist ein großes Problem der Kirche. Und schaffen wir es, mit denen in Kontakt zu bleiben, die fern sind in Europa oder an anderen Orten? Und eine ganz große Herausforderung wird es sein, versöhnend in die syrische Gesellschaft hineinzuwirken. Als Libanesen kennen wir die schlimmen Traumata eines langen Bürgerkrieges. Diese Wunden sind noch lange nicht verheilt. Wird das in Syrien gelingen...? Gerade dafür braucht es die christlichen Kirchen und die Botschaft des Evangeliums und der HERRN der Kirche, der spricht: Lasst euch versöhnen mit Gott!"

Mittwoch, 18. April 2018

... wir haben uns aufgemacht, und bauen wieder auf..."


Pastor Joseph Kassab
"Der Gott des Himmels wird es uns gelingen lassen; denn wir, seine Knechte, haben uns aufgemacht und bauen wieder auf," so steht es in Nehemia 2,20 - unter diesem Leitwort steht die 3. Partnerschaftskonsultation der "National Evangelical Synod of Syria and Lebanon" (NESSL) vom 18.-20. April in der Nähe Beiruts. Ohne diese Hoffnung, dass das Leben Sinn macht, und dass Gott es gelingen lassen möge - wie sollten die Christen im Nahen Osten - insbesondere derzeit in Syrien überleben? Diese Hoffnung trägt sie, denn sie sagen zu Recht: Hier sind wir zu Hause! Von Syrien breitete sich der christliche Glaube aus. Vor Damaskus begann es - mit Paulus. Und gerade dieser Paulus war es, der uns alle einlädt "Gutes zu tun an jedermann, allermeist an des Glaubengenossen"! Deshalb geht es der Kirche darum, zu versöhnen und wieder aufzubauen. Pastor Joseph Kassab, Generalsekretär der NESSL, betont dann auch: "Die Christen werden eine wichtige Rolle dabei spielen, all das, was an Schlimmen und Gewaltvollem geschehen ist, zu bewältigen und alle Syrer/innen wieder zusammenzubringen, um die reiche Vielfalt Syriens zu bewahren und den sozialen Zusammenhalt wiederherzustellen. Das ist eine große Aufgabe und Herausforderung. Das sei nur gemeinsam zu schaffen zwischen allen Menschen guten Willens. Kassab betont, dass ohne die verschiedenen Partner der NESSL es unmöglich wäre die evangelische Präsenz in Syrien zu erhalten. Denn: Auch wenn es inzwischen immer mehr sog. "sicherer Zonen" gibt und man beispielsweise in Aleppo sich gut und sicher bewegen kann, so ist die ökonomische Situation alles andere als gesichert und gut. Die Menschen brauchen Unterstützung, um beispielsweise Lebensmittel zu kaufen. Gerade hier hat die Kirche zu helfen, um den Menschen Hoffnung und Perspektive zu geben -und zwar ganz konkret. Gerade die Botschaft der Hoffnung ist so dringend nötig, damit die Sprache der Angst, die so weit verbreitet ist, begrenzt wird. Sorgenvoll berichten alle Pfarrer aus Syrien, dass die Raketnangriffe des vergangenen Wochenendes die Menschen verunsichert. Sie habe Sorge, dass die Gewalt wieder eskalieren könnte.  




Dienstag, 17. April 2018

"Unsere Aufgabe in Syrien ist es:. Zeugnis geben, Gutes tun und in diesem Leben so leben, dass es einen Sinn hat."

Pfarrer Elias Ousta Jabbour
Pfarrer Elias Ousta Jabbour ist einer von zwei Pfarrern in Latakia an der Mittelmeerküste. Dort befindet sich die größte evangelische Gemeinde der National Evangelical Synod of Syria and Lebanon (NESSL). Die Region gilt als sicher. Das hängt auch mit der Präsenz des russischen Militärs zusammen. Die Einwohnerzahl Latakias ist durch den Krieg stark gestiegen. Viele Flüchtlinge sind in die Stadt oder ins Umland gekommen. Die von Islamisten besetzte Stadt Idlib ist nur 100 km entfernt.
Elias selbst stammt aus Aleppo. Zu Kriegsbeginn bekam er die Chance, zwei Semester in der Schweiz zu studieren.  In den Ferien kehrte er nach Syrien zurück - gerade zu dem Zeitpunkt, als die heftigsten Kämpfe in Aleppo begannen. Er kam nicht mehr raus aus der Stadt. Also half er in den evangelischen armenischen Gemeinden mit. Zehn Monate war er eingeschlossen. Er erzählt von der Wasser- und Lebensmittelnot, von Kämpfen, die er hautnah miterlebte, von Toten. Und er erzählt von den vielen jungen Männern, die geflohen sind. "Gerade diejenigen zwischen 20 bis 45 sind gegangen, weil sie nicht zu Militär wollten. Militär in Syrien heißt, dass du gefangen bist in dem System. Wenn du nicht verwundet wirst, kommst du da nicht raus", sagt er. "Wer Geld hat, der besticht mit Geld, um nicht an die Front zu müssen." Auch in den evangelischen Gemeinden fehlen die Männer dieser Generation: "Sie sind nicht da. Sie sind in Europa ..."
Vor dem Krieg gab es in Syrien 10-12 % Christen. Ihre Zahl - so Elias - habe sich inzwischen mindestens halbiert. 
Und auf die Frage, was die Aufgabe der Christen sei, sagt Elias Jabbour: "Jesus ist inmitten seiner Feinde nicht vom Kreuz geflohen. Das ist auch unsere Aufgabe. Zeugnis geben, Gutes tun und in diesem Leben so leben, dass es einen Sinn hat." Zum Schluss zitiert er noch Dietrich Bonhoeffer: "Wie Christus nur Christus ist als der leidende und verworfene, so ist der Jünger nur Jünger als der leidende und verworfene, als der mitgekreuzigte. Die Nachfolge als die Bindung an die Person Jesu Christi stellt den Nachfolgen-den unter das Gesetz Christi, d. h. unter das Kreuz." Das - so Elias - sei ihm Richtschnur im Lebe, im Glauben, in Syrien.

Montag, 16. April 2018

Die Botschaft der Versöhnung in Spanien heute - Wie ...?

Die Comisión Permanente 2014 - (2.v.li. Joél Cortés) - ganz rechts der
aktuelle Vorsitzende der CP Pastor Alfredo Abád
Der Konflikt in Spanien um die Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens hat sich verschärft, nachdem Carlos Puigdemont in Schleswig-Holstein festgenommen wurde. Inzwischen ist er in Berlin und darf Deutschland vorerst nicht verlassen. In Spanien gab es am Wochenende erneut große Demonstrationen - für und gegen die separatistische Bestrebungen im Land. Selbst im katalanischen Regionalparlament fordert die Oppositionsführerin Ines Arrimadas, die Spaltung der spanischen Gesellschaft zu beenden. Der Konflikt hat sich zugespitzt, ist heftiger und gewaltvoller geworden. Es ist nicht einfach zu beurteilen, welcher Seite mehr zuzustimmen sei. Klar scheint zu sein, dass von verantwortlichen Stellen zu wenig zu einer Deeskalation beigetragen wurde und wird. 
Bis in die kleine Evangelische Kirche Spaniens (IEE) hinein reicht der Konflikt. "Wie im Rest der spanischen Gesellschaft, so finden wir auch in der IEE die unterschiedlichen Positionen wieder. Sie reichen von der Zustimmung zu einer friedlichen Einigung zwischen den Konfliktparteien durch ein Referendum, um den Konflikt auf demokratische Weise zu lösen, zu denen, die den "Status quo" bevorzugen, und denen, die eine deutliche zentralistische Position vertreten mit einer Stärkung Madrids", schreibt Joél Cortés, ehemaliger Vorsitzenden der Comisión Permanente (Synodalrat der IEE).
Schon im Jahr 2013 hatte die Synode der IEE eine Resolution verabschiedet, um einen friedlichen Ausgang des Konfliktes zwischen Katalonien und dem spanischen Staat zu unterstützen - auch wenn in der Synode in dieser Frage auch gegensätzliche Stimmen zu Wort kamen. Zudem hat die Comisión Permanente die gewaltsamen Ausschreitungen im Rahme des Referendums am 1. Oktober 2017  verurteilt. Innerhalb der Kirche würde man - so Cortés - die Situation in Spanien mit großer Sorge betrachten. Man hoffe, dass die politische Situation und die Konflikte nicht zu Spaltungen in der Kirche führen mögen. Leider birge die derzeitige politische Entwicklung nur wenig Hoffnung für eine gemeinsame Lösung des Konfliktes. "Die Comisión Permanente muss sehr achtsam sein mit ihren Botschaften. Wir müssen uns theologisch intensiv fragen, was in dieser Situation der prophetische Auftrag der Kirche sein kann, was von uns derzeit gefordert wird, um Zeichen zu setzen, und was die Botschaft der Versöhnung uns heute zu sagen hat und wie."

Freitag, 13. April 2018

Ein integrativer Bauernhof der Diakonie in Mitrovica - Woche für das Leben

Mitarbeiter auf dem Bauernhof der Diakonie
Am 14. April startet die #WochefürdasLeben. Damit werben die evangelische und katholische Kirche seit 1994 gemeinsam für die Schutzwürdigkeit des menschlichen Lebens in allen seinen Phasen. Die Aktion beginnt immer zwei Wochen nach Ostersamstag und dauert sieben Tage.
Um den Schutz und die Würde des menschlichen Lebens geht es auch bei einem besonderen Projekt der GAW-Frauenarbeit in diesem Jahr, das von der Diakonie Kosovo verantwortet wird. Auf einem von der Diakonie getragenen Bauernhof sind sieben der elf Mitarbeitenden Menschen mit Behinderungen. Ihnen eine Chance zu geben ist Ziel des integrativen Projektes.

Die Geschichte des Projekts der Evangelischen Diakonie in Mitrovica im Kosovo beginnt mit einer Begegnung. Der Bürgermeister von Mitrovica war 2011 auf einem Deutschlandbesuch, begleitet vom Diakon Bernd Baumgarten aus Trier. Eine der Stationen der damaligen Reise war eine Werkstatt für Behinderte. „So etwas brauchen wir im Kosovo auch!“, entfuhr es spontan dem Bürgermeister. Gesagt, getan: Die Kommune stellte sieben Hektar Land zur Verfügung. Bernd Baumgarten und Nysret Krasniqi, die beiden heutigen Diakoniechefs, ergriffen
Verkauf der Ernteprodukte 
sofort die Chance und eröffneten nur vier Monate später die Farm.
Heute funktioniert die Farm der Diakonie auf den ersten Blick wie ein ganz normaler Bio-Bauernhof. Neben den 2 000 Hühnern gibt es Gänse und Ziegen, außerdem werden Gurken, Paprika und Zwiebeln angebaut. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen - behindert oder nicht- kennen alle ihre Verantwortlichkeiten: Ställe ausmisten, Tiere füttern, Küken versorgen, putzen, Nachtwache halten. Die Angestellten haben ein geregeltes Einkommen – ein seltenes Glück im Kosovo.
Die Stadt Mitrovica liegt direkt auf der Konfliktlinie zwischen Kosovo-Albanern und Serben. Daraus erwachsen weitere Aufgaben für die Diakonie Kosovo: ein multiethnisches Jugendzentrum, ein Trauma-Therapiezentrum, einen Montessori-Kindergarten, eine Beratungsstelle für Rückkehrer und Abgeschobene sowie ein Ausbildungszentrum. Insgesamt hat die Diakonie Kosovo 85 Mitarbeiter.
 
Im Ausbildungszentrum der Diakonie erlernen jährlich rund 600 junge Menschen einen handwerklichen Beruf, der ihnen eine Perspektive in ihrer Heimat eröffnet. Der Ruf der Ausbildungsstätte ist sehr gut. Sogar Roma, die von der Gesellschaft sonst vielfach benachteiligt werden, haben gute Chancen, dank Ausbildung in begehrten Berufen wie Elektrotechniker Einkommen und Anerkennung zu erlangen.
Der Großteil der Mitarbeiter der Diakonie sind Muslime. Durch ihren christlichen Arbeitgeber bekommen sie ein positives Bild vom christlichen Glauben. Auch hier leistet die Diakonie eine wichtige Friedensarbeit.
Mit ihrem Jahresprojekt 2018 im Kosovo möchte die Frauenarbeit im GAW helfen, dem Biobauernhof der Diakonie in Mitrovica einen gebrauchten Traktor und dem Montessori-Kindergarten Spielzeug und Möbel zu kaufen.

unter Stichwort "Jahresprojekt Frauenarbeit"

Mittwoch, 11. April 2018

Schlaglichter aus Tschechien

Evangelische Kirche
in der Nähe von Prag
Im Dezember 2018 feiert die  Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder (EKBB) 100 Jahre ihres Bestehens. In ihrer heutigen Form ist sie durch die Vereinigung der bis dahin getrennt existierenden Evangelischen Kirche Augsburgischen Bekenntnisses und der Kirche Helvetischen Bekenntnisses entstanden. Diese Vereinigung wurde erst nach dem Zusammenbruch des Habsburgischen Reiches und der Gründung der Tschechoslowakei möglich. Damit ist die EKBB eine echte „unierte Kirche“, deren Wurzeln in die böhmische, lutherische und calvinistische Reformation reichen. 
Die Feierlichkeiten stehen auch unter dem Eindruck eines sich wandelnden Gesellschaft in Tschechien. Sie ist derzeit geprägt von einer wachsenden Intoleranz, von unterschiedlicher, sich bekämpfender Meinungen z.B in Fragen der  Migrationspolitik. Diese Differenzen reichen auch in die Kirche hinein und zeigen sich, sobald es um Dialog und Kompromisse geht. 
In der Kirche selbst erzeugt die Frage des Umgangs mit den Geldern des Staates für die Restitutionen erneut Spannungen. Dabei geht es um zwei Dinge: Restitutionszahlungen für ehemals verstaatlichte Güter und die sukzessive weniger werdenden staatlichen Zuschüsse für die Pfarrgehälter. Es gibt eine synodale Grundsatzentscheidung, aber dies verhindert nicht, dass die Diskussionen immer wieder neu aufflammen. Das geht es um den Umgang mit Gewinnen aus Fonds. Dürfen diese Gelder verwendet werden? Eine andere Frage betrifft Kreditaufnahmen: Sind sie erlaubt für größere Bauvorhaben? Und wie wird mit Rückzahlungen umgegangen?
Schwierig gestalten sich in Tschechien die ökumenischen Beziehungen. Der katholische Kardinal zeichnet sich durch eine Nähe zum wiedergewählten, aber umstrittenen Präsidenten aus.
Auch die Frage des Pfarrernachwuchses ist belastend, weil zu wenige Kandidaten gefunden werden, die Interesse an Theologie und der Kirche haben. Der Synodalsenior fragt selbstkritisch: Sind wir in der Lage, den Glauben unseren eigenen Kindern glaubwürdig vermitteln?

Montag, 2. April 2018

Manchmal stehen wir auf ... mitten am Tag ... - Flüchtlingshilfe in Griechenland

In einem ehemaligen Autohaus ist in Volos das
Flüchtlingslager untergebracht

"Auferstehung" - so heißt ein Gedicht von Marie Luise Kaschnitz. Es fasst kurz und knapp zusammen, um was es in der Osterbotschaft geht:

"Manchmal stehen wir auf

Stehen wir zur Auferstehung auf
Mitten am Tage
Mit unserem lebendigen Haar
Mit unserer atmenden Haut ..."

Es geht Ostern um uns! Und darum, aufzustehen und einzustehen FÜR das Leben, insbesondere für Menschen in Not.

Heute am Ostermontag erreicht uns eine Nachricht von Moderator Meletis Melitiadis, der mit seinen Gemeinden das lebt und Beispiel als kleine Diasporakirche gibt, dass man immer etwas tun kann, aufstehen kann, einstehen kann für andere und es dabei nicht auf Größe Macht oder Einfluss ankommt. 

Im Autohaus sind provisorische "Kabinen" aufgestellt
Am Telefon sagte er mir. "Der Flüchtlingsstrom nach Griechenland ist nicht zu Ende. Es kommen immer wieder welche. Und bedrückend war es für uns, dass nach dem Treffen des türkischen Präsidenten mit den EU-Vertretern im bulgarischen Varna allein in der darauffolgenden Nacht 800 Flüchtlinge Griechenland erreichten. Das zeigt, wie hier auf Kosten der Flüchtlinge, der Notleidenden Politik gemacht wird." und dann fährt er fort: "Vor zwei Tagen rief mich der Militärkommandant des Flüchtlingslagers von Volos an und bat um Hilfe. Es waren am Tag zuvor mehr als 150 undokumentierte minderjährige Flüchtlinge in Volos ankommen..Der Kommandant schickte mir eine Liste mit dem, was dringend benötigt wird, um diese Jugendlichen zu versorgen. Auch wenn wir selbst immer wieder vor Ort sammeln, so brauchen wir doch eure Unterstützung dabei."
Vor einem Jahr im Camp in Volos: rechts M. Melitiadis;
links GAW-Generalsekretär E. Haaks

In Volos ist Moderator Melitiadis der Pfarrer der dortigen Gemeinde. Sie haben sich aktiv bei der Versorgung der Flüchtlinge in dem zwischenzeitlich geschlossenen Flüchtlingscamp engagiert. Jetzt wird es wieder geöffnet, weil erneut die Flüchtlingszahlen ansteigen.

Das GAW wird helfen und mit verschiedenen Partnern Sonderhilfe der Griechischen Evangelischen Kirche geben.

Diese Hilfe ist in unseren Augen gelebtes Ostern - aufstehen, mitten am Tag, mit unserer atmenden Haut. Denn - wir können was tun!