Freitag, 30. März 2018

Ostergruß des GAW

Liebe Freunde des GAW, liebe Schwestern und Brüder!
Im Spanischen wird die Woche von Palmarum bis Ostern „Semana Santa“, die „Heiligen Woche“, genannt. Es ist die Woche der totalen Liebe Gottes, der in Jesus den Jüngern damals - und heute uns -, die Füße waschen will, damit auch wir die Kraft und die Freude haben, den Menschen, vor allem den Ärmsten zu dienen! Gutes zu tun an jedermann nach dem Leitwort des GAW heißt: aufstehen zum Dienst am Nächsten – und besonders für unsere „Glaubensgenossen“!
Lasst uns das gemeinsam tun!
Eine bestärkende „Semana Santa“ und ein gesegnetes Osterfest!
Pfarrer Enno Haaks, Generalsekretär des GAW


Dear friends of the GAW, dear sisters and brothers in Christ!
We are in the midst of the Holy Week. It is the week of the passionate and uncompromising love of God, who in Jesus washed the disciples’ feet and does so today for us to give us power and joy to serve men, especially the most vulnerable. To do good to everyone – as the motto of the GAW says – does mean: stand up to serve our neighbors – in particular our sisters and brothers in faith.
Let’s do that together.
A strengthening Holy Week and a blessed Easter.
Rev. Enno Haaks, Secretary General of the GAW


Estimados amigos de la OGA, estimadas hermanas, etsimados hermanos!
Vivimos y experimentamos la Semana Santa. Es la semana del amor absoluto de nuestro Dios, quien a través de Jesus quiere lavar los pies a los discipulos en su tiempo – y en nuestros dias a nosotros. Y todo esto para que nosotros tengamos fuerza y la alegría a servir a los seres humanos, primero a los más pobres! El lema biblico de la OGA se llama: Hagamos bien a todos! Eso significa para nosotros: Vamos a levantarnos para servir al prójimo – y especialmente a nuestros hermanos en la fe!
Vamos a hacerlo juntos!
Les deseo una buena Semana Santa y una bendecida fiesta de Pascua de Resurreción!
Pastor Enno Haaks, Secretaria General de la OGA

Samstag, 24. März 2018

Gemeinsam Kirche in verunsicherten Zeiten sein

Eugenio Bernardini (Mitte)
"Die italiensiche Gesellschaft ist tief verunsichert. Nach den Wahlen in Italien gibt es keine regierungsfähige Mehrheit. Auch Neuwahlen würden sehr wahrscheinlich keine Mehrheit herbeiführen," sagte Moderator Eugenio Bernardini von der italienischen Waldenserkirche bei einer Tagung mit den Partnern seiner Kirche in Düsseldorf. Das sei frustrierend, denn die Hoffnung auf Erneuerung der Politik sei damit wieder und wieder enttäuscht worden. Auch die, die meinen für eine Erneuerung zu stehen, wie es Beppe Grillo von der Fünf-Sterne-Bewegung oder jüngst wieder Silvio Berlusconi vorgaukeln, sei nichts als ein Beispiel einer klamaukhaften Politikidee. Zudem: Es gäbe heute in Europa keine andere Partei, die es mit Systemopposition und Antipolitik so weit gebracht habe wie die Fünf-Sterne-Bewegung. Das sei aber eher als Antwort zu verstehen, dass die traditionelle Politik in Italien versagt habe. "In ganz Europa ist so etwas zu beobachten - selbst in Deutschland," meint Bernardini. In Italien käme aber verschärfend hinzu, dass man meint, dass mit Politikern wie Grillo oder Berlusconi, sich nicht ernsthaft sich etwas zum Besseren wandeln könnte. Trotzdem wählt man sie. Dahinter sitze eine resignative Überzeugung in Italien, dass es sich für den Einzelnen nicht lohnt, sich auf den beschwerlichen Weg vom abhängigen Klienten zum selbstbewussten Bürger zu machen. Am Ende werde doch alles beim schlechten Alten bleiben. Und zwar nicht nur deswegen, weil die Eliten verdorben sind, sondern eben auch, weil die Mehrheit der Bürger den schwierigen Aufbruch gar nicht wagen will. 
Neben dieser tiefen politischen Krise des Landes kommen die wirtschaftlichen Nöte hinzu. Gerade junge Leute wandern deshalb aus. Ein weiterer Aspekt der Verunsicherung liegt in den Fragen der Einwanderung. 5 Millionen Migranten sind in den vergangenen 15 Jahren nach Italien gekommen - 8 % der Bevölkerung. Das alles verstärkt die Frage nach der Identität und die Sehnsucht nach Abschottung.
"Bis in unsere Kirche hinein sind die Verunsicherungen zu spüren. Und wir fragen uns, wie wir in dieser globalisierten und sich rasant verändernden Welt eine missionarische Kirche sein können, die offen ist für die Herausforderungen unserer Zeit. Wir können und dürfen uns nicht abschotten und wir haben einen Auftrag gegen Verunsicherungen und Ängsten die frohe Botschaft zu setzen, die darauf baut, dass wir in keiner Zeit gottverlassen sind," sagt Bernardini. Wichtig sei deshalb das Programm "Gemeinsam Kirche sein" der Waldenserkirche, das versucht, Migranten in die Kirche zu integrieren. Seit mehr als 20 Jahren gibt es das Programm. Auch wenn die Mehrheit der Verantwortlichen und der Gemeindemitglieder hinter dem Programm stehen, so gibt es doch Ermüdungserscheinungen. Die Kirche wächst nicht, denn sobald Migranten gut integriert sind und dann auch noch die italienische Staatsbürgerschaft erhalten, zieht es sie eher Richtung Nordeuropa und sie gehen der Waldenserkirche verloren. Die Kirche steht zu diesem Programm, denn es ist ein Zeichen gegen die Verunsicherungen in der Gesellschaft.

Freitag, 23. März 2018

Rumänien: Christliche Stiftung Diakonia dankt für GAW-Konfirmandengabe 2016

Mit der GAW-Konfirmandengabe 2016 wurde u.a. die Roma-Arbeit der Christlichen Stiftung Diakonia in Rumänien unterstützt. Geschäftsführer Arthur Sárosi dankt nun in einem Brief allen Konfirmandinnen und Konfirmanden, die für die Roma-Arbeit der Stiftung gespendet haben: "Die Christliche Stiftung Diakonia engagiert sich seit 2001 bei der Integration von Kindern aus sozial schwachen und Roma-Familien. Unsere Arbeit ist sowohl in Städten also auch im ländlichen Bereich notwendig. Begonnen haben wir unsere Arbeit im Kreis Cluj. Nachdem wir dort zehn Jahre erfolgreich gearbeitet und Erfahrungen gesammelt hatten, haben wir unsere Arbeit auf den Kreis Bihor ausgeweitet. Unsere Arbeit wuchs beständig. Die Spenden der GAW-Konfirmandengabe 2016 kamen unserer vergleichsweise noch jungen Arbeit im Kreis Bihor zugute. Wir betreuen dort derzeit in 14 Ortschaften 450 sozial schwache und Roma-Kinder. Da der Staat und die Kommunen soziale Arbeit mit Kindern kaum unterstützen, sind wir sehr dankbar für die Hilfe unserer ausländischen kirchlichen Partner wie dem GAW. Herzlichen Dank und Gottes Segen allen Spenderinnen und Spendern." 

Die GAW-Konfirmandengabe 2018 unterstützt evangelische Schulen in Syrien und im Libanon sowie das Kinderheim "Casa Hogar" in Venezuela.

Dienstag, 20. März 2018

Eine Herberge für Notleidende in Palmela in Portugal

Das zu sanierende Gebäude in Palmela
Die politischen und sozialen Veränderungen stellen Kirchen und soziale Organisationen vor besondere Herausforderungen. In Portugal – wie in allen anderen europäischen Ländern auch – ist die Frage der Migration und der vielen Asylsuchenden eine große Herausforderung, die auch die Aufmerksamkeit der presbyterianischen Kirche in Portugal fordert. Auf der anderen Seite hat durch die soziale Krise im Land die häusliche Gewalt zugenommen, die insbesondere Frauen betrifft. Diese Frauen brauchen eine zeitweise Unterkunft (im Durchschnitt stirbt in Portugal pro Woche eine Frau an häuslicher Gewalt). Und schließlich ist die Situation der Obdachlosen gerade in den kalten Monaten fürchterlich. Es besteht ein großer Bedarf an vorübergehenden
Frauengruppe der Kirchengemeinde in Palmela
Unterkünften für Menschen in den unterschiedlichsten Notlagen, den die Presbyterianische Kirche durch die Errichtung von Notunterkünften in Palmela decken möchte.

Ein älteres, der Kirche gehörendes Gebäude in Palmela, bei Setúbal gelegen, soll saniert werden. Im Erdgeschoss sollen Unterkünfte für acht Asylsuchende und Flüchtlinge hergerichtet werden. Im 1. Stockwerk sollen für Notleidende aus Portugal entsprechende Räume saniert und eingerichtet werden. Dazu müssen das Dach und die Außenfassade erneuert werden.

Die Gesamtkosten betragen 50 000 €. Das GAW will dieses wichtige Projekt in diesem Jahr mit 
9 000 Euro fördern.

Dienstag, 13. März 2018

Wuppertal: Benefizkonzert für die Projekte der GAW-Konfirmandengabe in Syrien und Venezuela

Pfarrerin Friederike Slupina-Beck (links)
und Tenor Christoph Ibach (rechts).
Bei einem Benefizkonzert zugunsten der GAW-Konfirmandengabe 2018 sammelte die evangelische Kirchengemeinde Wuppertal-Ronsdorf am Wochenende 1.150 Euro. Das Geld kommt evangelischen Schulen in Syrien und dem Kinderheim "Casa Hogar" in Venezuela zugute. Initiiert und organisiert haben das Konzert Tenor Christoph Ibach und Pfarrerin Friederike Slupina-Beck. Slupina-Beck: "Wir sind glücklich, dass wir Christoph Ibach für die Projekte des GAW gewinnen konnten. Er hat ein hochkarätiges Musikerensemble für dieses Konzert zusammengestellt." Während des Konzertes berichteten Friederike Slupina-Beck und Chistoph Ibach mit Fotos und Geschichten aus den Projekten in Syrien und Venezuela. "Die bewegende Verbindung zwischen den Projekten des GAW und guter Musik sollten wir öfter nutzen", findet Ibach und plant schon an der nächsten Veranstaltung, die spätestens im Herbst stattfinden soll, wenn GAW-Generalsekretär Pfarrer Enno Haaks und Pfarrer Mofid Karajili aus Homs die Gemeinde besuchen. GAW-Generalsekretär Pfarrer Enno Haaks: "Wir freuen uns über das Engagement der Wuppertaler und bedanken uns herzlich - auch im Namen unserer Partner in Syrien und in Venezuela!"

Montag, 12. März 2018

Vor sieben Jahren brach der Krieg in Syrien aus

Haroutune Selimian (2.v.r.) in Aleppo
In dieser Woche vor sieben Jahren brach der blutige Bürgerkrieg in Syrien aus. Zunächst begannen Demonstrationen und Unruhen im Land, die sich gegen die Gewaltanwendung gegen friedliche Demonstranten wendeten und gegen die Verhaftung von Kindern in der südsyrischen Stadt Darʿā. Mehrere Menschen wurden getötet. Bei Protesten in den folgenden drei Tagen kam es zu weiteren Toten, darunter auch einigen Polizisten. Ab April 2011 setzte die Regierung die reguläre Armee gegen die Demonstranten ein. Mehrere hundert Personen wurden in den ersten Monaten der Protestwelle im Umfeld von Demonstrationen getötet. Die Gewalt wuchs an und eskalierte. Zahlreiche ausländische Mächte sind involviert. Viele unvereinbare Interessen spielen eine Rolle, die einen Friedensprozess behindern. Das jüngste Eingreifen des türkischen Militärs in Afrin im Norden von Aleppo hat die Situation erneut verschärft. Auch das derzeitige Drama um Ostghuta ist erschreckend. Seit Beginn des Krieges kamen mindestens eine halbe Million Menschen in Syrien um. Genaue Zahlen gibt es nicht. 45 % der Bevölkerung wurde vertrieben. 1,5 Millionen Menschen sind nach Aussage von UNICEF in Syrien körperlich oder seelisch verletzt. 


Mit dem evangelischen armenischen Pfarrer Haroutune Selimian aus Aleppo konnte ich
Haroutune Selimian in einer arm.-ev.
Gemeinde
heute telefonieren. Er sagte mir: „Ich bin dankbar, dass Ihr euch an uns immer wieder erinnert, und dass ihr den Beginn des Krieges in Syrien nicht vergessen habt. Und ich sage euch allen: Die christliche Präsenz in Syrien ist entscheidend für die Zukunft des Landes. Das ist keine Option, denn wir sind Teil der syrischen Gesellschaft. Und wir Christen sind seit dem 1. Jahrhundert im Land. Von Syrien aus wurde Europa missioniert! Syrien ist und bleibt unsere Heimat. Das dürfen wir alle nicht vergessen. Wir hoffen, dass alle Gewalt und Verfolgung enden wird, und dass wir an einem neuen Syrien mit bauen können, und dass es ein besseres Syrien geben wird. Dabei ist die christliche Präsenz als ausgleichender Faktor in der Gesellschaft wichtig. Wir können zum Dialog beitragen und zum Ausgleich. Unsere Schulen sind dafür ein Beispiel. Sollte der fundamentalistische Fanatismus siegen, dann ist das nicht nur gefährlich für Syrien. Nein – das ist das gefährlich für Europa und die ganze Welt!“ 

Mit Pfarrer Selimian und seiner evangelischen-armenischen Kirche arbeitet das GAW eng zusammen. Derzeit helfen wir das Dach der zerstörten Emanuelkirche zu sanieren. 

Seit fünf Jahren engagiert sich das GAW in Syrien und arbeitet mit der Armenischen-Evangelischen Kirche und der Arabischen-Evangelischen Kirche (NESSL) zusammen. Auch zur fellowship of Middle East Evangelical Churches (FMEEC) gibt es einen guten Kontakt und wurde Hilfsprojekte unterstützt.

Helfen Sie mit, dass Christen eine Zukunft in Syrien haben:


http://www.gustav-adolf-werk.de/spenden.html

Vor Kurzem haben wir im Verlag des GAW ein Heft zu Syrien und der Situation evangelischer Christen herausgegeben:

Hilf mir vor meinen Verfolgern! An der Seite bedrohter evangelischer Christen in Syrien

Das Heft (A4-Format) nimmt die Entstehung und die aktuelle Situation evangelischer Gemeinden in Syrien in den Blick und verleiht diesen Christen eine Stimme. Weitere Beiträge stellen den Kontext zu historischen Zusammenhängen her, der notwendig ist, um aktuelle Verwerfungen in der Region besser zu verstehen.

Mit Beiträgen von Martin Tamcke, Karin Leukefeld, Haroutune Selimian, Najla Kassab, Joseph Kassab, Uta Zeuge-Buberl, Katja Dorothea Buck u.a.

54 Seiten, 5,00 €,
zu bestellen unter verlag@gustav-adolfwerk.de oder http://www.gustav-adolf-werk.de/neuerscheinungen.html

Samstag, 3. März 2018

Bleiben und nicht gehen! - Herausforderungen der Reformierten Kirche in Rumänien

Emöke - ehemalige GAW-Stipnediatin
Emöke war GAW-Stipendiatin in Leipzig im Jahrgang 2016/17. Derzeit ist sie in ihrem letzten Jahr des Theologiestudiums in Klausenburg/Cluj, das sie im Sommer mit den Abschlussprüfungen beenden wird. Zur Ausbildung gehört im letzten Studienjahr ein Gemeindepraktikum, das parallel zum Studium läuft. Sie macht es in einer der 12 reformierten Gemeinden in der 330.000 Einwohner zählenden Stadt Klausenburg. 

Zwei Pfarrer betreuen die Gemeinde, zu der 1.600 Mitglieder gehören. Und es gibt reichlich Arbeit! Im Kellergeschoß der Kirche, die 1994 geweiht wurde, ist eine Krabbelgruppe untergebracht. Bald wird sie in den Kindergarten umziehen, dee dank der Unterstützung der ungarischen Regierung gebaut wurde und hoffentlich bald eingeweiht werden kann. An die 50 Kinder sollen dann dort betreut
Die Reformierte Kirche in Cluj wurde mehrmals
vom GAW unterstützt
werden. Ungarisch wird die Umgangssprache sein. 

Zur Gemeinde gehört zudem das Alten- und Pflegeheim, in dem 25 ungarische und rumänische Senioren untergebracht sind und würdevoll betreut werden. Dank eines im letzten Jahr ausgeschriebenen Programms der ungarischen Regierung wird demnächst gegenüber der Kirche ein Heim für 75 behinderte Menschen errichtet werden. Hier gibt es eine besondere Not. Es gibt so gut wie keine staatlichen Betreuungs- und Hilfsangebote in diesem Bereich. 

Reformierte Kirche in Cluj
All diese Projekte werden dank der ungarischen Regierung umgesetzt. "Es ist nach dem 1. Weltkrieg quasi das erste große Unterstützungsprogramm für die Reformierten in Ungarn," sagt Bischof Kató. Über die Reformierte Kirche werden ca. 50 sozial-diakonische Zentren errichtet, die dann in kirchlicher Trägerschaft betrieben werden sollen. "Der ungarische Staat will uns helfen, dass wir Sprache, Kultur und Identität bewahren können, und dass wir eine Perspektive haben, in Rumänien zu bleiben. Bleiben und sich den Anforderungen stellen, die die Gesellschaft an uns stellt - darum geht es uns als Kirche!" sagt Kató. "Wir wollen  unsere Gemeinschaft stärken. Das ist ein großer Wert gegen jedes Materielle. Die Menschen sollen bleiben können," ergänzt er, wissend, dass viele Menschen auch seiner Kirche gegangen sind. "Das ist ein große Katastrophe für uns!"

Reformierte Gemeinden wie die in Klausenburg wollen genau das umsetzen, was dem Bischof vorschwebt. Sie wollen Menschen aufsuchen, die sich in der wachsenden Stadt ansiedeln. Und gleichzeitig soll auch ihre Gemeinde sich öffnen. Ein Anfang ist in Emökes Gemeinde gemacht: es gibt inzwischen eine Übersetzungskabine mit Übersetzungen des Gottesdienstes ins Rumänische und Englische.

P.S.: Diese Reformierte Gemeinde entstand nach der politischen Wende. 1991 begann der Kirchbau. 1994 konnte die Kirche geweiht werden. Das GAW half beim Bau. - Ebenso half das GAW beim Umbau des Alten- und Pflegeheimes und im vergangenen Jahr bei einer Motorisierungshilfe.

Not im Pflegebereich in Rumänien

Anna (links)
Anna hat nach dem Abitur ein freiwilliges Jahr bei der Diakonie in Sachsen in einem Alten- und Pflegeheim gemacht. Sie spricht Deutsch, Ungarisch und Rumänisch. Sie ist als Sozialarbeiterin gut ausgebildet. Für sie war es klar, dass sie nach Rumänien und in ihre Heimatstadt Cluj/Klausenburg zurückkehren wird. Das Gelernte wollte sie anwenden, denn in ihrer reformierten Gemeinde in Cluj gab es im Alten- und Pflegeheim genug Arbeit. Gut ausgebildete Fachkräfte sind Mangelware und werden gesucht. Das ist klar, denn wie soll man von 350 Euro monatlich gut leben können. „Das reicht für Miete, Essen und Kleidung,“ sagt Anna. „Aber ich brauche nicht viel. Ich lebe von dem was ich habe - und ich lebe gut!“ Würde es ihr wirtschaftlich in Deutschland nicht besser gehen? „Ka klar! Und ich habe schon immer mal wieder Angebote über unsere Partnergemeinde in Sachsen bekommen,“
Reformiertes Alten- und Pflegeheim
gibt sie unumwunden zu. „Und ich habe gerade bei meiner letzten Fortbildung bei der Diakonie Sachsen wieder eine Anfrage bekommen - und ehrlich: Ich habe ernsthaft überlegt, das Angebot anzunehmen…“ Was aber, wenn junge Menschen wie Anna gehen? Wer bleibt denn dann noch? Wer kann die Arbeit übernehmen? Wer sorgt für einen einigermaßen würdevollen Standard in der Pflege? Denn gute Pflegekräfte zieht es nach Westeuropa, weil dort überall Arbeitskräfte fehlen. „Das ist eine der Katastrophen in Rumänien,“ sagte Bischof Kato im Gespräch. „Wir müssen Menschen wie Anna helfen, damit sie eine Perspektive hier haben!“

In dem Alten- und Pflegeheim, das in der Nähe der reformierten Gemeinde liegt, werden 25 Personen betreut – alte und behinderte Menschen zusammen. „Das ist auch so ein Problem in Rumänien,“ sagt Anna. „Es gibt kaum Orte für behinderte Menschen. Plötzlich waren sie da und wir mussten uns um sie kümmern, weil niemand mehr da war. So ist es auch mit den Alten. Die meisten Angehörigen sind in Westeuropa und sie sind hier geblieben. Von den Alten sind 15 ungarischer und 10 rumänischer Nationalität. Dazu kommen fünf behinderte Menschen. Eine tägliche Herausforderung!

Der rumänische Staat gibt kaum etwas dazu. Und eigentlich bräuchte man ca. 500 Euro monatlich pro Person und Monat, um die Unkosten zu decken. Der Staat gibt 40-50 Euro pro Person und Monat. Der Rest muss durch die Angehörigen der Bewohner gedeckt werden, was nicht immer gelingt. Da ist die Gemeinde dann auf Unterstützung angewiesen.

Anna will jedenfalls erst einmal bleiben. „Ich habe das Gefühl das derzeit hier mein Platz ist!“

Das GAW hat beim Umbau des Alten- und Pflegeheimes 2004 geholfen und im vergangenen Jahr bei der Anschaffung eines notwendigen Dienstfahrzeuges für das Alten- und Pflegeheim.

Freitag, 2. März 2018

Wir müssen jeden Tag in der Gesellschaft dabei sein!

Bischof Kató am Kopfende des Tisches mit der Gruppe
Theologiestudierender
"Wer in Rumänien sagt, dass er reformiert ist, der ist Ungar," sagt Bischof Belá Kató von der Reformierten Kirche im Siebenbürgischen Kirchendistrikt bei einem Gespräch mit 13 deutschen Theologiestudierenden in Klausenburg/Cluj. "Es gibt keine Gemeinde rumänischer Sprache." Er berichtet von den Folgen der Geschichte des 20. Jahrhunderts. Am Beginn des Jahrhunderts gab es im Grunde eine Reformierte Kirche. Nun ist die Kirche durch die Folgen des 1. Weltkrieges und des Vertrages von Trianon in 10 Kirchendirstrikte aufgeteilt: in Ungarn (4), in Rumänien (2), in der Ukraine, in der Slowakei, in Kroatien und in Serbien. In den beiden letzteren Ländern mussten sich nach der Teilung Jugoslawiens zwei Kirchendistrikte formieren. Alle 10 Kirchen haben sich seit 2009 wieder in einer gemeinsamen ungarisch-reformierten Synode zusammengefunden. Vier Mal im Jahr
Theologische Fakultät in Cluj - getragen von den beiden
reformierten, der lutherischen und
der unitarischen Kirche
treffen sich zudem die Bischöfe und Hauptkuratoren, um Themen gemeinsamen Interesses zu besprechen und die Zusammenarbeit zu koordinieren. Alle Kirchen eint das Interesse, die gemeinsame Identität zu stärken und zu bewahren. 
Und hier liegen dann auch große Herausforderungen für die reformierte Kirche in Siebenbürgen. Derzeit hat die Kirche ca. 360.000 Mitglieder in 550 Muttergemeinden, in denen je ein Pfarrer tätig ist. An insgesamt 1200 Predigtorten ist die Kirche tätig. Viele Gemeinden sind so klein, dass kein Pfarrer mehr dorthin gesendet werden kann.
Predigtkirche des reformierten
Bischofs in Cluj
Seit den 90er Jahren hat die Kirche ca. 1/3 ihrer Mitglieder verloren. Zumeist gehen die jungen und gut ausgebildeten Leute. Zurück bleiben dann die Alten. "Nach Syrien ist Rumänien das Land, aus dem die meisten jungen Menschen weggegangen sind," sagt Bischof Kató. "Das fordert unsere Kirche heraus! Wir wollen den Menschen Heimat geben. Dazu gehört auch unsere Kultur und Sprache, die wir erhalten wollen. Wir brauchen diese Identität, um Gemeinschaft zu stärken. Aber wir wollen auch offen sein für die Herausforderungen in der rumänischen Gesellschaft. Deshalb wenden wir viel Energie darauf, die jungen Menschen zu erreichen. Kindergärten, Schulen und die kirchliche Jugendarbeit sind die Orte, wo wir alle Kraft reinsetzen müssen. Wir können uns nicht hinsetzen und abwarten. Es reicht nicht allein, gut zu predigen! Wir müssen rausgehen. Wir müssen in der Gesellschaft jeden Tag dabei sein! Deshalb dürfen wir uns auch nicht isolieren. Beides zusammen zu halten - Heimat und zu Hause geben und gleichzeitig offen in der Gesellschaft wirken - darum geht es!" Und dann beschreibt Bischof Kató auch noch, wie es immer wichtiger wird, eine missionarische Arbeit in den Städten zu stärken. "Die Hälfte der Mitglieder der Kirche wohnt in den Städten, die von einem Fünftel der Pfarrer betreut werden. Hier müssen wir stärkere pastorale und missionarische Präsenz zeigen. Wenn Mitglieder unserer Kirche in die Stadt ziehen ist es schwer, sie zu finden und sie in einer städtischen Gemeinde zu integrieren. Da müssen wir mehr tun!"