Donnerstag, 20. April 2017

Ostern in Aleppo - Sanierung des Kirchendaches der Bethel-Kirche kann beginnen

Die Karwoche und Osterfestage in Aleppo in der armenischen evangelischen Bethel-Kirche

"Als armenisch-evangelische Christen wollen wir hier in unserer Heimat Syrien bleiben und hoffen, arbeiten und beten für eine bessere Zukunft", schreibt Pfarrer Haroutune Selimian, Präsident der armenisch-evangelischen Gemeinden in Syrien und Pfarrer der Bethel-Kirche in Aleppo. "Die Karwoche und das Osterfest in unseren Gemeinden - besonders in Aleppo - standen ganz unter dieser Hoffnung, dass es Sinn hat, dass wir hier sind und Zeugnis geben, dass unser HERR Jesus Christus dem Tod die Macht genommen hat. Dafür sind und bleiben wir in Aleppo!"
Pfarrer Selimian berichtet von den bewegenden Ostergottesdiensten. "Die Gottesdienste waren so überfüllt, dass wir sie nach draußen übertragen mussten.
Auf dem Campus unserer Schule stand eine große Menschenmenge und lauschte an den Lautsprechern. Es war beeindruckend, wie Viele gekommen waren, um das Osterfest zu feiern - für uns nach über vier Jahren Krieg in einer befreiten Stadt!"
Selimian berichtet von der derzeitigen Situation in Aleppo: "Es gab in Aleppo einige Verbesserungen, da die Stadt nach viereinhalb Jahren Kämpfen wieder vereint wurde. Es waren harte Jahre für uns alle. Während der ersten paar Wochen nach dem Abzug der islamistischen Kämpfer aus dem Ostteil der Stadt waren die Bulldozer damit beschäftigt, Barrieren abzureißen, die in jenen Jahren des Kampfes zu Grenzen geworden waren. Plötzlich konnten wir von einem Stadtteil zum anderen laufen, ohne dass jemand uns anhielt oder aus dem Hinterhalt auf uns schoss. All die Straßensperren haben die Menschen voneinander getrennt. Außerdem versuchten die Regierungstruppen, die Umgebung von Aleppo zu befrieden. Es gab immer mal wieder Versuche, Aleppo vom Westen her zu beschießen.
Gleichzeitig wurde daran gearbeitet, die Trinkwasserversorgung für alle Einwohner zu sichern. Ihr könnt euch kaum vorstellen, was für eine Freude es war, als plötzlich Wasser aus unseren Wasserhähnen lief! Leben ohne Wasser ist furchtbar hart. Wann die Stromversorgung wiederhergestellt wird, ist schwer zu sagen, da so viel an Infrastruktur zerstört wurde. Die Reparatur der ganzen Stromnetzes wird wohl Jahre dauern. Dankbar sind wir in der Bethel-Kirche und unserer Schule für die beiden vom GAW geförderten Stromgeneratoren. - Trotz der Zerstörung in Aleppo geht das Leben weiter und wir sind dankbar und glücklich, dass wir hier sind und Aleppo wieder mit aufbauen können."
Aleppo ist  eine geteilte Stadt. Der Westen von Aleppo ist modern geprägt, die Menschen hier waren vor den Kämpfen wohlhabend. In der Altstadt lebt die Mittelschicht. Der Osten ist arm und durch den Krieg sehr zerstört. Es gilt nun Brücken zu bauen zwischen dem Ostteil und dem Westteil der Stadt und die Menschen zum Zusammenhalt bewegen, trotz aller Zerstörung.
Ob der Frieden in Aleppo hält? Man hat den Eindruck, dass beinahe die Vorstellung von Frieden herrscht. Doch ist er bei der komplizierten Gemengelage und dem Einfluss unterschiedlicher Kriegsparteien stabil? Von einer Friedenssituation, in der man gesicherten Wiederaufbau leisten kann, ist die Stadt wohl noch weit entfernt. Aleppo ist momentan ein Fall für die Katastrophenhilfe, die Aufbauhilfe kommt erst später. Es geht jetzt darum, den Menschen in Aleppo solidarisch zur Seite zu stehen.
Das GAW hat nach dem Osterfest 30.000 Euro zur Verfügung gestellt, damit die dringend notwendigen Sanierungsarbeiten an der Bethel-Kirche in Aleppo durchgeführt werden können. Damit entstehen auch für eine Zeitlang Arbeitsplätze, die wiederum den Familien der Arbeiter zugute kommen. Gleichzeitig ist eine sanierte Kirche mitten in der Zerstörung ein Zeichen, dass Menschen sich sammeln können und Hoffnung bewahren, dass ihr Leben Sinn hat. Die Bethel-Kirche will dem Evangelium Raum geben.




Dienstag, 18. April 2017

Die frohe Botschaft hat RAUM in Nabik!

Die Sanierung der Kirche hat be-
gonnen
Zerstörte evangelische Kirche
in Nabik
"Ohne die Hilfe des GAW wäre es nicht möglich gewesen, unsere evangelische Kirche in Nabik zu sanieren!" schreibt Pfarrer Mofid Karajili aus Homs, der  die kleine Gemeinde in Nabik mit betreut. Nabik liegt auf dem Weg von Damaskus nach Homs. Durch die heftigen Kämpfe in der Region wurde in Nabik viel zerstört  - auch die evangelische Kirche, die 1932 erbaut wurde. Die Region gilt derzeit als sicher. Neben der evangelischen Kirche gibt es nur noch eine syrisch-katholische Kirche, die inzwischen saniert wurde. "Wenn wir jetzt nicht begonnen hätten, unsere Kirche zu sanieren, dann wäre das wohl das baldige Ende der evangelischen Kirchengemeinde gewesen!" sagt Karajili.Vor dem Bürgerkrieg hatte Nabik ca. 50.000 Einwohner. Jetzt sind es noch 32.000 Einwohner.  Vor dem Krieg lebten 800 christliche Familien in Nabik, davon waren 80 evangelisch. Viele Familien sind auf Grund des Krieges  in den Libanon, nach Damaskus oder Malula geflohen. 10 evangelische Familien leben noch in Nabik. Ursprünglich gehörte zur Gemeinde auch eine Schule, die 280 SchülerInnen besuchten aus allen Religionen und Konfessionen. Diese Schule ist durch den Krieg völlig zerstört worden. 
Die Kirchengemeinde ist aus der dänisch-lutherischen Missionsarbeit hervorgegangen. Aus dieser Missionsarbeit entstand auch ein Krankenhaus, das durch die Regierung 1970 der Gemeinde allerdings wieder genommen wurde.
Blick in den Kircheninnenraum
Die Gemeinde ist sehr aktiv insbesondere in der Kinder- und Jugendarbeit zu der auch Kinder und Jugendliche aus der syrisch-katholischen Gemeinde gerne kommen. 
"Für die Stadt und die Gemeinde ist die Sanierung der evangelischen Kirche ein wichtiges Hoffnungszeichen. Eine sanierte Kirche heißt für uns: Es gibt eine Zukunft für uns! Wir sind nicht allein. Unsere Botschaft hat Raum in Nabik!"
Zudem bedeutet die Sanierung, dass Menschen Arbeit haben und dadurch ihre Familien ernähren können.
Die "National Synod of Syria and Lebanon" hat sich mit 15.000 Euro an der Sanierung beteiligt. Über das GAW konnten 22.000 Euro gegeben werden.

Samstag, 15. April 2017

Eine neue Herberge für eine Gemeinde und Flüchtlinge in Exarchia

Vor dem neuen Kirchgebäude, in dem
Flüchtlinge untergebracht werden sollen
"Die Hälfte unserer Gemeindemitglieder arbeiten inzwischen hauptberuflich in der Flüchtlingsarbeit", erzählt Pastor Alexandros Pipilios von der jungen evangelischen Gemeinde in Exarchia, dem als Anarchistenhochburg bekannten Stadtteil Athens. Seit 2013 hat die Gemeinde ein Gebäude gemietet. Hier finden alle Gemeindeaktivitäten bis hin zum sonntäglichen Gottesdienst statt. Hier ist auch Anlaufstelle der vielen Aktivitäten für die Flüchtlinge, die von den Gemeindemitgliedern betreut werden.
Als die Flüchtlingskrise sich im Jahr 2015 verschärfte, brachten sich die Gemeindemitglieder sofort ein. In zahlreichen Familien wurden spontan Flüchtlinge aufgenommen, die hier in Athen gestrandet waren. "Das taten die Gemeindemitglieder auf eigene Kosten", sagt Alexandros. Das konnte aber kein Dauerzustand bleiben. Über die inzwischen von der evangelischen Gemeinde gegründete NGO "Faros" (www.faros.org.gr), die auch von Alexandros geleitet wird, wurden jetzt mit Hilfe ausländischer Partnerorganisationen Appartments angemietet, um Flüchtlinge aufzunehmen und zu versorgen. "Wir haben sie teilweise von den Strassen oder dem Viktoriaplatz
Pastor Alexandros Pipilios (li.) mit
dem GS des GAW Pfr. Haaks
aufgesammelt und ihnen ein Obdach gewährt. Zudem haben wir in Exarchia mit den anarchistischen Netzwerken zusammen geschaut, wie wir die Unterbringung, Versorgung und Begleitung der Flüchtlinge verbessern können." Mit der NGO "Faros" betreut die Gemeinde derzeit ca. 300 Flüchtlinge. "Wir wollen als nächsten Schritt ein Integrationshaus öffnen, in dem dann auch die Kirchengemeinde ihre Räumlichkeiten bekommt. Schwerpunktmäßig Flüchtlingsfamilien mit kleinen Kindern und schwangere Frauen sollen hier unterkommen ." Im März 2016 konnte der Kaufvertrag für das Haus in Exarchia unterschrieben werden. Die Diakoniekatastrophenhilfe und das GAW beteiligen sich zusammen mit 150.000 Euro an Kauf und Sanierung des Gebäudes. "Wir hoffen, dass wir in zwei Monaten die ersten Flüchtlingsfamilien in dem neuen Gebäude unterbringen können", sagt Alexandros. Und er fügt hinzu: "Die Flüchtlinge sind so auch für unsere Gemeinde ein Segen. Sie und auch wir als Gemeinde bekommen eine Herberge." Und dann fügt er hinzu: "Wer gibt, der empfängt..."

Kirchenneugründung in Exarchia - Athen

Ev. Kirchengebäude  in Exarchia
Alexandros Pipilios und Tim Coomar sind zwei junge Pfarrer der Griechischen Evangelischen Kirche, die in Exarchia arbeiten. Dieses Viertel ist das andere Athen jenseits von Akropolis und anderen touristischen Sehenswürdigkeiten. Der Staat hat hier quasi nichts zu sagen. Polizisten trauen sich nur in Truppenstärke in die engen Gassen. Es ist die Hochburg der alternativen Szene im Herzen Athens. Über Griechenlands Grenzen hinaus erlangte Exarchia traurige Bekanntheit. Von hier begannen die ersten Studentenaufstands gegen die Militärjunta, die das Land zwischen 1967 und 1974 regierte. Am 17. November 1973 gab es bei gewaltsamen Auseinandersetzungen zahlreiche Tote. Dies war der Anfang vom Ende der Diktatur und begründeten den Mythos des Viertels als alternatives Zentrum. Genährt wird der Exarchia-Mythos auch von zwei Morden: Im November 1985 wurde der 15-jährige Schüler Michalis Kaltezas von einem Polizisten der Spezialeinheit MAT erschossen, am 6. Dezember 2008 traf eine Polizistenkugel den ebenfalls 15-jährigen Schüler Alexandros Grigoropoulos. Nach beiden Morden kam es zu tagelangen Straßenschlachten zwischen Exarchia-Bewohnern und der Polizei. Gebäude wurden beschädigt, Fensterscheiben eingeworfen - auch in der 1. Evangelischen Gemeinde der Griechischen Evangelischen Kirche. "Pfarrer Giotis Kantartis nahm danach einen Stein, mit dem ein Kirchenfenster zerstört wurde, als Symbol für diese fürchterliche Gewalt", berichtet Alexandros. "Er sagte: Wir müssen etwas tun gegen diese Gewalt. Wir müssen lernen, die Gewalt zu überwinden!" Und Alexandros erzählt davon, wie Mitglieder der Gemeinde begannen, in Exarchia aktiv zu werden. "Wir haben zuerst keine Gottesdienste gefeiert, sondern wir haben den Menschen zugehört. Wir wollten keine Antworten geben auf Fragen, die diese Menschen in dem alternativen, anarchistischen Viertel nicht haben. So begannen sie langsam, Vertrauen zu uns zu bekommen." Es gab in dem 26.000 Einwohnerviertel Athens keine christliche Kirche - auch keine orthodoxe Kirche. Seit 2013 hat die kleine Gemeinde in Exarchia ein eigenes Gebäude, das allerdings als Kirchengebäude nicht zu erkennen ist. "Das haben wir bewusst so gemacht", erklärt Alexandros. "Es sprach sich dennoch schnell herum, dass wir da waren. Und es soll klar sein, dass wir keinen Proselytismus betreiben wollen. Wir wollen da sein, uns einbringen und ein Teil des Lebens der Menschen hier sein." Inzwischen gehören 60 Mitglieder der Gemeinde an. 100 weitere gehören zu den Sympathisanten der Gemeinde. Von Beginn an war die diakonische Arbeit wichtig - inzwischen sind viele Gemeindemitglieder in der Flüchtlingsarbeit aktiv und bringen sich ein.
Pastor Alexandros Pipilios, GS des GAW Pfr. Haaks
"Inzwischen sind wir ein Teil dieses Stadtviertels. Das ist keineswegs selbstverständlich, denn es gibt in unserem Anarchistenviertel eine großes Skepsis und auch Ablehnung gegenüber Institutionen. Inzwischen wird aber unsere Meinung gefragt. Es gibt Anarchisten, die das erste Mal erfahren, dass ihre Anfragen und Kritik an Ungerechtigkeit in der Gesellschaft  durchaus zum Evangelium Parallelen aufweist."
Alexandros arbeitet seit vier Jahren in Exarchia. Er sagt: "Im Moment kann ich mir nicht vorstellen, an anderem Ort Pfarrer zu sein! Zudem ist die Gemeinde in Exarchia die erste Kirchenneugründung der Griechischen Evangelischen Kirche seit Jahrzehnten."

Freitag, 14. April 2017

Wir haben als Gemeinde DIE Aufgabe, uns um die Flüchtlinge zu kümmern! (Pastor Fridetzky)

Pastor Fridetzky (re.) im Gespräch
mit dem GS des GAW, Pfr. Haaks
"Vor Kurzem haben wir ein 14-jähriges Mädchen aus Syrien in einem Gottesdienst verabschiedet. Durch die Flucht aus Syrien war sie allein in Griechenland gestrandet. Die Familie war auseinander gerissen worden. Die Eltern und Geschwister hatten es schon nach Deutschland geschafft. Ein Jahr hatten wir sie bei uns beherbergt", erzählt Pastor Michael Fridetzky, der seit zwei Monaten die deutschsprachige Gemeinde in Athen betreut. Er hat täglich mit den 12 Flüchtlingen zu tun, die von der deutschsprachigen Gemeinde betreut werden. Sie sind unterhalb der Kirche untergebracht. Früher gab es dort eine Altenwohngemeinschaft. "Das Mädchen ist endlich bei ihrer Familie. Der Abschied von ihr, die uns als Mensch sehr ans Herz gewachsen ist, hat uns sehr berührt."
Deutschsprachige Kirche in
Athen
"Unter der Kirche sind die Flüchtlinge untergebracht. Sie müssen so nicht mehr in den Flüchtlingscamps abwarten, wie es mit ihnen weitergeht", sagt Fridetzky. Mit Hilfe der Gemeindesekretärin Frau Hülsenbeck und anderen Freiwilligen der Gemeinde werden die Flüchtlinge begleitet. Zudem sind zwei Jugendliche, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr in der Gemeinde verbringen, in die Arbeit eingebunden. "Sie begleiten die Flüchtlinge bei Arztbesuchen, besorgen Medikamente und helfen bei den täglichen Herausforderungen.." Und Fridetzky fährt fort: "Es ist für uns Christen Aufgabe, sich um die Not dieser Menschen zu kümmern. Sie sind da und sind auf Hilfe angewiesen. Wir versuchen mit den Mitteln, die wir haben, sie nicht alleine zu lassen." Und weiter sieht er eine Chance in der Begegnung zwischen den Gemeindemitgliedern und den Flüchtlingen. "Als Gemeinde hilft diese Arbeit uns, dass wir uns öffnen, von den Lebensgeschichten der Menschen hören und selbst erfahren, dass wir etwas tun können, um Not zu lindern." Dabei muss die Gemeinde sehr schauen, wie sie diese Aufgaben bewältigt und finanziert. Vor kurzem hat das GAW mit 5.000 Euro die Flüchtlingsarbeit unterstützt. Auch der Freiwilligendienst in der Athener Gemeinde wird durch das GAW derzeit gefördert.

Donnerstag, 13. April 2017

Hilfe für Flüchtlinge, die Frieden stiftet


v.re.n.li.: Moderator Meletis Melitiadis, Babis, GS Enno Haaks 
„Wie hast Du die Arbeit im Flüchtlingscamp gefunden?“ fragen wir Babis, der seit über 30 Jahren in Griechenland lebt, gebürtig aber aus Nazareth ist. „Nicht ich habe die Arbeit gefunden. Sie haben mich gefunden!“ sagt Babis, der als Dolmetscher im Flüchtlingscamp in Volos von einer dänischen NGO angestellt ist. Eigentlich ist er Zahntechniker. Als das Flüchtlingscamp in Volos geöffnet wurde, da hat er anfangs sich als Ehrenamtlicher angeboten zu helfen.  „Ich mache neben der Übersetzungsarbeit alles im Camp, was notwendig ist, damit die Menschen hier sich als Menschen wahrgenommen fühlen. Sie haben vielleicht alles verloren, aber nicht ihre Menschenwürde und ihre Rechte!“ Babis ist die "gute Seele" in dem Camp. 
Das Flüchtlingscamp in Volos im Norden Griechenlands wurde im Juni 2016 eingerichtet in
Blick auf das Gelände des Camps
einer ehemaligen Mercedes-Niederlassung. Diese musste schließen, als die Wirtschaftskrise sich im Land verschärfte. Inzwischen hat der Besitzer eine Mietvereinbarung mit dem griechischen Militär geschlossen, die das Lager verwaltet. Anfangs wurden in der Ausstellungshalle Zelte aufgestellt, um die Flüchtlinge unterzubringen. Beheizbar war die Halle nicht. Im Winter war es sehr kalt. Schließlich wurden kleine Wohneinheiten in Leichtbausweise in die Halle eingebaut. Maximal könnten derzeit 200 Flüchtlinge
Wohneinheiten in der
Ausstellungshalle
unterkommen. Im Moment leben ca. 100 hauptsächlich kurdischstämmige Flüchtlinge in dem Lager und warten darauf, wie es für sie weitergehen kann. Das kann bis zu einem Jahr dauern.
Von Beginn an hat die evangelische Gemeinde in Volos unter Leitung des Moderators Meletis Melitiadis mit Hilfe der Unterstützung des GAW sich um Begleitung der Flüchtlinge gekümmert. Anfangs fehlte es im heißen Sommer an Wasser. Die Gemeinde sorgte für Trinkwasser. „Die evangelischen Christen machen hier im Lager den Unterschied“, sagt Babis. „Wenn etwas fehlt, weil kein Geld da ist, dann besorgen sie es.“ Tische und Bänke wurden beschafft. Regelmäßig erhält jeder Flüchtling ein Lebensmittelpacket durch die Gemeinde – egal wie alt. Kocher zum Zubereiten eigener Mahlzeiten konnten angeschafft werden. Dazu besuchen die Gemeindemitglieder das Camp, kommen mit dem Chor oder laden sie ein zu einer besonderen Veranstaltung in der evangelischen Gemeinde.
"Für uns ist bedeutet die Hilfe durch die evangelische Gemeinde, dass wir es hier im Lager friedlicher haben. Eine bessere Versorgung ist friedensstiftend!" sagt Babis.

Mittwoch, 12. April 2017

Das evangelische Seniorenheim in Katerini

Seniorenheim in Katerini
Nikolaos und GS Haaks
20 Jahre hat Nikolaos für eine Bank in Athen gearbeitet als er durch eine existenzielle Erfahrung spürte, dass er in seinem Leben etwas ändern muss. Da kam die Anfrage für ihn zur rechten zeit, ob er die Leitung des Seniorenheims der evangelischen Gemeinde in Katerini übernehmen könnte. Er sagte zu, obwohl das Heim sich gerade in einer großen wirtschaftlichen Krise befand. Im Dezember waren von den 35 Plätzen nur 20 besetzt. Für das Seniorenheim wäre das beinahe der Ruin gewesen. 13 Jahre war es bis dahin gut gegangen, dass das Heim mit viel gutem Willen geführt wurde. Allerdings fehlte es dann doch an Professionalisierung. Da kam Nikolaos gerade zur rechten Zeit. Er rettete das Heim vor dem Bankrott. Er sammelte Spenden und organisierte die Verwaltung und die Arbeit im Seniorenheim um. Inzwischen decken die Einnahmen die Ausgaben. Dennoch wird es nicht leicht, die Zukunft des Seniorenheimes zu sichern. Eigentlich bräuchte das Haus mindestens 50 Senioren, damit alle Unkosten gut getragen sind. Dafür sucht Nikolaos Hilfe.
Dabei werden Plätze für Senioren dringend benötigt. Die Gesellschaft altert und nicht in jeder Familie kann ein Angehöriger gepflegt werden.
Die Evangelische Gemeinde will auf jeden Fall das Heim erhalten. Das GAW hat mit der Rheinischen Landeskirche sich an der Rettung des Seniorenheimes beteiligt.

Perichoresis - die NGO der Evangelischen Kirche Griechenlands für die Flüchtlinge

v.li.n.re.: Moderator Meletis Melitiadis, Alexandra
und Enno Haaks (GS des GAW)
Vor einem Jahr begann Alexandra als Sozialarbeiterin die Flüchtlingshilfe der evangelischen Gemeinde in Katerini zu koordinieren. In den Privathäusern hatten Gemeindemitglieder monatelang Flüchtlinge aus Idomeni aufgenommen, die nach der Schließung der Grenze plötzlich festsassen. Damals musste viel improvisiert werden. Die Kosten der Unterbringung trugen die Gemeindemitglieder unterstützt von Freunden. Inzwischen ist Alexandra die Leiterin der Nichtregierungsorganisation (NGO) "Perichoresis". Diese NGO ist mit der Griechischen Evangelischen Kirche assoziiert. Zum Aufsichtsrat gehört u.a. der Moderator Meletis Melitiadis. Aleaxandra ist inzwischen verantwortlich für 70 Mitarbeitende, die sich darum kümmern 500 Flüchtlinge in Katerini und Umgebung unterzubringen, zu versorgen und bei allen Fragen des täglichen
Eine Praktikantin von Perichoresis mit
Flüchtlingskindern in Katerini
Lebens zu begleiten. Dieses schnelle Wachsen der Arbeit ist der UN-Flüchtlingsorganisation zu verdanken, die auf die Gemeinde zugekommen ist und um Hilfe gebeten hat, Flüchtlinge aus den Camps der Umgebung in Appartments und Häusern unterzubringen. Dadurch ist die Finanzierung der Arbeit gesichert. Gleichzeitig arbeitet "Perichoresis" mit der Diakonie Katastrophenhilfe und dem GAW zusammen. 
Es ist in einem Jahr sehr viel in Katerini geschehen und die Flüchtlingshilfe hat sich professionalisiert. Das ist für die Evangelische Kirche eine Chance zu zeigen, aus welcher Kraft sie lebt. Gleichzeitig ist plötzlich diese Hilfe, die durch die Kirche geleistet wird für die Region ein Gewinn in dem krisengeschüttelten Griechenland.
Dass die Arbeit mit und für die Flüchtlinge dabei nicht einfach ist, ist allen klar. "Auch Flüchtlinge sind keine Engel" sagt Alexandra und berichtet von alltäglichen Problemen. Da ist auf der Geldkarte kein Geld aufgeladen, so dass sie nicht einkaufen können. Da herrscht Frust, weil unklar ist, wie lange Flüchtlinge warten müssen bis sie wissen, wie es weitergeht - ob sie weiterreisen dürfen oder in Griechenland Asyl beantragen müssen. Da gibt es auch Gewalt, wenn unterschiedliche Kulturen aufeinander treffen - Kurden, Jessiden, Araber... "Bei all den Herausforderungen versuchen wir uns von den Worten Jesus motivieren zu lassen: Was ihr getan habt einem meiner geringsten Brüder, das habt ihr mir getan!" betont Alexandra.

Dienstag, 11. April 2017

Eine Gemeinde ohne Pfarrer in Lagkadas

Ev. Kirche in Lagkadas
In Lagkadas - einer 10.000 Einwohnerstadt im Norden Griechenlands - gibt es eine kleine evangelische Gemeinde. Georgi Georgidis hat sie lange Jahre als Laienpastor betreut - und er tut es noch immer, obwohl er schon lange pensioniert ist. Für die Gemeinde ist es fast unmöglich, einen neuen Pastor zu bekommen. Wie soll er bezahlt werden, wenn nur 20 Mitglieder zur Gemeinde gehören? Derzeit wird die Gemeinde aus dem benachbarten Thessaloniki mitversorgt. Nur - wie soll es weitergehen? "Wir haben zu wenig Studenten, die sich vorstellen können, Pfarrer zu werden", sagt Meletis Melitiadis, Moderator der Griechischen Evangelischen Kirche (GEK). "Viele scheuen sich davor. Das hat mehrere Gründe: das Gehalt ist nicht hoch, die Arbeit ist herausfordernd und anstrengend, wenn man es ernst nimmt." Dann erzählt er aber von den Chancen der Evangelischen Kirche in Griechenland und von der Schönheit des Pfarrberufes: "Wir haben als Evangelische Kirche eine Botschaft, die wir mit Freude verkündigen sollen! Dazu ist es wichtig, den Glauben am Sonntag zu
Gespräch in der Kirche (v.li.n.re.): GS Haaks, Elias
(Ältester aus Thessaloniki), Georgis Georgidis,
Meletis Melitiadis
feiern und dann im Alltag mit Leben zu füllen. Oft genug haben wir Evangelischen in Griechenland uns abgegrenzt, weil wir auch von der orthodoxen Mehrheit ausgegrenzt wurden. Das hilft aber nicht! Wir müssen nach außen zeigen, was wir innen glauben, dass uns Jesus Christus liebt und befreit. Er ruft uns in den Dienst am Nächsten. Da gibt es so viel zu tun. Und gerade die vielen Flüchtlinge in Griechenland sind auch eine Chance für uns, dass wir uns öffnen den Fremden gegenüber. Das hilft genauso uns selbst, weil wir die frohe Botschaft leben. Sich abgrenzen hilft nicht. So sterben Gemeinden."
Auch mit ein wenig Sorge schaut Meletis auf die Gemeinde in Lagkadas. Gerade wurde die Kirche mit Hilfe des GAW saniert. Sie strahlt nach außen hell. Der alte Pastor Georgis bittet uns beim Gehen: "Betet für uns, denn wir wollen Zeugnis abgeben hier in Lagkadas. Wir brauchen Menschen, die uns nicht vergessen. Und betet, dass wir einen Pastor bekommen!"

Ich bin fremd gewesen und ihr habt mich aufgenommen... (Matth 25)

von li. nach re.: Savaas (Kirchenvorsteher in Mylotopos),
Moderator Melitiadis, Joan und Awin mit den beiden Kindern,
GS Pfr. Haaks 
Awin war 19 Jahre alt, als sie ihrem Mann Joan in den Norden Iraks folgte. Da war er inzwischen ein Jahr aus Hassakeh im kurdisch geprägten Nordosten Syriens geflohen. Es war zu der Zeit, als Kämpfe zwischen kurdischen Milizen, Assadtruppen und ISIS die Region unsicher machten. Für junge Männer wie Joan war es zudem gefährlich, denn er hätte von jeder der drei Kriegsparteien als Kämpfer rekrutiert werden können. Das wollte er nicht. So floh er in den damals sicheren Norden Iraks und holte schließlich seine junge Frau nach. Vier Jahre lebten sie dort bis schließlich ISIS in der Region stärker wurde. Sie entschieden sich erneut zu fliehen. Durch die Türkei brauchten sie zwei Monate. Mit Hilfe ihrer Verwandten sammelten sie 6.000 Euro zusammen, um Schlepper zu bezahlen, die sie auf die griechische Insel Liros brachten. Hier blieben sie 10 Monate und kamen schließlich in das Flüchtlingscamp nach Volos. Inzwischen haben beide zwei Kinder. Rosin ist jetzt zwei Jahre alt, Muhamad ein Jahr. Awin ist wieder schwanger und erwartet ihr drittes Kind. 
Der Moderator der Griechischen Evangelischen Kirche (GEK) Meletis Melitiadis wurde auf die junge Familie aufmerksam und konnte helfen. Er holte die Familie aus dem Lager. "Für unsere Kirche ist es wichtig, junge Familien und insbesondere schwangere Frauen aus den Lagern herauszubekommen!" sagt er. Die GEK hat mit Hilfe von Diakoniekatastrophenhilfe und GAW Wohnraum für Flüchtlinge geschaffen. In Mylotopos, einem 2.000 Einwohnerort
Evangelische Kirche in Mylotopos
im Norden Griechenlands, wurden sechs Wohneinheiten hergerichtet, um Familien wie Awin und Joan mit ihren Kindern unterbringen zu können. 20 Flüchtlinge leben derzeit in dem Ort. Einige von ihnen hoffen auf Familienzusammenführungen mit ihren Verwandten in Deutschland oder Holland. Awin und Joan mussten in Griechenland Asyl beantragen. Sie kamen zu spät - nach dem 20. März 2016-, um in ein anderes europäisches Land kommen zu können. Wie ihre Zukunft aussieht ist ungewiss. Beide sprechen nur kurdisch. In Griechenland ist es schwer, Arbeit zu finden. Und dennoch sind sie derzeit der Gemeinde in Mylotopos dankbar, eine sichere Unterkunft zu haben, in denen ihnen nichts passiert. Die Unsicherheit über ihre Zukunft ist belastend.
Die Gemeinde in Mylotopos leistet diese Arbeit mit großem ehrenamtlichen Engagement. "Jeder versucht ein bisschen zu helfen", sagt Meletis Melitiadis. "Dennoch war es jetzt notwendig, eine Sozialarbeiterin anzustellen, die bei Behördengängen, Arztbesuchen und anderen Herausforderungen hilft." Und Meletis betont: "Wir waren selbst als Griechen Flüchtlinge nach dem türkisch-griechischen Krieg in den 20er Jahren. Wir wissen, was es heißt, seine Heimat zu verlieren. Zudem heißt es bei Matthäus: Ich bin fremd gewesen und ihr habt mich aufgenommen. - Das versuchen wir mit Leben zu füllen."
Das GAW unterstützt die Gemeinde in Mylotopos dabei, Wohnraum zu schaffen und die Flüchtlinge zu versorgen. Staatliche Hilfe gibt es dafür nicht.

Elias aus Serres

Elias
Elias aus der evangelischen Gemeinde in Serres in Makedonien war einer der ersten, der in Idomeni Hilfe angeboten hat noch ehe die Weltöffentlichkeit diesen "Ort im Nirgendwo" wahrgenommen hat. Er ist Elektroingenieur. Für ihn war es selbstverständlich, den notleidenden Flüchtlingen zur Seite zu stehen. Er war es, der als erstes eine WIFI-Anlage in Idomeni installierte. Als nächstes organisierte er einen Container, in dem er eine Ladestation für Handys einbaute. "Handys sind für Menschen auf der Flucht wie eine Überlebenshilfe: es hilft, sich zu orientieren, Kontakt zur Familie zu halten, Informationen zu teilen und sich auch abzulenken", sagt Elias. "Was haben sie denn sonst!" Inzwischen gibt es Idomeni als Flüchtlingscamp nicht mehr. Zum Glück, denn die Situation dort war menschenunwürdig. Auf Elias ist man schnell aufmerksam geworden. Inzwischen arbeitet er für eine NGO, die von UNHCR, der UN-Flüchtlingsorganisation, verpflichtet wurde. In den landesweit 38 griechischen Flüchtlingscamps installierte Elias mit seinen Mitarbeitern WIFI-Anlagen und hält sie in Stand. Je nach Größe befinden sich 100 Flüchtlinge - wie in Volos - oder bis zu 2.500 Flüchtlingen - auf Lesbos - in den Camps. Die Ausstattung der Camps ist sehr unterschiedlich.
Gespannt schaut Elias auf das Referendum in der Türkei. Gerade hatte Präsident Erdogan den NEIN-Stimmenden gedroht, sie ins Mittelmeer zu treiben wie damals beim griechisch-türkischen Krieg es mit den Griechen gemacht worden sei. Elias befürchtet, dass es bald zahlreiche türkische Flüchtlinge geben wird, die über Griechenland versuchen weiterzukommen. Dazu ist nicht klar, wie sich die Zahl der anderen Flüchtlinge entwickeln wird und ob der Krieg in Syrien weiter eskaliert. Klar ist: Es kommen immer wieder Flüchtlinge über das Mittelmeer. Das hat nie aufgehört. - Genug Arbeit wird es wohl noch geben für Elias.


Montag, 10. April 2017

Kirche für andere - Flüchtlingshilfe in Serres

Vor der ev. Kirche in Serres mit Moderator
Melitiadis (2.v.re.) und Ältesten der Gemeinde
Kircheninnenraum in Serres
In Zentralmakedonien in Griechenland nahe der bulgarischen Grenze liegt die Stadt Serres. Ca. 60.000 Einwohnern wohnen in der strukturschwachen Region. Hier gibt es eine kleine evangelische Gemeinde der Griechischen Evangelischen Kirche. 60 Menschen gehören ihr an. Immerhin kommen sonntäglich bis an die 40 Gottesdienstbesucher in die Kirche. Über 40 Jahre war hier ein Pfarrer tätig, der es nicht schaffte, die Gemeinde in die Stadt hin zu öffnen. Das hängt sicher auch mit den negativen Erfahrungen der Evangelischen in Griechenland zusammen, denn ein Grieche ist eigentlich orthodox... Inzwischen ist die Gemeinde seit fast 4 Jahren ohne Pfarrer. Das Pfarrhaus stand leer und war dringend sanierungsbedürftig. "Diese Gemeinde hat inzwischen eine Chance", sagt der Moderator der Kirche Meletis Melitiadis. "Diese Chance kommt von aussen - durch die Flüchtlinge!" Und dann berichtet er, wie Mitglieder der Gemeinde in Serres die ersten waren, die in Idomeni, dem Lager das monatelang im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung war, geholfen haben. "Die ersten, die Flüchtlinge in ihren Häusern aufgenommen haben, kamen aus Serres." Inzwischen gibt es Idomeni als Flüchtlingscamp nicht mehr. Dafür gibt es aber 38 Flüchtlingscamps in ganz Griechenland.
in der Mitte: Meletis Melitiadis, rechts daneben der
Kirchenälteste Elias
In den griechischen Flüchtlingscamps und in dezentraler Unterbringung sollen ca. 70.000 Flüchtlinge untergebracht sein. In Serres gibt es seit einigen Wochen ein Camp nur für Jessiden aus dem Norden Iraks. Hier engagiert sich nun die kleine Gemeinde. Um die Hilfe für die Flüchtlinge zu verbessern (rechtliche Beratung, Essens- und Kleiderhilfe, Unterricht etc.), ihnen eine Anlaufstelle außerhalb des Camps zu bieten, wird derzeit die ehemalige Pfarrwohnung mit Hilfe des GAW saniert. 
Für den Moderator Melitiadis ist klar: "Eine Gemeinde kann letztlich nur überleben, wenn sie für andere da ist. Die Situation der Flüchtlinge hilft der kleinen evangelischen Gemeinde aus ihrer Isolation herauszukommen. Sie erleben: Wir können was tun. Wir werden gebraucht." Nun gilt es für die gesamte Kirche zu schauen, wie sie der Gemeinde helfen kann, einen engagierten Pfarrer zu finden.

Das Projekt in Serres unterstützt das GAW mit 18.000 Euro im Projektkatalog 2017.

Freitag, 7. April 2017

Lasst die Waffen endlich schweigen! Stoppt den Krieg in Syrien!!!

Beschädigte Evangelische Kirche in Nabik -
sie wird derzeit mit Hilfe des GAW saniert
Sprachlos und zornig macht der Giftgas-Einsatz in der Provinz Idlib. Hier gab es einmal eine evangelische Kirchengemeinde. Der Krieg in Syrien hat diese Gemeinde hinweggefegt. Unter radikalen Islamisten ist es für Christen so gut wie unmöglich zu leben. Wer den Giftgas-Angriff ausgeführt hat...?
Auf den Giftgas-Einsatz reagierte nun die US-Regierung mit einem Luftangriff auf eine Militrärbasis 30 km südöstlich von Homs. Hier befinden sich in unmittelbarer Nähe christliche Dörfer auch mit evangelischen Gemeinden. Wobei auch hier durch den Krieg viele Menschen geflohen sind.

Was soll aber nun dieser Luftangriff bezwecken? Ist wirklich klar, wer für den Giftgas-Einsatz verantwortlich war? Schon einmal 2013 lag man daneben und musste eingestehen, dass radikale Islamisten mit der Hilfe türkischer Geheimdienste verantwortlich waren.
"Ich hoffe nicht, dass es jetzt zu einer Eskalation zwischen Russland und den USA kommen wird auf Kosten der Menschen in Syrien. Wir hatten gehofft, dass es in Syrien friedlicher werden würde!" sagt betroffen Pfarrer Mofid Karajili am Telefon. Und er bittet: "Betet für uns! Denkt an uns und vergesst uns nicht! Wir sind auf eure Solidarität angewiesen!"
Deshalb gilt, wozu weltweit Kirchenvertreter aufrufen: "Lasst die Waffen endlich schweigen! Nur durch Dialog ist Frieden möglich. Dieser Dialog muss mit allen Konfliktparteien geführt werden."

GEBET FÜR DEN FRIEDEN IN SYRIEN

Wir rufen dich, Gott.
Schau auf die Mütter und Väter, Kinder und Jugendlichen, 
Männer und Frauen in Syrien und in den Flüchtlingslagern.

Sie erleben einen Alltag, der zerschnitten ist 
durch Schüsse und die Explosionen der Bomben.

Sie erleben einen Alltag, der zerschnitten ist 
von der Angst, das eigene Leben zu verlieren.

Sie müssen mit ansehen, 
wie geliebte Menschen gequält und ermordet werden.

Sie wissen, dass ein ehrliches Wort den Tod bedeuten kann.

Das Erlebte hat Wunden geschlagen.

Gott, sieh die Not dieser Menschen.
Wir sind in Gedanken bei ihnen. 

Gott, wir bitten dich:
Berühre die Herzen der Verantwortlichen.
Berühre Befürworter und Gegner des Regimes.
Lass Frieden und Liebe in ihre Herzen zurück kehren. 

Gott, wir bitten dich, 
Lass sie den Mut haben, aufeinander zuzugehen.
Lass sie Lösungen finden, bei denen alle Menschen in Syrien künftig in Frieden und Würde leben können.

Gott, wir bitten dich,
Schenke den vom Krieg traumatisierten Menschen Wege zur Heilung.

Gott, wir bitten dich,
Lass Frieden und Liebe bei uns allen einziehen.

Amen. (Quelle: ekhn.de)

Dienstag, 4. April 2017

Krise in Paraguay: Ein Aufruf der evangelischen Kirchen zum Frieden

In Paraguay gab es vor Kurzem schwere Ausschreitungen. Auslöser war die geplante Verfassungsänderung im Land, die Präsident Cartes eine zweite Amtszeit ermöglichen soll. Nach der Entscheidung des Senates stürmten Demonstranten das Parlamentsgebäude und setzten es in Brand. Es gab zahlreiche Verletzte, darunter auch Politiker.
Paraguay hat 6,8 Millionen Einwohner und liegt zwischen Brasilien und Argentinien. Das Land wurde bis 1989 vom deutschstämmigen Diktator Alfredo Stroessner regiert und bekam 1992 eine Verfassung, die eine zweite Amtszeit des Präsidenten ausschließt. Kritiker befürchten bei einer Änderung eine Beschädigung der Demokratie. Sie argumentieren, die Abstimmung im Senat sei illegal gewesen.
Jetzt hat im Kontext der Spannungen der Verband der Evangelischen Kirchen am La Plata in Paraguay (FEDIPA) dazu aufgerufen, eine friedliche und gerechte Lösung in dem Konflikt zu suchen: „Es hat Momente großer Spannung im Zuge der Diskussion um die Verfassungsänderung und der angestrebten Wiederwahl des Präsidenten gegeben“, sagte Enrique Jorge Holst und Pastor Daniel Enrique Kowski, Präsident und Distriktspastor der Region der Evangelischen Kirche am La Plata (IERP). „Als evangelische Christen müssen wir unsere Stimme vereinen in Paraguay und uns gemeinsam für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen und dafür beten.“ 
Das folgende Gebet wurde an alle evangelischen Gemeinden verschickt, um auf die Kraft des Gebetes zu weisen:
„Gott, du hast zugesagt, dass die, die für den Frieden eintreten, deine Kinder genannt werden. Gib uns die Kraft, dass wir ohne müde zu werden uns für Frieden und Gerechtigkeit in Paraguay einsetzen.
Du bist ein Gott der Gerechtigkeit. Die gewaltvollen Menschen verstehen dich deswegen nicht mit ihren verhärteten Herzen. Bitte sende deinen Geist, der Herzen öffnen kann für Toleranz und dass der Hass nicht weiter um sich greift.
Du bist ein Gott des Friedens, deine Liebe ist unermesslich trotz des Widerstandes vieler Menschen. Wir bitten dich um deinen Geist der Versöhnung.
Erneuere in uns das Wunder der Barmherzigkeit. Öffne uns alle, dass wir dialogfähig werden, dass die, die Differenzen haben einander die Hände reichen und Zeichen setzen für Frieden, Gerechtigkeit und sich gegenseitig versprechen, sich für einen wirklichen Frieden einzusetzen, jeglichen gewaltsamen Konflikt meiden, und dass die Liebe den Hass überwindet – durch Jesus Christus unseren HERRN und Erlöser bitten wir Dich. Amen“