Sonntag, 22. Oktober 2017

Unter den Trümmern -LEBEN! - Evangelisch in Homs

Mofid Karajili
 Erschütternd, bewegend und dann wieder "normal" ist es, einen Rundgang durch die Altstadt von Homs zu unternehmen. Hier wurde in den 2 1/4 Jahren der Kämpfe, die bis 2014 anhielten, heftig gekämpft - und viel zerstört. Man geht an zerstörten Moscheen  vorbei und gleich daneben an einem eingestürzten Kirchturm. Die Gewalt des Krieges macht keinen Unterschied zwischen den Religionen und christlichen Konfessionen. Und jeder leidet unter der Zerstörung. Wie viele Menschen haben ihre Häuser verloren. Einige versuchen ihre Wohnungen herzurichten. Bei anderen Häusern droht Einsturzgefahr. Daneben wird dann z.B. von der evangelischen Gemeinde eine kleine Bäckerei aufgebaut, damit Frauen hier ein auskommen haben werden. Der Laden ist schön hergerichtet. Aber im 1. Stock ist ein großes Loch - ein Raketeneinschlag... Dann kann man sich ganz entspannt in ein wunderschönes Restaurant setzen, so als wäre drumherum keine Zerstörung zu sehen und einen wunderbaren Abend bei syrischem Essen genießen, während ein ähnlich schönes Lokal 100 m entfernt völlig zerstört wurde.  
Wer hat Schuld an was - diese Frage stellt sich in dem Moment nicht, wo man durch die Strassen läuft und zwischen den Ruinen langsam spürt wir Schritt für Schritt Menschen sich neues Leben aufbauen wollen. Eher fragt man wütend, warum Menschen sich gegenseitig leben zerstören. Inzwischen gibt es keine Kämpfe mehr in Homs. Die Stadt gilt als sicher. Es gab seit über einem Jahr keine Anschläge. Sicherheitskräfte sind permanent präsent. 
Es gibt Gegenden in Homs, die völlig zerstört sind. Da wird es dauern. In der Altstadt versuchen Menschen, Normalität - was auch immer das sein kann - wieder zu gewinnen.
Mitten in der Altstadt leitet Pfarrer Mofid Karajili seine evangelische Gemeinde, die noch ca. 500 Mitglieder hat. 100 von ihnen besuchen in der Regel den Sonntagsgottesdienst. Direkt neben seiner Kirche liegt eine zerstörte Moschee und eine zerstörte Schule. Mit Hilfe des GAW hat er seine Kirche zügig wieder aufbauen konnte, die in der Kriegszeit ein Rekrutierungsbüro für Islamisten war. Inzwischen ist diese Kirche ein pulsierenden lebendiger Hoffnungsort mit einem Pfarrer, der sagt: "Ich glaube, dass es Sinn macht, hier zu sein. Gott hat mir diese Aufgabe zugedacht. Wie kann ich da nein sagen und gehen. ich will bleiben und Hoffnung säen! Und: Das geht!" Und er betont wie wichtig die Unterstützung aus dem Ausland ist, sowohl die materielle als aus geistliche Hilfe. "Wir brauchen eure Gebete und eure Solidarität!"

Das GAW hat beim Wiederaufbau der Kirche geholfen. bei der Einrichtung einer Bibliothek. Stromgeneratoren wurden gekauft. Die Schule und das Altersheim saniert. - Viel Hilfe ist in diese Gemeinde durch das GAW geflossen. und man sieht, dass diese Hilfe Menschen motiviert zu bleiben und Zeugnis ihres Glaubens zu geben.

Wir haben in Homs unsere Familie!

Landesbischof Meister (li.) mit Rev. Joseph Kassab
„Warum seid ihr nach Homs in Syrien gefahren? Das wird eine Frage sein, die wir – ich als hannoverscher Landesbischof und Enno Haaks als Generalsekretär des GAW nach der Rückkehr hören werden. Und die Antwort wird sein: Wir haben unsere Familie dort. Sie sind und bleiben Teil unserer Familie. Der Glaube an Jesus Christus verbindet uns und weist uns aufeinander. In Jesus Christus werden wir über Grenzen hinweg eine Familie Gottes“, sagte in der Predigt am 22. Oktober in der evangelischen Kirche in Homs in Syrien Landesbischof Ralf Meister. Über 120 Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde in Homs kamen zu einem bewegenden Gottesdienst zusammen, um beieinander zu sein und sich im Glauben zu stärken. Das brauchen die Christen in Syrien. Ihre Zahl ist durch den Krieg sehr zurückgegangen. Waren es mal 11 % so schätzt man, dass die Hälfte übrig geblieben ist. In der Altstadt in Homs lebten z.B. einmal 60.000 Christen. Jetzt nach den kriegerischen Auseinandersetzungen sind
Pfr. Enno Haaks 
höchstens 12.000 zurückgekehrt. Umso wichtiger ist es, dass die, die geblieben sind, sich gegenseitig bestärken und durch das Hören auf Gottes Wort ermutigt werden. Dafür ist eine heile Kirche wichtig, in dem die Gemeinde sich treffen kann. Es gibt zahlreiche zerstörte Kirchen und Moscheen in der Nähe der evangelischen Kirche. Die Evangelischen konnten mit Hilfe – u.a. des GAW – ihre zerstörte Kirche 2014/5 wieder aufbauen und Weihnachten 2015 ihren ersten Gottesdienst wieder feiern. Unsere Glaubensgeschwister brauchen unsere Solidarität. Sie brauchen unsere Gebete. Und sie brauchen auch unsere Besuche! Wie wichtig ist es, wahrgenommen zu werden mit den Sorgen, Nöten und auch Freuden! Und diese müssen weitererzählt werden. Dafür braucht es Begegnung. Nichts ist schlimmer, sich verlassen zu fühlen und nicht mehr wahrgenommen zu werden!

Samstag, 21. Oktober 2017

Eine evangelische Schule in Tripoli

Evangelische Schule in Tripoli
Tripoli gilt als die Hauptstadt des sunnitischen Islam im Libanon. Sie ist mit 500.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes mit dem zweitgrößte Hafen. 85 km nördlich von Beirut gelegen gilt die Region aber als ökonomisch vernachlässigt. 50.000 Alawiten leben zudem hier. Zwichen Sunniten und Alawiten gab und gibt es immer wieder Konflikte, die hin bis zu bewaffneten Auseinandersetzungen führten. Das hat auch die kleine evangelische Gemeinde immer wieder erlebt. Sie war mal mit eine der größten Gemeinden der National Evangelical Synod of Syria and Lebanon (NESSL). 80 Mitglieder hat die Gemeinde noch. Sie wird von Pfarrerin Rula Slieman betreut, die erst Anfang 2016 ordiniert wurde - als erste Frau überhaupt im Nahen Osten. Darauf musste sie lange warten. Aber weil Rula Geduld
Pfrn. Rula (2.v.li)
hatte, als Prädikantin lange gearbeitet hatte und zudem in der evangelischen Schule intensiv mitarbeitet, war es irgendwann an der Zeit, dass die Gemeinde die Ordination eingefordert hat. Die Schule bildet dann auch den Schwerpunkt im Gemeindeleben. Zahlreiche Gemeindemitglieder sind angestellt. Die Schule wurde vor drei Jahren neu eingeweiht, weil durch die Konflikte in Tripoli in der Vergangenheit eine Verlagerung aus dem Stadtzentrum angebracht war. Nun steht ein großes modernes Gebäude zur Verfügung, in der die Gemeinde versucht, ihre Schüler zu gegenseitigem Respekt und zur Toleranz zu erziehen und sie zu lehren, den anderen zu achten und zu schätzen, auch wenn er oder sie eine andere Kultur oder Religion hat. 1050 Kinder - mehrheitlich sunnitische Schüler - besuchen die Schule. 5% sind Alawiten, 1 % Christen. Im Gespräch mit der Schulleitung wird deutlich, wie der lange Bürgerkrieg bis 1989 und die noch länger dauernde syrische Besatzung die Region und die Menschen geprägt hat - und damit auch die Schüler. "Die Auseinandersetzung mit der täglichen Gewalt ist eine permanente Herausforderung!" sagt Rula. "Wir bräuchten noch mehr Psychologen im Team. Und wir haben die Arbeit mit den Eltern verstärkt, dass sie helfen bei der Erziehung der Kinder und nicht gegen die Schule arbeiten." Wir wollen mit Hilfe unseres christlichen Glauben heilend in die Gesellschaft hineinwirken!"

Und Rula erzählt weiter: "Es bleibt eine Herausforderung, Christen zu motivieren zu bleiben. Da spielt für meine Gemeinde die Schule eine wichtige Rolle."
Bischof Ralf Meister

Landesbischof Ralf Meister zeigt sich beeindruckt, wie von den sieben Schulen der NESSL jede Schule in ihrer Region eine andere Prägung hat auf Grund des jeweiligen anderen Kontextes: 

"Es ist gut evangelisch, sich auf den Kontext des Schulortes einzulassen und vom Evangelium her das Wort von der Versöhnung mit Leben zu füllen. Gerade in einer so komplexen Gesellschaft wie der libanesischen ist das Zeugnis der evangelischen Christen eine Stärkung für eine offene Gesellschaft und damit friedensstiftend."



Freitag, 20. Oktober 2017

Elias aus der Nähe Rakkas - ein syrischer Christ, der seine Heimat verloren hat

Elias (li.) mit Landesbischof Ralf Meister (Mitte)
In Zahle am Rande der Bekaa-Ebene arbeitet ein syrisch-othodoxer Christ. Nennen wir ihn Elias. Er stammt ursprünglich aus der Region Rakka in Syrien, die vom IS bis jetzt kontrolliert wurde. Vor vier Jahren ist Elias mit seiner Frau und einem Kind aus Syrien in den Libanon geflohen. Sein ältester Sohn hatte es schon geschafft, nach Deutschland zu fliehen. Um ihren anderen 16-jährige Sohn trauern sie bis heute. Sie mussten mit eigenen Augen ansehen, wie ihrem Sohn von IS-Kämpfern die Kehle durchgeschnitten wurde, als er sich weigerte, für sie zu kämpfen, dem christlichen Glauben abzuschwören und zum Islam zu konvertieren. Diese traumatischen Erfahrungen begleiten Elias. Bei allem Unglück hat er Menschen gefunden, die sich seiner und seiner Familie angenommen haben. In der evangelischen Schule fand er eine kleine Arbeit, für die er ein wenig Unterstützung bekommt.
Kein Land hat in Relation zur eigenen Bevölkerung mehr syrische Flüchtlinge aufgenommen als der Libanon. Es sollen ca. 1,8 Millionen sein, die sich im Land aufhalten. Einen Flüchtlingsstatus haben nicht alle und damit auch nicht Zugang zu der Unterstützung durch die UN. Flüchtling in Syrien zu sein ist sehr schwierig. Für einige wird es eine aussichtslose Situation bleiben. Das wird an der Situation der vielen Palästinenser im Libanon deutlich, die teilweise seit 1948 einen Flüchtlingsstatus haben. Flüchtlinge dürfen nicht arbeiten. Die meisten tun es trotzdem, weil sie mit den UN-Hilfen oder Leistungen anderer Organisationen nicht über die Runden kommen; weil sie ohne Registrierung gar keine Unterstützung bekommen können; oder schlicht weil sie ihre Chancen nutzen, wenn die Behörden nicht in der Lage sind, ihre Regeln konsequent durchzusetzen. Die meisten Syrer im Libanon finden irgendwo in den Städten und Gemeinden Zuflucht, sei es auch nur in einem kleinen Bretterverschlag unter einer Treppe, wenn es für ein Zimmer oder eine Wohnung nicht reicht. 
Elias hat zum Glück Hilfe erfahren. Und dass sein einer Sohn in Deutschland ist, das ist sein Glück, denn vor wenigen Tagen hat er endlich die Papiere erhalten zur Familienzusammenführung. Er wird ausreisen können.
Ob es allerdings in seiner alten Heimat in der Region Rakka wieder christliches Leben geben wird, das ist sehr fraglich. 
In den sieben Schulen der Evangelischen Kirche (NESSL) werden von den 6.500 Schülern auch 42 syrische Flüchtlingskinder unterrichtet. Das ist nicht einfach, denn das Schulgeld muss irgendwo herkommen. Die Kirche bemüht sich um Stipendien, damit diese Kinder eine gute Schulausbildung erhalten.
Zudem gibt es sechs weitere Schulen, die nur für syrische Flüchtlingskinder sind. Hier werden die Kinder beschult, damit sie Schreiben und Lesen lernen und beschäftigt sind. Der libanesische Staat ist auch hier völlig überfordert. Natürlich haben diese Schulen nicht den Standard der übrigen Schulen der NESSL. Aber ein Zeichen der Solidarität und der christlichen Nächstenliebe ist es allemal.

Es hat einen Sinn, evangelische Schulen im Libanon zu haben!

Bischof Meister (re.), daneben Prof. Johnny Awwad
"Wir sind in dieses Land gestellt, um mit unserem Glauben und den uns von Gott geschenkten Möglichkeiten Zeugnis für unseren Glauben zu geben", sagt Professor Johnny Awwad, pädagogischer Koordinator für die sieben Schulen der National Evangelical Synod of Syria and Lebanon (NESSL). "Wir sind nicht dazu da, uns zu beklagen, in welcher Situation wir als Christen im Nahen Osten sind, und dass wir weniger Christen werden. Wir wollen trotz allem mit Freude unseren Glauben leben!" Das ist ein starker Satz, wenn man weiß, dass die Gemeinden der  NESSL in Syrien und im Libanon zusammen rund 10.000 Mitglieder haben. 4.000 davon sind registriert. Aus sich heraus könnte die Kirche kein so großes pädagogisches Werk mit sieben Schulen im Libanon und einer Schule in Aleppo aufrechterhalten. Die Schulen müssen sich selbst tragen. Und mehr noch: Die Schulen verstehen sich als gegenseitige Solidargemeinschaft untereinander - und mit der Kirche. Ist eine Schule in finanzieller Not, dann hilft eine der anderen. Und zusätzlich haben die Schulen es ermöglicht, die kirchliche Infrastruktur am Leben zu erhalten. Könnten die Kirchengemeinden ohne die Schulen existieren? Und könnten die Schulen ohne ihre Trägerkirche überleben? Denn: Das
Prof. Awwad, Bischof Meister, Schuldirektorin aus Zahle,
GS des GAW E. Haaks, Pfr. J. Kassab 
betonen alle Schuldirektoren, die alle evangelisch sind: "Wir versuchen als Kirche im Land Zeugnis zu geben. Wir indoktrinieren nicht. Wir missionieren nicht. Wir stehen zu unseren werten und wollen Freiheit des Denkens und des eigenen Gewissens stärken und damit einen Beitrag zur Vielfalt in der libanesischen Gesellschaft leisten. Damit leisten wir einen Friedensbeitrag in einer unfriedlichen Umgebung." Ein Ausdruck der Vielfalt sind die Schulen selbst: in einer werden fast ausschließlich schiitische Kinder unterrichtet, in einer anderen nur sunnitische mit wenigen christlichen Schülern. In einer weiteren Schule sind immerhin 40% Christen. jede Schule versucht, sich auf ihren Kontext einzustellen. Aber keine Schule verneint ihre Prägung durch den vom Evangelium her geprägten Glauben. 
"Die Schulen sind ein lebendiges Zeugnis reformatorischen Glaubens. Die Reformation war immer auch eine Bildungsbewegung - das ist hier im Libanon lebendig", zeigt sich Landesbischof Meister beeindruckt von dem Engagement der NESSL.
Insgesamt spüren die Schulen und ihre Trägerkirche, dass sich die Situation der Christen im Nahen Osten verändert. Die Gemeinde werden kleiner im Libanon. In Syrien hat sich die Zahl der Christen seit Ausbruch des Krieges wahrscheinlich halbiert auf noch ca. 5% - wobei es keine klaren Zahlen gibt. 
Der Libanon spielt eine besondere Rolle in der gesamten Region, aber dennoch kommen Christen zunehmend unter Druck, denn der radikale Islam ist in bestimmten Regionen des Libanon stärker geworden. "Wir wissen nicht, was die Zukunft uns als Christen bringen wird. Aber wir vertrauen darauf, dass es einen Sinn hat, dass wir hier und heute unseren christlichen Glauben leben und immer weiter daran arbeiten, dass Menschen sich bilden und damit auch ein klares Fundament für ihr Leben bekommen, dass auf Versöhnung aus ist. Unsere Schulen wollen dafür ein Beispiel sein," sagt Professor Johnny. 

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Evangelische Schulen im Libanon fördern Vielfalt und Toleranz - ein friedensstiftender Auftrag

Bischof Ralf Meister (li.) mit Prof. Johnny in Nabatieh
Derzeit besuchen der Hannoversche Landesbischof Ralf Meister und der Generalsekretär des GAW Enno Haaks gemeinsam den Libanon. Schwerpunkt sind Besuche evangelischer Schulen, die für die National Evangelical Synod of Syria and Lebanon (NESSL) eine hohe Bedeutung haben. Sie zeigen, dass man als Minderheit in einem Land einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Gesellschaft leisten kann. Zudem sind die Schulen ein Beitrag, damit die Gesellschaft im Libanon vielfältig bleibt und die Mehrheitsreligion dadurch moderater bleibt.

"Warum unterhalten wir eine Schule in einer Gegend, wo es keine evangelische Gemeinde
Vor dem Schulgebäude in Sidon
gibt? Das haben Delegierte unserer Synode gefragt, als es um die Frage ging, mehr Schüler in der Schule in Nabatieh im Süden Libanons aufzunehmen", erzählt der Generalsekretär der National Evangelical synod of Syria and Lebnaon (NESSL) Pfarrer Joseph Kassab beim Besuch der Schule, die von ausschließlich muslimischen Schülern besucht wird. Bis auf wenige Ausnahmen sind die 1.300 Schüler alle Schiiten. "Die Eltern schicken ihre Kinder in unsere Schule, weil sie uns vertrauen, weil unsere Ausbildung einen hohen Standard hat und weil sie hier geschützt sind vor dem Versuch der Indoktrinierung durch Islamisten", sagt Kassab. "Wir selbst verstehen unser Engagement als ein Zeugnis unseres christlichen Glaubens. Mit unseren christlichen Werten versuchen wir Beispiel zu geben für gegenseitigen Respekt und Toleranz."
Seit 1925 gibt es diese Schule in Nabatieh. Es fing ursprünglich mit einem Bibliotheksraum an, wo evangelische Christen muslimischen Kindern Lesen beibrachten. Inzwischen platzt die Schule aus allen Nähten. Der engagierte evangelische Schuldirektor hat viele Veränderungen eingeführt, die die Qualität der Ausbildung erheblich verbessert hat. "Wir
Schule in Sidon
helfen durch unsere Präsenz und unser Engagement als Kirche, dass Vielfalt in unserer Gesellschaft gestärkt wird. Das schätzen die Eltern der Kinder, auch wenn sie für die Schulausbildung der Kinder erhebliche Geldmittel aufbringen müssen." In Nabatieh hält sich das noch einigermaßen in Grenzen. Ca. 2.000 US-Dollar kostet die Ausbildung im Durchschnitt pro Kind und Schuljahr. Schwierig könnte es für einige Eltern werden, weil der Staat per Gesetz erlassen hat, dass ab September die Gehälter der Lehrer erheblich angehoben werden müssen. Das scheint vor den bevorstehenden Wahlen im Libanon ein Lockmittel zu sein für die Lehrer. Nur - auf den Kosten bleiben die Träger und Eltern sitzen. Dazu muss man wissen, dass 70% der Schüler und Schülerinnen im Libanon private Schulen zu besuchen, deren Mehrheit in kirchlicher Trägerschaft liegt. Nur 30% besuchen öffentliche Schulen, deren Standard schlechter ist und in der Regel von Eltern gemieden wird, wenn es irgendwie geht. Private Träger erhalten keinen Zuschuss vom Staat. Der Staat lässt die Schulen allein. Die Verunsicherung, die dieses Gesetz hervorgebracht hat, ist bei den Vertretern der NESSL deutlich zu spüren. Immerhin unterhält die NESSL sieben Schulen im Libanon und eine in Aleppo/Syrien. Zusätzlich gibt es drei weitere Schulen der NESSL in Syrien in Gemeindeträgerschaft. Welche Auswirkungen das Gesetz haben wird bleibt abzuwarten. Es gibt Bemühungen von verschiedenen Verbänden, mit der Regierung zu verhandeln. Fakt ist, dass der Libanon ohne die Schulen in kirchlicher Trägerschaft den relativ guten Bildungsstand nicht halten kann. Zudem wird auch versucht, syrische Flüchtlingskinder in den Schulen unterzubringen. Diese bekommen von der Kirche eine entsprechende Unterstützung, wie überhaupt Kinder aus sozial schwachen Familien mit Unterstützung rechnen können. Es ist zu spüren, dass die Frage der Integration von Flüchtlingskindern drängend ist. Derzeit sollen ca. 200.000 syrische Kinder und Jugendliche im Libanon ohne Schulausbildung sein. Ändert sich hier nichts, dann wächst eine hoffnungslose Generation heran mit entsprechenden Folgen.
Bischof Meister im Gespräch
Nicht weit von der Schule in Nabatieh unterhält die NESSL eine weitere in Sidon. 1.700 Schüler und Schülerinnen werden hier unterrichtet. 95% sind muslimischen Glaubens sunnitischer Prägung. Knapp über 200 palästinensische Kinder des nahen Flüchtlingscamps besuchen die Schule. Auch hier ist von den großen Herausforderungen zu hören, die das neue Gesetz bedeutet. An dringend notwendige Investitionen ist kaum zu denken. Dabei fällt ins Auge, dass an der Weiterentwicklung der Infrastruktur der Gebäude der Schulen gearbeitet werden muss. Das ist auch notwendig, um die Schulen zu erhalten und Eltern sich gerade für eine Schule der NESSL entscheiden.

"Mich beeindruckt, dass die Kirche mit ihren Schulen einen Beitrag zur Versöhnung in der libanesischen Gesellschaft leistet - und das auch im Blick auf den langen Bürgerkrieg von 1974-1990", zeigt sich Landesbischof Meister beeindruckt von dem hohen Engagement der evangelischen Christen in der Region.

Dienstag, 17. Oktober 2017

Besuch eines ehemaligen GAW-Stipendiaten

Ervin Dräger (li.) mit Enno Haaks
Plötzlich steht Ervin Dräger in meinem Büro! 2015/16 war er GAW-Stipendiat. Er studiert Theologie an der FLT (Faculdade Luterana de Teologia) in São Bento do Sul im brasiliansischen Bundesstaat Santa Catarina. Es ist eine von drei Ausbildungsstätten der lutherischen Kirche in Brasilien (IECLB) und ist der Gnadauer Gemeinschaftsbewegung verpflichtet. Gerade in der Theologieausbildung in Brasilien zeigen sich deutlich die unterschiedlichen Traditionen, die in der Kirche nebeneinander existieren. Das führt gelegentlich auch zu Spannungen, die manchmal bereichernd sind, manchmal aber auch kompliziert. 
Ervin muss im Rahmen seiner Theologieausbildung ein halbjähriges Gemeindepraktikum absolvieren. Um seine Deutschkenntnisse zu verbessern, hat er sich entschlossen, dies in Deutschland zu machen. Er wird danach noch ein Jahr weiter studieren, bis er ins Vikariat gehen wird. "Die Zeit in Leipzig tat mir sehr gut", erzählt er, "mein Horizont hat sich geweitet - gerade auch theologisch! Ich bin dem GAW sehr dankbar für die Chance, die ich hier erhalten habe." 
Sein Praktikum hat er nun genutzt, um in Leipzig vorbeizuschauen. An diesem Beispiel zeigt sich: Gerade das Stipendienprogramm des GAW ermöglicht es, die weltweite Verbundenheit als evangelische Christen zu stärken.
Jährlich werden acht Stipendienplätze an Studierende aus den GAW-Partnerkirchen vergeben. 

Montag, 16. Oktober 2017

Eine neue Kapelle in Los Muermos in Chile

Einweihung der neuen Kapelle
Im Süden Chiles in der Nähe von Puerto Montt wurde die neue lutherische Kapelle in Los Muermos eingeweiht. Das GAW hat mit dem Projektkatalog 2014 für den Wiederaufbau der Kapelle 17.000 Euro gesammelt. Zahlreiche Hauptgruppen des GAW hatten sich dieses Projektes intensiv angenommen, nachdem die alte Kapelle in Los Muermos Mitte Juni 2012 einem Brandanschlag zum Opfer gefallen war. Das bewegte damals viele Menschen in Chile und in den GAW-Hauptgruppen. Da die Kirche aus Holz war, brannte sie völlig nieder. Auch der anliegende Friedhof wurde zerstört. Damals schrieb einer der Pfarrer aus dem Süden: „Hier wurden seit der Errichtung der Holzkirche viele Kinder getauft und Jugendliche konfirmiert. Menschen haben sich hier trauen lassen und wurden bestattet. Mit großem Schmerz habe ich die Zerstörung der Grabstätten an der Kirche gesehen.“  Und der jetzt scheidende Bischof Siegfried Sander schrieb: „Es schmerzt, dass die böse Tat Weniger, die große Tatkraft Vieler beim Bau und Erhalt dieses Kirchgebäudes, das ein Symbol unseres lutherischen Glaubens ist, zunichte gemacht hat." Die Kirchenleitung der Iglesia Luterana en Chile (ILCH) versprach damals, beim Wiederaufbau zu helfen und Kontakte zum GAW herzustellen. 
Aus der Bauzeit der neuen Kapell
Los Muermos liegt in der Seenregion im Süden Chiles, ca. 45 km westlich von Puerto Montt. Die Stadt hat ca. 15.000 Einwohner. Sie wurde erst in den 1930er Jahren nach dem Bau einer Eisenbahnlinie gegründet. Die lutherische Kirche befindet sich etwas außerhalb des Ortes. Sie wurde 1962 geweiht und war ganz im Stil der Region aus Holz gebaut. Schon damals beteiligte sich das GAW am Bau der Kapelle. Los Muermos ist eine Predigtstelle der weit verstreuten Seengemeinde Puerto Montt. Über 60 Glieder zählt die Gemeinde. Die Zerstörung der Kirche stärkte die Solidarität und die Verbundenheit untereinander und den Wunsch, auch in Zukunft hier lutherische Gottesdienste zu feiern. Jetzt kann  in der neuen Kirche wieder Gottesdienst gefeiert werden. Die kleine Gemeinde erhofft sich von dem Kirchneubau einen Aufschwung.
Ein Gottesdienst während der Wiederaufbauzeit


Allen Spendern sei herzlich gedankt!


Donnerstag, 12. Oktober 2017

Das Evangelium muss Raum behalten in Syrien!

Pfarrer Haroutune Selimian in der Dresdner Kreuzkirche
Es ist unsere Heimat!
Um aus Aleppo nach Beirut zu gelangen brauch Pfarrer Haroutune Selimian rund zehn Stunden mit dem Taxi. Der Weg ist nicht ungefährlich. Es gibt Scharfschützen, die einem auflauern. "Bisher ist mir auf den Fahrten, die ich regelmäßig machen muss, nichts geschehen", erzählt Pfarrer Selimian. "Ich habe immer das Gefühl gehabt, dass Gott seine schützende Hand über mich hält." Mehrmals versuchten islamistische Rebellen, ihn zu entführen. Denn sie wissen: Wenn der Pfarrer einer Kirchengemeinde nicht mehr da ist, bröckelt die Gemeinde und die Christen gehen weg. "Das ist auch das Ziel der Islamisten: Sie wollen einen islamistischen Staat, in dem Christen keinen Ort mehr haben. Sie wollen, dass wir aus dem Land, wo die Geschichte der christlichen Kirche begann, vertrieben werden. Aber es ist unsere Heimat. Wir wollen bleiben!" 

Eine Balance zwischen Ethnien und Religionen
Für Haroutune Selimian ist klar, dass es die christliche Präsenz in Syrien dringend braucht. "Wir helfen, dass es eine Balance gibt. Wir haben lange mit den
Zerstörte Kirche in Aleppo
verschiedensten Ethnien, Kulturen und Religionen zusammengelebt und wissen, wie bereichernd dieses Zusammenleben ist. Und gerade wir Christen spielen in dem Dialog im Land eine wichtige Rolle und können friedensstiftend sein!"


Friedenspreis
Am 8. Oktober 2017 hat Haroutune Selimian in Dresden den Friedenspreis "Schwerter zu Pflugscharen" erhalten. "Schwerter in Pflugscharen zu verwandeln heißt, Schritt für Schritt Frieden zu kultivieren. Man kann ihn nicht durch einzelne politische Entscheidungen einfach so einführen, sondern muss ihn in den Köpfen und Herzen der Menschen vorbereiten", betont er.

Bethelgemeinde ist ein Leuchtturm
Seit 1992 ist Haroutune Selimian Pfarrer der evangelischen Bethelkirchengemeinde. Damals hat er als junger Pfarrer eine Gemeinde übernommen, zu der kaum noch jemand hingehen wollte. Durch Beständigkeit, Standhaftigkeit, Begeisterung und viele Ideen hat er Menschen um die Bethelgemeinde herum gesammelt. Inzwischen ist diese Gemeinde ein "Leuchtturm" für die armenischen Christen - besonders in Aleppo. Davon zeugen die zahlreichen sozial-diakonischen Aktivitäten wie die Medizinstation, die Wasserversorgung, die Lebensmittelverteilung, die Musikschule, die Behindertentagesstätte, die Schule und der Kindergarten. Die Gottesdienste sind immer wichtiger geworden als Treffpunkt und als Hoffnungsort. Und im Bürgerkrieg ist die durchschnittliche Zahl der Gottesdienstbesucher auf 350-450 gestiegen. Zur Sonntagsschule kommen mittlerweile an die 400 Kinder.
Stockend wird sein Stimme, wenn er von den Opfern aus seiner Gemeinde erzählt. Bei einem Raktenangriff im Herbst 2016 hat eine Familie allein zwei Kinder verloren. "Das 16-jährige Mädchen war eine der besten Schülerinnen der Bethelschule und eine tolle Sportlerin", sagt Haroutune mit stockender Stimme. 
230 Menschen, die Opfer der Angriffe geworden sind, musste er in den Kriegsjahren schon beerdigen.

Die Kirche bewegt sich auf die Menschen zu
"Kirche muss ein Ort sein, der sich zu den Menschen hinbewegt und nicht starr und fest stehenbleibt", sagt Haroutune. Er zeigt dann ein Bild, dass eine Schülerin der Bethelschule gemalt hat: Das Kirchgebäude ist sehr beweglich gezeichnet. Der Kirchturm neigt sich den Menschen zu, die mit ihren Sorgen, Nöten und Hoffnungen auf das Gebäude schauen. Spannend: Die Kirche hat Beine. Sie bewegt sich zu den Menschen hin und wartet nicht, dass die Menschen kommen. Drei Menschen sind am linken Rand zu sehen: ein alter Mensch, der sich kaum bewegen kann, ein behinderter Mensch, der seine Arme der Kirche entgegenstreckt und ein Kind mit einem Schulranzen. Zu allen drei spannt sich vom Kirchturm her ein lichtes Band, als wenn sie von dort Kraft, Segen und Licht für ihr Leben bekommen, das sie in Aleppo so dringend  brauchen. Und es ist so: Durch ihren Dienst für die Notleidenden und Bedürftigen wird die Kirche eine bessere Kirche.

"Wir brauchen eure Gebete und Hilfe"
"Und wir brauchen euch dafür", sagte Haroutune Selimian auf einem Gemeindeabend in Dresden. "Wir brauchen eure Gebete und eure Hilfe!" Er erzählte, wie notwendig es sei, den Menschen zu helfen, ihre zerstörten Wohnungen wieder aufzubauen. Sonst würden sie nicht bleiben oder nicht wiederkommen. Die Gemeinden brauchen Unterstützung für die Schulen, die sie unterhalten. In Aleppo hat die armenische-evangelische Kirche vier Schulen. Zusätzlich gibt es noch eine in Damaskus und eine in Kessab. Insgesamt lernen 1500 Schülerinnen und Schüler hier. "Wir brauchen Schulmaterial, Computer, Stipendien, um die Arbeit fortführen zu können!"

Schulen bedeuten Hoffnung für das Land
Ohne Bildung würde eine hoffnungslose Generation heranwachsen, die dann wieder Gewalt ausübt. Drei Millionen syrischer Kinder sind derzeit ohne Schulausbildung. "Das ist ein großes Gefahrenpotenzial - nicht nur für Syrien, auch für Europa!" betont Haroutune Selimian. 
Die Schulen und die armenische-evangelischen Gemeinden sind zudem wichtige Arbeitgeber. All die Lehrer und Mitarbeitenden in den diakonischen Zentren müssen bezahlt werden. Die Gehälter bedeuten, dass Familien ein Einkommen haben und dadurch auch eine Perspektive.
"Wir als Christen in Syrien wollen, dass das Evangelium Raum behält und dadurch seine friedensstiftende und versöhnende Kraft entfalten kann. Dafür brauchen wir dringender denn je eure Hilfe!" 

Sonntag, 8. Oktober 2017

"Und ich weiche nicht zurück..." - aushalten und bleiben in Aleppo

Pfr. H. Selimian (li.) beim Grußwort in der Kreuzkirche
Dresden mit dem GS des GAW Pfr. E. Haaks
Pfarrer Haroutune Selimian, Präsident der armenischen evangelischen Gemeinden in Syrien und Pfarrer der Bethelkirche in Aleppo, ist derzeit zu Besuch in Deutschland. Er wurde auserwählt für den jährlichen Friedenspreis, den die "Initiativgruppe 8. Oktober" in der Kreuzkirche verleiht. Mit der Verleihung an Haroutune soll sein Engagement gewürdigt werden für die Menschen in Aleppo und Syrien, die Brücken der Versöhnung bauen und Menschen helfen in dem Bürgerkriegsland zu bleiben. Im Gottesdienst in der Kreuzkirche Dresden sprach er zu den Gottesdienstbesuchern:


Mit Pfr. Holger Milkau (li.) von der Kreuzkirchengemeinde
"Wenn wir uns heute in der Welt umschauen, sehen wir, dass überall Menschen aufgrund politischer oder wirtschaftlicher Krisen leiden. Dieses Leiden ist so alltäglich geworden, dass wir abgestumpft sind und kaum noch darauf reagieren. Der Krieg in meinem Heimatland Syrien dauert nun schon seit sechs Jahren an. Viele Stadtviertel in meiner Heimatstadt Aleppo sind heute nicht wiederzuerkennen.
Dieser Krieg hat eine Viertelmillion Menschen das Leben gekostet und einen Exodus notleidender Syrer in die Nachbarstaaten Syriens ausgelöst. Wir wissen, dass es für die Länder, die syrische Flüchtlinge aufgenommen haben, eine Herausforderung ist, für diese Menschen – für
Pfr. Selimian vor Fotos der zer-
störten Kreuzkirche: "Das ist wie in
Aleppo!" sagte er.
Kinder, Jugendliche und Erwachsene – zu sorgen, für Bildung und andere Bedürfnisse. Es ist schwer für uns, uns vorzustellen wie Millionen von Syrern in überfüllten Quartieren unter großen sozialen Spannungen leben – in Flüchtlingslagern in Syrien oder anderswo. 
Nur noch 11 Millionen von 23 Millionen Syrern leben heute noch dort, wo sie vor dem Krieg zu Hause waren. Stellen Sie sich das Leid vor. ... Lassen Sie mich heute kurz erzählen, welche Antwort wir als Armenisch-Evangelische Gemeinschaft in Syrien auf diese grausame Realität geben: Wir verteilen Lebensmittel und sauberes Trinkwasser an Menschen ohne Ansehen ihrer Konfession oder Religion. Wenn Familien ihre Wohnungen oder Häuser verlieren, statten wir sie mit Kleidung, mit Matratzen und Decken, mit neuem Hausrat aus. Psychologen unserer Gemeinde arbeiten mit traumatisierten Kindern. Und wir bieten als Gemeinde weiterhin alle unsere kulturellen und geistlichen Veranstaltungen an. Eine positive Herausforderung inmitten negativer Anfechtungen. Der Krieg, der Syrien in den letzten sechs Jahren geprägt hat, zeigt uns, das Krieg keinen Sinn macht. Manche sagen, es ist nutzlos von Weltfrieden zu sprechen bis die Führer in den Ländern des Nahen Ostens eine aufgeklärtere Haltung annehmen. Ich bete und hoffe, dass sie das tun werden!  Aber ich glaube, dass auch wir unsere Haltung hinterfragen müssen, wenn es um Krieg oder Frieden geht. Zu viele von uns glauben, dass es unmöglich ist, Frieden in den Nahen Osten zu bringen. Zu viele glauben, dass das eine unrealistische Erwartung ist. Aber das ist pessimistisch und gefährlich. Ich spreche dabei nicht von einem absoluten Konzept von Frieden und gutem Willen, über das manche Träumer fantasieren. Lassen Sie uns über einen praktikablen und erreichbaren Frieden sprechen, der nicht durch eine plötzliche Revolution der Gesellschaft erreichbar ist, sondern durch eine stückweise Entwicklung menschlicher Institutionen. Frieden ist ein Prozess und die beste Art und Weise, Probleme zu lösen. In einem solchen Frieden wird es zweifelsohne noch konträre Interessen geben. Weltfrieden oder der Frieden innerhalb einer Gemeinschaft erfordert nicht, dass jeder seinen Nachbarn liebt. Aber es erfordert, dass auch Kontrahenten in Toleranz und Akzeptanz zusammenleben und ihre Differenzen auf friedlichem Wege beilegen. Lassen Sie uns einander als Menschen betrachten, die aus der Situation lernen möchten. Lassen wir nicht zu, dass unsere Unterschiede uns blenden. Lassen Sie uns unsere Aufmerksamkeit auf gemeinsame Interessen lenken und auf Strategien, mit denen wir unsere Konflikte lösen. ... Es ist an Ihnen und an mir Respekt und Akzeptanz in unseren Gesellschaften aufzubauen. Nur auf diese Weise wird jede Regierung, jede Gesellschaft und jeder einzelne von uns, wahrhaftig und praktisch die Prinzipien unserer universalen Menschenrechte umsetzen. Nur dies wird uns friedlich und menschlich machen, in unserem Zusammenleben auf dieser kleinen blauen Perle, die Erde nennen und die das Zuhause aller Menschen ist. Möge Gott Sie segnen!"

Wenn wir auf Syrien schauen, dann müssen wir auf die Menschen schauen, die bleiben und darauf hoffen, dass sie das Land wieder aufbauen können. Diese Menschen gilt es zu unterstützen - so wie Haroutune, der an der Seite seiner ihm anvertrauten Menschen bleibt. Während des Kriegs musste er schon über 230 Menschen beerdigen, die durch Raketen und Bomben gestorben sind. Das bedeutet für ihn auch Auftrag: "Gott hat mir diese Aufgabe gegeben. Und ich weiche davor nicht zurück!" sagt Haroutune.

Donnerstag, 5. Oktober 2017

Gott ist mitten im Sturm des Lebens und läßt uns nicht! - Evangelisch in Syrien

GAW-Präsidentin Gabriele Wulz und Pfr. Haroutune Selimian
Pfarrer Haroutune Selimian ist Syrer armenischer Abstammung. er ist in Aleppo geboren und lebt im Westteil der Stadt, die so furchtbat unter dem Bürgerkrieg gelitten hat, der nun schon 6 1/2 Jahre andauert. In Aleppo gab es mal 70.000 Armenier. 6.000 sind wahrscheinlich nur übrig geblieben. Insgesamt lebten einmal 5 Millionen Menschen in einer der wichtigsten Städte des Landes. jetzt sind es noch gut 1,5 Millionen Einwohner. Haroutune ist Pfarrer der ev.-reformierten Bethelgemeinde und verantwortlich für die verbliebenen 11 ev.-ref. armensichen Gemeinden seiner Kirche in Syrien. In zwei Gemeinden - in Homs und Damaskus - gibt es derzeit kein Gemeindeleben mehr auf Grund des Krieges. Aber die sechs verschiedenen Schulen der Armenier arbeiten noch. 1.200 bis 1.300 Schüler werden hier unterrichtet - und das über Religions- und Konfessionsgrenzen hinweg.
Haroutune erzählt bei seinem Besuch in Deutschland bewegend von der Situation der evangelischen armenischen Christen. Und von sich berichtet er: „Ich bin in Aleppo geboren. Meine Großeltern sind noch in der Osttürkei geboren. Vor fast 100 Jahren kamen sie als Waisenkinder mit ihren Großmüttern nach Aleppo, wo sie in Zelten lebten. Das Leben war hart. Aber sie hatten den Genocid an den Armeniern in der heutigen Türkei überlebt. Was geschehen war verfolgte sie bis in die Träume. Sie haben wie viele andere die Erinnerung wachgehalten, was Gewalt an einem Volk anrichten kann. Sie hatten Ermordungen und Folterungen mit eigenen Augen ansehen müssen. Sie hatten den Todesmarsch überlebt. Aleppo war für sie nun eine Befreiung von dem erlittenen Leid. Die Armenier, die in Aleppo Aufnahme fanden mussten unter vielen Schwierigkeiten eine neue Heimat aufbauen. Sie bauten Häuser, Schulen, Kirchen, Konzertsäale, Sportplätze auf. 
Heute steht das alles, was nach einem Völkermord aufgebaut wurde wieder in Gefahr verloren zu werden. Unsere Kirchen, Schulen, Häuser wurden angegriffen, zerstört. Für uns wiederholt sich eine Geschichte! Wenn wir Worte der Rebellenführer und radikalen Islamisten hören, dann erinnert all das an das, was wir vor 100 Jahren erlitten haben.
Der Krieg in Syrien dauert schon 6 1/2 Jahre. Mehr als eine halbe Millionen Menschen haben ihr Leben verloren – sunnitischen Muslime, Schiiten, Alewiten, Drusen, Christen, Jessiden. Die Hälfte der Bevölkerung ist in viele Teile Syriens und in vielen Ländern der Welt verstreut. Aleppo hat wohl am Stärksten gelitten - mehr als jede andere Stadt. Die Menschen in Aleppo haben gesehen, was der Hass mit den Menschen macht und wie das alle betrifft und wie die Menschwürde dabei stirbt."
Und dann betont er, dass er immer wieder erlebt, wie ihn Gemeindeglieder fragen, wo denn Gott sei bei all dem erlittenen Leid. Für ihn sei klar, dass Gott mitten im Leid sei. "Gott ist mitten im Sturm des Lebens," sagt Haroutune. "Und wir leben mit Gott das Leben, das er erleidet. Deshalb: Das Leben soll gewürdigt werden, das wir erleben. Wir glauben an das Leben, das Gott schenkt und das ER ist."
Haroutune berichtet nüchtern und gleichzeitig ergreifend und begeisternd von seiner Arbeit und der Rolle der Christen in Syrien. Und zwischendurch stockt seine Stimme, wenn er von dem Leid berichtet, von den Menschen, die seine Gemeinde verloren hat durch Tod oder Flucht. Solche Menschen wie Haroutune brauchen unsere Gebet und unsere Unterstützung!

Dienstag, 3. Oktober 2017

Verurteilung der Gewaltausübung in Katalunien durch die IEE

"Es ist erschütternd, in welcher Weise die spanische Regierung versucht hat, das Referendum in Katalunien gewaltsam zu verhindern", sagt Joel Cortés, Vorsitzender der Comisión Permanente der Iglesia Evnagelica Española (IEE). "Bei uns löst das Erinnerungen an die Frankodiktatur aus. Und es zeigt, wieviel getan werden muss, um die Schatten der Vergangenheit zu bearbeiten. Das geht aber nur durch den offenen Dialog und das Aushalten der Unterschiede."
Die Comisión Permanten der IEE hat in einer öffentlichen Stellungnahme die Gewaltausübung mit den hunderten Verletzten mit folgenden Worten verurteilt:

"Angesichts der Eskalation der Spannungen und der Gewaltanwendung in Katalonien gegen das Unabhängigkeitsreferendum verurteilen wir jegliche Form von Gewaltanwendung, die im Rahmen des Referendums stattgefunden haben. Zudem wollen wir unserer tiefen Enttäuschung Ausdruck geben gegenüber dem fehlenden politischen Willen, das was jetzt geschehen ist zu verhindern.
Wir lehnen die polizeiliche Aktionen ab, die zu dieser Spannung beigetragen haben. Die Ausübung staatlicher Gewalt war unverhältnismäßig. Mehr als 800 Menschen wurden verletzt einige schwer.
Wir beklagen, dass ein Staat, der in solcher Weise repressive Mittel einsetzt unter der Vorgabe, Schutz und die Integrität aller seiner Bürger zu gewährleisten, dass dieser Staat in dieser Weise demokratische Rechte verletzt. 
Die Iglesia Evnagelica Española (IEE) gibt keine politische Position für eine der Seiten aus, denn die Option für oder gegen das Referendum ist eine Gewissensentscheidung eines jeden einzelnen Bürgers. Aber als Kirche fordern wir auf, Respekt voreinander zu haben, im Dialog zu bleiben und die zivilen und politischen Rechte der Bürger Kataluniens zu achten.
Frieden ist unsere christliche Berufung! Und jede Aktion, die den Frieden gefährdet durch Ausübung von Gewalt weisen wir zurück.
Wir rufen zur Versöhnung und zum Dialog auf. Nur so können wir lernen, mit unterschiedlichen Meinungen miteinander zu leben. Dazu ruft uns das Evangelium auf!
Comisión Permanente der Spanischen Evangelischen Kirche (IEE)"

Freitag, 29. September 2017

Mache dich auf und werde Licht - in Pretai....

Müde - so scheint es - stützt sich der Apostel Paulus auf sein "Schwert des Glaubens" im Altarbild der Kirchenburg in Pretai in Siebenbürgen. Der Apostel Petrus auf der anderen Seite scheint auch etwas ratlos in die Zukunft zu schauen. Dadrunter ist der Bibelvers zu lesen: Mache dich auf und werde Licht! In der Sakristei liegt noch das Gottesdienstprotokollbuch der Kirchengemeinde, in dem notiert ist, dass am 1. Advent 2015 der letzte reguläre Gottesdienst in der Sakristei gefeiert wurde. "Drei ältere Menschen gehen von uns noch regelmäßig im Nachbarort in die Kirche", sagt die Hüterin der Kirchenburg, die das schwere Eisentor öffnet, um in die verlassene Kirche zu gelangen. "Sieben Siebenbürger Sachsen wohnen noch in Pretai", fährt sie fort. Inzwischen leben viele Roma im Ort und prägen das Straßenbild. Auch die Bestimmung des Pfarrhauses hat sich verwandelt. Ein Pfarrer ist hier schon länger nicht mehr. Gästezimmer wurden eingerichtet für Gruppen und Reisende, die hier Station machen wollen. In den Wirtschaftsräumen wurde eine Bauhütte eingerichtet. Hier erhalten junge Menschen die Chance, ein Handwerk zu erlernen. Sie tun das quasi am "lebenden Objekt" an Pfarrhaus und der verlassenen Kirche von Pretai. 
Ob die Kirchenburg insgesamt damit saniert werden kann? Da ist die Zukunft offen. Oder wird sie mit Hilfe von Fördergeldern irgendwann saniert? Aber für wen? Wird hier wieder eine Gemeinde entstehen können? Mit wem? Die meisten Roma gehören einer Freikirche an...
Die Evangelische Kirche A.B. war mal eine große und stolze Kirche. Die Mehrheit der Mitglieder lebt inzwischen in Deutschland, Österreich und anderen europäischen Ländern. Ca. 12-13.000 Mitglieder sind übrig geblieben. Und es sind die vielen wunderschönen Kirchenburgen übrig geblieben. Nicht alle können als Gottesdienstort erhalten werden. 
Wie soll man aber mit den verlassenen und verfallenen Kirchenburgen umgehen? In der Kirchenverwaltung beschäftigen sich mit diesen Fragen die Stiftung Kirchenburgen. Touristisch werden etliche Kirchenburgen genutzt und zeugen so auch gut von dem, was mal gewesen ist. Nicht überall wird das gehen. Zu fragen ist, ob sie auch als Objekte natürlichen Zerfalls angesehen werden können und dass wir Menschen nicht alles halten oder behalten können. Wie kann neues unter neuen Bedingungen wachsen? Das hat immer mit Schmerz und Abschied zu tun. Nichts wird mehr so, wie es mal war. Dahinter birgt sich auch die Chance für segensreiche Veränderungen.
In Pretai steht das Wort: Mache dich auf und werde Licht! Das bleibt, auch wenn es vielleicht nicht mehr mit dem Kirchengebäude verbunden ist. Die Bauhütte ist aber ein kleine Lichtzeichen, dass Zukunft lebendig bleibt unter veränderten Bedingungen.

Sanierung des Eingangsportals des Bischofshauses in Hermannstadt


Die Evangelische Kirche A.B. in Rumänien hat eine große Vergangenheit. Die Kirche war zahlenmäßig bedeutend. Nun ist sie klein geworden an Mitgliedern, "steinreich" aber an Gebäuden. Davon zeugt das reiche Erbe der Kirchenburgen Siebenbürgens. Davon zeugt aber auch z.B. das historische Bischofshaus in Sibiu (Hermannstadt). Es ist nicht allein der Sitz des Bischofs der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien, sondern der gesamten Kirchenleitung mit insgesamt 78 Mitarbeitenden. Die Juristin der Kirche und die Baufachleute mit der Stiftung Kirchenburgen sind wichtige Ansprechpartner für Pfarrer und Gemeinden, die bei Rückgabeverfahren von Grundstücken und Gebäuden sowie bei deren Instandhaltung und Bewirtschaftung Rat und Hilfe brauchen. Öffentlichkeitsarbeit und Wirtschaftsverwaltung sind hier ebenso untergebracht wie das Diakonische Werk. Zudem beherbergt das Gebäude noch drei Dienstwohnungen sowie sechs Gästezimmer und einige weitere Räume, deren Vermietung Einnahmen bringt.
Das Bischofshaus ist eines der beiden sogenannten Palais im Stadtzentrum von Sibiu und hat architektonisch ein Gegenstück im Gebäude des Brukenthalpalais. Die Evangelische Kirche kaufte das Haus im 19. Jahrhundert, als der Bischofssitz von Biertan (Birthälm) nach Sibiu verlegt wurde. 2007 war Sibiu Europäische Kulturhauptstadt und der Gastgeber der 3. Europäischen Ökumenischen Versammlung. Damals wurden das Dach und die Fassaden des Bischofshauses einer Generalreparatur unterzogen. Die Arbeiten an Säulen am Toreingang und am Sockel sind jedoch unterblieben. In den vergangenen zehn Jahren hat sich deren baulicher Zustand jedoch soweit verschlechtert, dass zur Schadensbegrenzung auch die Restaurierung dieser Bauteile notwendig geworden ist. Derzeit laufen die Arbeiten.
Das GAW beteiligt sich an den Arbeiten in diesem Jahr mit 12.000 Euro.

Freitag, 22. September 2017

Ein Brief aus Venezuela....

Turén / Estado Portuguesa - Die Region galt einmal als
Kornkammer Venezuelas.
JA - es gibt Hoffnung, eine beserer und gerechtere Welt zu bauen!"
VENEZUELA: Was können wir tun? (G. Hands)
"Die Zeit verrinnt in Venezuela und wir sind weit davon entfernt, dass sich irgendetwas verbessert. Im Gegenteil – die Situation im Land verschlimmert sich. 

Ich konnte heute lange Schlangen vor den Tankstellen sehen, wo Menschen versuchen Benzin zu bekommen, obwohl wir das Land mit den reichsten Erdölvorkommen sind.

Ich konnte wiederholt erfahren, wie Menschen auf einen öffentlichen Transport warten, der nicht kommt. Es fehlt an Bussen. Das wird sich verschlimmern, weil es für die Busse keine Ersatzteile mehr gibt.

Ich konnte lange Schlangen vor den Banken und Bankautomaten sehen. Die Menschen wollen Geld abheben, aber es wird immer weniger wert. Und über das Internet kann man kaum noch Überweisungen tätigen, weil es oft genug ausfällt.

Ich konnte lange Schlangen vor den Supermärkten sehen, wo es kaum noch Lebensmittel zu kaufen gibt. Die Regale sind weitgehend leer. Ebenso ist es in den Apotheken. Es gibt kaum noch Medikamente.

Es sterben viele Patienten in den Krankenhäusern, weil sie nicht versorgt werden können. Die Kinder sind mal wieder am Schlimmsten betroffen, ebenso alte Menschen. 

Es steigt die Anzahl derer, die sich nicht mehr ausreichend ernähren können. Wenige Menschen haben drei Mahlzeiten am Tag. Andere wenige haben vielleicht noch zwei Mahlzeiten. 80% der Bevölkerung schafft es gerade noch eine Mahlzeit am Tag zu haben. Die Zahl derer ist enorm gestiegen, die Essen im Abfall suchen. Ich gestehe: Es bricht mir das Herz zu sehen, wie es unseren Menschen ergeht.

Auf der anderen Seite sehe ich, wie Politiker des Landes sich mehr um die Außenpolitik sorgen, weil sie davon ausgehen, dass die schlimme Situation Venezuelas von anderen Staaten abhängig ist. Dabei müssen die Veränderungen im Land direkt erfolgen. Wir sind in Venezuela verantwortlich! Wir brauchen eine funktionierende Wirtschaft, die der Gesellschaft dient, gerechte Gesetze, Respekt vor den demokratischen Instanzen, Achtung der Verfassung. 

Auf Seiten der Regierung gibt es das fast krankhafte Schüren der Angst vor einer ausländischen militärischen Intervention. Das hilft überhaupt in nicht, die realen Problem des Landes zu lösen. Wie kann man aus dieser tödlichen Falle herauskommen, in der sich das Land befindet? Wie kann man etwas verändern, wenn kein Wille dazu da ist, sondern es um Machterhalt geht? Ich habe keine Antwort.

Ich denke, dass gegenüber diesem Widerstand für notwendige Veränderungen die Gefahr besteht, dass es im Land nur noch gewalttätiger wird und die Demokratie dabei unter die Räder kommt. Das wird schwerwiegende Konsequenzen haben.

Derzeit geht es darum, in unserem Umfeld das Beste zu unternehmen, um Gemeinschaften zu stärken, die Familien zu unterstützen, um auf diese Weise einen positiven Einfluss auszuüben. Als Kirche sind wir gerufen vom Glauben her Hoffnung vorzuleben, Solidarität zu stärken – auch wenn unsere Einflussmöglichkeiten gering sind. Das kann aber nicht von außen geschehen. Es muss von uns aus gelebt werden – ohne jede Form der Ideologie! Unser Ziel ist es, die Lebensqualität zu verbessern mit unseren Werten des Friedens und der Gerechtigkeit. Gott helfe uns dabei!

Kirchenpräsident Gerardo Hands, Valencia/ Venezuela"


li. Gerardo Hands mit den Kindern und Jugendlichen
von "Casa Hogar" und dem Heimleiter (re)
JA - wir können was tun:

Die lutherische Gemeinde in Valencia ist Trägerin des Kinderheimes "Casa Hogar". Es bietet Jungen, deren Familien nicht für sie sorgen können, ein liebevolles Zuhause. Die wirtschaftlich und politisch schwierige Lage stellt die evangelische Gemeinde in Valencia, vor große Probleme. Im Moment kann das Kindeheim nur mit internationaler Unterstützung aufrecht erhalten werden. Auch das GAW hilft regelmäßig. Im kommenden Jahr 2018 wollen wir unsere GAW-Konfirmandengabe für das Kinderheim "Casa Hogar" sammeln. Informationen und Material zum Download und zum Bestellen finden Sie hier: http://www.gustav-adolf-werk.de/konfigabe_material.html

Ein Dankeschön an alle Spenderinnen und Spender, die das Kinderheim in den zurückliegenden Monaten bereits unterstützt haben! Hilfe ist auch weiterhin nötig. 

Ihr Konto zum Helfen:
Gustav-Adolf-Werk e.V.
KD-Bank - LKG Sachsen
IBAN: DE42 3506 0190 0000 4499 11
BIC GENO DE D1 DKD
Kennwort: Casa Hogar - Venezuela

Mittwoch, 20. September 2017

20. September ist Weltkindertag

Kinder des Romacamps mit ihrem griechischen Pfarrer
Heute am 20. September ist Weltkindertag. Er steht unter dem Leitwort: "Kindern eine Stimme geben"
Das 20. Jahrhundert sollte ein "Jahrhundert des Kindes" werden. So wünschten es sich die europäischen Reformpädagogen vor 100 Jahren. Doch es wurde ein "Jahrhundert der Widersprüche". Noch immer sterben viel zu viele Kinder vor dem fünften Lebensjahr. Die Gesundheits – und Ernährungsversorgung ist in Entwicklungsländern problematisch. Entscheidend ist ein Bildungszugang für Kinder, um Perspektiven zu haben. Kinder brauchen eine Stimme!
Dafür setzen sich auch viele GAW-Partnerkirchen ein mit ihren Kindergärten, Sozial- und Begegnungszentren und evangelischen Schulen.
So z.B. die griechisch-evangelische Kirchengemeinde in Thessaloniki. Sie hat in einem Romacamp auf einer Müllhalde in Nähe des Flughafens neben einer kleinen Kirche auch eine Schule errichtet. Dort erhalten Kinder Hausaufgabenhilfe und Griechischunterricht. Auch Erwachsene können da Lesen und Schreiben lernen. Eigentlich traut sich sonst niemand in diese Siedlung, in der ca. 500 Bewohner unter absolut prekären Umständen leben. Für die Kinder gibt es oft kein Entkommen aus diesem Teufelskreis von Armut und mangelnden Bildungsmöglichkeiten. Die nächste Schule ist weit weg und der Schulbus kommt im Winter, wenn die Wege schlammig sind, nicht bis zur Siedlung. Deshalb ist die errichtete Schule in dem Camp ein Hoffnungszeichen, das den Kindern eine Stimme gibt!


Helfen Sie mit, dass die Kinder mit ihrer Stimme gestärkt werden.

Ihr Konto zum Helfen:
Gustav-Adolf-Werk e.V.
KD-Bank - LKG Sachsen
IBAN: DE42 3506 0190 0000 4499 11
BIC GENO DE D1 DKD
Kennwort: Griechenland - Arbeit mit Roma

Montag, 18. September 2017

Lutherische Kirche in Astana eingeweiht

Die evangelisch-lutherische Erlöserkirche in Astana, Kasachstan, ist am vergangenen Wochenende eingeweiht worden. 

Bischof Juri Nowgorodow (3.v. re.) und dessen Stellvertreter Pastor Zhanibek Batenow (li. neben dem Bischof) hatten zur Kirchenweihe eingeladen und leiteten den Gottesdienst.
Bischof Nowgorodow machte deutlich, dass der Kirchenbau ein Symbol erfüllter Hoffnung und eines Neuanfangs im Leben der multinationalen evangelisch-lutherischen Kirche Kasachstans darstellt.
Der Neubau war notwendig geworden, weil das alte Bethaus in einem Gebiet der Stadt lag, in dem  Hochhäuser entstehen sollen. Das GAW hat sich am Kauf des Grundstücks und am Bau der Kirche beteiligt.

Neben Bischof Juri Nowgorodow, dem Bischof der lutherischen Kirche in Kasachstan, waren Erzbischof Dietrich Brauer aus Moskau (5.v.re.) und der stellvertretende GAW-Vorsitzende Dr. Johann Schneider (Mitte) anwesend.
Propst Johann Schneider traf dort eine Jugendgruppe aus Siebenbürgen, die derzeit evangelische Gemeinden entlang der Seidenstraße besucht. Das GAW hat auch diese Reise mit einem kleinen Beitrag unterstützt.


Freitag, 15. September 2017

Venezuela: Für die Jungen im Casa Hogar beginnt das neue Schuljahr

Am 18. September beginnt für die Jungen im Kinderheim "Casa Hogar" in Valencia (Venezuela) das neue Schuljahr. "In der gegenwärtigen dramatischen Lage in unserem Land eine besondere Herausforderung", schreibt Pfarrer Gerardo Hands, "danke an alle, die unser Kinderheim unterstützen: mit Lebensmitteln, Schuluniformen, Schulmaterial, Stipendien und mit Gebeten!"
Das Kinderheim "Casa Hogar" in Valencia bietet Jungen, deren Familien nicht für sie sorgen können, ein liebevolles Zuhause. Die wirtschaftlich und politisch schwierige Lage, in der Venezuela sich derzeit befindet, stellt die evangelische Gemeinde in Valencia, die das Kinderheim betreibt, vor große Probleme. Im Moment kann das Kindeheim nur mit internationaler Unterstützung aufrecht erhalten werden. Auch das GAW hilft regelmäßig. Im kommenden Jahr 2018 wollen wir unsere GAW-Konfirmandengabe für das Kinderheim "Casa Hogar" sammeln. Informationen und Material zum Download und zum Bestellen finden Sie hier:   http://www.gustav-adolf-werk.de/konfigabe_material.html .

Ein Dankeschön an alle Spenderinnen und Spender, die das Kinderheim in den zurückliegenden Monaten bereits unterstützt haben! Hilfe ist auch weiterhin nötig.

Ihr Konto zum Helfen:
Gustav-Adolf-Werk e.V.
KD-Bank - LKG Sachsen
IBAN: DE42 3506 0190 0000 4499 11
BIC GENO DE D1 DKD
Kennwort: Casa Hogar - Venezuela




Donnerstag, 14. September 2017

Kuba braucht unsere Hilfe! Die Not ist groß!

Pfarrer Dr. Patrick Schnabel, Kubareferent des Berliner Missionswerkes, schreibt in einem Aufruf um Hilfe für Kuba und unsere gemeinsamen kirchlichen Partner auf der Karibiklinsel folgende Worte: 

"Am vergangenen Wochenende traf Hurrikan „Irma“ mit der Stufe 4 auf Kuba – und hinterließ auf mehr als der halben Insel eine tiefe Schneise der Verwüstung. Seit einigen Jahren bin ich der Insel durch zahlreiche dienstliche Besuche beim kubanischen Kirchenrat verbunden. Inzwischen erreichen mich von dort schreckliche Berichte und Bitten um Unterstützung. Zahlreiche Häuser haben dem Sturm nichts entgegenzusetzen gehabt. Sie fielen zusammen wie Kartenhäuser, Balkone wurden durch die Luft geschleudert, das Meer drang tief in die Städte ein – auch in die Altstadt von Havanna, wunderschönes Unesco-Kulturerbe.
Während des Wochenendes hatte ich den Eindruck, dass Kuba so lange für die Medien interessant war bis der Sturm Florida erreicht hatte – danach gab es nur spärliche Nachrichten von der Insel, aber viele aus den USA. Das finde ich traurig.
Man kann Leid nicht gegeneinander aufrechnen, aber die Menschen auf Kuba haben deutlich schlechtere Ausgangsbedingungen, ihr Leben wieder zu ordnen. Das Durchschnittseinkommen beträgt umgerechnet 20 Euro im Monat. Die Menschen erhalten zusätzlich Lebensmittelkarten für einige Nahrungsmittel. Das eigene Dach über dem Kopf ist daher für die Kubaner die wichtigste Grundsicherung. Viele haben sie nun verloren.
Und die Chancen auf schnellen Wiederaufbau sind gering. Baustoffe sind ohnehin Mangelware. Neue Häuser fehlen seit Jahren – drei bis vier Generationen wohnen zusammen in kleinsten Häusern. Der Staat hat zudem im Moment genug zu tun, die Infrastruktur wiederherzustellen. Noch sind ca. 80% der Haushalte ohne Strom. Zahlreiche Menschen flüchten sich in Schulen, Turnhallen – und Kirchen.
Meine Landeskirche unterhält als einzige EKD-Gliedkirche verschiedene vertragliche Partnerschaften mit ökumenischen Einrichtungen auf Kuba. Als „Kuba-Referent“ kenne ich die Situation daher gut und weiß, dass es jetzt an wirklich allem fehlt.
Die kubanische Wirtschaft gehört zu den schwächsten der Welt. Nach dem Ende des Kalten Krieges verlor es die Unterstützung aus Osteuropa, die ihm über Jahrzehnte geholfen hatte, einen kommunistischen Musterstaat mit vorbildlicher Bildung, hohen Gesundheitsstandards und lebendiger Kulturszene zu schaffen. Durch das US-Embargo kann das Land seit Jahrzehnten fast keinen Außenhandel treiben. Hinzu kommt, dass die sozialistische Planwirtschaft ineffizient ist und wirtschaftliche Reformen nur zögerlich vorankommen. Die Leidtragenden sind die Menschen.
Dennoch beeindrucken mich die Kubaner durch ihre Lebensfreude: sogar jetzt. Sie wollen anpacken und wiederaufbauen. 
Daher meine Bitte: Wer kann, möge sie dabei unterstützen.
Aufgrund der wenigen Nachrichten aus Kuba (ist es nicht einfach Spenden für die Notleidenden dort zu sammeln)...
Wo die Nachrichten in Radio und Fernsehen ausbleiben, müssen wir andere Wege nutzen. Wer Einfluss auf Kollektenentscheidungen von Kirchengemeinden hat oder Freunde, die schon mal auf Kuba Urlaub gemacht haben und das Land mochten: Dieser Aufruf darf gern weitergeleitet werden!"

Das GAW arbeitet mit dem Berliner Missionswerk zusammen und unterstützt die Presbyterianische Kirche auf Kuba. Wir bitten um Hilfe, um die kirchliche Infrastruktur, die Schaden genommen hat auf Kuba, wieder zu sanieren! 

Wir danken herzlich für Ihre Solidarität, für Ihre Spenden und Ihr Gebet!


Spendenkonto: KD-Bank, IBAN: DE42 3506 0190 0000 4499 11, Stichwort: Nothilfe