Freitag, 28. Oktober 2016

Betet für uns in Venezuela! Die Lage kann jederzeit explodieren!

Demonstration am 27. Oktober in Caracas
Venezuela steht vor den wirtschaftlichen und sozialen Kollaps. Bei allem hält die Regierung unter Präsident Nicolas Maduro an ihrem gescheiterten politischen und wirtschaftlichen Kurs fest. Der Regierungsclique und die obersten Militärs drohen bei einem Machtwechsel vor allem wegen Veruntreuung von Steuermitteln und illegaler Selbtsbereicherung juristische Konsequenzen. Deshalb klammern sie sich an die macht. Deshalb haben sie das Abberufungsreferendum der Opposition verhindert. Es gibt große Proteste und soziale Unruhen. Noch denkt die Regierung, dass ein Großteil der Bevölkerung hinter ihr steht auf Grund der vergangenen Wahlen, die noch ganz im Schatten des verstorbenen Präsidenten Chavez standen. Dialogbemühungen haben überhaupt nicht gefruchtet. Sollte wirklich kein politischer Ausweg gefunden werden, dann kann das für das Land katastrophale Folgen haben.  Die notleidende Bevölkerung ist jedenfalls auf dringende Hilfe angewiesen und auf notwendige Reformen. Der Hunger wird sie letztlich auf die Strasse treiben. Dem Land läuft die Zeit davon. Davon ist auch der lutherischen Kirchenpräsident Gerardo Hands überzeugt: "Betet für uns! Die Lage kann jederzeit explodieren. Am morgigen 29. Oktober wird es einen Generalstreik geben. Wir sind auf diakonische Hilfe angewiesen - auch um den Pfarrfamilien zu helfen. Denn sie müssen bei ihren Gemeinden bleiben. Die Gemeinden dürfen ihre Hirten nicht verlieren."
Das GAW wird den lutherischen Gemeinden und ihren diakonischen Projekten weiter helfen. Das ist geboten. Helfen Sie mit!

Donnerstag, 27. Oktober 2016

Eine Kollekte für das GAW am Reformationstag

In wenigen Tagen feiern wir den Reformationstag! Und damit starten wir in das Jubiläumsjahr: 500 Jahre Reformation!
In zahlreichen Landeskirchen wird am Reformationstag die Kollekte für das Diasparawerk der EKD - für das GAW gesammelt, um damit daran zu erinnern, dass wir weltweit mit unseren evangelischen Schwestern und Brüdern im Glauben verbunden sind und die Reformation ein Ereignis ist, dass überall auf der Welt Bedeutung hat.
Das GAW bietet zahlreiche Projekte an, die auf der protestantische Solidarität hinweisen. Es lohnt, sich dafür einzusetzen! Der Projektkatalog bietet hier viele Angebote - weltweit!
Und entscheiden Sie sich für eine Kollekte des GAW am Reformationstag!

Dienstag, 25. Oktober 2016

Estland und die lutherische Kirche

Erzbischof Urmas Viilma
"Estland ist zwar ein hochentwickeltes Land, aber gehört in der Europäischen Union dennoch zu einem der ärmsten Länder," erläutert Erzbischof Urmas Viilma, der seit 2015 seiner Kirche vorsteht, in einem Treffen mit der Evangelischen Partnerhilfe in Tallinn. Der Mindestlohn in Estland liegt derzeit bei 430 Euro (brutto), die durchschnittliche Altersrente ist bei 370 Euro. Die vergleichbar niedrigen Löhne machen auch der Kirche zu schaffen. Nicht jeder ist in der Lage, seinen Mitgliedsbeitrag zu zahlen. Im Jahr 2015 zahlten 29.000 Kirchenmitglieder ihren Beitrag, der durchschnittlich bei 45 Euro jährlich liegt. Das reicht natürlich nicht. "Diese Zahlen sinken jedoch", sagt Viilma. So muss die Kirche schauen, wie sie ihre Ausgaben deckt. Aus Mitgliedsbeiträgen, Kollekten und Gaben für Amtshandlungen werden lediglich 1/3 der Kosten gedeckt. Einnahmen aus Immobilien und stattlichen Zuwendungen decken ein weiteres 1/3 ab. Der Rest muss anderweitig erwirtschaftet werden. 
Insgesamt gehören ca. 160.000 Menschen der lutherischen Kirche in Estland an. Das sind ca. 11 % der Bevölkerung. 167 Gemeinden gibt es, die von 215 Geistlichen betreut werden, von denen 130 in den Gemeinden arbeiten. 
"Im kommenden Jahr 2017 gibt es die Frauenordination 50 Jahre", berichtet Viilma weiter. "Daran soll erinnert werden, denn die Frauen sind sehr wichtig im Dienst unserer Kirche."
Das GAW arbeitet derzeit an der Übersetzung der Lebenserinnerungen von Pfarrerin Laine Villenthal, der ersten Frau, die in Estland ordiniert wurde. Dieses Buch soll im kommenden Jahr veröffentlicht werden.

Sonntag, 23. Oktober 2016

Eine neue Kirche in Saku (Estland)

Altes Bethaus in Saku
In Saku gibt es eine große und gute Brauerei - aber keine lutherische Kirche, auch nicht einer anderen christlichen Konfession. Dabei wächst diese Stadt mit 6.000 Einwohnern, die  rund 10 Kilometer von der estnischen Hauptstadt Tallinn entfernt liegt, beständig. Die günstige Lage für Pendler sowie eine große Brauerei haben das einstige Dorf zu einer grünen, wohlhabenden Kleinstadt werden lassen.
Kirchlich gehörte Saku immer zur Gemeinde Hageri. Obwohl Hageri ein Dorf mit nur 500 Einwohnern ist, gab es hier immer eine große Kirche für die ganze Region. Vor Ort in Saku gab es nur ein Gebetshaus der Brüdergemeinde, die aber kaum noch existent ist. Vor rund zwanzig Jahren begann sich hier eine Gruppe Lutheraner zu versammeln. Am 2. Februar 2013 wurde schließlich eine eigenständige Gemeinde gegründet. Betreut wird sie von einem
Geplanter Kirchennaubau in Saku
Missionspfarrer aus Norwegen. Die Zahl der Gemeindeglieder hat sich in wenigen Jahren auf rund 70-80 Personen vergrößert.

Als Missionsgemeinde wird ihr Gesicht geprägt von Kindern und jüngeren Erwachsenen. 2014 gab es in der Gemeinde elf Konfirmanden. „So eine Gemeinde habe ich noch nicht erlebt“, lobt der Missionspfarrer Magne Molster die Sakuer Thomasgemeinde. „Der weitaus größte Teil der Gemeindeglieder ist aktiv am Gemeindeleben beteiligt!“ 29 Ehrenamtliche kümmern sich um Baby-, Kinder-, Mädchen- und Jungengruppen, Gebetsgruppen, Gottesdienstvorbereitung und Gemeindeabende. In Zusammenarbeit mit der Kommune leistet die Gemeinde zudem diakonische Hilfe.
Mit Hilfe von verschiedenen Partnern will die Gemeinde den Traum von einer eigenen Kirche wahr werden lassen. Ein Entwurf des Kirchengebäudes ist fertig, das Grundstück gesichert. Die Gemeinde bittet im aktuellen GAW-Projektkatalog um Unterstützung für den Kirch- und das Gemeidehausbau. Wenn es klappt, dann soll in spätestens 4-5 Jahren die Kirche stehen.

Samstag, 22. Oktober 2016

Eine besondere lutherische Gemeinde in Aizpute

Johanniskirche in Aizpute
Die lutherische Gemeinde in Aizpute im lettischen Kurland ist eine besondere Gemeinde. Sie ist eine autonome lutherische Gemeinde - und das schon seit 1990. Theologische Differenzen führten dazu, dass sich die Gemeinde der lettischen-lutherischen Kirche nicht anschloss. Zudem wollte sie Eigentümerin ihrer Kirche und des Kirchenlandes bleiben. So hat sie ihren eigenen Weg gesucht. 2015 hat sie sich der lettischen Evangelisch–lutherischen Kirche im Ausland angeschlossen, die nun im Mai 2016 eine eigene Propstei in Lettland gegründet hat.
Pfarrer Varis Bitenieks war 
Pfarrer Bitenieks (li) mit Kirchenvorstehern
ursprünglich selbst Pfarrer der lettischen lutherischen Kirche - bis zu dem Zeitpunkt, als er sich kritisch zu einem Vorgang innerhalb seiner Kirche äußerte. Er wurde daraufhin versetzt. Er verließ die Kirche und arbeitete zehn Jahre lang im Straßenbau, bevor er vor drei Jahren einen Ruf der autonomen Gemeinde in Aizpute bekam. Hier baut er nun seine Gemeinde. 700 Gemeindeglieder gehören ihr an. 100 davon bezahlen ihren Kirchenbeitrag. Spannend ist: In den letzten Jahren hatte er jeweils über 200 Taufen pro Jahr. Eine Folge der restriktiven Taufpraxis in der lettisch-lutherischen Kirche? - Mit seiner Gemeinde ist Pfarrer Bitenieks auf Solidarität angewiesen - das zeigt sich auch an den Gebäuden.

Aizpute wird erstmals im 13. Jahrhundert urkundlich erwähnt. Die Johanniskirche ist die älteste erhaltene Kirche Kurlands.


Freitag, 21. Oktober 2016

Genderfragen in Lettland und die Kirche...

Luth. Hl. Dreiflatigkeitskirche in Liepaja
"In der gesellschaftlichen Entwicklung in Lettland ist eine Rückkehr zu sog. konservativen Werten zu beobachten", sagt ein politischer Beobachter des Landes. "Dabei werden diese Werte gegen eine sog. Verwestlichung und liberales Denken ins Feld geführt." Das habe verschiedene Gründe. Zum einen ist der Bevölkerungsschwund in Lettland dramatisch. Junge Familien und gut ausgebildete Menschen, die in einer offenen und toleranten Gesellschaft leben wollen, verlassen das Land. Das führt zu einem massiven demographischen Problem. Die wirtschaftliche Entwicklung stagniert und zwingt auch viele Menschen auszuwandern. 52 Familien würden Lettland derzeit täglich verlassen. In dieser kritischen Situation besinne man sich auf konservative Werte. Das zeige sich am Umgang mit der sogenannte Istanbul-Konvention, das das lettische Parlament bis heute nicht ratifiziert hat. Am 1. August 2014 trat dieses Übereinkommen des Europarats über die „Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt“ in Kraft. In Staaten, die die Konvention ratifiziert haben, müssen alle staatlichen Organe – darunter Gesetzgeber, Gerichte und Strafverfolgungsbehörden – die Verpflichtungen aus der Konvention umsetzen. In Lettland wurde darüber kontrovers diskutiert, ob das Land die „Istanbul-Konvention“ unterzeichnen soll. Nach Auffassung des Justizministers stünde es im Gegensatz zur Verfassung Lettlands stehe. Dieselbe Meinung vertreten auch die Bischöfe der vier großen Kirchen in Lettland. Erzbischöfe der Römisch-Katholischen Kirche, der Lettischen Evangelisch-Lutherischen Kirche, der Bischof der Lettischen Baptisten-Union sowie der Metropolit der Orthodoxen Kirche in Lettland sehen in der Konvention die Gefahr, Lettland einen gesellschaftlichen Wandel aufzuzwingen, der auf der Gender-Ideologie basiert, statt die wirklichen Ursachen der Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen. Als eine Reaktion darauf haben einige andere Kirchen und Organisationen ebenfalls einen offenen Brief verfasst und zur Unterzeichnung der Konvention aufgerufen. Dieser Brief wurde u.a. von Vertreterinnen und Vertretern der Anglikanischen Kirche, der Lettischen Lutherischen Kirche im Ausland, der lettischen Bibelgesellschaft, dem lettischen Theologinnenverband, der Theologischen Fakultät und der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche in Lettland unterzeichnet.
Das Kabinett hat der Konvention inzwischen zugestimmt - gegen die Stimme des Justizministers. Die Zustimmung des Parlaments steht noch aus. Hier scheint es Schwierigkeiten zu geben. Es gibt genügend Stimmen die traditionelle Werte gegen "Genderfragen" ausspielen wollen. Immer wieder taucht dabei Homosexualität als kontroverses Thema auf. Die einzig verbliebene liberale Partei im Parlament kämpft mit internen Schwierigkeiten und hat zudem kaum noch Rückhalt in der Bevölkerung. 
Die Auseinandersetzung um die Konvention ist ein Ausdruck für die derzeitige gesellschaftliche Situation, die sich eben auch in den Kirchen wiederfindet. Gerade die Frage zu welchen Werten man stehen muss wird zur Streitfrage und erscheint manchmal wie eine Bekenntnisfrage. Eine offene Diskussion scheint schwierig. Wie ist auf der Basis eine gemeinsame kirchliche Zusammenarbeit möglich? 

Donnerstag, 20. Oktober 2016

Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist

Pfarrer Martin Urdze
"Die evangelisch-lutherische Kreuzkirchengemeinde in Liepaja versteht sich als diakonische Gemeinde", sagt der lettische Pfarrer Martin Urdze. "Zum Wesen unserer Gemeinde gehört es, dass wir uns in Dienst nehmen lassen wollen. Alle Arbeit der Gemeinde ist von der Diakonie durchzogen. Denn Diakonie ist die Sorge der Kirche um den Menschen in allem, was ihn ausmacht an Leib, Seele und Geist." Für Pfarrer Urdze ist das Berufung. Kirche ohne Diakonie, ohne Dienst am Nächsten geht nicht. Und er ist davon überzeugt: Weil Jesus im Wesen der Kirche das Dienen sah, ist Zentrum der Kirche und der Gemeinde die Diakonie. Weil Jesus diakonisch gehandelt hat wurde er kritisch beäugt, weil er von sich absah und nicht auf den eigenen Vorteil schaute, wurde er angegriffen. Die Diakonie, der Dienst muss Inhalt und das Programm der Mission der Kirche sein.
Das ist gerade im lettischen Kontext geboten. Denn Nöte gibt es viele. So gibt es allein in der 70.000- Einwohnerstadt Liepaja 500 Menschen mit Behinderungen, die keine Chance haben, Arbeit zu finden. In der Kreuzkirchengemeinde ist die Arbeit für behinderte Menschen und mit ihnen zentral. Im "Domino-Markt" werden Handarbeiten von ihnen verkauft. Der Erlös kommt ihnen zugute. Es gibt eine Werkstatt mit regelmäßigen Angeboten, wo Produkte hergestellt werden, wie z.B. Töpferarbeiten, Strickwaren, Holzarbeiten, Kerzen etc. Es gibt Beratungsangebote zur Orientierung. "Ich habe den Eindruck, dass die Not wächst und die Notwendigkeit, diakonische Angebote auszuweiten, größer wird", sagt Urdze.
Diakoniezentrum in Liepaja
Pfarrer Urdze lebt Diakonie. Er bindet sie intensiv in sein Gemeindeleben ein. "So kommen zu unserer Gemeinde viele Menschen, die mühselig und beladen sind. Sie finden in Gottesdiensten und sonstigen Angeboten ihren Raum."
Urdze ist mit seinen Angeboten eine Ausnahme. Denn in vielen lutherische Gemeinden Lettlands werden andere Schwerpunkte gesetzt. Nicht weit von seiner Gemeinde entfernt befindet sich in Liepaja die Annengemeinde, in der viel Wert auf Liturgie gelegt wird, mit orthodoxen Tendenzen. Aber nicht nur da. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum die Kreuzkirchengemeinde sich in der lettischen lutherischen Kirche nicht mehr zu Hause fühlt. Sie haben sich der lutherischen Auslandskirche angeschlossen, die in diesem Jahr eine eigene Propstei in Lettland gegründet hat.
Diakonie als Herausforderung von Kirche - und Ruf, sich in dieser Welt in den Dienst nehmen zu lassen - das wäre doch eine Chance für die Lutheraner in Lettland, sich auf das Wesen von Kirche zu konzentrieren: Kirche ist nur dann Kirche, wenn sie für andere da ist. 

Mittwoch, 19. Oktober 2016

Die Zukunft lutherischen Glaubens in Lettland

Dekanin Dace Balode, Evangelistin Rudite Losane,
Erzbischöfin Lauma Zušēvica
Lauma Zušēvica ist Erzbischöfin der Lettischen Evangelisch-Lutherischen Kirche außerhalb Lettlands (LELBAL). Inzwischen hat ihre Kirche eine eigene Propstei in Lettland gegründet, nachdem sich die lutherische Kirche in Lettland theologisch immer weiter von Grundüberzeugungen, die im Lutherischen Weltbund Konsens sind, entfernt hat. Dazu gehört z.B. die Zustimmung zur Frauenordination. Propst der LELBAL in Lettland ist Pfarrer Kārlis Žols, der inzwischen fünf Gemeinden gesammelt hat. Eine sechste Gemeinde steht kurz vor der Gründung. Ca. 400 Mitglieder gehören zu dieser Kirche, die inzwischen auch zu einer Alternative geworden ist für Menschen, die sich in der lettischen lutherischen Kirche nicht mehr heimisch fühlen. Neun Pfarrer betreuen die Gemeinden. Die Hälfte sind Frauen.
Es ist sehr bedauerlich, dass es zu dieser Entwicklung gekommen ist. Die Gründe reichen in die Vergangenheit zurück. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges führte der Einfluss der Sowjetunion den größten Teil der lettischen Pfarrerschaft samt ihres Erzbischofs ins Exil. Die Theologische Fakultät Lettlands wurde geschlossen. Die Lettische Evangelisch-Lutherische Kirche erhielt die Namensergänzung "außerhalb Lettlands". Durch die Sowjetzeit hindurch unterstützten das Gustav-Adolf-Werk und die lettischen Lutheraner im Ausland ihre in Lettland verbliebenen Glaubensbrüder und -schwestern der LELB hinter dem Eisernen Vorhang. 
Seit 1993 leitet Jānis Vanags als Erzbischof die lutherische Kirche Lettlands. Vor seiner Wahl versicherte er bereits, keine Frauen ordinieren zu wollen - für die Synode war diese Versicherung maßgeblich, ihn überhaupt zu wählen. Gleichzeitig warnte er davor, dass die Kirche einem starken Druck von liberalen lutherischen Kirchen ausgesetzt sein würde. Inzwischen scheint eine Atmosphäre in der lutherischen Kirchen entstanden zu sein, dass die Synodenenstcheidung dieses Jahres zur Ablehnung der Frauenordination auch als Bekenntnis der Standhaftigkeit gegen eine "Verwestlichung" und gegen einen vermeintlichen Werteverfall zu verstehen ist. 
Aus Sicht des GAW stellt sich nun die Frage, welche Konsequenzen der Ausschluss der Frauen für die Partnerschaft mit Lettland bedeutet. Dazu werden derzeit Gespräche geführt mit allen lutherischen VertreterInnen in Lettland. 
Die Zukunft lutherischen Glaubens in Lettland wird sich weiter ausdifferenzieren. Neben der einheimischen lutherischen Kirche und der deutschen lutherischen Kirche in Lettland wird sich die LELBAL konstituieren und braucht dabei Unterstützung.

Dienstag, 18. Oktober 2016

Welche Zukunft hat die Theologieausbildung in Lettland?

Dekanin Dace Balode (2 v.r.) mit Bischof Magaard (Nordkirche),
Pfarrer Markus Schoch (Riga) und dem Generalsekretär des GAW
1920 wurde die theologische Fakultät in Lettland gegründet. Sie war Teil der Universität und sorgte u.a. für die Ausbildung des Theologennachwuchses der lutherischen Kirche in Lettland. Auf Grund der politischen Veränderungen im Zweiten Weltkrieg wurde sie 1940 geschlossen. Erst 1968 gab es dann wieder ein theologisches Seminar, an dem immer auch Frauen studierten. Eine Fakultät wurde erst 1991 an der Universität in Riga wiedergegründet. Seitdem werden hier Theologen in den klassischen Fächern ausgebildet, bis heute so. Derzeit sind an der Fakultät ca. 100 Studierende aus unterschiedlichen christlichen Denominationen. Rund 40 von ihnen gehören der lutherischen Kirche an - Frauen wie Männer. 
Nachdem 1993 Erzbischof Vanags der leitende Geistliche der lutherischen Kirche wurde, hat sich die Beziehung der Fakultät zu Kirche verändert. Die Kirche gründete im Jahre 2007 die Lutherakademie, deren Besuch Pflicht ist für alle Pastoren, die in der lutherischen Kirche ordiniert werden wollen. Seitdem sind die Beziehungen abgekühlt. Offen ist derzeit, wie die theologische Fakultät ihren Weg weitergehen kann. Staatlich ist sie anerkannt. Nur... wenn die Kirche diese Ausbildungsstätte nicht für die eigene Pfarrausbildung nutzt, Parallelstrukturen aufbaut und selbst an der Universität neue Strukturen aufbauen möchte, dann stellt sich die Frage, wie es insgesamt mit der Theologenausbildung weitergehen soll.
Es wäre fatal, diese Ausbildungseinrichtung zu schwächen, denn die Lutheraner sind mit ca. 40.000 Gläubigen eine kleine Minderheit, für die diese Ausbildungsstätte ein großer Gewinn ist. Nur - kann die Kirche diese Chance nutzen? Welche Rolle spielen konservative Bewegungen in der Kirche, die z.B. gegen die Frauenordination sind? 

Es wäre fatal, die Chance zur Ausbildung von Theologen, die der Staat bietet, zu schwächen.

Sonntag, 16. Oktober 2016

Christen in der arabischen Welt

20%  der Menschen im  Nahen Ostens waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts Christen. Elf Millionen Christen gibt es im Nahen Osten derzeit noch - unter 320 Millionen Muslimen. Völkermord, Vertreibung und Unterdrückung haben sie aus der Region gedrängt. Hier aber liegt die Wiege des Christentums. Dass es überhaupt noch Christen hier gibt, grenzt an ein Wunder - davon berichtet die Dokumentation „Christen in der arabischen Welt“, die auf ARTE in diesem Jahr erschien.

Geschildert wird die Lage der Christen und anderer von Islamisten verfolgter Minderheiten wie der Jesiden. Die Situation der verschiedenen christlichen Konfessionen im Irak, in Syrien, der Türkei, dem Libanon und Ägypten werden gezeigt. Dabei werden die verschiedenen Stadien eines Ethnozids geschildert - die Vertreibung einer religiösen Minderheit, ihre physische Vernichtung und die Auslöschung ihrer Kultur. Im Irak und in Syrien geht die Verfolgung, Ermordung und VErtreibung von Christen vor allem auf das Konto der Miliz IS. Hört man die Zeugnisse derer, die den Mördern knapp entkommen sind, tritt einem dieses Versagen des Westens und des vermeintlich sich christlich geprägt dünkenden Europas noch einmal schmerzlich vor Augen.
Bischof Diman, der in Ägypten das koptisch-orthodoxe Kloster des Erzengels Michael leitet, sagt ernüchtert: "Ihr im Westen habt eure Glaubwürdigkeit verloren. Erzählt mir nie wieder etwas von Demokratie und Menschenrechten." Dabei verweist er auf die Verfolgung der Christen in Nigeria, die Angriffe auf Kopten seit den neunziger Jahren in Ägypten oder den vor laufender Kamera vollzogenen Massenmord an 21 koptischen jungen Männern in Libyen, die von IS-Leuten geköpft wurden.
In Ägypten versuchen sich die koptischen Gemeinden zu behaupten, im Libanon haben die christlichen Maroniten, welche mit 43 Prozent die größte Bevölkerungsgruppe stellen, ihren einst prägenden Einfluss verloren und suchen ihr Heil als Bündnispartner entweder der sunnitischen oder der schiitischen Radikalen. In der Türkei, deren sultanesken Präsidenten Erdogan die EU in der Flüchtlingskrise als Partner zu brauchen glaubt, führen Christen als Bürger nicht einmal mehr zweiter Klasse eine prekäre Randexistenz.

Verschwinden die Christen im Nahen Osten, dann wäre das eine Katastrophe für die ganze Welt - so das Resümee der ARTE-Dokumentation. Dann ginge Vielfalt verloren und es fehlten Vermittler zwischen den verschiedenen Religionen, die die Christen hier immer waren.

Die eindrückliche, bewegende und zugleich bedrückende Dokumentation, ist hier zu finden:

Freitag, 14. Oktober 2016

Material zur Gestaltung des Martinsfestes 2016

Am 11. November ist Martinstag. Dieser Tag erinnert uns daran, dass weltweit Millionen Menschen am Rande der Gesellschaft stehen. Ausgegrenzt, mittellos, fast unsichtbar. So wie der frierende Bettler damals am Wegesrand saß, als Martin hoch zu Ross nach Amiens ritt. Martin hat den Bettler wahrgenommen. Er ist von seinem hohen Ross abgestiegen und hat seinen Mantel mit dem Bettler geteilt. Der Heilige Martin ist – auch für evangelische Christen – ein besonderes Vorbild. Er lehrt aus christlichem Glauben heraus Barmherzigkeit und Güte. „ An seinen guten Werken soll man sich ein Beispiel nehmen.“ (Augsburger Bekenntnis, Artikel 21). Das GAW unterstützt weltweit evangelische Minderheiten, die sich für die Schwachen und Ausgegrenzten in ihren Ländern einsetzen. Häufig haben diese Kirchen irgendwann in ihrer Geschichte selbst erfahren, was es heißt, ausgegrenzt zu werden – oder: sie erfahren es heute noch immer. 
Mit diesem Martinsspiel möchten wir Ihre Aufmerksamkeit auf das Kinderheim „Casa Hogar“ in Venezuela lenken. Venezuela ist in den letzten Jahren in eine schwere politische und wirtschaftliche Krise geraten. Für die evangelische Gemeinde in Valencia, die dieses Kinderheim unterhält, ist es sehr schwer in dieser katastrophalen Situation, die Kinder zu versorgen. Selbst die Beschaffung von ausreichend Lebensmitteln ist eine unglaubliche Herausforderung. Das Kinderheim braucht dringend einen Brunnen, damit es sich selbst mit Wasser versorgen kann. Wir bitten Sie, mit Ihrer Kollekte zum Martinsfest den Bau eines Brunnens im Kinderheim „Casa Hogar“ in Venezuela zu unterstützen. Ein 8-seitiges Materialheft, das sie kostenlos bestellen können, hält weitere Informationen zu diesem Projekt für Sie bereit. - Pfarrer Enno Haaks (Generalsekretär des GAW)

Material zum Martinsfest finden Sie hier: 

Donnerstag, 13. Oktober 2016

Nothilfe kommt in Aleppo an

Rakteneeinschlag
Pfr. Selimian verteilt Essensrationen
„Aleppo, eine der wichtigsten Städte Syriens und ein wirtschaftliches Zentrum, hat sich in dem fünf Jahre andauernden Krieg in einen der gewaltvollsten Orte der Welt verwandelt. Die Stadt ist für die verschiedenen Kriegsparteien von entscheidender Bedeutung. Hier entscheidet sich der Krieg!“, schreibt Pfarrer Haroutune Selimian von der armenisch-evangelischen Bethelkirchengemeinde in Aleppo.  „Inzwischen gibt es kaum noch einen sicheren Ort in unserer Stadt. Am 9. Oktober schlug in den Räumen unserer Bethel-Schule eine Rakete ein. Mein Schlafzimmer ist 30 Meter von dem Schulgebäude entfernt", schreibt Selimian. "Es gab zum Glück nur materielle Schäden und niemand ist verletzt worden - nur die Angst vor weiteren Angriffen ist da. Ununterbrochen hören wir den Kriegslärm.“  
Empfang finanzielle Unterstützung
Die Stadt ist in einen Ost- und einen Westteil gespalten. Während die Regierunsgsseite mit Unterstützung der russischen Luftwaffe den Ostteil der Stadt massiv angreift, erfährt der Westteil der Stadt, wo u.a. die armenisch-evangelische Kirche steht, Rakteneinschläge von der Seite verschiedener Rebellen.
So wird das Leben immer schwieriger. Ohne Hilfe von außen geht es nicht mehr. Die Menschen in Syrien leiden unabhängig von ihrem jeweiligen Glauben oder ihrer nationalen Zugehörigkeit unter Isolation und Unsicherheit, Verarmung und unter psychischen Belastungen. Es gibt kaum Arbeit, während die Lebensmittel- und Treibstoffpreise enorm gestiegen sind.
„Mit Hilfe des GAW haben wir die Schäden an der Schule und der Kirche in Aleppo beseitigen können. Zudem haben Schüler und bedürftige Familien Hilfe bekommen.“
Dank Spenden aus Deutschland, die das GAW übermittelte, konnte die Gemeinde von Haroutune Selimian in Aleppo 200 Familien mit Essensrationen versorgen (80 US-Dollar pro Paket), für die Schule zum Heizen und für Stromerzeugung Heizöl  kaufen (3.500 Dollar), Lehrergehälter unterstützen (3.200 Dollar), Stipendien für Schüler ermöglichen (7.000 Dollar), die Kirche und die Schule reparieren (1.500 Dollar) und 250 Familien die Bezahlung von Strom ermöglichen (7.500 Dollar).

Diese Hilfe für Aleppo ist ein konkretes Beispiel der Nothilfe, die das GAW aktuell in Syrien leistet. Darüber hinaus unterstützen wir weitere Gemeinden in Malikiya, Hasaka, Qamishly, Homs, Latakia und Mehardeh unterstützt.

Die Hilfe für Syrien braucht Unterstützung!
Das Spendenkonto für Überweisungen:
GAW
KD-Bank
IBAN: DE42 3506 0190 0000 449911
BIC: GENODED1DKD
Stichwort: Nothilfe

Mittwoch, 12. Oktober 2016

Das GAW und Menschenrechte

Der Grundauftrag des GAW ist es, evangelischen Gemeinden weltweit zu helfen, ihren Glauben in Freiheit zu leben und Gemeinschaft zu stärken. Daran wird sich nichts ändern. Gerade in unseren Zeiten ist es umso wichtiger, sich für evangelische Minderheiten einzusetzen, die für Vielfalt und für gesellschaftliches Engagement stehen.
Im Jahre 2002 hieß es in einem GAW-Dokument (EvDia 2002, S. 168ff): "Dem GAW (erwächst) angesichts der Erfahrungen (aus der Vergangenheit) gegenüber der Gesellschaft die Aufgabe, überall, wo es Not tut, auf die Praktizierung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit hinzuwirken und auf Wahrung der Religionsfreiheit und der anderen Menschenrechte Einfluss zu nehmen."

Aus der Erinnerung und den Erfahrungen der Vergangenheit gilt es auch heute für das GAW: Wir treten für die Wahrung der Menschenrechte wie z.B. Religionsfreiheit und für die Stärkung der Demokratie ein. Diasporakirchen übernehmen auch mit unserer Hilfe gesellschaftliche Verantwortung in ihren diakonischen Einrichtungen und lindern Nöte in vielen Bereichen.
Insofern ist Diasporaverantwortung immer auch Menschenrechtsarbeit!

Dienstag, 11. Oktober 2016

Über die Flüchtlingshilfe in Mylotopos - Griechenland

Herrichtung von Wohnungen in Mylotopos
„Die Bedingungen unter denen die Menschen in den griechischen Flüchtlingslagern leben, sind nicht gut. Die griechischen Behörden sind hoffnungslos überfordert“ berichtet Meletis Melitiadis, Moderator der Griechischen Evangelischen Kirche. Rund 60.000 Flüchtlinge sitzen derzeit in Griechenland fest. Die meisten warten noch immer auf ihre Registrierung. "Ohne die Hilfe von Kirchen und Nichtregierungsorganisationen wären die menschen völlig allein gelassen. Da können wir als Christen nicht wegschauen."
„Wir möchten mit unserem Flüchtlingsprogramm vor allem schutzbedürftigen Menschen helfen“, erklärt Meletis, „allein reisende Frauen mit kleinen Kindern oder unbegleitete minderjährige Flüchtlinge haben es besonders schwer zurecht zu kommen.“
Der Kirche ist es wichtig, Menschen aus den Flüchtlingslagern herauszubekommen und in festen Unterkünften unterzubringen. In Mylotopos hat die Gemeinde Wohnungen hergerichtet. Katerini hat mindestens 75 Menschen schon aufgenommen. Sie müssen verpflegt werden und begleitet werden.
Meltis Melitiadis hat uns einen kleinen Film zur Verfügung gestellt, um die Arbeit vorzustellen:

Montag, 10. Oktober 2016

Neue Gemeinderäume in Tschernogorsk

Neue Gemeinderäume
"Es ist schwer, Menschen für Gottes Wort zu gewinnen", sagt Prädikantin Soja Heinze aus Teschernogorsk in der russischen Teilrepublik Chakassien in Südsibirien. Dort hat im Jahr 2002 eine kleine lutherische Gemeinde sich begonnen zu sammeln. "Ich bin zu dieser Gemeinde gekommen, weil das damalige Pastorenehepaar durch ihre Art, das Wort Gottes zu verkündigen und durch ihre Art den Glauben zu leben mich überzeugt haben." Damals leitete sie das deutsch-russische Kulturzentrum der 72.000 Einwohnerstadt. Eine lutherische Gemeinde gab es nicht. Damit gab es auch keine taditionelle alte brüdergemeindliche Prägung. "Und", das sagt Soja Heinze, "deshalb haben wir auch keine Diskussionen um Frauen im Predigtdienst. Bei uns ist das selbstverständlich. Die Frauen tragen die Gemeindearbeit." Inzwischen gehören ca. 20 Erwachsene unterschiedlichen Alters und mindestens 20 Kinder und Jugendliche der Gemeinde an. Die zahlreichen Kinder und Jugendlichen kommen durch die Sommerlager in der Region und durch die beständige Arbeit und Zuwendung zu ihnen.. "Aber es ist nicht leicht an Menschen heranzukommen, sich für die lutherische Kirche zu entscheiden. Im Bewusstsein vieler Russen ist ein Christ immer orthodox. Etwas anderes geht nicht, auch wenn sehr viele gar nicht zur Kirche gehen und von den Grundlagen des christlichen Glaubens wenig wissen. Die kleine lutherische Gemeinde will eine Alternative anbieten für Menschen die als Christen bewusst ihren Glauben in Freiheit leben wollen.
Tschernogorsk entstand 1936 durch Vereinigung mehrerer Siedlungen, die nach 1904 zum Steinkohleabbau errichtet worden waren. Es ist eine überschaubare Arbeiterstadt und besteht hauptsächlich aus grauen Plattenbauten. 
Die Gemeinde hatte anfangs einen Raum für ihre Arbeit in einem Bürogebäude im Stadtzentrum angemietet. Die Miete stieg kontinuierlich. Zudem wurde die Gemeinde größer. Jetzt ist es gelungen dank u.a. der Hilfe des GAW eine eigene Wohnung zu erwerben, die ausreichend Raum für die verschiedensten Gemeindeaktivitäten bietet. In diesem Jahr und im kommenden Jahr sammelt das GAW dafür Mittel.
"Wir sind dem GAW sehr dankbar für ihre Hilfe!" sagt Soja Heinze. Und dann bittet sie, dafür zu beten, dass es in der Region bald wieder einen Pfarrer geben möge. "Viele junge Menschen gehen weg. Das Leben ist hart. Aber wir brauchen wieder einen Pastor!"

Freitag, 7. Oktober 2016

Eine ehemalige GAW-Stipendiatin im Norden Brasiliens


Anneliese Knuppe, GAW-Stipendiatin aus dem Jahrgang 2011/12, ist seit März diesen Jahres Pfarrerin der Gemeinde „Principio da Esperança“ in Rolim do Moura im brasilianischen Bundesstaat Rondônia. Frisch ordinierte Pfarrer werden oft in ihren ersten Amtsjahren in den Norden Brasilien geschickt. Das Leben ist anders, manchmal schwerer und die Gemeinden kleiner. Das Klima ist trocken. Im Norden Brasiliens gab es zuletzt Missernten wegen ausbleibenden Regens. Das betrifft dann auch die lutherischen Gemeinden. 

250 Familien gehören zu Annelieses Gemeinde. Die Wege sind weit: „Wir Lutheraner im Norden Brasiliens sind eine weit verstreut lebende, kleine Minderheit“, erzählt Anneliese. Sie hat 17 Predigtorte zu betreuen. Teilweise gehören zu einem Predigtort nur 20 Familien, zum nächsten Ort muss Anneliese jedoch manchmal 150 Kilometer fahren.

„Auch wenn es anstrengend ist - es ist immer wieder schön, miteinander in den kleinen Gemeinschaften Gottesdienst zu feiern. Die Leute warten immer schon auf einen“, sagt Anneliese. Die Gemeinden müssen für das Pfarrergehalt und die Reisekosten aufkommen. „Manchmal reicht das Geld nicht für das Benzin. Dann müssen auch schon mal die Gottesdienste verschoben werden.“ Im kommenden Jahr hofft Anneliese, dass eine ihrer kleinen Gemeinden einen Zuschuss  vom GAW bekommt, um ihre marode Kirche neu aufbauen zu können.


Donnerstag, 6. Oktober 2016

Spanischsprachigen Losungen für die Diaspora

Über 500 spanischsprachige Losungen für das Jahr 2017 versendet das GAW gerade nach Spanien und Lateinamerika. 
„Für unser regelmäßiges Bibelstudium in der Gemeinde ist das eine wertvolle Hilfe“, sagt Pastor Miguel Núñez aus Chile. 

Die Losungen haben ihre identitätsstiftende Kraft für den Protestantismus nicht verloren und verbinden so im täglichen Bibellesen uns evangelische Christen miteinander.
Der Schriftendienst des GAW leistet diesen Dienst. Damit hilft das GAW seit dem 19. Jahrhundert evangelische Identität zu stärken. 

Neben Losungen wird theologische Fachliteratur für theologische Fakultäten und PfarrerInnen in die Diaspora gesendet. 

Dabei sind wir immer wieder auf Unterstützung angewiesen.

KD-Bank
IBAN: DE42 3506 0190 0000 4499 11
BIC: GENODED1DKD
Stichwort: Schriftendienst

Dienstag, 4. Oktober 2016

Eine neue Kirche in Rondônia/Brasilien

Ein Kirchentag im Gemeindevernad
Alta Floresta ďOeste
"Als Martin-Luther-Gemeinde in Rondônia sind wir glücklich und dankbar, dass wir dank des GAW Hilfe beim Bau einer neuen Kirche bekommen haben! Wir sind eine kleine Gemeinde. Nur mit viel Mühe und der Unterstützung des GAW haben wir es geschafft!" schreibt Pastor Peter Marcelo, der die die Parochie Alta Floresta ďOeste betreut, zu der insgesamt acht Gemeinden gehören.
In der Region im Norden haben sich Siedler niedergelassen. Sie waren auf der Suche nach einem neuen Leben. Das war zuerst hart und entbehrungsreich. Zum Glück gab es Menschen, die sich als lutherische Gemeinde zusammenfanden, ihre alten Lieder und Traditionen mitbrachten und sich gegenseitig stärken konnten. Bald begannen sie, eine Kirche aus Holz zu bauen, da das das günstigste Material war. „Das Leben auf dem Land in Rondônia ist hart und schwierig“, schreibt Pastor Marcelo. „Zudem ist es teuer, im Norden Brasiliens zu leben.“ Insgesamt gehören zu dieser Gemeinde 24 Familien. Sie alle leben von ihren Kaffeeplantagen. Als Erzeuger bekommen sie für ihre Produkte nicht viel. „Für die Menschen der Gemeinde, die unter erschwerten Bedingungen leben, ist deshalb die Gemeinde ein Ort, wo sie sich spirituell ernähren“, fährt er fort. „Der Gottesdienst ist für sie eine heilige Zeit und die Kirche ein heiliger Ort, den sie so bitter nötig haben.“ Die alte Holzkirche war in die Jahre gekommen. Das Holz war morsch und das Dach undicht.
Im Projektkatalog 2014 hat das GAW 5.200 Euro für den Neubau der Kirche dazugegeben.
„Wenn man in einer neun Kirche Gottesdienst feiert, dann werden Hoffnung, Liebe und Glaube auch erneuert“, ist sich Pastor Marcelo sicher. Das braucht seine Gemeinde in der rauen Umgebung. 

Montag, 3. Oktober 2016

Das Ergebnis des Referendums ist ein Ausdruck von Unglauben!

Am 26. September noch voller Hoffnung...
Am 26. September unterzeichneten die Regierung Kolumbiens und die FARC einen historischen Friedensvertrag in Cartagena unter großer Beteiligung der Weltöffentlichkeit, um den jahrzehntelangen Bürgerkrieg zu beenden. Sara Cristina Lara und Curtis Kline, Mitglieder des Komitees "Gerechtigkeit und Leben" der lutherischen Kirche Kolumbiens (IELCO), waren unter den eingeladenen kirchlichen Vertretern. Für viele Kirchen war dieser Akt von großer gesellschaftlicher Bedeutung, um endlich am Frieden gemeinsam zu bauen. Die IELCO setzt sich in ihren Gemeinden und den ökumenischen Gremien sehr für den Friedensprozess ein.
Umso enttäuschender war das Ergebnis des Referendums vom 2. Oktober. Das kolumbianische Volk war aufgerufen, diesem Friedensvertrag zuzustimmen. Allen ist klar, dass der Friedensprozess eine große Herausforderung ist. Insbesondere die Frage der Amnestie für begangene Verbrechen, die Zusage, dass die FARC im Senat Sitze zugesprochen bekommt und als politische Partei agieren darf, war für etliche Kolumbianer eine große Zumutung. Aber fatal war die Kampagne des ehemaligen Präsidenten Uribe, der sich eindeutig gegen den verhandelten Friedensvertrag aussprach. Die Bevölkerung lehnte nun überraschend den Friedensvertrag ab. 50,21 Prozent stimmten für Nein, 49,78 Prozent für Ja. Paradox ist es, dass in Regionen, in denen der Bürgerkrieg die meisten Todesopfer hervorbrachte, eine überwältigende Mehrheit für den Friedensvertrag votierte.
Derzeit ist es unklar, wie es weitergehen wird. Präsident Santos bekräftigte, dass er in seiner Amtszeit weiterhin am Frieden in seinem Land bauen will. Der Führer der FARC Timochenko bekräftigte ebenfalls, nicht wieder zu den Waffen zu greifen. Dennoch gibt es Unwägbarkeiten.
Vertreter der lutherischen Kirchen zeigten sich bestürzt. "Der Tag des Referendums ist ein Ausdruck von Unglauben, Mangel an Vertrauen darin, Konflikte im Dialog zu lösen ohne Gewalt. Es ist schwer zu verstehen, warum das Ergebnis so ausgegangen ist", sagt Pastor Eduardo Martinez.