Mittwoch, 29. Juni 2016

"Das GAW ist ein gefragter Gesprächspartner" - Interview mit Präsidentin Gabriele Wulz

Präsidentin Wulz mit dem Moderator der
Griechichen Ev. Kirche Melitiadis
in Mylotopos
Frau Prälatin Wulz, nun sind die ersten 100 Tage in Ihrem neuen Amt als Präsidentin des GAW vorbei. War das der Sprung ins kalte Wasser?

Nein. Es war kein Sprung ins kalte Wasser. Die Jahre in der Stellvertretung haben mich gut auf das neue Amt vorbereitet. Trotzdem ist es für mich noch immer ein bisschen ungewohnt, als „Präsidentin des GAW“ angesprochen zu werden.

Dann bringe ich in der nächsten Frage die Formulierung gleich nochmal! Der Sitz der Prälatin Wulz ist in Ulm, der Sitz der Präsidentin Wulz in Leipzig. Dass Sie es bei Ihrem Terminkalender schaffen, jeden Morgen durch die Leipziger Flure zu laufen, kann ich mir nicht vorstellen.

Bereits im Vorfeld hatte ich mit dem Generalsekretär abgeklärt, was ich leisten kann und was nicht. Wir sind gut im Gespräch per Telefon und Mail. So lässt sich die Distanz Leipzig – Ulm auch zwischen den Vorstandssitzungen problemlos überwinden. 

Eine Brücke in die Diaspora zu sein, das gehört zum Selbstverständnis des GAW. Es bedeutet für Sie jetzt konkret sicherlich ein erhöhtes Reisepensum.

Reisen in die Diaspora muss ich langfristig planen und in die Abläufe meines Arbeitsalltags „einfädeln“. Das lässt sich – bis jetzt – ganz gut verwirklichen. 

Wohin hat Sie Ihre erste Reise geführt?

Anfang Mai war ich zusammen mit Cornelia Wolf vom Oberkirchenrat und Enno Haaks, dem Generalsekretär des GAW, in Nordgriechenland, um die Projekte der Flüchtlingsarbeit der Griechisch-evangelischen Kirche zu besuchen und gemeinsam mit unseren Partnern über mögliche Unterstützung und Hilfe zu beraten.

Sie waren im zwischenzeitlich geräumten Lager bei Idomeni, aber auch in jenem von Piräus. War es so, wie wir es im Fernsehen sehen?

Ja; in Idomeni war die Lage aussichtslos. In Piräus ist es noch schlimmer. Die Menschen kommen nicht weiter. Sie haben keinerlei Perspektive. Weder nach vorne noch zurück. Und diejenigen, die den Flüchtlingen in den bewachten Lagern helfen wollen, tun sich schwer. Sie müssen erst das Vertrauen der Militärs gewinnen, um überhaupt ins Lager zu kommen.

Und mitten drin die Griechisch-evangelische Kirche…

Ja, mittendrin. Es sind wirklich großartige Menschen, die es als ihre Aufgabe und Verpflichtung sehen, den Geflüchteten zu helfen. Einige konnten wir ja vor kurzem auch auf dem GAW-Fest begrüßen. Sie strahlen eine tiefe Frömmigkeit und Herzlichkeit aus und sagen: Unsere Gemeinde hat sich nach der Vertreibung aus der Türkei hier in dieser Region angesiedelt. Unsere Geschichte verbindet uns mit den Geflüchteten. Ich meine, das ist alles keineswegs selbstverständlich, wenn man bedenkt, in welch schwieriger Lage Griechenland schon ohne die Flüchtlinge steckt.

Hat Ihre Reise direkte Konsequenzen?

Wir werden die Flüchtlingsarbeit dieser Kirche weiter unterstützen und planen für die nächsten zwei Jahre. In Thessaloniki ist ein Begegnungszentrum geplant und in Milotopos soll weiterer Wohnraum entstehen. Das sind nur wenige Beispiele. Die Synode der Landeskirche hat dem GAW 200.000 Euro für die Flüchtlingshilfe in Griechenland bewilligt, die wir jetzt einsetzen werden.

Im Mai wurde ja bereits ein Workcamp von Ev. Jugendwerk Württemberg und GAW in Griechenland eingerichtet.

Ja, das ist vorbildlich: Da richtet ein Dutzend Freiwilliger voller Tatendrang schon die ersten Wohnräume für geflüchtete schwangere Frauen kurz vor der Geburt her, damit wenigstens sie eine feste Unterkunft haben können.
Das Leid ist so groß, dass es gut ist, dass es ein ganzes Hilfsnetz von Kirchen und anderen Trägern gibt, in das das GAW eingebunden ist. Und wir sind dankbar, für alles, was wir dort investieren können.

Gibt es noch weitere Reisepläne?

Im Juni werde ich zu den christlichen Begegnungstagen nach Budapest reisen und an einer Podiumsdiskussion zum Thema „Halten nur noch die Kirchen Europa zusammen?“ teilnehmen. 
Im Sommer möchte ich in Sizilien einige diakonische Einrichtungen der Waldensischen Kirche besuchen.

Sie sprachen vorher die Freiwilligen an. Das GAW ist ja gezielt in die Arbeit mit jungen Erwachsenen eingestiegen. Ich denke an den Freiwilligendienst oder die Stipendiaten.

Das ist ein wichtiger Pfeiler unserer Arbeit geworden. Und es freut mich sehr, wie lebendig er ist. Eine notwendige, ermutigende Bereicherung.

Die ersten 100 Tage - Ihr Schlusswort?

Allein an den wenigen exemplarischen Aktivitäten – zu nennen wäre noch vieles, nicht zuletzt die Frauenarbeit - zeigt sich, dass das GAW durch die aktuellen politischen Entwicklungen zu einem sehr gefragten Gesprächspartner geworden ist und sich einer großen Aufmerksamkeit und zunehmenden Beachtung erfreut. Das finde ich natürlich großartig, auch wenn das mit mehr Arbeit verbunden ist. - Ich glaube, das GAW ist wirklich auf einem guten Weg.

Liebe Frau Wulz, herzlichen Dank und alles Gute weiterhin!

(Das Interview erschien im Freundesbrief des GAW-Württemberg)

Montag, 27. Juni 2016

Fürbitte für Kolumbien

Bürgerkriegsopfer in Bogota
Nach 50 Jahren Bürgerkrieg in Kolumbien Hoffnung auf Frieden

Fürbitte im Juni 2016:

Gott, wir stehen hoffend vor die, dass die historische Wende für Kolumbien gelingt:
Nach 50 Jahren Bürgerkrieg sollen die Waffen endgültig ruhen.

Gott, des Friedens, begleite mit deinem Geist die Verhandlungsführenden,
damit bis zum kolumbianischen Unabhängigkeitstag am 20. Juli
ein unterschriftsreifer Vertrag abgeschlossen wird.

Gott, wir bitten dich für die Menschen,
die das Waffenstillstandsabkommen als ersten Schritt zum Friedensvertrag voller Sehnsucht erwarten,
lass sie nicht enttäuscht werden.    (
Gefunden bei Brot für die Welt!)

In diesem Jahr fördert die Frauenarbeit des GAW mit ihrer Jahresgabe Projekte der lutherischen Kirche Kolumbiens. Mehr Infos: http://www.gustav-adolf-werk.de/frauen.html

Freitag, 24. Juni 2016

Weltweit verbunden - Trennungen überwinden - Nationalismen wehren

„Ewiger Gott, Licht aller Nationen, in Christus machst Du alle Dinge neu: Leite unsere Nationen in der kommenden Zeit durch deinen Heiligen Geist, der uns gegenseitiges Verständnis lehren möge und der Bitterkeit und der Zwietracht ein Ende setzen möge. Gib uns deine Gnade um neues Vertrauen wieder aufzubauen, damit wir alle miteinander für die Würde des Lebens aller einstehen. Amen“
So lautet ein Gebet der „Church of England“ am Tag nach dem sog. BREXIT. Es nimmt das auf, worum es den Kirchen in Europa gehen muss: das gemeinsame Eintreten für Versöhnung in aller Verschiedenheit und das gemeinsame Handeln zum Wohle aller. Denn ein Rückzug und Sich-Abgrenzen hilft niemanden in der EINEN WELT. Jede Art von Nationalisierungstendenzen in Politik und auch in Kirche muss gewehrt werden. Letztlich geht es bei solchen Tendenzen immer darum, sich auf Kosten der schwächeren Menschen in den Gesellschaften gegeneinander aufzubringen. Moral und Grundwerte bleiben dabei schnell auf der Strecke.
Anfang Juni hat die lettische lutherische Kirche mit einer Synodenentscheidung die Frauenordination per Verfassung ausgeschlossen. Damit verabschiedet sich die Kirche aus dem Konsens der lutherischen Weltgemeinschaft. Dieser besteht darin, dass einerseits keine Kirche genötigt wird, die Frauenordination einzuführen. Andererseits wird klar formuliert, dass sich die Gemeinschaft auf dem Weg zu einem gemeinsamen Verständnis der vollen Teilhabe der Frauen am Verkündigungsdienst befindet. Dieser Konsens hat in der lettischen lutherischen Kirche keine Gültigkeit mehr. Eine fatale Entscheidung, die die Partnerschaft und Verbundenheit tief verletzt. Ohne es entsprechend zu formulieren, trennt sich die Kirche von der über die Grenzen reichenden Kirchengemeinschaft.
Auf der einen Seite hat eine politische Entscheidung zum Ausdruck gebracht, dass man nicht mehr zur europäischen Gemeinschaft gehören will. Auf der anderen Seite hat sich eine Kirche selbst aus einer Kirchengemeinschaft verabschiedet. Konsequenzen haben die Entscheidungen in beiden Fällen. Um das deutlich zu machen, braucht es Hilfe. Wir Christen können darum beten, dass Gottes Geist uns leiten möge. Vor allen Dingen geht es in unseren Kirchen darum, dass wir uns auf das besinnen, was uns eint und was uns zusammenhält. Letztlich muss Christi Tod und Auferstehung für unser Heil Kriterium sein im gesamten kirchlichen Leben, in der gesamten Ethik und in unserem Engagement als Christen in der Gesellschaft und in der Kirche. Nur so ist es möglich, in dem Europa, in dem wir leben, für Frieden, Versöhnung und Zusammenhalt einzustehen.

Mittwoch, 22. Juni 2016

Ukraine: Hagelsturm verwüstet Ortschaften in Transkarpatien

Schwere Gewitter und Hagelstürme verwüsteten gestern mehrere Dörfer in Transkarpatien (West-Ukraine). Viele Hausdächer, Fenster, Felder, Gewächshäuser und Autos wurden von walnussgroßen Hagelkörnern zerstört. Auch mehrere Kirchen, Gemeinde- und Pfarrhäuser der Reformierten Kirche in Transkarpatien, einer GAW-Partnerkirche, sind betroffen. Sándor Zán Fábián, Bischof der Kirche, heute morgen: "Zurzeit regnet es ständig. Wir müssen die Dächer schnellstens abdichten und neu decken, damit nicht noch Wasserschäden den Zustand der Häuser verschlimmern." 
Die Reformierte Kirche in Transkarpatien und ihre Mitglieder leiden derzeit massiv unter den instabilen Verhältnissen in der Ukraine. Eine hohe Inflation stellt viele Menschen vor existentielle Probleme. Pfarrer Enno Haaks, Generalsekretär des GAW, sagte Zán Fábián schnelle Unterstützung zu. 
Wer mithelfen und spenden möchte, kann dies gerne tun. Wir leiten die Spenden weiter.

Gustav-Adolf-Werk e.V.
IBAN DE42 3506 0190 0000 4499 11
BIC GENO DE D1 DKD
Verwendungszweck: Nothilfe
 

Montag, 20. Juni 2016

Italien: Neue Flüchtlingsgruppe erreicht über "Humanitäre Korridore" sicher Europa



Foto: Andrea Sabatini/FCEI
Die katholische Laiengemeinschaft Sant'Egidio, der Evangelische Kirchenbund in Italien (FCEI) sowie die Waldenserkirche haben seit Februar mehr als 200 Flüchtlinge über „Humanitäre Korridore“ aus Syrien und dem Irak legal mit Visum nach Italien geholt. Am 16. Juni erreichte die nächste Gruppe von 81 Personen – vor allem syrischer Flüchtlinge aus dem Libanon – das Land.
Paolo Naso, Koordinator des Projektes Mediterranean Hope des FCEI betont, dass die Korridore ein sicheres Werkzeug sind, nachhaltig und effektiv das Recht auf Asyl für Menschen zu gewährleisten, die vor Krieg und Verfolgung fliehen. Das Projekt „Humanitäre Korridore“ bedeutet Sicherheit sowohl für Flüchtlinge als auch für Europäer: Den Flüchtenden bleibt die lebensgefährliche Überfahrt über das Mittelmeer erspart, gleichzeitig wird die Schleuserkriminalität vermieden. Die Identität der Flüchtlinge wird vor der Einreise mehrmals überprüft. Die Hilfe kommt außerdem denjenigen zu, die sie am meisten benötigen und die am wenigsten imstande sind, in Sicherheit zu gelangen: Familien mit kranken Kindern, Behinderte, die medizinische Hilfe benötigen, alleinstehende Mütter mit Kindern.
Marco Impagliazzo, Präsident der Gemeinschaft Sant'Egidio empfiehlt, auch in anderen Ländern ähnliche Projekte aufzubauen: „Es kostet den Staat nichts. Alles liegt in den Händen von Verbänden und dennoch verläuft die Aufnahme der Flüchtlinge nach europäischen Regelungen.“
Die Kosten tragen die beteiligten Organisationen aus Spendengeldern. Nach ihrer Ankunft werden die Familien italienweit auf verschiedene Einrichtungen verteilt, bekommen Sprachunterricht und Hilfe bei der Suche nach Schulen und Arbeit. Von den Neuankömmlingen werden 24 Personen in den sogenannten Waldensertälern in der Provinz Turin und fünf im Casa Cares in Reggello untergebracht.
Das Projekt sieht die Ankunft von tausend Menschen in zwei Jahren vor. Neben der bisherigen Luftbrücke aus dem Libanon sollen auch sichere Fluchtkorridore aus Marokko und Äthiopien eröffnet werden.

Donnerstag, 16. Juni 2016

Wiederaufbau der Waldenserkirche in Dolores hat begonnen!

Die alte Waldenserkirche nach dem Tornado
Am 15. April diesen Jahres wurde durch einen Tornado die Waldenserkirche in Dorlores/Uruguay zerstört. 

Die Moderatorin der Waldenserkirche am La Plata Carola Tron informiert nun über den Wiederaufbau der Kirche: 

„Der Wiederaufbau der Waldenserkirche in Dolores/Uruguay hat begonnen und geht voran. Inzwischen sind wir in der dritten Arbeitswoche. Wahrscheinlich werden wir drei bis vier Monate benötigen. Kräftig sind wir dabei, für den Wiederaufbau zu werben. 
Die Gemeindeaktivitäten finden weiter statt. Wir improvisieren: eine Gruppen treffen sich in der Küche, die dem Tornado standgehalten hat, andere in den Häusern von Gemeindemitgliedern oder in Räumen, die die Kommune uns zur Verfügung stellt.
Geplanter Neubau der Waldenserkirche
70.000 US-Dollar werden wir schätzungsweise benötigen. Inzwischen haben wir durch Spenden und die 10.000 Euro Soforthilfe des GAW die Hälfte der Gelder einwerben können. 
Beim Pfarrhaus sind wir dabei das Dach derzeit abzudichten. Ebenso müssen die durch die Feuchtigkeit beschädigten Wände ausgebessert und gestrichen werden.
Bitte denkt an uns und betet für uns! Das brauchen wir in dieser schwierigen Zeit!“

Moderatorin Tron schickte uns ein Foto über die Kirche, wie sie in Zukunft aussehen soll.

Das GAW unterstützt auch weiterhin den Wiederaufbau der Kirche:

GAW
KD-Bank
Stichwort: Sonder- und Nothilfe
IBAN: DE42 3506 0190 0000 4499 11
BIC: GENODED1DKD

Dienstag, 14. Juni 2016

10 Werte für das Gemeindeleben mit Geflüchteten und Italienern

Pastor Vivian Wiwoloku und Pastor Tim TenClay feiern Gottesdienst
Die waldensische Gemeinde in Trapani/Sizilien hat Geflüchtete, die vor allem aus dem vom Terror bedrohten Nigeria kommen, mit offenen Armen empfangen und dadurch ein inneres und äußeres Wachstum erlebt. Es kommt, wie in anderen Gemeinden auch, hin und wieder zu zwischenmenschlichen Uneinigkeiten. "Integration" meint häufig nur, dass Hinzugekommene sich vollständig an die vor Ort bestehenden Gewohnheiten anpassen sollen. Gemeinschaft lebt aber davon, dass sich alle mit dem einbringen können, was sie sind und was sie ausmacht. Die Gemeinde hat sich deshalb "zehn Werte" gegeben – ein Anklang an die 10 Gebote im Alten Testament ist sicher nicht unbeabsichtigt. Sie schreibt:


"Die Gottesdienste werden zweisprachig und interkulturell veranstaltet. Das heißt:
  1. Die Liturgie und das Gottesdienstblatt sind in Italienisch und Englisch formuliert.
  2. Jeder Teil der Liturgie, der nur in einer Sprache stattfindet, wird auch in die jeweils andere Sprache übersetzt. Die Übersetzung wird an die Wand projiziert oder im Gottesdienstblatt abgedruckt.
  3. Es können zwar Lieder gesungen werden, die nur einen englischen oder italienischen Text haben. Die Übersetzung muss allerdings immer bereitgestellt werden.
  4. Wir bemühen uns, dass in jedem Gottesdienst Lieder vorkommen, die Italienern und Nigerianern vertraut sind. Wir bemühen uns unsere je eigene Musik denjenigen vorzustellen, die mit ihr noch nicht vertraut sind.
  5. Wenn wir etwas in einer anderen Sprache singen außer Italienisch oder Englisch, wird die Übersetzung immer abgedruckt oder an die Wand projiziert.
  6. Spontane Gebete können in jeder Sprache stattfinden (weil Gott sie alle versteht).
  7. Ankündigungen werden in beiden Sprachen vorgenommen, damit alle sie verstehen und am Gemeinschaftsleben teilnehmen können.
  8. Die Lautstärke der Musik, Instrumente eingeschlossen, wird so gewählt, dass die unterschiedlichen Sensibilitäten beachtet werden. (Wir erinnern uns, dass in der Bibel das Volk Gottes manchmal laut gerufen hat und manchmal still gebetet hat.)
  9. Wir werden versuchen, wann immer es möglich ist, eine italienische und eine nigerianische Person den Gottesdienst leiten zu lassen. Damit ist für alle sichtbar, dass das Angesicht Gottes nicht an irgendein Aussehen, eine Kultur oder eine bestimmte Sprache gebunden ist.
  10. Wir werden versuchen, wann immer es möglich ist, sicher zu gehen, dass sowohl Männer als auch Frauen vor der Gemeinde im Gottesdienst stehen. Damit können alle sehen und verstehen, dass die Kirche sowohl Männer als auch Frauen in gleicher Weise wertschätzt."

Montag, 13. Juni 2016

Gebet für Brasilien

Lutherische Kirche in Rio Veado
Brasilien steckt in einer tiefen wirtschaftlichen und politischen Krise. Das erste Jahrzehnt des neuen Jahrtausends hatte erstklassige Bedingungen für eine Politik des sozialen Ausgleichs geboten, um die großen Gräben zwischen Reich und Arm zu überbrücken. Die Weltwirtschaft lief damals rund, der Rohstoffexporteur Brasilien (Erze, Soja) erlebte einen Boom. Man konnte umverteilen, ohne die angestammten Eliten zu verschrecken. Heute hingegen müssen wegen der Wirtschaftskrise harte Entscheidungen getroffen werden - und die sind extrem schwer durchzusetzen gegen Misswirtschaft und Korruption.
In dieser Woche rückt das Ökumenische Fürbittgebet Brasilien in den Fokus. das Land und unsere GAW-Partnerkirche, die Ev.-Lutherische Kirche (IECLB) brauchen unsere Solidarität!


Freitag, 10. Juni 2016

Bundestagsentscheidung hat ungewollte Folgen in Syrien

Der Deutsche Bundestag hat Anfang Juni 2016 die Massenvertreibungen und Massaker an den Armeniern und christlichen Minderheiten im Jahre 1915 als das bezeichnet, was sie nach dem Maßstab der Genozid-Konvention der Vereinten Nationen waren: ein Völkermord. Das war sicherlich längst überfällig, denn das damalige Deutsche Reich hatte dafür als Verbündeter des Osmanischen  im 1. Weltkrieg eine Mitverantwortung. 
Am 4. Juni, kurz nach der Entscheidung des Bundestages, schrieb der armenische Pfarrer Selimian aus Aleppo/Syrien, dass nach dem Beschluss des Bundestages verstärkt die armenischen Wohngebiete von islamistischen Oppositionsgruppen unter Beschuss genommen wurden. Das hält noch an. "Es war letztlich eine politische Entscheidung", schreibt Selimian. "Ich will das nicht weiter kommentieren, aber derzeit bezahlen wir dafür..." 
Heute erreichen uns weitere Fotos aus Aleppo aus den vergangenen Tagen. Die Generalsekretärin des FMEEC Roseangela Jarjour mit Sitz in Beirut kommentiert die Situation: "Die Menschen leiden. Wasser und Lebensmittel in Aleppo zu bekommen ist sehr schwer. Auch die Kommunikation ist schwieriger geworden seit den erneuten Beschüssen. Die evangelischen Kirchen wurden bisher noch nicht getroffen. Aber Armenier sind den Rakentenangriffen zum Opfer gefallen. Ich habe die Pastoren sehr niedergeschlagen erlebt." Und sie fährt fort: "Diese Angriffe sind eine Folge der aggressiven türkischen Politik. Die Konsequenzen haben unsere Leute zu tragen, die schutzlos dem ausgeliefert sind." Sie betont, dass aus ihrer Sicht, die Entscheidung des Bundestages wichtig war und hoffentlich viele Länder dem deutschen Beispiel folgen werden.
Und dann bittet sie um unsere Gebete für die bedrängten Glaubensgeschwister, unsere Solidarität. "Wir brauchen euch!"


Helfen Sie mit:
KD-Bank
Stichwort "Sonderhilfe"
IBAN: DE42 3506 0190 0000 449911
BIC: GENODED1DKD



Diasporahilfe durch das GAW gestern und heute

Der Kreis der Gemeinden und Kirchen, die das GAW heute unterstützt, ist, verglichen mit dem 19. Jahrhundert, sehr viel kleiner geworden, ebenso die finanzielle Unterstützung. Aber es zeigen sich doch deutliche Kontinuitäten in den 180 Jahren der Existenz dieses Hilfsvereins, vor allem nach Polen, Siebenbürgen, Ungarn, Österreich, Slowenien, Kroatien und Serbien. Nach dem Projektkatalog 2016 pflegt das GAW Kontakte zu 49 Partnerkirchen, 37 in Europa (davon 17 in Mittelosteuropa) und zwei in Zentralasien sowie 10 in Südamerika. Für deren Gemeinden und Einrichtungen werden mit dem Projektkatalog alljährlich über die Hauptvereine 1,6 Millionen Euro gesammelt. Diese Summe wird jedoch ergänzt durch Gelder in Höhe von ca. 1 Millionen Euro für Projekte, die einzelne Hauptgruppen durch bilaterale Kontakte zu Diasporakirchen aufbringen. (W. Hüffmeier)

Donnerstag, 9. Juni 2016

Weltweit Gemeinden helfen

Aufgabe eines evangelischen Diasporawerkes ist es unter anderem, weltweit evangelischen Kirchen eine Stimme zu geben, auf sie zu verweisen und ihnen zu helfen, sich als Teil des weltweiten Protestantismus zu verstehen. Begegnungen und Einladungen helfen, Beziehungen aufzubauen. Gerade das letztere ist nicht ganz einfach für kleine Kirchen in der Diaspora, die nicht über ein größeres Netzwerk verfügen. Kirchenstrukturen z.B. in Deutschland zu verstehen ist für sie oft eine Herausforderung. Da hilft u.a. auch das GAW, wie jetzt bei der Griechischen Evangelischen Kirche, deren Moderator Meletis Melitiadis am vergangenen Montag "Kirchen helfen Kirchen" und die "Diakonie-Katastrophenhilfe" auf Vermittlung des GAW besucht hat. Gemeinsame Projekte wurden diskutiert und Chancen auf Zusammenarbeit bedacht. Ebenso wird die Spanische Evangelische Kirche demnächst auf Vermittlung des GAW einen ähnlichen Besuch ableisten.
Weltweit evangelischen Gemeinden helfen - das ist Verpflichtung für das GAW auf unterschiedliche Weise.

Montag, 6. Juni 2016

Lettland: Gemeinde in Liepaja tritt nach der Abschaffung der Frauenordination aus der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Lettland (ELKL) aus

Nachdem die Synode der Evangelisch-Lutherische Kirche in Lettland (ELKL) am 3. Juni mehrheitlich die Abschaffung der Frauenordination beschlossen hat, hat die Gemeindeversammlung der Kreuzkirchengemeinde in Liepaja mit großer Mehrheit ihre Austritt aus dieser Kirche beschlossen und will einen Antrag auf Aufnahme in die letzte Woche neu gegründete Propstei der Lettischen Auslandskirche in Lettland stellen. Pastor Markus Urze von der Kreuzkirchengemeinde in Liepaja hatte bereits vor der Abstimmung zur Frauenordination erklärt, dass er aus der ELKL austreten werde, wenn die Synode die Kirchenverfassung dahingehend ändere, dass Frauen nicht mehr ins Pfarramt ordiniert werden dürfen.



Freitag, 3. Juni 2016

GAW-Jahresfest in Rottenburg beginnt: Aus Glauben leben - Grenzen überwinden

Am Samstag, den 4. Juni, beginnt in Rottenburg das Jahresfest des GAW Württemberg mit Gästen u.a. aus Chile, Brasilien, Kolumbien, Spanien, Ungarn, der Slowakei und Slowenien. Zu Gast sind beispielsweise Prof. Dr. René Krüger aus Argentinien und der Moderator der Griechisch-Evangelischen Kirche, Meletis Meletiadis. Die Besucher erwartet ein abwechslungsreiches und spannendes Programm von Entdeckungstouren bis hin zu Foren, Vorträgen und Workshops. Das Jahresfest endet am Sonntag, den 5. Juni mit verschiedenen Gottesdiensten im Kirchenbezirk Tübingen und der Aussendung der GAW-Freiwilligen, die im Sommer aufbrechen, um ein Jahr lang in GAW-Partnerkirchen Freiwilligenarbeit zu leisten. Hier geht es zum Programm des Jahresfestes.

Donnerstag, 2. Juni 2016

Lettische Theologinnen melden sich zu Wort

Am 3. und 4. Juni wird die Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Lettland (ELKL) über die Abschaffung der Frauenordination diskutieren und diese - wie es aussieht - auch beschließen. Rudite Losane, Vorsitzende des Verbandes Lettischer Lutherischer Theologinnen: "Die Ablehnung der Frauenordination in Lettland bedeutet einen riesigen Verlust, den die jetzige Kirchenleitung nicht wahrnehmen will. In einer Situation des Pastorenmangels wird in Lettland der Synodenbeschluss vorbereitet, Männer mit einer geringeren theologischen und allgemeinen Bildung zur Ordination zuzulassen, statt die ordinierten Frauen aus dem Ausland (Anm. aus der Evangelisch-Lutherischen Kirche Lettlands im Ausland) nach Lettland zu rufen bzw. Frauen zu ordinieren, die seit Jahren als Evangelistinnen in Lettland tätig sind."
Mit dem Amtsantritt von Erzbischof Janis Vanags 1993 wurde die seit 1975 in der ELKL praktizierte Frauenordination gestoppt. Frauen werden seither nicht mehr ordiniert. Rudite Losane: "Frauen, die ihren Beruf nach 1993 weiterhin ausübten, wurden unter Druck gesetzt."
Seit 1993 kämpfen lettische Theologinnen darum, dass die Frauenordination wieder praktiziert wird. U.a. wurde im Jahr 2005 das Buch "Lieder und Geschichten Marias. Schriften lettischer Theologinnen herausgegeben." Dieses Buch wurde von der GAW-Frauenarbeit und dem Konvent Evangelischer Theologinnen in der Bundesrepublik Deutschland e.V. in deutscher Sprache veröffentlicht:


Marijas
Lettische Theologinnen melden sich zu Wort

Das Buch enthält Predigten und Andachten sowie geistliche Betrachtungen und Gedichte. Den Texten vorangestellt ist jeweils ein Lebenslauf der Autorin. Für die lettischen Theologinnen bedeutet die Herausgabe des Buches eine Rückenstärkung und moralische Unterstützung - sowie die Möglichkeit auf ihre Situation aufmerksam zu machen.

272 Seiten, 2,50 €, ISBN 978-3-87593-103-7

Sie können das Buch bestellen unter: verlag@gustav-adolf-werk.de oder Tel: 0341/490 62 13.
  

Mittwoch, 1. Juni 2016

Die Steine schreien bereits... - Christen in Syrien

Zerstörungen in Aleppo
"Im Nahen Osten schreien die Steine bereits - die Steine in Palmyra, Aleppo, Homs, Mosul, Beirut und Gaza. Sie weinen und verweisen auf all die Ungerechtigkeit und das Schweigen heute. Wenn wir in der Nachfolge Jesu schweigen und aufgeben, wer wird dann zum Frieden aufrufen?" schreibt Dr. Rima Nasrallah, Dozentin für praktische Theologie an der Near East School for Theology (NEST) in Beirut in der aktuellen Ausgabe des Heftes Eine Welt des Evangelischen Missionswerkes, mit dem das GAW in der Hilfe für Christen in Syrien kooperiert. Sie antwortet auf die spannungsvolle Anfrage an jeden Menschen in Syrien: Gehen oder bleiben? Es gibt viele Christen, die Syrien verlassen haben - die Region, von dem Missionare und Apostel auszogen, um in Europa und der Welt den neuen Glauben zu verkünden. In Syrien liegen die wichtigsten christlichen Heiligtümer, Kirchen, Klöster und Mausoleen – und noch immer gibt es Orte, wo bis heute Aramäisch gesprochen wird, die Sprache Jesu. Gehen oder bleiben? Es gibt Menschen, die zurückkommen und am Frieden mitbauen wollen. Und sie sagen: "Wir Christen dürfen unsere muslimischen Nachbarn mit den Extremisten nicht alleine lassen. Das Christentum ist wichtig in der Region, um an Frieden und Versöhnung mitzubauen."
Pfarrer Mofid Karajili aus Homs von der evangelischen Gemeinde, die eine Schule und ein Altersheim im Stadtzentrum unterhält, berichtet auch: "Wir sind weniger geworden. Aber wird sind auch im Glauben gewachsen. Als wir am Tiefpunkt waren, da trösteten uns Bibelworte aus dem Buch der Offenbarung." Für ihn ist ein Weggehen keine Option: "Das ist unsere Heimat. Dass wir bleiben ist kein Heldentum, sondern normal!"
Das GAW hilft seit mehr als drei Jahren den evangelischen Gemeinden in Syrien. Sie sind aus missionarischen Aktivitäten der presbyterianischen Kirche  hervorgegangen, die ihnen durch Zugeständnisse des im Niedergang begriffenen Osmanischen Reiches ermöglicht wurden. Heute gehören den arabischen-evangelischen Gemeinden ca. 16 Gemeinden an, die über Syrien verstreut sind. Besonders ihre Bildungsarbeit mit Kindergärten und Schulen hat viel für Syrien getan.
Derzeit ist ein Schwerpunkt der GAW-Unterstützung die Stärkung der Schulen und die Beseitigung von Schäden an den kirchlichen Gebäuden.