Mittwoch, 27. April 2016

Christliche Minderheit in Aleppo gerät zunehmend unter Druck

Pfarrer Haroutune Selimian (Aleppo) berichtet regelmäßig über die Lage der Menschen in seiner Stadt. Gestern erhielten wir einen verzweifelten Brief, in dem er an die Regierungen im Westen und an die syrischen Behörden appelliert, schnellstmöglich Maßnahmen zum Schutz der unbewaffneten christlichen Minderheit in Aleppo zu greifen. Sie gerät zunehmend unter Druck. "Seit dem 24. April hat sich die Situation in Aleppo erneut verschärft. Dutzende Granaten haben die Häuser in den vorwiegend christlichen und muslimischen Stadtvierteln Mogambo, Nil Street, Suleimanieh, Ashrafieh, Jamilieh, Al-Zahra und Al-Furkan schwer beschädigt oder komplett zerstört. Die Opposition hat ihre Offensive auf die von Regierungstruppen gehaltenen Stadtteile Aleppos verstärkt. Es gab in den letzten drei Tagen einen systematischen Beschuss Aleppos. [...] 'Es ist sehr schwer festzustellen, woher genau die Granaten und Bomben kommen. Viele Stadtviertel befinden sich unter der Kontrolle bewaffneter Gruppen wie Jaish al-Fatah, Jabhat al-Nusra und anderen, die - nachdem die Waffenruhe verkündet worden war - eine Allianz gebildet haben.' Eines aber ist ziemlich klar. Die Ziele der Angriffe sind Wohngebiete.  [...] Während der Angriffe der letzten Tage sind 50 Menschen getötet worden, darunter auch Kinder. Es gab rund 120 Verletzte. Hunderte Familien haben ihre Häuser und Wohnung verloren und suchen nun Schutz in anderen Stadtvierteln. Aber im Moment gibt es eigentlich keine sicheren Stadtviertel in Aleppo mehr."

Montag, 25. April 2016

Frauentreffen in Kirgistan: Euer Wirken ist nicht vergeblich!

Bei einem Treffen mit Frauen in der evangelischen Gemeinde in Bishkek, der Hauptstadt Kirgistans, berichten die GAW-Frauen von ihrem Engagement für die Frauenarbeit. Mit unterschiedlichen Aktionen werben sie Spenden für das Jahresprojekt ein. Einige erzählen von Adventsbasaren, für die Frauen ein Jahr lang Strümpfe stricken. Andere von den zahlreichen Informationsabenden und Diavorträgen, die sie gestalten. Ainura Ormonova, Leiterin des Projektes „Unsere Stimme“ für junge Menschen aus Waisenheimen, steht zum Abschluss unseres Treffens auf und sagt: „Ich war sehr gerührt zu erfahren, wie kreativ die in der Frauenarbeit Engagierten ihre Arbeit machen. Sie nehmen einen großen Aufwand auf sich, um das Geld zu sammeln, mit dem sie unsere Arbeit unterstützen, und das alles ehrenamtlich. Ich möchte das auch unseren jungen Frauen weitersagen, damit sie wissen: Auch in Deutschland kommt man nicht so einfach an Geld, obwohl es ein sehr reiches Land ist. Ich möchte euch danken und euch sagen: Euer Wirken ist nicht vergeblich!"


Sonntag, 24. April 2016

Die Stimme für Waisenkinder wird langsam lauter

Drei junge Frauen aus dem Wohnheim, zusammen mit Kindern aus der Gemeinde
Bei unserer Reise mit Vertreterinnen der Frauenarbeit in Kirgistan besuchen wir evangelische Gemeinden und lernen soziale Projekte kennen. Ainura Ormonova ist Leiterin des Projektes „Unsere Stimme“. Das Sozialprojekt hilft jungen Frauen, die aus Kinderheimen kommen und diese mit 18 Jahren verlassen müssen. Sie berichtet uns über ein großes Problem in der kirgisischen Gesellschaft: „In der Sowjetzeit hatte die jungen Frauen ein Recht auf Unterbringung und Ausbildung. Heute werden sie einfach alleine gelassen. Deswegen leben viele auf der Straße. Sie können keinen Beruf erlernen und sind häufig zur Prostitution gezwungen, um zu überleben“

Ainura Ormonova, Leiterin von "Unsere Stimme"
Die Mitarbeiterinnen des Projekts gehen in die Kinderheime und fragen die jungen Menschen, welchen Beruf sie einmal ausüben wollen. Dann vermitteln sie die Jugendlichen in Ausbildungsinternate. Der Staat müsste ihnen nach dem Gesetz die Ausbildung, Unterbringung und Verpflegung in den Internaten bezahlen. Dieses Recht für die Jugendlichen durchgesetzt zu haben, ist bereits ein Erfolg des Projektes. Jedes Jahr können 50-100 Frauen und Männer vermittelt werden. Die Frauen, die nicht vermittelt werden können, kommen für ein Jahr in einem Frauenwohnhaus des Projektes unter. Viele brauchen psychologische Hilfe, fast alle haben auf Grund der schlechten Versorgung in den Heimen medizinische Probleme.

Allerdings ist sich Ainura Ormonova der begrenzten Einflussmöglichkeiten ihres Engagements bewusst: „Mit der Arbeit, die wir machen, ist das Gesamtproblem nicht gelöst. Es ist ebenso wichtig, Gesetze zu ändern und diese durchzusetzen. Zum Glück ist es uns bereits gelungen, das Problem der ehemaligen Waisenheimkinder in der Regierung und in der Gesellschaft zum Thema zu machen. Dazu waren wir mit zwei der Mädchen im Parlament und haben mit Abgeordneten gesprochen. Dann haben wir die Gesetzesänderung bewirkt, dass jedes Kind in Kirgisien ein Recht auf Unterkunft hat. 'Unsere Stimme' wird langsam lauter.“

Samstag, 23. April 2016

Eine Ersatzfamilie für Jugendliche in Belovodskoje in Kirgistan

Aigul Taschkaraiva mit ihren Kindern und Pflegekindern
„Mein eigener Sohn hat eine Behinderung“, sagt AigulTaschkaraiva, die Leiterin und „Ersatzmutter“ für sieben junge Menschen mit Behinderung. „Im Dorf gibt es ein Heim für Kinder mit Behinderung, die nicht bei ihren Eltern wohnen können oder von ihren Eltern verstoßen wurden. Wenn sie 18 sind, verlassen sie das Heim und sind auf sich allein gestellt. Deswegen sind mein Mann und ich auf die Idee gekommen, ein paar Jugendliche nach ihrer Entlassung aus dem Heim ein Zuhause zu geben, in dem sie sich wohl fühlen und lernen können. Heute leben wir mit unseren eigenen drei Kindern und sieben Jugendlichen zusammen.“ Deniz, ein aufmerksamer, engagierter junger Mann, sagt häufig zu ihr, sie sei „eine Mama für alle“. Deswegen haben sie dem Projekt den Namen „Ersatzfamilie“ gegeben.
Selbstgefertigte Filzgegenstände mit kirgisischem Muster

Kinder, die in einem staatlichen Behindertenheim wohnen, bekommen keine Schuldbildung. In der Ersatzfamilie lernen die Jugendliche lesen und schreiben, kümmern sich um das Vieh und melken es. Außerdem lernen alle Jugendlichen zu nähen. Sie fertigen traditionelle kirgisische Filzpantoffeln und -kissen und können sogar ein kleines Einkommen verdienen. 

Am Anfang war die Familie mit ihrem Engagement völlig auf sich allein gestellt, erzählt uns Aigul Taschkaraiva. Sie merkten schnell, dass es von der materiellen Seite her gar nicht so einfach ist, etwas Gutes zu tun. "Vielleicht waren wir am Anfang zu optimistisch", sagt die ethnische Kirgisin, die auch evangelische Christin ist, im Rückblick. Seit 5 Monaten ist das Haus dem Projekt für ehemalige Waisenkinder „Unsere Stimme“ der kirgisischen evangelischen Kirche angegliedert. Damit hat es zumindest die erste Hürde genommen, als soziales Projekt offiziell anerkannt zu sein. Nun fehlt es immer noch an finanziellen Mitteln, um ein menschenwürdiges Wohnen für die jungen Menschen zu ermöglichen. Deniz singt sehr gerne vor Menschen, außerdem hat er eine tolle Stimme und kann sich gut Texte merken. Er hat so schon verschiedene größere Auftritte gehabt. Nun hofft er mit der Zeit auch seine anderen Talente ausbauen zu können, um endlich ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Neues Buch im Verlag des GAW erschienen!

Die Verwirklichung der Leuenberger Konkordie in evangelischen MinderheitskircheVor mehr als 40 Jahren, im Jahre 1973, wurde die Leuenberger Konkordie verabschiedet. In der Folge haben mehr als 100 Kirchen in Europa und Südamerika dieses Einigungsdokument unterzeichnet und damit Kirchengemeinschaft, das heißt Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft, untereinander er-klärt. Welche Rolle spielt die Leuenberger Konkordie nun in den GAW-Partnerkirchen? Dieser Frage geht der aktuell erschienene Band „Die evangelische Diaspora“ nach. Die Beiträge im Jahrbuch bedenken dabei einerseits Grundsätzliches wie das Einheitsverständnis der Gemeinschaft evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) und lassen andererseits Vertreter evangelischer Minderheitskirchen zu Wort kommen. Abgerundet wird das Buch durch einen Blick über den Tellerrand hinaus: auf die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen im Nahen Osten (FMEEC).

Herausgegeben im Auftrag des Gustav-Adolf-Werkes von Wilhelm Hüffmeier, in Zusammenarbeit mit Klaus Fitschen, Michael Beyer, Elisabeth Parmentier und Enno Haaks

ISBN: 978-3-87593-127-3, 7,50 €, 216 Seiten

Zu beziehen über: verlag@gustav-adolf-werk.de, Tel. 0341/490 62 13, www.gustav-adolf-werk.de/buecher.htmloder übe Ihren Buchhandel.

Freitag, 22. April 2016

Vielstimmig und "kulturreligiös" - Islam in Kirgistan

Willkommen in Kirgistan!
75% der BewohnerInnen Kirgistans sind Muslime, darunter vor allem ethnische Kirgisen. Der Süden des Landes war schon seit dem Mittelalter ein kulturell bedeutendes Zentrum des Islam, während im Norden des Landes bis vor 200 Jahren vor allem animistische Traditionen gelebt wurden. In der Sowjetunion wurde alles Religiöse wiederum gnadenlos bekämpft - durch die Verfolgung islamischer Führer und die Schließung von Moscheen. Heute begehen die meisten Kirgisen die großen muslimischen Feste wie Beschneidung und Fastenbrechen und sehen sie als Bestandteil ihrer Kultur. Ihre Religiösität handhaben viele im Alltag jedoch eher pragmatisch. Schamanistische Traditionen sind immer noch weit verbreitet.
In letzter Zeit haben jedoch mehr Muslime angefangen, stärker nach ihren religiösen Wurzeln zu fragen, um sich ihrer Identität bewusst zu werden. Das zeigt sich z.B. daran, dass mehr Menschen in der Zeit des Ramadan fasten. Zudem hat Vertreibung und Migration ethnische Kirgisen aus Tadchikistan nach Kirgistan geführt, wo sie eine strengere Auslegung des Islam verbreiten.
Moscheeneubau in einem Dorf an der kasachischen Grenze
Die Regierung möchte verhindern, dass im Zuge dieser Entwicklung unerwünschte fundamentalistische Kräfte Aufwind erhalten. Dazu zählen besonders die aus Saudi-Arabien kommen muslimische Missionare, die die „wahre“ Form des Islam verbreiten wollen. Deshalb kontrolliert der Staat seit 2009 die Bildung von neuen Religionsgemeinschaften restriktiver: Sie müssen sich staatlich registrieren lassen, sonst sind ihre Treffen illegal. Menschenrechtsorganisationen kritisieren, dass dadurch die Religionsfreiheit eingeschränkt wird. Nach Meinung der Kritiker sind die Gefahren einer islamistischen Bedrohung nicht so groß, wie von der Regierung befürchtet. Die Einschränkungen treffen nun leider auch die kleineren lutherischen Kirchen.
Der Großmufti Kirgistans predigt deutlich gegen Gewalt im Namen der Religion: „Der Terrorismus ist der Feind des Islam. Er soll die schlechte Seite der Muslime zeigen und die Gläubigen in einem furchtbaren Blutbad gegeneinander aufhetzen.“ In Richtung der jungen ZuhörerInnen sagte er: „Gebt den Provokationen nicht nach. Der Islam ist eine Gnade. Der Terrorismus hat keine Religion, keinen Staat und keine Grenzen.“ 

"Das zerstört unsere Hoffnung auf ein christliches Europa"

Brennholz für die Flüchtlinge in Idomeni
Die Griechisch-Evangelische Kirche ist klein: 5.000 Gemeindemitglieder in 32 Gemeinden verstreut über das griechische Festland und einige Inseln. Erst im Frühjahr 2015 wurde die Kirche vom griechischen Staat offiziell als Religionsgemeinschaft anerkannt. Momentan engagiert sich die Kirche für Flüchtlinge im Camp Idomeni, am Athener Victoriaplatz und in einigen staatlichen Camps. Doreen Just vom Gustav-Adolf-Werk, dem Diasporawerk der Evangelischen Kirche in Deutschland (GAW), hat mit Pfarrer Meletis Meletiadis, dem Moderator (Bischof) der Kirche, gesprochen.



Anfang Mai besucht die Präsidentin des GAW Prälatin Gabriele Wulz gemeinsam mit dem Generalsekretär des GAW Pfr. Enno Haaks die Griechische Evangelische Kirche. Neben den Besuchen von Flüchtlingsprojekten der Kirche geht es um konkrete Projektabsprachen. Das GAW sammelt Spendengelder für diese Projekte. 

Donnerstag, 21. April 2016

Die Not der Menschen in der Ukraine

Rechts: Bischof Zan Fabian
Die Situation in der Ukraine wird für die Reformierte Kirche in Transkarpatien schwieriger. Die Mehrheit der Menschen hat durch den Krieg und die katastrophale wirtschaftliche Situation des Landes verbunden mit der nicht nachlassenden korrupten Struktur des Staates große Probleme, monatlich die normalen Unterhaltskosten für ihre Familien aufzubringen. Die Menschen sind froh, dass der vergangene Winter wieder relativ mild ausgefallen ist. Trotzdem betrug z. B. die Gasrechnung für eine alleinstehende Rentnerin ca. 2000 Griven (nach gegenwärtigem Kurs 66 Euro) pro Monat - und das bei einer monatlichen Rente von 1000 Griven.
Von 2015 auf 2016 kürzte der ukrainische Staat das Budget im Schulwesen um 25 %, ebenso im Gesundheitswesen. Beispielsweise bezahlte der Staat für bedürftige Kinder bis zur 4. Klasse ein kostenloses Mittagessen in der Schule im Wert von 8 Griven (aktuell 27 Cent). Ab 2016 wurde der Satz auf 4 Griven (= 13,5 Cent) halbiert. Nach den Osterferien fahren kaum noch Schulbusse, weil sie keinen Kraftstoff mehr haben.
Immer mehr Menschen verlassen ihre Heimat und gehen ins Ausland zum Arbeiten. Einerseits aus finanziellen Gründen, andererseits aber auch aus Angst vor dem Krieg im Osten der Ukraine. Allein das Krankenhaus in Beregszász - nahe der Grenze zu Ungarn - hat im letzten Jahr 100 Mitarbeiter verloren. 
Ein echtes Problem und eine große Herausforderung ist diese Abwanderung für die Reformierte Kirche. Es fehlen die Ehrenamtlichen in den Gemeinden, der Diakonie und Behindertenarbeit, aber auch in der Feuerwehr Dercen. Der Pfarrer der dortigen Gemeinde ist gleichzeitig der Feuerwehrhauptmann. Bei seinen Einsätzen muss die Feuerwehr oftmals mit einer zwei Drittel-Mannschaftsstärke auskommen.
Geradezu katastrophal sind die Auswirkungen auf das soziale Gefüge. Arme, Alte und Kranke wurden bisher von den Jungen im Familienverband versorgt und gepflegt. Pflegedienste und Ähnliches gibt es nicht. Weil viele junge Menschen die Heimat verlassen, ist dieses soziale Gefüge auseinandergebrochen.
Die Kirche zahlt Monat für Monat für ihre Beschäftigten 22 % Lohnsteuer und nach wie vor 1,5 % Kriegssteuer. 
Dagegen gibt es erfreulicherweise besonders seit diesem Jahr deutlich mehr Gottesdienstbesucher. In manchen Orten ist der durch den Weggang bedingte Besucherrückgang nahezu ausgeglichen.

Montag, 18. April 2016

Brief aus Syrien: Schwere Kämpfe in Aleppo

Schwere Kämpfe erschüttern derzeit Aleppo. Nachdem die Gewalt in der Stadt nach der Ende Februar vereinbarten Waffenruhe zunächst zurückgegangen war, flammte sie in den vergangenen Wochen wieder auf. Haroutune Selimian, Pfarrer der armenisch-evangelischen Gemeinde in Aleppo schreibt über die katastrophale Lage in der Stadt: "Das Leben hier wird immer teurer und es ist sehr schwer überhaupt zurecht zukommen. Es fehlt an allem. Seit 15 Tagen schon gibt es keinen Strom. Wasser ist ein Problem. Es ist für niemanden sicher in Aleppo. Den ganzen Tag und die ganze Nacht hören wir Granaten explodieren, die zu jeder Zeit an jedem beliebigen Ort einschlagen können. [...] Auch Stadtviertel, in denen viele Armenier leben, sind in den letzten Tagen wieder beschossen worden. Viele Menschen sind verletzt, viele Gebäude, Wohnungen und Läden zerstört. Eine armenische Schule wurde von einer Rakete getroffen. [...] Wir leben inmitten eines großen Sturmes, aber wir sind sicher, dass wir unter der Gnade und Macht Gottes stehen. [...] Wir stehen fest im Glauben und wir werden uns weiterhin um die Not der Menschen hier kümmern. Wir werden weiter beten, dass der Krieg ein Ende findet und ein Heilungsprozess beginnen kann."

Der Bürgerkrieg in Syrien befindet sich in seinem 5. Jahr. Die Wissenschaftler des Syrian Centre for Policy Research (SCPR) gehen davon aus, dass rund eine halbe Million Menschen getötet worden sind - die meisten durch Kriegsgewalt. Menschen sterben aber auch an eigentlich behandelbaren Krankheiten, weil das Gesundheitssystems in Syrien zusammengebrochen ist. Fast zwei Millionen Menschen wurden verletzt, so das SCPR, und nahezu die Hälfte der syrischen Bevölkerung befindet sich - entweder innerhalb der Grenzen Syriens oder im Ausland - auf der Flucht. Die durchschnittliche Lebenserwartung in Syrien fiel von 70 Jahren im Jahre 2010 auf 55 Jahre im Jahre 2015.

Das GAW unterstützt evangelische Christen in Syrien. Mit Ihrer Spende helfen Sie Menschen in Syrien zu überleben.

Ihr Konto zum Helfen:
KD-Bank - LKG Sachsen
IBAN DE42 3506 0190 000 4499 11
BIC GENO DE D1 DKD

Freitag, 15. April 2016

Griechisch-Evangelische Kirche hilft im Hot Spot in Yiannitsa

Gestern haben Gemeinden der Griechisch-Evangelischen Kirche Hilfsgüter in das staatliche Flüchtlingscamp in Yiannitsa gebracht. Pfarrer Meletis Meletiadis schreibt: "Wir haben vor drei Wochen begonnen, in diesem Camp zu helfen und arbeiten gut mit den zuständigen Behörden zusammen. Zurzeit sind mehr als 1000 Menschen dort untergebracht. Letzte Woche haben wir auf Bitten der Behörden zwei solarbetriebene Anlagen zum Erwärmen von Wasser in dieses Camp gebracht." Gestern verteilte die Griechisch-Evangelische Kirche 470 Paar Schuhe sowie 80 Tüten mit Hilfsgütern. "Wir erhielten von den Behörden eine Liste mit Schuhen und Schuhgrößen, die benötigt werden. Die 80 Hilfstüten enthalten Shampoo, Zahnpasta, Zahnbürsten, Toilettenpapier, Seife, Babyartikel, Obst und andere Nahrungsmittel. Viele dieser Dinge kommen aus dem Hilfstransport der Deutschen Kleiderstiftung, der nach Ostern hier bei uns angekommen ist. Unter unseren freiwilligen Helfern sind inzwischen auch viele der Flüchtlinge, die wir in unseren Gemeinden aufgenommen haben! Wir danken allen Spenderinnen und Spendern in Deutschland herzlich für ihre Solidarität."

Wenn Sie die Griechisch-Evangelische Kirche unterstützen möchten, können Sie das über das GAW tun. Ihr Konto zum Helfen: KD - Bank - LKG Sachsen, IBAN DE42 3506 0190 0000 4499 11, Kennwort: Flüchtlingshilfe Griechenland. Wir leiten Ihre Spende weiter.



Montag, 11. April 2016

Diaspora hält das Geheimnis offen

"Die Unmöglichkeit, den Überschuss des Christentums in nur einer religiösen und kulturellen Erscheinungsform Gestalt werden zu lassen, ist die Ursache aller Häresien", so schreibt Jörg Lauster in "Die Verzauberung der Welt - Eine Kulturgeschichte des Christentums". 
In der Geschichte des Christentums gab es immer wieder Gegenbewegungen zu Entwicklungen in Kirchen, wenn diese mit einem Anspruch auf Monopolisierung auftraten. Das gibt es auch heute noch. Die Existenz auch von evangelischen Diasporakirchen ist ein ein Ausdruck dagegen, dass christlicher Glaube sich eindimensional entwickelt. Evangelische Diaspoarkirchen halten mit das Geheimnis offen, dass das Evangelium vielsprachig ist. Es geht darum, den "Überschuss des Christentums" offen zu halten.

Freitag, 8. April 2016

8. April: Internationaler Tag der Roma gegen Ausgrenzung

Am 8. April wird in jedem Jahr der Weltromatag gefeiert, um darauf hinzuweisen, dass Roma Jahrhunderte lang verfolgt und diskriminiert wurden und es immer noch werden. Besonders ist an die Ermordung von 500.000 Sinti und Roma durch die Nationalsozialisten zu erinnern. Am 8. April 1971 fand der erste Weltromakongress statt. Dabei wurde auch die Flagge der Roma beschlossen.

Viele Roma sind in den Ländern, in denen sie leben, Anfeindungen bis hin zu Gewalt und täglicher Diskriminierung ausgesetzt. Das ist auch in Rumänien der Fall, wo Roma bis 1856 zur Arbeit als Sklaven gezwungen wurden. Noch heute haben sie im Bildungssystem und auf dem Arbeitsmarkt meist keine Chance. Deshalb wohnen sie häufig in Elendsvierteln am Rande der Dörfer und Städte, manche auf Müllkippen. Drei Viertel leben laut Statistiken in Armut, in der restlichen rumänischen Bevölkerung ist es knapp ein Viertel. Eine feste Arbeit haben nur zehn Prozent, wobei darunter Rechtsanwälte, Ärzte und Wissenschaftler sind. Die Lebenserwartung liegt für Roma mit 52 Jahren 16 Jahre unter dem Durchschnitt der rumänischen Bevölkerung. Die Kindersterblichkeit ist dreimal höher. Nur die Hälfte hat eine Krankenversicherung, während in der restlichen Bevölkerung vier Fünftel krankenversichert sind.

Anita Marcu ist 21 Jahre alt und vor zwei Jahren mit ihrer Familie nach Deutschland gezogen. Hier hat sie bereits Arbeit gefunden, was sie in Rumänien nicht geschafft hat. Von ihrem Leben dort erzählt sie: "Wir, meine Eltern, meine zwei Brüder, mein Mann und meine Tochter, lebten in einem kleinen Haus. Die meisten Roma in der Stadt, in der ich gelebt habe, haben ihr Geld mit Altmetallsammeln verdient. Wir haben das Metall mit einem Pferdewagen von den Kunden abgeholt, zu Hause nach Metallsorten sortiert und dann zur Sammelstelle gebracht. Dort haben wir ein paar Cent pro Kilo bekommen. Aber das war keine sichere Einnahmequelle: An einem Tag findest du etwas, an einem anderen nichts. Du weißt nicht, was morgen oder übermorgen ist", erinnert sie sich. Sie will auf keinen Fall in die Armut zurück.

Mircea Balan wohnt nun ebenfalls mit seinen vier Kindern und drei Enkelkindern in Deutschland. Der 34-Jährige denkt lange nach, vielleicht darüber, wie man dieses ganz andere Leben in wenigen Sätzen beschreiben kann und erzählt dann: „Wenn wir uns waschen wollten, holten wir das Wasser von einer Pumpe auf der Straße und erwärmten es über einem Holzfeuer. Das Holz dafür erhielten wir von Förstern, für die wir im Gegenzug im Sommer Hagebutten sammelten. Nur durch diesen Tausch konnten wir überhaupt über den Winter kommen. Hagebuttenäste haben Dornen, wir mussten deshalb beim Sammeln Handschuhe tragen. Das Essen bezahlten wir vom Kindergeld – insgesamt hatten wir damit 60 Euro. So haben wir gelebt und überlebt. Wir sind wegen der Armut aus Rumänien weggegangen. Wir hatten kein Geld und zu wenig Essen. Nach der Revolution haben wir manchmal als Tagelöhner auf dem Bau oder in der Reinigung gearbeitet. Aber sie haben uns immer getäuscht und uns nur die Hälfte des vereinbarten Lohns gegeben. Roma gehen oft nicht zur Schule, deswegen finden sie keine Arbeit und dann sind sie arm. Ich war auch nicht in der Schule. Meine Eltern waren damals leider mit anderen Dingen beschäftigt."

Adriana Mitu lebte zusammen mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in einem Zimmer im Haus ihrer Schwiegereltern. Der tägliche Verdienst von 10 Euro aus dem Verkauf von Gemüse reichte für die Familie nicht aus, um sich eine eigene Wohnung zu leisten. Den Unterschied zwischen Rumänen und Roma kann sie deshalb genau beschreiben: „Als Rumänin findest du Arbeit, ziehst keine langen Röcke an, sammelst kein Altmetall. Roma dagegen sammeln Altmetall, verkaufen Gemüse und leben in Armut. Es hat mir nie gefallen so zu leben.“ Cristina Stoica, die 37 Jahre alt ist, hat ebenfalls vom Gemüseverkauf gelebt, eine harte Arbeit in der Hitze Südrumäniens, sagt sie. Die aufgeweckte und lebendige Frau war in Rumänien nicht in der Schule und kann nicht lesen und schreiben. In ihrer Kindheit arbeiteten ihre Eltern jeden Tag von 5 bis 15 Uhr in der Straßenreinigung. „Hätten sie uns um 4 Uhr wecken und für die Schule vorbereiten sollen? Das wäre viel zu früh gewesen. Viele Roma haben solche existentiellen Probleme, dass sie nicht an die Zukunft denken können. Roma sind immer am niedrigsten. Ich wollte nicht mehr niedrig sein.“

Wir dürfen Roma nicht vergessen. Wie diese vier jungen Menschen erfahren sie in allen Ländern Europas Rassismus und Ausgrenzung. Die Politik in Europa darf die Ursachen der Armut nicht länger bei den Betroffenen suchen, sondern muss armen Menschen echte Chancen bieten, ihre Situation verbessern zu können. Viele Menschen in der Mehrheitsgesellschaft haben Vorurteile gegenüber Roma und verweigern ihnen damit eine faire Behandlung. Aufklärung in der Mehrheitsgesellschaft tut also not.

Das GAW unterstützt mit der Konfirmandengabe 2016 junge Roma in Rumänien dabei, Erfolge in der Schule zu haben und so ihre Träume für ihr Leben verwirklichen zu können:

Bietet Brot den Flüchtlingen!

Bringt den Durstigen Wasser entgegen, die ihr wohnt im Lande…; bietet Brot den Flüchtigen. (Jesaja 21,14)

Die Bibel ist voll von Fluchtgeschichten. Sie erzählt von Menschen, die ihre Heimat verlassen und sich von allem trennen und ins Unbekannte ziehen mussten.

Solche Geschichten gibt es reichlich aus der Geschichte der evangelischen Diaspora. Eine schöne Geschichte wird aus dem Jahre 1732 aus dem sächsischen Chemnitz berichtet. 

450 evangelische Flüchtlinge – vertrieben aus dem Salzburger Land kamen in Chemnitz an. Sie hatten alles verloren – Zukunft war mit diesem Glauben dort nicht mehr möglich. Auf der Suche nach einer neuen Heimat kamen sie auf der Flucht auch nach Chemnitz. Der Rat der Stadt rief seine Bürger auf „solche arme Leute mit möglicher Bewirtung einigermaßen zu erquicken, auch …(Reiseproviant ) für diese von ihren Gütern entblößte Religionsverwandten zusammen zu bringen“. Die Bürger Chemnitz sind dem nachgekommen und haben reichlich Hilfe geleistet. Insbesondere die Prediger in den Kirchen haben ihre Gemeindemitglieder ermahnt und ermutigt, den Flüchtlingen zu helfen. 

Ein wunderbares Zeichen der Solidarität getragen von dem Glauben, der uns ein feines Gespür dafür geben soll, Barmherzigkeit gerade mit Flüchtlingen zu leben. Denn die Bibel ist ein Buch voll von Fluchtgeschichten und will uns aus dem Glauben her Empathie für Flüchtende geben. Am Umgang mit Flüchtlingen in unserer Gesellschaft und in den Ländern, wo sich unsere evangelischen Partnerkirchen für sie einsetzen und wir sie dabei unterstützen entscheidet auch darüber, wie tief wir in dem Glauben verwurzelt sind, der uns auf den fremden Nächsten weist. 

Das GAW unterstützt derzeit in größerem Umfang die Flüchtlingsarbeit der Griechischen Evangelischen Kirche. Und oft geht es elementar um Wasser und Brot...





Halte deine Träume fest! - GAW-Konfi-Aktion 2016 läuft

Flyer mit Projektinformationen zu Rumänien.
Bestellen Sie unter jugendarbeit@gustav-adolf-werk.de
Wovon träumen junge Menschen? Bianca, das Roma-Mädchen aus Rumänien, träumt von einem Leben in Würde, davon, nicht ausgegrenzt und in Armut leben zu müssen. Joice aus Syrien träumt davon, dass endlich Frieden wird in ihrem Land und davon, dass sie eines Tages Ärztin werden kann. Die GAW-Konfi-Aktion 2016 "Halte deine Träume fest!" hilft Jugendlichen wie Bianca und Joice, ihre Träume zu verwirklichen. Wir unterstützen ein Projekt der Christlichen Stiftung Diakonie der Reformierten Kirche in Rumänien, in dem Kinder und Jugendliche aus Roma-Familien begleitet werden und wir helfen in Syrien, damit evangelische Schulen nicht geschlossen werden müssen.

Flyer mit Projektinformationen zu Syrien.
Bestellen Sie unter jugendarbeit@gustav-adolf-werk.de
Ausführliche Informationen zu beiden Projekten gibt es im Flyer zur Aktion. Diesen und weiteres Material, u.a. Anregungen zur Gestaltung einer Konfirmandenstunde und eines Gottesdienstes, Filme, die beide Projekte vorstellen und eine Material-CD gibt es kostenlos zu bestellen unter: jugendarbeit@gustav-adolf-werk.de, Tel. 0341/490 62 15 oder www.gustav-adolf-werk.de/konfigabe_material.html



 

Donnerstag, 7. April 2016

Das Evangelium ist keine Ware!

Kirchenpräsident Carlos Duarte
Der Kirchenpräsident der Iglesia Evangélica del Rio de la Plata (IERP) Carlos Duarte reflektiert in der neuen Zeitschrift der IERP "Vida abundante" über die Frage "Masse oder Minderheit" über die Herausforderung und das Wesentliche in einer evangelischen Diasporakirche und bezieht sich indirekt auf das Phänomen der großen evangelikalen Kirchen in Lateinamerika:
"In einem Kontext, in dem die Anzahl oder die Menge der Menschen wichtig ist als Erfolgsmerkmal und scheinbares Gütesiegel, gilt es als Sünde oder Misserfolg, wenig oder eine Minderheit zu sein. In vielen evangelischen Kirchen Lateinamerikas scheint es wichtiger zu sein, große Kirchen oder Hallen zu füllen, als die Treue zum Evangelium und seine Verkündigung. Vergessen wird: das Evangelium ist keine Ware, dessen Erfolg sich an der Menge der Konsumierenden misst! Das Evangelium misst sich daran, welche Konsequenzen es im Leben jedes Einzelnen hat und zu welchem Lebenszeugnis und zu welchen Werken der Barmherzigkeit es kommt inmitten einer Welt, die so ist, wie sie ist.
Die Masse an Menschen oder die Menge an Mitgliedern in einer Kirche ist nicht gleichzusetzen mit der Präsenz Gottes in ihr.
Desgleichen ist es ebenso kein Zeichen der Präsenz Gottes, wenn man klein ist und als Minderheit versucht zu überleben. Das führt leicht zur Frustration, dass die Wenigen die Letzten sein werden und es verhindert, fröhlich das Evangelium zu verkünden.
Wichtig ist es, das eigene Verhalten immer wieder kritisch zu beleuchten. Z.B.: Wollen wir mehr Mitglieder in unserer Diasporakirche werden aus ökonomischen Gründen, dann sind wir auf dem Irrweg, denn wir blicken in dem Moment nur auf uns und nicht darauf, das Evangelium zu verkünden.
Wichtig für uns als Diasporakirche ist es, dass wir das Evanglium frei verkünden im Sinne Jesuchristi gegründet auf der Heiligen Schrift. Wenn wir das tun und uns da immer wieder selbstkritisch hinterfragen, dann sind die Fragen nach der Anzahl der Mitglieder und nach der Ökonomie der Gemeinden wichtig aber zweitrangig. Wenn wir das Evangelium aufrecht verkünden, dann lebt es auch dort, "wo zwei oder drei versammelt sind" - aber auch dann dort wo 2.000 oder 3.000 versammelt sind. Das wichtigste ist, dass das Wort Gottes gepredigt wird. Was daraus folgt soll allein in Gottes Gefallen stehen."

Mittwoch, 6. April 2016

Kirchenfinanzierung in Tschechien

Jiří Schneider von der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder (EKBB) in Tschechien schreibt über die Situation Kirchenfinanzierung:
"Nach Jahrzehnten der finanziellen Abhängigkeit vom Staatshaushalt, die auch nach der Revolution im Jahre 1989 fortbestand, kommt es nun zu einer grundlegenden, wenn auch allmählichen Änderung der Finanzierung der Kirchen. Das Inkrafttreten des Gesetztes zur Restitution des Besitzes an Kirchen und religiöse Gemeinschaften im Jahre 2012, stellte für die Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften einen Anfang auf dem Weg ihrer Unabhängigkeit vom Staat dar. Der Staat wird die kirchliche Arbeit nur noch bis 2030 mitfinanzieren, wobei die Finanzierung bis dahin jedes Jahr um fünf Prozent sinken wird. Im vergangenen Jahr stellte das eine Summe von 83 Mill. Kronen (etwa 3 Mill. Euro) für die EKBB dar. Die staatliche Finanzierung war bis heute die Hauptquelle für die Finanzierung von Pfarrergehältern. Die Kirche wird also im Hinblick auf die jährliche Abnahme der finanziellen Zuwendung neue Finanzierungsmittel finden müssen.
Die allmähliche Lösung der Kirche von ihrer Finanzierung durch den Staat wird dadurch erleichtert, dass das oben genannte Gesetz auch einen finanziellen Ausgleich inkludiert, wonach die EKBB in 30 Jahresraten bis 2043 eine Summe von 2,26 Mrd. Kronen (nach heutigem Kurs 83 Mill. Euro) erhält. Die Synode der EKBB hat sich dazu entschieden, diese Mittel auf verschiedene Weisen zu investieren und zu nutzen, um die sinkenden finanziellen Zuwendungen des Staates zumindest z.T. kompensieren zu können. Die EKBB hat einen Teil dieser Summe in zwei verschiedene Investmentfonds, die von zwei ausgewählten Investmentgesellschaften verwaltet werden, und in Immobilien investiert, die mittels einer eigenen Kapitalgesellschaft verwaltet werden. Auf diese Weise wurden bereits über 200 Mill. der oben erwähnten Auszahlungssumme investiert. Ein anderer Teil der Mittel – fast 15 Mill. jährlich – werden auf Basis dieser Zuschüsse in diakonische Projekte und Entwicklungsprogramme der Diakonie der EKBB fließen. Im Januar 2016 bildete sich ein Finanzierungskomitee, um Regelungen für die erwarteten Zuschüsse zu treffen.
Wir sind dankbar für jegliche finanzielle Unterstützung unserer kirchlichen Arbeit, Kirchenrenovierungen und Bildungs- und Wohltätigkeitsprojekten, die von der Diakonie organisiert werden. Zugleich müssen wir feststellen, dass die Tatsache, dass unsere Kirche eine solche Geldsumme erhält, ihre Stellung in den Augen der Gesellschaft und der internationalen Partner ändert. Des Weiteren auferlegt die Verwaltung dieser Geldsumme und die Entscheidung, wie sie eingesetzt werden soll, der Kirchenleitung eine große Verantwortung. Neben der langfristigen Anlage der Summe, die zumindest einen Teil der Pfarrer- und Mitarbeitergehälter decken könnte, werden eigene Finanzierungsquellen zur Aufrechterhaltung der eigenen Arbeit und des Besitzes vonnöten sein.
Unsere Kirche ist aktuell mit einer Vielzahl von Herausforderungen hinsichtlich ihrer Zukunft als eine unabhängige und sich selbst finanzierende Institution konfrontiert: in erster Linie mit der, dass die Fragen nach dem Materiellen nicht ihre prinzipielle Mission der Verkündigung der frohen Botschaft in den Schatten stellen. Die EKBB wird sich zudem mit der Frage zu beschäftigen haben, wie viele Gebäude sie unterhalten, wie die Arbeit zwischen Pfarrern und Laien aufgeteilt werden und wie sie für eine angemessene Vergütung der Arbeit ihrer Mitarbeiter sorgen kann. Weder die tschechische Gesellschaft, noch ihre evangelische Kirche, die eine Minderheit in ihrem Land darstellt, kann sich zu den Bedürftigsten in Europa zählen, von der weltweiten Perspektive ganz zu schweigen – somit ist es auch von Relevanz die Frage aufzuwerfen, wie diese Tatsache in der Beziehung mit unseren ausländischen Geldgebern reflektiert werden sollte. Ein Viertel Jahrhundert nach der Erlangung der Freiheit vom kommunistischen Regime, ringen wir nicht nur um die Sicherstellung einer unabhängigen Finanzierung, sondern auch um die Fähigkeit, denen, die der Zuwendung weitaus mehr bedürfen als wir, mithilfe der Diakonie der EKBB und unseren ausländischen Partnerinstitutionen, zu helfen."



Dienstag, 5. April 2016

Brief aus Griechenland: Hilfstransport der Deutschen Kleiderstiftung angekommen

Der über das GAW vermittelte Hilfstransport der Deutschen Kleiderstiftung nach Griechenland hat am vergangenen Wochenende sein Ziel erreicht. Pfarrer Meletis Meletiadis von der Griechisch-Evangelischen Kirche schreibt: "15 Freiwillige haben 5 Stunden lang gearbeitet, um die Hilfsgüter zu entladen. Wir sind zutiefst dankbar dafür, dass wir diese Hilfsgüter für unsere Flüchtlingsarbeit bekommen haben. Die Lage in Idomeni ist schwierig. Die Menschen, die dort ausharren, glauben, dass die Grenze doch noch geöffnet wird. Erst kürzlich gab es wieder Unruhen. Niemand weiß, wie sich die Lage noch entwickeln wird. Natürlich gehen die Teams aus unseren Gemeinden weiterhin regelmäßig nach Idomeni und helfen. Aber wir helfen inzwischen auch an drei 'Hot Spots': einem Flüchtlingscamp in Yiannitsa in der Nähe von Mylotopos und zwei anderen Flüchtlingscamps in der Nähe von Idomeni. Die freiwilligen Helfer aus der Gemeinde in Mylotopos werden ab Mai allerdings weniger Zeit haben. Die Arbeit auf den Plantagen und Feldern beginnt. Wir wollen einerseits versuchen, andere Freiwillige zur Unterstützung anzuwerben. Andererseits gibt es einige Teams ausländischer Gemeinden, die im Sommer kommen wollen, um bei der Versorgung der Flüchtlinge zu helfen. Das ist für uns eine große Erleichterung. In den letzten Wochen haben die Gemeinden in Katerini, Thessaloniki, Mylotopos und Serres begonnen, Flüchtlinge bei sich aufzunehmen. Entweder in Häusern der Kirche oder bei griechischen Familien. In Mylotopos leben derzeit zum Beispiel drei Familien (6 Erwachsene und 8 Kinder) im "Dorkas"-Haus, einem Zufluchtshaus für Menschen in Not, das im Jahre 2012 mit Hilfe der GAW-Frauenarbeit eingerichtet worden ist."

Montag, 4. April 2016

Dem Himmel Gottes nahe in einer Kohleregion Europas...

Orlová liegt in der Kohleregion in Schlesien. Die Evangelische Gemeinde lag ursprünglich im Zentrum der Stadt. Jetzt liegt sie am Stadtrand, denn die Kohleförderung hat die Bevölkerung gezwungen, 5 km weiter entfernt sich neu anzusiedeln. Die Kohleförderung hat sie dazu gezwungen. Das hat das Gemeindeleben spürbar verändert. In Zukunft wird es sie weiter verändern, denn die Kohlegruben werden in naher Zukunft geschlossen werden. In Orlava werden ca. 3.000 Arbeitsplätze wegfallen. Das wir die Region verändern - und auch die evangelische Gemeinde.
In den 1960er Jahren dachte die kommunistische Regierung zunächst darüber nach, die Stadt wegen der Kohleförderung zu liquidieren - auch die christlichen Kirchen. Dazu kam es dann doch nicht- auch wenn eine antichristliche Stimmung noch zu spüren ist. 
2000 Gebäude wurden dennoch dem Erdboden gleichgemacht, der Straßenbahn- und Eisenbahnverkehr wurde eingestellt, die Schulen in umliegende Städte umgesiedelt. An Stelle der ursprünglichen Stadt wurde eine Siedlung für 30.000 Einwohner hochgezogen. Aus dem historischen Stadtkern blieb nur der Torso erhalten. Die evangelische Kirche blieb erhalten - und steht nun allein.
Diese Situation prägt das Gemeindeleben. "Wir müssen zusammenstehen," sagt der Senior der Region Pfarrer Vladislaw Szkandera. "Interne Streitereien können wir uns nicht leisten, wenn wir Kirche für die Region sein wollen", ist er überzeugt. "Wir versuchen die Menschen ins Gespräch mit Gott zu bringen, d.h. ein Gespür für den Himmel Gottes zu bekommen. Das allein bringt sie in eine Beziehung zueinander, die geprägt ist von Glaube, Hoffnung und Liebe!"  
Das versucht die Gemeinde zu leben: in ihrem Gemeindeleben, in ihren Gottesdiensten, in ihrer Sozialarbeit, in der Arbeit für Roma. Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist - hier in Orlavá ist da zu spüren.

Samstag, 2. April 2016

Sanierung eines Gemeindehauses in Schlesien


Als in Bludovice 1782 eine Toleranzkirche gebaut werden durfte, diente sie den Evangelischen aus vielen Nachbarorten. Die Gemeindegliederzahl wuchs bis auf 10.000. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden drei neue, kleinere Pfarrgemeinden gegründet, wodurch die Gemeinde sich verkleinerte. Zugleich begann 1949 auf dem Gebiet der Gemeinde der Aufbau einer neuen Bergbau- und Industriestadt Havířov. Dem Stadtnamen liegt das tschechische Wort „havíř“ (Bergmann) zu Grunde. Die jüngste Stadt Tschechiens zählt heute 100.000 Einwohner, das Dorf Bludovice ist eingemeindet worden. Seit der politischen Wende hat die lutherische Gemeinde Bludovice eine aktive Missionstätigkeit entwickelt. Sie wendet sich den Menschen in Havířov zu, von denen viele keine Wurzeln in der Region und keine kirchliche Bindung haben. Heute hat die Gemeinde 1.100 Glieder.
Das evangelische Gemeindehaus in Bludovice wurde 1850 gebaut. In dem Gebäude befinden sich das Gemeindebüro, die Friedhofsverwaltung, eine Bibliothek für Kinder und Jugendliche, der Gemeindesaal, eine diakonische Einrichtung und zwei Wohnungen. Das ganze Jahr über finden hier Mutter-Kind-Treffen, Sonntagsschule, Bibelstunden, Chorproben, Jugendveranstaltungen, Ausstellungen und Konzerte statt. 


Das GAW hat mit 16.000 Euro im Jahr 2012 das Gemeindehaus geholfen zu sanieren. Das ist gelungen.

Die wechselvolle Geschichte der Gemeinde in Český Těšín


 Im Zentrum von Český Těšín steht die große Kirche der Gemeinde der Schlesischen Evangelischen Kirche A.B. (SEKAB). Dank dieser Lage im Kirchengebiet bietet sich das Gebäude als Stätte für gesamtkirchliche Veranstaltungen an. Direkt neben der Kirche befindet sich so auch das Gebäude der Kirchenleitung und das Zentrum der Schlesischen Diakonie. Inzwischen ist sie außen und innen saniert und glänzt wieder. Das GAW hat in den Jahren 2009 und 2014 für die Sanierung der Kirche insgesamt 25.000 Euro gesammelt.
Die Gemeinde hat schmerzhafte Entwicklungen in ihrer Geschichte durchgemacht. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Stadt zwischen Polen und der Tschechoslowakei aufgeteilt. Die Evangelischen im tschechischen Teil verloren den Zugang zu der historischen großen Gnadenkirche im polnischen Teil. Erst in den Jahren 1931–32 konnte eine eigene Kirche errichtet werden. Gegenwärtig zählt die Gemeinde rund 650 Glieder aus allen Altersgruppen. Ca. 150 Gottesdienstbesucher kommen jeden Sonntag. 
Pfarrer Pientak
Eine weitere spannungsreiche Zeit erlebte die Gemeinde nach der sog. Notsynode der Kirche im Jahr 1992. Nach der Wende war klar, dass ein guter Teil der Pfarrerschaft und der Kirchenleitung mit dem Geheimdienst kooperierte. Das betraf auch den damaligen Bischof, der der Gemeindepfarrer in Český Těšín war. Auf der Notsynode, die der Bischof nicht anerkennen wollte, wurde ein neuer Bischof gewählt. Bis dann klar war, dass der Großteil der Kirche einen Neuanfang nach der kommunistische Zeit wollte, vergingen ein paar schmerzhafte Jahre. In Český Těšín ging der Riss durch die Gemeinde. 1995 gründete sich schließlich die Lutherische Evangelische Kirche A.B. und eine ganze Reihe Gemeindeglieder haben die Kirche gewechselt. Bis 2011/2 feierten beide Gemeinden der beiden Kirchen nun die Gottesdienste abwechselnd in der großen Kirche. Eine Vereinigung beider Gemeinden kam nicht in Frage. Die Gräben waren zu tief. Endlich gelang es, dass die Gemeinde der lutherischen Kirche ein eigenes Kirchgebäude bekam. Dort feiern sie inzwischen ihre Gottesdienste, an denen 20-40 Menschen teilnehmen.
Die Spaltung der Kirchengemeinde hat tiefe Wunden hinterlassen. Inzwischen schaut die Gemeinde nach vorne. Sie hat einen Schwerpunkt in der Kinder- und Jugendarbeit. "Wir müssen wieder mit der Jugend beginnen, denn durch die Spannungen und die Spaltung ist eine Generation weggebrochen", berichtet der Gemeindepfarrer Pientak.


Freitag, 1. April 2016

Eine aktive und lebendige Gemeinde in Třinec


 Eine große Gemeinde der Schlesischen Evangelischen Kirche A.B. findet sich in Třinec, einem wichtigen Zentrum der tschechischen Stahlindustrie. Die Stadt an der Grenze zu Polen zählt rund 37.000 Einwohner. Die evangelische Gemeinde A.B. in Třinec zählt 2.070 Glieder und ist zweisprachig. Daher finden sonntags meistens zwei Gottesdienste statt: in Tschechisch und in Polnisch. Die Gottesdienste, zu denen durchschnittlich 270 Menschen kommen, werden auch aufgenommen und können im Internet angeschaut werden. Das tun inzwischen an die 80-100 menschen aus dem in- und Ausland. Mit einem breit gefächerten Angebot an Kreisen und Gruppen versucht die Gemeinde alle Altersgruppen zu erreichen. Einen sehr wichtigen Platz im Gemeindeleben hat die Musik. Es gibt einen Frauen- und einen Kinderchor sowie einen gemischten Chor. Eine Gruppe beschäftigt sich mit dem jüdischen Tanz. Gemeinsam mit einem Kulturhaus wird jährlich der „Musikfrühling in Třinec“ vorbereitet. Die Gemeinde unterstützt ein Missionsprojekt in Tansania: die Bibelschule, den Bau einer Kirche und Hilfe für Hungernde.

Im Café der Gemeinde mit dem Pfarrer (Mitte)
Das Gemeindehaus neben der Kirche ist lebendiges Zentrum der Gemeinde. Hier gibt es sogar ein Café, das täglich für alle Menschen der Stadt geöffnet hat. Diakonisch ist die Gemeinde sehr aktiv bis dahin, dass sie sich um 19 irakisch-christliche Flüchtlinge kümmert, die über die Diakonie zu der Gemeinde gekommen sind. "Eine wichtige christliche Aufgabe für uns", so der Pfarrer, "aber für die tschechische Gesellschaft eine spannungsreiche Herausforderung!" Insgesamt hat Tschechien 153 Flüchtlinge aufgenommen.
Das GAW hat im Jahr 2013 geholfen, die Fassade des Kirchturms zu erneuern, die sich in einem schlechten Zustand befand. Das ist gelungen - auch dank dieser Hilfe.


Theologiesausbilung in Schlesien

"Wir brauchen in unserer Kirche eine bessere theologische Ausbildung", beschreibt Bischof Waclawek eine der großen und aus seiner Sicht entscheidenden Herausforderungen seiner Schlesischen Evangelischen Kirche A.B. Die Kirche hat keine eigene theologische Ausbildungsstätte. Das ist bei der Größe auch nicht unbedingt notwendig. Nur - wie können junge Theologen, die die Kirche braucht, so ausgebildet werden, dass sie eine lutherische Identität haben und differenziert theologisch denken und handeln? Derzeit ist es so, dass einige Pfarrer in Warschau, Bratislawa und Prag gut ausgebildet sind und ein gutes theologisches Fundament mitbringen. Andere haben bei freien evangelischen Fakultäten in Blockseminaren in Österreich oder in der Slowakei eine theologische Grundausbildung erhalten und bringen eine andere Prägung mit. Einer studierte bei der SELK in Oberursel. Wie können wir eine vergleichbare Ausbildungsordnung erreichen? Diese Frage stellt sich die Kirchenleitung. Denn klar ist, dass zu viele verschiedene Ausbildungsformen zusätzlich Spannungen in die Kirche bringen. "Gut ist es," so der Bischof, "bestimmte Anforderungen zu stellen."
Deutlich ist, dass an der Frage der Ausbildung für eine Kirche viele weitere Themen hängen: der Umgang mit Vergangenheit, die Rolle der Kirche in der in der Gesellschaft, hermeneutische Fragen zum Bibelverständnis, differenzierter Umgang mit ethischen Fragen und Herausforderungen etc.
Hier zeigt sich ein in Diasporakirchen wiederkehrende Herausforderung.

Diakonie in Schlesien / Tschechien

"In 62 Sozialstationen arbeiten 1.000 Mitarbeitende für 8.000 Klienten. Unsere Arbeit reicht von der Altenfürsorge, Obdachlosen- und Behindertenarbeit neuerdings bis zur Flüchtlingshilfe", berichtet die Leiterin der Schlesischen Diakonie der Schlesischen Evangelischen Kirche A.B. Dr. Zuzana Filipkova. das ist ein bemerkenswertes diakonisches Engagement in eine kleine Kirche, die 20.000 Mitglieder hat. 
Nachdem 1960 die gesamte sozial-diakonische Arbeit der Schlesischen Evangelischen Kirche A.B. in der Tschechoslowakei verstaatlicht worden war, begann 1990 ein Aufbau der Diakonie am Punkt Null. 30 Jahre war keine soziale Arbeit der Kirchen im Land möglich. Erst mit der politischen Neuorientierung nach 1990 eröffneten sich auch hier neue Möglichkeiten.
Ceslaw Santarius, Ingenieur und Sohn eines Pfarrers war der Mann der ersten Stunde und hat ohne Finanzen, ohne Fachkräfte und Einrichtungen erfüllt von einer Vision zum Wiederaufbau die „Schlesische Diakonie“ seiner Kirche zurückgegeben. Heute  ist das kleine diakonische Werk in Mähren verbreitet und zählt zu den engagiertesten und öffentlich besonders gewürdigten nichtstaatlichen sozialen Diensten. 
In Cesky Tessin gleich neben der lutherischen Kirche befindet sich der Sitz der Diakonie. Mit Hilfe von EU-Mitteln ist es kürzlich gelungen, einen imposanten Neubau zu errichten, der die verschiedenen Arbeitsbereiche unterstützt. Auch ein Museum zur Geschichte der Kirche findet sich hier.
Eine weitere innovative Neuerung ist eine sozial-diakonische Ausbildung, die über 3 1/2 Jahre dauert. Neun Studierende aus verschiedenen osteuropäischen Ländern haben das erste Semester inzwischen abgeschlossen. Grundgedanke war, dass in Mitteil- und Osteuropa die gesellschaftlichen Verhältnisse eine besondere Ausbildung benötigen.

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