Samstag, 31. Dezember 2016

Worte der Präsidentin des GAW zur Jahreslosung 2017

Dass die Kirche „eine immer wieder zu erneuernde“ sei (ecclesia semper reformanda), ist eine Forderung, die wir – auch wenn sie fälschlicherweise Martin Luther zugeschrieben wurde – im Jahr des Reformationsgedenkens wohl noch häufiger als sonst hören werden müssen.
Und alle, die schon immer meinten, Kirche müsse moderner, frischer und ansprechender daherkommen, werden – davon bin ich fest überzeugt – gerade im Jahr 2017 nicht müde werden, diesen Satz immer und immer wieder zu wiederholen und dabei auch die Erneuerung der vermeintlich verkrusteten Strukturen in unserer Landeskirche einzufordern.
Auf diesem Hintergrund hat mich die diesjährige Jahreslosung zuerst einmal sehr erheitert und dann auch sehr entlastet. Wenn alle Welt sich anschickt, von der (evangelischen) Kirche, ihrer Geschichte und Gegenwart, ihrer Bedeutung und ihres Bedeutungsverlusts zu reden, dann redet der Prophet im Auftrag Gottes von den Herzen der Menschen und damit von dem, was jede einzelne Person im Innersten ausmacht. Auf diesem Hintergrund wird mir das zur Herausforderung im neuen Jahr: Nicht die Kirche muss sich wandeln, sondern wir in ihr. Jeder, jede einzelne.
Die vielfältigen Aktivitäten, mit denen wir im Jahr 2017 den Protestantismus in seiner gestaltenden und verändernden Kraft einer interessierten, zuweilen auch gleichgültig-indifferenten Öffentlichkeit anschaulich machen wollen, finden in der Jahreslosung aus dem Buch des Propheten Hesekiel eine heilsame Relativierung. 
Denn Neuanfang, Umkehr, Veränderung sind nicht unsere Möglichkeiten, sondern nur denkbar, wenn Gott selbst eingreift und anstelle des „steinernen Herzens“ und des „trotzig und verzagten Dings“ (Jer 17, 9) ein neues, ein fleischernes Herz in uns legt. Erst dann hat die Zerrissenheit des menschlichen Wollens und Tuns, die Abgründigkeit unseres Begehrens und offensichtlich unstillbaren Lust der Menschheit an der Zerstörung ein Ende.
Im 36. Kapitel lernen wir den Prophet Hesekiel noch einmal anders kennen. Vom „tiefen Weh und Ach“, das in den früheren Kapiteln bis ins Körperliche hinein schmerzhaft und verstörend zu spüren war, erleben wir hier in diesem Kapitel die Rückkehr ins Leben. 
Es gibt eine Hoffnung und es gibt ein Ende der Gewalt, weil der Gott Israels sein Volk nicht für immer verlässt, sondern die Treue hält. Über Zerstörung, Vernichtung und Tod hinaus.
So wird der Prophet zum Zeugen für Gottes unbedingten Willen zum Leben und zum Heil. Mit dem einzelnen Menschen fängt es an. Mit jedem einzelnen Herzen, das neu und lebendig wird, kommt ein neuer Geist, ein frischer Wind in die Welt. So wird von unten nach oben die neue Stadt und der neue Tempel gebaut. Von dort geht dann Heil und Segen in die ganze Welt.
Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes neues Jahr 2017!
Ihre
Prälatin Gabriele Wulz, Präsidentin des GAW

Donnerstag, 22. Dezember 2016

Ein Weihnachtsgeschenk für den Pfarrer in Temuco / Chile

"Seit 11 Jahren benutze ich schon den Talar des ehemaligen Kirchenpräsidenten und Pfarreres aus Ñuñoa/Santiago. Er hat ihn vor mir schon mindestens 30 Jahre  in Gebrauch gehabt. Nach über 40 Jahren sieht er dementsprechend aus. Es ist schwer, hier in Chile einen schwarzen Talar zu bekommen. Deshalb meine Frage an das GAW: Gibt es die Chance, dass ich einen gebrauchten und gut erhaltenen Talar mit Beffchen vom GAW bekommen kann?" schrieb kurz vor Weihnachten Pastor Eduardo Rojo Vogel aus Temuco im Süden Chiles an uns.

Dank der Unterstützung und Spenden von pensionierten Pfarrern in Deutschland ist es uns immer wieder möglich schnell helfen zu können und gut erhaltene gebrauchte Talare in die weltweite evangelische Diaspora zu senden. Erst kürzlich konnten wir allen neun Vikaren der evangelischen Kirche am La Plata (IERP) für ihren Dienst Talare zukommen lassen. 

Pastor Eduardo ist schon jetzt in Vorfreude auf seinen neuen Talar dankbar, wissend, dass das Weihnachtspacket unterwegs nach Chile ist: "Danke! Das kommt wirklich wie vom Himmel gefallen! Ein wunderschönes Weihnachtsgeschenk!"


Das GAW nimmt gerne gebrauchte, gut erhaltene Talare an und vermittelt sie weiter in die Diaspora!

Dienstag, 20. Dezember 2016

Weihnachtsgrüße aus der weltweiten evangelischen Diaspora

Aus der weltweiten evangelischen Diaspora haben wir im GAW zahlreiche Advents- und Weihnachtsbriefe erhalten, die berührend sind in unseren bewegten und erschütternden Zeiten. Selten war es wichtiger zu entscheiden, aus welcher Hoffnung wir alle leben wollen. Angst, Hass und Ausgrenzung bestimmt viele Auseinandersetzungen. Das kann nicht mit der christlichen Botschaft übereinstimmen. Wir Christen leben aus einer uralten guten Nachricht von Hoffnung, die uns erfüllen will mit Freude. Denn die zentrale Botschaft heißt: Fürchtet Euch nicht! Friede auf Erden! Das ist die Botschaft des Engels zu Weihnachten. 

So schreibt der Kirchenpräsident der lutherischen Kirche Brasiliens Nestor Friedrich: "Zu Weihnachten feiern wir die Geburt Jesu und singen den ganzen Lobgesang Marias mit. Er stöβt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen (Vers 52). Der errettende Gott stellt die Logik der verdorbenen Gesellschaft auf den Kopf, auch die Schlechtigkeit, die sich in der Gesellschaft eingebürgert hat! Die weihnachtliche Botschaft zeigt an, was nicht sein soll, und ist die Ankündigung dessen, was sein kann, deshalb lasst uns hoffen! Lasst uns diese Hoffnung verkündigen und uns engagieren!" 
Propst Manfred Brockmann aus dem fernen Wladiwostok schreibt: "Wir müssen nur wie Maria all diese Worte vom Himmel und den armen Menschen hören, behalten und in unserem Herzen bewegen. Dann sind wir reich, im Leben und im Sterben." Er zielt auf das Wesen der Weihnacht: Es geht um Empathie, sich einfühlen in den anderen, um zu spüren, was es heißt, das Gott Mensch werden will in jedem von uns. 
"Hier findet sich letztlich das große Weihnachtsgeheimnis: Gott-ist-mit-uns! Weihnachten ist, wenn Gott sich uns hingibt. Das ist ein Geschenk, das nicht vergeht, sondern ewig andauert. Lasst uns nicht unser Herz verschließen, sonst entleeren wir Weihnachten. Und es gilt, dieses Geschenk in das ganze neue Jahr mit hineinzunehmen!", schreibt der Moderator der Presbyteriansichen Kirche auf Kuba Francisco Marrero. 
"Diese Wahrheit wurde vor 500 Jahren von den Reformatoren der Kirche Jesu Christi wieder ans Licht gebracht. Allein mit Jesus Christus und in seiner Nachfolge leben wir als geliebte Gotteskinder und lichtbringende Glaubensgeschwister", schreibt Bischof Reinhart Guib von der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien.
Das sind nur einige wenige Stimmen aus der weltweiten evangelischen Diaspora, die aber uns allen gut tun zu hören, zu bewegen und mit guten Taten zu füllen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen gesegnete letzte Adventstage und ein frohes Weihnachtsfest in diesen schweren Tagen.
Pfarrer Enno Haaks, Generalsekretär des GAW


Freitag, 16. Dezember 2016

Weihnachten feiern in Aleppo?!

Flüchtlingskind im Westen Aleppos
„Am Donnerstag habe ich ein Flüchtlingscamp besucht, in dem allein 25.000 Menschen aus dem Ostteil Aleppos untergebracht sind. Ich konnte mit den Menschen reden. Sie sagten, dass sie froh seien, der Hölle Ost-Aleppos entflohen zu sein. Eine Familie erzählte mir, dass in der letzten Zeit fünf Brote für drei Tage reichen mussten - einer achtköpfigen Familie. Ost-Aleppo ist einer der schrecklichsten Orte der Welt! Die Rebellenkämpfer mit ihren Familien harren aus und hoffen, dass sie die Region von Idlib erreichen können“, berichtet der evangelische Pfarrer Ibrahim Nseir aus Aleppo heute.

„Die Situation ist angespannt. Immer noch werden auch Raketen auf den Westteil Aleppos abgeschossen. In der vergangenen Nacht schlug eine Rakete sehr nah an der Schule „Aleppo College for Boys“ ein, die zur evangelischen Kirche gehört.“ Nseir berichtet, dass die Rebellen über Raketen verfügen, die bis an die 20 Kilometer Reichweite haben. „Um sicher leben zu können in Aleppo muss verhindert werden, dass diese Raketen weiter abgeschossen werden!“ Und er fährt fort: „Es wird schwer sein, dass die Menschen hier wieder hoffnungsvoll in die Zukunft schauen. Der Krieg ist nicht vorbei, wenn die Rebellen Aleppo verlassen. Wovon sollen die Menschen leben? Sie brauchen Arbeit und eine ökonomische Basis. Derzeit leben viele von den Hilfslieferungen, die über Kirchen und Moscheen verteilt werden.“

Auf die Frage, was seine Botschaft zu Weihnachten in diesem Jahr sein wird, antwortet Pfarrer Nseir: „Gott ist nicht auf der Seite der Finsternis! Wir suchen nach Hoffnung und Licht. Deshalb müssen wir Versöhnung leben und uns für alle Menschen in der Stadt einsetzen, um Frieden Raum zu geben. Weihnachten ist deshalb zutiefst ein Fest der Solidarität mit allen Menschen. Wir wollen der wahren Weihnacht hier in Aleppo mitten im Krieg Raum geben: Frieden auf Erden!“ Er schließt das Gespräch mit der dringenden Bitte: „Betet für uns! Vergesst uns nicht!“

Donnerstag, 15. Dezember 2016

Weihnachten inmitten der großen Krise in Venezuela

Weihnachten in Valencia/Venezuela mit Kindern
des Strassenkirnderheimes der luther. Gemeinde
Ein Brief von Pastor Gerardo Hands, Valencia, Präsident der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Venezuela
“Wir leben in Venezuela derzeit sehr isoliert. Viele Menschen im Ausland können sich kaum vorstellen, in welcher Krise wir versuchen müssen zu überleben. Es gibt nur wenige Partner wie das GAW, die sich um uns sorgen.
Die Situation in Venezuela wird täglich schlimmer. Allein im November hatten wir einen Inflationswert von 281 %. Für das Jahr rechnen wir mit einer Ziffer von 800 %. Es ist eine Hyperinflation, die wir erleben und ertragen müssen. Alle Preise  ändern sich permanent. Was wir derzeit dringend brauchen, sind Lebensmittel und Medikamente. An letztere heranzukommen ist
durch die staatlichen Kontrollenso gut wie unmöglich. Der Kauf von Lebensmitteln für unsere Diakoniezentren wie das Straßenkinderheim Casa Hogar und den Kindergarten San Blas in Valencia erledigen wir im Ausland. Auch wenn das teuer ist, so haben wir doch Sicherheit, überhaupt etwas zu erhalten– auch wenn noch Wartezeiten beim Zoll dazukommen.
Diese ganze Versorgungsnot und Unsicherheit haben dazu geführt, dass Mitglieder unserer Gemeinden das Land verlassen. Etliche von ihnen waren nach dem 2. Weltkrieg nach Venezuela gekommen. Jetzt gehen sie entweder zurück nach Deutschland, Argentinien, in die USA, nach Chile oder in ein anderes Land. Aus der lutherischen Gemeinde in Valencia haben 16 Personen das Land verlassen, vier aus Turén, sechs aus Barquisimeto. Und mit Sicherheit sind auch aus Caracas Menschen gegangen.
Es ist für alle Venezolaner schwierig, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Diejenigen, die Familien im Ausland haben, bekommen von dort Unterstützung. Die Hälfte der Venezolaner lebt derzeit mit einer festen Mahlzeit täglich. Nur jeder dritte bekommt drei Mahlzeiten am Tag.
Weihnachten feiern wir in diesem Jahr wieder in großer Unsicherheit. Auch aufgrund der hohen Gewalt im Land. Das hängt mit der desaströsen Lage zusammen. Den traditionellen Weihnachtsmarkt müssen wir in unserer Gemeinde ausfallen lassen. Mit mindestens 2.000 Besuchern war das bisher immer ein wichtiger Ort der Begegnung und eine bedeutende Einnahmequelle für die Gemeinde.
In diesem Kontext spielt Weihnachten für uns eine besondere Rolle. Wir versuchen in der Weihnachtsbotschaft die Freude zu feiern, die uns mit der Geburt Jesu geschenkt ist – trotz allem. Jesus hatte keinen Ort damals. Wir fühlen uns derzeit in diesem Land genauso . Wie können wir in Zukunft hier leben? - Jesus lehrte uns, im Leben zu teilen. Das versuchen wir auch zu leben. Das Kommen Jesu und sein Leben sind für uns eine Quelle der Inspiration, zu lieben, zu teilen – und das auch inmitten einer schlimmen Situation wie hier. Und letztlich nehmen wir im Feiern des Weihnachtsfestes das vorweg, was uns verheißen ist: die neue Geburt in Gott!
Es gilt für uns alle:
Es kommt Weihnachten …
Die Stärke erweist sich im Schwachen
Die Weisheit in dem Skandal
Das Unsichtbare im Sichtbaren
Die Reife in einem Kind
Die Herrlichkeit im Verborgenen
Die Aufgenommen werden im Verlassen sein
Gott wird Mensch
Wir wünschen Euch im GAW – unseren Freunden – Frieden und ein gesegnetes Weihnachtsfest! Denkt an uns und betet für uns!
Und danke für eure Solidarität!
Pastor Gerardo Hands"

P.S.: Das GAW schickt noch vor Weihnachten eine Unterstützung für die beiden Diakoniezentren der lutherischen Gemeinde, damit Lebensmittel gekauft werden können. 
In diesem Jahr haben wir mit der GAW-Kindergabe für das Strassenkinderheim gesammelt.

Montag, 12. Dezember 2016

Aleppo in Not!

Raktenangriff auf ein Haus; 200m von den
evangelischen Schulen Aleppos entfernt
"Am Freitag ungefähr 200 Meter von der Synodenschule der "Aleppo Scholl for Boys" und der Schule der evangelisch-arabischen Schule  "Al Jadeed School" sind Raketen eingeschlagen, die aus dem Ostteil Aleppos von Oppositionellen abgefeuert wurden. Sie haben große Zerstörungen angerichtet", berichtet über WhatsApp Pfarrer Ibrahim Nseir der ev.-arabischen Gemeinde Aleppos. "Wir sind in einer sehr kritischen Phase derzeit! Und wir hoffen und beten, dass bis Weihnachten Aleppo wieder in der Hand der Regierung ist!" Gleichzeitig untermauert er, dass viele Oppositionelle radikale Islamisten sind, unter denen christliche Kirchen keine Überlebenschance haben. "Es macht uns große Sorgen, dass Palmyra scheinbar wieder in den Händen des IS ist." 
Flüchtlinge aus dem Ostteil Aleppos
im Westteil
Und weiter berichtet Pfarrer Nseir: "Inzwischen sind Zehntausende Flüchtlinge aus dem Ostteil Aleppos in den Westteil gekommen. Sie müssen dringend versorgt werden. Einige haben über eine Woche nichts zu Essen gehabt. Für die Regierung ist es eine sehr große Herausforderung für Essen, Wasser, Kleidung, Unterbringung und für Wärme in der Kälte des Winters zu sorgen. Die Menschen leiden. Wir versuchen zu helfen mit den knappen Mitteln, die wir haben."

Verteilung von Nothilfe
Ein Fürbittgebet für diese Tage:

Gott, unsere Zuflucht, wir schauen auf Syrien, auf diesen nicht endenwollenden Krieg. Wir wollen uns nicht verschließen vor dem Elend, dem die Menschen dort ausgesetzt sind. 
Wir wollen genau hinschauen, was geschieht. 
Gemeinsam wenden wir uns an Dich: 
Du Gott des Lebens - komm in diese geschundene Welt. Mach dem Unheil des Krieges in Syrien ein Ende, mach aller Gewalt ein Ende. Schreite Du ein, wo Menschen nicht willens oder in der Lage sind, der alltäglichen Hölle etwas entgegen zu setzen.
Gib Vernunft in die Herzen der Verantwortlichen, lehre uns, nicht nachzulassen in der Achtung und Verteidigung deines Friedens.
Wir beten dafür, dass Du unseren Geschwistern in Syrien die Kraft zum Weiterleben gibst. 
Wir beten dafür, dass Du sie stärkst, Zeichen des Friedens zu sein. 
Wir beten dafür, dass Du sie zu Botschaftern der Versöhnung machst.
Wir beten für alle Menschen in diesem Land und wollen uns dafür einsetzen, ihnen beizustehen, auf dass der Tag kommt, an dem niemand mehr sein Zuhause verlassen muss, und niemand mehr die Opfer und die Getöteten beweinen muss.
Wir wollen uns Deinem Willen verpflichten, damit Du uns als Werkzeuge des Friedens gebrauchen kannst, auf dass der Tag kommt, an dem die Gefangenen frei und die Zerbrochenen heil werden. Amen

Das GAW wir weiterhin den notleidenden Menschen über die beiden evangelischen Kirchen helfen, die in Syrien aushalten. Dazu werden wir weiter Hilfe brauchen!

GAW
KD-Bank
IBAN: DE42 3506 0190 0000 4499 11
BIC: GENODED1DKD
Stichwort: Nothilfe

Donnerstag, 8. Dezember 2016

Ein neues Dach für das Mädcheninternat in Nueva Germania

Ein neues Dach für das Mädcheninternat
Das Dorf Nueva Germania in Paraguay liegt ca. 300 km von Asunción entfernt. 60 Familien gehören der Gemeinde an. Das Dorf selbst hat eine anrüchige Vergangenheit. Es wurde 1886 als eine Musterkolonie des neuen arischen Menschen von dem Schwager Friedrich Nietzsches gegründet. Die Siedler, die auf die Lebensbedingungen in Südamerika schlecht vorbereitet waren, kämpften jedoch bald um das alltägliche Überleben. Das Leben der evangelischen Gemeinde gestaltete sich auf diesem ideologischen Hintergrund schwierig. Einmal im Jahr kam für einige Tage ein Pfarrer aus der Asunción für Taufen, Konfirmation und Trauungen. Ein Aufbruch geschah mit dem ersten eigenen Diakon 1983. Während des langjährigen Dienstes des Pfarrerehepaars Detlef und Annedore Venhaus in Nueva Germania wurde die Gemeinde schließlich eigenständig. Es entstanden sozial-diakonische Projekte für die gesamte Kommune: ein Hospital, ein Internat und eine Berufsschule. Die Einrichtungen sowie die verbesserte Infrastruktur waren für die Entwicklung der gesamten Region von großer Bedeutung. 
Die Dachsanierung des Schülerinternats der Gemeinde wurde im GAW-Projektkatalog 2012 mit 3.200 Euro unterstützt. Während der Woche wohnen dort 20 Mädchen im Alter von vier bis 18 Jahren. Ohne diese Unterkunft könnten die Schülerinnen, die weit verstreut in der Region leben, kaum die Schule besuchen. Im Internat erhalten sie sowohl Essen als auch Hilfe bei den Hausaufgaben und werden in ihrer Entwicklung gefördert. 
Mit der Unterstützung der GAW-Frauenarbeit und eines Freundeskreises konnten auch schon die Räume des Internats und die Küche in den letzten Jahren renoviert werden. Um das Internat erhalten zu können, wareine gründliche Reparatur des Daches unerlässlich. 
Das ist jetzt geschehen. Der ehemalige Pfarrer der Gemeinde, Christoph Stephan, bedankte sich ausdrücklich für die wichtige Unterstützung: "Es ist mit Worten kaum auszudrücken, was die Hilfe des GAW uns bedeutet hat!" Derzeit ist er selbst für zwei Jahre Austauschpfarrer in Halle/Westfalen und leitet eine deutsche Gemeinde.

Montag, 5. Dezember 2016

Es gibt heute kaum einen sicheren Ort in Aleppo!

Beschädigte Kirche in Aleppo
Die syrische Armee scheint heute am 5. Dezember bei einer Großoffensive im Ostteil Aleppos einen weiteren Stadtteil erobert zu haben. Damit kontrollieren die Truppen von Präsident Baschar al-Assad nun zwei Drittel des Ostteils von Aleppo, der 2012 von Aufständischen besetzt worden war. In den Rebellengebieten im Osten Aleppos schlugen in der Nacht Dutzende Raketen ein. 
Seit dem Beginn der Offensive am 15. November gab es zahlreiche zivile Todesopfer - sowohl im Ostteil - als auch im Westteil der Stadt. Mehr als 50.000 Bewohner Ost-Aleppos sollen seit dem Beginn der Offensive aus der Stadt geflohen sein.
Aus Aleppo
Der evangelische Pfarrer der arabischen presbyterianischen Gemeinde berichtet aus dem Westteil heute, dass die Situation sehr kritisch sei: "Auch im Westen Aleppos schlagen derzeit ständig Raketen ein. Es gibt kaum einen sicheren Ort. Wir haben deshalb beschlossen sowohl unsere Schule als auch die "Aleppo College for boys" heute geschlossen zu halten, damit kein Schüler auf dem Schulweg ums Leben kommt. Wir wissen nicht, wie es weitergehen wird. Wir hoffen so sehr, dass der Krieg in Aleppo bald aufhört. Bitte vergesst uns nicht und betet für uns, dass wir die Hoffnung nicht verlieren und Kraft behalten!"
In den letzten Wochen haben wir immer wieder Nachrichten aus dem Westteil der Stadt gehört über Todesopfer durch Raketen und Mörserbeschuß. Die evangelischen Kirchgemeinden der Armenier und der arabischen Kirche liegen alle im Westteil der Stadt. Sie halten nach wie vor ihre Schulen offen, um Kindern und Familien damit Hoffnung zu geben, und dass gegen die Verrohung durch die Gewalt des Friedens Bildung gesetzt wird. Dabei hilft das GAW! Gerade hat das GAW Mittel überwiesen, damit in einer evangelischen Schule Aleppos ein Generator angeschafft werden kann. Bildung braucht strom - in einer Stadt, in der die Infrastruktur zerstört wurde ist ein Generator Segen!

Am 3. Advent lädt die Reformierte Kirche in Deutschland in Zusammenarbeit mit der Presbyterianischen Kirche in Syrien und Libanon zum Gebet für Syrien ein: 

Freitag, 2. Dezember 2016

Aus der Enge eigener Interessen in die Weite der Sorgen...

Prälat Hermann Rieß
"Wir müssen aus der Enge eigener Interessen in die Weite der Sorgen kommen, die die Entwicklung unserer Welt betreffen. Was heute alle zu lernen haben, gilt für Christen erst recht: Wir müssen aus dem Egoismus des Kreisens um uns selbst in die Verantwortung für die anderen kommen. Wir müssen den Lernprozess miteinander riskieren. Dabei habe ich den Eindruck, dass uns dieser Lernprozess bisher viel zu wenig gelungen ist... Und nun meine ich, in diesem "Lernprozess" habe das GAW eine wichtige Funktion. In unserer Arbeit können konkrete Ziele gezeigt und mögliche Schritte empfohlen werden. Hier werden persönliche Kontakte angebahnt und ausgebaut. So gelingt es, manche Gemeindeglieder einzuüben in die Aufgabe der Weltverantwortung...
Wenn Diaspora die Ursituation der Kirche ist, dann haben wir allen Grund, von Diasporagemeinden zu lernen, ihnen freilich auch zu helfen.So zu helfen, dass wir sie ermutigen und befähigen, mit dem Evangelium die Isolierung zu überwinden  und das Evangelium ihrer Umgebung weiterzugeben." 
(in: GA-Blatt Heft 1, 1972, S. 20, von: Prälat Hermann Rieß (1914-1990) war von 1979-1988 Präsident des GAW der EKD)

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Keine Gewalt gegen Frauen!

Keine Gewalt gegen Frauen! - Wandmalerei in Lateinamerika
In den Körpern und Seelen der Menschen hat der über 50-jährige Bürgerkrieg in Kolumbien tiefe Spuren hinterlassen.
Da ist Monica. Sie wurde vor 15 Jahren von FARC-Rebellen verschleppt und mehrfach vergewaltigt. Ein Kind ist daraus entstanden, doch keiner weiß, wer der Vater ist. Über zehn Jahre musste Monica mit ihrem Kind unter den Rebellen leben, bis man sie gehen ließ. Und nun? 
Raquel ist 55 Jahre alt. Vor 20 Jahren wurde ihr Mann verschleppt. Von Rebellen oder von Militärs – sie weiß es nicht. Ob er noch lebt, weiß sie ebenfalls nicht. Raquels Mann ist nur einer von tausenden im kolumbianischen Bürgerkrieg  spurlos Verschwundenen, auf Spanisch "Desaparecidos".
Monica und Raquel sind zwei Frauen, die in der Hauptstadt Bogotá in einer lutherischen Gemeinde Zuflucht gefunden haben. Dort gibt es eine Frauengruppe, deren Mitglieder alle etwas gemeinsam haben: Sie tragen Kriegsspuren in ihren Seelen. 
Diese Spuren sitzen tief. Die Leiterin der Frauenarbeit der lutherischen Kirche, Rosaura Buitrago, weiß: „Man muss diesen Frauen Raum geben, damit sie reden können, ihre Geschichten teilen können und damit nicht alleine bleiben. Sie brauchen einen Ort, wo sie Frieden erleben können.
Die GAW-Frauenarbeit unterstützt diese Arbeit der lutherischen Kirche. Zudem sollen ein Sozialfonds eingerichtet werden, damit Frauen nicht mehr finanziell von ihrem gewalttätigen Partner abhängig sind, und Frauenhäuser, um Frauen und ihren Kindern Schutz vor Gewalt bieten zu können. Für die Kirche ist es eine große Herausforderung, die Frauen, die Gewalt erlebt haben, zu stärken und ihnen durch Fortbildungen eine Perspektive für die Zukunft zu eröffnen. 
Die GAW-Frauenarbeit will für diese Initiativen über einen Zeitraum von drei Jahren 35 000 € bereitstellen. Dafür wird noch Hilfe benötigt.
Gleichzeitig ist dieses Projekt aus Kolumbien eine Möglichkeit, die Stimme für Frauen zu erheben, die unter Gewalt leiden. Damit schließt sich die GAW-Frauenarbeit der Kampagne des Ökumenischen Rates der Kirchen an: 16 Tage gegen Gewalt an Frauen! Sie begann am 25. November, dem Internationalen Tag zur Beseitigung der Gewalt gegen Frauen, und endet am Tag der Menschenrechte, dem 10. Dezember. Seit dem Jahr 2015 kämpft eine interreligiöse Koalition in diesen 16 Tagen für die Würde von Frauen.

Helfen Sie mit:
GAW-Spendenkonto
KD-Bank
IBAN: DE42 3506 0190 0000 4499 11
BIC: GENODED1DKD
Stichwort: Kolumbien – Jahresprojekt der GAW-Frauenarbeit

Mittwoch, 30. November 2016

Eine kleine Diasporakirche am La Plata: Die Waldenser!

Iglesia Valdense von San Carlos Sud
Vor 160 Jahren waren die ersten Familien aus den Waldensertälern in Italien vor Armut und Hunger an den Rio de la Plata ausgewandert. Sie gründeten die heutige Waldenserkirche am La Plata. In La Paz wurde dann 1893 die erste waldensische Kirche der Region gebaut. Auch der Bau von Schulen wurde von den Diasporagemeinden in Uruguay vorangetrieben. Diese Schulen dienten als Orte der Inkulturation und des Zeugnisses für die und in der Gesellschaft. Mit den Schulen hat die Kirche sehr zur Bildung der Bevölkerung in Uruguay beigetragen. Heute betreibt die evangelische Waldenserkirche am Rio de la Plata das Heim für Behinderte „El Sarandi“. 1973 wurde dieses Heim unter Trägerschaft der Waldensersynode am Rio de la Plata gegründet. Heute wohnen hier rund 40 geistig und zum Teil mehrfach behinderte Bewohnerinnen und Bewohnern zwischen 15 und 73 Jahren. Auch unterhält die Waldenserkirche in Colonia Valdense ein Altersheim.

Derzeit werden die 15 Gemeinden von 17 Pastoren - davon 4 Frauen - betreut. Die evangelische Waldenserkirche am Rio de la Plata mit ihren 14.000 nominellen aber nur 2.500 beitragenden Mitgliedern ist eine ökumenisch gut vernetzte Migrationskirche, welche gerade im Bereich Diakonie und theologische Erneuerung auch heute noch in Lateinamerika in dieser Tradition agiert. Um diese Mission zu verfolgen, setzt die evangelische Waldenserkirche vor allem auf die PastorInnenbildung, welche für Austausch und theologische und methodologische Innovation geschaffen wurde. 

Eine besondere Herausforderung für die Waldenserkirche besteht in der zunehmenden Landflucht im Rio-de-la-Plata-Raum. Diese neue Realität führt dazu, dass die Waldenserkirche lernen muss, sich als "Kirche in der Stadt" aufzustellen und sich auf die veränderten Rahmenbedingungen und Bedürfnisse einer Stadtbevölkerung einzustellen. Dabei geht es darum, die eigenen Werte einer (ländlichen) Gemeinde, die in der Liebe Gottes wurzeln, mit den Ansprüchen und Bedürfnissen einer städtischen Gemeinde zu verbinden.
Seit einigen Jahren unterstützt das GAW den sog. Pensionsfonds der Kirche. Die Kirche muss ihren elf pensionierten Pastoren Pensionen zahlen, was die Kirche in ihren Entwicklungsmöglichkeiten einschränkt. In den schwierigen 1960er und 70er Jahren war es nicht möglich, in die Pensionskasse einzuzahlen und vorzusorgen. Auch später konnten die Pastoren von den geringen Gehältern keine Vorsorge leisten. Zudem sind die Pensionen in Lateinamerika allgemein sehr niedrig. Oft erhalten die Pfarrer noch nicht einmal die Hälfte von dem, was sie in aktiver Zeit erhielten. Einige emeritierte Pastoren arbeiten selbstverständlich weiter und unterstützen die Gemeinden. Natürlich gibt es auch einige, die das aus Altersgründen nicht mehr können, wie z.B. Pastor em. Rostan (*1928). Er lebt mit seiner Ehefrau im Altenheim der Kirche und hilft bei der Seelsorge in diesem Haus. Pastorin em. Geymonat (*1938) lebt mit ihrem Mann in Buenos Aires und arbeitet noch aktiv in der Waldensergemeinde mit. Sie vertritt ihre Kirche bei ökumenischen Aktivitäten.
Das GAW unterstützt den Pensionsfonds mit 17.000 Euro und ist dabei auf Hilfe angewiesen:


GAW-Spendenkonto
KD-Bank
IBAN: DE42 3506 0190 0000 4499 11
BIC: GENODED1DKD
Stichwort: Pensionsfonds Waldenser

Dienstag, 29. November 2016

Neuer GAW-Newsletter erschienen!

Der neue Newsletter des GAW ist erschienen! Hier ein Ausschnitt:

„Meine Seele wartet auf den HERRN mehr als die Wächter auf den Morgen.“
(Psalm 130,6 – Monatsspruch Dezember 2016)

Liebe Freunde des GAW, liebe Schwestern und Brüder,
Eine tiefe Sehnsucht spricht aus den Worten des Psalmbeters. Höre doch! Komm doch! Denn die Not ist groß! Er fleht zu seinem HERRN. Bei ihm hat der Beter einen Ort, an dem er seine Sorgen und Nöte lassen kann. Er wartet auf Gott, der lösen und erlösen kann.
Wir gut kann man diesen Psalm mitbeten – gerade wenn man an unsere evangelischen Schwestern und Brüder denkt, die existenzielle Sorgen und Nöte haben.
Ganz nah sind uns die evangelischen Christen in Syrien geworden. Vor einem Jahr konnten Pfarrer Mofid Karajili in Homs und seine Gemeinde wieder Weihnachten in ihrer Kirche feiern, die vorher über zweieinhalb Jahren in der Hand von Islamisten gewesen und zerstört worden war. In Homs atmen die Menschen auf, wagen, wieder Hoffnung zu haben. Wie anders in Aleppo … – Pfarrer Haroutune Selimian kann dort die Worte des Psalmisten inständig mitbeten: „Aus der Tiefe rufe ich zu dir ...“ und dann: „Meine Seele wartet auf den HERRN“.
Die Begegnung mit diesen beiden Pfarrern aus Syrien in der letzten Novemberwoche war bewegend. Sie bleiben an der Seite ihrer Gemeindeglieder. Sie wollen helfen – und bestätigen beide: „Wir sind durch die Not eine bessere Kirche geworden. Wir sind sicher, dass der HERR, der uns allen verheißen ist, uns allen zum Trost kommt, und dass Frieden werden möge!“
Das sei uns allen ein Mut machendes Zeichen in der Erwartung unseres HERRN, der uns alle ermutigt betend und helfend an der Seite derer zu stehen, die in Not sind – das eint uns alle! In Syrien, Griechenland, in der Ukraine, in Österreich und Ungarn, in Kolumbien und Argentinien – und eben auch bei uns!
Gemeinsam lasst uns auf den HERRN warten, der kommt, uns zu erlösen!
Seid behütet in dieser Adventszeit!
Ihr
Pfarrer Enno Haaks, Generalsekretär des GAW

Nachrichten

– Gebet für Syrien: Für den 3. Adventssonntag, den 11. Dezember 2016, bereiten die National Evangelical Synod of Syria and Lebanon und die Evangelisch-reformierte Kirche in Deutschland...

Mehr Nachrichten finden sich im Newsletter über die Homepage des GAW. Er kann auch kostenfrei abonniert werden. Jeden Monat erfährt man Neues aus der Diaspoar und der Arbet des GAW!

Freitag, 25. November 2016

Bleiben oder gehen...? - Syrien braucht das christliche Zeugnis

Pfarrer Firas Farah predigt in Qamishly
Die wichtige Herausforderung für die Christen im Nahen Osten ist die Frage, wie sie bleiben können. Zu viele sind gegangen auf Grund der Gewalt und des anwachsenden Fanatismus. Die Gefahr ist, dass der christliche Glaube sich leise aus der Region verabschiedet, ohne dass die Welt es wahrnimmt.
Das erlebt Pfarrer Firas Farah im Nordosten Syriens in der Jasira-Region. Für drei Gemeinden ist er zuständig – Qamishly, Hassakeh und Malkiyah. Ursprünglich gab es an jedem Ort einen Pfarrer. In Qamishly gehören noch 65 Familien zu seiner evangelischen Gemeinde. 40 Familien sind gegangen. In Hassakeh und Malkiyah sind 25 Familien übriggeblieben. In jeder Gemeinde haben 50 Familien die Gemeinden verlassen. „In allen Familien gibt es Angehörige, die darüber nachdenken, zu gehen,“ sagt Faras. „Nur – wenn sie gehen, dann verlieren sie alles, was sie haben.“ Dazu berichtet er, dass bei einigen der Zweifel stärker ist als der Glaube, denn sie haben bei Terroranschlägen Menschen verloren.
Was kann man als Pastor in einer solchen Situation sagen? „Vor einem Jahr habe ich als Pastor noch gesagt, dass die Menschen meiner Gemeinde bleiben sollen. Jetzt hat sich das verändert. Jetzt bitte ich darum, dass sie bleiben. Ich besuche sie, bete mit ihnen und versuche sie zu überzeugen, dass wir in unserem Land bleiben. Syrien braucht das christliche Zeugnis!“ Aber das wird schwerer.
Was predigt ein Pfarrer wie Firas Farah, wenn er an das kommende Weihnachtfest denkt? „Jesus ist mitten in der Dunkelheit der Welt geboren wurde. Mitten in unsere Dunkelheit in der Geschichte unseres Landes will er geboren werden und uns trösten,“ sagt Firas überzeugt. „Die Weihnachtsbotschaft gewinnt für uns an Tiefe!"

Donnerstag, 24. November 2016

Stoppt den Krieg in Syrien!

Pfarrer Haroutune Selimian
„Wir warten darauf, dass die westliche Welt nach Frieden schreit für den Nahen Osten!“ sagt Pfarrer Haroutune Selimian aus Aleppo. „Wir brauchen unsere Schwestern und Brüder in der protestantischen Welt, dass sie auf ihre Regierungen einwirken, dass endlich der Krieg aufhört. Je länger der Krieg dauert, desto schlimmer wird es. Es darf nicht sein, dass Christen aus dem Nahen Osten die Region verlassen. Der Nahe Osten braucht das christliche Zeugnis und Gesellschaften, in der unterschiedliche Religionen miteinander zusammenleben“, betont er. Aus seinen Worten von der Konferenz der Fellowship of Middle East Evangelical Churches (FMEEC), die derzeit in Beirut stattfindet, ist auch Enttäuschung zu hören über die Regierungen in der westlichen Welt. „Wo sind die Stimmen zu hören, wenn unter den
Opfern des Krieges Christen sind? Wer spricht von ihnen?“ fragt er. „Was wir brauchen ist, dass wir mit unseren Klagen gehört werden, dass es Reaktionen gibt, dass auch von den Kirchen in der westlichen Welt Einfluss genommen wird und zu hören ist: Stoppt endlich den Krieg!“ Und er ergänzt, dass der Nahe Osten in Gefahr steht, die christliche Stimme zu verlieren. „Wer ist denn für die westliche Welt als Gesprächspartner noch da, der eine lange Tradition darin hat, im Dialog mit den anderen Religionen zu stehen?“ fragt Selimian. In der Diskussion der Konferenz spürt man die Polarisierung, die die Welt ergriffen hat. Ein anderer Redner gesteht zu, dass in diesen gewaltvollen Zeiten mit den Polarisierungen die Kirchen traumatisiert sind. „Es ist schwer in solchen Zeiten nüchtern zu reflektieren. Jeder spricht sofort aus, was er denkt und erhebt es zur Wahrheit. Das hilft auf Dauer nicht weiter, um wieder dialogfähig zu werden. Es braucht viel Empathie und die Fähigkeit zum Zuhören.“ Und mit Sicherheit braucht es Solidarität. Es braucht Zeichen der Verbundenheit – geistlich und materiell. Dazu gehört auch, dass in Zeiten des Krieges geholfen wird, dass die Protestanten ihre Schulen und Kindergärten weiter offen halten. „Auch wenn kaum ein Tag vergeht, an dem keine Raketen auf unser christliches Viertel in Aleppo fallen, so halten wir die Schulen dennoch offen!“ betont Selimian. „Wenn wir die Schulen einige Tagen schließen, dann verlieren die Menschen bald die Hoffnung.“ Und er berichtet auch, wie notwendig die materielle Unterstützung der Menschen durch die evangelische Kirche ist. „Kirche muss für die Menschen in ihren Nöten da sein! Dann bleiben sie auch! Beten und Tun des Gerechten!"

Mittwoch, 23. November 2016

Welche Zukunft haben evangelische Christen im Nahen Osten?

Roseangela Jarjour
"Wir erleben in unserer Region eine enorme Veränderung der geopolitischen Lage. Radikale und fanatische, muslimische Kräfte sind stärker geworden und bedrohen die christliche Existenz im Nahen Osten. In diesem Kontext erleben wir ein Anwachsen des Ressentiments Christen gegenüber," erläutert Roseangela Jarjour, Generalsekretärin des Fellowship of Middle East Evangelical Churches (FMEEC) in ihrem Eröffnungsstatement der 3. Konferenz des FMEEC vom 22.-26. November 2016 in Beirut zur Zukunft christlicher Existenz in der Region. Über 80 Teilnehmer aus den evangelischen Mitgliedskirchen aus den verschiedensten Ländern des Nahen Ostens nehmen teil. "Als evangelische Christen - in einer doppelten Diaspora - haben wir in der Vergangenheit immer wieder versucht, Brücken zu bauen zwischen den Konfessionen und Religionen. Auch waren wir oft eine Brücke zwischen Ost und West. Insofern haben wir viel Erfahrung im Dialog. Das gilt es in Zukunft zu verstärken. Das darf nicht verloren gehen," führt Roseangela Jarjour aus. Da es um gegenseitiges Verständnis geht, ist der Schwerpunkt dieser dritten Tagung die Frage, wie man sich wahrnimmt als westliche oder östliche christliche Vertreter, wie viel Verständnis füreinander da ist, welche Bilder man voneinander hat - insbesondere wenn man an die Frage der Stellung der Christen zum Staat und den staatlichen Autoritäten denkt. Welche Staatsform brauchen Christen, damit sie existieren können? Und natürlich geht es um die Frage, welche Zukunft die Christen insgesamt in der Region haben, und ob die Christen vergessen sind vom "Westen". "Die Hoffnung der Christen für den Osten ist letztlich auch die Hoffnung der Christen im Westen", sagt Prof. Dr. Paul Haidostian von der armenischen Universität in Beirut. "Wir dürfen uns nicht von Angst leiten lassen oder der Sorge um unsere Sicherheit. Unsere Hoffnung ist der auferstandene Christus, der uns eint!"
Es gibt genügend christliche Vertreter, die dieses leben wollen - trotz der Flucht und Migration vieler Gemeindemitglieder. So hat die arabisch-evangelische Gemeinde in Aleppo von Pfarrer Ibrahim Nseir die Hälfte ihrer Mitglieder verloren. "Die Hälfte von denen, die geblieben sind, überlegen derzeit ebenso zu gehen - insbesondere wenn Familienmitglieder schon in Europa oder den USA leben," sagt Nseir.

Dienstag, 22. November 2016

Eine neue Kirche in Mallawi

Zerstörte Kirche in Mallawi
„Die evangelische Kirche in Mallawi, in der ich getauft und konfirmiert wurde, gehörte zu den 63 Kirchen, die im August 2013 von Islamisten angegriffen, geplündert und in Brand gesetzt wurden“, erzählt Pfarrer Dr. Kades, der als pensionierter Pfarrer die 300 Familien starke evangelische-koptische Kirchengemeinde in Mallawi mit betreut. Zu der Gemeinde gehören 14 weitere Dorfgemeinden, die von der Stadtgemeinde Mallawi versorgt werden. Vor Kurzem hat das GAW bei der Beschaffung eines Fahrzeuges geholfen, um diese Dörfer zu erreichen und dort die Menschen zu betreuen und zu sammeln. "Wir sind auf Solidarität dringend angewiesen!" sagt Pfarrer Kades. "Dank der 15.000 Euro aus dem GAW-Projektkatalog 2015 konnte an dem zerstörten Kirchgebäude in Mallawi eine Pfarrwohnung errichtet werden und ein Teil der Kirchenbänke angeschafft werden." Im März 2017 soll die Kirche wieder eingeweiht werden. Es konnten genügend Mittel gesammelt werden. Derzeit können die Gottesdienste schon wieder in einem fertiggestellten Gemeinderaum gefeiert werden.  
Die alte Kirche wurde zerstört, als nach der Absetzung des Präsidenten Mursi radikale
Gottesdienst in einem neuen Gemeindesaal
Moslems Kirchen massiv in Ägypten angegriffen haben. Bei den Unruhen kamen laut offiziellen Regierungsangaben mehr als 600 Menschen ums Leben. Mehrere tausend Menschen wurden verletzt. „Nach 2011 haben viele Christen das Land verlassen“, sagt Pfarrer Kades. „Wir erleben, wie Christen, die seit jeher die ägyptische Gesellschaft mitgeprägt haben, an den Rand gedrängt werden. Wir wollen aber bleiben. Es ist unsere Heimat.“ Und er erzählt, dass unter der derzeitigen Regierung Christen wieder in ihre Heimat zurückkehren. "Wir hoffen, dass in unserem Land Frieden und Stabilität weiter wächst. daran wollen wir Christen mitwirken." Er berichtet u.a. von einem Schulprojekt, das in Mallawi geplant ist. 
Ca. 10 % der ägyptischen Bevölkerung gehören der koptischen Minderheit an. Davon gehören ca. 700.000 Menschen zur Presbyterianischen Kirche, die sich im 19. Jahrhundert im Land etablierte und 1958 eine selbständige Kirche wurde. Derzeit gibt es ca. 450 Gemeinden in ganz Ägypten, die sich in acht Dekanate aufteilt.
Pfarrer Dr. Kades betont: „Als evangelische Kirche sind wir reich an der Gnade Gottes, auch wenn wir materiell arm sind. Und trotz allem müssen wir uns immer wieder sagen: Die wahre Kirche ist in unserem Herzen. Die kann keiner zerstören.“


Dienstag, 15. November 2016

Volle Kirche am Friedenssonntag in Aleppo


"Am vergangenen Friedenssonntag haben 250 Menschen unseren Gottesdienst in der evangelischen arabischen Gemeinde in Aleppo besucht", berichtet Pastor Ibrahim Nassir, "Die Menschen kommen vermehrt in die Kirche und suchen Trost, Halt und Gemeinschaft in dieser schweren Zeit." Zu seiner evangelischen Gemeinde gehören noch 140 Mitglieder, Menschen, die noch nicht geflohen sind.  "Aber es wird schwerer, sie zu überzeugen, dass sie bleiben!" ergänzt Ibrahim. Nach seiner Einschätzung überlegt die Hälfte seiner Gemeindemitglieder Aleppo zu verlassen.

Und er erzählt, wie am vergangenen Samstag dutzende Raketen auf das christliche Viertel im Westteil Aleppos abgefeuert worden sind. Es gab Tote und Verletzte. Das Überleben in Aleppo wird immer härter: Es gibt keinen Strom, wenig Medikamente, kaum Geld für Öl zum Heizen. "Das wird ein schwerer Winter", sagt Ibrahim Nassir. "Wenn die Kämpfe aufhören, und die radikalen muslimischen Gruppen Aleppo verlassen würden, dann würden die Christen bleiben", ist er sich sicher.
Ein großes Problem ist, dass die Menschen kaum Möglichkeiten zum Arbeiten und Geld verdienen haben und unter den derzeitigen Bedingungen zerschossene Wohnungen nicht repariert werden können. "Wir brauchen Solidarität! Das würde uns helfen: Unterstützung für Heiz- und Stromkosten, Hilfen bei der Reparatur von Wohnungen."

Die evangelische arabische Gemeinde unterhält eine Schule für 850 Schülerinnen und Schüler. Es ist nicht leicht, die Schule zu erhalten, die Lehrergehälter zu bezahlen und den Unterhalt für die Schule aufzubringen. "Wir brauchen Hilfe!" bittet Pastor Ibrahim Nseir.


Montag, 14. November 2016

Ein Dankeschön nach Seifhennersdorf in Sachsen

158,70 Euro haben die Christenlehrekinder der Kirchgemeinde Seifhennersdorf (Sachsen) für evangelische Gemeinden in Syrien gespendet. Am Reformationstag haben sie nach dem Gottesdienst Kaffee und Kuchen ausgeschenkt und dabei Spenden gesammelt. Gemeindepädagogin Annette Rausendorf schreibt: "Sie waren mit dem Herzen dabei und freuen sich über das Ergebnis. Es ist ihr Wunsch, dass diese Spende zur Unterstützung christlicher Gemeinden in Syrien genutzt wird, die Kindern den Schulbesuch ermöglichen."
Das GAW bedankt sich im Namen seiner syrischen Partner sehr herzlich!

Freitag, 11. November 2016

Aleppo: Film aus einem Gottesdienst in der arabisch-evangelischen Gemeinde

Die arabisch-evangelische Gemeinde in Aleppo hatte vor dem Krieg rund 500 Mitglieder. Dreiviertel der Mitglieder der Gemeinde sind aus der Stadt geflohen. Pfarrer Ibrahim Nassir versucht trotz der prekären Situation in Aleppo das Gemeindeleben aufrecht zu erhalten. Heute sandte er einen kurzen Film aus einem Gottesdienst seiner Gemeinde, aufgenommen vom christlichen Fernsehsender Tele Lumiere aus dem Libanon.
https://m.youtube.com/watch?feature=share&v=eQtGZ6jTcJE

Dienstag, 8. November 2016

Talare für Argentinien und Paraguay

rechts: Pfarrerin Sonja Skupch
"Neun Vikare beginnen jetzt in unserer Kirche ihren Dienst," erzählt Pfarrerin Sonja Skupch, Generalsekretärin der Evangelischen Kirche am La Plata (IERP). Diese Vikare stehen jetzt der Kirche zur Verfügung und werden auch dringend gebraucht. Anders als in Deutschland übernehmen Vikare gleich eine Gemeinde. Sie werden von einem Seniorpfarrer begleitet und müssen an einigen Vikarskursen der IERP teilnehmen bevor sie ordiniert werden. "Anders würde es bei uns nicht gehen, denn unsere Gemeinden schaffen es nicht ein Pfarrgehalt und ein Vikarsgehalt aufzubringen," sagte Sonja Skupch. Dass diese für IERP-Verhältnisse große Anzahl an Vikaren ihren Dienst beginnt hängt auch damit zusammen, dass die über 50 Jahre existierende ökumenische Ausbildungsstätte ISEDET in Buenos Aires ihre Tore schließt. Das hatte sehr unterschiedliche Gründe. Leider führte an der Schließung kein Weg vorbei. Am 30. November ist für die Studierenden endgültig Schluss. Das ist ein Einschnitt auch im Leben der IERP. Fast alle Pfarrer wurde hier ausgebildet auf gutem theologischen Niveau. Wie es in Zukunft mit der Ausbildung weitergehen soll ist in Arbeit. Die Synode der IERP hatte vor Kurzem beschlossen, dass ab 2018 ein neues Ausbildungssystem gemeinsam mit der Waldenserkirche und der lutherischen Kirche beginnen soll. Er wird sehr wahrscheinlich eine virtuelle Ausbildung geben mit gewissen Präasenzzeiten pro Semester. Es gibt jedoch noch viele offene Fragen. Aktuell haben bei der IERP zwei Studierende ihr Studium aufgenommen - allerdings in Brasilien in Sao Leopoldo. Das ist sicherlich keine schlechte Alternative, denn hier gibt es eine gute theologische Ausbildungsstätte mit einer langen Tradition.  
Sonja Skupch ist auf jeden Fall dankbar, dass alle Vikare mit Talaren vom GAW ausgestattet wurden. Auf dem Besuch in der GAW-Zentrale hat sie drei Talare mit nach Argentinien genommen. Diese Talare wurden von pensionierten Pfarrern gestiftet mit der Bitte um Weitergabe in die Diaspora. Das werden wir auch weiterhin tun und laden ein, nicht mehr gebrachte Talare dem GAW zur Verfügung zu stellen.

Montag, 7. November 2016

Brief aus Aleppo: Wir warten darauf, dass die Welt nach Frieden schreit!

Pfarrer Haroutune Selimian lebt im von Regierungstruppen gehaltenen Westteil der Stadt Aleppo. Nicht nur im von Rebellen gehaltenen Osten der Stadt fallen Bomben, auch im Westteil leiden und sterben die Menschen. In einem Brief vom 6. November 2016 schildert Haroutune Selimian, was er erlebt: "Seit April dieses Jahres geht Aleppo durch die Hölle und es scheint immer schlimmer zu werden. Während ich diesen Brief schreibe, fallen ohne Unterbrechung Granaten in Wohngebiete, wo es nicht eine einzige Waffe gibt, die auf dem Ostteil der Stadt gerichtet ist. Das ist nicht erst seit heute so. Wir hatten schon zu viele Beerdigungen und wir haben schon zu viele Menschen verloren und fliehen sehen. Vor fünf Tagen hat das Granatenfeuer nicht für eine einzige Minute aufgehört. Wir haben die Schüler unserer Schulen nach Hause geschickt, weil auch die Schulen Zielscheibe waren. Mit Hilfe der Regierungen des Westen erhalten die 'Anti-Regierungstruppen' immer modernere Waffen, obwohl ihr Gebiet unter Belagerung steht. Wie kann das sein? Die aktuellsten Entwicklungen: Die Syrische Armee und Rebellengruppen haben sich am Sonntag schwere Kämpfe im Westteil Aleppos geliefert. 38 Zivilisten starben in zwei Tagen andauerndem Granatenfeuer im Westteil Aleppos, darunter 14 Kinder. 250 Zivilisten im Westteil Aleppos wurden in einem schweren, seit Freitagmorgen andauernden Bombardement durch Anti-Regierungstruppen zum Teil schwer verwundet. Dieses Trommelfeuer ist Teil einer Offensive der Rebellen, mit der die Belagerung des Ostteils Aleppos, wo noch immer 250.000 Zivilisten leben, durchbrochen werden soll. [...] Schätzungsweise 1.500 Kämpfer sind seit Freitag an dieser Offensive von Seiten der Rebellen beteiligt: Rebellen aus Aleppo, Verstärkungstruppen aus der der Provinz Idlib, unter ihnen auch Kämpfer der islamistischen Fateh al-Sham Front, vormals Al-Nusra-Front, die ihren Namen geändert hat, nachdem sie ihre Verbindungen zu Al-Qaida unterbrochen hat. [...] Wir warten darauf, dass die Welt endlich aufschreit - nach Frieden schreit für den Nahen Osten."

Freitag, 4. November 2016

Weißt du, wo der Himmel ist? - Informationen und Material zur GAW-Konfigabe 2017 jetzt online

"Weißt du, wo der Himmel ist?" - Unter diesem Motto steht die GAW-Konfigabe 2017. Sie unterstützt Projekte in Syrien und Bolivien: In Syrien fördern wir evangelische Schulen, damit Kinder und Jugendliche trotz des andauernden Krieges lernen können. In Bolivien unterstützen wir den Bau eines Gemeindehauses in Cochabamba. Dort finden Familien mit ihren Kindern, die vor Armut und Perspektivlosigkeit auf dem Lande in die Stadt geflohen sind, ein Halt und ein neues Zuhause.  

Alle Informationen zu den Projekten sind jetzt online verfügbar. Auf unserer Internetseite www.gustav-adolf-werk.de/konfigabe_material.html finden Sie neben Informationen auch Material zum herunterladen und ausdrucken sowie je einen kurzen Film zu jedem der beiden Projekte. Ebenfalls online: eine Arbeitshilfe zur Gestaltung einer Konfirmandenstunde zum Thema sowie Anregungen für einen von Konfirmanden gestalteten Gottesdienst. Über diesen Link und über jugendarbeit@gustav-adolf-werk.de können Sie auch Flyer, einen Brief an die Konfirmanden, Plakate, eine Material-CD, Konfirmationsurkunden sowie ein Heft mit Hintergrundinformationen zu Bolivien bestellen. 

Donnerstag, 3. November 2016

Spaltet das Wort Wiedervereinigung mehr, als dass es eint?

Bischof Siegfried Sander (ILCH) und
GAW-Generalsekretär Enno Haaks
"Das Thema Wiedervereinigung scheint in unseren lutherischen Kirchen mehr zu spalten als zu einen", berichtet Bischof Siegfried Sander von der Lutherischen Kirche in Chile (Iglesia Luterana de Chile - ILCH). "Was so paradox klingt, hat sich in den Kirchenstrukturen und bei vielen Menschen eingegraben und es zeigt sich, dass es auch nach über 40 Jahren der Kirchenspaltung der evangelischen-lutherischen Kirche es schwerer ist wieder zusammen zu kommen, als auseinander zu gehen." Dennoch - so Sander - sei es nach wie vor eine offene Wunde für den lutherischen Protestantismus in Chile, dass man trotz eines gemeinsamen Rates (CILCH) und trotz zahlreicher gemeinsamer Begegnungen, Pastorenkonferenzen und Kirchentagen noch nicht zusammengefunden hat. "Wie können wir glaubhaft in unserer Gesellschaft von der versöhnenden Kraft des Evangeliums sprechen, wenn wir selbst unversöhnt sind?", fragt er. 
Inzwischen hat seine Kirche, die ILCH, einem Verbindungsmodell zugestimmt, das vorsieht, eine föderalistische Struktur unter dem Namen "Iglesia Luterana Federada de Chile" (ILFECH) zu schaffen. Im Jahr des Refomrationsjubiläums 2017 entscheidet die Synode der zweiten lutherischen Kirche, der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Chile (Iglesia Evangélica Luterana de Chile - IELCH), ob sie diesem Modell zustimmen kann. Es sieht vor, dass im Zyklus von zwei Jahren der Bischof/die Bischöfin von einer der Kirchen gewählt wird. Der Laienpräsident oder die -präsidentin kommt von der jeweils anderen Kirche. Beide Synoden mit beiden Kirchenstrukturen bleiben unter dem einenden Dach weiter bestehen.
Dieses Modell birgt Chancen, aber auch zahlreiche Schwierigkeiten. Wesentlich ist, dass von beiden Kirchen Aufgaben und auch Macht delegiert wird und ein Prozess in Gang kommt, der zu einer wirklich vereinigten Kirche führen wird. Ob das gelingen wird, ist offen. 
Diese neue Struktur wurde von dem hauptamtlich angestellten Generalsekretär des Gemeinsamen Rates, Alexander Wilckens, erarbeitet. Sein Gehalt wurde bisher aus dem sog. "Missionsfonds" finanziert. Die Mittel dafür kamen von der EKD und aus dem GAW-Projektkatalog von 1987-1996. Der Fonds sollte den gemeinsamen Rat CILCH in seiner Arbeit unterstützen hin zu einer vereinigten Kirche. 2017 werden alle Mittel aus diesem Fonds ausgeschöpft sein. Ein Generalsekretär kann nicht mehr bezahlt werden . Das Verbindungsmodell benötigt jedoch eine Struktur, damit der gemeinsame Prozess weitergehen kann. 
Fraglich bleibt, wie Menschen, die gegen einen gemeinsamen Weg in beiden Kirchen sind, gewonnen werden können. Und ebenso fraglich ist, wie am Versöhnungsprozess beider Kirchen gemeinsam weitergearbeitet werden kann, damit es zu einer sichtbaren Einheit kommen kann. Die Versöhnung der beiden lutherischen Kirchen wäre ein deutliches Zeichen in die chilenische Gesellschaft, die selbst tief gespalten ist. Aber vielleicht ist diese gesellschaftliche Spaltung auch eines der Probleme, das sich in den beiden Kirche wiederspiegelt ... 
Das GAW unterstützt beide Kirchen und hofft, dass es gelingen möge, Diffenerenzen zu überwinden und zu einem gemeinsamen Weg zu finden. Es wäre an der Zeit!

Dienstag, 1. November 2016

Kirche muss lernen, dass sie Diaspora ist

Franz Lau
"Die Kirche muss es lernen, dass sie Diaspora ist, und die Diaspora, dass sie Kirche sein soll, nämlich Diaspora der Glaubenden mitten in einer Welt des Unglaubens. 

Zur Kirche werden im christlichen und biblischen Sinne des Wortes und zur Diaspora werden wieder nicht im vordergründigen, sondern im innerlichsten Sinne ist das Heil für die Kirche und für die Diaspora. 

Recht verstanden sind Kirche und Diaspora das gleiche. In dem Sinne, in dem das zutrifft, müssen Kirche und Diaspora das erst noch werden. Alle beide müssen sehen, das andere in sich zu verwirklichen, um im innersten eins zu sein. 

Diaspora muss sich als Kirche wissen und wollen und Kirche als Diaspora." 

(Prof. Franz Lau, ehemaliger Präsident des GAW von 1952-1971, in: Gustav-Adolf-Blatt, Juli 1956, S.5)

Freitag, 28. Oktober 2016

Betet für uns in Venezuela! Die Lage kann jederzeit explodieren!

Demonstration am 27. Oktober in Caracas
Venezuela steht vor den wirtschaftlichen und sozialen Kollaps. Bei allem hält die Regierung unter Präsident Nicolas Maduro an ihrem gescheiterten politischen und wirtschaftlichen Kurs fest. Der Regierungsclique und die obersten Militärs drohen bei einem Machtwechsel vor allem wegen Veruntreuung von Steuermitteln und illegaler Selbtsbereicherung juristische Konsequenzen. Deshalb klammern sie sich an die macht. Deshalb haben sie das Abberufungsreferendum der Opposition verhindert. Es gibt große Proteste und soziale Unruhen. Noch denkt die Regierung, dass ein Großteil der Bevölkerung hinter ihr steht auf Grund der vergangenen Wahlen, die noch ganz im Schatten des verstorbenen Präsidenten Chavez standen. Dialogbemühungen haben überhaupt nicht gefruchtet. Sollte wirklich kein politischer Ausweg gefunden werden, dann kann das für das Land katastrophale Folgen haben.  Die notleidende Bevölkerung ist jedenfalls auf dringende Hilfe angewiesen und auf notwendige Reformen. Der Hunger wird sie letztlich auf die Strasse treiben. Dem Land läuft die Zeit davon. Davon ist auch der lutherischen Kirchenpräsident Gerardo Hands überzeugt: "Betet für uns! Die Lage kann jederzeit explodieren. Am morgigen 29. Oktober wird es einen Generalstreik geben. Wir sind auf diakonische Hilfe angewiesen - auch um den Pfarrfamilien zu helfen. Denn sie müssen bei ihren Gemeinden bleiben. Die Gemeinden dürfen ihre Hirten nicht verlieren."
Das GAW wird den lutherischen Gemeinden und ihren diakonischen Projekten weiter helfen. Das ist geboten. Helfen Sie mit!