Dienstag, 30. Juni 2015

Ein Gebet für die Diaspora

Gottesdienst der lutherischen Gemeinde
in Torre Annunciata/Italien
Herr Jesus Christus, wenn die Sonne bei uns aufgeht, feiern Christen in Sibirien und Kirgisistan schon längst Gottesdienst. 
Wenn die Sonne bei uns untergeht, brechen sie in Montevideo Brot und teilen in Santiago den Wein. 
Ein Tag in deinem Namen. Deine Auferstehung feiern wir. Dein Wort hören wir. Dein Gebet sprechen wir in vielen Sprachen und Klängen. Dein Lob singen wir mit unseren Stimmen, in Tönen von Orgel und Gitarre. 
Die ganze Ökumene strahlt in deinem Licht. Eine Gemeinde gibt der andern die Hand, keine ist allein, keine zu klein in ihrer Minderheit. Alle sind sie jetzt mit hier in unserer Kirche, aus der Diaspora über alle Erdteile verbunden, verbunden mit uns und mit denen, die hier gelebt und gewirkt haben. 
Himmel und Erde berühren sich. Wir danken dir für deinen Tag, für allen Segen, den du in ihn legst. Amen (Dekan Elsässer)

Montag, 29. Juni 2015

Talarspende für Argentinien

Nicolás Rodendahl (re)
Vor Kurzem spendete ein emeritierter Pfarrer einen Talar zur Weitergabe in die Diaspora. Er hatte ihn selbst in seinem pfarramtlichen Dienst getragen - in Deutschland und in Argentinien. Er war Pfarrer für einige Jahre in Paraguay in einer Gemeinde der Iglesia Evangelica del Rio de la Plata (IERP). "Ich würde mich freuen, wenn der Talar in diese Region gehen könnte!" schrieb er ans GAW.
Das haben wir möglich gemacht! Auf dem Kirchentag in Stuttgart haben wir den Talar dem Diakonievorsitzenden der IERP Nicolás Rosendahl mitgeben können. Und jetzt erreicht uns folgende Nachricht der Generalsekretärin der IERP Pfarrerin Sonja Skupch: "Ich möchte mich ganz herzlich für den wunderschönen Talar und die Bäffchen bedanken, die ihr Nicolás mitgegeben habt. Wir werden voraussichtlich mehrere Vikare in der nächsten Zeit haben. Der Talar ist deshalb für uns von großem Nutzen ist. Auch finde ich es immer schön wenn ein Vikar ein Talar bekommt, der schon eine ganze Pfarramtsgeschichte hinter sich hat. Vielen Dank!"
Das GAW vermittelt gerne gebrauchte Talare in die Diaspora! 


Donnerstag, 25. Juni 2015

Sorge um die Zukunft der lutherischen Kirche in Usbekistan

Der überraschende Tod von Bischof Wiebe in dieser Woche in Taschkent war für die kleine lutherische Kirche ein Schock. Überhaupt war es nicht leicht, lutherischen Glauben in Usbekistan zu leben. Bischof Wiebe hatte sich immer wieder um einen Dialog mit der muslimischen Mehrheitsgesellschaft gekümmert. Die Abwanderung lutherischer Christen ließ die Kirche sehr schrumpfen. In den vergangenen Jahren mussten mehrere kleine Gemeinde geschlossen werden. Übrig geblieben sind als größte Gemeinde Taschkent mit ca. 80 Gemeindemitgliedern und in Fergana mit ca 40 Mitgliedern. Derzeit werden die Gottesdienste durch Lesepredigten gehalten. Einen weiteren Pfarrer gibt es in der Kirche nicht. Wie die weitere geistliche Versorgung erfolgen soll wird im Gespräch mit den leitenden geistlichen in Kasachstan Bischof Novgorodov und in Kirgistan Bischof Eichholz geklärt. Auch die Vertreter des GAW aus Hessen-Nassau - Partner der lutherischen Kirche in Usbekistan - werden versuchen, helfend zur Seite zu stehen.

Montag, 22. Juni 2015

Was ist wirklich wichtig? Warum regt das Thema Homosexualität so auf?

Gestern Abend habe ich dann doch gestaunt: Wenige Stunden zuvor teilte ich auf der GAW-Facebookseite die Nachricht, dass die Vereinigte Protestantische Kirche in Belgien ab sofort homosexuelle Pastoren akzeptieren wird. Schon 2007 hatte die Kirche die Segnung homosexueller Paare eingeführt.
Schon nach kurzer Zeit wurde deutlich, wie groß das Interesse an dieser Nachricht war. An die 900 Menschen hatten sich für das Thema interessiert. Am Montag waren es schon an die 1.300 Personen. Es gab zwei ablehnende Kommentare. Diese Nachricht regt scheinbar an und auf.
Wenige Tage vorher berichteten wir auf der gleichen Facebookseite über die immense Not in der umkämpften syrischen Stadt Aleppo und den lebenswichtigen Einsatz der reformierten-armenischen Kirche für Menschen in existenzieller Not. Bis heute haben sich dagegen nur knapp über 250 Menschen für dieses Thema interessiert.
Ich möchte in keiner Weise diese so unterschiedlichen Themen miteinander vergleichen. Jedoch wundert mich die Wertigkeit der Wahrnehmung. In Aleppo geht es um den Überlebenskampf von Menschen und unsere Solidarität mit ihnen. Bei der Frage zur Homosexualität geht es um Liebe und Treue zwischen Menschen, die miteinander leben wollen - und unsere Akzeptanz, dass jeder Mensch Anspruch auf Respektierung seiner Würde und Identität hat. Es geht dabei um einen kleinen Teil derer, die eine gleichgeschlechtliche Orientierung haben. Neueren Schätzungen zufolge ist bei 1-3% der Frauen und 4-5% der Männer eine homosexuelle Orientierung vorhanden und gehört zu ihrer Persönlichkeitsstruktur und ist Teil ihrer ganzheitlichen personalen Identität. 
Es gilt, bei diesem Thema - auch wenn es emotional besetzt ist - nüchtern zu bleiben. Und - es geht darum zu fragen, was wirklich wichtig ist. Der Prophet Micha gibt da einen guten Rat: auf Gottes Wort hören, Liebe üben und demütig sein vor unserem Gott. - Pfarrer Enno Haaks



Ökumenische Fürbittgebet aus Argentinien, Paraguay und Uruguay

 In dieser Woche blickt das Ökumenische Fürbittgebet in die La Plata Region. Mit der IERP (Iglesia Evangélica del Rio de La Plata) und der Waldenserkirche am La Plata hat das GAW in der Region zwei Partnerkirchen.

Anregungen für Dank und Fürbitte
Wir danken für:
- die Laien, die Mitglieder der örtlichen Glaubensgemeinschaften sind, für Mitglieder der Kirchenleitungen, die sich verlässlich ihrer Gemeinden annehmen und für die, die Pastorinnen und Pastoren ausbilden und unterrichten.
- die Komponisten und Dichterinnen, die den Kirchen dieser Länder und der Christenheit in der ganzen Welt neue Lieder geschenkt haben.
Ev. Kirche in Urdinarrain (Argentinien)
- Bischöfe und Kirchenpräsidenten, Pastorinnen und Pastoren, die sich mutig für ihre Gemeinden einsetzen.

Wir bitten um für:
- die Familien und Freunde all derer, die in Argentinien und Uruguay ermordet wurden oder verschwunden sind während der Diktaturen.
- die Regierenden in Paraguay, die versuchen, die Korruption abzuschaffen, und alle die vor Gericht bringen, die ihre Macht missbraucht haben.
- die, die in Armut leben und um ihr tägliches Brot kämpfen müssen, die ohne Geborgenheit, Sicherheit und Obdach leben.
- die, die weit weg von ihren Familien und ihrer Heimat leben müssen, um genug Geld zum Unterhalt ihrer Familien zu verdienen.

Gebete

Glaubensbekenntnis an den Pilgergott

Wir glauben an einen Pilgergott,
der Grenzen, Schranken und Barrieren überwindet,
der seine Größe hinter sich lässt und uns auf dem Weg begegnet,
und sich uns vorstellt, indem er uns die Hand reicht:
"Ich bin der Herr, dein Gott, der für dich sorgt, ich geh mit dir."

Wir glauben an Jesus Christus, der über unsere Erde ging,
der ohne Obdach zur Welt kam, der keinen Platz fand, 
Wanderer und Pilger, schon als Kind verfolgt,
der den Menschen Gerechtigkeit offenbarte und Frieden schenkte,
der sein Leben aufs Spiel setzte bis zum Tode selbst.

Wir glauben an den Geist, der uns formt und uns abschleift,
durch starken Wind und Sand,
und der uns Mut gibt, Zeugnis zu geben
von der unermesslichen Gnade Gottes. (Margarita Ouwerkerk, Argentinien)

Gott des Lebens,
du hast in den Menschen
die Spur deines Ebenbildes und deiner Gestalt hinterlassen
und hast uns zum Teil deiner Schöpfung gemacht.
Vergib uns unsere Unfähigkeit,
das Leben in all seinen Formen zu respektieren und zu schützen.
Gott der Gerechtigkeit,
du rufst uns auf, diesen Weg zu gehen,
der der einzige Weg ist, der zu wahrem Frieden führt.
Vergib uns unsere täglichen ungerechten Taten,
die viele, viele Menschen zum Tod
durch Hunger, Vernachlässigung und Krieg verurteilen,
und uns in den Abgrund endloser Gewalt führen.
Gott, der in der Geschichte Menschgewordene,
vergib uns, denn wir halten dich in unseren Dogmen gefangen,
begrenzen dich auf unsere religiösen Institutionen
und kreuzigen dich neben den Schutzlosen unserer Zeit.
O Gott, stärke uns in unserem täglichen Einsatz für eine gerechte Welt,
in dem wir die Verschiedenheit annehmen,
die in der Vielfalt des Lebens begründet sind.
Erneuere unsere Verpflichtung zu einem Frieden mit Gerechtigkeit,
einer Verpflichtung, die die Arroganz derer anprangert,
die glauben, dass sie in ihrer Macht das Leben aller anderen besitzen.
Gib uns den Weitblick, Gewalt in jeglicher Form zu verbannen.
Mache Respekt, Gleichheit, Wahrheit und Gerechtigkeit
zum Grundstock unseres Lebens
und des Lebens deines Volkes.
(Bischöfin Nelly Ritchie, Buenos Aires, Argentinien)

Mittwoch, 17. Juni 2015

Leben zwischen Angst und Hoffnung - Hilfe für evangelische Christen in Syrien

Aleppo war einst das industrielle Zentrum Syriens. Davon ist nichts mehr übrig. Tausende Häuser sind zerstört. Die weltberühmte Altstadt liegt in Trümmern. Die Zahl der dringend hilfsbedürftigen Bewohner Aleppos ist auf 80 % gestiegen. Die Verarmung ist enorm. Besonders die Kinder leiden. Es treten dramatische Fälle von Unterernährung auf. Die Lage ist heikel und angespannt. Allein am 15. Juni sollen 14 Menschen durch die Kämpfe und Fassbomben ums Leben gekommen sein. Über 100 wurden verletzt. Und das an nur einem Tag … - Die jüngsten Zerstörungen haben zum Zusammenbruch der gesamten Wasserversorgung der Stadt geführt. Es ist dramatisch.
„Danke, dass Ihr uns nicht vergesst“, schreibt via Facebook Pfarrer Haroutune Selimian von der armenisch-reformierten Kirchengemeinde in Aleppo. Sie liegt in einem Gebiet Aleppos, das als einigermaßen gesichert gilt. Aber was ist sicher in Syrien? „Die Menschen haben Angst, dass der IS in unser Gebiet vordringt“, fährt Haroutune fort. „Derzeit gibt es wirklich keinen Strom und kein Wasser. Wir sorgen mit Hilfe von Wassertanks für die Versorgung der Menschen in unserer Nachbarschaft. Das ist uns gelungen mit Hilfe eines Brunnens, den wir im Kirchhof gegraben haben.“  Und dann schreibt er eindringlich: „Betet für uns! Vergesst uns nicht! Wir wollen hier bleiben. Das ist unsere Heimat.“
Das GAW sammelt Spenden in einen Nothilfefonds für verfolgte und bedrängte Christen. Aus diesem Fonds wurde in den vergangenen Jahren regelmäßig Soforthilfe für evangelische Gemeinden in Syrien geleistet: für Lebensmittelpakete, für die Schulen der Gemeinden, für Medikamente usw. Spenden Sie für unseren Nothilfefonds, damit wir auf Notrufe aus Syrien weiterhin sofort reagieren können! Spendenkonto: 
https://www.facebook.com/gustav.adolf.werk/app_190322544333196


KD-Bank - Stichwort: Syrien - Wasserhilfe

Konto: 44 99 11

BLZ: 350 601 90
IBAN: DE42 3506 0190 0000 4499 11
BIC: GENODED1DKD


Dienstag, 16. Juni 2015

Mit den ukrainischen Bischöfen im Gespräch


Pfarrer Markus Merz, Referent bei der GEKE, gelang es auf dem Kirchentag in Stuttgart mit den Bischöfen der beiden evangelischen Partnerkirchen aus der Ukraine ein Gespräch zu führen. Er berichtet:"Da haben die Gründungsväter der Leuenberger Konkordie der „Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa“ (GEKE) eine echte Herausforderung ins Stammbuch geschrieben: Zur Verwirklichung der Einheit in aller Verschiedenheit geht es um „eine möglichst große Gemeinsamkeit in Zeugnis und Dienst an der Welt.“ (LK 29). Wie also lässt sich Kirchengemeinschaft im Alltag verwirklichen und wie kann es auch in Krisensituationen gelingen, „für irdische Gerechtigkeit und Frieden zwischen den einzel­nen Menschen und unter den Völkern“ einzutreten? (LK 11).
Auf dem 35. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Stuttgart im Juni 2016 hat sich die GEKE dieser Grundsatzfrage gestellt und zu einem Gespräch mit Bischof Sandor Zán Fabian und Bischof Serge Maschewski zum Thema „Kirche im Ukraine-Konflikt – Was trägt in der Krise?“ eingeladen. Die beiden Bischöfe sind um die 40, haben Familie und Kinder und haben sich einander bisher noch nicht getroffen. Auf dem Kirchentag be­gegnen sie sich zum ersten Mal und sprechen über ihren Ort und ihre Rolle als Bischöfe. 
Sandor Zán Fabian trägt schon seit einigen Jahren die Verant­wortung als Bischof in der ungarisch-reformierten Kirche in der Karpaten-Ukraine, einer Verwaltungs­einheit der Ukraine an die Slowakei, Ungarn und Rumänien angrenzend. Weit über 100.000 Mitglieder zählt die Kirche und versteht sich in konfessioneller wie in ethnischer Hinsicht als „doppelte Minderheit“ – was mitunter auch heißen kann, zwischen allen Stühlen zu sitzen.
Serge Maschewski hat im vergangenen Jahr das Bischofsamt der Deutschen Evangelisch-Luther­ischen Kirche in der Ukraine mit Sitz in Odessa übernommen. Er selbst lebte neben Kasachstan, wo er geboren ist, auch in den USA und in Deutschland und ist nun der erste Bischof seiner Kirche, der nicht von außen entsandt wurde. Die kleine lutherische Kirche mit 25 Gemeinden – im Westen und im Osten des Landes und auf der Krim - zählt etwa 12.000 Mitglieder.
Der westlich informierte Mensch hat ja die Neigung Klartext reden zu wollen: Was macht Ihr? Wie lebt es sich in einem Land inmitten eines Krieges? Doch lässt sich davon im Gespräch mit den Bischöfen wenig hören. Von Politik sprechen sie nicht. Allein im Spiegel der konkreten Erfahrungen im Alltag ihrer Gemeinden sprechen sie über ihr Land: Von den drückenden wirtschaftlichen Nöten und von den Männern, die Zuhause fehlen, von den Wegen, die unpassierbar geworden sind und von den Schulen, die geschlossen sind, von den Spannungen in den Gemeinden und von der großen Sehnsucht nach Ruhe – letztlich nach Frieden.
Die evangelischen Kirchen in der Ukraine entfalten dabei eine große zivilgesellschaftliche Kraft. Da werden von reformierten Gemeinden kommunale Dienste übernommen, um Hunger abzuwenden und ein Backofen wird zum Ausgangspunkt diakonischer Fürsorge für eine ganze Region. Da ist es letztlich die Kirche vor Ort, die die örtliche Feuerwehr und andere gesellschaftliche Aufgaben organisiert. Da sind es insbesondere die Gemeinden, in denen Flüchtlinge und Waisen aufgenommen werden. „Wir betrachten uns als Gliedkirche der einen ungarischen Kirche, in der es letztlich nie zu einer Spaltung kam“ – sagt Bischof Zán Fabian für seine Kirche. Seit 2009 verstehen sich die ehemals vor 1920 im König­reich Ungarn vereinten Teile wieder als eine Kircheneinheit. Die ungarischen Partner stehen den Schwestern und Brüder eng zur Seite; so wird beispielsweise für junge Männer, die kurz vor der Rekrutierung stehen, Ungarn zu einem wichtigen Rückzugsort; auch wird für diakonische Aufgaben Geld gesammelt. „Kirche wird durch die Diakonie als Kirche erkannt“, unterstreicht dazu Balász Odor, Ökumene­referent der Reformierten in Ungarn.
Für die lutherischen Gemeinden war es insbesondere der Bezug zur Evangelischen Lutherischen Kirche in Bayern, durch den kirchliches Leben wieder möglich wurde. Die „bischöflichen Visitatoren“ kamen in den letzten Jahrzehnten aus Bayern. Auch ermöglichte es die bayerische Landeskirche jungen bayerischen Pfarrern, während der ersten Amtsjahre ihren Pfarrdienst in der Ukraine zu leisten. Nun bemüht sich die junge Kirche umso mehr um Eigenständigkeit und darum, als eigener ökumenischer Partner im Land wahrgenommen zu werden. Eine Brücke zum Frieden wollen sie auch für andere Konfessionen werden.
„Welche Akteure in der Ukraine haben die Kraft, Menschen zusammenzubringen und zum Frieden beizutragen?“ Auf diese Frage lässt sich in aller Deutlichkeit antworten: Es sind im Besonderen Minderheits­kirchen wie die der Reformierten oder der Lutheraner. Wenn die ungarisch-reformierte Kirche in der Ukraine zum Gemeindetag unter dem biblischen Leitwort aus Jesaja 42 einlädt: „Ich will meine Ehre keinem Andern geben“ – dann ist dies eine mutige, gar prophetische Zeitansage der Kirche an die Gesellschaft, in der sie lebt. Eine Ahnung der zweiten These der Barmer Theolo­gischen Erklärung kommt auf, nach der es keine Bereiche des Lebens geben darf, „in denen wir nicht Jesus Christus, sondern anderen Herren zu eigen wären.“ Das alles erlangt derzeit in der Ukraine eine bedrohliche Aktualität. Die Armut und die Not, in Loyalitätskonflikten zerrissen zu werden, lässt die beiden Bischöfe die Mitte ihres Auftrags suchen. Diesen finden sie in der Berufung, die sie durch Gott erfahren, die Gemeinden zusammenhalten. Sie wollen dabei verheißungsorientiert auf Gott schauen und suchen dabei in einem zweiten Schritt ihre gesellschaftliche Rolle.
Will Bischof Maschewski seine lutherischen Gemeinden in der Ostukraine aufsuchen, ist das durchaus möglich und zugleich eine Unternehmung, die viele Tage dauert. „Die Leute sind müde geworden“ – stellt er fest. Der Krieg und die Unsicherheit machen mürbe. Zugleich stellt sich für ihn auch Grund zur Erleichterung: Er ist dankbar, dass durch die Unterstützung der bayrischen Partnerkirche administrative Hürden zur Krim einfacher wurden und dass durch eine Vereinbarung mit der russischen evangelischen Partnerkirche eine Vereinbarung zur Nutzung der Immobilen auf der Krim viel rechtlichen Druck herausnehmen konnte. Auch stellt Serge Maschewski fest, dass manche Gemeinden die noch vor einem Jahr unter einer großen Spannung standen, nicht zerbrochen sind. Die zugewachsenen neuen Aufgaben beispielsweise für Flüchtlinge haben russisch und ukrainisch ausgerichtete Gemeindeteile zusammenhalten lassen. „Die Krise hat die Kirche konsolidiert“, erkennt er erleichtert. Durch die Hinwendung zu einer gemeinsamen, verbindenden diakonischen Aufgabe ließ sich die Einheit wahren. Beide Bischöfe können von einigen Lichtblicken und Hoffnungszeichen aus Ihrem Land erzählen.
„Wo sind nun die Fettnäpfchen, auf die Menschen von außerhalb achten sollten?“ – gibt es etwas, was der von außen Kommende gerade nicht tun soll? Die Antwort führt in eine andere Richtung: Es ist das Gebet, um das die Bischöfe bitten, die Fürbitte für den Frieden in ihrem Land. Und es ist der Wunsch, den Geschichten zuzuhören, die sie erzählen. Beten und zuhören – und nicht vorschnell urteilen oder gut gemeinte Ratschläge geben. Dann stellt sich die Frage der Fettnäpfchen und Tabus von vorneherein nicht, denn als Partner und Freunde sind sich dann alle einander nahe. Natürlich sind die Kirchen auch auf finanzielle Unterstützung angewiesen und sie suchen Förderer und Sponsoren. „Doch Gott allein weiß, was sie brauchen“ – damit sie nicht unter die Räder kommen. Wieder so ein kirchliches Understatement, von dem man nur lernen kann. Verstehen wird es, wer sich angesprochen weiß. Und verstehen wird es der umso mehr, der erkennt, dass Kirchengemeinschaft mehr ist als die Übereinkunft in theologischen Fragen. Die beiden Bischöfe wollen sich bald wieder treffen und sie wollen sich künftig noch mehr über ihren Dienst und ihr Zeugnis in ihrem Land austauschen. Der Anfang ist gesetzt.

Ökumenisches Fürbittgebet aus Brasilien

Im lutherischen Zentrum in Ceilandia (Brasilien)
Das ökumenische Fürbittgebet kommt in dieser Woche aus Brasilien. Die IECLB (Evangelische Lutherische Kirche) ist eine sehr wichtige Partnerkirche des GAW.

Anregungen zu Dank und Fürbitte

Wir danken für:
- die Stärke der Kirche in Brasilien
- die, die das Evangelium auf den Straßen und in den Favelas, den Elendsvierteln verkünden.
- alle, die sich für die Befreiung der Menschen und für soziale, politische und ökonomische Gerechtigkeit einsetzen.
- die Schönheit und natürliche Vielfalt des amazonischen Regenwaldes – für Papageien und bedrohte Tiere, wie das Goldkopf-Löwenäffchen.
- den Karneval, wenn Reich und Arm zusammen tanzen.

Wir bitten um/ für:
- ein wachsendes Miteinander der Kirchen in Brasilien.
- die indigenen Völker, die hier seit vielen tausend Jahren gelebt haben, deren Lebensweise jedoch bedroht ist oder im Namen von Fortschritt und Habgier schon zerstört wurde.
- die Hunderttausende von Kindern, die gezwungen sind, auf den Straßen zu leben und zu arbeiten, dass sie deine Fürsorge und Liebe kennenlernen mögen.
- ein Ende der politischen Gewalt, Folter und Brutalität der Polizei und anderen, die eigentlich mit dem Wohlergehen und der Sicherheit der Menschen beauftragt sind.
- die landlosen Bauern, die es sehr schwer haben, für sich und ihre Kinder den Lebensunterhalt zu verdienen.
- die Respektierung der Menschenrechte, so dass niemand einem anderen die Grundfreiheiten ohne Bestrafung absprechen kann.
Gebete

Gebet
Gott, unser Reisebegleiter
Gott, der du dich mit uns auf den Weg begibst,
Lebenserhalter, Quelle des Lebens,
du bist kein Gott, der vor uns her geht,
wie ein General, wie ein Held,
du verteilst auch keine Preise an die, 
die mutig und voller Energie losrennen.
Ich habe deine Stimme auf dem Weg gehört.
Sie ermutigt uns, nicht innezuhalten,
sie überredet uns, unseren Weg weiter zu gehen.
Du bist ein Gott, der überall gegenwärtig ist.
Du lässt dich an allen Orten finden.
Du bist vor und hinter uns,
wenn der Weg am längsten
und die Müdigkeit am größten ist.
Du bist nicht nur der Gott der Stärksten,
derer, die ein wohlhabendes Leben führen.
Möge unsere wankende Stärke sich in Kraft wandeln, 
um vorwärts zu gehen.
Voller Freude gehen wir mit dir auf dem Weg weiter,
eine leichte Brise treibt uns an,
unsere Schritte werden leichter,
- ja wir können sogar singen beim Gehen. (Simei Monteiro)

Montag, 15. Juni 2015

Böhmische Brüder setzen sich für Flüchtlinge ein

Der Lutherische Weltbund berichtet über die Hilfsmassnahmen der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder in Tschechien:

"Anfang des Jahres erhielt eine Gruppe von 70 syrischen Flüchtlingen Asyl in der Tschechischen Republik. Die ursprüngliche Entscheidung der Regierung, das Asyl mit der Begründung abzulehnen, die kranken Kinder und ihre Familien stellten ein Sicherheitsrisiko dar, hatte in der Bevölkerung einen Aufschrei der Empörung hervorgerufen. Zu den Protestaktionen gehörte ein offener Brief der Synode der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder (EKBB), einer Mitgliedkirche des Lutherischen Weltbundes (LWB).
In unserem Gespräch erklärt der EKBB-Synodalsenior Pfr. Joel Ruml die Gründe der Kirche, sich intensiv um MigrantInnen und Flüchtlinge zu kümmern, und setzt sich für eine Gesellschaft ein, die offener auf Menschen in Not zugeht.

Was hat Ihre Kirche im letzten Dezember veranlasst, einen offenen Brief an den Premierminister und den Innenminister der Tschechischen Republik zu schreiben?

In unserem offenen Brief an die Regierung hat der Synodalrat der EKBB auf die damalige Situation in der Tschechischen Republik reagiert. Die Regierung unseres Landes zeigte sich völlig unberührt von der Situation der Menschen, die unter einem brutalen Regime gelitten haben und immer noch leiden. Wir sind nach wie vor der Meinung, dass unsere Regierung diesen Menschen umfassend helfen musste und muss, denn wir waren selbst schon einmal in einer ähnlichen Lage. Als wir noch kommunistisch regiert wurden, haben viele Länder (die meisten aus Westeuropa) unseren BürgerInnen geholfen, die frühere Tschechoslowakei zu verlassen, auch wenn diese natürlich nicht so gelitten haben wie jetzt die Menschen im Nahen Osten.

Wie war Ihre Reaktion auf das Asyl für die 70 Syrerinnen und Syrer – was das aus Ihrer Sicht genug?

Wir haben gesagt, na endlich! Wir meinen, dass dies ein erster Schritt war, und erwarten weitere Aktionen, um beständig neue Möglichkeiten für die Unterstützung von Kindern und ihren Familien zu finden. Die Regierung hat jetzt damit angefangen, entsprechende Strukturen für diese Hilfen aufzubauen. Das geht alles nur langsam voran. Wir beobachten diese Entwicklung deshalb ganz genau, und wir ermutigen Menschen, selbst neue Erfahrungen durch die Auseinandersetzung mit Menschen anderer Kulturen und Religionen zu sammeln. Das ist nicht nur für die MigrantInnen und Flüchtlinge wichtig, sondern auch für uns. 

Gibt es in der örtlichen Diakoniearbeit der EKBB eine direkte Unterstützung der MigrantInnen und Flüchtlinge?

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern gibt es in der Tschechischen Republik nicht so viele MigrantInnen und Flüchtlinge. Aber viele der MigrantInnen, die hier geblieben sind und den Wunsch haben, sich in die tschechische Gesellschaft zu integrieren, werden von den Kirchen und ihren diakonischen Diensten unterstützt. Die örtlichen Gemeinschaften der EKBB helfen Menschen, die aus Weissrussland, Myanmar, Pakistan, der Ukraine und anderen Ländern gekommen sind.

Mit welcher Begründung hilft die EKBB Flüchtlingen und Vertriebenen?

Die Antwort ist ganz einfach. Zunächst gebietet das nicht nur das Evangelium, sondern auch das Alte Testament. Zum Zweiten gibt es historische Erfahrungen in unserem Land – auch unseren BürgerInnen wurde geholfen, und mehr als eine halbe Million Tschechen und Tschechinnen konnten überall auf der Welt in demokratische Länder integriert werden. Wir sollten jetzt zurückgeben, was wir bekommen haben. Die Menschen leiden heute stärker als die tschechische Bevölkerung vor 30 Jahren. Zum Dritten muss unsere Gesellschaft Menschen in Not offener begegnen. Das ist nicht nur theoretisch möglich, denn es gibt diese Möglichkeit auch in praktischen Erfahrungen und in Form des persönlichen Engagements. Und zum Vierten können wir von den vielen Erfahrungen und Methoden in anderen Ländern lernen. Unsere Hilfe sollte deshalb inzwischen effektiver sein.

Das Diakoniebüro der EKBB hat die humanitären Aktionen des LWB für syrische Flüchtlinge in Jordanien mit finanzieller Hilfe des tschechischen Aussenministeriums unterstützt. Ein Brief aus dem Jahre 2013, in dem der LWB die Partnerschaft der Kirche anerkennt, beschreibt diese Unterstützung als „schönen Beweis internationaler Solidarität, die die Arbeit des LWB-Weltdienstes von Anfang an charakterisiert hat.“

Freitag, 12. Juni 2015

Freizeitzentrum in Paraguay ist erneuert und saniert

Freizeitzentrum - neu
vorher - alt
"Im Juni konnten wir die Erweiterung und Renovierung unseres Freizeitzentrum in Santa Rosa de Monday beenden", schreibt Pastor Armando Weiss. "Wir sind dem GAW sehr dankbar für die Unterstützung. Es ist geglückt, fast das gesamte Vorhaben zu beenden. Dabei war die Unterstützung des GAW eine sehr große Motivation, eigene Mittel einzuwerben. Jetzt können wir auf dem Gelände unsere geplanten Aktivitäten und Freizeiten durchführen. Wir würden uns sehr freuen, wenn jemand vom GAW uns bald besuchen kommt, damit wir ihm oder ihr das Geschaffte zeigen können!"
Die Gemeinde in Santa Rosa del Monday geht zurück auf die Einwanderung von Deutschbrasilianern aus dem Süden Brasiliens und von Russlanddeutschen Anfang der 1970er Jahre. Es wurde nach neuen Lebensgrundlagen gesucht, die man in Paraguay erwartete. Die Wahrung der lutherischen Identität spielte für sie eine große Rolle. Deshalb besuchte zunächst ein brasilianischer Pfarrer die Gemeinde. Seit 1979 ist die Gemeinde offiziell registriert und Teil der Evangelischen Kirche am La Plate (IERP) und Zentrum für die Protestanten der Region. Insgesamt gehören 350 Familien in vier Filialgemeinden zu ihr.
Gottesdienst im Zentrum
Das jetzt renovierte und erweiterte Freizeitzentrum soll der inneren Stärkung der Gemeinde dienen - inbesondere für Familien und Jugendliche zugängig sein. Das Zentrum ist ökumenisch ausgerichtet und offen für die katholische Gemeinde, zu der es gute Kontakte gibt. Es gibt Anfragen und großes Interesse an diesem Zentrum, da es in der Region wenige Alternativen gibt. Auch für die IERP ist das Zentrum von großem Interesse.
Es gibt einen großen Saal und verschiedene Gebäude zum Übernachten. Insgesamt finden  in diesem Zentrum 90 Personen Platz.
Im Projketkatalog 2012 wurde dieses Zentrum der IERP (Iglesia Evangélica del Rio de la PLata) in Paraguay mit 7.500 Euro unterstützt. Allen Spendern sei auf diesem Wege gedankt!

Donnerstag, 11. Juni 2015

"Nehmt euch der Nöte der Heiligen an!"

Dr. Wilhelm Hüffmeier, Präsident des GAW
"Im GAW wissen wir davon zu erzählen, wie Gemeinden sich sputen und im Geist brennen. Und wir selber praktizieren den Imperativ "Nehmt euch der Nöte der Heiligen an" mit unserer Hilfe für die evangelische Diaspora, sei es im fernen Kirgisistan, sei es in Syrien, sei es in Brasilien. Im zentralasiatischen Bischkek ist es die Hilfe für ein im Winter abgebranntes Bethaus, in Syrien die Unterstützung verbliebener Christen in Homs und Aleppo in ihrer Schul- und Klinikarbeit, in Brasilien etwa die Sanierung der Küche der Kindertagesstätte "Cantinho do Girassol" in Ceilandia bei Brasilia. Und dann erfahren wir zwei Dinge: Die allerherzlichste Gastfreundschaft, auf die sich nicht nur die Kirchentagsgastgeber vorzüglich verstehen, sondern eben auch die Diasporagemeinden. Und wir erfahren, wie sich das anfühlt: Fröhlich zu sein in Hoffnung, geduldig in Not und Trübsal, beharrlich im Gebet." - Diese Worte sprach Dr. Wilhelm Hüffmeier, Präsident des GAW, in seiner Predigt auf dem 35. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Stuttgart. Die gesamte Predigt ist zu finden unter:

Montag, 8. Juni 2015

Nicht bange machen lassen!

Es ist kein Makel, wenn evangelische Kirchen kleiner werden. "Aber wir sollten uns nicht von einer Diasporaromantik, von einer fragwürdigen Liebe zur kleinen Zahl leiten lassen. Wichtig erscheint mir, dort, wo wir in unseren Kirchen Mitverantwortung tragen, in den eher volkskirchlich-mehrheitlichen oder in den eher kleinen minderheitskirchlichen Verhältnissen, die geistliche Entwicklung der Kirche zu ihrer Diasporaqualität zu fördern: zu einer Kirche, die ihr Fremdsein bejaht, die ein selbstbewusstes Christsein ermöglicht, die überzeugende Gestaltungen des Glaubens anbietet und die einen lebensbezogenen Glauben verkündigt. Dann muss uns nicht bange sein um die Kirche, sei es eine große und mächtige oder eine kleine und bescheidene Institution." (Prof. Wolfgang Ratzmann, in "Die Evangelische Diaspora, Jg. 71, 2002, S. 92f)

Dienstag, 2. Juni 2015

Evangelisch heißt frei und fröhlich sein

Gottfried Brakemeier
"Evangelisch sein ist nicht leicht in der heutigen Welt. Das gilt für das Christsein überhaupt. Es gehört nicht mehr zu den gesellschaftlichen Selbstverständlichkeiten. Aber wann wäre Christsein jemals leicht gewesen? Schließlich ist Kirche die Gemeinde des Gekreuzigten. Sie ist der Liebe verpflichtet, der Solidarität, den Rechten Gottes in dieser Welt. Das war noch nie ein lukratives Geschäft. Und doch lebt die Menschheit gerade davon, dass nicht Gewinn, sondern Gnade das tragende Fundament ist. Evangelisch-lutherische Kirche hat die Aufgabe, den Menschen dies stets neu ins Gedächtnis zu rufen und sie dadurch frei und fröhlich zu machen." (Gottfried Brakemeier, EvDia 69. Jg., S.80; 


Gottfried Brakemeier war Dozent für Neues Testament in São Leopoldo, ehe er von 1985 bis 1994 Präsident der Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (IECLB) wurde .Ab 1995 wurde er erneut Dozent für Systematische Theologie und Ökumene wiederum in São Leopoldo.
Emeritiert wurde er im Jahre 2003. Er war zudem Präsident des brasilianischen Nationalen Kirchenrates von 1986-1990 und Präsident des Lutherischen Weltbundes von 1990 bis 1997.

Montag, 1. Juni 2015

"Die Lage in Griechenland ist bedrückend"

Rev. Meletis Meletiadis
Besuch bekam die GAW Geschäftsstelle in Stuttgart von Rev. Meletis Meletiadis von der Griechischen Evangelischen Kirche - wie epd berichtet:
Die wirtschaftliche Lage vor allem in den Provinzen Griechenlands verschlechtert sich laut dem Präsidenten der griechisch-evangelischen Kirche, Meletios Meletiadis, zusehends. „Viele Geschäfte schließen, die Arbeitsmöglichkeiten schränken sich immer weiter ein“, sagte er dem epd am Rande seines Besuchs beim Gustav-Adolf-Werk in Stuttgart. Viele Menschen seien deshalb gezwungen, Arbeit im Ausland zu suchen. „In den letzten Jahren wanderte die Hälfte unserer Kirchengemeinde ins Ausland ab - vor allem nach Deutschland, Finnland, Norwegen oder die USA“, sagte Meletiadis, der in der griechischen Hafenstadt Volos eine Gemeinde leitet und insgesamt für 5.000 evangelische Gemeindeglieder in 32 Gemeinden mit 17 Pfarrern verantwortlich ist. Nicht alle Menschen in Griechenland seien verarmt, aber er kenne viele Leute, die im Winter ihr Haus nicht
Ev. Kirche in Volos
mehr heizen könnten. Seit 2009 verteile die evangelische Gemeinde in Volos Kleider und unterstütze die griechisch-orthodoxe Kirche bei einer täglichen Essensausgabe, zu der jeweils 2.500 Menschen kämen. Auch viele Flüchtlinge aus Albanien, der Dominikanischen Republik und Afrika suchten bei der griechisch-evangelischen Kirche Hilfe. Seit kurzem sei seine Kirche vom Staat gemeinsam mit der katholischen Kirche, der deutsch-evangelischen sowie der koptisch-orthodoxen Kirche und der armenisch-evangelischen Kirche als Religionsgemeinschaft rechtlich anerkannt, sagte der Theologe. Damit habe Griechenland zum ersten Mal neben der griechisch-orthodoxen Staatskirche fünf weitere Kirchen gesetzlich anerkannt. Bislang sei es Minderheitenkirchen nicht erlaubt gewesen, als Institution ein Konto zu eröffnen. Außerdem sei durch die rechtliche Anerkennung der Besitz besser geschützt und könnte nicht einfach enteignet werden. Weiterhin dürften Minderheitenkirchen nun offiziell Freizeitstätten, Bibelschulen sowie Radiosender betreiben, sagte Meletiadis. Der Anerkennungsprozess seiner Kirche laufe derzeit auf Hochtouren. Schon vor mehr als zehn Jahren hat die griechisch-evangelische Kirche als erste Minderheitenkirche einen Gesetzentwurf zur rechtlichen Anerkennung vorgelegt. Dass sie nun tatsächlich juristisch anerkannt ist, hat sie Papst Franziskus zu verdanken, der eine rechtliche Anerkennung der Katholiken in Griechenland vom Staat forderte und damit auch den Weg für die Anerkennung anderer Minderheitenkirchen ebnete. Nach wie vor gibt es in Griechenland keine Trennung zwischen der griechisch-orthodoxen Kirche und dem Staat. Alle Priester der orthodoxen Kirche sind Staatsbeamte und werden als solche bezahlt. 97 Prozent der Griechen sind orthodox, 1,2 Prozent katholisch und gerade mal 0,04 Prozent der über elf Millionen Einwohner Griechenlands griechisch-protestantisch. Das GAW unterstützt die kleine evangelische Minderheit in Griechenland ebenso wie insgesamt 40 evangelische Partnerkirchen in 30 Ländern.

In diesem Jahr unterstützt das GAW eine Baumassnahme der evangelischen Kirche in Piräus mit 14.500 Euro. Helfen Sie mit: