Donnerstag, 30. April 2015

Sanierung der Kirche in Bački Petrovac / Serbien

Luth. Kirche in Bački Petrovac
49.000 Mitglieder in 27 Gemeinden und 14 kleinen Filialgemeinden gehören der Slowakischen Evangelischen Kirche A.B. in Serbien an. Sie werden von 17 PfarrerInnen und ihrem Bischof Samuel Vrbovský geleitet. Nördlich von Belgrad in der Wojwodina finden sich die Gemeinden dieser lutherischen Partnerkirche des GAW. Nach dem Toleranzpatent aus dem Jahre 1781 siedelten sich die slowakischen Menschen lutherischen Glaubens in dieser Region des habsburgischen Reiches an. Die Gründung des serbischen Staates stellte die Kirche vor die Herausforderung, sich in dem neuen Staat rechtlich und organisatorisch neu aufzustellen. Nach dem Balkankrieg wurde so z.B. die lutherische Gemeinde in Ilok Teil der lutherischen Kirche in Kroatien, obwohl sie slowakisch ist.
Im serbischen Staat sind die religiösen Minderheiten staatlich anerkannt. Zudem versucht die lutherische Kirche ihre Identität zu wahren, was nicht einfach ist.
Das GAW fördert gemeinsam mit dem Martin-Luther-Bund, dessen jüngste Schrift des "Lutherischen Dienstes" (2015, Heft 2) sich dieser Diaspoarkirche widmet, die Sanierung der Kirche in Bački Petrovac (PK 2015, S. 184): Die Kirche befindet sich in keinem guten Zustand. 1963 erschütterte ein Erdbeben die mazedonische Hauptstadt Skopje. Auch die Kirche in Bački Petrovac war betroffen. Die meisten Schäden wurden wenig später beseitigt, für andere reichten die Mittel der Gemeinde nicht. Tiefe Risse im Gewölbe des Altarraums zeugen noch heute davon. Die Gemeinde hat eine Sammlung zugunsten der Kirchensanierung gestartet, schafft jedoch aus eigener Kraft nicht, alle benötigten Mittel zur Sanierung und damit der Erhaltung der Kirche aufzubringen. 12.000 Euro will das GAW sammeln. Helfen Sie mit!

Mittwoch, 29. April 2015

Ein Dach für die Dankeskirche „Pella Bethânia“ in Taquari (Brasilien)

Dankeskirche in Taquari
"Mit großer Freude möchten wir Euch berichten von der Sanierung unserer Dankeskirche des diakonischen Zentrums „Pella Bethânia“ in Taquari. Die Arbeiten gehen gut voran. Das Kirchdach wird gerade neu gemacht", schreibt Joni Roloff Schneider. 
Für die Geschichte der Kirche in Brasilien spielt die Einrichtung „Pella Bethânia“, die 1892 gegründet wurde, eine wichtige Rolle. Die Pastoren der Gemeinden in Rio Grande do Sul bekamen die Not der Kinder der deutschen Einwanderer mit. Durch extreme Anfangsbedingungen, Unfälle und fehlende ärztliche Versorgung wurden viele Kinder zu Waisen. Einige Pastoren nahmen sich ihrer an und gründeten ein Heim für Waisenkinder. Nach und nach kamen andere Arbeitsbereiche, u.a. eine Schule und ein Altersheim, dazu. Auf dem Gelände der „Pella Bethânia“ sind zurzeit 179 Menschen untergebracht. 93 Mitarbeitende sind in den unterschiedlichsten Bereichen tätig: von der Betreuung der Bewohner bis zur Landwirtschaft. Wurden bis 2010 diakonische Dienste für Senioren und Waisenkinder geleistet und eine eigene Schule unterhalten, so werden heute Menschen ab 18 Jahren mit und ohne Behinderung aufgenommen und oft lebenslang betreut. Wichtig ist die Trägerschaft der Lutherischen Kirche. Bis heute ist das Bekenntnis dieser Kirche Grundlage für die Arbeit und die Werteorientierung von „Pella Bethânia“. Die Mehrzahl der Bewohner ist lutherisch, das jedoch ist keine Voraussetzung. Es gibt gute Beziehungen zur katholischen Kirche am Ort. Kamen anfangs die Bewohner und Mitarbeitenden in einem großen Saal zu Gottesdiensten zusammen, so konnte 1929 die „Dankeskirche“ im Zentrum der Anlage gebaut werden. Sie ist weiträumig, hat bunte Fenster im Altarraum und ein wertvolles altes Kruzifix, das aus der Jesuitenmission der Region stammt. Der Christus trägt indianische Züge. 

Im Projektkatalog 2014 hat das GAW für die Sanierung der Dankeskirche dieser wichtigen diakonischen Einrichtung gesammelt. Wir freuen uns, dass wir mithelfen können, dass die Kirche mitten im Zentrum nach erneuert nach außen strahlen kann! 

Dienstag, 28. April 2015

Weltweite Umfrage zur Religiosität - Menschen werden religiöser, Ausnahme Europa

In der letzten Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung (SZ) wird von der jüngsten weltweiten Religiositäts-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts WIN Gallup berichtet. Insgesamt wurden 63.000 Menschen in 65 Ländern befragt. Das wichtigste Ergebnis: 63% der Befragten bezeichnen sich als religiös - mehr als 6 von 10 Menschen. Auch wenn derartige Umfragen differenziert zu betrachten sind, so wird doch ein Trend erkennbar - so die SZ: Europa geht einen Sonderweg. Hier wächst die Gruppe der religiös Desinteressierten, auch der Agnostiker. Im Rest der Welt würden die Menschen religiöser werden. Im Blick auf die Religionen  zeigt sich, dass der Islam wächst, ebenso die katholische Kirche und die evangelischen Pfingstkirchen. Ein weiteres wichtiges Ergebnis: Je ärmer die Menschen leben, desto wichtiger ist ihnen die Religion. Dennoch bezeichnen sich auch in Westeuropa insgesamt 43% der Menschen als religiös. Wobei erkennbar sei, dass die Formen vielschichtiger werden und sich die Religiosität nicht immer hin zu den große Kirchen entwickelt.

Freitag, 24. April 2015

Sauberes Wasser für die Deni-Indianer in Brasilien

Installation einer Wassersolaranlage in Brasilien
"Ende 2004/Anfang 2005 starben 11 Deni-Indianer, Kinder und Erwachsene an verseuchtem Wasser. Viele Indianer hatten  in dieser Zeit sehr schwere Durchfälle. Das war der Anfang unseres Wasserprojketes", schreibt Pfarrer Walter Sass, der in Brasilien in Zusammenarbeit mit einem Ingenieur eine Wassersolaranlage zur Desinfektion entwickelte und in 10 verschiedenen Deni-Dörfern installiert hat. "Ohne die fünfjährige Unterstützung des GAW wäre das nicht leistbar gewesen", betont Sass. Verdrecktes und verseuchtes Trinkwasser ist ein weltweites Problem. Laut UNO stirbt alle 15 Sekunden ein Kind daran. Für die Deni-Indianer wurde durch die Solaranlagen ihr Überleben gesichert.
"Ich grüße alle Freunde des GAW! Wir danken für die Spenden und die fünfjährige Unterstützung, mit denen wir neue Anlage zur Desinfektion mit Solarenergie errichten konnten", schreibt Sass voller Dankbarkeit.

Donnerstag, 23. April 2015

Diasporakirchen sind Zeugen menschlichen Ringens um die Wahrheit

Prof. Wilhelm Dantine, 1911-1981
Evangelische Diaspora haben eine Mission und nehmen Anteil am Ringen um Wahrheit, die letztlich keine Kirche hat. Jede Kirche ist eine suchende Kirche, damit Christus, der die Wahrheit ist, Raum bekommt. So schreibt Wilhelm Dantine: "Minderheitskirchen sind Zeugen für den schmerzlichen Weg der Kirche durch die Flucht der Zeiten. Sie sind Zeugen vom menschlichen Ringen um die Wahrheit des Heils, von Irrtum und Schuld, ebenso von Mut und Tapferkeit der Christen. Ohne ihre Zeugenschaft droht der Ökumenismus in einen christlichen Allerweltskonformismus zu versanden; es ist daher gerade um des Ökumenismus willen dringend nötig, dass diese Zeugenschaft lebendig bleibt bzw. wieder lebendig wird und so die christliche Erfahrung der Minoritäten in das gegenwärtige Bewusstsein der Kirche Christi in dieser Welt erneut zur Sprache gebracht wird. Dieser Auftrag richtet sich an die Großen wie an die Kleinen und gilt grundsätzlich im Blick auf alle Minderheiten im Gesamtleib der Christenheit." (Wilhelm Dantine, in: "Die Evangelische Diaspora" 1969, S.142)

Mittwoch, 22. April 2015

Europäische protestantische Solidarität - Besuch beim GAW-Schweden

Pfarrer Lars Gustavsson (li.), Leiter vom GAW-Schweden
Dom in Uppsala
Auch in Schweden gibt es eine GAW-Gruppe. Seit Jahren unterstützt dieser Verein den Projektkatalog des GAW. Groß kann diese nicht sein, denn der GAW-Verein in Schweden ist eine kleine Gruppe Freiwilliger, die in die Kirchenstruktur der Lutherischen Kirche in Schweden kaum integriert ist. Hier wollen die Verantwortlichen in Zukunft stärker die Zusammenarbeit suchen. So diente der Besuch des Generalsekretärs des GAW dazu, in Zusammenarbeit mit Pfarrer Lars Gustavsson, dem Leiter des GAW-Schweden, mit wichtigen Vertretern der schwedischen Kirche Gespräche zu führen und auf die Chancen und die Notwendigkeit der protestantischen Solidaritätsarbeit des GAW hinzuweisen. 
Ziel ist es, dass das GAW-Schweden gestärkt wird und dann evtl. auch mehr zum Projektkatalog beitragen kann. Erzbischöfin Antje Jacelén wird eine Einladung vom GAW bekommen, um beim sog. "Lützentag" am 6. November in einem kommenden Jahr in Meuchen zu predigen. Evtl. auch eine Möglichkeit gesucht, einen schwedischen Stipendiaten nach Leipzig einzuladen, um damit das GAW-Schweden zu stärken.

Freitag, 17. April 2015

In guten Händen - das diakonische Zentrum Moisés in Santa Paloma

Deborah (re.) vor dem Zentrum
"Unsere Pastorin Sanchez hatte ein großes Talent, Not zu sehen, mit den Notleidenden zu sprechen und dann auch zu handeln", berichtet Deborah, Leiterin der Fundación El Faro (Leuchtturm) der evangelischen Kirche in Santa Paloma. In Santa Paloma, einer kleinen Stadt am rande Barcelonas, gibt es viele soziale Probleme. Der Anteil der Migranten ist hoch. Es gibt viele häusliche Konflikte, Gewalt, Arbeitslosigkeit sowie Drogen- und Alkoholabhängigkeit. Kein Wunder, dass man als Kirchengemeinde handelt.
Dazu gehört ein waches Auge und ein offenes Herz. Das hat Pastorin Sanchez. 1992 begann sie eine diakonische Arbeit mit Drogenabhängigen. Die Pastorin fand in Zusammenarbeit mit der Kommune eine Möglichkeit, eine Drogenrehabilitationsarbeit zu beginnen. Damit war der Grundstein für die evangelische Fundación El Faro gelegt. 
Inzwischen hat sich die Arbeit ausgeweitet. Seit 10 Jahren gehört das diakonische Sozialzentrum "Moisés" dazu. Hier werden über 60 Kinder und Jugendliche von einem Sozialarbeiterteam nachmittags von 17 bis 20 Uhr betreut. Hierher kommen Kinder aus sehr schwierigen Familienverhältnissen. "Es gibt Kinder, die waschen sich zu Hause nie, weil die Eltern nicht darauf achten können, weil sie selbst viel zu viele Probleme haben", berichtet Deborah. "Bei uns können sie sich duschen. Und vor allen Dingen lernen sie bei uns etwas über die Wichtigkeit von Hygiene, gesunder Ernährung, Gemeinschaft. Außerdem erhalten sie Hausaufgabenhilfe." Das Programm ist umfangreich und hilft den Kindern, sich im Leben nicht als Verlierer zu fühlen, sondern zu lernen, dass sie aus ihrem Leben etwas machen können. Nicht umsonst wurde für diese diakonische Arbeit der kleine Mose als biblisches Leitbild gewählt. Mose wurde aus den Fluten des Nils gerettet und bewahrt. Bewahren und behüten, das wollen die Mitarbeiter hier in Santa Paloma.
Mit den Kindern und Jugendlichen von Moisés wird auch mindestens einmal im Jahr ein Ausflug in das 100 km entfernte "Aguas Vidas" unternommen. Es ist ein Freizeitzentrum der evangelischen Kirche und wir ebenfalls von der Fundación El Faro verwaltet. Für viele Kinder ist das die einzige Chance, aufs Land zu kommen, raus aus Santa Paloma. 
Dieses Zentrum wird im kommenden Projektkatalog 2016 vom GAW gefördert werden.

Donnerstag, 16. April 2015

Brich mit dem Hungrigen dein Brot! - Lebensmittelhilfe in Rubí, Spanien

Pastor Jonathan in der Mitte
Lebensmittelausgabe in Rubi
"Wir haben ganz einfach angefangen, als wir mit den Lebensmittelspenden begannen", erzählt Pastor Jonathan von der evangelischen Gemeinde in Rubí, die 20 km von Barcelona entfernt liegt. "Damals wurden wir gebeten, uns um eine Frau zu kümmern, deren Mann im Gefängnis saß. Sie hatte nichts mehr", fährt Jonathan fort. "Gemeindemitglieder haben Lebensmittelspenden gesammelt und der Frau regelmäßig gebracht. Langsam merkten wir, dass auch andere in Not waren. So kamen immer mehr Familien dazu, denen wir halfen bis zu dem Punkt, wo wir es nicht mehr allein mit den Spenden der Gemeinde geschafft haben."
Das war Anfang 1999/2000, als die großen Migrationsbewegungen Spanien erreichten. Der evangelische Sozialservice "FRATER-NADAL" von der IEE (Evangelische Kirche in Spanien) begann nun, ihre Arbeit auf breitere Basis zu stellen. Inzwischen werden in einem von der Gemeinde Rubí zur Verfügung gestellten Lagerhalle Lebensmittel ausgegeben. Monatlich profitieren davon 2800 Personen, die dringend auf Hilfe angewiesen sind. Das sind zum einen Migranten, aber zum anderen Teil auch viele spanische Familien.
Die Gemeinde blickt auf eine lange Tradition diakonischer Hilfe und Bildungsarbeit zurück und weiß sich bis heute dieser Tradition verpflichtet. Auch eine Kleiderkammer gehört zum Programm. Zudem werden Workshops für Migrantinnen angeboten. Die Arbeit wird ausschließlich von Freiwilligen durchgeführt, die hauptsächlich aus Gemeindegliedern der evangelischen Gemeinde Rubí bestehen. Ziel ist es, schnelle und effiziente Hilfe zu leisten, um die Gefahr der sozialen Ausgrenzung zu beseitigen, mit der die Familien zunehmend konfrontiert werden. 
Die Frauenarbeit beteiligt sich an diesem Projekt durch ihr Jahresprojekt 2015 mit einer Summe von 10.000 €.


Gott spricht leise in das Heiligtum unseres Gewissens


"Dios habla silenciosamente en el santuario de nuestra propia conciencia"/ "Gott spricht leise hinein in das Heiligtum unseres eigenen Gewissens." 
Diese Worte schrieb Claudio Gutierrez Marín in seiner Biografie im mexikanischen Exil, wo er 1988 starb. Aus dem Geist des Protestantismus geprägte Worte! - Claudio Gutierrez Marín war Pastor der Spanischen Evangelischen Kirche. 1902 wurde er geboren in Río Tinto (Huelva), wo sein Vater Lehrer einer der zahlreichen evangelischen Schulen war, die nach der sechsjährigen Periode des Liberalismus in Spanien (1868-1874) sich gründen konnten. Endlich war es in Spanien möglich auch anders christlich zu glauben als katholisch. Die IEE hat für die Bildung in Spanien bis zum Bürgerkrieg viel geleistet und sich für Schulbildung für Mädchen eingesetzt, was damals in Spanien revolutionär war. In der Franco-Diktatur mussten die Schulen geschlossen werden. Oft ging das mit Enteignungen einher. Mit den fehlenden Schulen ging der IEE damit auch ein wichtiger Ort verloren, sich in und für die Gesellschaft einzusetzen. Viele Menschen kamen gerade durch die gute Schularbeit zur Kirche. Bis heute leidet die Kirche auch unter diesem erlittenen Unrecht der Franco-Diktatur.
Claudio Gutierrez Marín war durch diese gute Bildungsarbeit seiner Kirche geprägt. Er studierte Philosophie und Literatur in Madrid. In Lausanne (Schweiz) beendete er ein Theologiestudium. Er war Pastor in 11 Gemeinden Andalusiens der IEE, u.a. in Malaga und Granada. Kurz nach dem Ausbruch des Spanischen Bürgerkrieges (1936-39) siedelte er nach Barcelona um und arbeitet aktiv in der Regierung der Zweiten Republik mit. In diesem Zusammenhang kritisierte er scharf die Übergriffe der Soldaten Francos gegen evangelische Soldaten, evangelische Kirchen und ihre Ausbildungsstätte, wie z.B. deren Schulen. Nach dem Sieg Francos ging er ins spanische Exil und entging damit der Verfolgung.
Claudio Gutierrez Marín bildet mit seiner Biographie ein Stück der spanische evangelischen Kirche ab. Intensiv brachte sie sich in die Gesellschaft ein. Das wurde massiv durch die Franco-Diktatur unterdrückt. Ungut war dabei die Allianz des Franco-Regimes mit der katholischen Kirche. Bis heute spürt man die Konsequenzen. 
Heute sucht die Kirche, sich auf ihre Vision als klein gewordene Diasporakirche zu konzentrieren. Das tut sie und das wird deutlich in der diakonische Arbeit oder auch in den Schulen "Por Venir" und "Juan Valdes".
Zur IEE gehören ca. 2.600 Gemeindemitglieder in 44 Gemeinden. In diesem Jahr richtet die GAW-Frauenarbeit ihren Blick nach Spanien und die Herausforderungen der Kirche und ihrer Diakonie. 


Mittwoch, 15. April 2015

Religiöse Vielfalt in Spanien

In der Mitte Fernando Arias Canga
Fernando Arias Canga ist erfüllt von seiner Aufgabe, die Fundación "Pluralismo y Convivencia" zu leiten und damit einen Beitrag für eine plurale, weltoffene spanische Gesellschaft zu leisten. "Das ist eine große Herausforderung für uns und unser Land, denn in einigen Teilen der Gesellschaft fehlt das Bewußstein, dass ein Spanier nicht katholisch sein muss.", betont Fernando. Er selbst ist nicht religiös. Vielleicht ist das auch ein Vorteil.
Seine Stiftung, die 2004 von der damaligen sozialistischen Regierung ins Leben gerufen wurde, hat inzwischen Vereinbarungen mit den jüdischen, muslimischen und protestantischen Gemeinden geschlossen. Ihre Aufgabe ist es, ihnen zu helfen bei der Vermittlung mit staatlichen Stellen, dass ihre Rechte gewahrt bleiben und sie einen Beitrag leisten können für die Herausforderungen der Gesellschaft. "Da gibt es viele Nöte, wo wir alle gesellschaftlichen Gruppen brauchen", betont Fernando.
Stolz ist er darauf, dass mit Hilfe der Fundación es gelungen ist, Schulbücher für den protestantischen, jüdischen und muslimischen Schulunterricht zu erstellen. "Mit diesen Büchern wird inzwischen in den Schulen gearbeitet. Das ist eine wichtige Form der Integration, dass in spanischer Sprache und spanischem Kontext die Kinder dieser religiösen Minderheiten ihre Religion in den Schulen besser kennen lernen", betont Fernando. Inzwischen gibt es entsprechend ausgebildete Lehrer, die mit den Schulbüchern arbeiten. 
Die wichtigsten Ziele der Fundación sind es, für Religionsfreiheit einzutreten und den staatlichen Stellen zur Seite zu stehen und ihnen bei diesem Transformationsprozess zu helfen. In einem durch die katholische Kirche stark geprägten Land eine wunderbare Herausforderung. Zusätzlich publiziert die Fundación Bücher, die aufklären sollen über die religiöse Vielfalt im Land.  Eine Internetseite gibt Aufschluß darüber, wo in welcher Kommune welche religiöse Einrichtung präsent ist (www.observatorireligion.es). 
Für die Spanische Evangelische Kirche (IEE) ist die FEREDE, die alle evangelischen Einrichtung vor dem Staat repräsentiert, die Einrichtung, die mit der Fundación zusammenarbeitet. Darüber hinaus gibt es aber auch direkte bilaterale Kontakte und Unterstützung.

Dienstag, 14. April 2015

Notwendige Diakonie in Madrid!

Esther ist Pastorin und leitet u.a. die „Acción Social Protestante“ (ASP), ein diakonisches Angebot der evangelischen Gemeinde „El Salvador“ in Madrid in ihren Kirchen- und Gemeinderäumen. Esther ist die gute Seele des Projektes. Das braucht es hier auch, denn es kommen viele Menschen, die in Not sind - Flüchtlinge oder auch immer mehr Spanier, die durch die Wirtschaftslage in Spanien in Not sind. Viele Ehrenamtliche sorgen dafür, dass Lebensmittel- oder Kleiderspende gut verteilt werden. Esther leitet sie mit ihrer kubanischen Mitarbeiterin an, die selbst einmal in der Schlange der Bedürftigen vor der Kirche stand. Esther wurde auf sie aufmerksam und schaffte es, sie in die Arbeit einzubinden.
„Acción Social Protestante“ verteilt aber nicht nur Lebensmittel und Kleider, sondern unterhält auch einen Raum zur Begegnung für Migrantinnen, in dem verschiedene Aktivitäten und Fortbildungen zur Unterstützung ihrer Integration und zur Persönlichkeitsstärkung durchgeführt werden. 
Häufig sind die betroffenen Frauen aus mehreren Gründen besonders gefährdet. Einige befinden sich illegal im Land, haben kleine Kinder, sind alleinerziehend oder haben familiäre Gewalterfahrungen. Das macht ihre persönliche Situation juristisch, psychologisch oder sozial besonders schwierig. Darüber hinaus erschweren ihnen diese negativen Belastungen häufig den Kontakt mit anderen Migrantinnen und damit einen Schritt in die gesellschaftliche Integration. 
Neben der bestehenden Unterstützung durch eine Kleiderkammer und der Lebensmittelhilfe sind vor allem Aufklärung, Beratung, Fortbildung und Möglichkeiten der sozialen Kontaktaufnahme dringend gefordert. 
Mit den Fortbildungen erhofft sich „Acción Social Protestante“ eine bessere soziale Integration von Migrantinnen und eine Verbesserung ihrer Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Es gibt Fortbildungen zur juristischen, hygienischen und sexuellen Aufklärung, psychologische Beratung, Handarbeitskurse, Sprachkurse, PC-Kurse und Pflegekurse. Während dieser Kurse ist es den Frauen möglich, ihre Kinder und Babys mitzubringen, da gleichzeitig eine Kinderbetreuung angeboten wird. 
Die GAW-Frauenarbeit beteiligt sich an diesem Projekt in diesem Jahr mit einer Summe von 10 000 €. Helfen Sie mit:
KD-Bank
IBAN: DE42 3506 0190 000 4499 11

Der Namenszug der Jesuskirche in Madrid

Namenslettern, die aussen an der Kirche entfernt werden mussten
Die spanischen Protestanten haben eine bewegte Geschichte hinter sich. Wurden sie in der Zeit der spanischen Inquisition massiv verfolgt, so dass niemand übrig blieb, gab es endlich in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts die Chance, evangelische Kirchen zu gründen. Sie durften jedoch lange nicht als Kirchen erkennbar sein und keinen Kirchturm haben. In der gesamten spanischen ev. Kirche gibt es nur eine Kapelle, die eine Glocke hat. Auch durften die ev. Kirchen an der Aussenfassade lange keine Schriftzüge tragen, die die Kirche als Kirche kennzeichnen. Davon zeugt eine Geschichte von der Jesuskirche in Madrid. In der Zeitschrift der GAW-Frauenarbeit heißt es dazu:
"Fritz Fliedner (1845-1901) prägte die Entwicklung der Evangelischen Kirche in Spanien entscheidend mit. Er kümmerte sich von Anfang an um die bereits bestehenden Gemeinden, die am ärmsten waren und Hilfe deswegen am nötigsten hatten. Fritz Fliedners Sohn Theodor betont dies 1927: "Die Leute, die sich zu uns halten, gehören fast durchwegs zu den "clases humildes", dem demütigen (bescheidenen) Teil der Bevölkerung, der weder Geld, noch Einfluß, noch Macht hat."
Die "Iglesia de Jesus" in der Calle Calatrava wurde dementsprechend im einfachen Stil erbaut. Theodor Fliedner beschrieb sie 1913 folgendermaßen: "Man sieht es dem einfachen zweistöckigen Haus mit drei Fenstern Front im Oberstock und einem Bäcker- und Metzgerladen, rechts und links vom Eingang nicht an, was sich alles dahinter birgt."
Außerdem ist dokumentiert, dass über der Eingangstür zur Jesuskirche in den ersten Jahren in vergoldeten Buchstaben ihr Name Iglesia de Jesús zu lesen war. Da es sich bei dieser Inschrift jedoch um eine öffentliche Kundgebung handelte und eine solche den evangelischen Spaniern verboten war, mussten die schönen Lettern entfernt werden." (Heide Sophie Schwarz in Dios es Amor - Jahresprojekt der GAW-Frauenarbeit 2015)
Die damaligen Lettern werden heute im Eingangsbereich der Kirche gezeigt.

Montag, 13. April 2015

Balbina kann nicht vergessen

Balbina ist 84 Jahre alt. Sie gehört zur Jesusgemeinde der spanischen evangelischen Kirche in Madrid. Vergessen kann sie nicht, was damals im spanischen Bürgerkrieg geschah. Damals lebt ihre Familie in Jaca. Ihre beiden Brüder wurden von Falangisten während ihrer Feldarbeit einfach ermordet. Der Grund: Sie waren Protestanten. Sie gehörten zur Spanischen Evangelischen Kirche (IEE). Das ist kein Einzelfall. 
"Valle de los caidos" - Nähe Madrid
Die Diktatur Francos hat im Bürgerkrieg (1936-39) und danach die Protestanten massiv unterdrückt. Viele Gemeinden hatten ein blühendes Schulleben. In einigen Regionen gab es Dörfer, die weitgehend evangelisch waren. Davon ist nichts übrig geblieben. Viele Leidensgeschichten lasten bis heute auf Familien, die Opfer aus dem Bürgerkrieg und der anschließenden Diktatur zu beklagen haben. Das ist Teil der Identität der Kirche. Menschen wie Balbina können das nicht vergessen. Schwer haben sie es, zu vergeben. Denn wie kann man vergeben, wenn das Gegenüber fehlt, das um Vergebung bittet und sich zur Schuld bekennt? 
Sichtbar wird es an einem Monument außerhalb Madrids auf dem Weg nach El Escorial. Dort sieht man ein hoch aufgerichtetes Kreuz mit einer Basilika schon aus der Ferne. Nach dem Bürgerkrieg ließ Franco dieses Denkmal errichten zur Erinnerung an "seine" Opfer des Bürgerkrieges, d.h. nur seine gefallenen Soldaten. Inzwischen ist auch er dort begraben. Es heißt "Valle de los caidos" - das Tal der Gefallenen. Errichtet wurde es von Gefangenen des Bürgerkrieges. An die Opfer aller Gefallenen wird nicht erinnert. Eine offene Wunde in der Gesellschaft. Wo gibt es einen solchen für Menschen wie Balbina?


Lutherische Kirchen in den Andenländern

Diese Renzension über die GAW-Partnerkirchen und -länder ist gerade in der zeitschrift "Weltsichten" erschienen:

"Die Autoren des Sammelbandes setzen sich damit auseinander, wie kleine protestantische Kirchen in Lateinamerika ihren Platz in der Gesellschaft suchen – und behaupten.
Der Fokus liegt auf den fünf Ländern des andinen Südamerikas: Chile, Bolivien, Ecuador, Peru und Kolumbien. Im Spannungsfeld zwischen einer römisch-katholischen Mehrheitskirche und den schnell wachsenden Pfingstkirchen geht es für die Mini-Diaspora der lutherisch-protestantischen Kirchen bei ihrer Rollen-, Standort- und Identitätssuche auch um die eigene Überlebens- und Zukunftsfähigkeit.
Patricia Cuyatti, die Lateinamerika- und Karibik-Referentin des Lutherischen Weltbundes, bringt in ihrem Beitrag über Peru diesen in allen Ländern des Kontinents sehr schmerzhaft verlaufenen Häutungsprozess vormaliger Einwanderer- und späterer Mittelschichtskirchen auf den Punkt. Für sie geht es darum, „entweder privilegierte Kirche zu bleiben oder den Armen zu helfen, ihren Glauben in enger Verbindung mit ihren kontextuellen Herausforderungen zu bekennen.“ Diese protestantische „Option für die Armen“ wird ebenfalls aufgegriffen in dem Kapitel über die indigene lutherische Kirche Boliviens als Teil eines plurinationalen Staates und die theologische Beschäftigung mit dem Konzept des „buen vivir“. 
Thematisiert wird zudem die Spaltung der evangelisch-lutherischen Gemeinden in Chile im November 1974, nachdem der Diktator Augusto Pinochet die Macht übernommen hatte. Hanna Schramm und Branko Nikolitsch zeichnen diesen Prozess vor dem Hintergrund der Menschenrechtsverbrechen des Pinochet-Regimes und der scheinbar unüberwindbaren Gräben einer bis heute zutiefst gespaltenen Gesellschaft nach. Die Einsicht, wie schwer es noch nach vier Jahrzehnten fällt, wieder aufeinander zuzugehen und Schuld einzugestehen, steht exemplarisch für das Verständnis zahlreicher Konfliktlinien in und außerhalb dieser Diaspora-Kirchen.
Dass eine Kirche trotz überschaubarer Mitgliederzahlen politisch wirken kann, zeigt Beatrice del Campo am Friedensprozess in Kolumbien. Immer wieder fordern die evangelisch-lutherischen Gemeinden in diesem Land in öffentlichen Stellungnahmen, dass bei dem Dialog zwischen der Regierung und der FARC-Guerilla ein echter Frieden, der auf sozialer Gerechtigkeit beruht, erreicht werden muss. Und der, so verlangen sie, darf nicht auf Kosten der verwundbarsten Teile der Bevölkerung wie Indigene, Kleinbauern, Afrokolumbianer erkauft werden.
Die Autorinnen und Autoren gehen sehr offen und kritisch mit den Problemen der kleinen Kirchen um – etwa bei der Ausbildung ihres theologischen Nachwuchses oder der finanziellen Abhängigkeit von den Partnerkirchen in Europa und den USA. Nicht zuletzt diese Offenheit macht den Sammelband sehr lesenswert. "(Jürgen Schübelin)


Wilhelm Hüffmeier et. al. (Hg.)
Die evangelische Diaspora – Andenstaaten
Jahrbuch des Gustav-Adolf-Werks e.V., Leipzig 2014, 244 Seiten, 6,90 Euro

zu bestellen unter: verlag@gustav-adolf-werk.de

Freitag, 10. April 2015

Eine neue Kirche für Rio Veado / Brasilien

"Jetzt nach Ostern ist es endlich soweit: Wir decken das Dach unserer neuen Kirche!" schreibt Diakon Jianfranco Berger aus Rio Veado (Brasilien). "Am Sonntag Quasimodogeniti feiern wir ein Gemeindefest dazu!" Und er ergänzt, dass dieses Fest genutzt werden soll, damit die Mitglieder Gelder für die weiteren Arbeiten aufbringen, die noch fehlen. Viel ist in Eigenleistung geschehen. Anders ist es nicht leistbar, den Bau fertigzustellen. Und: Die Gemeinde ist dem GAW sehr dankbar für 10.000 Euro, die im Projektkatalog 2012 für den Kirchbau gesammelt wurden. "Ohne das GAW hätten wir gar nicht beginnen können!" schreibt Jianfranco.
2001 startete die Gemeinde von Rio Possmoser das Missionsprojekt in Rio Veado. Es lief gut an, so dass im Juli 2010 die Gemeinde in Rio Veado selbständig werden konnte. Sie hat inzwischen 135 Gemeindeglieder. Die Gemeinde konnte schnell ein Grundstück erwerben. In einer ehemaligen Schule traf sich die Gemeinde zu Bibelstunden und Gruppenangeboten wie Kinder- und Jugendgruppen, Frauengruppe und Musikgruppen trifft. Die Gemeindeglieder sind zumeist Kleinbauern pommerscher Herkunft. Nach wie vor spielt dieser Dialekt im Gemeindeleben eine große Rolle und wirkt auch identitätsstiftend. Das religiöse Gemeindeleben spielt für die Gemeinschaft eine große Rolle. Die Teilnahme an Gottesdiensten und den Gruppenangeboten ist sehr hoch.  In einfacher Bauweise konnte die Kirche gebaut werden. Das alte Schulgebäude wurde abgerissen werden. Der neue  Kirchraum ist so konzipiert, dass er auch für andere Gemeindeaktivitäten genutzt werden kann. 
"Diaspora braucht Dächer" - so hieß es einmal in einer Werbeaktion des GAW. Das bleibt gültig, denn das Wort Gottes braucht Raum, dass die Gemeinde sich versammeln kann, hören kann, um dann gemeinschaftlich dem Guten Raum zu geben!