Freitag, 28. November 2014

Die Schlesische Evangelische Kirche A.B. in Tschechien

Kirche in Český Těšín
Die Braunschweiger Landeskirche ist die Partnerkirche der Schlesischen Kirche A.B. in der tschechischen Republik, eine der Partnerkirchen des GAW. Geschichtlich und traditionell gibt es eine enge Verbindung in das Teschener Gebiet in Polen. Ihr gehören rund 15.357 Gemeindeglieder in 22 Gemeinden. Neben 32 Pfarrern, drei Vikaren und drei Diakonen kümmern sich drei Hilfsgeistliche in Krankenhäusern und Dutzende von ehrenamtlichen Mitarbeitern um das geistliche Leben der Gemeindeglieder. Das höchste Gremium der Schlesischen Kirche ist die Synode. Die Kirche wird durch einen aus neun Mitgliedern (vier Ordinierte und fünf Nichtordinierte) bestehenden Kirchenrat geleitet. An der Spitze der Kirche steht Bischof Mgr. Jan Waclawek.
Die Schlesische Kirche ist auf einem verhältnismäßig kleinen Territorium - etwa 100 km lang und etwa 40 km breit - tätig. Die Region des zu Teschen gehörenden Teils von Schlesien liegt im Nordosten der Tschechischen Republik. Auch in Prag und Brünn gibt es kleine Gemeinden.
Noch zu Lebzeiten Luthers fasste die Reformation in dem zu Teschen gehörenden Teil Schlesiens Fuß. Bereits um 1550 war das gesamte Land evangelisch geprägt. Der Teschner Fürst Václav Adam aus dem Geschlecht der Piasten war ein eifriger Befürworter der Reformation, er verhalf den Evangelischen zu einem ersten organisatorischen Aufbau ihrer Kirche und begründete eine liturgische Ordnung. Der Sohn Václav Adams, Adam Václav, jedoch wurde katholisch und begann die Evangelischen zu verfolgen. Seit 1617 wurden den Evangelischen Kirchen weggenommen, und im Jahr 1654 wurden ihnen die letzten 50 Kirchen geraubt. Die evangelischen Pfarrer verwies man aus dem Land und das Abhalten von Gottesdiensten wurde verboten.
Erst nach 50 Jahren schwerer Verfolgung erhielten die Evangelischen dank der Bemühungen des schwedischen Königs und „aus Gnaden“ des Kaisers in Wien die Kirche in Teschen am Höheren Tor (1709). Im Jahr 1781 erließ Kaiser Josef II. ein Toleranzpatent, das den Evangelischen in den Habsburger Länder die Gründung neuer Gemeinden und den Bau von Bethäusern ermöglichte (ohne Turm der Eingang musste auf der der Hauptstraße abgewandten Seite der Kirche liegen). Gleich nach diesem Erlass wurden neue Kirchengemeinden in Bludovice, Komorní Lhotka, Návsí und in anderen Ortschaften des Teschner Landes gegründet. Eine völlige Gleichstellung mit den Katholischen erreichten die Evangelischen erst nach dem Jahr 1848 durch das sogenannte Kaiserliche Patent.
An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert kam es zu einer neuen Welle der geistlichen Erweckung, aus der die Christliche Gemeinschaft und die evangelische Diakonie hervorgingen. Später wurde diese Region wesentlich von den nationalistischen Streitigkeiten und Kriegen betroffen. Im zweiten Weltkrieg wurden fast alle örtlichen Pastoren am Dienst gehindert, einige wurden zu Zwangsarbeiten eingesetzt oder verhaftet. Ein Fünftel von ihnen kam in den Konzentrationslagern ums Leben.
Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich das kommunistische Regime das Ziel, die Religion auszurotten. Daher bemühten sich die Machthaber darum, alle Aktivitäten der Kirche zu kontrollieren und zu drosseln. Diesem Druck widersetzte sich eine Missionsbewegung unter der Leitung vom Pastor Vladislav Santarius (1915-1989), aus der viele begeisterte und gut ausgebildete Mitarbeiter hervorgegangen sind. Die heutige Freiheit, die aber verbunden ist mit einer Abnahme des Interesses am christlichen Glauben, stellt für die Kirche eine große Herausforderung dar. 
Den Menschen, die sich in einer schwierigen Situation befinden, hilft die Schlesische Diakonie in ihren 45 Einrichtungen. Außerdem ist die Seelsorge durch die Geistlichen in den Krankenhäusern wichtig. In der Justizvollzugsanstalt arbeitet ein Gefängnisgeistlicher.

Donnerstag, 27. November 2014

Pastorenberuf LEBEN - in der spanischen Diaspora

Pastor Alfredo Abad
Pastor Alfredo Abad von der Iglesia Evangélica Española schreibt: "Ich lebe meinen Pastorenberuf und sehe darin eine große Chance zur Nachfolge Christi in einem Land, wo Protestanten einer kleinen Minderheit angehören, die viele Jahre als rein "ausländisch" betrachtet wurde. Sie hat aber als Kirche Jesu Christi, die immer um Gleichheit und Freiheit kämpfte, ein großes historisches Erbe! Wir wollen Kirche für andere sein und uns insbesondere für die Benachteiligten der Gesellschaft einsetzen - insbesondere in der "Festung Europa" versuche ich meinen Beitrag zugunsten der Flüchtlinge zu leisten, die zu uns nach Spanien kommen. Zudem ist für uns eine gute theologische Ausbildung wichtig. Ich will darauf achten, dass wir Pastoren und Pastorinnen mit einem sozialen und prophetischen Gewissen haben."
Ein beeindruckendes Zeugnis, wie man den Pastorenberuf leben kann, obwohl man zu einer kleinen Diaspoarkirche gehört!

Mittwoch, 26. November 2014

Protestantische Solidarität

Der Stipendiatenjahrgang 2014/5
Europäische Protestantische Solidarität - dafür steht das GAW gemeinsam mit der "Protestantischen Solidarität Schweiz" (PSS). Gemeinsam unterstützen das GAW und die PSS das Stipendienprogramm des GAW. "Wir könnten solch ein Programm mit der entsprechenden professionelle Organisation wie in Leipzig gar nicht bewerkstelligen", sagt Franz Christ, Vorsitzender der PSS. Zwei Stipendien werden inzwischen mit Hilfe der reformierten schweizer Freunde gefördert. Das ist eine enorme Unterstützung, die das Stipendienprogramm des GAW stärkt.
Zur protestantischen Solidarität gehört auch das gegenseitige Kennenlernen und miteinander Kommunizieren. Durch die jahrelange Förderung ist inzwischen ein Netz an Beziehungen entstanden, von der die Arbeit des GAW und der PSS profitiert. - Dank an die Freunde in der Schweiz!!!
Im Februar/März 2015 wird eine reformierte Stipendiatin ein Gemeindepraktikum in der Schweiz absolvieren.


Dienstag, 25. November 2014

Weiterarbeit am neuen Leitbild des GAW

Wolfgang Menz im Gespräch mit den Mitarbeitenden des GAW
Wie gehen wir im GAW mit unserem neuen Leitbild um? Diese Frage haben sich die Mitarbeitenden der Zentrale des GAW beim Fortbildungstag unter Anleitung von Wolfgang Menz gestellt. Er hatte den etwa einjährigen Prozess der Erarbeitung eines Leitbildes in den verschiedenen Gremien und Strukturen des GAW begleitet.
Genau vor einem Jahr hatten die Mitarbeitenden des GAW mit Wolfgang Menz zusammengesessen, um einen ersten Textentwurf zu erarbeiten. Mit diesem Entwurf begannen die weiteren Gespräche mit den Haupt- und Frauengruppen des GAW und dem Vorstand. Die Grundstruktur, den die Mitarbeitenden erarbeitet hatten, blieb weitgehend erhalten. Auch die thematischen Schwerpunkte blieben. 
Das Leitbild erläutert, was das GAW leistet: es hilft weltweit evangelischen Gemeinden ihren Glauben zu leben und Not zu lindern; es unterstützt die Projekte seiner Partner; es weckt das Bewußtsein für die Diasporaverantwortung; es will Ehrenamtliche zur Mitarbeit gewinnen und verantwortungsvoll mit den Spenden umgehen; dabei blickt es auf eine lange Tradition zurück und folgt dem biblischen Motte aus Galater 6, 20, "Gutes zu tun".Am 23. September 2014 wurde das Leitbild des GAW verabschiedet.
Nun stellt sich die Frage, wie es weiter gehen soll. Sicherlich ist das Leitbild in den Mitarbeitergesprächen eine gute Basis für neue Impulse. Das Leitbild könnte uns auch helfen, bestimmte Schwerpunkte zu setzen, die als Jahresthemen die Identifikation innerhalb des GAW stärken. Mit Unterstützung durch das Leitbild kann man auch nach kritischen Punkten suchen, die es zu verbessern gilt.
Das Leitbild bringt uns nur weiter, wenn die Identifikation mit ihm hoch ist, und sein Text regelmäßiges Überprüfen und kritisches Hinterfragen unterstützt. Die Verabschiedung des Leitbildes - so sind sich die Mitarbeitenden einig - kann nur ein Doppelpunkt sein für die weitere Stärkung der Diasporaarbeit des GAW.

Montag, 24. November 2014

Kirche des Wortes - Jahresthema 2015 der IECLB in Brasilien

Jesus sprach zu ihnen: Was sind das für Dinge, die ihr miteinander verhandelt unterwegs? (Lukas 24,17) Dieser Bibelvers in Zusammenhang mit dem Motte „Kirche des Wortes – berufen um zu kommunizieren“ soll die lutherische Kirche Brasiliens (IECLB)  im kommenden Kirchenjahr begleiten.
Seit einigen Jahren steht jedes Jahr in der IECLB unter einem Moto. Ziel ist es, die Einheit der Kirche und ihre gemeinsame Identität zu stärken: Gemeinsam lutherische Kirche sein, die eine Botschaft hat, die vermittelt werden will und die kommuniziert werden soll. Um nach außen besser vermitteln zu können, was die lutherische Kirche innen glaubt und bekennt, braucht es die gemeinsame Stärkung und Vergewisserung. 
Jesus ist dabei Vorbild. Er kommuniziert mit den Jüngern, die auf dem Weg sind. Er geht gemeinsam mit ihnen. 
"Als „Kirche des Wortes“ sind wir berufen, das lebendige Wort Gottes – Jesus Christus – zu bezeugen", schreibt Kirchenpräsident Nestor Friedrich. In diesem Sine will die lutherische Kirche verstärkt sich um Vermittlung ihrer Theologie kümmern. Sie will auf den unterschiedlichen Ebenen der kirchlichen Arbeit die Kommunikation verbessern und damit auch das Wissen von- und umeinander, denn in diesem großen Land sind die Bedingungen kirchlicher Arbeit sehr verschieden. Im Nordosten des Landes steht die Kirche vor anderen Herausforderungen als im Süden, wo sie traditionell stark ist. 




Sonntag, 23. November 2014

Diasporaverantwortung wird bleiben - und immer notwendiger!

Luth. Bethaus in Tokmok / Kirgistan
1832 anlässlich der Gedenkfeiern zum 200. Todestag des Schwedenkönigs Gustav II. Adolf rief der Leipziger Superintendent Prof. D. Christian G. L. Großmann dazu auf, die Protestanten in der Diaspora zu unterstützen. Gegründet werden soll "eine Anstalt zu brüderlicher Unterstützung bedrängter Glaubensgenossen und zur Erleichterung der Not, in welche durch die Erschütterung der Zeit und durch andere Umstände protestantische Gemeinden in und außer Deutschlands mit ihrem kirchlichen Zustand geraten, wie dies nicht selten bei neu entstehenden Gemeinden zu sein pflegt."
Die Not einer Kirche in der Diaspora ist vielfältig. Großmann schilderte sie so: durch Erschütterung der Zeit und durch andere Umstände können Diasporagemeindem und -kirchen mit ihrem kirchliche Zustand auf Hilfe angewiesen sein. 
Davon gibt es reichlich – davon wird es weiterhin viele Situationen geben, wo protestantische Solidarität gefordert ist.
Und protestantische Solidarität ist geboten aus der Tatsache heraus, dass wenn es uns wichtig ist, dass wir auf evangelische Weise glauben können, dann kann es uns nicht egal sein, dass in anderen Regionen dieser Welt das auch möglich ist. 

Donnerstag, 20. November 2014

Aus einer Milchhalle wird eine lutherischen Kapelle

Eines der schwierigsten gesellschaftlichen Herausforderungen Europas ist die Frage der Integration der Roma und Zukunftsperspektiven für sie. Es ist ein hoch komplexes Problem, das noch dadurch verschärft wird, dass gerade aus nationalistischen und rechtspopulistischen Kreisen versucht wird, gegen Roma vorzugehen.
Gemeinsam ist den sehr unterschiedlichen Roma-Gemeinschaften vor allem eines: Ihre große Mehrheit lebt in tiefster Armut und hat ein immenses, historisch aufgehäuftes Modernisierungsdefizit. Unter den kommunistischen Diktaturen wurde dieses Defizit durch den formalen Schul- und Arbeitszwang kaschiert, aber nicht beseitigt. Nach 1989 überließen die postkommunistischen Regierungen die Roma-Gruppen sich selbst. Verelendung und Ghettoisierung nahmen stark zu. Die extrem prekären Lebensbedingungen - Analphabetismus, fehlende Gesundheitsvorsorge, Arbeitslosigkeit, Abhängigkeit von geringfügigen staatlichen Hilfen - oder ein Abgleiten in Prostitution und Kleinkriminalität sind in vielen Roma-Gruppen seit mehreren Generationen das gültige Existenzmodell.
Das muss jedoch nicht sein. Gerade Kirchen sind hier gefordert. Die lutherische Kirche Ungarns hat sich einer kleinen Romagemeinde angenommen in Csenyéte. Es ist einer der ärmsten Roma-Siedlungen Ungarns. Hier entsteht durch ehrenamtliche Arbeit nun eine lutherische Kapelle.  Das fünfhundert Seelen fassende Dorf wurde schon mehrfach von den ungarischen Medien als hoffnungsloser Fall der Gewalttätigkeit verschrien. Eine reformierte und eine griechisch-katholische Kirche wurden bereits bis zur Unbrauchbarkeit demoliert. Doch Pfarrer Tibor Domokos zusammen mit den Einwohnern ist es nun geklungen eine alte Milchhalle zur Kapelle umzugestalten. Sie ist inzwischen als Kirche geweiht. Das löst die Probleme mit ist aber ein Hoffnungszeichen, dass Integration möglich ist.

Montag, 17. November 2014

Es geht um Glauben an das Evangelium beim Dienst an der Diaspora

Bibelstunde in Bolivien
"Nicht um Heimat und Vätertreue geht es im Dienst an der Diaspora, sondern um Glauben an das Evangelium" - das schrieb der ehemalige Präsident des GAW Prof. Franz Lau. Und er bezog sich dabei auf das reformatorische Verständnis von Glauben als Glaube an Jesus Christus als alleinigen Grund göttlicher Annahme und Vergebung. Glaube verstanden als schlechthinnige Abhängigkeit oder auch allgemeines Urvertrauen verdunkelt diesen Bekenntnischarakter evangelischen Glaubensverständnisses.
Franz Lau wollte deutlich machen, dass es keine Frage ist, ob man sich für die evangelische Diaspora als Kirche einsetzen muss oder nicht. Es geht um eine Glaubensfrage und ein Bekenntnis zum HERRN der Kirche beim Einsatz für die Schwestern und Brüder in der weltweiten evangelischen Diaspora. Und damit ist der Einsatz für die Diaspora Ausdruck der Verantwortung füreinander und der Verbundenheit miteinander. Keiner muss alleine glauben. Der Glaube an Jesus Christus führt uns zu denen, die unsere Hilfe brauchen.

Samstag, 15. November 2014

Die wachsende Bedeutung der Evangelikalen in Brasilien

Eine große Freikirche in Sao Paolo
In Brasilien gehört der Großteil der Bevölkerung zur katholische Kirche. Gleichzeitig bekennen sich immer weniger der 200 Millionen Einwohner zu ihr. In den 1970er Jahren wa­ren weit über 90 Prozent der Brasilianer Katholiken, heute sind es nur noch 64,6 Prozent. Das scheint weiter zu gehen. Das ist für die Kirche eine schwierige Herausforderung. Zunehmend haben den entstandenen Freiraum evangelikalen Freikirchen ausgefüllt. Insbesondere Angehörige der neuen Mit­telschicht finden in den „Neuen Kirchen‟ des Evangelika­lismus eine geistliche Heimat. Zählten die Freikirchen in den 1970ern noch knapp fünf Prozent der brasilianischen Bevölkerung zu ihrer Anhängerschaft, sind es heute mehr als ein Fünftel.
Die Gründe dafür sind vielfältig: Urbanisierung und eine da­mit einhergehende Auflösung des klassischen katholischen ländlichen Milieus, Skandale innerhalb der katholischen Kirche in Brasilien und der Welt, allgemeiner Priesterman­gel sowie eine geringe Präsenz der katholischen Kirche in den Favelas. Experten erklären zudem, dass die katholi­sche Kirche im Gegensatz zu den Evangelikalen eher pas­siv bleibe. Regelmäßige Gottesdienste auf den Plätzen und in den Festhallen der Favelas, das Versprechen von Wun­dern und einer Neuauflage des Ablasshandels verheißenschnelle Lösungen der Alltagsprobleme. In den Vororten der Ballungszentren stoßen die Pfingstkirchen auf ein großes Echo. Nahezu zwei Drittel der pfingstkirchlichen Anhängerschaft verdienen nicht mehr als den Mindestlohn, die Analphabetenrate ist höher als im Bevölkerungsdurch­schnitt und 42 Prozent haben keine abgeschlossene Schul­ausbildung.
Auch im politischen Spektrum wird dieser Evangelikale Kontext interessant. Eine wichtige Interessens­vertreterin und Trägerin evangelikalen Gedankenguts ist die Sozial-Christliche Partei (Partido Social Cristão, PSC). Inzwischen ist die Partei im Parlament vertreten und vertritt gerade in ethischen Fragen konservative Anschauungen. (Quelle: ww.kas.de)

Donnerstag, 13. November 2014

Weihnachtskartenmotiv des GAW 2014


Das GAW hat eine neue Weihnachtspostkarte herausgegeben mit einem Motiv aus der lutherischen Christuskirche in Omsk/Sibirien. Die Klappkarte vom Format DIN A6 kostet 0,50 € (zzgl. Versandkosten) und kann bestellt werden unter:verlag@gustav-dolf-werk.de.

Dienstag, 11. November 2014

NEU !!! Das Magazin des GAW: "Evangelisch weltweit"

Im Oktober vor 60 Jahren erschien zum ersten Mal das "Gustav Adolf Blatt". Damals hieß es im Editorial: "Jedes christliche Werk braucht Werkzeuge; Berichte, die von seiner Arbeit erzählen, Werbeblätter, die zur Liebeshilfe aufrufen. Eindringlicher als das Wort wirbt das Bild... Es ruft die Kirche auf, den bedrängten, um ihren evangelischen Glauben oft schwer kämpfenden Gemeinde der Diaspora in aller Welt das Evangelium zu bringen und ihnen Gottesdienststätte zu schaffen, in denen sie "Gemeinschaft am Evangelium" pflegen können." Von Beginn an erschien das Gustav-Adolf-Blatt vierteljährlich. Damals begann es am Reformationstag.
Nun hat das GAW gemeinschaftlich entschieden, das alte Blatt zu "reformieren". Das ist gelungen! Auch hat es einen neuen Namen erhalten. Unter dem Namen "Evangelisch weltweit. Das Magazin des Gustav-Adolf-Werks". Der Inhalt bleibt. Das "outfit" hat sich geändert. Es erscheint farbig. Die Erscheinungsmonate werden leicht verändert. Ab sofort: November, Februar, Mai und August. Wir hoffen, dass es dem Auftrag des GAW, die Diasporaverantwortung in den Gliedkirchen der EKD zu stärken und zu schärfen, hilft. Der Preis für vier Hefte wird sich moderat anpassen - auf 9,90 Euro im Jahr. 
Abonnieren Sie das Blatt unter verlag@gustav-adolf-werk.de!

Montag, 10. November 2014

Eurowaisen in der Slowakei

Ev. Kirche in Brezno (Slowakei)
Der Generalbsichof der Evangeleischen Kirche A.B. in der Slowakei Milos Klátik besuchte Anfang November die Synode der VELKD in Dresden. Er berichtete in seinem Grußwort über die Situation seiner Kirche. Zahlreiche Mitglieder der Kirche in der Slowakei arbeiten zeitweise in Deutschland - Boft in der Altenpflege oder am Bau. Für das kirchliche Leben bringt das Beeinträchtigungen.Viele Frauenkreise in der Evangelischen Kirche seien nicht mehr arbeitsfähig. Ebenso litten Bauprojekte in vielen der 326 Gemeinden unter der Arbeitsmigration, weil zahlreiche Maßnahmen in Eigenleistung erbracht würden. Dabei fehlten die Bauarbeiter, die gerade im Ausland tätig sind. Außerdem gebe es eine wachsende Zahl von zeitweisen „Waisenkinder“. Das Thema dieser sog, Eurowaisen beschäftift die Frauenarbeit im GAW. In diesem Jahr wird das Zentrum SVETLO der evangelischen Diakonie gefördert. Arbeitsmigration und die daraus erwachsenden Probleme betreffen die sozialen Strukturen, und eben auch die Kirchengemeinden. 
Der lutherischen Kirche gehören 370.000 der 5,4 Millionen Einwohner der Slowakei an. Laut Klatik sucht der neue Staatspräsident Andrej Kiska den Meinungsaustausch mit der Kirche in ethischen Fragen und bei staatskirchenrechtlichen Themen.

Freitag, 7. November 2014

Theologieausbildung für die lutherische Kirche in Bolivien

Kirchenverwaltung der IELB

 „Wir werden es als lutherische Kirche in Bolivien nicht schaffen, ein fest installiertes theologisches Institut aufzubauen. Das nötige Geld haben wir nicht“, sagt Kirchenpräsident Emilio Aslla Flores. „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass das über unsere Kräfte geht. Und in anderen Ländern zeigt sich, dass es nicht einfach ist, theologische Institute am Leben zu erhalten.“ 
„Was wir aber brauchen ist eine fundierte Ausbildung in lutherischer Theologie. Wir müssen als IELB an unserer Identität intensiver arbeiten und nach außen zeigen, was wir innen als lutherische Christen glauben“, erklärt er.
Immer wieder gab und gibt es in der IELB Vorbehalte gegen die ISEAT, eine ökumenische Ausbildungsstätte in La Paz. Die lutherische Kirche gehört zu den Gründern und immer noch zu den Mitgliedern. ISEAT wird vorgeworfen, zu wenig über lutherische Identität zu lehren. Auf der einen Seite gab es Konflikte mit pentecostalen Dozenten, die über die Wiedertaufe sprachen. Auf der anderen Seite spielt an ISEAT die „andine Theologie“ eine Rolle. Bei vielen Gemeinden der IELB gibt es dagegen starke Vorbehalte. 
Nun soll dennoch auch die Kompetenz der ISEAT in einigen Bereichen genutzt werden. Denkbar ist der Bereich der biblischen Theologie und der Bibelkunde. Ebenso ist die IELB angewiesen darauf, von der staatlichen Anerkennung der Abschlüsse der ISEAT zu profitieren. In Zukunft wird das in der IELB eine Rolle spielen, wenn es um die Zusammenarbeit mit dem Staat geht – insbesondere was die diakonische Arbeit angeht. Hier braucht es anerkannte Abschlüsse.
Wie sich das geplante „Seminario Pastoral Teologico Luterano“ in der Praxis bewährt, wird die Zukunft zeigen. 
„Wir wollen versuchen, in unserem Kontext unter unseren Bedingungen für eine nachhaltige lutherische theologische Aus- und Fortbildung zu sorgen“, bekräftigt Emilio.

Eine "Herberge" für die lutherische Gemeinde in Cochabamba

Eingang zum derzeitige Kirchraum
Vormittagsgruppe
Cochabamba, 220 km südlich von La Paz gelegen, ist mit ca. 1,5 Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt Boliviens. Sie wächst unaufhörlich, da viele Migranten aus den ländlichen Regionen in die Metropolen ziehen. Die Not treibt die Menschen auf der Suche nach besseren Lebensverhältnissen in die Städte. Was sie hier vorfinden, führt dann oft in andere Nöte: Familienstrukturen zerbrechen, es kommt zu häuslicher Gewalt, sexuellem Missbrauch, Bandenwesen, Vernachlässigung der Kinder und Jugendlichen. In Cochabamba wurde 2007 eine lutherische Gemeinde gegründet, deren Arbeit sich von Beginn an auf Kinder und Jugendliche konzentrierte. „Anfangs trafen wir uns mit ihnen am Wochenende. Schnell haben wir gemerkt, dass das nicht reicht“, sagt Kirchenpräsident Emilio Aslla Flores. „Wir haben gesehen, dass das Evangelium uns ruft, uns um die Sorgen und Nöte der Kinder und Jugendlichen zu kümmern. 25 Kinder aus den ärmsten Familien erhalten von uns jetzt täglich ein Essen und bekommen Hausaufgabenhilfe. Zudem bieten wir noch Computer- und Präventionskurse an.“ Inzwischen ist die Gemeinde auf 60 Personen (mit Kindern und Jugendlichen) angewachsen. Indirekt wendet sich die Gemeindearbeit an ca. 300 Personen, die zu den Familien der Gemeindeglieder oder zu den Nachbarn gehören. Es fehlt der Gemeinde jedoch an Räumlichkeiten für ihre Arbeit. 
Nachmittagsgruppe
Zurzeit trifft sich die Gemeinde in einer angemieteten Wohnung, in der alle Aktivitäten stattfinden. Die Bedingungen sind aber schlecht, denn die Aktivitäten führen immer wieder zu Ärger mit den Nachbarn und dem Vermieter. Die Gemeinde braucht dringend ein eigenes Grundstück. Sie benötigt für ihre  diakonischen Aktivitäten und für das Gemeindewachstum ein eigenes Gebäude. Es soll ein ca. 300 m² großes Gemeindezentrum gekauft werden, um u.a. auch Frauen in schwierigen Verhältnissen Unterstützung anbieten zu können. 
Im kommenden Projektkatalog sammelt das GAW wir für diese wichtige Arbeit!




Donnerstag, 6. November 2014

Bolivien - ein laizistischer Staat (?)

„Es gibt in einigen Regionen des Landes eine spürbare Diskriminierung unserer lutherischen Gemeinden“, berichtet Kirchenpräsident Emilio Aslla Flores auf der Pastorenkonferenz. Deshalb sei es wichtig zu wissen, was das Religionsgesetz in Bolivien garantiert. „Es gibt immer noch eine spürbare Bevorzugung der katholischen Kirche, auch wenn sie das Privileg als offizielle Religion des bolivianischen Staates mit der neues Verfassung vom 7. Februar 2009 verloren hat.“

Zum Hintergrund: 1825 erlangte Bolivien seine Unabhängigkeit. Die Verfassung hat die katholische Kirche von Beginn mit Privilegien ausgestattet und bevorzugt. Politisch und rechtlich wurde sie staatlich gestützt. Lange Zeit wurde das Land in dieser Weise geprägt. „Das spürt man in vielfältiger Weise noch heute“, sagt Emilio. „Die neue Verfassung wollte das grundsätzlich ändern. Keine Religion wird mehr als offizielle Religion im Staat anerkannt. Darauf müssen wir uns beziehen, wenn es Diskriminierungen gibt!“
Artikel 4 der bolivianischen Verfassung sagt: „Der Staat respektiert und garantiert die Religionsfreiheit, spirituelle Glaubensrichtungen in Übereinstimmung mit ihren Fundamenten. Der Staat ist unabhängig von jeder Religion.“
„In Bolivien gibt es eine garantierte Religionsfreiheit. Es ist das Recht eines jeden. Keiner kann uns dieses Recht nehmen“, macht Emilio deutlich. An dem Beispiel der katholischen Schulen macht Emilio das deutlich: In den Schulen darf niemand katholische Religion oder andere Glaubensrichtungen aufgedrückt werden. In katholischen Schulen darf z.B. niemand die Kommunion aufgezwungen werden. 
„Es ist wichtig für uns als Kirche, dass wir uns nicht unterdrücken lassen. Es gibt keine Religion superior!“ betont Emilio zum Abschluss.
Inzwischen gibt es ein weiteres rechtliches Problem insgesamt für alle Kirchen. Der Staat will um der finanziellen Ein- und Ausgaben der Kirchen wissen. Denn in jüngster Zeit sind bestimmte Kirchen aufgefallen, dass die neuen Rechte zu Missbrauch geführt haben. Kirchen wurden als Instrumente der Geldwäsche missbraucht. Der Staat will dem einen Riegel vorsetzen. Nur wird – wenn es verabschiedet wird – dieses Gesetz Kirchen wie die IELB vor Probleme setzen. „Darauf müssen wir uns vorbereiten“, sagt Emilio Aslla Flores.

Die Mission der Gemeinde "Santissima Trinidad" in El Alto

Rufino (li.) mit seinem Kollegen
vor dem Neubau
Santissima Trinidad in El Alto
Die lutherische Gemeinde „Santissima Trinidad“ in El Alto ist erst 17 Jahre alt – und sie hat schon eine schwierige Geschichte hinter sich. Vor 10 Jahren kam es zu heftigen Spannungen, als einige Gemeindemitglieder sich pfingstlichen Strömungen öffneten. Es kam sogar zu Wiedertaufen. „Das hatte mit der lutherischen Kirche nichts mehr zu tun“, sagt Pastor „laico“ Rufino. „Schlimm war es, dass an die 90% der Gemeinde sich dieser Tendenz anschloss“, fährt er fort. „Es kam zu Brüchen in den Familien. Einige sind bis heute nicht geheilt.“ Zum Glück gelang es der„pfingstlerischen“ Gemeinde nicht, das Kirchengebäude an sich zu reißen. „Das konnten wir verhindern“, sagt Rufino. Die Gemeinde lag aber am Boden. Es gelang ihr dennoch, sich neu auf den Weg zu machen. Dabei half das Missionskonzept der lutherischen Kirche „Mission Urbana“. Ziel ist es, die Kirchen auch unter der Woche zu öffnen, was lange Zeit nicht gemacht wurde, denn die Pastoren gehen alle einem anderen Beruf nach und leisten die Arbeit nebenamtlich am Wochenende. „Mission Urbana“ will helfen, dass die Kirchengemeinden sich den Sorgen und Nöten der Umgebung der Kirchengemeinde öffnet. Zudem will das Programm die Gemeinden ermutigen, die Migranten vom Land zu integrieren. 
In Santissima Trinidad ist man eine Zusammenarbeit mit einer nahe gelegenen Schule eingegangen. Das ist für eine lutherische Gemeinde nicht normal, dass das überhaupt geht. „Hier bieten wir Workshops an zur Gewaltprävention. Zudem versuchen wir mit unserer Form des lutherischen Glaubens unsere Werte zu vermitteln“, sagt Rufino.
Für diese sich öffenende Arbeit braucht es mehr als einen Gottesdienstraum. Um die Mission der Gemeinde zu unterstützen hat das GAW geholfen, dass Gemeinderäume für die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Frauen der Gemeinde geschaffen werden können. Selbst hat die Gemeinde ihren Teil dazu beigetragen, dass die Räume entstehen können. Noch fehlt einiges. „Aber ich bin sicher, dass wir es bis Ende kommenden Jahres ganz schaffen!“ sagt Rufino.
Die Gemeinde hat es geschafft, aus der Krise gestärkt heraus zu kommen. Inzwischen hat sie fast wieder ihre alte Mitgliederzahl erreicht – eben auch durch ihr missionarisches Zeugnis.

Mittwoch, 5. November 2014

Ein Ort der Würde für Maria in Caranavi / Bolivien

Die Mädchen aus Caranavi
Maria ist 8 Jahre alt. Sie hat zwei Schwestern. Eine ist 16 Jahre alt, die andere 11. Die Mutter kam vor drei Jahre bei einem Verkehrsunfall ums Leben. So musste der Vater schauen, wie es mit den drei Schwestern weiter gehen konnte. Er selbst arbeitet in einer „Kolonie“ in der Landwirtschaft, weit entfernt von der Stadt Caranavi. Dort reicht die Schule nur bis zur 5. Klasse. Danach müssen die Kinder entweder auf dem Feld arbeiten oder bei der Kokaernte helfen. Der Vater wollte aber, dass die Schwestern weiter zur Schule gingen. So mietete er ein Zimmer in Caranavi und meldete die Schwestern bei einer Schule der Stadt an. Die älteste Schwester bekam den Auftrag, auf die beiden anderen aufzupassen. Damit war sie überfordert. Abends ging sie gerne aus der Wohnung und streifte durch die Stadt. Die beiden kleinen Schwestern wurden eingeschlossen. Irgendwie hörte der Vater dann glücklicherweise von dem „Centro Verena Wells“ der lutherischen Kirche in Caranavi. Das ist ein Internat für solche Mädchen, die in der „Kolonie“ keine Chance auf eine weitere Schulausbildung haben. Hier können sie wohnen und werden zusätzlich von der Leiterin, die wie eine „Mama“ zu ihnen ist und zwei deutschen Freiwilligen betreut. Es gibt Hausaufgabenhilfe, Nachhilfeunterricht, handwerkliche Workshops und Sport. Der Tag ist gut strukturiert. Durch die gute und intensive Begleitung gehören die Mädchen des Centros inzwischen zu den leistungsstärksten Schülerinnen in ihren Schulen. Hier kann man sehen, was man mit einer guten Förderung erreichen kann.
Als Maria ins Zentrum kam, war sie sehr eingeschüchtert und redete kaum. Folgen dessen, was sie alles hat durchmachen müssen. Im Centro musste sie für die Schule viel aufholen. Das ist einigermaßen gelungen. Zudem spricht sie langsam wieder.
Im Centro wird darauf geachtet, dass Mädchen wie Maria eine Chance bekommen. Deshalb achtet die Kirche darauf, die Mädchen aufzunehmen, die aus besonders prekären Verhältnissen kommen. 20 Mädchen leben in dem Centro zusammen. Und alle betonen, wie dankbar sie sind, in dem Internat wohnen zu können. Solche Häuser müsste es in Bolivien noch viel mehr geben. 
Mit Hilfe der Pfälzer Landeskirche und des GAW ist es gelungen hier ein segensstiftendes Projekt zu realisieren.



Samstag, 1. November 2014

Fortbildungstagung der lutherischen Kirche in El Alto

Kirchenpräsident Emilio Aslla Flores
Am Reformationstag und an Allerheiligen trafen sich in der Kirche „El Sinai“ aus allen Regionen Boliviens Pastoren, Laienprediger und Verantwortliche aus den Kirchengemeinden der lutherischen Kirche. „Oft können wir uns nicht treffen“, sagt Emilio Aslla Flores, Kirchenpräsident der lutherischen Kirche. „Einige haben lange Fahrten hinter sich, um teilzunehmen. Umso wichtiger sind solche Begegnungen wie zum Reformationstag, dass wir uns unserer lutherischen Identität in Bolivien vergewissern.“ Das ist eine Herausforderung, denn die Kirche muss unterschiedliche Kulturen und Sprachen integrieren. „Gemeinsam Kirche zu sein mit Aymara, Quechua und anderen ist für uns eine bleibende Herausforderung,“ sagt Emilio. „Seit einiger Zeit spürt man auch einen charismatischen Einfluss in einigen Gemeinden der Kirche. Hier müssen wir sehr gut miteinander arbeiten, was integrierbar ist und was nicht.“ Dabei weiß er aus den Erfahrungen anderer lutherischen Kirchen in Lateinamerika, dass es da zu erheblichen Spannungen kommen kann. „Das wollen wir vermeiden. Deshalb ist es wichtig für uns, dass wir unsere Pastoren und Laienprediger gut fortbilden und ihnen deutlich machen, dass die reformatorische Bewegung auch eine Bildungsbewegung ist.“ Er berichtet, wie gerade bei der Frage der Ausbildung von Pastoren Nachfragen kamen hinsichtlich der reformatorischen Erkenntnis des Priestertums aller Gläubigen. „Einige meinen, dass man dann doch sofort und ohne Ausbildung Pastor sein könne“, berichtet Emilio. „Daran arbeiten wir! Aus- und Fortbildung muss sein. Ohne das keine lutherische Kirche!“
Derzeit erarbeitet die Kirchenleitung eine neue Struktur für die Theologenausbildung. An dem ökumenischen Institut ISEAT in La Paz haben viele Pastoren Kurse belegt. Immer wieder gab es Kritik aus der lutherischen Kirche an dem theologischen Profil. "Wir müssen genau überlegen, was wir mit ISEAT zusammen machen können und was nicht", sagt Emilio. Auf jeden Fall wird die lutherische Kirche kein eigenes Ausbildungsinstitut eröffnen.