Sonntag, 31. August 2014

Migration in Bolivien und die Auswirkung auf die lutherische Kirche

Gottesdienst in einer lutherischen Gemeinde Boliviens
Bolivien gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Nahezu 60 % der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze. Das hat sich auch seit der Wahl des ersten indigenen Präsidenten des Landes, Evo Morales Ayma, im Jahre 2005 nicht grundlegend geändert. Ein Großteil der Bevölkerung Boliviens sind einfache Bauern. Viele von ihnen treibt die Not an die Ränder der großen Städte, wo sie hoffen, bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen vorzufinden. 
Auch Cochabamba, 220 km südlich von La Paz gelegen und mit 631.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt Boliviens, wächst unaufhörlich, weil viele Menschen aus ländlichen Regionen hierher ziehen. Was die Familien dann aber vorfinden - nicht nur in Cochabamba –, führt oft in andere Nöte: Familienstrukturen zerbrechen, es kommt zu häuslicher Gewalt, sexuellem Missbrauch, Bandenwesen, Vernachlässigung von Kindern und Jugendlichen usw. 
In Cochabamba gründete die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bolivien (IELB) im Jahre 2007 eine Gemeinde. Sie sammelte Migrantenfamilien und konzentrierte sich auf die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. „Anfangs trafen wir uns nur am Wochenende mit den Familien und ihren Kindern. Schnell haben wir jedoch gemerkt, dass das nicht reicht“, erzählt Emilio Aslla Flores, der Kirchenpräsident der IELB. Inzwischen erhalten 20 Kinder aus den ärmsten Familien jeden Tag eine Mahlzeit in der Gemeinde. Es wurde eine regelmäßige Hausaufgabenhilfe organisiert und zusätzlich werden regelmäßige Computer- und Präventionskurse angeboten. Der engere Kreis der Gemeinde besteht derzeit aus 60 Personen. Es profitieren jedoch bereits rund 300 Menschen von der Arbeit der Gemeinde – Familienmitglieder, Nachbarn u.ä.
"Cochabamba ist ein Beispiel dafür, wie sich auch unsere Kirche verändert hat. Die Anzahl der Gemeinden im ländlichen Bereich ist gesunken. Gemeinden dort schließen sich zusammen, weil sie aufgrund der Binnenmigration Mitglieder verlieren. Allerdings wachsen dafür unsere Gemeinden in den Großstädten," schreibt Emilio Aslla Flores.  

Samstag, 30. August 2014

15.000 € Hilfspaket für syrische Christen


Verteilung von Lebensmittelpaketen in der Armenischen
Evangelischen Kirche in Aleppo.
Gemeinsam mit der Evangelischen Kirche im Rheinland und mit der Evangelischen Landeskirche Baden schnürt das GAW erneut ein Hilfspakt für verfolgte und bedrängte Christen im Bürgerkriegsland Syrien. Insgesamt 15.000 Euro sollen diesmal über die Gemeinschaft evangelischer Kirchen im Nahen Osten an zwei evangelische Gemeinden in Aleppo gehen: an die arabische Presbyterian Church of Aleppo und an die Armenische Evangelische Kirche. Beide Gemeinden leisten bereits seit Monaten intensive diakonische Arbeit in der umkämpften Stadt im Norden Syriens. Sie verteilen beispielsweise Lebensmittelpakete und die Armenische Evangelische Kirche betreibt eine Poliklinik, um eine medizinische Grundversorgung sicher zu stellen. Zugute kommt die Hilfe nicht nur Gemeindemitgliedern, sondern auch Familien und Menschen, die nicht zu den Gemeinden gehören.
Mit dem aktuellen Hilfspaket soll 75 Familien, die völlig ohne Einkommen sind, zwei Monate lang jeweils 100 Euro finanzielle Direkthilfe gewährt werden. Rosangela Jarjour, Generalsekretärin der Gemeinschaft evangelischer Kirchen im Nahen Osten: „Mit dieser finanziellen Unterstützung wollen wir die Familien in die Lage versetzen, das zu kaufen, was sie im Moment an dringendsten brauchen. Die beiden Kirchgemeinden kennen aufgrund ihrer bisherigen Arbeit die Familien, die am meisten bedürftig sind. Die Listen, die sie z.B. für die Verteilung von Lebensmitteln führen, werden ständig aktualisiert.“
Derweil verschärft sich die Lage der Christen in Aleppo, da vom Norden her die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) auf die Stadt zumarschiert. 

Freitag, 29. August 2014

Diaspora-Arbeit ist modern und innovativ!

Im Verlag des Martin Lutherbundes zur Geschichte der siebenbürgischen Kirche hat Ulrich Andreas Wien ein Buch veröffentlicht, das auch das GAW unterstützt hat. Er schreibt darin zur Enstehung des GAW Rumänien: "Am 17. November 2002 wurde - initiiert und durch ausdauernde Ermunterung aus der Zentrale des GAW in Leipzig unterstützt - in Rumänien ein eigenes Landes GAW der vier traditionellen protestantischen Kirchen begründet. Dessen Sitz befindet sich in Oradea, zu dessen Generalsekretär Pfarrer Attila Mátyás bestimmt wurde. Es knüpft an die lange und fruchtbare Geschichte der Gustav-Adolf-Partnerschaft mit Siebenbürgen an und führt sie unter neuen Vorzeichen innerprotestantischer Ökumene fort.
Was einst nur ansatzweise gelang, ist heute Selbstverständlichkeit: Grenzüberschreitung - interkonfessionell, interethnisch und ökumenisch. Ein Beispiel für Pluralismusfähigkeit und Solidarität in Europa und darüber hinaus. 
Diaspora-Arbeit ist modern und innovativ, und Diasporatheologie ist als die Herausforderung für die nordeuropäischen Kirchen zu begreifen, Grenzüberschreitungen zu wagen, um der Diasporamentalität zu wehren."
Dieses Bewußstsein gilt es zu stärken!!!

Donnerstag, 28. August 2014

Aus der Geschichte der Evangelischen in Spanien

"Im Jahre 1868 brach der Thron der Königin Isabella II. in Spanien zusammen. Damit fielen die Schranken, die dem Wort Gottes den Eintritt in das abgeschlossene Land verwehrten. Wenige Jahre vorher waren noch einige Spanier, unter ihnen der bekannte Matamoros, zu neunjähriger Galeerenstrafe verurteilt worden, nur weil sie die Bibel verbreitet hatten. Nach der Revolution wurde am 15. November 1868 die erste evangelische Predigt gehalten. Der 50-jährige Gedenktag wird von den dortigen evangelischen Glaubensgenossen festlich begangen werden." 
(aus dem Monatsblatt des Gustav-Adolf-Vereins für die Provinz Sachsen, Sept./Okt. 1918, S. 80)

Mittwoch, 27. August 2014

Die Schaufensterkirche von Örmezö


Das Gemeindezentrum der reformierten Gemeinde im
Budapester Stadteil Örmezö war früher ein Pub.
Örmezö ist ein Stadtteil am Rande der ungarischen Hauptstadt Budapest. Plattenbauten dominieren das Bild. Dávid Faragó, Pfarrer der reformierten Gemeinde von Örmezö: „Als ich vor einigen Jahren in Örmezö ankam, wusste ich, dass wir viel Zeit brauchen würden Gemeinde zu bauen. Es gibt viele Schwierigkeiten, die mit dem Leben in einem solchen Stadtviertel verbunden sind. Die Wände in den Häusern sind dünn, haben aber dennoch eine große Kraft, die Menschen auf Distanz zueinander zu halten.“
Viele Jahre trafen sich die Mitglieder der Gemeinde in der Wohnung des Pfarrers, um Gottesdienste oder Bibelstunden zu halten. Jetzt endlich – im August 2014 – haben sie ein kleines Gemeindezentrum einweihen können: in den Räumen eines ehemaligen Pubs. Eine ältere Frau, die seit 36 Jahren in Örmezö lebt und Mitglied der Gemeinde ist, erzählt: „Ich bin reformiert getauft. Aber solange es keine reformierte Gemeinde in Örmezö gab, praktizierte ich meinen Glauben nicht. Ich war sehr dankbar, als Pfarrer Faragó hier begann, eine reformierte Gemeinde aufzubauen. Inzwischen sind meine drei Enkelkinder hier getauft und eines ist sogar schon konfirmiert worden. Ich bin sehr glücklich, dass wir nun endlich ein eigenes kleines Gemeindezentrum haben.“
Etwas ungewohnt ist es für einige der Gemeindemitglieder noch, ihre Gottesdienste quasi im Schaufenster eines ehemaligen Pubs zu feiern. Menschen gehen draußen vorbei und schauen hinein. Pfarrer Faragó: „Aber das ist auch eine Chance. Die großen Fenster demonstrieren Offenheit und laden Menschen ein, hereinzukommen.“

Dienstag, 26. August 2014

Ökumenisches Fürbittgebet für Estland, Lettland und Litauen

Anregungen für Dank und Fürbitte für Estland, Lettland und Litauen


Wir danken für:
- das neue Leben, das aus den Trümmern des Kommunismus entstanden ist.
- die Kirchen, die in den Menschen der baltischen Staaten eine neue Lebenskraft entdeckt haben.
- den Berg der Kreuze in der Nähe von Siauliai, Litauen, und für all die geschnitzten Holzkreuze und Heiligenstatuen, die überall in Litauen an Straßenkreuzungen stehen.
- uralte estische runische Gesänge mit achtsilbigen Versen und mit einem Thema, das langsam von Vers zu Vers entwickelt wird.
- Krisjanis Barons, der mehr als eine Million dainas, lettische Volkslieder, gesammelt hat, von denen einige mehr als 1000 Jahre zurückdatieren.
- geräucherten Fisch, herzhafte Brote, Pfannkuchen und Beerenpasteten.

Wir bitten um/für:
- wirtschaftliche Verbesserung und Stabibilisierung in diesen Ländern, die jetzt ihre Wirtschaft umstellen und neuen Chancen entgegensehen, die sie in der Vergangenheit nicht hatten.
- Gerechtigkeit und Kraft für alle, die sich gegen Korruption aussprechen und sich für die Obdachlosen und Armen einsetzen.
- die großen ethnischen Minderheiten in all diesen Ländern, die an den Rand gedrängt, beschimpft und oft angegriffen werden.
- Sorge und Führung für Pfarrerinnen, die nach Wegen suchen, dem Ruf Gottes in ihrem Leben zu folgen.
- ein Abnehmen des Unterschiedes zwischen Reich und Arm, für Mittel und Wege sowie die Bereitschaft für die zu sorgen, die durch ein neues Wirtschaftssystem mittellos wurden.
- die Umwelt, die durch die enorme Industrialisierung und Verstädterung zu einem großen Teil zerstört wurde, und für alle, die mit den Folgen der Luft-, Boden- und Wasserverschmutzung leben müssen.
- Gedenkstätte und Wallfahrtsort 20km östlich von Siauliai. Die ersten Kreuze wurden vermutlich im 19. Jahrhundert nach den polnisch-litauischen Aufständen errichtet. Die unzähligen Kreuze unterschiedlicher Größe und aus den verschiedensten Materialien wurden oft niedergerissen, besonders in den Jahren von 1961 – 1975 unter den sowjetischen Machthabern.

GEBET
Du, o Christus, hast Worte des ewigen Lebens.
Du bist der Heilige Gottes,
aber die meisten Esten kennen dich nicht.
Sie wissen nicht, zu wem sie gehen können.
Viele sind verzweifelt, abhängig von Alkohol oder Drogen.
Viele Familien sind zerrüttet, ohne Liebe, ohne Frieden.
Sie brauchen dich, Erlöser, und wir brauchen dich auch.
Gib, dass du durch deine Kirche deutlich gesehen werden kannst,
damit andere deinen Geist finden, der Leben spendet.
(© Pastor Olav Pärnamets, Vereinigte Methodistische Kirche, Estland)

Ein Diakoniesaal für die Arbeit mit Behinderten in Rumänien

"Seit sechs Jahren gibt es in den Räumen unserer Kirchengemeinde eine Arbeit mit behinderten Kindern," schreibt Dekan Jozsef Zelenák von der lutherischen Kirche Sfântu Gheorghe / Rumänien. Die Arbeit begann im Kellergeschoss der Kirche. Die Kinder erhielten Bewegungs- und Musiktherapie. "Jetzt kann die Gemeinde dank der Hilfe des GAW  die Arbeit erweitern!" schreibt Jozsef. Die Räume im Gemeindehaus konnten umgebaut werden und entsprechend mit geeigneten Möbeln und Spielsachen ausgestattet werden."
Die Stadt Sfântu Gheorghe (ungarisch: Sepsiszentgyörgy) ist eine der ältesten Städte des Szeklerlandes in Rumänien. Von den 60.000 Einwohnern sind rund 75% Ungarn. Die lutherische Gemeinde in Sfântu Gheorghe ist die zweitjüngste in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Rumänien. Sie wurde 1940 gegründet. In den letzten 15 Jahren ist die Gemeinde auf 1.200 Glieder gewachsen. Kürzlich hat sie eine neue Kirche gebaut, weil der alte Gebetssaal zu klein war. Zur Gemeinde gehören 13 Filialen in der Diaspora, wo der Reihe nach ebenfalls Gottesdienste stattfinden.
Im Projektkatalog 2012 wurde im GAW für dieses Projekt gesammelt. Es ist wichtig, dass die Kirchengemeinde sich in diese diakonischen Arbeit einsetzt und ihre Räume öffnet. Als GAW sind wir dankbar, dass wir haben helfen können!

Montag, 25. August 2014

Zur Geschichte der Zentrale des GAW

Alte Zentrale an der Weststrasse
Die über 180-jährige Geschichte des GAW war immer beeinflusst von den äußeren Umständen des Landes. Im 19. Jahrhundert war es eines der größten kirchlichen Werke. Ein hoher bürgerschaftliches Engagement gab es im Werk. Zum guten Ton gehörte es in Leipzig, dass Bürgermeister und Stadträte Mitglied waren uns sich engagierten. Ein Ausdruck dafür ist z.B. das "Gustav-Adolf-Fenster" in der Thomaskirche Leipzigs, das ein Stadtrat stiftete. 
An der damaligen Weststrasse in unmittelbarer Nähe zum Neuen Rathaus fand sich die großzügige Zentrale. 
Nach der katastrophalen Verheerung des Zweiten Weltkrieges ergab sich  für das GAW im zerbombten Leipzig eine neue Lage. Die Zentrale wurde am 3. Dezember 1943 völlig zerstört. Der wertvolle Archiv- und Bibliotheksbestand ging verloren. Die Zentralkanzlei wurde im Franz Rendtorff-Haus in der Pistorisstrasse 6 (1930 erbaut) untergebracht. Die Zahl der Theologiestudenten verringerte sich dadurch im Heim von 28 auf 15.
Zentrale des GAW
Dieser Umzug war ein schwerer Einschnitt, der zusätzlich durch die deutsche Teilung erschwert wurde. Im Westen Deutschlands bildete sich die sog. "Notgemeinschaft der Gustav-Adolf-Stiftung" im Jahre 1948. 1952 wurde in Kassel die Zentrale des GAW-West eingerichtet. Die Verbindung zur alten Zentrale in Leipzig blieb durch die ganze Zeit der deutschen Teilung bestehen. Man verstand sich immer als ein Werk. Ein Ausdruck dieser engen Verbundenheit war die zügige Wiedervereinigung von GAW Ost und West, die 1992 realisiert wurde. Damit verbunden war die Entscheidung, die Zentrale in Kassel aufzulösen und das Franz Rendtorff-Haus zu sanieren, so dass hier ab November 1994 die gemeinsame Zentrale die Arbeit wieder aufnehmen konnte. Damit endete im Franz Rendtorff-Haus die lange Tradition der Arbeit mit Theologiestudenten - auch aus der Diaspora. Nach Errichtung des Ev. Studienhauses in Stötteritz - auch mit  Unterstützung durch das GAW - konnte diese Tradition fortgesetzt werden dadurch, dass dort unsere GAW-Stipendiaten untergebracht sind. 

Samstag, 23. August 2014

Sanierung des Gemeindezentrums der Waldenser in Neapel

Gottesdienst in Neapel
"Wir danken dem GAW für das konkrete Zeichen der Solidarität," schreibt Pfarrer Eugenio Bernardini, Moderator der italienischen Waldenserkirche. "Diese Jahre sind für unsere Minderheit in Italien besonders schwierig aufgrund der Wirtschaftskrise. Deshalb sind die Spenden für die Renovierung des Gemeindezentrums unserer Gemeinde in Neapel enorm wichtig gewesen." 

Die Waldensergemeinde in Neapel zählt über 130 Glieder. Alle Veranstaltungen, Gottesdienste, Sonntagsschule und Bibelstunden finden im Gemeindehaus in der Altstadt statt. Ein Teil des Gebäudes wird selbst genutzt, der andere Teil wird vermietet. Die Gemeinde ist in ihrem Gebiet gut verwurzelt. Sie befasst sich mit sozialen Problemen, organisiert öffentliche Debatten und Seminare, bietet Raum für Anonyme Alkoholiker und Menschen, die unter Spielsucht leiden. Die Gemeinde hat gute Kontakte zu den anderen evangelischen Kirchen in Neapel.

Das Gebäude wurde Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet. Es brauchte jedoch dringend eine Renovierung. Der Putz, Zierelemente und Teile der Balkone waren so stark beschädigt, dass die baufälligsten Teile schon entfernt werden mussten. 
Das alles konnte jetzt gemacht werden - auch dank der Spenden, die das GAW im Projektkatalog 2013 gesammelt hat.
"In unserer Mission brauchen wir die Unterstützung unserer evangelischen "Glaubensgenossen" in Europa. Dafür sind wir zutiefst dankbar," schreibt Eugenio Bernardini.

Freitag, 22. August 2014

190 Jahre Lutheraner in Brasilien

Der Süden Brasilien war während des 18. Jahrhunderts ein zwischen Portugal und Spanien umstrittenes Gebiet. 1778 gab es schließlich ein Abkommen, das strittige Grenzfragen klärte und dafür sorgte, dass die Region Rio Grande do Sul an Portugal fiel. Die Gegend war dünn besiedelt und so suchte der Kaiser Brasiliens Kolonisten für diese Region, um zu verhindern, dass es zu Landbesetzungen durch andere Mächte kam.
Ab dem Juli 1824 richtete sich auf den Süden Brasiliens und war ein bedeutender Beitrag zur Sicherung und Festigung der Südgrenze Brasiliens. Die erste Gruppe kam aus dem Hunsrück und gründete die Stadt Sao Leopoldo. Schnell entwickelte sich die Region dank dieser Kolonisten, die insbesondere aus der Not heraus sich für eine Auswanderung entschieden.
Viele deutsche Siedler brachten ihren evangelischen Glauben mit in die neue Heimat. Sie brachten ihre Bibeln, Gesangbuch und den Kleinen Katechismus Luthers mit.
Die Lutheraner in Brasilien feiern in diesem Jahr 190 Jahre lutherischer Präsenz in Brasilien. Die IECLB, die Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien, ist aus dieser Einwanderung entstanden.

Donnerstag, 21. August 2014

Flüchtlinge in Malaga in der evangelischen Kirche

“Zur Zeit arbeiten wir im Flüchtlingszentrum der evangelischen Gemeinde in Malaga an den Grenzen unserer Möglichkeiten,” schreibt José Manuel Mochón, Pastor der Gemeinde und Koordinator der Flüchtlingsarbeit der Kirche in Zusammenarbeit mit der Nichtregierungs-Organisation CEAR (Comisión Espanola de Ayuda al Refugiado). „Es kommen permanent neue Flüchtlinge zu uns. Der Flüchtlingsstrom hört nicht auf!“ Allein am 10. August erreichten 90 Flüchtlinge in ihren kleinen Booten die spanische Küste. 
Die Flüchtlingssituation an den europäischen Mittelmeergrenzen ist weiterhin sehr kritisch. Zwar können immer wieder Menschen aus Seenot gerettet werden, gleichzeitig befindet sich die Zahl der Bootsflüchtlinge, die in der Regel von den Küsten Afrikas starten, auf einem dramatisch hohen Stand.
„Am 11. August holten wir für unser Flüchtlingszentrum fünf Frauen mit drei kleinen Kindern für unser Zentrum in Malaga ab. Drei Frauen waren schwanger,“ schreibt José Manuel. Derzeit leben im Zentrum der evangelischen Kirche in Malaga 60 Flüchtlinge aus 17 verschiedenen Ländern. Von ihnen haben 20 politisches Asyl beantragt. 
Mit den Bewohnern des Zentrums wird ein intensives Begleitprogramm durchgeführt, nachdem sie ankommen. Dabei geht es auch um medizinische, psychologische und juristische Begleitung. Auch Sprachunterricht wird angeboten. In dem ersten Halbjahr wurden insgesamt 144 syrische Flüchtlinge von dem Zentrum aufgenommen und entsprechend weiter vermittelt.
„Wir sind dankbar für die enorme Hilfe, die wir in Malaga erhalten haben,“ schreibt José Manuel. „Ohne diese Hilfe hätten wir das Zentrum schließen müssen.“
In den Jahren von 2011 bis 2013 wurde die Kirchengemeinde in Malaga durch den Projektkatalog unterstützt. Diese Hilfe war fundamental. Sonst hätte die Flüchtlingsarbeit beendet werden müssen. Das GAW hat hier segensreich gewirkt.



Mittwoch, 20. August 2014

Evangelischer Open-Air-Gottesdienst aus Österreich im ZDF

Am kommenden Sonntag, den 24. August, wird 9.30 Uhr in ZDF und ORF ein evangelischer Open-Air-Gottesdienst aus Feld am See (Österreich) übertragen. Der Gottesdienst wird am Seeufer stattfinden; sein Thema: "Die Netze auswerfen!" Informationen und eine Videobotschaft des evangelischen Pfarrers Michael Guttner finden Sie unter www.fernsehgottesdienst.de. Michael Guttner ist Gemeindepfarrer in Feld am See und Geschäftsführer des Gustav-Adolf-Vereins in Österreich.

Evangelisch in Europa vor 150 Jahren - Aus der Geschichte des GAW

"Der Bote des evangelischen Vereins der Gustav-Adolf-Stiftung" (N° 1, 1864, S. 1f) berichtet vor 150 Jahren: "Europa zählt nach gewöhnlichen Annahmen etwa 66 bis 67 Millionen Protestanten. Sie verteilen sich in runden Ziffern auf die einzelnen Hauptländer ungefähr so: Großbritannien 23 Mill., Frankreich wenigstens 2 Mill., Rußland 4 Mill., Schweden und Norwegen 5 1/3 Millionen, Dänemark mit Schleswig aber ohne Holstein 2 Mill., Holland 2 Mill., Schweiz 1 1/2 Mill., Ungarn 2 1/2 Mill., Siebenbürgen 1/2 Mill., das übrige Österreich 300.000 T., Preußen 11 Mill., die deutschen Mittel- und Kleinstaaten 11 1/2 Mill., in den übrigen Ländern verstreut 4-500 T... Hiervon sind vielleicht 3-4 Mill. nicht oder kaum im Stande, für ihre kirchlichen Bedürfnisse (selbst aufzukommen)...
Das GAW ist innerhalb der evangelischen Kirche die einzige Vereinigung, die sich solche Hilfeleistung für den ganzen Umfang der evangelischen Kirche ohne jede nationale Schranke zur Aufgabe gemacht und wiederholt dringend die Protestanten aller Länder zur Mitarbeit an diesem Werke eingeladen hat..."

Dienstag, 19. August 2014

Eine Kirche für Yopal / Kolumbien!

vorher / nachher
"Wir sind dem GAW sehr dankbar," schreibt Pastor Nelson Celis von der lutherischen Gemeinde Yopal in Kolumbien. "Wir haben es geschafft, unsere Kirche zu bauen!" In den vergangenen zwei Jahren war es dank der Sammlungen des GAW möglich, eine lutherische Kirche zu bauen, die dem Gemeindeaufbau in der Stadt dient. "70% der bisher verbauten Mittel kamen vom GAW! Das ist enorm!" schreibt Nelson. 
„In Yopal wächst die Gemeinde dank der zahlreichen Aktivitäten unseres jungen Pastors Nelson“, berichtet der Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Kolumbien, Eduardo Martinez, ein wenig stolz. Die Gemeinde zählt inzwischen 70 aktive Glieder, die der unteren Mittelschicht und der Unterschicht angehören. Dazu kommen Sympathisanten. „Mit vielfältigen Initiativen weckt Nelson die Aufmerksamkeit der Bewohner Yopals“, sagt Martinez. 
Die Anfänge der missionarischen Initiativen begannen 2003 in Yopal. Die Stadt liegt 380 km von der Hauptstadt Bogotá entfernt im Einflussgebiet der Guerilla. Große Hoffnung hat man auch hier, dass der Friedensprozess zwischen Regierung und Guerilla Erfolg hat. 
Vor einigen Jahren wurde ein einfaches Haus gebaut, in dem die Gottesdienste gefeiert werden und andere Aktivitäten der Gemeinde stattfinden. Ein weiteres Stockwerk ist jetzt auf diesen Kirchraum errichtet worden, damit die Pfarrfamilie einen gemeindeeigenen Wohnraum erhält. Der Ausbau der Wohnung steht noch aus. Dafür sind die Mittel bestimmt, die in diesem Jahr noch für Yopal vom GAW gesammelt werden.

Montag, 18. August 2014

"Seid Täter des Wortes und nicht Hörer allein!" (Jakobus 2)

"Die Diaspora entwickelt weniger den kritischen Verstand als mehr den Willen und die fromme Innerlichkeit. Und eben darum ist sie eine Erzieherin zur Tat. Von Organisieren und Überorganisieren kann in der Diaspora ja nirgends die Rede sein. Der Pfarrer muss sich selber helfen. Und wenn die Gemeinde sieht, dass er sich selber hilft, dann ist sie treulich bereit, mit die Hand anzulegen. Die Parole "ohne mich" kann in der Diaspora niemals aufkommen... Wer wissen will, was es um die Tatkraft des Glaubens ist, der in der Liebe tätig ist und seine beglückende Entfaltung in der Diaspora findet, der muss Beispiele in der Diaspora suchen... Dieser Geist ist es an dem die Kirche wieder jung wird, aus diesem Geist erneuert sie sich nirgends so lebendig wie in der Diaspora..."
Diese sehr zugespitztem Worte sprach Bischof Dibelius 1951 auf einer Vertreterversammlung des GAW in München. Sie sind pointiert, treffen aber das, was uns immer wieder begegnet: ein hohes diakonisches Engagement, das oft die Kräfte einer Gemeinde in der Diaspora übersteigt, aber Ausstrahlungskraft hat. Damit wollen die Gemeinden sichtbar sein und wollen, dass man "gut von ihnen spricht". Das sagte vor Kurzem der Bischof aus Kasachstan. 
Schwierig ist - das spricht Dibelius auch an -, guten theologischen Nachwuchs auszubilden. Das bliebt immer eine große Herausforderung. 
Dibelius macht aber in diesen Sätzen klar, dass Kirche von ihrer Diaspora lernen kann.

Sonntag, 17. August 2014

Diaspora ist Aussaat und nicht sinnlose Zerstreuung

Der wüttembergische Prälat Wilfried Lempp versuchte 1949 unter der Frage "Warum treiben wir Gustav-Adolf-Arbeit?" in vier Sätzen Kontinuität und Neubeginn der Diasporaverantwortung zu begründen. Dabei fand er in seiner dritten These eine Antwort, die noch heute von grundlegender Bedeutung ist, "weil die Diaspora der Ort ist, wo die Kirche vornehmlich ihre Zeugenaufgabe zu bestätigen hat... Diaspora ist nicht nur sinnlose Zerstreuung, sondern gottgewollte Aussaat."
Es hängt mir der Situation der Diaspora zusammen, dass man gezwungen ist, sich seiner Identität zu versichern und zu bezeugen, warum man evangelisch ist.

Samstag, 16. August 2014

Wird die Bedeutung der Diasporawerke verkannt?

Prof. E. Winkler schrieb in seinem Buch "Gemeinde zwischen Volkskirche und Diaspora" (1998) folgende Zeilen zur Bedeutung der Diasporawerke: "Die Arbeit der Diasporawerke wird in der Kirche und in der Praktischen Theologie wenig beachtet. Ein Grund mag darin bestehen, dass das Interesse der ökumenischen Diakonie sich mehr auf Afrika, Lateinamerika (wo übrigens die Diasporawerke ebenfalls arbeiten) und Asien richtet. "Brot für die Welt" wurde das populärste evangelische Hilfswerk, und das ist zu begrüßen. Dagegen ist zu bedauern, dass die entsprechende Initiative "Hoffnung für Osteuropa", relativ schwache Resonanz fand. Auch ist zu fragen, ob es richtig war, den vorhandenen Diasporawerken eine neue Initiative hinzuzufügen, statt die vorhandenen Instrumente stärker zu unterstützen. Mir scheint, dass die Neigung zur Überorganisation auch auf dem diakonischen Gebiet ihre Tribute fordert."

Freitag, 15. August 2014

"...brannte nicht mein Herz..." (Lukas 24,32) - Zum plötzlichen Tod von Pfarrer Andreas Ding

Andreas Ding (blaues T-Shirt) 
"Auf einer Pfadfinder-Fahrt in Griechenland hat Gott, der HERR, unseren Bruder Andreas Ding (1958-11.8.2014) zu sich gerufen." Schreibt die Cummunität Christusbruderschaft des Klosters Petersberg. 
Pfarrer Andreas Ding war in seinen ersten Dienstjahren Pfarrer in Brasilien und hat dort mit Milton Schwantes zusammen gearbeitet. Danach wurde er Generalsekretär der Presbyterianischen Kirche in Portugal. Aus dieser Zeit her rühren enge und intensive Kontakte zum Gustav-Adolf-Werk. Dieser Kirche war er bis zu Schluß eng verbunden. Das bezeugen auch die Worte der derzeitigen Generalsekretärin Dulce Cabete: "Mit Tränen in den Augen erinnern wir uns an einen unserer besten Freunde unserer Kirche. Wir sind ohne ihn ärmer geworden. Aber wir danken Gott, dass wir ihn kennengelernt haben und er mit uns gelebt hat." 
Zwei Jahre hat Andreas Ding auch für die Fliednerstiftung in Madrid gearbeitet. Seit einigen Jahren lebte und arbeitete er auf dem Petersberg. Dort haben wir Mitarbeitenden im GAW ihn vor wenigen Wochen besucht. Engagiert hat er uns die romanische Kirche mit der Gräbern der Wettiner nahe gebracht und uns von der Arbeit der Christusbruderschaft auf dem Petersberg erzählt. 
Sein Tod ist erschütternd für alle, die ihn kannten und mit ihm verbunden waren. Er fehlt, denn sein Herz brannte für den HERRN den Kirche!
Die Beerdigung findet am Monatg, den 18. August 2014 um 13 Uhr in der Ordenskapelle in Selbitz statt.

Freitag, 1. August 2014

Das wandernde Gottesvolk - Diaspora und Ökumene - vor 50 Jahren

Nach dem 2. Vatikanischen Konzil schreibt der dänische lutherische Theologieprofessor Skydsgaard: "Das Volk Gottes ist ein wanderndes Volk und diese Wanderung hat ihr Geheimnis, ihre Abgründe und ihre Höhen. Sie birgt in sich das Alte und das Neue Israel, sie birgt in sich die römisch-katholische Kirche, aber auch die orthodoxen und alle anderen Kirchen. Die Spaltungen sind Zeichen der Menschlichkeit dieses Volkes, auch Zeichen der Sünde und des Zorns Gottes. Sie haben auch ihre tiefe ekkelsiologische Bedeutung... Sie sind offene Wunden und Heilmittel in einem. Durch sie wird das Volk Gottes tief gedemütigt und erinnert, dass es noch nicht an sein Ende gekommen ist. Die Spaltungen schaffen eine Unruhe, die die Kirchen zu tieferem und immer erneutem Denken nötigt..."
Und der Generalsekretär des GAW Gennrich ergänzt dies aus der Sicht der Diaspora: "Mit dem wandernden Gottesvolk ist zugleich bezeichnet, was Diaspora bedeutet. Es ist die Kirche in der Welt unter Anfechtungen und Gefahren. Es ist die lebendige Kirche, die gegenüber einer verfestigten und verweltlichten Kirche das Evangelium  lebendig zu erhalten hat. Es ist die Aufgabe der Diaspora, Stadt auf dem Berg, Licht der Welt und Salz der Erde zu sein, wie der österreichische Diasporatheologe W. Dantine aufgezeigt hat. Es ist die Funktion der Diaspora, die sog. gefestigten Kirchen daran zu erinnern, dass auch sie Diaspora sind, Volk Gottes auf der Wanderschaft." (Evangelische Diapora 1964, 35. Jg, S. 39f)