Samstag, 31. Mai 2014

"Die ganze Stadt ist ein Friedhof...."

"Die ganze Stadt ist ein Friedof", sagt Eugen Lukinov über die Stadt Krasnoturinsk, wo er seit vier Jahren Pastor der lutherischen Gemeinde ist mit Unterstützung des GAW war es gelungen, hier eine neue Kirche zu bauen. Eugen Lukinov teilt sich die pfarramtlichen Aufgaben mit Pastor August Kruse, der der Gemeinde als Gemeindeleiter vorsteht. 
Kindergottesdienst in Krasnoturinsk
Die Stadt Krasnoturinsk liegt im Swerdlowsker Gebiet und entstand aus den Baracken der russlanddeutschen Zwangsarbeiter, die Aluminiumwerke aufbauten, von denen die Region heute noch lebt. Angefangen hatte es mit einem Arbeitslager der sog. Trudarmee, in denen hauptsächlich Russlanddeutsche gefangen gehalten wurde. 13 km von der jetzigen Stadt war ein großes Lager. Täglich mussten sie den Weg zu Fuß zurücklegen. Hier sind viele Menschen  als Folge von Entkräftung aus Hunger gestorben. 
"In diesem Jahr sagte der Bürgermeister am 9, Mai öffentlich, dass die Stadt Krasnoturinsk den Russlanddeutschen ihre Existenz verdankt", sagt Eugen Lukinov. Und er erwähnte das unermessliche Leid dieser Menschen. Als Erinnerung an diese Opfer gibt es am Damm der Stadt ein Denkmal, dass viele Namen auflistet, um an sie zu erinnern.
Bereits 1947 wurden erste Versammlungen lutherischer Christen in Hauskreisen abgehalten. 1990 wurde die evangelisch-lutherische Gemeinde gegründet, die heute etwa 120 Glieder zählt. "Beinahe alle Gemeindemitglieder kommen zu einem der beiden Gottesdienste, die in Russisch und Deutsch angeboten werden. Auch haben wir eine Gruppe von 20 Kindern immer im Kindergottesdienst. Hier liegt eine große Chance der Gemeinde", sagt Lukinov. "Das gibt Chance, bald mit einer eigenen Jugendarbeit zu beginnen."
Im kommenden Projektkatalog 2015 wird das GAW auf Bitten der lutherischen Kirche die Aussenanlage sanieren.

Ein junger Pastor in Sibirien – Evgeny Filippov

Pastor Filippov von der Christuskirche Omsk 
Evgeny Filippov zählt zu der jungen Generation von Pastoren in Sibirien, die die Gegenwart der Lutherischen Kirche in Sibirien tatkräftig gestalten. Er ist als Pastor der Gemeinde in Omsk tätig und pflegt zudem die Beziehungen zur Evangelischen Jugend im Kirchenkreis Emden-Leer.
Sein Weg zum Glauben und zur Kirche ist beispielhaft für viele junge Christinnen und Christen seiner Generation. Aus einer eher distanzierten Haltung zur Kirche und zum Glauben ist er in den Glauben und in die Gemeinde hineingewachsen.
Sein erster Kontakt zur Gemeinde in Omsk entstand, als er seine Frau, die Dolmetscherin ist, zum Übersetzen einer Evangelisation zum Kirchenzentrum gefahren hat.
Blieb er zuerst bewusst distanziert vor der Schwelle des Hauses stehen, so hat er später den Weg hinein gefunden. Die Freundlichkeit der Menschen dort hat ihn positiv überrascht und beeindruckt. Sein Interesse an deren Leben und Glauben war geweckt worden. Er entschloss sich, mehr über den christlichen Glauben zu erfahren und studierte dann später in Deutschland an dem Theologischen Seminar in Bad Liebenzell.
Erste Aufgaben in seiner Kirche nahm er in der Gemeinde Asowo, die ungefähr 40 Kilometer von Omsk entfernt ist. Seit kurzem betreut er die 800 Gemeindeglieder in Omsk. In seiner Person wird beispielhaft deutlich, wie sich die Lutherische Kirche in Sibirien zu einer russischsprachigen Kirche wandelt und sich so für alle Menschen des Landes öffnet. - Pastor Sven Grundmann (Vorsitzender GAW-Ostfriesland)

Freitag, 30. Mai 2014

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der lutherischen Kirche in Omsk - Die Katharinenkirche und das Christus-Kirchenzentrum

Christuskirche
ehemalige luth.  Katharinenkirche
Die lutherische Katharinenkirche ist eng mit der Geschichte der Stadt Omsk verbunden. Schon kurz nach der Gründung der Stadt im Jahr 1716 entstand sie als hölzerner Bau an der Stelle, wo der Fluss Om in den Irtysch fließt. Schwedische Kriegsgefangene und deutsche Offiziere waren die ersten Lutheraner, die diese Kirche in Anspruch nahmen. Mit dem Wachstum der Stadt entstand im Jahr 1792 der noch heute vorhandene steinerne Neubau der Katharinenkirche. Während der Frühzeit der Sowjetunion wurde die Kirche enteignet und dient heute als Polizeimuseum. 
Nach der Wende wurde 1994 mit Hilfe aus Deutschland das Christus-Kirchenzentrum gebaut und eingeweiht, das heute Sitz des Bischofs der ELKUSFO (Evangelisch Lutherische Kirche im Ural, in Sibirien und dem Fernen Osten) sowie Zentrum der Aus- und Weiterbildung diese Kirche ist. Die an das Kirchenzentrum angegliederte Christuskirche ist heute die einzige lutherische Kirche in Omsk und deutlich sichtbarer Mittelpunkt der Gemeindearbeit. 
Katharinen- und Christuskirche stehen somit für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der lutherischen Kirche in Omsk. - Pastor Sven Grundmann (Vorsitzender der GAW-Hauptgruppe Ostfriesland)

Victor - ein junger lutherischer Christ in Omsk

"Ich war überzeugter Atheist," bekennt Victor freimütig. "Am Ende der Sowjetzeit war ich bei den Pionieren. Auch wenn in dieser Zeit nicht mehr offen gegen Kirche und den Gottesglauben polemisiert wurde, so wurde über Gott nicht geredet. Kirche kam in unserem Leben nicht vor." Victor ist seit 1999 Übersetzer am Omsker Christuskirchenzentrum, das seit nunmehr 20 Jahren besteht. Es wurde mit Hilfe der hannoverschen Landeskirche und Mitteln der Bundesregierung gebaut. Hier findet sich auch ein deutsch-russisches Kulturzentrum. In Deutsch und Russisch wird nach wie vor gearbeitet. "Das Russische nimmt aber kontinuierlich zu. Die deutschsprachige Arbeit wird noch bleiben, aber wird weniger werden," sagt Bischof Schaude. Victor gehört zu den russischsprachigen Gemeindemitgliedern, die den Weg in die Gemeinde gefunden haben. "Es hat aber noch lange gedauert, bis ich mich habe taufen lassen," berichtet Victor. "Auch durch meine atheistische Prägung habe ich mich lange gewehrt, in die Gemeinde einzutreten. Ich wollte meine alte Überzeugung nicht verraten." Die Mitarbeit im Christuskirchenzentrum, das regelmäßige Übersetzen der Predigten haben dazu geführt, dass ein langesamer Prozess der Wandlung begann. "2010 habe ich mich taufen lassen!" sagt er stolz. Er gehört neben vielen anderen jungen Lutheranern in Omsk zu den jungen Menschen, die den Weg zur lutherischen Kirche gefunden haben.

Donnerstag, 29. Mai 2014

Himmelfahrt in Asowo

Weit ist das Land in Sibirien. Majästetisch ist der Himmel über diesem Teil Russlands. Und um die Majästet und Königsherrschaft Jesu Christi geht es an diesem Tag: Himmelfahrt. "Aufgefahren in den Himmel, er sitzet zur rechten Gottes" bekennen wir alle gemeinsam in verschiedenen Sprachen im Gottesdienst in Asowo. Pfarrer Sven Grundmann predigt. Eine kleine Gemeinde 45 km von Omsk entfernt hat hier ihr Bethaus. Vor neun Jahren konnte sie ihr altes, kleines und stark verfallenes Bethaus in eine neues Bethaus tauschen. Dank der tatkräftigen Predigerin und Gemeindeleiterin Lidia ist es gelungen, dieses Bethaus mit Hilfe des GAW so zu renovieren, dass die Gemeinde ausreichend Platz hat. Dafür wurde eine Wand herausgenommen, so dass ein größerer Saal entstehen konnte. "Wir haben all die Arbeiten mit Drogen- und Alkoholabhängigen aus einem Nachbardorf gemacht, die dort in einem Rehabilitationszentrum der baptistischen Kirche untergebracht sind," berichtet Lidia. "Die haben toll gearbeitet - mit uns zusammen. Und ab und zu kommen sie inzwischen in unsere Gottesdienste." Derzeit hat die 30 Mitglieder umfassende Gemeinde keinen eigenen Pastor. Dafür sorgen zwei Prediger dafür, dass jeden Sonntag Gottesdienst gefeiert wird. Hier lebt eine kleine Gemeinde. Und man hat den Eindruck, dass hier Menschen sind, die wollen, dass auf evangelische Weise das Evangelium verkündigt wird. "An diesem Tag in einem gut gefüllten Bethaus mit engagierten Gemeindemitgliedern und zweisprachigem Gesang: das war Himmelfahrt in Asowo. Der Himmel war heute weit und offen.


Ein ehemaliger Sowchoseleiter

Alexander Pf. im Gespräch mit dem Präsidenten des GAW
"Ab 1964 habe ich in der Nähe von Omsk eine Sowchose geleitet," erzählt Alexander Pfaffenhofen in Omsk. "Alle drei Jahre musste neu gewählt werden. Bis zur Rente hat man mich immer wieder gewählt," fährt er fort. "Ich habe zu meinen Leuten gehalten und sie zu mir."
In den 40er Jahren wurde die Familie nach Sibirien aus der Wolgaregion in der Nähe Saratows deportiert. Die schwierigen Jahre hat die Familie überlebt. "Mein Vater wurde 1938 in den stalinistischen Terrorjahren erschossen," berichtet er. "Erst 10 Jahre später hatten wir Gewissheit, dass er schon drei Tage nach seiner willkürlichen Verhaftung erschossen wurde. Er hatte nichts verbrochen." Alexander hat sich immer an seinen evangelischen Glauben gehalten. Selbst als er die Sowchose geleitet hat. Über 5.000 Kühe und Rinder waren zu versorgen. Einige 1000 ha Land wurden unter seiner Leitung verwaltet. "In meiner Sowchose haben nur Gläubige gearbeitet. Auf die konnte ich mich verlassen. Wir waren immer die beste Sowchose," sagt er. "Man hat öfter versucht, dass ich in die Partei eintrete. das habe ich nicht gemacht. Das konnte ich nicht. ich bin doch gläubig!"
Nach seiner Rente kurz nach der Wende ist er dann ausgereist. Mit Freunden hat er seitdem viele Touren in seine alte Heimat organisiert. In seinem neuen zu Hause Hält sich Alexander zur evangelischen Gemeinde und ist gleichzeitig Prediger einer Brüdergemeinschaft.
Eines von so viele Schicksalen der deutsch-russischen Gemeinschaft... - und immer kommt er wieder. Die Sowchose gibt es nicht mehr. Vieles ist kaputt gegangen. Er allerdings ist nicht an dem Erlebten zerbrochen. "Der Glaube war es, der mich bewahrt hat," bekennt er.  


Mittwoch, 28. Mai 2014

Gedenkstätte an die politisch Verfolgten in Jekaterinburg

„Hier ruhen die Überreste von 18.000 unschuldig umgekommener und erschossener Landsleute. Die Wahrheit über die Orte der Massengräber und der Gründe ihres Todes wurde viele Jahre verschwiegen. Heute kennen wir ihre Namen. Lauf langsamer. Entblöße dein Haupt vor den Gräbern.“ 

So heißt es auf einer Gedenktafel an der Gedenkstätte zur Erinnerung an die Opfer der Verfolgung der 30er bis 50er Jahre des stalinistischen Terrors 12 km außerhalb Jekaterinburgs. Es ist bedrückend die Namen so vieler Ermordeter unterschiedlichster Nationalitäten zu lesen: Russen, Deutsche, Finnen, Balten, Koreaner… - und die meisten Opfer sind aus den Terrorjahren 1937/38. – „An jedem 28. August erinnern wir uns als lutherische Gemeinde an das Erlittene,“ erzählt Pastor Waldemar Benzel. „Denn zu unserem Glauben gehört das Erinnern. Ohne Erinnern keine Versöhnung.“ Und er fährt fort: „Es ist bewegend zu hören, was unsere Gemeindemitglieder an diesem Tag aus ihren Familiengeschichten erzählen. Für die Rußlanddeutschen wird an diesem Tag an einen Erlass Stalins erinnert. Der schwarze Tag der Rußlanddeutschen im Jahre 1942.“ Selbst hat er genügend eigene Geschichten aus seiner Familie und der Familie seiner Frau zu erzählen. Sein Großvater wurde willkürlich verhaftet. Er sollte seinem Glauben abschwören. Seine Frau flehte ihn an, das nicht zu tun. Hätte er es gemacht, dann wäre er nicht sechs Jahre in Lagerhaft gekommen. Er hat es überlebt.  – So unendlich viele Leidensgeschichten und Einzelschicksale gibt es. Erschüttert steht man vor der langen Reihe von Namen, wie z.B. der Familie Wagner, die 1938 ausgelöscht wurde – Vater, Mutter und zwei Kinder…
Die lutherische Kirche wird auf einem ehemaligen lutherischen Friedhof errichtet. Geplant ist es, an der Kirche ein Gedenkkreuz zu errichten, um an die Verstorbenen zu erinnern, die einstmals hier zu Grabe getragen wurden und an die es kein Erinnern gibt. Ohne Erinnern keine Zukunft. Hier liegt eine wichtige Aufgabe, für die Kirche einstehen muss.

Gaben teilen - Glauben teilen: Sozialarbeit in der Gemeinde Jekaterinburg - von Sven Grundmann

In den Gemeinderäumen der Gemeinde Jekaterinburg werden einmal in der Woche Lebensmittelpakete mit Grundnahrungsmitteln an bis zu 10 Bedürftige ausgegeben. Die Hilfe überschreitet dabei die Gemeindegrenzen und steht auch Nichtmitgliedern offen. Sie beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Übergabe der Pakete, sondern es findet in sehr eindrücklicher Weise Tischgemeinschaft zwischen Gemeindegliedern und den Empfängern statt. Es wird in guter Atmosphäre gemeinsam gegessen und getrunken. Die in ihrem Lebensalltag oft sehr belasteten Menschen haben dabei die Gelegenheit, sich mitzuteilen und finden Trost und Zuspruch. Es wird zusammen gesungen und mit einer kleinen Andacht des Ortspastors Waldemar Benzel das Beisammensein beschlossen.

Über diese Form der Sozialarbeit hinaus betreibt die Gemeinde eine kleine Kleiderkammer, die durch Spenden bestückt wird. Hier haben Bedürftige die Möglichkeit, für sich oder ihre Angehörigen, Kleider auszusuchen und somit ihr schmales eigenes Budget zu entlasten. 
Pastor Sven Grundmann (Vorsitzender der GAW-Hauptgruppe Ostfriesland)

Dienstag, 27. Mai 2014

Die Ev.-Lutherische Kirche in Sibirien

In der Nähe von Jekaterinburg liegt die geografische Grenze zwischen Europa und Asien: Ein Schritt von einem Kontinent auf den nächsten.
Von hier reicht dann auch die Ausdehnung der größten lutherischen Kirche der Welt: die ELKUSFO (Ev.-Lutherische Kirche im Ural, Sibirien und Fernen Osten). Vom Ural bis zur Halbinsel sind es 7.000 km. Das Gebiet umfasst sieben Zeitzonen. Das allein macht deutlich, dass die lutherische Kirche in diesem Gebiet vor besonderen Herausforderungen steht. Die Wege sind weit. Die Mitarbeitenden müssen viel Zeit investieren, um die Gemeinden zu erreichen. Einzelne Gemeinden liegen zwischen 30 und 3.000 km auseinander. 15 Pastoren versorgen dieses riesige Gebiet, das in vier Propsteien aufgeteilt ist: Propstei Ural (Jekaterinburg), Westliches Sibirien (Omsk), Mittleres und Östliches Sibirien (Novosibirsk), sowie der Ferne Osten (Wladiwostok). Die letztgenannte ist die größte lutherische Propstei der Welt - von den Entfernungen her.
Ca. 150 Gemeinden und Hausgemeinden zwischen 5 und manchmal auch über 100 Gemeindemitgliedern gehören der ELKUSFO an.
Die Anfänge der Kirche reicht weit zurück. In Tobolsk entstand 1711 die erste lutherische Gemeinde. In Omsk wurde 1716 die erste Kirche aus Holz gebaut. Vor allem dann der Ausbau der Transsibirischen Eisenbahn ab 1891 führte zu Neugründungen und zum Wachsen der Gemeinden. Mit der Stalin-Ära begannen Zeiten der Verfolgung und Unterdrückung und unermesslichen Leidens. Kirchen wurden zerstört. Gläubige, Prediger und Pastoren wurden verschleppt, verbannt und getötet. Kirchenstrukturen verschwanden. Nur - der Glaube starb nicht aus!
Davon zeugen auch heute noch die neu gegründeten Gemeinden der ELKUSFO. Ca. 4.000 Gemeindemitglieder soll sie haben. Wobei noch eine Sympathisantenkreis dazugehört.

Montag, 26. Mai 2014

Eine neue Kirche für Jekatarinenburg

Eingang zum derzeitigen Gemeindesaal
aktueller Gemeindesaal
"Eine christliche Gemeinde, die kein richtiges Kirchgebäude hat, ist für die Menschen hier eine Sekte," sagt David aus dem Kirchenvorstand der lutherischen Gemeinde in Jekatarinenburg. "Und deshalb ist es für uns wichtig ein eigenes nach außen hin als Kirche sichtbares Gebäude zu haben. Sonst haben wir keine Zukunft." Das bestätigt auch Waldemar Benzel, Pfarrer der Gemeinde seit 2006: "Wenn neue Leute unsere Gottesdienste besuchen, dann ist es für sie sehr merkwürdig, denn sie müssen an der Tür eines Geschäftes vorbei durch einen dunklen Gang eine Treppe nach oben und dann durch einen schmalen Gang zum Gemeindesaal. Das ist ein Hindernis für viele. Das Gefühl ist: So geht man nicht in eine Kirche!"
Das können wir nachvollziehen, als wir die wartenden Gemeindemitglieder kennen lernen, die darauf hoffen, dass bald der neue Kirchbau auf dem alten lutherischen Friedhof begonnen werden kann. Nach langen Verhandlungen mit der Stadt ist es endlich gelungen, konkrete Planungen angehen zu können. 
geplanter Kirchneubau
Es ist gut, wenn hier in Jekatarinenburg wieder eine lutherische Kirche sichtbar für alle präsent ist. Die lutherische Kirche war mal die zweitstärkste Konfession in der Stadt, die von einem Deutschen gegründet wurde im Jahre 1723. Jekaterinburg ist inzwischen mit 1,4 Millionen Einwohner ein wichtiger Industrie- und Wissenschaftsstandort an der Grenze zwischen Europa und Asien. Sie soll auch Spielort der Fußball-WM werden. Die evangelisch-lutherische Gemeinde entstand zugleich mit der Gründung der Stadt. Das Kirchengebäude im Zentrum der Stadt wurde Ende der 1950er Jahre gesprengt. Seit 2002 erinnert eine Gedenktafel daran. Die 1999 neugegründete lutherische Gemeinde trifft sich gegenwärtig noch in angemieteten Räumen. Durch aktive Kinder- und Jugendarbeit ist die Gemeinde in den letzten Jahren beständig gewachsen. Jeden Sonntag kommen 40–50 Menschen zum Gottesdienst. Die Gemeindediakonie kümmert sich präventiv um sozial schwache Familien. Nicht nur für diese Arbeit ist der Platz zu knapp. Die angemieteten Räume sind für die Gemeindeaktivitäten nicht nur an Feiertagen zu klein. Außerdem steigen die Mietpreise kontinuierlich.
Mit verschiedenen Partnern unterstützt das GAW den Kirchenneubau in Jekatarinenburg im diesjährigen Projektkatalog.
Es ist ein Wunder, dass es neues Gemeindeleben hier gibt. Der letzte Pfarrer wurde 1924 deportiert und ermordet. 2001 kam der erste lutherische Pfarrer wieder in die Stadt. Es lohnt, hier zu helfen: http://www.gustav-adolf-werk.de/spenden.html


Sonntag, 25. Mai 2014

Astana braucht eine neue Kirche

Seit Astana die Hauptstadt Kasachstans ist, hat sich die Stadt in Windeseile verändert. Ein wahrer Bauboom hat die ehemalige Steppenprovinzstadt überzogen. Viele moderne Hochhäuser in den verschiedensten Stilen sind in die Höhe geschossen. Manches ging wohl zu schnell, denn inzwischen wird schon wieder saniert und renoviert. Auch gibt es Hochhäuser die schon länger leer stehen. Sie konnten nicht zu Ende gebaut werden. Ärmere Menschen haben sich hier behelfsmäßig einquartiert. Und das in unmittelbarer Nähe zur lutherischen Kirche Astanas. Sie wurde gebaut, als noch überall kleine Häuser das Stadtbild prägten. Nun sind die verbliebenen Häuser mitsamt der Kirche, die inmitten dieser Häuser steht, von der Räumung betroffen. Die Stadtplanung hat für dieses Viertel eine andere Bebauung vorgesehen. Das heißt, dass innerhalb der kommenden zwei oder drei Jahre die Kirchengemeinde ihre Heimat verlieren wird. Die Kirche wird dann abgerissen. Klar ist, dass Altar, Kreuz, Kirchenfenster und andere Ausstattungsstücke der Kirche für die „neue Heimstatt“ bewahrt werden. Inzwischen hat die Kirchengemeinde ein Grundstück gefunden, auf dem gebaut werden soll. Man musste handeln. Das tut Bischof Novogorodov. Deshalb existiert auch schon ein Plan für den Bau. Die Hoffnung ist, dass für das Grundstück eine gute Summe erzielt wird, um hier einen Grundstock zu haben. Bischof Novgorodov ist sich sicher, dass für dieses große Vorhaben er viele Unterstützer braucht. „Wir wollen als Kirche wahrgenommen werden in dem neuen Astana,“ sagt er. „Dafür brauchen wir ein sichtbares kirchliches Gebäude, damit wir ernst genommen werden.“ Und da ist etwas dran, dass eine Diasporakirche gerade in einem muslimischen Land sicht- und erkennbar sein will.

Samstag, 24. Mai 2014

Hand in Hand mit Jesus werd ich sicher gehn


Kirche in Astana
„Hand in Hand mit Jesus werd ich sicher gehn“ - so sangen drei ältere deutschstämmigeFrauen in der lutherischen Kirche in Astana aus ihrem Gesangbuch. Sie sind sich sicher, so erzählen sie, dass sie in ihrem Leben bei bei allem erlittenen Leid von IHM geführt wurden. Fanny Müller berichtet davon, wie sie im Osten der Ukraine aufgewachsen ist und bei der Besetzung des Landes durch die deutsche Wehrmacht mit ihrer Familie nach Brandenburg übersiedelt wurde. „Dort haben wir bis 1945 gelebt. Als die russische Armee kam wollten wir wieder in die Ukraine zurück. Das durften wir nicht. Wir wurden hinter den Ural deportiert. Das war eine schreckliche Zeit,“ erzählt Fanny. „Schließlich wurden wir Anfang der 50er Jahre nach Kasachstan geschickt und kamen so ins heutige Astana. „Hier hat dann Pastor Bachmann unsere Gemeinde gesammelt.“ Selbst kam er 1955 nach Astana, nachdem er eine schlimme Leidensgeschichte hinter sich hatte. Pfingsten predigte er zum ersten Mal. 1957 konnte er die Gemeinde registrieren. „Damals waren wir so viele, dass der Platz nicht ausreichte. Jetzt sind wir nur noch wenige Deutsche,“ sagt Fanny. Und als die drei Damen wieder in das Lied einstimmen, spürt man, wie gesättigt mit eigenem Erleben und Erleiden diese Liedstrophe ist. Man spürt, dass der Glaube an Jesus Kraft gegeben hat. Passend zu diesem Lied ist in einem Altarbild der Kirche in Astana die Geschichte abgebildet, in der Jesus Petrus aus den Fluten zu sich hinaufzieht:. „Hand in Hand mit Jesus werd ich sicher gehen.“

Besuch in Astana


Astana
Djani Bek ist 28 Jahre alt und seit 2010 Pfarrer der lutherischen Gemeinde in Astana, der Hauptstadt Kasachstans. 100 Gemeindeglieder hat sie – und das in einer Stadt, die sich in kürzester Zeit stark veränderte. Mit einer supermodernen Skyline präsentiert sie sich. Inmitten der Hochhäuser geht die lutherische Gemeinde ihren Weg. Es heißt – so ist aus der letzten Volkszählung von 2009 zu ersehen -, dass es ca. 5.000 ansprechbare Lutheraner in Astana gäbe. Das sind ehemalige Balten, Russen, Deutschstämmige. Zu überprüfen ist das nicht. Wenn dem so wäre, dann liegt hier natürlich eine missionarische Chance für die Gemeinde. Nur – diese Menschen zu finden, einzuladen und für die Gemeinde zu gewinnen ist nicht leicht. „Zudem dürfen wir keine Mission betreiben,“ sagt Djani. In einem islamischen Land lutherische Kirche zu sein ist eben eine Herausforderung und manchmal ein Spagat.
Djani selbst wurde 2001 getauft. Von 2003-2005 nahm er an der theologischen Grundausbildung in Astana teil. Von 2005 bis 2010 studierte er in Novosaratovka bei St. Petersburg. Damit hat er eine gute Ausbildung hinter sich und macht mir Freude seinen Dienst. Er ist sich aber auch der Probleme in der Gemeinde bewusst, denn immer noch gibt es Familien, die auf Grund besserer ökonomischer Bedingungen in Deutschland oder Rußland dorthin auswandern. Selbst studiert Djani inzwischen Geschichte, um irgendwann als Lehrer parallel zum Pfarrberuf arbeiten zu können. „Wir sind hier pragmatisch,“ sagt Djani. „Wir wissen, dass wir irgendwann selbst sehen müssen, wie wir unsere Arbeit in den Gemeinden finanzieren.“ Das betrifft nicht nur Kasachstan. Viele Diasporakirchen müssen sich Gedanken um ihre zukünftige Finanzierung machen. Ein Zweitberuf des Pfarrers hilft hier sicherlich.

Donnerstag, 22. Mai 2014

Ein Bethaus in Bischkek mit Glocke

"Warum sollten wir uns verstecken?" fragt Bischof Eichholz angesprochen auf die Glocke in dem kleinen Glockenturm vor dem Bethaus der lutherischen Gemeinde in Bishkek. "Wir haben es nicht leicht als christliche Kirche in diesem Land, aber verstecken müssen wir uns nicht. Dazu gehört es, ein Kreuz auf jedem Bethaus zu haben und nach außen zu zeigen, was wir innen glauben. Mit der Glocke wollen wir uns hörbar machen." Und passend dazu steht im Altarraum des Bethauses des Vers: "Jesus Christus gestern, heute und derselbe auch in Ewigkeit!" In Kirgistan ist das ein Bekenntnis, dass man nicht verlassen ist und dass man fest daran glaubt, dass ER - Jesus - mitgeht, egal was passiert. In einem islamischen Land, in dem in den letzten Jahren nach der Wende ca. 3.000 Moscheen gebaut wurden, ist dieser Glaube wichtig zu bekennen. Leider ist die Lage der kleinen lutherischen Kirche durch ein neues Religionsgesetzgebung erschwert.  
Das Bethaus in Bischkek wurde 1976 gleich nach der Registrierung gebaut. Damals ging der Bau schnell. Alle halfen mit. Und die Gottesdienste waren so gut besucht, dass die Leute draußen an den Fenstern zuhören mussten. "Das wünschte ich mir heute auch manchmal," sagt Bischof Eichholz freimütig. Jetzt kommen ca. 50 Menschen zu den Gottesdiensten. Ca. 100 gehören zu der Gemeinde. Es ist ihr nun mit Hilfe des Martin-Luther-Bundes gelungen, das Nachbarhaus als Pfarrhaus vor Kurzem zu erwerben. Das war ein Glücksfall. 
Inzwischen gibt es einen leichten Zuwachs zur Gemeinde. In die Kinder- und Jugendarbeit wird viel Zeit und Kraft investiert. Das spürt man im Gemeindeleben. 
"Die Glocke wird weiter läuten und zum Gottesdienst rufen und während des Vater unser!" sagt Eichholz. "Und das geschieht auch, weil diese Gemeinde und die lutherische Kirche in vielfältiger Weise der "Stadt Bested sucht". Dazu gebe ihr Gott Kraft!!! 


Stimme geben, die eine Stimme brauchen - Arbeit mit Waisenkindern in Kirgistan

Bischof Eichholz erläutert das diakonische Werk "Unsere Stimme"
"Wir müssen denen eine Stimme geben, die keine Stimme haben," sagt überzeugt Bischof Eichholz. "Dazu sind wir gerufen!" Und dann berichtet er von dem kleinen diakonischen Werk seiner Kirche, für das sie den Namen "Unsere Stimme" gefunden haben. Es richtet sich an Waisenkinder, die aus den ca. 75 Waisenhäusern herauskommen und denen in der derzeitigen Situation des Landes keine Perspektiven gegeben werden. Die lutherische Kirche ist mit der Initiative "Unsere Stimme" Vorreiter in Kirgistan, um den Kindern eine Chance zu geben. 
Seit etwa drei Jahren gibt es das Projekt. Es wendet sich an Mädchen und junge Frauen im Alter von ca. 16 bis 25 Jahren, die aus Kinderheimen entlassen werden. Vielfach haben sie auch schon Erfahrungen mit Prostitution und Kriminalität gemacht. In betreuten Wohnverhältnissen in den Einrichtungen von „Unserer Stimme“ bekommen sie Unterstützung in der Alltagsbewältigung, in der Wahrnehmung ihrer Rechte und werden medizinisch beraten. Einige bekommen ein Nähausbildung, andere durch einen Kooperationsvertrag eine Friseurausbildung. Vielen werden neue Berufsperspektiven eröffnet: Inzwischen konnten 150 junge Menschen betreut und in Ausbildungs- bzw. Studienplätze vermittelt werden. Denn es gibt viele talentierte Mädchen, die nur die richtige Orientierung brauchen, wie es in ihrem Leben weitergehen kann und welche Perspektiven es gibt. Auch im Süden des Landes in Osh gibt es einen Abzweig von "Unserer Stimme".
"Es ist uns durch Lobbyarbeit gelungen, Gehör im Parlament für diese Nöte, die in der Gesellschaft existieren zu wecken," sagt Bischof Eichholz. "Wir hoffen, dass unser Beispiel Schule macht und insbesondere der Staat sich dieser Aufgabe annimmt. Wir unterstützen dabei gerne! Der Weg ist nicht einfach, aber wir sind gerufen, Stimme denen zu geben, die eine Stimme brauchen!"

Aus Kohl wird Kohle - "Wittenbergkollekte" aus Kirgisien

"Wir haben Kohl verkauft und uns damit an der GAW-Kollekte für die Mutterkirche der Reformation in Wittenberg ," berichtet Bischof Eichholz, als er uns seinen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb in Winogradnoje zeigt. "Derzeit bewirtschaften wir 37 ha Land." Auf seinem Hof finden sich Rinder, Schweine und Pferde. Er arbeitet hin und wieder selbst mit, aber insgesamt führt den Betrieb ein Verwalter, dem er vertrauen kann. "Wir haben in Winogradnoje vor einigen Jahren mit Landwirtschaft begonnen, um mit dem Gewinn auch die Arbeit der Kirche mit zu finanzieren," berichtet uns Bischof Eichholz. Früher war es oft so, dass die zahlreichen Deutschstämmigen die landwirtschalftlichen Betriebe (Sovchosen) führten - insbesondere in den Regionen, wo sie zahlenmäßig stark vertreten waren. So entstanden Musterhöfe, die die kommunistische Regierung gerne als Vorzeigeobjekte präsentierte. Nach der großen Auswanderung nach Deutschland verfielen viele dieser Betriebe. 
Bischof Eichholz hat hier eine Chance gesehen, eigene Mittel zu erwirtschaften und gleichzeitig Arbeitsplätze geschaffen. 
Das GAW ist der lutherischen Kirche in Kirgisien und ihrem Bischof dankbar für diese Beteiligung an unserer Wittenbergkollekte. In jedem Jahr bis zum Reformationjubiläum 2017 wollen wir uns im GAW mit 10.000 Euro an der Sanierung von Luthers Predigtkirche beteiligen. Unsere Partner sind sehr kreativ darin, sich mit Phantasie an dieser Kollekte zu beteiligen.

Mittwoch, 21. Mai 2014

Besuch bei der ältesten lutherischen Gemeinde Kirgisiens

Im Bethaus in Ananyevo
Die älteste lutherische Gemeinde ist im Jahre 1906 in der kleinen Gemeinde Ananyevo am großen Issyk-Kul See gegründet worden. Hier fanden die bäuerlichen deutschstämmigen Siedler gute Bedingungen vor. Die Gemeinde existiert immer noch. Derzeit wird sie von einem russichsprachigen Prediger betreut, der die klein gewordene Gemeinde begleitet. Es gibt nur noch wenige deutschstämmige Gemeindemitglieder. Die meisten sind in den 90er Jahren ausgewandert. Die Mehrheit sind jetzt Russen. Auch Kirgisen kommen. "Vor Kurzem habe ich ein kirgisisches Mädchen zur Jugendstunde eingeladen," sagt der Prediger. "Sie kam. Später brachte sie auch ihre Mutter mit." Das ist nicht selbstverständlich, denn Kirgisen gelten von Geburt an als Muslime. Konversion zum christlichen Glauben ist schwer und kann mit Repressionen verbunden sein. "neue Mitglieder gewinnen wir nur durch regelmäßige Einladungen," betont der Prediger.
In einer bewegenden Gebetsstunde hat die GAW-Delegation Gelegenheit in dieser kleinen Gemeinden von 20 regelmäßig aktiven Mitgliedern mit kurzen Andachten und Grußworten sich einzubringen. Es wechseln sich russische und deutsche geistliche Lieder ab.

Von einer Gottesleugnerin, die zur Gottesbekennerin wurde

Bischof Eichholz im Bethaus in Winogradnoje
Die evangelisch-lutherische Gemeinde im Dorf Winogradnoje nahm ihren Anfang in den 1930er Jahren. Damals wurden zahlreiche Wolgadeutsche in die Gegend nordwestlich von Bischkek nahe der Grenze zu Kasachstan zwangsumgesiedelt. Der lutherische Glaube durfte allerdings nur im Untergrund fortbestehen. Als die lutherische Gemeinde 1970 die Erlaubnis erhielt, sich zu registrieren, meldeten sich fast 400 Menschen. Spannend: Es waren Refomierte, Lutheraner und Mennoniten, die sich zu einer Gemeinde zusammenfanden! 
Trotz der erheblichen Auswanderung nach Deutschland in den 1990er Jahren zählt die Gemeinde dank aktiver missionarischer Tätigkeit zu den größten der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Kirgisistan. 
Die meisten der rund 80 Gemeindeglieder sind inzwischen russisch, einige haben auch kirgisische Wurzeln. Die wirtschaftliche Lage ist nicht gut. Die Arbeitslosigkeit entsprechend hoch. Und immer wieder kommt es zu weiteren Auswanderungen.
Hier in Winogradnoje arbeitet Alfred Eichholz als Pastor. Er ist als Kind hier aufgewachsen. Seine Erinnerungen an die Schulzeit sind nicht gut. "Ich habe meine Klassenlehrerin gehasst," gibt er offen zu. "Als Kind wollte ich nicht zu den Pionieren. Beim Schulappell wurden wir in der Sojetzeit von der Lehrerin herausgerufen und als Gottebekenner diffamiert, die rückständig sind. Sie hat uns schikaniert!" Als Alfred Eichholz Ende der 90er Jahre Pastor der Gemeinde wurde, begann in dem Ort, ein geistlicher Aufbruch. Damals geschah es, dass die Tochter seiner ehemaligen Lehrerin sich selbst das Leben nahm. Eichholz sollte die Beerdigung machen. Der gesamte Ort nahm Anteil. Die ehemalige Lehrerin kam nach der Beerdigung zu ihm und bedankte sich. Danach kam sie auf seine Einladung öfter in den Gottesdienst. Und dann geschah ein kleines Wunder: Als es in einer Predigt um Versöhnung ging, stand sie plötzlich auf und bat öffentlich ihren ehemaligen Schüler um Vergebung für alles, was sie ihm in seiner Kindheit angetan hatte. "Es ist längst vergeben," antwortete er. Als er diese Geschichte einer Umkehr erzählt, stehen ihm Tränen in den Augen. Aus einer ehemaligen Gottesleugnerin wurde eine Gottesbekennerin.

Theologenausbildung in Kirgisien

Aus- und Fortbildung des theologischen Nachwuchses und der aktiven Prediger und Pastoren ist für die kleine lutherische Diasporakirche in Kirgisien eine Herausforderung. Das GAW hat die Errichtung des „Seminarium“ der Ev.-Luth. Kirche Kirgisiens in Bishkek mit unterstützt. Ein schönes Gebäude bietet Raum für Fort- und Ausbildung und bietet gleichzeitig Übernachtungsmöglichkeiten an. Derzeit findet ein zweiwöchiges Seminar statt in systematischer und praktischer Theologie. In der Systematik geht es um die Trinitätslehre. In einem muslimischen Land wie Kirgisien ist es eine Herausforderung im Gespräch mit Muslimen hier gesprächsfähig zu sein. 
Fast alle Prediger, Pastoren und angehender Pastorennachwuchs nehmen teil. Ein fest etabliertes Studium mit längeren Präsenzzeiten ist nicht leistbar. "Häufig sind Kandidaten der Theologie nicht ins Land zurückgekommen, wenn wir sie in andere Länder zur Ausbildung geschickt haben," berichtet Bischof Eichholz. So haben die Lutheraner Kirgisiens sich mit Unterstützung von Partnern eine alternative Ausbildungsform überlegt. An der theologischen Fernausbildung in St. Petersburg soll teilgenommen werden.
Die Kurse für alle aktiven und zukünftigen Theologen führt auch zur Stärkung der Gemeinschaft untereinander.

Dienstag, 20. Mai 2014

Das "Haus der Barmherzigkeit" in Winogradnoje / Kirgisien

Es geht in Winogradnoje um Barmherzigkeit. Das ist uns schnell klar bei dem Besuch des Altersheimes der lutherischen Kirche. Acht Plätze bietet das Haus an. In der 12 Jahren seines Bestehens haben 48 Menschen ihren Lebensabend hier verbringen können. In einem staatlichen Altersheim kommt es vor, dass bis zu 20 Personen sich ein Zimmer teilen müssen. Zudem ist die Versorgung dort sehr schlecht. Müssen im staatlichen Altersheim die Bewohner ihre komplette Rente abgeben, so sind es hier 80%. das ist nicht viel, wenn man bedenkt, dass die Rente zwischen 50 und 100 Euro monatlich betragen. Es gibt sogar Menschen, die lange in einer Sovchose gearbeitet haben und im Rentenalter nichts bekommen.
Die lutherische Gemeinde in Winogradnoje wollte versuchen, es anders zu machen. das ist gelungen. Die Zimmer sind frisch renoviert. Die Atmosphäre ist würdig, die Betreuung gut. Seelsorgerliche Begleitung leistet Bischof Eichholz als zuständiger Gemeindepfarrer.
Die Gemeinde in Winogradnoje ist diakonisch sehr aktiv. Einmal wöchentlich wird von hier aus Essen auf Rädern für bedürftige Menschen in der Umgebung des Dorfes angeboten. 
"Es ist ein Wunder, dass wir das bisher haben leisten können," bekennt Bischof Eichholz. "Aber wir haben in den Jahren viel zurückbekommen."
Das 40 Jahre alte Gebäude bedarf dringend einer Renovierung. Vor allem das Dach muss komplett erneuert werden. Im Projektkatalog 2014 sammeln wir für das "Haus der Barmherzigkeit". Helfen sie mit: http://www.gustav-adolf-werk.de/spenden.html 
Wir haben uns vor Ort die Lage angeschaut und können dieses Projekt sehr empfehlen!

Ein Haus für Kinder mit besonderen Begabungen in Kirgisien

Madina
Madina ist 13 Jahre alt. Sie ist Kirgisin. Ihre Eltern sind Muslime. Als Kleinkind ist sie
schwer gestürzt. Auch auf Grund schlechter ärztlicher Versorgung sind bleibende Schäden zurückgeblieben. Sie kann nur mit Krücken sich fortbewegen. "Vor zwei Jahren konnte sie überhaupt noch nicht gehen," erzählt Bischof Eichholz. "Dann ist sie zu uns gekommen. Wir fördern sie und helfen ihr in unserem Tagesheim für Kinder, die mit unterschiedlichen Behinderungen zu uns gebracht wurden." Bischof Eichholz, der im nahe gelegenen Winogradnoje unweit von der Grenze zu Kasachstan zusätzlich zum Bischofsamt eine Gemeinde leitet, betreut auch in dem Dorf Wasilowka eine kleine Gemeindegruppe. Hier fiel es ihm auf, dass es in dem Ort mehrere Kinder mit unterschiedlichsten Behinderungen gibt, um die sich keiner richtig kümmert. In staatlichen Schulen werden sie nicht aufgenommen.
Oft werden Kinder mit Behinderungen als Makel angesehen, den man versteckt. Staatliche Einrichtungen gibt es nicht. Madina hat Glück in ihrer Situation mit zwölf anderen Kindern, dass sie hier betreut und gefördert wird. Einige Kinder können durch besondere Förderungen im Haus inzwischen auch zu einer normalen staatlichen Schule gehen.
Für die lutherische Kirche, die mit vielen Einschränkungen leben muss, hat dank ihrer diakonischen Arbeit eine Chance erhalten, sich in der Gesellschaft zu engagieren. Sie hat sich dadurch auch bei der Kommune bemerkbar gemacht. Inzwischen werden drei Arbeitsplätze finanziert. Selbst muss Bischof Eichholz jedes Jahr Spendenmittel einwerben, um dieses Haus weiter betreiben zu können. Eine segensreiche Arbeit!

Montag, 19. Mai 2014

Der Islam in Kirgisistan

Behelfsmoschee in Bischkek
Pünktlich zu den muslimischen Gebetszeiten ertönen aus verschiedenen Richtungen des Wohnhauses des lutherischen Bischofs in Kirgisistan die Rufe der Muezzine. "Seit einem Jahr gibt es auch gegenüber meines Hauses eine behelfsmäßige Moschee," berichtet Bischof Eichholz, der für die ca. 1.000 registrierten lutherischen Christen in dem zentralasiatischen Land zuständig ist. Zwei Schiffscontainer wurden an der Straßenecke aufgebaut und mit einem behelfsmäßiges Minarett gekrönt. "Inzwischen werden die Bewohner der Siedlung direkt angesprochen, doch zu den Gebetszeiten zu kommen," berichtet Eichholz. Meist werden solche Initiativen mit Hilfe ausländischer Geldgeber unterstützt. besonders der strengere sunnitische Islam aus Saudi-Arabien hat es sich zur Aufgabe gemacht, Moscheen in Kirgisistan zu bauen.
80 Prozent der Kirgisen bezeichnen sich als Muslime. Seit den 1990er-Jahren hat sich die Zahl der Moscheen verdoppelt. Rein statistisch gesehen, nimmt die Bedeutung des Islam in Kirgisistan deutlich zu, denn es gibt heutzutage mehr als 2000 Moscheen in Kirgisistan. Allein im Jahr 2010 wurden etwa 100 neue Gebetshäuser registriert.  
Die zentralasiatische Republik ist zwar ein säkularer Staat, doch Glaubensfragen gewinnen mittlerweile in der Politik wie auch in der Wirtschaft zunehmend an Gewicht. Darunter hat auch die lutherische Kirche zu leiden.
Laut Angaben der Staatskommission für Religionsfragen gibt es in dem Land mit rund 5,5 Millionen Einwohnern etwa 1700 offiziell registrierte Moscheen, neun islamische Hochschulen, etwa 60 Religionsschulen, rund 60 islamische Zentren, Stiftungen und Vereinigungen. 
Die Bedeutung des Islam wird auch aus Sicht der lutherischen Kirche in Kirgisistan weiterhin zunehmen. Das macht die Stellung religiöser Minderheiten schwierig. Für Toleranz wirbt Bischof Eichholz. Dafür bräuchte es aber auch eine gewisse Rechtssicherheit, für die sich die Kirche einsetzt.

Sonntag, 18. Mai 2014

Der theologische Auftrag des GAW in der heutigen Gemeindepraxis

Prof. Winkler (ehemaliger
Präsident des GAW-Ost)
"Der theologische Auftrag des GAW ist in einer veränderten Situation immer neu zu bedenken," schreib 1999 Prof. Eberhard Winkler in einem theologischen Referat auf der Abgeordnetenversammlung des GAW 1999. In fünf "Konsequenzen" fasste er zusammen, was er in seinem Vortrag entfaltet hatte:
1. Das GAW hat den Auftrag die Gemeinden über die Situation der Diaspora zu informieren, von ihrer Lage zu erzählen, auch von ihrer leidvollen Geschichte. Die eigenen Probleme würden dadurch heilsam relativiert.
2. Persönliche Beziehungen seien zu pflegen, um dadurch einen Ausdruck evangelischer Verbundenheit zwischen den Gemeinden weltweit zu gegeben.
3. Man habe Verständnis dafür zu fördern, welchen Sinn es hat - unter Berücksichtigung der genannten ersten beiden Punkten-, evangelisch zu sein. "Weil uns selber daran liegt, im evangelischen Glauben zu leben, möchten wir anderen dabei helfen, die unter schwierigeren Bedingungen evangelisch sind."
4. Zur Stärkung der Gemeinschaft des Glaubens in ökumenischer Verantwortung brauchen wir übergemeindliche Aktivitäten, wie sie von der Diasporaarbeit vertreten wird. bei allem Vorrang der Ortsgemeinde sind gemeindeübergreifende Strukturen unverzichtbar. Sie müssen mit der Arbeit vor Ort verbunden sein. Es geht um einen Blick über die Kirchturmsgrenzen. Das GAW ist in enger Verbindung zur GEKE (Gemeinschaft Ev. Kirchen in Europa) prädestiniert, die Gemeinschaft der evangelischen Kirchen in Europa zu fördern.
5. Wir brauchen Impulse aus der Diaspora für unser eigenes geistliches Leben. Viele Partnerkirchen lebten z.B. intensiver mit der Bibel als wir. Oft ist der Gottesdienstbesuch intensiver und auch die Opferbereitschaft. Dabei gehe es nicht um eine Idealisierung der Diaporaexistenz. Wir finden in der Diaspora aber ermutigende Beispiele, dass die Kraft Christi in den Schwachen mächtig wird. "Die Diaspora trägt dazu bei, dass wir uns aus der Verkrümmung in uns selbst lösen lassen. So sind wir ein kleiner, aber wirksamer Teil der großen Gemeinschaft im Geben und Nehmen." (aus EvDia 2000 Jg. 69, S. 113ff)

Samstag, 17. Mai 2014

Kirche als Diaspora

Bischof Dr. Bünker
Bischof Dr. Michael Bünker von der Evangeleischen Kirche A.B. in Österreich schreibt in seinem gerade erschienen Buch "Unruhe des Glaubens" (Wien 2014) folgende Worte: "Kirche als Diaspora zielt auf eine offene und öffentliche Kirche. Das Konzept der offenen und öffentlichen Kirche geht auf Wolfgang Huber zurück: „Mit dem Begriff der ‚offenen und öffentlichen Kirche‘ werden die Konturen einer Kirche gezeichnet, die sich den Herausforderungen der Gegenwart stellt und die ihr anvertrauten Überzeugungen öffentlich zur Geltung bringt.“ Gerade die Minderheit ist in der Gefahr, sich selbst abzuschotten und sich als Kontrastgesellschaft zu verstehen. Aber dieser Weg ist uns verwehrt. Es ist der Öffentlichkeitsanspruch des Evangeliums – Gott will dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen – der Öffentlichkeitsanspruch des Evangeliums, der den Öffentlichkeitsauftrag der Kirche begründet. Wir sind dieser Welt etwas schuldig. Nicht unser eigenes Glauben und Handeln, aber das Evangelium. Es bedeutet im Kern die befreiende Botschaft von der unbedingten Gnade Gottes, die wir in Jesus Christus erfahren. Aus dieser Botschaft bitten wir wie der Apostel: Lasst euch versöhnen mit Gott! Wie jede Kirche ist auch die Diasporakirche nicht eine fordernde, nicht eine verlangende und befehlende Kirche, sondern eine bittende Kirche, eine dienende Kirche. Zeugnis und Dienst umschreiben die Aufgabe. Darauf liegt die Verheißung Gottes, auch für die Kirche, die ausgestreut ist im Ackerfeld der Welt. Rene Krüger formuliert zusammenfassend: „Es geht nicht mehr darum, in der Diaspora zu leben, sondern Diaspora zu sein…Samen, Aussaat und Saat zu sein – kurzum: Menschen zu sein, die das Evangelium aussäen. Kirche in der Diaspora zu sein, bedeutet, eine Minderheit mit einer Mission zu sein."

Freitag, 16. Mai 2014

Display-Reiniger, Streichholzbriefchen und Aufkleber mit GAW-Logo


Neues Werbematerial mit dem GAW Kreuz und dem Claim "weltweit Gemeinden helfen" sind in der Zentrale ab sofort verfügbar. Es gibt sog. Display-Reiniger für Smartphones, Streichholzbriefchen und Aufkleber.
Preise sind in der Zentrale des GAW zu erfragen: +49-341-49062-0 oder per Mail: info@gustav-adolf-werk.de.





Donnerstag, 15. Mai 2014

Ein Glaubensgarten in Mailand - Kirche für die Stadt

Logo EXPO 2015; Motto:
„Den Planeten ernähren, Energie für das Leben“
Die lutherische Gemeinde in Mailand hat sich im Rahmen der Vorbereitung der kommenden Weltausstellung in Mailand etwas Besonderes einfallen lassen: ein Glaubensgarten für die Stadt.
Dafür wichen etliche alte Bäume vor der lutherischen Kirche, die nicht mehr erhalten werden könnten. Entstanden ist ein kleine grüne Oase, die Raum zum Innehalten bietet, zur Ruhe, zum Gespräch, zur Meditation.
Ein kleiner schöner Film ist entstanden, der dieses Projekt der Öffnung in die Stadt vorstellt:
Notwendig ist jetzt, dass der Zaum um den Garten erneuert wird. Das gehört ebenfalls zu der Projektausarbeitung für die EXPO. Das GAW fördert in diesem Jahr diese Sanierungarbeiten und wird somit Teil der EXPO 2015. (PK 2014, S. 95: http://www.gustav-adolf-werk.de/tl_files/Projektkatalog/Projekte%202014/Italien_2014.pdf)

Montag, 12. Mai 2014

Kelch, Patene und Paramente für Verona

Pfarrer Urs Michalke von der lutherischen Gemeinde in Verona/Italien bekam heute vom GAW für seine Arbeit am Gardasee Paramente und Altargeräte überreicht. 

"Wir sind dankbar für diese Möglichkeit, die das GAW uns gibt", sagt Urs Michalke. "Wir nehmen gerne Kelch, Patene und Oblatendose, Paramente, Kreuz und zwei Leuchter für unsere Gemeindearbeit. Letztere Gegenstände würden auch in der Urlaubsseelsorge eingesetzt werden.  In Bardolino, wo im Sommer regelmäßige deutschsprachige Sonntagsgottesdienste in der Kirche S. Severo abgehalten werden, gibt es weder Kreuz noch Leuchter und auch kein Antependium..."

Schön, auf diese Weise die Gottesdienste stärken zu können!

Freitag, 9. Mai 2014

Baubeginn in der lutherischen Gemeinde Rio Veado in Brasilien

altes Schulgebäude
Abrißarbeiten
 "Wir sind dem GAW dankbar für die Unterstützung unseres Kirchbaus," schreibt Jianfranco F. Berger, Diacon in Rio Veado (Espiritu Santo). Im Jahr 2012 hat das GAW 10.000 Euro gesammelt, um das Bauvorhaben zu fördern.

2001 begann das Missionsprojekt in Rio Veado. Im Juli 2010 wurde die Gemeinde selbständig. Sie hat inzwischen ca. 140 Gemeindeglieder. Die Gemeinde konnte dank großer Eigeninitiative ein Grundstück erwerben. Hier befand sich bis vor Kurzem eine ehemalige Schule, in der sich die Gemeinde traf. Die Gemeindeglieder sind zumeist Kleinbauern pommerscher Herkunft. Nach wie vor spielt dieser Dialekt im Gemeindeleben eine große Rolle und wirkt auch identitätsstiftend. Die Teilnahme an Gottesdiensten und den Gruppenangeboten ist sehr hoch.
Der Kirchbau kann beginnen

In einfacher Bauweise soll eine neue Kirche gebaut werden. Das alte Schulgebäude befand sich in einem sehr schlechten Zustand und wurde jetzt abgerissen. Der neue Kirchraum ist so konzipiert, dass er  für unterschiedliche Gemeindeaktivitäten genutzt werden kann. 





Donnerstag, 8. Mai 2014

Erneut Studentenproteste in Chile


Erneut gibt es Studentendemonstrationen in Chile. Heute haben sich Schüler und Studenten im Stadtzentrum Santiagos erneut versammelt, um ihrer Unzufriedenheit mit den Reformversuchen im Bildungssektor Ausdruck zu verleihen. "Die Proteste gehen ins achte Jahr", sagt eine Sprecherin der Studierenden. "Und es wurde nicht geschafft mit Gesetzen zu verändern, dass man mit Bildung in Chile viel Geld verdienen kann." So werden erneut wie schon vor acht Jahren Transparente durch die Strassen getragen, in dem eine gerechte Bildungsreform mit der Möglichkeit für alle eine Ausbildung zu bekommen, ohne sich damit groß zu verschulden. Derzeit ist es immer noch so, dass Familien viel Geld aufbringen müssen, um eine gute Schulausbildung und dann eine gute Universitätsausbildung zu erlangen. In der Regel verschulden sich die Familien, um später bessere Berufsaussichten zu haben.

Mittwoch, 7. Mai 2014

Pfarrer Haska zur angespannten Lage in der Ukraine

Pfarrer Ralf Haska von der Katharinengemeinde in Kiew/Ukraine war zu Besuch in Norddeutschland. Auf www.nordkirche.de ist folgendes Interview zu der angespannten Lage in der Ukraine zu lesen:

Wie lässt sich die Situation der evangelischen Christen in der Ukraine momentan beschreiben?

Die Situation für die evangelischen Christen ist nicht anders als für alle anderen Menschen in der Ukraine. Es ist eine sehr angespannte Lage. Wir sind alle sehr nervös. Und wir sind sehr ängstlich in Bezug auf das, was in den kommenden Tagen oder Wochen passieren könnte, nämlich der Einmarsch russischer Truppen. Es ist überall eine große Angst und große Unsicherheit zu spüren. Und das nicht nur in der Gemeinde, sondern bei allen Menschen, denen ich in der Ukraine begegne.

Sie haben sich während der Ereignisse um den Maidan einmal direkt zwischen die Fronten gestellt und die Wogen geglättet. Wie haben sie diesen Moment erlebt?

Das war eine sehr gefährliche Situation, als unmittelbar vor der Kirche die Fronten aufeinander trafen. Und wenn man sich so gegenübersteht, dann reicht manchmal nur ein Blick, damit es zur Eskalation kommt und die Parteien aufeinander losgehen. In diesem Moment musste einfach Luft geschaffen werden und da bin ich dazwischen gegangen und habe mit einem der Demonstrierenden, den ich für einen der Anführer hielt, geredet. Ich habe versucht, ihm klar zu machen, dass die Protestbewegung nur gewinnen kann, wenn sie friedlich bleibt. Das war im Dezember gewesen. Also noch bevor es im Februar zu den Morden kam.

Wo sehen Sie Perspektiven für die Zukunft der Ukraine? Wie könnte oder sollte es aus Ihrer Sicht dort weitergehen?

Ich hoffe, dass am 25. Mai tatsächlich die Präsidentschaftswahlen stattfinden können, dass sie auch im Osten der Ukraine stattfinden können. Ich hoffe, dass man der terroristischen Bedrohung im Osten der Ukraine Herr wird. Ob man dann nach den Wahlen ein Referendum oder eine Abstimmung zur Zukunft der Ost-Ukraine durchführt, in der geklärt wird, wohin sie gehen will, das muss letztendlich dann die Regierung entscheiden. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass es zu so einer Abstimmung kommen wird. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass dann die Mehrheit der Menschen für eine ungeteilte Ukraine stimmen wird.

Was dort im Osten der Ukraine passiert, ist also Ihrer Meinung nicht von innen, sondern von außen gesteuert?

Das kommt von außen. Das ist ganz sicher nicht von innen. Es gab nie solche schweren Auseinandersetzungen zwischen russischsprachigen und Ukrainisch sprechenden Ukrainern. Das sind alles künstliche Konflikte, die da aufgebaut werden. Was dort im Moment passiert, ist ein gezieltes, von außen, von Russland gesteuertes Destabilisieren des Landes. Das ist ganz eindeutig. Die Terroristen, die dort im Osten des Landes agieren, haben modernste Waffen. Die kann man nicht am Kiosk kaufen. Es ist ganz deutlich, dass die von Russland ausgerüstet wurden. Es sind dort auch russische Spezialkräfte im Einsatz, die auch schon als solche identifiziert worden sind. Da werden von außen Unruhe und Separatismus geschürt. Es ist aber nicht so, dass das auf die Zustimmung der Mehrheit der Menschen im Osten der Ukraine stößt. Da sind ein paar hundert Leute, die diese Unruhe stiften. Sie haben aber kaum Unterstützung in der Bevölkerung. Das sieht man auch daran, dass nirgends Zehntausende oder Tausende auf die Straße gehen für einen Weg nach Russland oder eine stärkere Anbindung an Russland. Solche Demonstrationen gibt es nicht. Daran erkennt man meiner Meinung nach ganz deutlich, dass diese Konflikte von außen ins Land getragen werden.

Gibt es denn etwas, das die evangelischen Christen hier in Deutschland, was die Westeuropäer tun können, um die Ukraine zu unterstützen? Was wünschen Sie sich?

Von den Christen wünsche ich mir, dass Sie beten, dass sie die Ukraine in die Fürbitte einschließen. Das sage ich nicht, weil ich Pfarrer bin, sondern weil ich schlicht und einfach weiß, wie wichtig das ist und wie Gebete die Welt verändern können. Wir haben das 1989 im Osten Deutschlands ja auch erlebt. Und außerdem wünsche ich mir, dass die Menschen sich umfassend informieren. Das heißt eben auch, dass man nicht auf die russische Propaganda hereinfällt, die davon spricht, dass in Kiew eine faschistische Regierung an der Macht ist. Ich wünsche mir, dass sich die Menschen in Deutschland und Westeuropa ein eigenes, unabhängiges Bild machen. Und so erkennen, dass eine Revolution stattgefunden hat und die derzeitige Regierung eine Übergangsregierung ist, die das Land nach vorne bringen will, die aber leider nicht die Chance dazu hat, nötige Schritte zu gehen, weil sie sich nur mit der Konfliktsituation im Osten beschäftigen muss. Und das ist für das Land natürlich eine sehr schwierige Situation.

"Dann wachs ich riesengroß!" - GAW Kindergabe 2014

Ein Ort zum inneren und äußeren Wachsen - das ist das Zentrum „El Sembrador“ in einem Armenviertel in Buenos Aires. „Hier gibt es kaum Ehepaare, die mit ihren Kindern zusammenleben. Oft erziehen die Mütter ihre Kinder alleine und müssen noch sehen, wie sie Geld verdienen“, erzählt Adriana Martinez, die Leiterin des Zentrums. Sie ist Sozialarbeiterin und arbeitet seit 2012 im „El Sembrador“. „Hier muss man beweglich mit den Leuten umgehen, sie mitnehmen, aber auch Grenzen ziehen, denn immer wieder kommen Sachen weg und werden Grenzen überschritten“, sagt sie. Zum Zentrum gehört ein Kindergarten mit zwei Erzieherinnen für 30 Kinder. Es gibt eine Kleiderkammer, die intensiv genutzt wird, und ein Gartenbauprogramm, um den Menschen bei ihrer Grundversorgung zu helfen. Das Leben der kleinen Gemeinde befindet sich in einer neuen Aufbauphase. „Die Menschen - besonders die Kinder - brauchen hier dringend Gottes Wort, denn davon sollen Orientierung ausgehen und Werte vermittelt werden.“
Die neue Kindergabe des GAW will für dieses Zentrum der evangelischen Kirche am La Plata sammeln und bietet dafür tolles Material an. Kinder können über Argentinien etwas lernen, über das Leben in einem der unzähligen Armenviertel. Dazu wird das Gleichnis vom Sämann erzählt und mit einem Ausmalbild aus dem Zentrum illustriert. 
Genug Material für einen Kindergottesdienst, eine Jungschargruppe, die Christenlehre oder einer Religionsunterrichtsstunde. 
Und ein Zeichen gelebter und eingeübter Solidarität ist es, wenn von Kindern für dieses Projekt wie auch immer gesammelt wird. 
Sammelideen interessieren uns. Bitte gebt dazu Rückmeldung an info@gustav-adolf-werk.de!
Das Material kann ab sofort bestellt werden unter: versand@gustav-adolf-werk.de

Dienstag, 6. Mai 2014

Bericht aus Odessa

Andreas Hamburg
Pfarrer Andreas Hamburg ist Pfarrer der lutherischen Gemeinde in Odessa/Ukraine. Auf chrismon.de hat er folgende Zeilen geschrieben: "Im Februar, als in Kiew auf dem Maidan über 90 Menschen starben, demonstrierten wir in Odessa. Wir, knapp hundert Pro-Maidan-Anhänger, versammelten uns vor dem Gebäude der Gebietsverwaltung und skandierten: „Nicht schießen auf dem Maidan!“ Alles war friedlich. Dann kamen drei Busse mit jungen Männern, weit über hundert, in schwarzen Kampfanzügen und mit Motorradhelmen. Sie gehörten vermutlich zur Gruppe „Selbstverteidigung der russischsprachigen Bevölkerung“, von der damaligen Regierung finanziert. Sie stiegen aus und liefen, Baseballschläger in den Händen, auf uns zu.
Ich blieb stehen, in der Hoffnung, ­ dass mein Pastorenhemd und meine friedliche Haltung eine beruhigende Wirkung haben könnten. Nur die Ersten liefen an mir vorbei. Die anderen rannten mich um, ich stürzte. Als ich am Boden lag, traten sie mich mit den Füßen und schlugen so lange zu, bis mich ein Polizist aus dem Getümmel herauszog. Auf dem Platz ging es weiter. Die Polizei konnte die meisten Demonstranten schützen, aber es floss auch Blut. Meine Verletzungen waren zum Glück nicht schwer. Ich spürte gar nichts, zunächst. Das lag wohl am Adrenalin. 
Mittlerweile ist die Krim russisch und bei uns im Südosten gibt es separatistische Vorstöße. Ich glaube nicht, dass sich die ­Separatisten durchsetzen. In Odessa sagen viele Leute: Ich habe mich noch nie so ukrainisch gefühlt wie zurzeit. Auch die Soldaten, die hier an den Außengrenzen stehen, scheinen sich mit der neuen Führung zu identifizieren und wirken entschlossen, das Land zu verteidigen. Ich bin nach der Erfahrung auf der Demo nicht ängstlicher geworden, im Gegenteil: Ich finde es wichtig, als Kirchenmann auch Position zu beziehen."

Schulanfängergottesdienst des GAW 2014

"Du bist nicht verlassen!" - diese Zusage hörte Josua. Diese Worte Gottes halfen ihm, alle Kraft zusammen zu nehmen, die Israeliten in das gelobte Land zu führen.
"Du bist nicht verlassen!" - diese Zusage sollen alle Kinder hören, die in diesem Jahr nach den Sommerferien eingeschult werden. Befreiend ist es für alle - Erstklässler, Eltern, Familien, Lehrer -, in einem Gottesdienst zum Beginn der Schulzeit darauf zu besinnen, dass niemand allein gelassen ist.
Diese Zusage und dieses Gefühl brauchen auch alle die Kinder, für die an diesem Tag vom GAW eine Kollekte erbeten wird: es sind Kinder und Jugendliche, die in Polen, Litauen, Rumänien und der Slowakei oft alleine ohne ihre Eltern zurecht kommen müssen. Oft arbeiten die Eltern in anderen Ländern und lassen ihre Kinder bei Großeltern, Verwandten oder Nachbarn - schlimmstenfalls bleiben sie auch allein - zurück. Viele evangelische Kirchengemeinden kümmern sich um solche Kinder und Jugendliche. Das GAW will diese Arbeit unterstützen und bittet am Tag der Einschulung um eine Kollekte, damit ein Zeichen der Solidarität gegeben wird: "Du bist nicht verlassen!"
Das Material für den Schulanfängergottesdienst kann sofort beim GAW bestellt werden unter versand@gustav-adolf-werk.de oder es kan direkt im Internet heruntergeladen werden unter:

Montag, 5. Mai 2014

Die Not in Spanien

 Joel Cortés Casals - Leiter der Comision Permanente der IEE
Spaniens Wirtschaft wächst wieder – so hieß es Anfang dieses Monats. Die Rezension scheint überwunden zu sein. Die Regierung gibt sich optimistisch. Es wird wieder investiert. Auch die Binnennachfrage verbessert sich. Jedoch bleibt eine große Sorge: die sehr hohe Arbeitslosenquote, die derzeit bei 25,7 % liegt.
Hinter dieser hohen Zahl verbergen sich viele, viele Einzelschicksale. Im Jahr 2013 befanden sich in Spanien 3 Millionen Menschen in der Situation absoluter Armut (d.h. Menschen, die mit 310 Euro und weniger monatlich auskommen müssen). Das sind doppelt so viele wie noch im Jahr 2008 zu Beginn des Ausbruchs der großen Wirtschaftskrise. 
Mit der Not ist auch die Solidarität gewachsen: Vor Spaniens Supermärkten finden sich immer wieder freiwillige Helfer, die  um Lebensmittelspenden bitten für die, die durch Arbeitslosigkeit in die absolute Armut abgesunken sind. Und das sind keinesfalls Menschen, die zu den sog. Risikogruppen gehören. Es sind Arbeiter, junge ausgebildete Fachkräfte, die keine Arbeit finden. Die Not von Millionen Menschen ist inzwischen so groß, dass sie ohne humanitäre Hilfe nicht mehr über die Runden kommen.
Dem widmet sich auch die Iglesia Evangélica Española (IEE). In vielen Gemeinden gibt es inzwischen Lebensmittelausgaben, eine Kleiderkammer oder ähnliche Angebote. Immer wieder hat die Kirchenleitung auf die Nöte und Sorgen der Armen im eigenen Land hingewiesen und den neo-liberalen Wirtschaftskurs der Regierung kritisiert. -
Derzeit befindet sich eine Gruppe der Arbeitsgemeinschaft der Frauenarbeit im GAW auf einer Reise nach Spanien, um sich über die Situation im Land zu informieren und diakonische Projekte anzuschauen, die im kommenden Jahr durch die Frauenarbeit gefördert werden sollen.
Es ist wichtig, dass wir unsere Partnerkirchen in Südeuropa in ihrer schwierigen Situation begleiten und nicht allein lassen.