Freitag, 28. Februar 2014

Quo vadis - Venezuela?

"Inzwischen sind 19 Tote zu beklagen," berichtete gestern Pastor Gerardo Hands von der lutherischen Gemeinde in Valencia/Venezuela. "Seit Tagen findet in unserer lutherischen Schule kein Unterricht statt. Auf den Strassen sind überall Barrikaden errichtet. Ich kann nur die nötigsten Wege draußen zurücklegen." Mit diesen Worten beschreibt Hands seine derzeitige Situation. Am vergangenen Sonntag kamen dennoch mehr Gemeindemitglieder zum Gottesdienst. Sie versammelten sich, um für den Frieden im Land zu beten. Diesen Wunsch teilen die meisten Menschen im Land. Präsident Maduro selbst hat zu einer nationalen Friedenskonferenz eingeladen. Was daraus wird und wie ernst das gemeint ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. Ein verhafteter Oppositionspolitiker hat sich dieser Konferenz verweigert. Venezuela steckt in einer sehr schweren Krise, die die derzeitige Regierung nicht in den Griff bekommt. Seit der Zeit von Hugo Chavez gibt es groß angelegte Sozialprogramme, die vielen armen und benachteiligten Menschen geholfen haben. Auf diese Gruppe stützt sich Maduro. Auf der anderen Seite gibt es eine horrende Verschuldung und Inflation. Gewalt ist überall zu spüren. Caracas ist eine Stadt mit weltweit sehr hoher Rate von begangenen Morden. Auch dieses Problem findet keine Lösung. Versorgungsprobleme häufen sich. "Man muss teilweise Schlange stehen vor den Lebensmittelgeschäften," schreibt Hands.
Die politische Stimmung ist vergiftet. Das zeigt auch ein Brief eines Pfarrers der lutherischen Kirche, der in einer indigenen Gemeinde bei Maracaibo arbeitet. Er hat jetzt einen Brief veröffentlicht, der die politische Spaltung des Landes verdeutlicht, die bis in so eine kleine Diasporakirche, wie der Lutherischen Kirche Venezuelas (IELV) hineinreicht.
Nun hat der CLAI (Consejo Latinoamericano de Iglesias) in einem offenen Brief an seine Mitgliedskirchen in Venezuela, zu der auch die IELV zählt, zum Frieden aufgerufen. Generalsekretär Nilton Giese unterstreicht das legitime Recht zu demonstrieren, wenn es um gesellschaftliche Ungerechtigkeiten geht, derer sich die Regierung anzunehmen habe. Er weist aber die Forderung einer Gruppe von Demonstranten zurück, die einen Regimewechsel fordern. "Die Möglichkeit einer Volksabstimmung über die Regierung besteht nach der Hälfte der Legislaturperiode," schreibt Giese. Diesen Weg solle man gehen, wenn man Veränderungen will. Ansonsten sei die legitim gewählte Regierung zu akzeptieren. Und er ruft die Mitgliedskirchen auf, zum friedlichen Miteinander in der Gesellschaft beizutragen und für den Frieden zu beten. Vom CLAI her ist jedenfalls Hilfe angeboten worden. - Enno Haaks

Donnerstag, 27. Februar 2014

Lutherische Kirche in Litauen ist diakonische Kirche

Ankunft der syrischen Flüchtlinge in Litauen
"Was kann das GAW uns raten im Rahmen von Füchtlingsarbeit," fragt mich der Diakoniepastor der lutherischen Kirche in Litauen. Gerade war ich in Westfalen unterwegs, als ich seinen Anruf bekam. "Ich bin auf dem Sprung zum Flughafen, um dort 40 syrische Flüchtlinge in Empfang zu nehmen.," fährt er fort. Auf die Frage, wie und wo sie untergebracht werden berichtet er, dass die Kirche in sieben verschiedenen Gemeinden die Familien unterbringen werden. Die Gemeinden sollen den Menschen in ihrer Zeit in Litauen helfen. Der Staat hat ihnen zunächst eine Aufenthaltserlaubnis ausgestellt. Die Kirche setzt sich jetzt für sie ein.
Nur - wie wird es mit der Verpflegung sein? Wer kommt für die Folgekosten auf? Nicht leicht... Mindaugas Kairys, der erwähnte Diakoniepastor hatte dafür noch keine Antwort.
Beeindruckend ist es, dass diese kleine Kirche sich dieser Herausforderung annimmt. Überhaupt ist es sehr bemerkenswert, wie die Diakonie Litauens, genannt SANDORA, immer wieder für wichtige gesellschaftliche Herausforderungen einsetzt. Die Frauenarbeit des GAW unterstützt das Engagement für Eurowaisenkinder der Kirche in diese Jahr speziell. Auf der Powerpointpräsentation auf der Homepage des GAW kann man sie sich herunterladen: http://www.gustav-adolf-werk.de/jahresprojekt.html

Dienstag, 25. Februar 2014

Postkartenserie des GAW super nachgefragt!!

Die GAW-Kartenserie zum Themenjahr - "Reformation und Politik" ist den bedrängten und verfolgten Christen im Nahen Osten gewidmet. Das Mosaik "Flucht nach Ägyten" befindet sich in der Koptisch-Orthodoxen Kirche der Heiligen Jungfrau Maria in Kairo, Ägypten. Weitere Karten zeigen ebenfalls Motive aus Kirchen, die vornehmlich der orthodoxen Tradition entstammen. Auf der Rückseite der Karte werden die drei Kirchen jeweils kurz in Bild und Wort vorgestellt.
Diese Postkartenserie ist sehr gut nachgefragt worden, so dass wir uns entschieden haben, einen Nachdruck zu bestellen, der in der kommenden Woche geliefert werden wird.
Sie können diese wunderbare Serie also weiterhin bestellen unter: http://www.gustav-adolf-werk.de/postkarten-plakate.html!!!

Freitag, 21. Februar 2014

Religionsfreiheit ist ein Menschenrecht - Zur Situation Bedrängter und Verfolgter Christen

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ruft seit 2010 am Sonntag Reminiscere zu einem Gedenktag auf. Hintergrund dieser Entscheidung war das wachsende Bewusstsein innerhalb der Gliedkirchen der EKD, dass es vermehrt Regionen gibt,“ in denen Menschen Leib und Leben riskieren, wenn sie sich zum christlichen Glauben bekennen.“ (Bischof Huber, EKD-Synode 2008) Wichtig ist die Einbettung des Engagements für christliche Glaubensgenossen in den grundsätzlichen Einsatz für die Geltung der Menschenrechte weltweit.
Dieser Herausforderung hat sich auch das GAW angenommen seit dem Projektkatalog 2010, in dem jährlich 15.000 Euro für ein Projekt zur Verfügung gestellt werden soll. Für unser evangelisches, konfessionell gebundenes Werk ist das ein selbstverständlicher Ausdruck der Solidarität. Dabei sollen zunächst evangelische Kirchen, die über die FMEEC (Fellowship of Middle East Evangelical Churches), einer der GEKE vergleichbaren Organisation im Nahen Osten, unterstützt werden. Ein wichtiges Kriterium dabei ist, diese Kirchen in ihrem sozial-diakonischen Engagement zu helfen, um der Leitlinie der EKD gerecht zu werden.
2013 kam mit dem "Ökumenische Bericht zur Religionsfreiheit von Christen weltweit " zum ersten Mal eine Studie von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der katholischen Deutschen Bischofskonferenz heraus, um ein differenziertes Bild der Situation zu beschreiben. Bestätigt wird, dass weltweit immer mehr Menschen bei der Ausübung ihres Glaubens bedrängt werden. "Christen sind besonders dort gefährdet, wo sie gesellschaftlich in einer Minderheitenposition sind und in einem autoritär regierten Staat leben," sagt ein Verfasser der Studie. Mit Vorsicht werden Berichte eingestuft, die von einem sog. "Weltverfolgungsindex" ausgehen. Nicht in jedem Fall aber haben Verfolgung und Diskriminierung rein religiöse Motive.„Niemand kann behaupten, er wisse, wie viele Menschen aufgrund ihres Glaubens verfolgt werden. Dazu müsste zunächst genau definiert werden, was man unter Verfolgung versteht. Die EKD orientiert sich am Verfolgungsbegriff der Genfer Flüchtlingskonvention: jemand wird verfolgt, wenn Gefahr an Leib und Leben besteht und er aufgrund einer bestimmten Zugehörigkeit, zum Beispiel zu einer Nation oder zu einer sozialen Gruppe, nicht auf den Schutz des Staates zählen kann,“ sagt OKR Leißer, Beauftragter für Menschenrechte und Migration bei der EKD. „Viele Konflikte haben nur sehr mittelbar mit dem Glauben zu tun.“
Dem GAW ist die protestantische Solidarität ein Herzensanliegen – gerade auch bezogen auf evangelische Christen, die bedrängt und verfolgt sind. Kirche braucht das wache Auge füreinander. Wenn evangelische Gemeinden in Not sind, sind wir zur Solidarität aufgerufen. Wenn Gemeinden Hilfe brauchen, ist es richtig, wenn auch aus dem GAW Unterstützung kommt. Schon zu Beginn der Kirche haben die reicheren griechischen Gemeinden die notleidende Gemeinde in Jerusalem unterstützt. Solidarität unter den evangelischen Kirchen ist keine Vetternwirtschaft. Sie gehört zum Markenkern des Christentums. Dabei leisten alle unsere Partner einen Dienst an und in ihren Gesellschaften. Die Hilfe, die unsere Schwestern und Brüder erhalten kommt, allen Bevölkerungs- und Glaubensgruppen zugute – trotz der eigenen schwierigen Situation. 
Das Engagement des GAW wird hoch geschätzt vom EMW und der EKD. „Wir finden es hilfreich und der heutigen Situation von christlichen Minderheiten auch wirklich angemessen, dass das GAW einen eigenen Beitrag leistet, immer im Blick auf das Gemeinwesen und den Kontext, in dem sich die Minderheit bewegt. Dazu möchte ich Sie auch weiterhin ermutigen,“ heißt es aus der EKD, dessen Diasporawerk das GAW ist. - Enno Haaks

Donnerstag, 20. Februar 2014

Ukrainischer Bischof Serge Maschewski fordert Ende der Gewalt

Auf der Homepages des LWB findet sich folgendes Interview:
"Ein Ort des Friedens und des Gebets – und ein Lazarett. Die Kirche der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Gemeinde in Kiew versorgt seit Wochen Verletzte der Ausschreitungen auf dem Majdan. Serge Maschewski, am Sonntag in sein Amt als Bischof
der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Ukraine (DELKU) eingeführt, spricht mit LWI über die Proteste in der Ukraine.
Wie ist die Situation gerade bei Ihnen?
Die Situation ist sehr schwierig. Viele Demonstranten vom Majdan hatten heftige Kämpfe mit der Berkut (Spezialeinheiten der Polizei), es gibt auf beiden Seiten Opfer. Wir haben heute eine Erklärung herausgegeben: Wir beten für die Menschen und rufen zu Dialog und Versöhnung auf. Wir bitten die Regierung, nicht mit Gewalt gegen ihr Volk zu kämpfen, sondern sich mit dem Volk an einen Tisch zu setzen und gemeinsam zu entscheiden. Es bereitet uns grosse Sorge, dass die Regierung gewaltsam gegen ihr Volk vorgeht.

Die Gemeinde in Kiew befindet sich sehr nah am Majdan, wie sieht es dort aus?

Unsere Gemeinden in Charkow, Dnipropetrowsk und Kiew unterstützen die Demonstranten vom Majdan. Die Gemeinde in Kiew ist nur 150 Meter vom Präsidentenpalast entfernt. Sie ist eigentlich ein Ruhepol, in den viele Menschen kommen um auszuruhen und nachzudenken, was hier gerade passiert. Aber die Gemeinde leistet auch seit Tagen erste Hilfe. Heute Morgen hat die Gemeinde in Kiew mehr als 20 Menschen mit schweren Verletzungen versorgt – Platzwunden, Brandwunden durch Molotow-Cocktails, Blutergüsse und Verletzungen durch Schlagstöcke. Ich habe die Gemeinde nur über das Telefon erreicht, weil die Strassen nach Kiew gesperrt sind. Die Situation ist sehr schwierig dort, wir sind ständig per Handy und skype in Kontakt.
Die lutherischen Kirchengemeinden sind schon länger eine Anlaufstelle für die Demonstranten?
Unsere Kirchen stehen jedem offen. Schon in den letzten Wochen haben wir den Menschen, die zu uns gekommen sind, Kaffee und Tee angeboten, Ärzte und medizinische Hilfe. Bei uns können die Menschen zur Ruhe kommen, aber auch einfach auf Toilette gehen. Wir sprechen und beten mit ihnen, das ist in dieser Situation sehr wichtig und wir sehen es als unsere Aufgabe an, hier zu helfen. Manchmal kommen auch Soldaten, und auch ihnen bieten wir Kaffee und Tee an. Das sind ganz arme Menschen, sie haben einen Befehl, den sie eigentlich nicht ausführen wollen, aber sie haben Angst. Wir helfen allen, da schauen wir nicht auf die Parteizugehörigkeit.

Was ist Ihre Position als Kirche?

Da wir eine Kirche mit deutschen Wurzeln sind, werden wir hier mit Westeuropa assoziiert. Wir stehen auf keiner Seite, aber wir müssen das Unrecht beim Namen nennen. Hier können wir nicht schweigen. Wir wollen keine Gewalt, wir stehen in der biblischen Verantwortung, zum Frieden aufzurufen. Wir haben heute mit allen Gremien zusammen gesessen und eine Erklärung herausgegeben, dass die Kirche das Volk unterstützt. Die Opfer und das Blutvergiessen sind schrecklich, wir haben zu Dialog und Versöhnung aufgerufen.

Wie kann man den Menschen vor Ort helfen?

Die Gemeinde in Kiew braucht jetzt Spenden für Medikamente. Verbandszeug, Jod und Tabletten. Wir suchen auch professionelle Ärzte, die freiwillig mithelfen können. Und wir brauchen eure Gebete. Betet für unsere Kirche, für den Frieden und eine gute Zukunft für die Ukraine, für unser Volk. Wir stehen am Rande eines Bürgerkriegs, eure Gebete sind sehr wichtig für uns."



Mittwoch, 19. Februar 2014

Pfarrer Haskas Dienst in schwerer Zeit

Pfarrer Haska, lutherischer Pfarrer der Katharinengemeinde in Kiew, ist derzeit ein gefragter Gesprächspartner. Das ist verständlich, liegt doch seine Kirche in der Nähe des Maidanplatzes. Mit seiner Kamera ist er täglich unterwegs, hält die Geschehnisse dokumentarisch fest und informiert pausenlos über seine Facebookseite über das Geschehen. Selbst ist er bei den Ausschreitungen am gestrigen Abend leicht an der Hand verletzt worden. Er schreibt: "Ich bin dann zurück in unsere Kirche. Wir haben dort unsere Aufgaben: Wir pflegen schon lange Kranke, viele haben sich bei den Demonstrationen im Frost Lungenentzündungen eingefangen. Jetzt haben wir aber auch viele Verletze, Menschen mit Kopfverletzungen von Knüppelschlägen." Er hält seine Kirche offen für alle. Kranke werden versorgt, Demonstranten können sich aufwärmen und werden versorgt. 
Das GAW hat der Gemeinde für ihren Dienst eine Unterstützung überwiesen. Wir wünschen Pfarrer Haska, seine Familie und der Gemeinde viel Kraft für ihren Dienst! Wir beten für Euch!!!

Dienstag, 18. Februar 2014

12 Empfehlungen zur kirchlichen Arbeit mit Roma

Mit 12 Empfehlungen für die Arbeit mit Roma haben Diakoniefachleute und VertreterInnen der europäischen Mitgliedskirchen des Lutherischen Weltbundes (LWB) sowie der Kommission der Kirchen für Migranten in Europa (KKME) einen Wegweiser zur Gestaltung der Beziehungen zu den Roma in Europa vorgelegt. Die 12 Handlungsvorschläge sollen einen Rahmen für die praktische Arbeit in Gemeinden und Kirchen bieten, erklärt Pfarrerin Dr. Eva-Sibylle Vogel-Mfato, Europareferentin in der Abteilung für Mission und Entwicklung (AME) im LWB. „Wir bieten Konzepte an“, so Vogel-Mfato. „Die praktische Umsetzung muss vor Ort passieren, je nach den Möglichkeiten und der Situation die sich dort bietet.“ Das könne durch eine gezielte Arbeit mit Roma-Kindern und ihren Familien in einem Gemeindekindergarten passieren, indem Roma in die Planung und Durchführung eines Strassenfestes integriert würden oder mit der Einrichtung einer Telefon-Hotline für spezifische Notlagen. „Es kommt immer auch darauf an, wie sich die Umstände vor Ort gestalten und welche Gaben die Beteiligten mitbringen“, betont Vogel-Mfato. „Die einen sind gute Seelsorger, andere leisten eher praktische Hilfe, und vielleicht gibt es auch jemanden, der oder die weiss, wie man am besten Netzwerke aufbaut und die Medien anspricht.“  Die Arbeit mit Roma ist seit langem ein Schwerpunkt der Advocacy-Arbeit des LWB. Die LWB-Vollversammlung in Stuttgart verabschiedete 2010 eine Resolution, in der sie die Mitgliedskirchen aufforderte, „zur Emanzipation und Integration sozial benachteiligter ethnischer Gruppen sowie zur Entwicklung einer integrativen sozialen Praxis beizutragen.“ Zwar engagierten sich die Kirchen bereits für die Roma und verschiedene Projekte seien auf diese ethnische Gruppe ausgerichtet, dennoch „müssen noch sehr viel mehr Anstrengungen unternommen werden, wenn dem Problem wirksam begegnet werden soll.“ Die KKME betreibt seit 2001 auf europäischer Ebene ebenfalls Advocacy-Arbeit für Roma, in den vergangenen drei Jahren vor allem im Zusammenhang mit dem EU-Rahmenvertrag für die Länderstrategien zur Integration der Roma. „Die Geschichte der Beziehungen zu den Roma-Minderheiten, einschliesslich der Geschichte unserer eigenen Kirchen, hat viele dunkle Schatten“, erklärt KKME-Generalsekretärin Doris Peschke. „Um die unterschiedlichen Erinnerungen an unsere gemeinsame Vergangenheit zu versöhnen und eine gemeinsame Zukunft als gleichberechtigte Bürgerinnen und Bürger gestalten zu können müssen wir uns bewusst werden, wo wir richtig gehandelt haben und wo wir schuldig geworden sind.“ Die neu vorgelegten Empfehlungen greifen den Aufruf der LWB-Vollversammlung auf. Anlässlich einer Tagung, die vom 22. bis 24. November 2013 in Frankfurt am Main (Deutschland) stattfand, diskutierten 20 VertreterInnen der europäischen Mitgliedskirchen von LWB und KKME das Thema. Die Beteiligten, darunter auch Roma, kommen selbst aus der praktischen Bildungs- und Advocacy-Arbeit mit Roma. Die Empfehlungen legen einen Schwerpunkt darauf, das Wissen über Kultur und Geschichte der Roma-Minderheiten zu erweitern. So soll Diskriminierung und Ausgrenzung ein Ende gesetzt werden. Die Empfehlungen enthalten zwölf Handlungsvorschläge praktischer Art – von Schritten zur Einbindung der Roma in das Leben der Kirchengemeinde und der örtlichen Gemeinschaft bis hin zu Medienarbeit gegen Antiziganismus.
Das Dokument (in englischer Sprache) finden Sie hier:
http://www.lutheranworld.org/content/resource-call-justice-and-dignity-roma-people

Quelle: www.lutheranworld.com

Freitag, 14. Februar 2014

Ist ein Verbot religiöser Symbole wirklich eine Befreiung?



Französische Medien berichten, dass seit dem 11. Februar den Mitarbeitern des französischen Recycling-Unternehmens Paprec das Tragen von religiösen Symbolen bei der Arbeit untersagt sei. Mit der „Charta der Laizität und Vielfalt“, die alle Mitarbeiter unterschreiben müssen, sollen laut dem Chef der Firma, Jean
Eine mit GAW-Hilfe neu gebaute protestantische Kirche
in Ermont bei Paris

-Luc Petithuguenin, der Zusammenhalt im Betrieb und der respektvolle Umgang miteinander gestärkt werden. Zum ersten Mal nimmt damit ein privates Unternehmen in seiner Arbeitsordnung das staatliche Laizitäts-Prinzip auf. Im Unterschied zu öffentlichen Einrichtungen wie Schulen ist die Laizität in privaten Unternehmen bisher in der Regel nicht strikt durchgesetzt gewesen.
Elisabeth Parmentier, Professorin für Praktische Theologie in Straßburg, erläutert die Hintergründe des Verbots von religiösen Symbolen bei Paprec: „Der Leiter dieser Firma, Jean-Luc Petithuguenin, ist ein bekennender Atheist. In der kurzen Charta werden die "Neutralität" aller religiösen Überzeugungen gegenüber, die Gleichheit von Männern und Frauen, die Werte der Republik, sowie die Befreiung von jeglichem Druck einer Gemeinschaft betont.
Was mir dabei auffällt, ist die hintergründige Überzeugung: Die Menschen entscheiden sich nicht frei, sondern werden von ihren Religionsgemeinschaften unter Druck gesetzt. Somit wird das Verbot, während der Arbeit religiöse Zeichen zu tragen oder Gebete zu halten, als eine Befreiung für diese Menschen angesehen. Das ist eine typische Auffassung der radikalen Laizisten in Frankreich.
Ich befürchte, dass demnächst in Frankreich die Fronten wieder aggressiver werden ...“
 

Bei einer Anhörung des US-Kongresses in dieser Woche hat der Ständige Vertreter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen, Erzbischof Francis Chullikatt eine wachsende Verfolgung religiöser Gemeinschaften weltweit beklagt. Nicht nur in Diktaturen sondern auch in Demokratien werde die Religionsfreiheit zunehmend beschnitten. Als Beispiel nannte er das Verbot des Tragens religiöser Symbole in der Öffentlichkeit.

Donnerstag, 13. Februar 2014

"Justinian - du wirst mich nicht töten..."


                                             لا لن تقتلني يا جوستنيان ولكن ستشيد لي كنيسه هنا عل هذا الصخر

"Nein - Justinian, du wirst mich nicht töten. Du wirst mir (in meinem Namen) eine Kirche auf diesem Felsen bauen." - So heißt es auf der Schriftrolle eines Mosaiks im Kloster Mar sakis in Maalula in Syrien. Der Ort liegt abgelegen in den Bergen und ist zutiefst christlich geprägt. Islamistische Kämpfer haben den Ort eingenommen und Zerstörungen angerichtet. Wir wissen nicht, ob dieses Motiv noch existiert oder zerstört wurde.

Die Szene auf dem Mosaik geht auf die sog. Saidnaya Legende zurück: Der Legende nach soll der römische Kaiser Justinian das Kloster bzw. die Kirche in Saidnaya errichtet haben. Der Tradition nach soll er auf der Jagd gewesen sein. Als als er eine Gazelle jagen wollte, verwandelte sie sich plötzlich in eine Erscheinung Marias. Sie verlangte von ihm eine Kirche bzw. ein Kloster an dieser Stelle zu bauen. Daher ist die Gazelle in der Ikone zu sehen.

Diese un zwei weitere Postkarten hat das GAW gestern herausgegeben. Sie sind zu bestellen unter verlag@gustav-adolf-werk.de!



Mittwoch, 12. Februar 2014

Neue Postkartenserie des GAW!

Heute hat das GAW eine neue Postkartenserie herausgebracht! Sie steht in einer Postkartenserie zu den Themen der Reformationsdekade. Im Rahmen des Themas „Reformation und Politik“ haben wir uns entschlossen, diese Postkartenserie den „Bedrängten und verfolgten Christen“ im Nahen Osten zu widmen. Dazu haben wir drei Motive ausgewählt.

Berührend empfinde ich in diesem Kontext das Motiv der Flucht nach Ägypten – gerade nach Ägypten … - Als GAW haben wir uns entschlossen, exemplarisch in diesem Jahr in unserem Projektkatalog ein Projekt der presbyterianischen koptischen Kirche (ca. 100.000 Mitglieder) zu fördern. Da geht es um ein Krankenhaus der Kirche in der Nähe Kairos, das wir helfen wollen zu sanieren. – Vielleicht haben Sie im Rahmen des Weltgebetstages die Chance, darauf einzugehen, dafür zu sammeln oder das Postkartenmotiv zu nutzen.

Und besonders bewegt uns die Situation in Syrien. Ein Motiv ist aus Maalula. Dort soll die älteste christliche Kirche stehen. In diesem Dorf wurde immer noch das Vaterunser auf Aramäisch im Gottesdienst gebetet, der Sprache Jesu. Leider gibt es nur wenige aktuelle Berichte aus Maalula, das von islamistischen Truppen eingenommen wurde, die dort viel zerstört haben. So wissen wir auch nicht, ob dieses Mosaik noch existiert. Mit dieser Postkarte wollen wir an die hochkomplizierte Situation der Christen in Syrien erinnern. 
Derzeit bereiten wir im GAW ein drittes Hilfsprojekt mit unseren evangelischen Partnern in Aleppo vor. Ein gutes Projekt, das sich an Christen und Muslime wendet. Hier sind wir ebenfalls auf Hilfe und Unterstützung angewiesen. Vielleicht können Sie eine Ausgangskollekte in einem der kommenden Gottesdienste dafür bestimmen.
Das dritte Motiv zeigt die Chora-Kirche in Istanbul/Türkei, die heute ein Museum beherbergt.
Die Postkarten können bestellt werden unter: http://www.gustav-adolf-werk.de/postkarten-plakate.html oder über verlag@gustav-adolf-werk.de.



Der Synodalrat der EKBB in Tschechien stellt sich gegen Rassismus

Die Volksabstimmung in der Schweiz über eine Begrenzung des Ausländeranteils an der Gesamtbevölkerung hat in den letzten Tagen in Europa für Beunruhigung gesorgt. Wir müssen in Europa sehr aufpassen, dass Angst vor Fremden, Fremdenfeindlichkeit, Ausgrenzung und Rassismus nicht die Oberhand gewinnen. 
Gerade als Kirche sind wir gerufen, dagegen unsere Stimme zu erheben. Eines der Grundmotive biblischer Botschaft ist es, Fremden Heimat zu geben, denn wir gehören selbst zum "wandernden Gottesvolk", das hier "keine bleibende Stadt hat".
Gut ist es, dass sich unsere Partnerkirche hier zu Wort melden, sich einmischen, sei es in Spanien, Italien oder jüngst in Tschechien. Der Synodalrat der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder hat folgenden Text veröffentlicht:
"In jüngster Zeit sind wir beunruhigt über Äußerungen von offenem und verdecktem Rassismus in der tschechischen Gesellschaft. Den versteckten Rassismus in vielen von uns nutzen neonazistische Gruppierungen aus, die auf den Straßen marschieren und rassistische Slogans rufen. In einer Zeit wirtschaftlicher Rezession wird das gesamte Problem noch mächtiger und weitere Menschen laufen den Neonazis zu. In diesen Tagen geschieht dies besonders an Orten, an denen das Problem des Zusammenlebens zwischen tschechischer Majorität und Roma-Minderheit nicht bewältigt wurde.
Wir wissen, dass das Zusammenleben mit Menschen, die aus der Mehrheitsgesellschaft ausgegrenzt sind, mit Langzeitarbeitslosen, mit Menschen, die keinen regelmäßigen Tagesablauf kennengelernt, denen die Eltern keine Bildung ermöglicht, die kein Geld haben, nicht einfach ist.
Zu einem besseren Zusammenleben gelangt man nicht durch Demonstrationen, die von Vertretern neonazistischer Parteien und Gruppen zur Verbreitung boshafter und stumpfsinniger Ideologie ausgenutzt werden. Solche Formen lehnen wir ab, denn sie bedrohen die Freiheit und Würde unserer Mitbürger und in ihrer Folge auch unsere eigene. Sie sind unserem Verständnis fremd, das vom Glauben und von der Nachfolge Jesu Christi ausgeht.
Wir halten es für nötig, dass öffentliche Verwaltung, Kirche und gemeinnützige Organisationen geduldig und planmäßig mit Minderheiten arbeiten.
Synodalrat der EKBB
Wir erinnern daran, dass es in dieser Sache nicht nur um die Arbeit mit der Roma-Minderheit geht, sondern auch mit der gesamten Gesellschaft, um die Überwindung von Abneigung, Hass und bestimmten Ansichten gegenüber Minderheiten. Wichtig sind eine verantwortungsvolle und wahrhaftige Erziehung von Kindern und Jugendlichen und die Betonung der Rolle der Familie als Raum, in dem wir Liebe und Toleranz lernen.
Wir danken allen, die rassistischem Denken und Handeln Widerstand entgegensetzen und sich bemühen, die Situation bei uns gewaltfrei zu lösen. 
Joel Ruml, Lia Valková, Daniel Ženatý, Pavel Kašpar, Pavel Stolař und Eva Zadražilová,
Mitglieder des Synodalrates der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder"

Dienstag, 11. Februar 2014

Was ist das GAW?

Einige Leitsätze zu dem Aufgabenfeld des GAW, was es ist und leistet und wozu es sich berufen fühlt, möchte ich hier vorstellen:
1. Das GAW will der Kirche dienen. Es ist zur Fürsorge an der Diaspora und will weltweit Gemeinden helfen, im evangelischen Sinne Kirche Jesu Christi zu sein.
2. Das GAW ist ökumenisch ausgerichtet, indem seine Hilfsarbeit evangelischen Gemeinden in der ganzen Welt ohne Rücksicht auf Volk, Sprache, Nation dient. Es beschränkt sich allerdings bewusst konfessionell auf evangelische Gemeinden – „…allermeist an des Glaubens Genossen“. Damit stärkt es die evangelische Stimme in der Ökumene. Ohne die evangelische Stimme keine gelingende Ökumene!
3. Das GAW ist ein diakonisches Werk, denn es stärkt die kirchlichen Strukturen der Partnerkirchen, damit diese dann diakonisch in ihre Gesellschaften hineinwirken können.
4. Das GAW ist ein missionarisches Werk, denn es ist dem Missionsbefehl des HERRN der Kirche verpflichtet. In diesem Sinne heißt Diaspora „Salz der Erde“, Licht der Welt zu sein oder auch Aussaat. Das GAW stärkt die Mission ihrer Partnerkirchen in ihrem Kontext.
5. Das GAW leistet seine Hilfe in Absprache mit der EKD, dem LWB, dem WRK, der GEKE – und weiß sich durch die Zugehörigkeit der Partnerkirchen rückwirkend auf sie gewiesen.
6. Das GAW ist zur anhaltenden Fürsorge für schwache Diasporakirchen und – gemeinden, die dauerhafte Unterstützung bedürfen, notwendig.
7. Das GAW erinnert die Gesamtkirche an den Wert der kleinen Zahl und die Bedeutung der Minderheit im Reiche Gottes. Es erweckt die Liebe und den Willen zum Opfer für die schwachen Glieder der Kirche in den Gemeinden der EKD.
Pfarrer Enno Haaks



Montag, 10. Februar 2014

Hintergünde aus Estland

Pfarrer Matthias Burckhard aus Tallinn gibt in seiner neuen Gemeindebriefausgabe eine Einblick in die estnische Gesellschaft:
"Die gegenwärtigen Kämpfe in der Ukraine sind von Estland aus betrachtet sehr nahe. Die Teilung der Gesellschaft in zwei Lager, ein EU-freundliches und ein russlandfreundliches geschieht auch hier, auch hier gibt es dafür ethnische und historische Voraussetzungen. Der Zusammenprall der Geschichtsdeutungen geschah in Estland deutlich sichtbar vor 7 Jahren: Bei den Krawallen um das sowjetische Ehrenmal des Bronzesoldaten und seine Verlegung auf den städtischen Friedhof. Die entscheidende Frage war eine Frage der Geschichtsdeutung: Waren die Rotarmisten Befreier oder Bedrücker? In jeder Familie gibt es dazu entsprechende Erinnerungen, die selbstverständlich von den jüngeren Generationen aufgenommen und ggf. verteidigt werden.
Hinzu kommen zwei weitere Faktoren, ein wirtschaftlicher und ein politischer. Der wirtschaftliche Faktor spielt eher den russlandfreundlichen Kräften in die Hände: Die Aussicht auf Vorzugspreise im Russlandhandel spielt eine große Rolle ( z.B. billigere Energieträger, in einem kalten Land mit hohen Strompreisen und ständigem Anpassungsdruck an europäische (Umwelt-)normen durchaus eine verlockende Aussicht. Und hat nicht Deutschland die Nordstream-Pipeline mit Russland fertiggestellt, um von Transitländern wie der Ukraine und den dortigen politischen Entwicklungen unabhängig zu sein?). Die Energiefrage ist für Estland dringender als für die an Bodenschätzen so reiche Ukraine. Es setzt schon großen Patriotismus oder großen Reichtum (oder beides) voraus, dass einem z.B. der Gaspreis egal ist.
Der politische Faktor ist ebenfalls nicht zu unterschätzen, aber er wird sehr ambivalent beurteilt. Zu Tage liegt das Interesse des Kremls über kurz oder lang den russischen Machtbereich wieder auszudehnen, in allen ehemaligen Sowjetrepubliken haben russlandfreundliche (und mutmaßlich von Moskau finanzierte) Kräfte an Boden gewonnen. Offen zu Tage liegt die Einflussnahme Moskaus zur Förderung dieser Bewegungen, so war es beim Bronzesoldaten und so ist es jetzt. Natürlich sieht man das in Estland überwiegend mit Sorge. Im Gespräch war jetzt, die USA um Einquartierung ständiger Truppen zu bitten. In einer Postwurfzeitung der Zentralpartei wurde dieses Vorhaben scharf kritisiert, es solle lieber eine bessere Diplomatie betrieben werden. Ausserdem stand in derselben Zeitung ein Artikel über die sowjetische Zeit mit dem Tenor: „Meckern ist leicht-es war ja aber nicht alles schlecht“. 
Dabei stößt auf, was ich im letzten Gemeindebrief bereits erwähnt habe -die schleichende Resowjetisierung der Gesellschaft, unabhängig, ob die Zentrale in Moskau oder Brüssel gesehen wird. Mit Resowjetisierung meine ich eine bestimmte Handhabung von Gesetzen und von Fragen des öffentlichen Lebens. Russischerseits sind wir das gewohnt, aber europäischerseits? Ein Bekannter berichtete mir vor ein paar Wochen von einer Reise nach Lviv (Lemberg), wo die Demonstrationen gegen die Regierung mit der Uhr gemessen zwei Stunden am Tag dauerten. Dabei wurden Bändchen verteilt mit abwechselnd den Flaggen Europas und der Ukraine. Es wirkte auf meinen Bekannten, wie eine von Europa finanzierte Demonstration.
Hier wurden und werden, so denken viele Esten, auch durch Europa Fehler gemacht: Kaum jemand traut dem Euro. Den mit viel Schwung vorgetragenen Menschenrechtskampagnen und Gesundheitsaufklärungskampagnen (gegen rassische Diskriminierung, gegen Homophobie, für Kondome usw.) gegenüber zeigt sich der Durchschnittseste nicht ablehnend (obgleich es auch Ablehnung gibt) sondern eher befremdet. Was soll das alles? Warum so viel Geld und so viel Pathos? Das feine Gespür für Bevormundung, das kleinen Völkern zueigen ist, regt sich. Von der erzwungenen Einführung einer Ideologie, von Eurokratie und fünfjahresplanartiger Projektierung aller Lebensbereiche wird gesprochen, dazu wirkt das scheinbar völlige Fehlen von Glasnost und Perestroika in der gefühlten amtseuropäischen Selbstdarstellung. Die neue Union krankt offenbar für viele Esten an denselben Krankheiten, wie die alte, die man glücklich losgeworden ist, nur die Ideologie ist nun eine andere, angenehmere.
Auf diesem Hintergrund ist Putins Anti-Schwulen-Gesetz ein kluger Schachzug, der einige in Osteuropa bewegt hat - nämlich die Konservativen auf Moskau hin! Ich habe den Eindruck, dass in Brüssel solche Widerstände ganz deutlich unterschätzt werden. Die fortschrittsoptimistische Siegeszuversicht, die eine Diskussion wirtschaftlicher und gesellschaftspolitischer Fragen gar nicht erst zulässt, Gegner schlicht als rückständig abtut und fest daran glaubt, das gegenwärtige europäische System inklusive seiner „Seele“ werde sich zwangsläufig durchsetzen, könnte zum Sargnagel der europäischen Idee werden, wenn aus dem Gruppen- ein Mehrheitsdenken würde. Noch sehen die meisten Menschen in Estland auch das Positive, Projektfinanzierungen, Infrastrukturmaßnahmen und allerlei begrüßenswerte europäische Standards. Aber sie haben auch gelernt, dass Marktwirtschaft und Reisefreiheit nicht unbedingt an Europa gebunden sind abgehört werden die Bürger hüben wie drüben, und Redefreiheit braucht man ja leider nur dann, wenn man etwas zu sagen hat. Ich hoffe jedoch, dass das Beispiel der Ukraine uns den doch noch bestehenden Unterschied wieder deutlicher macht und es weiterhin jedem Esten unangenehm aufstößt, dass jenseits der Grenze staatlich geduldete Gewalt gegen Andersdenkende und Andersfühlende ausgeübt wird, und dass die Resowjetisierung explizit und nicht implizit stattfindet! 
Am 18. Februar jedenfalls wird der Grenzvertrag mit Russland unterschrieben. Die letzte (?) strittige Ostgrenze der EU ist damit geklärt. Estland verzichtet auf zwei halbe Landkreise (das Land östlich der Narva und das östliche Setumaa) und zwei Städte (Petseri und Ivangorod), die ihm nach dem Tartuer Frieden von 1920 zugesprochen worden waren. Die Grenzziehung Stalins wird damit völkerrechtlich akzeptiert. Befürworter sehen hierin einen Aufbruch zu besseren diplomatischen Beziehungen mit Russland, eine längst überfällige de jure Anerkennung einer de facto Grenzziehung, einen realpolitischen Schritt, denn dass Russland die Gebiete zurückgibt, ist so unwahrscheinlich wie eine estnische Kolonie auf dem Mond, und es leben sowieso kaum Esten in dem fraglichen Gebiet. Gegner argumentieren mit einer weiteren Opferung estnischer Interessen zugunsten europäischer Maßgaben, verweisen auf das Schicksal der nun auch juridisch geteilten Setu und manch ungeklärte Frage (Entschädigung der ehemaligen Besitzer, Nutzung der durch den Narvaschen Staudamm gewonnenen Energie nicht vertraglich geregelt). Insgesamt ist aber die überwiegende Mehrheit des Parlaments für die Unterzeichnung des Vertrags. Die Kommunalwahlen im Herbst brachten im Wesentlichen eine Bestätigung der bestehenden Regierungen. Überragender Sieger wurde Tallinns Bürgermeister Edgar Savisaar von der russlandfreundlichen Zentralpartei. Seine Partei regiert in Tallinn seit 1996. Auch diesmal wurde sie mit absoluter Mehrheit an die Macht gewählt."

Partnerschaft zwischen Sachsen und Rußland

Bichof Bohl (Sachsen; re) und Bischof Brauer (Moskau; 2 v.li.) unterzeichneten am Wochenende einen Partnerschaftsvertrag
Im Gottesdienst am 9. Februar in der Evangelisch-Lutherischen Kathedrale St. Peter und Paul in Moskau wurde eine Partnerschaftsvereinbarung zwischen der ELKER und der sächsischen Landeskirche unterzeichnet. Darin sind Vereinbarungen über die partnerschaftlichen Beziehungen der beiden Kirchen zunächst für die Dauer von zehn Jahren getroffen. Beabsichtigt sind eine enge Zusammenarbeit und ein Austausch an geistlichen Erfahrungen und theologischen Einsichten sowie an den Erfahrungen in der sozial-diakonischen und missionarischen Arbeit.
Zudem sollen der Aufbau und die Weiterentwicklung von Partnerschaften zwischen Gemeinden bzw. Kirchenbezirken in Sachsen und Propsteien in Russland sowie die gegenseitige Teilnahme an Fortbildungen unterstützt werden.

Freitag, 7. Februar 2014

"Du bist nicht verlassen!" - Jahresprojekt der Frauenarbeit

Derzeit wird in der Zentrale fleißig das Material für das Jahresprojekt der Frauenarbeit verschickt. 95.000 Euro wollen die Frauen im GAW in diesem Jahr sammeln und dabei gleichzeitig das Bewusstsein stärken für eine Not, die durch Arbeitsmigration in Europa entsteht. Das betrifft  unsere Partnerkirchen u.a. in Litauen, Polen, der Slowakei und Rumänien, für deren Projekte die GAW-Frauen sich einsetzen. Die Gemeinden spüren die Probleme massiv. Ein litauischer Pfarrer berichtete, wie in den letzen 5 Jahren er durch Arbeitsmigration 1/3 seiner Gemeindemitglieder verloren hat. Er berichtete auch von Kindern, die bei den Großeltern zurückbleiben. Die Herausforderung ist generationsübergreifend. Gut, dass die diakonischen Werke unserer Partner dafür sich einsetzen, Menschen das Gefühl zu geben, dass sie nicht allein sind!

Donnerstag, 6. Februar 2014

Neue Stipendiaten für das GAW

Es ist wieder soweit: Nach Ablauf der Bewerbungsfrist für ein GAW-Stipendium haben  Johanna Scheithauer, Carmen Klimasch und Enno Haaks die Bewerbungsunterlagen gesichtet und einen Vorschlag für den Vorstand des GAW ausgearbeitet. In der kommenden Woche fällt dann die endgültige Entscheidung. Die Bewerber kommen aus Brasilien, Italien, Ungarn, Rumänien und der Ukraine.
Ein bisschen Sorge bereitet uns die Anzahl der Bewerbungen. Eine größere Auswahl kann nicht getroffen werden. Auch unsere Partnerkirchen berichten uns immer wieder davon, dass die Bewerbungen für ein Auslandsstipendium zurückgehen. Gründe sind: In den Partnerkirchen selbst gibt es weniger Studierende; in einigen Partnerkirchen gibt es zudem kaum Bedarf nach Studierenden, da alle Pfarrstellen besetzt sind; viele Studierende wollen zügig ihren Abschluss machen; auch gibt es vermehrt Studierende, die auf dem zweiten Bildungsweg Theologie studieren und nicht mehr so flexibel sind; die deutsche Sprache wird nicht ausreichend beherrscht; die Diasporakirchen wachsen selbst nicht. 

Mittwoch, 5. Februar 2014

Evangelisch in Spanien

Gottesdienst in San Sebastian (IEE)
Jahrhundertelang galt der Grundsatz: Wer Spanier(In) ist, ist katholisch. Für die Evangelische Kirche in Spanien (Iglesia Evangélica Española - IEE) war das immer ein Problem. Der Staat hat außer der katholischen Kirche keine andere Kirche anerkannt. Erst Ende des 19. Jahrhunderts gab es in einer kurzen Phase die Chance, sich als Kirche zu organisieren, wenn auch unter strengen Auflagen und Einschränkungen. Repressionen gab es dann wieder insbesondere in der Zeit der Franco-Diktatur. Unter den Folgen leidet unsere Partnerkirche immer noch.

Inzwischen ist das religiöse Panorama des Landes vielfältig geworden. Das Register des Justizministeriums erfasst derzeit 12.000 religiöse Körperschaften, davon 8.000 der katholischen Kirche und 4.000 anderer Konfessionen. Die evangelischen haben 3.000. Laut letzten Umfragen des Beobachters für religiöse Pluralität halten 36,8 % der Spanier sich für "gläubig und nicht praktizierend" und 31,4 % für praktizierend. Gleichgültig oder agnostisch sind 9 %, Atheisten 12 %. Die gläubigen Spanier bezeichnen sich zu 82 % als katholisch, je 0,5 % als evangelisch oder muslimisch. 14,4 % der Bevölkerung fühlt sich keiner Kirche/Religion zugehörig. 
Alles Minderheitskirchen unterhalten zusammen 6.055 Gottesdienstorte, während die katholische Kirche 22.917 hat. 
In Andalusien gab es einen größeren Zuwachs der Evangelischen auf insgesamt 0,19 % (vor 10 Jahren 0,5 %). In Katalonien sind es 0,68 % (1997 waren es 0,29 %). (Quelle: Observatorio, Oktober 2013; Protestante Digital)

Dienstag, 4. Februar 2014

"Silber und Gold, Gut und Vieh"

"Alle Leute des Orts sollen helfen mit Silber und Gold, Gut und Vieh außer dem, was sie aus freiem Willen für das Haus Gottes zu Jerusalem geben" - mit diesen Worten nach dem Buch Esra fordert der Perserkönig Kyrus zur Hilfe für den Bau des Hauses Gottes in Jerusalem auf. Ein Spendenaufruf aus dem Altertum. Das zeigt: Durch die Jahrhunderte, Jahrtausende musste man sich anstrengen, um Kirchen zu bauen. Es brauchte immer wieder Kreativität, Menschen, die ihren Namen für so eine gute Sache hergeben. Schirmherren für die gute Sache, Häuser zu errichten, in denen auf die versöhnende Botschaft der guten Nachricht gehört werden kann.
Das GAW tut das seit über 180 Jahren. Immer wieder hat sie Menschen gewinnen können, ihren Namen für das Spendensammeln zu geben. Immer wieder waren die Sammlung kleinteilig. Manchmal ging man mit einer Sammelbüchse los. Davon zeugen die alten Spendendosen, die auf dem Foto zu sehen sind. 
Sammelt auch Ihr mit! setzt Euch ein für die gute Sache, der evangelischen Diaspora weltweit zu helfen!

Montag, 3. Februar 2014

Die Christen in Syrien brauchen unsere Solidarität

Die ca. 2. Millionen syrischen Christen sind alles andere eine homogene Gruppe. Es gibt eine Vielzahl an Konfessionen und Denominationen. Neben den ca. 500.000 Griechisch-Orthodoxen stellen die griechisch-katholischen Christen mit bis zu 240.000 Mitglieder die zweitgrößte Gruppe. Dann folgen die armenisch-apostolischen Christen (150.000), dann die syrisch-orthodoxen Christen (90.000) und die syrisch-maronitische Kirche (60.000). Zu den presbyterianischen Christen zählen sich ca. 40-50.000 Mitglieder. Auch gibt es noch syrisch-katholische, armenisch-katholische, sowie chaldäisch-katholische Christen.
Jede Kirche hat ihre eigene Geschichte. Eine ausgeprägte Ökumene gibt es nicht, was insbesondere in der derzeitigen Lage verheerend ist. Es gibt auf lokaler Ebene immer wieder Zusammenarbeit. "Doch auf der Ebene der Kirchleitungen ist die Zusammenarbeit sehr schwer," sagt Habib Badr, leitender Pfarrer der Nationalen Ev. Kirche von Beirut. Riad Jarjour ergänzt für die evangelische Seite: " Leider ist der Middle East Council of Churches nicht in der Lage, einend zu wirken und mit einer Stimme zu sprechen."
Das Problem ist, dass sich die Christen wie die übrige Bevölkerung Syriens in wenige Befürworter Assads, wenige Anhäger der Opposition und eine schweigende Mehrheit aufteilen. So werden sie leicht zum Spielball und werden zwischen den Fronten zerrieben.
"Trotz allem brauchen die syrischen Christen neben finanzieller Hilfe auch die Möglichkeit, gehört zu werden, sich zu äußern und auch das Verlorene zu betrauern," sagt Pfr. Dr. Owe Boersma vom EMW in Hamburg, zuständig für den Nahen Osten.
In der aktuellen Ausgabe der "Zeitzeichen" steht ein guter Bericht über die Christen in Syrien von Katja Dorothe Buck.
Das GAW hat in Zusammenarbeit mit der Badischen und Rheinischen Kirche drei verschiedene Projekte in Syrien unterstützt und wird auch in diesem Jahr Hilfe leisten. - Helfen Sie uns helfen: http://www.gustav-adolf-werk.de/spenden.html