Mittwoch, 29. Oktober 2014

Ernüchterung in der "evangelischen Welt" in Chile

Prof. Godoy (li)
CTE in Santiago
16,62% der chilenischen Bevölkerung gaben in der Volkszählung 2012 an, „evangelisch“ zu sein. Im Jahre 2002 waren es noch 15,14%. „Als das Ergebnis herauskam, da gab es in der „evangelischen Welt“ in Chile erst einmal eine große Ernüchterung“, berichtet Prof. Daniel Godoy, Rektor der Comunidad Teologica Evangélica en Chile (CTE), einer evangelischen freien theologischen Fakultät, die von verschiedenen „evangelischen Kirchen“ getragen wird, u.a. von der lutherischen Kirche (IELCH). „Evangelisch“ ist in Chile ein umfassender Begriff. Traditionelle Pfingskirchen und Neo-pentecostale Kirchen zählen genauso dazu wie die methodistische, prebyterianische, anglikanische und die lutherische Kirche. „In der evangelischen Welt hat man geglaubt, das zwischen 25-30% zu ihr gehören würde“, berichtet Daniel. „Die Enntäuschung war groß, denn eine größere Anzahl hätte auch bedeuten können, dass man mehr Einfluß in der Gesellschaft bekommen könnte und eventuell auch bestimmte Vorteile haben würde.“ Für Daniel Godoy sind verschiedene Gründe anzuführen. „Zunächst einmal muss man feststellen, dass es in den „sectores populares“ (i.d.R. Armenviertel) kein großes Wachstumspotenzial für die „Evangelischen“ mehr gibt. Sie haben nach meiner Meinung ihr Potenzial ausgeschöpft. Zudem gibt es durch eine sehr große Vielzahl evangelischer Denominationen und   Spaltungen auch eine gewisse Ermüdung in der Bevölkerung. Dann muss man auch konstatieren, dass es einen sog. religiösen Tourismus gibt, sog. Migrationen unter den evangelischen Kirchen. Und ein weiterer Grund ist die gestiegene Bildung in der evangelischen Bevölkerung, die auch dazu beiträgt, dass sich die neue bildende Mittelschicht auch religiös anders orientiert oder sich entfernt.“

Nach Aussage von Daniel Godoy profitieren die traditionellen historischen Kirchen – wie z.B. die lutherische Kirche – nicht von dem geringen Wachstum oder dem gestiegenen Bildungsniveau. Es sei denn, dass es punktuell zu charismatischen Bewegungen kommen kann, wie es z.B. in der anglikanischen Kirche in Santiago-Las Condes geschieht, wo der ehemalige evangelische Kaplan der Moneda ein signifikantes Wachstum erreichen konnte. „Das wird allerdings nicht immer wohlwollend von seiner Kirchenleitung gesehen“, berichtet Daniel.

Die CTE wurde jahrelang von dem GAW unterstützt. Die letzte größere Hilfe wurde nach dem Erdbeben für die Zweigstelle in Concepción bereitgestellt. Derzeit beschränkt sich das GAW auf Hilfe für die Bibliothek der CTE. So wurden in diesem Jahr einige Hebräische Bibeln der CTE zugesandet.

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