Mittwoch, 9. Juli 2014

Soja und Monokulturen - eine pastorale Perspektive

Carlos Duarte, Kirchenpräsident der IERP
Carlos Duarte ist seit 2010 Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche am La Plata (IERP), die sich über drei Länder ersterckt - Argentinien, Paraguay und Uruguay. 1978 kam er - aus einer entkirchlichten Familie in Montevideo stammend - nach Argentinien zum Theologiestudium. Durch das Lesen der Bibel und insbesondere des Hohelieds der Liebe aus 1. Korinther 13 war der Wunsch gewachsen, Theologie zu studieren. Nach seinem Studium wurde er Gemeindepfarrer auf dem Land. Er weiß aus eigener Anschauung und durch seelsorgliche Begleitung, wovon er redet. Bei seinem Besuch in der Zentrale berichtet er: „Der Regenwald in Paraguay, wo ich sechs Jahre lang Pfarrer war, ist heute ganz verschwunden. Die Bevölkerung dort hat ihren Lebensraum verloren. Jetzt reichen dort die Soja-Felder, so weit das Auge reicht. Die derzeitigen Übrerschwemmungen haben auch ihren Grund in den Abholzungen. Das Wasser wird nicht mehr vom Boden gehalten. Wir zerstören unseren Lebensraum!" berichtet Carlos.
Mit hohem technischem Aufwand werden die Flächen bearbeitet. Oft ernten sechs nebeneinander fahrende Maschinen auf einer Breite von 60 bis 70 Metern die Soja ab. Direkt dahinter kommen schon wieder die Sämaschinen. Reichlich Pestizide, die außer den gewünschten Pflanzen alles abtöten, und genmanipulierte Pflanzen machen dies möglich. Das Gift aber landet im Trinkwasser und macht die Menschen krank. Brachland und Fruchtfolge sind, so Duarte, Wörter aus einer vergangenen Epoche. Soja, aber auch Mais, Baumwolle, Reis und Getreide werden nach dem gleichen Prinzip gepflanzt und geerntet. Und die Entwicklung geht in einem rasanten Tempo voran. Waren 1978 erst 0,5 Mio. Hektar mit Soja bepflanzt, sind es heute schon 42 Mio. Soja ist weltweit gefragt, vor allem als Futtermittel. Paraguay und Uruguay verkaufen ihre komplette Ernte. „Bauern, die nicht mit den großen Konzernen zusammenarbeiten wollen, haben keine Chance im Wettbewerb“, bedauert der Pfarrer die Entwicklung.
„Egoismus, Habgier und die Rücksichtslosigkeit gegenüber nachfolgenden Generationen sind Sünde, und wir sollten es auch so nennen“, betonte Duarte. Er hat  ein Buch zum Thema geschrieben und es seinen Gemeinden an die Hand gegeben. Mehr als um die Fakten, die dort natürlich auch aufgeführt werden, geht es ihm um die theologische Perspektive und um die Konsequenzen, die Christen daraus ziehen sollten. Carlos Duarte will Gesprächsanstöße geben – innerhalb der Kirche und für die gesellschaftliche Diskussion – und Alternativen aufzeigen, z.B. auch für die Viehzucht.

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