Mittwoch, 31. Dezember 2014

Fürbitte für Christen im Nahen Osten

Reformierter Gottesdienst in der Bethel-Kirche in Aleppo
Zum Jahreswechsel lädt der Ökumenische Rat der Kirchen ein, für die Christen im Nahen Osten zu beten.

Wir danken für:
- den Kirchenrat des Nahen und Mittleren Ostens und dessen Einsatz für die Einheit der Christen und für Gerechtigkeit.
- die Bemühungen vieler Kirchen in Syrien zur Zusammenarbeit für ein gemeinsames Zeugnis, besonders für ihre Bemühungen, ein gemeinsames Osterdatum für alle Christen zu finden.
- die unerschöpflichen Quellen der Inspiration, die muslimische, christliche und jüdische Pilger an den Stätten im „Heiligen Land“ erfahren.
- alle, die Frieden stiften.
- alle, die den Libanon nach der Zerstörung durch den Krieg wieder aufbauen.
- den Nil und sein Leben spendendes Wasser.
- die alten Kirchen dieser Länder, die das Evangelium von Generation zu Generation treu weitervermittelt haben, selbst wenn sie bedroht oder verfolgt wurden.

Wir bitten um/für:
- Frieden in der Region, besonders in Syrien und zwischen Palästinensern und Israelis.
- die Respektierung der Menschenrechte, ein Ende ungerechter Inhaftierungen und aller Hinrichtungen, vor allem, wenn sie ohne ordentliches Gerichtsverfahren vollstreckt werden.
- eine Lösung für die vielen Flüchtlinge, die wieder nach Hause zurückkehren wollen.
- alle, die sich der Korruption widersetzen.
- die Hungernden und die Obdachlosen.
- alle, die in den Slums, auf den Friedhöfen, auf den Müllkippen und in den Flüchtlingslagern zu Hause sind.
- die demokratisch gewählten Beamten eines jeden Staates.

Gebete

Herr, barmherziger Gott, 
du bist Friede, Eintracht, Lauterkeit, Güte. 
Du bist der Vater und Herr all derer, die Gedanken des Friedens hegen. 
Gib uns Demut, Hoffnung und festen Glauben. 
Lass uns, von Deinem Geist der gegenseitigen Liebe geschmückt, 
einander in lauterer Liebe begegnen, die da Erfüllung aller Satzungen ist, 
dass wir Töchter und Söhne des Friedens und der Einigkeit seien, 
würdig der Seligpreisungen deines Sohnes
und so Salz der Erde und Licht für die Welt werden. (Kyrill von Jerusalem, 313-384)

Geist des lebendigen Gottes, komm erneut über dein Heiliges Land.
Hilf deinem Volk, die zerbrochenen Beziehungen zu heilen.
Gib ihm die Geduld, Schranken des Verdachts
und des Misstrauens niederzureißen;
gib ihm die Fähigkeit, persönliche Vorurteile zu erkennen
und den Mut, Furcht zu besiegen.
Lehre dein Volk, die Integrität und die Rechte der anderen zu respektieren,
so dass dein Reich auf Erden errichtet werde.
In Jesu Namen. (Bischof Riah Abu El-Assal, Bischöfliche Kirche in Jerusalem und dem Mittleren Osten. TPP, S.130.)

Dienstag, 30. Dezember 2014

Aus den Anfängen des GAW Anfang des 19. Jahrhunderts

"Wie die Gustav-Adolf-Vereine (GAV) entstanden sind, ist weitgehend bekannt. ... Die territoriale Neuordnung Deutschlands durch den Reichsdeputationshauptschluß 1803 und den Wiener Kongreß 1815 hatte konfessionell einigermaßen einheitliche Gebiete durchbrochen. Die Rückkehr des Papstes nach Rom 1814, die Wiederherstellung des Jesuitenordens im gleichen Jahr und das Luther-Jubiläum 1817 schärften konfessionelles Selbstbewußtsein. Der Leipziger Professor und Superintendent Heinrich Gottlieb Tzschirner, ein Vorgänger Christian Gottlob Leberecht Großmanns, sah wohl nicht ohne Grund die Gefahr einer Rekonfessionalisierung, denn Völkermischungen fördern Abgrenzungen. Aber die Ablehnung der Fremdherrschaft Napoleons I. hatte ein Nationalbewußtsein entstehen lassen, das die Kleinstaaterei in Frage stellte und den Blick nach draußen richtete. Die GAV suchten dabei den evangelischen Glaubensgenossen brüderliche Hilfe zu vermitteln." (aus der "Evangelischen Diaspora", Jahrbuch des GAW)

Montag, 29. Dezember 2014

Weihnachten in Aleppo / Syrien

Trinkwasserausgabe vor der armenischen ev. Kirche in Aleepo
zu Weihnachten 2014
Haroutune Selimian ist der Pfarrer der reformierten armenischen Gemeinde in Aleppo in Syrien. Er betreut die noch immer ca. 500 Menschen umfassende reformierte armenische Kirchengemeinde. Der Kindergarten, die Schule und das Krankenhaus arbeiten noch, obwohl  60% der Stadt ist zerstört. Trotzdem gibt es noch Leben in der Stadt. Es gibt auch noch christlichen Glauben in der Stadt. Pfarrer Haroutune Selimian schrieb dem GAW einen Tag vor Weihnachten: „Inmitten der riesigen Probleme, der Gewalt, der Todesopfer in unserer Gemeinde, in unserer Stadt – eins ist gewiss: Wir bauen auf die Weihnachstbotschaft, dass Christus in die Welt gekommen ist, um die Finsternis all der Gewalt und des Terrors durch sein Licht des Guten zu besiegen. Die größte Hoffnung für die syrischen Menschen ist es, dass endlich Frieden kommen möge. Wir feiern in diesem Jahr nach 3 ½ Jahren Krieg – einer der größten Katastrophen nach dem 2. Weltkrieg – Weihnachten trotz allem im Vertrauen auf Gottes Verheißung, dass Frieden in unserem Land dennoch möglich ist. Wir glauben, dass christliches Leben Ausdauer und Geduld braucht, um das ewige Leben zu erlangen, das uns verheißen ist. Wir sind überzeugt, dass die Quelle der Kraft in Gott selbst ist. Und wir glauben, dass wir all das nur aushalten, weil wir auf Gott allein vertrauen. Wir wissen, dass die Menschen hier Extremes erleben und aushalten müssen. Als Kirche versuchen wir, an ihrer Seite zu sein und die Würde, die Gott uns allen schenkt zu leben und zu verkünden.“
Das GAW hat mit seinen Partnern u.a. die evangelische Gemeinde in Aleppo mehrfach unterstützt, Nothilfe für die Bürgerkriegsopfer leisten zu können. Diese Hilfe geht an alle - Christen und Muslime. Sie wirkt insofern versöhnend. Das GAW will auch weiterhin diese Arbeit der evangelischen Christen gemäß unseres Auftrages unterstützen und ist dabei auf Hilfe angewiesen!

Samstag, 27. Dezember 2014

Diaspora-Sein ist Wesensmerkmal christlicher Gemeinde

"Das Diaspora-Sein ist ein Wesensmerkmal der christlichen Gemeinde. Diaspora-Sein ist nicht Ausnahme, sondern Normalfall. Dies mag zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten nicht immer in der gleichen Weise deutlich sein, aber irgendwie gehört es zum Wesen christlicher Existenz. Dafür öffnet uns die Bibel die Augen." (Günter Besch, ehemaliger Präsident des GAW)

Mittwoch, 24. Dezember 2014

"...denn euch ist heute der Heiland geboren!"

„Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren.“ (Lukas 2, 10.11)

Ein Engel verkündet den Hirten die Botschaft von der Geburt Jesu: Gott ist da! Er ist gekommen, um unser Heiland zu sein, der uns heil macht und uns mit Gott und uns selbst versöhnt. Welch frohe Botschaft! Welch eine Freude, die allen Menschen, allem Volk gilt und ihnen widerfahren soll! Möge die Botschaft des Engels alle Menschen anrühren und sie grenzüberschreitend zu Friedensstiftern machen. Das ist auch unbequem und herausfordernd. Aber nur so wird die Weihnachtsbotschaft unter uns lebendig: Die große Freude, dass Frieden möglich ist! Unsere Welt braucht Friedensstifter, die zuhören, die die richtigen Fragen stellen, im Gespräch bleiben und nicht stumm sind oder einfache Parolen rufen. Unsere Welt braucht Menschen, die sich einsetzen für andere und sich auf den Weg machen für ein gemeinsames friedliches Miteinander. Unsere Welt braucht Menschen, die der Angst das "evangelische" Fürchtet-euch-nicht entgegensetzen!
Mit dem Bibelvers aus dem Weihnachtsevangelium grüße ich Sie ganz herzlich und wünsche Ihnen im Namen des Präsidenten des GAW, Dr. Wilhelm Hüffmeier, und aller Mitarbeitenden in der GAW-Zentrale in Leipzig eine gesegnete und friedensstiftende Advents- und Weihnachtzeit.
Ihr
Pfarrer Enno Haaks, Generalsekretär des GAW


Dienstag, 23. Dezember 2014

Evangelisch in Spanien - nicht einfach...

Aus einer spanischen evangelischen Kirche
die 1930 eingeweiht wurde
"1858, 1860, 1868, 1870, 1931, 1939, 1945, 1967, 1969 - Hinter diesen Zahlen stehen für den spanischen Protestantismus historische Tatsachen: Aufkommen der evangelischen Bewegung, Verfolgungen, Gründung der ersten evangelischen Gemeinden, republikanisches Regime, Religionsfreiheit, republikanisches Regime von fünfjähriger Dauer, Ende des spanischen Bürgerkrieges und der religiösen Toleranz, Wiedereröffnung evangelischer Kirchen, Gesetz zur zivilen Regelung der Religionsfreiheit, 4. Evangelischer Kongress . . .
In direktem Bezug zum spanischen Protestantismus kämen weitere Zahlen, so z. B. die ab 1948 zunehmende Bedeutung des Weltkirchenrates und das erstaunliche Zustandekommen des 2. Vatikanischen Konzils in den Jahren 1962 – 1965. Ohne die entschiedene Hilfe des Weltkirchenrates, das brüderliche Eintreten evangelischer Kirchen im Auslande und manche Beschlüsse des römisch-katholischen Konzils wäre die Lage des spanischen Protestantismus heute ganz anders." So schrieb es Manuel Gutierrez Marin im Jahre 1972 für das Jahrbuch des GAW "Die Evangelische Diaspora". Inzwischen müsste das Jahr 1975 und 1978 dazugezählt werden: Das Ende der Franco-Diktatur und der damit sich verändernden einseitigen Bevorzugung der katholischen Kirche durch die neue Verfassung. 1986 die Gründung der FEREDE, die eine Organisation der Protestanten ist, um mit dem Staat verhandeln zu können. Zudem müsste das Jahr 2012 genannt werden. In dem Jahr konnte vor dem Europäischen Menschenrechtsgerichtshof eine Klage gegen den spanischen Staat durchgesetzt werden.
Diese Aufzählung stellt einen Ausschnitt aus der Geschichte des spanischen Protestantismus dar. Es verdeutlicht, dass es nicht einfach ist in Spanien zu einer der evangelischen Kirchen zu gehören. 
Im Jahr 2015 wird sich die Frauenarbeit im GAW mit dem Protestantismus in Spanien beschäftigen und sozial-diakonische Projekte der Iglesia Evangélica Espanola (IEE) fördern.

Montag, 22. Dezember 2014

Das Proprium des GAW

Günter Besch
"Wir bezeichnen uns gern und auch mit Recht als das älteste Liebeswerk unserer Kirche... Man darf ... darauf hinweisen, daß in unserem Werk (GAW) schon sehr früh etwas sichtbar wurde von der Einheit des deutschen Protestantismus, längst ehe es eine EKD gab...
Unser GAW zielt hin auf alles, was in den Diasporakirchen der Verkündigung des Wortes, der Sammlung der Gemeinde um dieses Wort und der Sendung der Gemeinde durch das Wort dient. 
Die Konzentration auf diese Aufgabe (ist) das Proprium gerade unseres Werkes. Aber dieses Profil muß (immer wieder) herausgearbeitet und zur Darstellung gebracht werden."

Günter Besch, war Leitender Geistlicher der Bremischen Evangelischen Kirche von 1959-1971 und Präsident des GAW von 1975-78

Samstag, 20. Dezember 2014

Weltweit Gemeinden helfen - von Ulrike Veermann

Pfarrerin Ulrike Veermann, Vorsitzende des GAW Rheinland, beschreibt in Ihrem Weihnachtsgruß die Motivation der Arbeit für das GAW:  


"Weltweit Gemeinden helfen, so heißt das Logo des GAW, so wird unsere Aufgabe umschrieben. Aber was heißt das, was bedeutet helfen, was bedeutet, sich weltweit einsetzen. Was verbindet uns, was läßt uns über alle Grenzen hinweg Einsatz zeigen für evangelische Kirchen in der Minderheit? Was motiviert unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Haupt- und im Ehrenamt jeden Tag neu einzutreten für die Bereitschaft eines die Menschen liebenden Gottes, dessen Wort über unseren Worten liegt und unsere Maßstäbe auf neuen Boden stellt?

Folgende Texte beschreiben meinen Grund mich einzusetzen, immer wieder neu, gegen manchen Widerstand:

„Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht;
es hat Hoffnung und Zukunft gebracht;
es gibt Trost, es gibt Halt in Bedrängnis, Not und Ängsten,
ist wie ein Stern in der Dunkelheit.“ (Josef Jacobsen, 1935)

"Obwohl wir Gott nie gesehen haben, sind wir wie die Zugvögel,
die an einem fremden Ort geboren, doch eine geheimnisvolle
Unruhe empfinden, wenn der Winter naht,
eine Sehnsucht nach der frühlingshaften Heimat,
die sie nie gesehen haben, und zu der sie aufbrechen,
ohne zu wissen, wohin." (Ernesto Cardenal)


Da ist die Sehnsucht nach Heimat, Heimat, die über Menschengrenzen hinausgeht, aber auch die Sehnsucht nach einem Gott, der mein Leben begleitet und mich mit seinem Wort immer neu herausfordert, stärkt und tröstet.

Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht, so heißt es im Lied - dieses Licht feiern wir in den kommenden Wochen als das Weihnachtswunder, als die Antwort auf die Sehnsucht nach Gott, nach einem Ort, an dem ich mich gehalten und geborgen fühle.

Die Gemeinschaft des GAW schafft solche Orte!"

Freitag, 19. Dezember 2014

In Kuba bewegt sich was!

Reformierter Gottesdienst in La Havana
"Dem GAW wünsche ich aus Kuba ein gesegnetes Weihnachstfest", schreibt Pastor Francisco Marerovon von der presbyteriansichen Kirche. Gleichzeitig bedankt er sich für die gewährte Hilfe des GAW für seine Gemeinde in Jagüey Grande. "Wir sind dabei, die Bauarbeiten voranzubringen. Das braucht in Kuba auch wegen der nun schon 50-jährigen Blockade des Landes Zeit und Geduld!" Und er fährt fort: "Ich habe die große Hoffnung, dass nach dieser langen Blockade, die das Land gelähmt und paralysiert hat, sich etwas Gutes entwickeln wird. Die Ankündigungen des Präsidenten unseres Landes und des nordamerikanischen Präsidenten lassen uns hoffen. Es kommt den Menschen zugute, die so lange unter der Situation gelitten haben. Es scheint sich etwas zu bewegen und wir freuen uns sehr über die positiven Signale."-

Nach der Revolution wurde Kuba ein atheistischer Staat. Erst 1992 wurde in der Verfassung der Begriff „atheistisch“ durch „laizistisch“ ersetzt. 60 % der Bevölkerung gehören zur katholischen Kirche. Religiöse Minderheiten sind Protestanten (5 %) und afrokubanische Religionen wie die Santeria, eine Kombination aus afrikanischer Yoruba-Verehrung mit katholischem Heiligenglauben. Ein Großteil der Bevölkerung ist wahrscheinlich atheistisch, wobei die Grenzen zwischen Atheismus, Katholizismus und Santeria zum Teil fließend sind.
Seit drei Jahren unterstützt das GAW gemeinsam mit dem Berlier Missionswerk die Presbyterianisch-Reformierte Kirche auf Kuba (Iglesia Presbiteriana-Reformada en Cuba - IPRC). Sie hat nach eigenen Angaben ca. 15.000 Gemeindegliedern in 33 Gemeinden und den dazugehörigen 15 Missionen in drei Kirchenkreisen (La Habana, Matanzas und Centro). 23 Pfarrer und Pfarrerinnen begleiten de Gemeinden. Das ist zu wenig. Einige Pfarrer sind wie viele Gemeindemitglieder auch nach Kanada oder in die USA ausgewandert.

Im kommenden Projektkatalog2015 unterstützt das GAW ein Projekt in La Havana.

Donnerstag, 18. Dezember 2014

Griechische Neue Testamente für Chile

Alexander Wilckens (li) und Prof. Godoy (re)
15 griechische Ausgaben des Neuen Testamentes in der aktuellen Auflage wurden nach Chile gesendet für das Studium der Theologie an der Comunidad Teologica Evangélica (CTE). Am Ende des Studienjahres wurden sie durch den Generalsekretär des Consehjo de las Iglesias Luternanas de Chile dem Rektor Prof. Daniel Godoy übergeben. Alexander Wilkens schreibt:

"Die versprochenen 15 Novum Testamentum Graece sind angekommen und in einem feierlichen Akt zum Schluss des akademischen Jahres der CTE von mir überreicht. 

Wir bedanken uns sehr herzlich für dieses Geschenk, das Lehre und Studium in der CTE unterstützt und somit einen Beitrag für die theologische Reflektion und Vermittlung der Botschaft Jesu Christi in unserem Land leistet."
Diese Hilfe ist nur möglich durch den sogenannten Schriftendienst des GAW. Im Projektkatalog 2015 wird auf Seite 24 für diesen Fonds geworben, der notwendig ist zur Identitätsstärkung protestantischer Kirchen in der Diaspora!

Mittwoch, 17. Dezember 2014

Was schafft Frieden?

Was stiftet in Gesellschaften Frieden? Was schafft Frieden? Das sind Fragen, die in unserem Land brodeln angesichts um sich greifender Demonstrationen, in denen sich Menschen abgrenzen und ihrer Verunsicherung Raum geben oder sich nach einfachen Antworten sehnen.
Die Kraft, das Fragen durchzuhalten, das kann Frieden stiften. Immer wieder fragen WARUM etwas geschieht. Warum demonstrieren diese Menschen? Warum verängstigt sie die Zu- und Einwanderung in Deutschland? Warum lösen Migrationsbewegungen Ängste aus? Übrigens ist das ein weltweites Phänomen. Viele Ursachen liegen dem zu Grunde: wirtschaftliche Nöte, Klimaveränderungen, Krieg und Gewalt.
Es ist unbequem, sich damit auseinanderzusetzen. Oft erfährt man selbst, dass bei der Suche nach Antworten wir alle Teil der Probleme sind - aber auch Teil der Lösung sein können.
Friedensbildend wäre es, die richtigen Fragen zu stellen und im Gespräch bleiben und sich nicht dem Austausch von Argumenten zu verschließen. Friedensbildend ist, diesen Prozess auszuhalten, bis sich Antworten und Lösungen einstellen, die befriedigen. 
Zu oft bleiben Menschen in Täter- und Opferstrukturen stecken und versuchen sich abzuschotten.
Das Vertrauen und der Glaube daran, dass nicht durch Abgrenzung, sondern nur in Beziehung Gewalt überwunden werden kann und wenn auch dem Fremden zuerkannt wird, dass er angewiesen ist und die gleiche Würde hat, das macht erfinderisch, Lösungen zu finden und Frieden zu stiften. Daraus kann Engagement erwachsen, das der Integration Raum schafft. Übrigens - weltweit! Das erleben wir als GAW in Bolivien, in Chile, in Kolumbien, in Spanien, in Griechenland, in Russland - in Deutschland können wir in unserem Land viel beitragen. Es gibt so viel Engagement und Menschen guten Willens, die einem Hoffnung machen, dass Frieden möglich ist und ansteckend wirken kann.

Samstag, 13. Dezember 2014

Ukrainischer Bischof berichtet in Ungarn über seine reformierte Kirche

Bischof Sándor Zán Fábián
"Wir können nur überleben, wenn unsere ungarischen Glaubensgeschwister im Karpatenbecken solidarisch zu uns stehen", berichtet Bischof Sándor Zán Fábián von der Reformierten Kirche der Karpato-Ukraine jüngst in Budapest. Und er bedankte sich im Rahmen der Reformierten Synode in Ungarn für die erhaltene Hilfe für seine Kirche, die ca. 100.000 Mitglieder hat in ca. 100 Gemeinden.

Der scheidende leitende reformierte Bischof Ungarns Gusztáv Bölcskei erklärt, dass es wenig detaillierte Informationen über die gesamte komplizierte Situation in der Ukraine gibt. Auch deswegen begrüßte er außerordentlich die Präsenz von Bischof Sándor Zán. Dieser berichtete über die schwierige Situation der Mitglieder seiner Kirche, über die Rekrutierung junger Männer für das ukrainische Militär und die Auswirkungen. Es gab auch schon gefallene ungarisch-stämmige Soldaten, die er beerdigen musste. Schlimm sein die Abwertung der Währung und damit die geringe Kaufkraft. Jetzt im Winter kommt zusätzlich das Problem des Heizens der Wohnungen dazu. Es fehlt an Geld und auch an ausreichend Gas. 
Die Reformierte Kirche Ungarns hat zu einer Hilfsaktion in allen Gemeinden aufgerufen, um die notleidenden Glaubensgeschwistern in der Karpato-Ukraine zu unterstützen.

Freitag, 12. Dezember 2014

GAW und Ökumene

"Heimat ist, wo ich weiß: Hier gehöre ich hin. Geistliche Heimat ist dort, wo wir nach Epheser 2, 19 "nicht mehr Gäste und Fremdlinge" sind, "sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen". Wir verstehen unsere Konfession nicht als gegen andere gerichtet. Protestantisch = für evangelischen Glauben Zeugnis geben, nicht gegen katholischen oder orthodoxen. Diese ökumenische Gesinnung gehört von Anfang an zum Selbstverständnis des Gustav-Adolf-Werks. Zum ökumenischen Denken und Handeln brauchen wir aber den eigenen Standpunkt, die eigene geistliche Heimat. Das heißt: Wir brauchen die Geschwister im Glauben, wir brauchen die konkrete Gemeinschaft." (Eberhard Winkler, EvDia 2000)

Buchtipp: Nachts zittert das Haus. Erlebnisse am Maidan 2013/14

Ralf Haska ist Pfarrer in Kiew. Er lebt mit seiner Familie nur wenige Minuten vom Maidan entfernt. Seine Frau, Charis Haska, hat während der Monate Oktober 2013 bis Juli 2014 Tagebuch geführt: über die Ereignisse auf dem Maidan, in Kiew und der Ukraine. Aus ihren Aufzeichnungen ist ein Buch entstanden, das gerade erschienen ist: "Nachts zittert das Haus. Erlebnisse am Maidan 2013/14". Erschienen ist das Buch im Manuela Kinzel Verlag (ISBN: 978-3-95544-02-9) und kann dort auch bestellt werden: Tel. 07165/929 399 oder mkinzel@manuela-kinzel-verlag.de.

Donnerstag, 11. Dezember 2014

"Mission von den Rändern" - ein Konzept für die Diasporaarbeit

Im Jahr 2013 fand im südkoreanischen Busan eine Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen statt. Auf ihr wurde über eine Weiterentwicklung des Begriffs „Mission“ diskutiert. Das Abschlussdokument spricht nun „Mission von den Rändern her“. Deutlich wird gesagt: Nicht wir missionieren die anderen, sondern wir brauchen selbst Mission. Wir entdecken die Kraft des Evangeliums von denen her, die an den Rändern der Macht stehen. Die Armen, die Marginalisierten lehren uns, das Evangelium neu zu verstehen. „Menschen in Situationen der Marginalisierung, die im täglichen Kampf um das Leben und für das Leben stehen, verkörpern häufig ein beeindruckendes Potenzial aktiver Hoffnung, des kollektiven Widerstands und einer großen Beharrlichkeit, die dazu nötig sind, um Standhaftigkeit im Blick auf die Verheißungen des Reiches Gottes zu zeigen“ - so heißt es in Abschnitt  39 des Missionsdokumentes.
Was diese Worte auszudrücken vermögen, das lernt man auch auf Reisen zu den Diasporapartnerkirchen des GAW kennen, z.B. nach Kirgistan, Bolivien, Kolumbien oder auch nach Spanien und Italien, wo die Integration von Flüchtlingen eine große Herausforderung für die kleinen evangelischen Diasporakirchen ist. Hier lernt man, was Mission auch ist. Die Menschen, die zu uns kommen, missionieren uns. Mission durch Integration. Wir sind gerufen, uns denen zuzuwenden, die marginalisiert werden. Und umgekehrt: In der Weise, wie wir uns öffnen für die Not anderer und empathisch darauf eingehen und „mit an die Ränder gehen“, werden wir missioniert und zum Zeugnis für das Leben wiederum aufgerufen.
„Mission von den Rändern“: Das ist für uns eine Herausforderung für uns als Kirchen. Durch die engen Verbindungen mit unseren Partnerkirchen in anderen Teilen der Welt haben wir immer wieder Gelegenheit, mit den Schwestern und Brüdern dort geistliche Erfahrungen zu teilen. Wer einmal einen Gottesdienst auf der Hochebene in Bolivien oder in der sibirischen Weite Rußlands in einem Bethaus miterlebt hat, der bekommt einen Einblick in die Glaubensfreude und Lebenskraft, die dabei zum Ausdruck kommen. Wir haben Grund, uns von der geistlichen Kraft anstecken und inspirieren zu lassen. Hier erleben wir hautnah, was es heißen kann „Mission von den Rändern“ zu erleben.
Letztlich gehört es dann auch dazu, dass wir Verantwortung übernehmen für die Schwestern und Brüder unserer Partnerkirchen. „Mission von den Rändern“ heißt einander Gutes tun – im materiellen wie im geistlichen Sinn.

Österreichische Kirche setzt sich für Flüchtlinge ein

Bischof Bünker
Wie zahlreiche Partnerkrichen des GAW engagiert sich auch die Evangelische Kirche A.B. in Österreich für Flüchtlinge, die ins Land kommen. Die Synode der Kirche hat beschlossen, dass 64.000 Euro pro Jahr für die professionelle Koordination von rund 15 Ehrenamtlichen im Bereich der Integration in den Jahren 2015-2017 eingesetzt werden sollen.
Für Österreich stellt die Integration von Flüchtlingen eine große Herausforderung dar. Da kann sich nach Aussagen von Bischof Bünker seine evangelische Kirche nicht verschließen. Die Kirche ist gefordert, Zeichen zu setzen für eine offene Gesellschaft. “Der evangelische Flüchtlingsdienst erfährt eine große Welle der Hilfsbereitschaft aus der österreichischen Bevölkerung und den evangelischen Kirchen. Wohnungen werden angeboten, verschiedene Güter, viele wollen mithelfen und sich einbringen”, erklärte Bünker am Tag der Menschenrechte am 10. Dezember in Wien. Um dieses freiwillige Engagement effizient nutzen zu können, brauche es aber hauptamtliche Mitarbeiter, die für Koordination, Schulung und Unterstützung zur Verfügung stehen. “Wir wollen damit den rund 150 bis 200 Ehrenamtlichen zur Seite stehen, die in diesem Bereich tätig sind und das Recht auf gute und professionelle Betreuung haben.”

Dieses Engagement seiner Kirche sei Teil der Menschenrechtsarbeit - ein Grundanliegen der Evangelischen Kirche. “Aber mit dieser Arbeit eckt man an, das muss man wissen. Es ist und bleibt jedoch ein besonderer Auftrag, den die Kirche hier wahrnehmen möchte”, so Bünker. 
“Die meisten Ehrenamtlichen der Kirche machen eine Arbeit, die nicht auffällig und spektakulär, aber sehr wichtig ist. Sie helfen beim Deutschlernen, begleiten Menschen bei Behördengängen, tragen bei zur Integration.”

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Diaspora ist Lebensbedingung der Christen

"Wann immer Christus unser Zentrum ist, wann immer er kommt, ist der Sammelpunkt nicht mehr ein historischer Ort, soviel dieser Ort auch darstellen mag. Daß Jesus Christus in Jerusalem (dies für den geographischen Ort) unter Pontius Pilatus (dies für die Zeit) gekreuzigt wurde, darüber wird niemand hinwegsehen können. Der Sammelpunkt aber ist die eschatologische Parusie, und wir gehen darauf zu. So ist es nicht erstaunlich, dass das Neue Testament schon bald die messianische Gemeinde als eine exzentrische Gemeinschaft ansah. Sie war an einen Messias gebunden, für den es keine Grenzen gibt; sie hatte also gewissermaßen keine Basis mehr, keinen Ort, an den sie sich zurückziehen konnte, keine Mauer für ihre Träume. Die Kirche ist eine Gemeinschaft, die zerstreut, ausgesät werden soll (Diaspora kommt von dem Verb "diasporein" = säen = eine Saat aufgehen lassen) in der ganzen Welt. Die Begrüßung der Epistel des Jakobus ist dafür typisch: "An die zwölf Stämme, die in der Diaspora leben." Es gibt also keinen Stamm, der im Land (in welchem Land?) verblieben wäre, während die anderen den Fluch der Diaspora kennen. Bis zum Kommen des Menschensohnes ist die Diaspora die Lebensbedingung des Christen schlechthin." (Michel Bouttier, EvDia 1080)

Zum Tag der Menschenrechte in Zeiten von PEGIDA



Der 10. Dezember ist der Tag der Menschenrechte. Erinnert und gedacht wird an die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die am 10. Dezember 1948 durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet worden ist. Es ist ein Bekenntnis dazu, dass jeder Mensch die gleiche Würde und die gleichen Rechte hat. Die Menschenrechte sind tief in der christlichen Botschaft verankert. Das Verständnis von Freiheit, Gleichheit und Solidarität hat tiefe christliche Wurzeln.
Ausgehend vom christlichen Menschenbild und von der Erklärung der Menschenrechte ist es Christenpflicht, sich für Religionsfreiheit, für ein Recht auf Asyl, für ein tolerantes Miteinander, für eine offene Gesellschaft einzusetzen.
Auch die Demonstrationsfreiheit und die freie Meinungsäußerung gehören zu den Menschenrechten. Diese konstruktiv wahrzunehmen ist wichtig. Sie auszunutzen, um Ängste zu schüren, ist verantwortungslos. Auf den PEGIDA-Demonstrationen in Dresden haben sich in den letzten Wochen nicht wenige Menschen instrumentalisieren lassen. Unter dem Deckmantel der freien Meinungsäußerung wird dort plakativ mit der Angst vor Fremdem gespielt. Das schafft nur neue Probleme. Angstbesetzten Reaktionen auf kulturelle Andersartigkeiten haben noch nie Konflikte gelöst, sondern sie verschärft. Zudem: Die Wirklichkeit ist viel komplizierter. 
Gerade der christliche Glaube steht gegen Angst auf. Er lädt ein, differenziert nachzudenken und vor allen Dingen: zuzuhören. 
In zahlreichen Partnerkirchen des GAW kann man lernen, wie bereichernd es ist, gemeinsam Leben zu gestalten und unterschiedliches Denken und Handeln auszuhalten, ohne in Angst zu geraten. 
Der Tag der Menschenrechte sollte uns deshalb ein Anlass sein, gegen Angstmache und vereinfachtes Denken wie bei PEGIDA und deren Ablegern das Wort zu erheben. - Pfarrer Enno Haaks

Dienstag, 9. Dezember 2014

Die Bedeutung der Diaspora

Bischof Dr. Martin Kruse - Ratsvorsitzender der EKD von 1985 bis 1991- äußerte sich zu den Herausforderungen der Diaspora folgendermaßen: 
"In der Diaspora lernt man, das Kleine wichtig zu nehmen und sich nicht auf das Großartige und das, was alle denken und tun, zu verlassen. Es kommt ganz wesentlich auf die Befestigung des Glaubens an, bei dem man vor allem den einzelnen und auch die einzelne Familie im Blick haben muss.
Das zweite: In der Diaspora muss man sich sputen und muss in dem weit gespannten Feld seine Kraft sehr viel überlegter einsetzen als in den Mehrheitsverhältnissen, wo man sich noch stärker auf festgefügte Strukturen, z. B. den Stellenplan, verlassen kann oder jedenfalls meint, sich darauf verlassen zu können. Diese Intensität und der erforderliche persönliche Einsatz in der Diaspora sind mir immer vorbildlich gewesen für das Tun eines Pfarrers. Ich habe in der Diaspora gelernt, wie wichtig die Einsatzbereitschaft und die Umsicht kirchlicher Mitarbeiter sind, so wenig hauptamtliche Mitarbeiter auch da waren. 
Und das dritte: Die Diaspora lebt von den sogenannten Laien. Wir lebten in Linz von der Einsatzfreude unseres Kurators, der eine Menge von organisatorischen Dingen den Pfarrern abnahm. Ich bin ja als Vikar des Superintendenten von Linz in Oberösterreich, Salzburg und Tirol viel herum gekommen und habe sehr unterschiedliche Gemeinden kennengelernt. Aber ich habe immer gemerkt: dort, wo es eine Handvoll engagierter Laien gab, die ein gut Teil ihrer Kraft in die Gemeinde investierten, dort war die Gemeinde gut dran. Und wo das fehlte, konnte es durch die Kraft des Pfarrers nicht ersetzt werden."

Ein Sportplatz für Belo Horizonte

"Brasilien hat die Fußball-WM gleich doppelt verloren: Es schied mit einem blamablen 1:7 im Halbfinale gegen Deutschland aus - und es hat als Austragungsland viel Geld verloren. Der Fußballverband Fifa hingegen hat Milliarden verdient, hieß es in einer Bilanz des Schweizer Hilfswerks Solidar Suisse", so heißt es in der aktuellen Ausgabe von "Welt-Sichten" (12/2014).
Die Hoffnungen seien groß gewesen, dass es einen starken Wachstumsschub für das Land geben würde. Das ist so nicht eingetreten. Außerdem hätten bei der Errichtung  zahlreicher neuen Sportstätten Vertreibungen und Menschenrechtsverletzungen von vornherein einen Schatten auf die WM gelegt. Die Arbeitsplätze seien nur ein Strohfeuer gewesen. Der Wachstumsschub für das Land sei ausgeblieben. Vier millionenteure Stadien in Manaus, Cuiabá, Natal und Brasilia werden kaum noch gebraucht. Es gibt dort schlicht und ergreifend keine Top-Teams.
Solidar Suisse geht davon aus, dass die Fifa 4-5 Milliarden US-Dollar Einnahmen einstreichen konnte - davon 2-3 Milliarden Gewinn. Die Fifa konnte damit mehr Profit erzielen, als bei der WM in Südafrika.
Wie wird die Vorbereitung auf die Olympiade 2016 sein? Wird es ähnliche Entwicklungen und dann auch wieder Proteste geben?
Im Projektkatalog 2015 wird das GAW für einen Sportplatz eines diakonischen Zentrums einer lutherischen Gemeinde in Belo Horizonte in einem Armenviertel sammeln. Solche Initiativen fehlen. Es gibt gerade in Armenvierteln kaum Chancen für Kinder rund Jugendliche, sich sportlich zu betätigen. 

Montag, 8. Dezember 2014

Projektkatalog 2014 ist erfüllt!

1,5 Millionen Euro wollte das GAW für das gemeinsame Solidaritätprogramm "Projektkatalog 2014" für die Projekte der 40 Partnerkirchen sammeln. Das ist pünktlich zum Nikolaustag geschafft worden. Alle Haupt- und Frauengruppen haben es gemeinsam geschafft, dieses Geld zusammen zu bringen. Dabei ist die Hilfe der Landeskirchen entscheidend. Durch die Unterstützung durch landeskirchliche Kollekten kommen die meisten Summen zusammen. Eine weitere wichtige Hilfe ist das zahlreiche ehrenamtliche Engagement durch Vorträge, Sonderkollekten bei Tauf- oder Traugottesdiensten etc.
neben den 1,5 Millionen Euro fördern die Haupt- und Frauengruppen noch zahlreiche weitere Projekte, so dass an die 2,5 Millionen Euro in die Partnerkirchen des GAW vergeben werden können.
Allen, die mitgeholfen haben, ein herzliches Dankeschön! Unsere Partner werden sich freuen, dass die Projektförderungen damit jetzt ausgezahlt werden können.

Ein Herz für die Diaspora

"Verantwortung für die evangelische Diaspora gehört zu den Grundlagen des Selbstverständnisses evangelischer Kirchen. 
In ihr drückt sich die Katholizität und Solidarität der Kirche Jesu Christi aus. Wem die evangelische Weise, Kirche zu sein, am Herzen liegt, für den folgt daraus die Selbstverpflichtung, evangelische Kirchen in Minderheitensituationen möglichst weltweit zu stärken. 
Was der evangelische Kirche hier wichtig ist, muss ihr auch in der Ferne wichtig sein. 
Das schließt den Willen zur Ökumene am jeweiligen Ort ein. Lebendige Ökumene ist jedoch gerade dort, wo evangelische Kirchen in der Minderheit sind, auf die Stärkung der evangelischen Stimme durch Erkennbarkeit ihrer Katholizität und verlässliche Solidarität angewiesen."  
Dr. Wilhelm Hüffmeier, Präsident des GAW

Samstag, 6. Dezember 2014

Wie geht es weiter mit den Christen in Syrien?

Pastor Haroutune G. Selimian (links) 
Zum vierten Mal hat das GAW in Zusammenarbeit mit der Rheinischen und der Badischen Landeskirche eine Notfallhilfe für die bedrängten und verfolgten Christen in Syrien gegeben – und speziell reformierten Gemeinden – arabisch und armenisch - in Aleppo geholfen, Hilfe ihrerseits zu leisten. Ein Ende der Not ist nicht in Sicht. Das berichtet auch der armenisch evangelische Pfarrer Haroutune Selimina aus Aleppo. Die Menschen in seiner Gemeinde hätten große Angst vor der Zukunft. Aleppo würde seit Jahren immer wieder angegriffen, wobei die Kriegsparteien zynischer Weise besonders die Ziele ins Visier nähmen, wo viele Menschen lebten. „Im Stadtzentrum gibt es mittlerweile kein einziges Gebäude mehr, in dem jemand wohnt“, sagt Selimian. Große Gruppen der armenischen Gemeinschaft sind mittlerweile nach Armenien ausgewandert. Aus Aleppo selbst sind in den letzten Monaten allein 15.000 Armenier weggegangen. Dennoch gäbe es immer noch evangelisches Leben in der Stadt. Aber man müsse bedenken, dass in der Regel die noch in der Stadt sind, die zu den Armen gehören.
Die Frage stellt sich immer wieder, wie der Exodus aus dem Kernland des Christentums aufgehalten werden kann. Der Westen kann wenig tun. Das ist mehr als deutlich. Viele Christen suchen den Schulterschluss mit moderaten Muslimen. Und hier liegt der Schlüssel zum Problem: Wie entwickelt sich die muslimische Welt? Wie verhält sich die muslimische Mehrheitsgesellschaft zur christlichen Minderheit? Radikalisiert sich der Islam, dann wird mit Sicherheit das Christentum nach 2.000 Jahren im Nahen Osten aussterben.
Das GAW wird sich mit seinen Partnern weiter der Not der Glaubensgeschwister in Syrien annehmen und nach Absprache Hilfe leisten. Wir dürfen nicht wegschauen! Helfen Sie mit!

Freitag, 5. Dezember 2014

Talare für die Diaspora

Nach dem Studium benötigen junge Theologen ihren ersten Talar oder eine Alba. Oft ist es in der evangelischen Diaspora so, dass sie diese kaum selber finanzieren können. Für brasilianische Studierende z.B. sie ist es schon mühsam, das Studium zu finanzieren, selbst dann, wenn sie mit viel Glück einen Job bekommen haben, der ihnen etwas Geld für das Studium einbringt. Die Kirchenleitung gibt zwar einen Zuschuss, der jedoch nicht alle Kosten abdeckt. Zahlreiche Studierende verschulden sich und müssen diese Schulden mit dem Einstieg in den Pfarrberuf abzahlen. 
Die Anschaffung eines Talars oder einer Alba bedeutet oft zusätzliche finanzielle Probleme.
„Zum Glück gab es die Hilfe für die Anschaffung meiner Alba“, sagt ein Absolvent des theologischen Seminars aus São Leopoldo in Brasilien. 
Das GAW unterstützt den Kauf von Talaren oder sendet einen gebrauchte Talar, den pensionierte PfarrerInnen dem GAW überlassen haben. Das ist eine enorme Hilfe und sorgt auch für eine bleibende Verbindung zum GAW.
Nun hat ein pensionierter Pfarrer dem GAW einen schwarzen Talar und eine weiße Alba überlassen zur Weitergabe in die Diaspora. Wir sind gespannt, in welcher Kirche sie letztlich genutzt werden. 

„Gabrielius – ein anderes Wort für Hoffnung“ - von Vera Gast-Kellert

„Ich möchte euch unbedingt unser Rehabilitationszentrum „Gabrielius“ zeigen. Es war im. Projektkatalog des Gustav-Adolf-Werkes 2013 und liegt in Vyžiai / Wieszen, nicht weit entfernt von Šilutė / Heydekrug“. Wir folgen Mindaugas Kairys, dem Diakoniepfarrer der des Landesverbandes der lutherischen Diakonie in Litauen über die Landstraßen im äußersten Südwesten des Landes. Dann macht er Halt in einer Art Niemandsland. Allerdings steht rechts eine große Backsteinkirche und links ein altes Haus, davor zwei Autos mit der Aufschrift „Gabrielius“. „Dieses kommt vom GAW“, lacht Mindaugas und zeigt auf das neuere, das hinten steht. Wir brauchten für unsere Arbeit unbedingt dieses Auto. Sagt allen im GAW herzlichen Dank“.

Hier also entsteht seit fünf Jahren ein Rehabilitationszentrum für obdachlose drogen- und alkoholabhängige Männer. 1993 wurden die Kirche und das Pfarrhaus vom Staat der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Litauen übergeben: heruntergekommen, in einem schrecklichen Zustand: kaputtes Dach, undichte Fenster, drinnen fast so kalt wie draußen. „Was sollten wir damit machen? Die Kirche haben wir unter großen Anstrengungen renoviert. Dann entwickelten wir die Idee mit diesem Rehabilitationszentrum im ehemaligen Pastorat. Wir wollten dieses Zentrum bewusst fern von allen städtischen Einflüssen hier aufbauen. Das ist gut, hat aber auch seine negativen Seiten“. Was Mindaugas damit meint, wird er uns später erklären. 
„Zuerst gab es auch Widerstände, dass wir das Projekt so ins Abseits gelegt haben. Das sei nicht menschenwürdig, hieß es. Aber der Erfolg gibt uns Recht. Es ist das einzige Projekt dieser Art in Westlitauen und wird zusammen mit dem Sozialministerium durchgeführt.“

An der Tür begrüßt uns der Leiter Valdas Miliauskas. Glücklicherweise spricht er gut Deutsch und noch besser Englisch. Auch er ist Theologe und betreut als Pfarrer außer „Gabrielius“ noch drei Gemeinden, eine hier am Ort in der Backsteinkirche gegenüber. Seine Frau Simona hat auch Theologie studiert und eine Zusatzqualifikation als Sozialarbeiterin. In dieser Funktion arbeitet sie hier zusammen mit ihrem Mann. 

„Siebzehn Männer wohnen hier, alle drogen- oder alkoholabhängig. Begonnen haben wir zunächst mit drei Männern, langsam kamen immer mehr. Manchmal kommen sogar Personen aus Polen oder Lettland. Sie sind Obdachlose von der Straße, ohne Papiere. Das bedeutet für uns auch eine Menge Arbeit mit den Behörden, und die Ämter sind eben weiter weg, ein Nachteil dieses abgelegenen Ortes. Die Männer bleiben anderthalb Jahre hier. Unser Konzept ist Arbeitstherapie. Alle arbeiten mit an der Renovierung dieses alten Pfarrhauses, das sich Schritt für Schritt in den vergangenen fünf Jahren in ein Haus der Hoffnung entwickelt. Für die verschiedenen Renovierungsarbeiten suchen wir Sponsoren für das Material. Vom Gustav-Adolf-Werk kam das Geld für das Baumaterial für das Dach. Dafür sind wir überaus dankbar. Zuerst brauchen die Männer einfach ein Dach über dem Kopf. Ein Haus wird erst zu einem Zufluchtsort durch ein Dach“, meint Valdas lachend. Dann zeigt er uns stolz die Auszeichnung, die das Zentrum bekommen hat.
Valdas führt uns durch das Haus. Gerade ist Mittagspause. Einige Männer liegen nach der Morgenarbeit und dem Mittagessen, das sie selbst kochen, auf ihren Betten in den kleinen Mehrbettzimmern und ruhen sich etwas aus. Im Wohnzimmer sitzt eine Psychologin im Gespräch mit anderen Bewohnern. „Eine Toilette im Haus gibt es noch nicht, daran arbeiten wir“. Valdas zeigt uns die Vorarbeiten, die erkennen lassen, dass das vor dem Haus stehende Dixi-Klo bald ausgedient hat. 
„Wir wollen als nächstes das Dach ausbauen und zusätzliche Zimmer schaffen“. Wir steigen die enge Treppe hinauf, die dann auch durch eine andere ersetzt wird, und das Dach soll in dem Zusammenhang gedämmt werden. Eine Firma hat dazu das Material gespendet. „Alles geht Schritt für Schritt. Wir hoffen, dass das Ganze 2019 fertig ist“, erklärt Mindaugas. Oben auf dem Dachboden baumelt Wäsche an der Leine. Wir probieren die selbstgebauten Fitnessgeräte. „Das schafft Muskeln! Auch das ist Teil der Therapie.“ 
„Ja, der andere Nachteil dieses Standortes“, verrät Mindaugas schließlich, „das ist die Integration der Männer nach der 18-montigen Rehabilitation. Hier sind natürlich keinerlei Arbeitsmöglichkeiten. Deshalb planen wir „Gabrielius 2“, nämlich Räume in der Stadt, in denen die Männer einerseits noch etwas betreut leben, andererseits aber auch eine bezahlte Arbeit finden können. Das Grundstück gibt es schon. Und soeben kam die Glücksnachricht“, strahlt Mindaugas, „nämlich ein Anruf vom Zentrum für Mission und Ökumene – Nordkirche weltweit, dem ehemaligen Nordelbischen Missionszentrum (NMZ), dass sie uns finanziell darin unterstützen. Das ist heute ein guter Tag, ein adventlicher Tag“. 
Durch die Begegnung mit „Gabrielius“ ist dieser Tag auch für uns ein guter geworden, ein Tag, an dem wir an dieser weit abgelegenen Stelle Europas die Wahrheit des Adventsliedes von Jochen Klepper erleben können:
Gott will im Dunkel wohnen und hat es doch erhellt.
Als wollte er belohnen, so richtet er die Welt.
Der sich den Erdkreis baute, der lässt den Sünder nicht.
Wer hier dem Sohn vertraute, kommt dort aus dem Gericht.
Vera Gast-Kellert, Leiterin der Frauenarbeit im GAW

Donnerstag, 4. Dezember 2014

Euro-Waisen in Litauen: „Sie brauchen vor allem Geborgenheit“ - von Vera Gast-Kellert

Vera Gast-Kellert zum Jahresprojket der Frauenarbeit 2014:
Eine Woche im Kaliningrader Gebiet nutzen wir zu einem kurzen Besuch in den Projekten, die das diesjährige Jahresprojekt der Frauenarbeit im GAW „Du bist nicht verlassen“ im ehemaligen Memelgebiet in Litauen unterstützt.
Der Wind bläst eiskalt, als wir am Morgen bei Minus 10 Grad starten. Die winterlich schräg stehende Sonne, der wolkenlose Himmel und die herrliche Landschaft der Kurischen Nehrung verwandeln die Fahrt in ein touristisches Erlebnis. Im Gegensatz zu den verstopften Straßen der Stadt Kaliningrad haben wir die Straße auf der Nehrung ziemlich für uns allein, und der Grenzübergang nach Litauen lässt uns fast vergessen, dass das Passieren dieser EU-Außengrenze auch leicht mehrere Stunden in Anspruch nehmen kann.

Auf dem Marktplatz in Klaipeda / Memel schaut Ännchen von Tharau auf einen großen Weihnachtsbaum und ein paar verlorene Bernsteinverkäuferinnen, die sich vor Kälte die Hände reiben, in ihrem heißen Tee rühren und vergeblich auf die Touristen warten, die hier im Sommer zahlreich flanieren.
Wir treffen Diakoniepfarrer Mindaugas Kairys, ehemaliger Stipendiat des Gustav-Adolf-Werkes. Obwohl wir ihn nicht lange vorher informiert haben, findet er Zeit uns zu begleiten. Wir haben Glück: im Winter wohnt er in Klaipeda, im Sommer in Jubarkas. 
Nach einem heißen Kaffee geht es ca. 60 km südöstlich in Richtung Šilutė / Heydekrug. Es ist nicht schwierig, die große Kirche und das daneben liegende Haus mit der Diakonie zu finden. Die Leiterin Astrite Liepienė wartet schon auf uns. Astrite spricht fließend Deutsch. „Meine Mutter war eine Deutsche, der am Ende des Krieges die Flucht nicht gelang. Sie hieß Lore Haak. Von ihr habe ich Deutsch gelernt. Sie hat auch in den schweren Zeiten die lutherische Gemeinde hier gesammelt“. 
So ist auch Astrite selbstverständlich lutherisch konfirmiert. Von ihrer Ausbildung her ist sie Krankenschwester, hat aber nach mehreren Fortbildungskursen jetzt auch die Qualifikation zur Sozialarbeiterin und ist seit 12 Jahren Leiterin des diakonischen Hilfswerks in Šilutė.
Da es Mittag ist, sind auch die ersten Kinder eingetroffen, und wir erleben, wie sie nach einem gemeinsamen Mittagsgebet eine warme Mahlzeit genießen. Im Ganzen kommen zurzeit 23 Kinder nach der Schule in dieses Zentrum.
„Es ist uns sehr wichtig“, betonen Astrite und Mindaugas, „dass die Kinder hier die einfachsten sozialen Fähigkeiten erwerben, die sie üblicherweise in einer Familie lernen. Sehr oft sind ihre Eltern im Ausland, und sie leben bei einer sehr alten Oma oder sogar bei Nachbarn. Sie sind nicht immer arm, haben möglicherweise Handys und Computer, weil ihre Eltern ja Geld verdienen. Aber sie sind extrem arm an menschlicher Zuwendung“. 
„Ich sitze hier am Mittag und höre mir wie eine Mutter alle Geschichten aus der Schule und von Zuhause an“, meint Astrite, „es sind oft auch sehr traurige Geschichten. Was die Kinder vor allem brauchen, ist Geborgenheit. Und die wollen wir ihnen hier geben“. Dass Astrite das gelingt, wird uns deutlich, als wir erleben, wie die Kinder sie spontan umarmen. 
Wir verabschieden uns und fahren weiter nach Pagėgiai, das früher einmal Pogegen hieß. Hier erwartet uns mit Erna und Petras Vaišvilas ein Rentnerehepaar, durch die wir die erschreckende Härte des Lebens in dieser äußersten Grenzregion kennenlernen. 
Im Gemeindehaus neben der Kirche haben auch sie Tee und Kekse für uns vorbereitet. „Die Kinder kommen bisher nur für die tägliche warme Mahlzeit, fünf Mal in der Woche hierher. Zurzeit nehmen 15 Schüler aus dem Gymnasium und fünf aus der Grundschule daran teil. 
Wir würden gerne mehr Inhaltliches anbieten und hoffen deshalb auf die Unterstützung durch das Jahresprojekt der Frauenarbeit im GAW“, informiert uns Mindaugas. „Ab 2015 hoffen wir, mit einer Nachmittagsbetreuung beginnen zu können. Der Bedarf ist groß, das Gymnasium liegt ja gleich nebenan.“
„Wir leben nur wenige Kilometer entfernt von der russisch-litauischen Grenze. Früher haben die Kinder auch oft mitgearbeitet im Zigarettenschmuggel. Das ist in der letzten Zeit etwas besser geworden. Wir haben gedacht, dass mehr als 20 Jahre nach der Unabhängigkeit Litauens unser Leben besser geworden sei. Aber das ist nicht so. Hier gibt es keine Arbeitsplätze, die Menschen gehen weg von hier in den Westen. Man sieht keine schwangere Frauen auf der Straße“, berichtet Erna, die einmal Hebamme war und dafür einen besonderen Blick hat, „das ist ein Zeichen der Hoffnungslosigkeit in diesem Gebiet“. Und Petras ergänzt, “Meine 260 Euro Rente reichen überhaupt nicht aus zum Leben, allein für die Kohle zum Heizen im Winter brauchen wir 500 Euro. Die Lebensmittel hier sind oft so teuer wie in Deutschland. Manche kaufen auch in Polen ein, weil sie da noch preiswerter sind. Aber das ist ein langer Weg“. 
Eine ihrer beiden Töchter lebt in Chicago. Ja, sie haben sie schon besucht, weil sie die Tickets geschickt hat. „Aber so geht einer nach dem anderen aus diesem Gebiet“.
Nachdenklich fahren wir zur weltberühmten Luisenbrücke, der Grenze russisch-litauischen über den Nemunas, die Memel. Zum Besuch der dritten Diakoniestation bei Jurbarkas weiter östlich bleibt uns keine Zeit mehr.
Der Himmel hat sich bezogen und lässt Schneefall befürchten. In der Dunkelheit sehen die kleinen Häuser am Straßenrand aus, als kauerten sie sich schutzlos und hilfesuchend zusammen. „Es erschreckt mich“, meint unser Freund aus Kaliningrad, der uns begleitet, „zu sehen, dass dieses Gebiet noch verlassener wirkt als viele Bezirke in der Oblast Kaliningrad.
„Du bist nicht verlassen“ – geht es mir durch den Kopf, das Motto unseres Jahresprojektes, und ich hoffe, dass wir auch hier zeichenhaft mit den Mitteln des Jahresprojektes ein wenig von der Hoffnung der Advents- und Weihnachtsbotschaft weitergeben können.

Mittwoch, 3. Dezember 2014

Dank für Sanierung eines Pfarr-und Gemeindehauses in der Ukraine

"Unsere Reformierte Gemeinde in Mali Hejiwzi / Ukraine dankt dem GAW ganz herzlich für die erhaltenen 6.000 Euro für die Sanierung unseres  Pfarr- und Gemeindehauses!" schreibt Pastor István Nagy. "Für uns war diese Hilfe wie ein Wunder, wie ein Gnadengeschenk Gottes!"
Das Dorf Mali Hejiwzi (ungarisch: Kisgejőc) zählt 760 Bewohner, die mehrheitlich Ungarn sind. In der Nähe des Dorfes mäandert der Fluss Latorica (ungarisch: Latorca) und bringt im Frühjahr regelmäßig Hochwasser über die Felder. In Mali Hejiwzi arbeitete früher der bekannte Glockengießer Ferenc Egry, dessen Glocken noch heute in zahlreichen reformierten Kirchen in Transkarpatien klingen. Die reformierte Gemeinde zählt 300 Glieder, darunter 55 Kinder. Zweimal in der Woche finden in der Kirche Gottesdienste statt. Die Gemeinde entstand im Jahr 1648, die heutige Kirche wurde 1844 gebaut. Bis 1949 hatte die Gemeinde einen eigenen Pfarrer. Danach nationalisierten die Kommunisten das Pfarrhaus und richteten dort ein Lagerhaus ein.
Die Gemeinde erhielt ihr Pfarrhaus 1997 in einem schlechten baulichen Zustand zurück. Nach kleineren Reparaturen konnten in dem Gebäude bald die Bibelkreise und die Sonntagsschule stattfinden. Seit einigen Jahren sammelte die Gemeinde Geld, um auch die Pfarrwohnung wieder bewohnbar zu machen. 2010 zog die neue Pfarrfamilie mit drei Kindern nach Mali Hejiwzi. Momentan wohnen sie noch in einem gemieteten Haus. 
Das Gebäude hat nun dank der Hilf des GAW neue Fenster und Türen, einen Wasseranschluss sowie ein Bad. Zudem wurde das Haus innen so hergerichtet, dass die Pfarrfamilie dort wohnen kann.
Für dieses Bauprojekt wurde im GAW-Projektkatalog 2012 gesammelt.

Evangelische haben Verantwortung - weltweit

Prof. Franz Rendtorff
Der von 1917 bis 1934 amtierende Präsident des GAW Prof. Franz Rendtorff schrieb über die Verantwortung der Evangelischen für ihre Diaspora: 

"Wir müssen das Werk treiben, denn wir haben eine von den Vätern uns vererbte Schuld einzulösen. 
Die Reformatoren, die das helle Licht des Evangeliums uns wieder auf den Leuchter gestellt haben, damit es der Welt leuchte, verpflichtet uns, dies Licht den am Evangelium darbenden Glaubensgenossen in aller Welt weiter zu erhalten." 

Professor Dr. Dr. Dr.Franz Rendtorff starb am 17. März 1937 mit 77 Jahren. 




Dienstag, 2. Dezember 2014

Altarweihe in Leipzig in der Paulinerkirche

Paulinerkirche oder Paulinum?
Der Altar der alten Leipziger Paulinerkirche ist seit heute wieder an dem Ort, wofür er ursprünglich errichtet wurde: in der Universtätskirche zu Leipzig. Groß und auch mahnend steht im Zentrum des Altars der Apostel Paulus mit einem Schwert. Es weist auf den Glauben an das Wort Gottes, denn das scheidet die Geister, so wie es im Hebräerbrief heißt: „Gottes Wort ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert …“. Es geht dabei um Trennschärfe im Wahrnehmen, Klarheit im Denken, Mut und Prägnanz im gestaltenden Handeln. Und klar ist: Gottes Wort bleibt. Dieses Wort ist nicht gebunden an irgendeine schöne Stätte. Dieses Wort kann aber jeden Ort zur Pforte des Himmels werden lassen.
Darauf wird es hier in der Paulinerkirche ankommen, dass man von dem Geist Gottes etwas verspürt, der weht, wo er will - gerade an diesem Ort wo im Jahre 1968 auf barbarische Weise die funktionierende und nicht zerstörte Paulinerkirche der Universität Leipzig auf Befehl des kommunistischen Regimes der DDR gesprengt wurde. Jetzt steht am gleichen Ort eine Aula und ein Andachtsraum. Ob der Andachtsraum Paulinum oder Paulinerkirche heißen soll - darüber gab es immer wieder Streit. Über die Ausstattung und eine inzwischen installierte Glaswand wurde heftigst gestritten. Auch gab es in Vorbereitung der Grundsteinlegung des Altars Streit - zum Beispiel darüber, in welchem Rahmen der kirchliche Beitrag während der Feier sein darf. "Auf diesem Gebäude ruht bis jetzt kein Segen", sagte ein Universitätsprofessor.
Und dennoch wird dieser Altar auf seine Weise predigen, denn dafür wurde er erschaffen: Er verkündet schon jetzt - all den Gläubigen und Ungläubigen und weist sie auf das Wort Gottes, das helfen will die Geister zu scheiden. Gerade für eine Universität ist es gut, sich darauf zu besinnen. Vielleicht wird dann von diesem Ort dennoch Segen ausgehen - vor allem, wenn das Wort Gottes hör-, erlebbar und lebbar gemacht wird und Orientierung gibt. - Pfrarrer Enno Haaks


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Das GAW bietet einen guten Service für alle, die an der weltweiten evangelischen Diaspora interessiert sind: den Newsletter "GAW-aktuell". Er bietet Informationen aus den evangelischen Kirchen in Süd-, Mittel- und Osteuropa und Südamerika (und darüber hinaus!). Damit hilft es, den Horizont zu weiten und konkrete Fürbitten in das gottesdienstliche Leben aufzunehmen. 
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Montag, 1. Dezember 2014

Ordination in Saratow



Am 30. November 2014 wurde in der Mareinkirche in Saratow Andrey Džamgarova von Bischof Brauer (ELKER) zum Pfarrer ordiniert. Andrey ist armenischer Abstammung und fand über die Arbeit von Propst Scheiermann zur lutherischen Kirche. Das war ein wichtiges Fest für die Gemeinde, die auf eine stabile Zukunft hofft, was gar nicht so leicht ist in der derzeitigen politischen Situation und der großen Herausforderung der Gemeinde ihre Kirche mit dem Kirchenzentrum endlich fertigzustellen. 
Saratow hat ca. 840.000 Einwohner und liegt am rechten, sogenannten „Bergufer“ der mittleren Wolga. Die Wolga ist hier ca. drei Kilometer breit. Bis zur Deportation lebten viele „Wolgadeutsche“ hier, die das Stadtbild nachhaltig prägten. Mitten im Zentrum gab es eine große lutherische Kirche, die in der Breschnew-Zeit gesprengt wurde. Die lutherische Kirchengemeinde in Saratow hat sich neu gegründet und ist stabil und sehr aktiv. Viele junge Familien gehören dazu. Neben dem sonntäglichen Gottesdienst gibt es einen Kindergottesdienst, eine Jugendgruppe und einen Senioren- und Hauskreis. Eine Kleiderkammer steht den Bedürftigen offen. Die Gemeinde versammelte sich ursprünglich in einer Wohnung, die jedoch schnell viel zu klein für alle Aktivitäten war. So entstand der Wunsch, eine richtige Kirche mit Gemeinderäumen und Mietwohnungen zu bauen. 2006 fand die Grundsteinlegung statt. Die Gemeinde hofft, den Bau bis zum Reformationsjubiläum abschließen zu können.
Derzeit ist der Rohbau bis auf den Turm abgeschlossen. Die Gemeinde hat einige Räume schon so hergerichtet, dass sie benutzt werden können. Gottesdienste können vorübergehend in einem umfunktionierten Foyer stattfinden. Fertig sind auch ein Klassenzimmer, eine Zweizimmerwohnung und vier Gästezimmer. Mit den Mieten möchte die Gemeinde eine neue Einnahmequelle erschließen. 
In Saratow werden noch weitere Bauschritte notwendig sein, bevor ein Zentrum entsteht, wo die Gemeinde neue diakonische und missionarische Aktivitäten entwickeln kann. Im Projektkatalog 2014 hat das GAW 10.000 Euro für den Weiterbau gesammelt.

Das GAW ist Beispiel für gelebte protestantische Solidarität

Die Arbeit des GAW - Diasporawerk der EKD - wird an vielen Orten der weltweiten evangelischen Diaspora als beispielhaft gesehen. Für die not-wendige protestantische Solidarität muss immer wieder werbend eingetreten werden. So schreibt Rain Soosaar, Reporter der estnischen Kirchenzeitung „Eesti Kirik“, in einem gerade erschienen Beitrag:
"Das Motto des GAW ist: Lasset uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen (Gal 6,10). Obwohl Deutschland bekannterweise viel wohlhabender ist als Estland und die EKD mit ihren 23 Millionen Mitgliedern im Vergleich zur Estnischen Evangelisch-Lutherischen Kirche eine sehr große Organisation ist, könnte die Arbeit, die das GAW macht, auch für uns ein Beispiel sein. Vielleicht könnten wir, trotz unserer bescheideneren Möglichkeiten, unsere Glaubensgenossen im Ausland mehr unterstützen sowie auch ärmere Gemeinden unserer eigenen Kirche, wenn wir dafür wie die Deutschen genügend Opferbereitschaft und eine gut funktionierende Organisation hätten."

Freitag, 28. November 2014

Die Schlesische Evangelische Kirche A.B. in Tschechien

Kirche in Český Těšín
Die Braunschweiger Landeskirche ist die Partnerkirche der Schlesischen Kirche A.B. in der tschechischen Republik, eine der Partnerkirchen des GAW. Geschichtlich und traditionell gibt es eine enge Verbindung in das Teschener Gebiet in Polen. Ihr gehören rund 15.357 Gemeindeglieder in 22 Gemeinden. Neben 32 Pfarrern, drei Vikaren und drei Diakonen kümmern sich drei Hilfsgeistliche in Krankenhäusern und Dutzende von ehrenamtlichen Mitarbeitern um das geistliche Leben der Gemeindeglieder. Das höchste Gremium der Schlesischen Kirche ist die Synode. Die Kirche wird durch einen aus neun Mitgliedern (vier Ordinierte und fünf Nichtordinierte) bestehenden Kirchenrat geleitet. An der Spitze der Kirche steht Bischof Mgr. Jan Waclawek.
Die Schlesische Kirche ist auf einem verhältnismäßig kleinen Territorium - etwa 100 km lang und etwa 40 km breit - tätig. Die Region des zu Teschen gehörenden Teils von Schlesien liegt im Nordosten der Tschechischen Republik. Auch in Prag und Brünn gibt es kleine Gemeinden.
Noch zu Lebzeiten Luthers fasste die Reformation in dem zu Teschen gehörenden Teil Schlesiens Fuß. Bereits um 1550 war das gesamte Land evangelisch geprägt. Der Teschner Fürst Václav Adam aus dem Geschlecht der Piasten war ein eifriger Befürworter der Reformation, er verhalf den Evangelischen zu einem ersten organisatorischen Aufbau ihrer Kirche und begründete eine liturgische Ordnung. Der Sohn Václav Adams, Adam Václav, jedoch wurde katholisch und begann die Evangelischen zu verfolgen. Seit 1617 wurden den Evangelischen Kirchen weggenommen, und im Jahr 1654 wurden ihnen die letzten 50 Kirchen geraubt. Die evangelischen Pfarrer verwies man aus dem Land und das Abhalten von Gottesdiensten wurde verboten.
Erst nach 50 Jahren schwerer Verfolgung erhielten die Evangelischen dank der Bemühungen des schwedischen Königs und „aus Gnaden“ des Kaisers in Wien die Kirche in Teschen am Höheren Tor (1709). Im Jahr 1781 erließ Kaiser Josef II. ein Toleranzpatent, das den Evangelischen in den Habsburger Länder die Gründung neuer Gemeinden und den Bau von Bethäusern ermöglichte (ohne Turm der Eingang musste auf der der Hauptstraße abgewandten Seite der Kirche liegen). Gleich nach diesem Erlass wurden neue Kirchengemeinden in Bludovice, Komorní Lhotka, Návsí und in anderen Ortschaften des Teschner Landes gegründet. Eine völlige Gleichstellung mit den Katholischen erreichten die Evangelischen erst nach dem Jahr 1848 durch das sogenannte Kaiserliche Patent.
An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert kam es zu einer neuen Welle der geistlichen Erweckung, aus der die Christliche Gemeinschaft und die evangelische Diakonie hervorgingen. Später wurde diese Region wesentlich von den nationalistischen Streitigkeiten und Kriegen betroffen. Im zweiten Weltkrieg wurden fast alle örtlichen Pastoren am Dienst gehindert, einige wurden zu Zwangsarbeiten eingesetzt oder verhaftet. Ein Fünftel von ihnen kam in den Konzentrationslagern ums Leben.
Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich das kommunistische Regime das Ziel, die Religion auszurotten. Daher bemühten sich die Machthaber darum, alle Aktivitäten der Kirche zu kontrollieren und zu drosseln. Diesem Druck widersetzte sich eine Missionsbewegung unter der Leitung vom Pastor Vladislav Santarius (1915-1989), aus der viele begeisterte und gut ausgebildete Mitarbeiter hervorgegangen sind. Die heutige Freiheit, die aber verbunden ist mit einer Abnahme des Interesses am christlichen Glauben, stellt für die Kirche eine große Herausforderung dar. 
Den Menschen, die sich in einer schwierigen Situation befinden, hilft die Schlesische Diakonie in ihren 45 Einrichtungen. Außerdem ist die Seelsorge durch die Geistlichen in den Krankenhäusern wichtig. In der Justizvollzugsanstalt arbeitet ein Gefängnisgeistlicher.