Mittwoch, 31. Juli 2013

Lettland und die russischsprachige Minderheit

Dom in Riga
In Lettland gibt es eine große russische Minderheit. Von den für 2011 angegebenen 2,07 Millionen Einwohnern Lettlands sind 26,9 % Russen, 3,3% Weißrussen, 2,2 % Ukrainer.
In Lettland ist die Situation des Umgangs mit ihren minderhieten nicht immer spannungsfrei. Das bezieht sich auf den Umfang und den Ursprung der russischsprachigen Minderheit. In sowjetischer Zeit änderte sich die ethnische Struktur Lettlands erheblich durch die Politik des Staates, die darauf angelegt war, russischstämmige Menschen in Satelitenstaaten wie Lettland anzusiedeln. Nach dem Fall der Mauer gingen viele russischsprachige Menschen nicht wieder in ihre ursprüngliche Heimat zurück. Des Weiteren gibt es Interessen der derzeitigen russischen Regierung ihren Einfluss auch durch die große Minderheit in Lettland zu wahren. Die Parallelwelten haben sich damit während der letzten Jahre erhalten.
Das Miteinander im Land ist nicht einfach. Und von der Regierungspolitik hängt es ab, wie die russischsprachige Minderheit zu integrieren ist.Von den 100 Parlamentssitzen werde inzwischen 30 von russischsprachigen Abgeordneten gestellt.
Gute Informationen liefert ein Artikel aus den KAS-Auslandsinformationen: http://www.kas.de/wf/doc/kas_34964-544-1-30.pdf?130716165057

Dienstag, 30. Juli 2013

Ein neues "GA-aktuell"!!!

Ein neues GA-aktuell ist erschienen und ab sofort über die Homepage des GAW (www.gustav-adolf-werk.de) abrufbar!
Das "GA-aktuell" kann man auch abonnieren. Dafür bestellt man es über die angegebenen link mit seiner email-Adresse. Danach erfolgt monatlich eine automatische Zustellung der aktuellesten Informationen.

 

Freitag, 26. Juli 2013

Bruder Franziskus in Brasilien

"Ihr müßt die Kirche nach draußen auf die Strasse bringen zu den Menschen! Wir dürfen uns nicht zurückziehen angesichts der Not, in der viele Menschen leben," sagte Papst Franziskus gestern in einer Favela in Brasilien. Und dann zeigte er sich nah bei den Menschen und sagte: "Ich möchte an jede Tür klopfen, um 'Guten Tag' zu sagen, ein Wasser oder einen Kaffee zu trinken, aber keinen Cachaça." Solche Worte und Gesten beeindrucken! Es sind solche Worte, in denen wir uns als Protestanten Bruder Franziskus und seiner Kirche nahe fühlen. Gemeinsam müssen wir uns um Gerechtigkeit und Frieden sorgen für die Armen und Benachteiligten - ohne Unterschiede! Gemeinsam müssen wir versuchen den Menschen in ihren Nöten nahe zu sein in einer Welt, in der die Kluft zwischen Armen und Reichen immens ist.
Auch das das Wachstum evangelikaler und pflingstlerischer Gruppen in Lateinamerika hat Franziskus im Blick und das damit einhergehende Schrumpfen der katholischen Kirche. Das ist auch ein Thema, das z.B. unsere lutherische Partnerkirche in Brasilien betrifft. Als Kardinal begann Franziskus einen Dialog in Argentinien mit verschiedenen protestantischen Gruppierungen. Es bleibt abzuwarten, ob hier eine ökumensiche Öffnung zu erwarten ist - auch im Blick auf den historischen Protestantismus. Das Wachstum dieser Gemeinschaften hat sich in den vergangenen zehn Jahren zwar verlangsamt. Franziskus sieht aber die Missionsrabeit seiner Kirche gefordert. Zahlreiche Katholiken setzen große Hoffnung auf Franziskus, und das nicht nur in Lateinamerika. "Er wird viele von den Katholiken zurückführen, die zu protestantischen Gruppen abgewandert sind“, sagt der Uruguayer Guzman Carriquiry, seit 2011 Sekretär der Päpstlichen Kommission für Lateinamerika. 
Das bleibt abzuwarten, denn auf der anderen Seite hat die katholische Kirche sehr unter der Abwanderung zahlreicher Mitglieder zu kämpfen.

Donnerstag, 25. Juli 2013

100 Jahre Christuskirche in Pfarrkirchen mit Hilfe des GAW

Innenraum der Christuskirche
Wenn es das GAW nicht gegeben hätte, dann wäre es vor 100 Jahren in Pfarrkirchen in Niederbayern sehr schwer geworden für die damals 300 Seelen kleine Gemeinde ein Gotteshaus errichten zu können. Schon als die Gemeinde sich Ende des 19. Jahrhunderts gründete, da half das GAW mit Altarleuchtern, Bibeln, Taufsteindecke und einer Unterstützung für den Reisepfarrdienst. Am 1. Juni 1913 konnte die Christuskirche geweiht werden. Sie war damals als erster evangelischer Kirchenbau im Rottal. Das 100jährige Kirchweihfest wurde nun besonders begangen und auch an das segensreiche Wirken des GAW erinnert. „Wir sind dem GAW dankbar für das, was es damals für uns getan hat! Sagt Pfarrer Soffel. „Wir unterstützen deshalb gerne die zahlreichen Herausforderungen des GAW in der weltweiten Diaspora!“

Herausforderungen der Theologieausbildung

Eine gute fundierte Theologieausbildung ist für viele Diasporakirchen eine große Herausforderung. Sie ist teuer und sie braucht gutes und qualifiziertes Personal. Gerade für Kirchen, die aus der Tradition der protestantischen Reformation kommen, kann es nicht egal sein, auf welchem Niveau der Theologennachwuchs ausgebildet wird. Aufmerksam beobachtet das GAW, wie sich diese Situation entwickelt. Besonders in Lateinamerika ist bei den Ausbildungsstätten viel in Bewegung. Da geht es auch um die Fragen, wie eine "traditionelle" Ausbildungsform mit Residenzpflicht der Studierenden noch zu realisieren ist und wer dann die Kosten mitträgt. Zudem gibt es in zahlreichen Kirchen Menschen, die im zweiten Bildungsgang sich für die evangelische Theologie entschieden haben und es sich von ihrem ersten Beruf und der familiären Situation nicht leisten können, längere Zeit wegzubleiben. 
Die großen Ausbildungsstätten mit einer guten Tradition in Lateinamerika haben ihr Niveau u.a. auch halten können, weil es starke Partner bis heute gibt, die sie dabei unterstützen. Nur stellt die gegenwärtige Situation vor neue Herausforderungen: da ist zum einen die Frage der rechtlichen Anerkennung der Abschlüsse, die immer notwendiger geworden sind. In der Vergangenheit hat das keine Rolle gespielt, als für die Kirchen ausgebildet wurde und alle Absolventen übernommen wurden. Jetzt gibt es auf der einen Seite nicht mehr genügend Kandidaten und auf der anderen Seite Menschen, die sich für evangelische Theologie interessieren, die aber nicht unbedingt in einen kirchlichen Dienst treten wollen. Sie brauchen einen anerkannten Abschluss. Das stellt die Dozenten vor die Frage, ob ihre einmal auf dem Institut erlangten Abschlüsse stattlich anerkannt sind. Sind sie es nicht, dann gibt es Probleme mit der universitären Anerkennung im Staat. Die Probleme sind sehr vielschichtig und hängen alle in der Regel miteinander zusammen.
Das GAW ist daran interessiert, eine profunde Ausbildung zu unterstützen. Die baulichen Herausforderungen der Institute zu unterstützen und auch durch Stipendienprogramme Mut zum Theologiestudium zu geben. Als wertvoll erachten wir es z.B., dass es in Buenos Aires mit der ISEDET eine Ausbildungsstätte gibt, die von neun verschiedenen Partnerkirchen getragen wird, die auch zusammenbleiben wollen. Diese innerprotestantische Ökumene ist wichtig, denn die Kirchen sind in der Regel viel zu klein, als dass sie für eine gute Ausbildung einstehen könnten.

Mittwoch, 24. Juli 2013

Weiter Proteste in Brasilien


Studenten protestieren in Sao Leopoldo
Wieder gingen Menschen in Brasilien auf die Straße. Diesmal weil der Papst im Lande ist. Natürlich sind viele Menschen begeistert, dass Franziskus das Land besucht. Andere kritisieren die hohen Kosten, die der Besuch bringt. Knapp 40 Millionen Euro kostet er die Brasilianer. "Das Geld wird doch dringend woanders benötigt!" sagt ein Demonstrant. Der Protest ist ein politischer und kein religiöser. Protestiert wird erneut gegen das schlechte Bildungs- und Gesundheitssystem, die Korruption, Mißwirtschaft und die mangelnde Infrastruktur. Dabei wird deutlich: Brasilien hat Probleme, denn das Wachstum schwächelt, die Inflation läuft aus dem Ruder, Reformen bleiben auf der Strecke und die Staatsschulden steigen. Die Landeswährung Real ist zuletzt auf den tiefsten Stand seit vier Jahren gefallen. Die Regierung versucht gegenzusteuern. Jedoch: Mit 6,5 Prozent lag die Teuerungsrate zu hoch. Insgesamt hat sich die konjunkturelle Lage eingetrübt. Die Wirtschaft wächst nicht so wie in den vergangenen Jahren. Sie liegt unter 2 %.In den Vorjahren waren es immer zwischen 4 und 6%. Leidtragend sind dabei vor allen die, die es geschafft haben in den Mittelstand sich hoch zu arbeiten. Hier hatte die Politik durch eine Konsumorientierung das Wachstum zu stabilisieren. Das war zu einseitig. Viele Menschen haben sich verschuldet.

Dienstag, 23. Juli 2013

Professor Winkler zum 80. Geburtstag

Prof. Winkler wird 80!
"Es sind vier Motive, die uns stets in der Diasporaarbeit bewegen sollten," schrieb Professor Eberhard Winkler, Präsident des GAW-Ost bis zur Vereinigung beider Werke, im Jahre 1990. Diese sind: "Das diakonische Motiv: Geschwisterliches Miteinanderteilen; 2. Das missionarische Motiv: Hilfe, das Evangelium mitzuteilen; 3. Das ekklesiologische Motiv: Hilfe zur evangelischen Identität; 4. Das ethische Motiv: Hilfe zur Glaubens- und Gewissensfreiheit... Das diakonische Teilen der uns anvertrauten Gaben, das missionarische Mitteilen der Guten Nachricht, die theologische Stärkung der evangelischen Identität und die ethisch gebotene Hilfe zur Glaubens- und Gewissensfreiheit sind die Motive, die in allem Wandel der Zeiten für unsere Arbeit (im GAW) gültig bleiben."
Professor Eberhard Winkler feiert am 23. Juli 2013 seinen 80. Geburtstag. Das GAW gratuliert im Namen aller Engagierten!
Gerade ist in der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig das Buch von Prof. Winkler "Freiheit und Verantwortung. Warum Luther aktuell ist" herausgebracht worden.

Freitag, 19. Juli 2013

Volkszählung in Estland: größte Konfession sind die Orthodoxen



Volkszählung Estland
Die Ergebnisse der Volkszählung 2011 in Estland haben ergeben, dass sich von den befragten 1094.564 Personen (alle Einwohner ab einem Alter von 15 Jahren) 320.872 (29%) einer bestimmten Religion zuordnen. Der letzte Zensus fand in der baltischen Republik vor 12 Jahren statt. Seit der letzten Volkszählung hat sich dieser Anteil nicht geändert. Gewachsen ist aber die Anzahl der Angehörigen von nichtchristlichen Religionen. Dies gilt, auch wenn die absolute Zahl dieser Gruppe in der Gesellschaft marginal geblieben ist. Zu den Christen zählen sich 310.481 (28%) und zu nichtchristlichen Religionen (Naturreligion, Islam) 10.391 Personen (1%). Die Angaben der Volkszählung spiegeln die religiöse Selbsteinschätzung der Befragten wieder und nicht unbedingt die offizielle Religionszugehörigkeit. Die größte Verschiebung im Vergleich zum Jahr 2000 ist die Rangliste der großen Kirchen: zu den Orthodoxen zählen sich 176 773 (16% der Bevölkerung), zu den Lutheranern aber nur 108 513 (10%). Vor 11 Jahren waren es noch 14% Lutheraner und 13% Orthodoxe. Dabei wird bei der Zählung nicht zwischen Estnisch-Orthodox und Russisch-Orthodox unterschieden. 96% der zur lutherischen Kirche gehörigen Personen sind Esten. Bei den Orthodoxen sind 12% Esten und 76% Russen. Unter den jüngsten Befragten (15-19-Jährige) bekannten sich 67% zu keiner Religion. 3% ordneten sich den Lutheraner und 8% den Orthodoxen zu.

Donnerstag, 18. Juli 2013

Pfingstbewegungen rütteln auf

"Die Evangelische Kirche Lutherischen Bekenntnisses (IECLB) steht wie alle historischen Kirchen in Brasilien in Konkurrenz mit den aggressiven neueren Pfingstkirchen, zumal der "Universalen Kirche des Reiches Gottes" (UKRG)," schreibt Dr. Wilhelm Hüffmeier, Präsident des GAW und ausgewiesener Brasilienkenner. Das bekennt jetzt auch der brasilianische katholische Kardinal Damasceno Assis: "Vielleicht waren wir zu bequem geworden, und vielleicht hat uns das Wachstum der Pfingstbewegung aufgeweckt und uns aufgerüttelt für unsere tatsächliche Mission."
Laut Volkszählung von 2010 bezeichneten sich 42 Millionen Brasilianer als evangelikal, im Jahre 2000 waren es noch 26 Millionen. Die Zahl der Katholiken sank in dem Zeitraum von 125 auf 123 Millionen ab. Prozentual sank die Zahl der Katholiken von 74 auf 65 Prozent der Gesamtbevölkerung.
Die IECLB ist mit dem Wachsen der Pfingstbewegung konfrontiert. In einigen Gemeinden haben Elemente dieser Frömmigkeit Einzug gehalten. Und sicher ist es wichtig, nach Elementen zu suchen, die sich mit der lutherischen Identität vereinbaren lassen. "Ein bisschen Geistbewegung täte uns gut," sagt dann auch Dr. Hüffmeier.

Mittwoch, 17. Juli 2013

Stipendienarbeit des GAW

GAW-Stipendiaten mit Prof. Franz Rendtorff in den 30er Jahren
Zur Arbeit des GAW gehört seit über 150 Jahren die Stipendienarbeit. Neben der Möglichkeit an einer deutschen Universität in einem größeren Kontext Theologie zu studieren war und ist dieses Studienprogramm immer auch eine Chance des Beziehungsaufbaus und der Beziehungspflege gewesen. Die derzeitige GAW-Zentrale wurde auf Initiative von Prof. Franz Rendtorff, Praktischer Theologe in Leipzig und langjähriger Präsident des GAW, als Studierendenwohnheim für Diasporastudenten gebaut. Auf dem Foto aus dem Beginn der 30er Jahre sieht man die Studierenden mit dem GAW-Präsidenten und seiner Ehefrau. Im Haus gab es auch eine sog. "Hausmutter", die für die Versorgung und die Hausordnung zuständig war. Sie kam aus Siebenbürgen. 
Das derzeitige Stipendienprogramm des GAW gibt es in dieser Form seit 15 Jahren. Förderprogramme gab es jedoch immer.

Dienstag, 16. Juli 2013

Jugendfestival "Sternpunkt" in Ungarn


Vom 23.-27. Juli findet das internationale  reformierte Jugendfestival der ungarisch reformierten Kirche in Mezőtúr statt. Bis zu 5.000 Teilnehmende werden erwartet. 
1999 wurde in der Reformierten Kirche in Ungarn eine Jugendabteilung geschaffen, deren Aufgabe es ist, die Arbeit landesweit zu koordinieren und zu vernetzen. Eine von den wichtigsten Veranstaltungen, die von der Abteilung organisiert wird, ist das Jugendfestival Csillagpont (deutsch: Sternpunkt), das seit 2003 alle zwei Jahre stattfindet.

Fast 500 Freiwillige und 25 Arbeitsgruppen sind inzwischen im Einsatz, um das  Jugendtreffen vorzubereiten. Eingeladen sind junge Menschen zwischen 16 und 30. Unter den Teilnehmenden sind sowohl aktive Mitglieder der kirchlichen Jugendgruppen als auch kirchenferne Jugendliche, die auf der Suche sind. Neben Evangelisation, Konzerten und Gesprächen am Runden Tisch gibt es Angebote für Bibelgruppen und Seelsorge. Auf dem Markt der Möglichkeiten stellen sich reformierte Vereine, Gruppen und Künstler vor. 2011 nahmen auch 20 Delegierte aus zehn Partnerkirchen am Festival teil sowie ein Dutzend ausländische Jugendgruppen, die von ihren Partnergemeinden eingeladen worden waren. So fördert Csillagpont auch den Austausch über die Landesgrenzen hinaus.
Eine Homepage berichtet dreisprachig darüber: http://csillag.reformatus.hu/was-ist-Sternpunkt
Das GAW will  dieses missionarische Projekt mit 12.000 Euro unterstützen. Helfen auch sie mit:http://www.gustav-adolf-werk.de/spenden.html

Freitag, 12. Juli 2013

Heimat finden


In der ständig wachsenden Stadt El Alto – oberhalb von La Paz auf dem Altiplano gelegen – gibt es die Gemeinde „El Sinai“. Seit der Gründung sind hauptsächlich Migranten dort Mitglieder geworden. Menschen, die ihre Heimat aufgegeben haben oder aufgeben mussten, weil die Lebensbedingungen in ihren Heimatorten katastrophal wurden. Sie sind in die Stadt geflohen, wo sie hoffen, bessere Lebensumstände vorzufinden. Heute gehören zur Gemeinde Aymara, Quechua und spanischstämmige Mitglieder. Manche halten noch Kontakt zu ihren Heimatorten in den verarmten ländlichen Regionen. Ein wesentlicher Schwerpunkt der Gemeindearbeit besteht in dem Versuch, Zugewanderte vom Lande in der Stadt zu integrieren. Auch unsere Sonntagsgottesdienste sind u. a. von diesen Bemühungen geprägt. Vorwiegend sind es Menschen, die viele Nöte und Schicksalsschläge hinter sich haben, wenn sie in der Stadt angekommen sind. Hier ist es dann für sie ganz schwer, z. B. Arbeit zu finden. Mehrheitlich sind es Jugendliche und junge Erwachsene, die hoffen, dass es ihnen in der Stadt besser geht, dass sie studieren und arbeiten können und sie eine Zukunft haben. Und oft sind sie dann überrascht, wenn sie mit den völlig anderen Realitäten konfrontiert werden. Diesen Menschen will die Gemeinde Heimat geben. Wie schwer das ist…
Was ist eigentlich Heimat? „Heimat ist da, wo ich verstehe und wo ich verstanden werde,“ sagt der Philosoph Karl Jaspers (1883-1969). D.h. Heimat ist der Ort, de nahe und vertraut ist, an dem wir uns sicher und wohl fühlen, an dem wir Gemeinschaft erleben. Der Gegensatz von Heimat ist das Fremde. Heimat, Migration und Fremdsein – das sind in vielen Partnerkirchen wie z.B. in Bolivien ein Thema, was den Alltag der Gemeinden prägt. Zudem ist es ein genuine kirchliches Thema. Die biblischen Traditionen erzählen – von kurzen Phasen abgesehen – die jüdisch-christliche Geschichte als eine Wanderungs-, Flucht-, Anpassungs- und auch Widerstandsbewegung in der Fremde. Die Kirche ist sehr oft mit Migrationsfragen konfrontiert. Sie weiß sich durch die biblische Botschaft verpflichtet, Menschen in ihrer Suche nach und in ihren Ängsten vor dem Verlust von Heimat zu begleiten. Die Kirche ist im Migrationsbereich vor allem diakonisch und gesellschaftspolitisch engagiert.
Zahlreiche Projekte wie die diesjährige Konfirmandengabe gehen auf diese Problematik ein: http://www.gustav-adolf-werk.de/konfigabe_material.html

Donnerstag, 11. Juli 2013

Ruf zu Gerechtigkeit und Frieden - Vollversammlung des ÖRK


„Gott des Lebens, weise uns den Weg zu Gerechtigkeit und Frieden“ – das ist das Motto der Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen, die vom 30. Oktober bis 8. November dieses Jahres in Busan (Republik Korea) stattfinden wird. Zahlreiche Vertreter der Partnerkirchen des GAW werden dabei sein. Im Vorfelde sind Kirchen und Gemeinden weltweit aufgerufen, sich in ihrem Umfeld für mehr Gerechtigkeit und Frieden einzusetzen. Mit dieser Problematik sind viele der GAW-Partnerkirchen konfrontiert. In Lateinamerika kann jede unserer Partnerkirchen Beispiele nennen, wo sie konkret etwas tun. Die lutherische Kirche Kolumbiens setzt sich für ein Ende des über 40jährigen Bürgerkrieges ein, hofft und betet, dass die Friedensgespräche zwischen den verfeindeten Parteien gelingen mögen. In Brasilien setzt sich der lutherische Indianermissionsrat COMIN für die Rechte indigener Völker ein. Ein konkretes Beispiel ist das große Staudammprojekt in Matto Grosso. 10% des Energiebedarfs des Landes soll der Staudamm decken – das ganze geschieht auf Kosten viele indigener Stämme, die ihre Lebensgrundlagen verlieren. In Argentinien und Paraguay weist die IERP (Iglesia Ev. Del Rio de la Plata) immer wieder auf die Problematik der insustriellen Landwirtschaft hin. Insbesondere die Sojaproduktion sorgt für Konflikte. Der Boden der indigenen Bevölkerung und die Flächen für traditionellen Ackerbau riesigen Soja-Monokulturen für Biosprit zum Opfer. Dabei gibt es immer wieder auch Konflikte mit den eigenen Kirchenmitgliedern. Denn auch Sojabauern gehören dazu und verdienen gut an der Soja. In Peru werden ganze Berge abgetragen und mit Quecksilber durchsetzt, um einige Krümel Gold zu gewinnen. In Chile gibt es Auseinandersetzung mit der Holzindustrie um die Bodenrechte, die z.B. vom Volk der Mapuche eingefordert werden. Auch deutschstämmige Landbesitzer im Süden des Landes sind in diesen Konflikt hineingezogen. Der Ruf zu mehr Gerechtigkeit und Frieden ist immens mit wirtschaftlichen und politischen Interessen verbunden. Genug Stoff zur Vorbereitung für die Vollversammlung!