Donnerstag, 28. Februar 2013

Die Mission der Lutheraner in Brasilien

Nestor Paulo Friedrich
"Wir waren von unserer Tradition her keine missionarische Kirche," sagt Kirchenpräsident Nestor Friedrich von der lutherischen Kirchen Brasiliens (IECLB), deren Anfänge zurückgehen auf die Einwanderung deutscher Siedler ab 1824 im Süden des Landes. 
In einem Gespräch mit dem Evangelischen Missionswerk (EMW) berichtet er von den bemühungen seiner Kirche seit über 10 Jahren, ein neues Selbstverständnis in dieser Hinsicht zu erreichen. Davon, dass bis 2017 der positiven Folgen der Reformation gedacht wird, erhofft er sich auch Anstöße für seine Kirche. Und die Chance, die dunklen Geschichten ans Licht zu holen. Dazu gehört das Thema Toleranz. Seine Kirche habe sich in dieser Hinsicht schuldig gemacht und habe auf Menschen anderer Herkunft herabgesehen. "Wir haben uns viel auf unser Deutsch-sein eingebildet", konstatiert Friedrich.
Auch deshalb seinen die vielen Projekte der Lutheraner mit Indigenen so wichtig: "Die Ureinwohner brauchen unsere Unterstützung im Kampf um ihre Lebensräume. Die Menschen, die in den Städten ihr Glück versuchen, können in neu gegründeten Gemeinden eine Heimat finden. Diejenigen, denen es gut geht, müssen an ihre Pflicht gegenüber den leidenden erinnert werden." Solche Programme und Projekte werden den Glaubensgeschwistern eine neue Toleranz abverlangen, meint er." Wie schwierig das sein kann, verdeutlicht er an einem Beispiel. "Einige unserer Mitglieder, oder besser deren Vorfahren, haben nach den damals geltenden Gesetzen Land gekauft, es urbar gemacht und von den Erträgen gelebt. heutzutage erwirtschaften viele dieser Kleinbauern gerade genug zum Leben. Im Kampf um ein besseres Leben - vielleicht sogar gegen Großgrundbesitzer - hilft die IECLB. Doch unsere Unterstützung gilt auch den Ureinwohnern, die ihr Land, von dem sie schon lange vor der Ankunft der Deutschen verdrängt worden waren, wieder haben wollen. Beide, Kleinbauern und Ureinwohner, haben ein recht auf ihre Forderungen. Hier ist die Kirche gefordert, friedliche Wege der Lösungsfindung aufzuzeigen, Kompromisse zu moderieren und die Parteien gegenüber staatlichen Stellen zu vertreten." Doch alle diese sozialen und politischen Themen dürfen nicht an die Stelle der Theologie treten, erklärt Friedrich.
Der gesamte Artikel von Freddy Dutz ist zu lesen in der neuen Ausgabe "Eine Welt, Heft Nr. 1 März-Juni 2013" (http://www.emw-d.de/_SIUS8DqdTKi5KnKaag/publikationen/publikationen/publikationen.einewelt/index.html)

Mittwoch, 27. Februar 2013

Im vergangenen Jahr im November hielt der Präsident des GAW Dr. Wilhelm Hüffmeier einen Vortrag über "Fürsorge, Partnerschaft und Selbsterkenntnis – Evangelische Verantwortung für die Diaspora in Geschichte und Gegenwart".

Hoffnungssignale - Der Weg der beiden lutherischen Kirchen in Chile


Kirche der ILCH in Frutillar
Das Ziel, beide lutherische Kirchen in Chile wieder zu einen nehmen klarere Konturen an. Im falle einer Wiedervereinigung wird es eine Kirche geben mit zwei kleinen Synoden der ehemaligen eigenständigen Kirche, die in diesen Synoden ihr Eigenes weiter leben können. Im Jahre 2005 hat sich die Synode der IELCh eindeutig für diesen Weg der Vereinigung ausgesprochen. Danach wurde er erneut bekräftigt. Jetzt ist es gelungen, für dieses Projekt einen Generalsekretär zu benennen, der sich an die weitere detaillierte Arbeit machen wird. Da geht es um einen Zeitplan, um die Erarbeitung einer gemeinsamen Satzung, Synodenzusammensetzung, um gemeinsame Ziele etc. Bei der dünnen Personalstruktur klingt das sinnvoll. Gewählt wurde für diesen Posten Alexander Wilckens, der von beiden Synodalräten nominiert wurde. Zudem ist zu betonen, dass die gegenseitigen besuche, das offene Gespräch in den gemeindlichen Gremien, gemeinsame Kirchentage etc. sehr zum gemeinsamen Verständnis beigetragen haben. Hilfreich bei der weiteren Annäherung ist mit Sicherheit auch die Wahl des IELCH-Pfarrers Eduardo Rojo Vogel zum Pfarrer der ILCH-Gemeinde in Temuco. Auch das Vikariat eines ehemaligen ILCH-Kandidaten in Concepción dient dem gemeinsamen Weg. Ein weiteres hilfreiches Projekt war die Herausgabe eines Buches von Daniel Lenski über die Spannungen der Jahre 1973-75. Das ist die Zeit des Auseinanderbrechens der Kirche.
Seit einiger Zeit teilen sich die beiden Bischöfe (bzw. Kirchenpräsident) die Vertretung bei Konferenzen im Ausland. Ein IELCH-Pfarrer ist beauftragt, die ökumenischen Kontakte beider Kirchen in Lateinamerika wahrzunehmen.
Das alles sind Schritte, die wir im GAW gerne hören. Das GAW hat sich sehr darum bemüht, beide Kirchen im Gespräch zu halten. Und immer wieder wurde bei besuchen gefragt, wie der Stand der Gespräche sei und ob es neue Entwicklungen gibt.

Dienstag, 26. Februar 2013

Daniel Ernst Jablonski und das GAW

Daniel Ernst Jablonski
"Daniel Ernst Jablonski (1660-1741), Enkel von Comenius und Bischof der polnischen Brüderunität, war einer der namhaftesten Intellektuellen zwischen Barock und Aufklärung. Er gilt als Vordenker für das Zusammenwachsen Europas. Er verkörpert wie kaum ein anderer Zeitgenosse die kulturelle Vermittlung zwischen Ost-, Mittel- und Westeuropa. Er schlug Brücken über territoriale Grenzen, sprachliche Barrieren und konfessionelle Lager hinweg, war zugleich Seelsorger, Historiker, Wissenschaftsorganisator und Kulturpolitiker." So heißt es im Begleittext zu einer Wanderausstellung, die vom 26. Februar bis 26. März in Leipzig zu sehen sein wird. Der Präsident des GAW Dr. Wilhelm Hüffmeier schreibt dazu in seinem Grußwort: "Lange schon ist die geistige Verwandtschaft zwischen Daniel Ernst Jablonski und dem Gustav-Adolf-Werk erkannt worden. Das ist sozusagen eine sächsisch-preußische Verwandtschaft. Person und Namen des Hofpredigers Jablonski weisen zwar in viele Richtungen, aber sein Hauptwirkungsfeld war Berlin und der Gustav-Adolf-Verein ist eine sächsische Gründung in Leipzig. Walther Wendland schreibt in seinem 1930, zwei Jahre vor dem hundertjährigen Gründungsjubiläum des Gustav-Adolf-Vereins erschienenen Buch "Siebenhundert Jahre Kirchengeschichte Berlins: "Wo nur der Protestantismus verfolgt wurde, in Polen, Ungarn, Siebenbürgen oder Böhmen, trat Jablonski für ihn ein und sorgte dafür, daß der Preußische Staat die Traditionen des Großen Kurfürsten nicht vergaß; es ist auffallend, daß der Gustav-Adolf-Verein diesem seinem ersten Vorkämpfer noch nie eine Ehrung ... hat zuteil werden lassen. Die Geschichte ist, Gott sei Dank, geduldig und bietet nun endlich eine Chance, diese Ehrung nachzuholen. Persönlich konnte ich das schon in Form eines Beitrags über Jablonski als reformierten Hofprediger für den Katalog der zum 350. Geburtstag Jablonskis im Jahr 2010 konzipierten Ausstellung nachholen. Umso mehr freue ich, dass die Ausstellung „Brückenschläge“ nach erfolgreichen Wanderungen durch Deutschland, aber auch Polen und Tschechien nun auch in Leipzig zu sehen ist. Seit über 180 Jahren ist hier der Sitz des Gustav-Adolf-Werks. "

Montag, 25. Februar 2013

Ökumenischer Fürbittkalender - Frankreich, Deutschland





Anregungen für Dank und Fürbitte
Wir danken für:
  • die Überwindug der Feindschaft zwischen Frankreich und Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg.
  • den Fall der Berliner Mauer und für die Wiedervereinigung Deutschlands.
  • das Zeugnis der ökumenischen Zentren wie z.B. der Gemeinschaft von Taizé, die den Gottesdienst, besonders unter jungen Menschen, neu belebt haben.
  • alle, die für Toleranz arbeiten und Einwanderer und Flüchtlinge unterstützen, damit Hass und Gewalt aufgrund von ethnischer Zugehörigkeit beseitigt werden.
  • die wunderschöne Kirchenkunst und Architektur, die die Geschichte des Evangeliums erzählen und Gott preisen.
Wir bitten um/für:
  • die Bemühungen, Ost und West in Deutschland weiter zu vereinen, damit alle Bürgerinnen und Bürger gerecht behandelt werden.
  • die, die dazu beitragen, dass der Unterschied zwischen Arm und Reich geringer wird.
  • eine Neubelebung der Kirchen inmitten steigender Säkularisierung und Atheismus.
  • die Vertiefung des interreligiösen Dialogs.
  • die, die sich engagieren für die Erhaltung der Umwelt und für energiesparenderes Leben und Wirtschaften.
  • die Arbeitslosen und alle, die wirtschaftlicher Unsicherheit angesichts der Globalisierung erleben.
GEBET
Wenn ich die Probleme unserer Welt sehe, o Herr,
dann bete ich, dass ich nicht der Versuchung unterliege,
schnelle Antworten zu finden.
Wenn jede Zunge eine andere Wahrheit verkündet,
wenn jedes Volk seine eigene Gerechtigkeit lobt,
lass mich innehalten, bevor ich spreche, lobe oder hoffe.
Lass mich in mein Inneres schauen und versuchen,
die ewigen Wahrheiten zu entdecken,
die du in mir gepflanzt hast.
Wahrheiten, die größer sind als die,
die draußen von den vielen Stimmen und Worten zu hören sind.
Und gib, dass ich mich immer daran erinnere,
dass laut sein nicht heißt, dass man Recht hat,
dass anders sein nicht heißt, dass es verboten ist,
dass neu sein nicht heißt, dass es beängstigend ist,
dass schwarz sein nicht heißt, dass es häßlich ist.
Lass mich die Wahrheiten finden, die vor dir gelten
damit ich mit ihnen, und dir und mir selbst in Frieden leben kann.

Eine neue Kirche für Cristo Salvador / Lima

Pastorin Sallandt vor dem Kirchenneubau
Voller Hoffnung hat sich die Gemeinde "Cristo Salvador" in Lima/Peru entschlossen, ihre kleinen Versammlungsräume zu ersetzen durch ein neues Gemeindezentrum. Mit dem neuen Gebäude wollen sie sichtbar nach aussen zeigen, dass sie mit Zuversicht ihren Glauben leben und einladend sein wollen. 1996 wurde die Gemeinde selbständig. Bis ins Jahr 2004 traf man sich in den Wohnzimmern von Gemeindegliedern. Dann wurde es möglich auch mit Hilfe des GAW ein kleines Gebäude zu erwerben. Dieses wurde nun komplett abgerissen, um Platz zu schaffen für das neue Gebäude. Statisch wäre es nicht möglich gewesen, das alte Gebäude umzubauen. Im Projektkatalog 2009 wurde für dieses Projekt gesammelt. Nun ist dieser erste große Bauabschnitt fertig. Und Pfarrerin Ulrike Sallandt schreibt: "Ich hoffe wir sind zum Gottesdienst am Auferstehungssonntag in unserem neuen Kirchgebäude und werden einen besonders schönen Gottesdienst feiern können"

Samstag, 23. Februar 2013

Sonntag zur Erinnerung an verfolgte und bedrohte Christen


„Verfolgung kennt keine Konfessionsgrenzen,“ das betonte der Präsident des Gustav-Adolf-Werkes (GAW) Dr. Hüffmeier, als es um die Gründung eines Fonds im GAW ging für bedrohte Christen. Für das evangelisch,konfessionell gebundenes Werk ist das ein selbstverständlicher Ausdruck der Solidarität. Inzwischen wird die Zahl verfolgter und bedrängter Christen weltweit auf mindestens 100 Millionen geschätzt. Christen sind es, die am meisten unter Verfolgung zu leiden haben, sei es im Irak, in Nordkorea, in China, in Nigeria, in Ägypten, in der Türkei. Manchmal ist die Verfolgung sehr gewalttätig, manchmal ist sie schleichend und subtil, indem Christen bürokratische Hürden aufgebaut werden. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ruft deshalb jährlich am Sonntag Reminiscere – in diesem Jahr am 24. Februar – zu einem Gedenktag auf. Ein gut gewählter Sonntag! Denn der Leitvers aus Psalm 25 heißt für diesen Tag: „Gedenke, HERR, an deine Barmherzigkeit!“ Mit diesen Worten endet der Psalmist, nachdem er vorher gebetet hat: „Lass mich nicht zuschanden werden dass meine Feinde nicht frohlocken über mich.“ Wir dürfen die Geschwister im Glauben nicht vergessen, die bedroht und verfolgt sind. Wir dürfen nicht vergessen, dass es auch in unserem Land in zwei Diktaturen hintereinander als Christ schwer war, Glauben zu leben. Wievielen Menschen wurden dadurch Perspektiven genommen? Der Psalmist bekennt, dass trotz aller Verfolgung es einen HERR des Lebens gibt, der barmherzig und ewig ist. Er schenkt eine Freiheit, die durch keine Bedrängnis, Bedrohung und Bedrückung zu nehmen ist. ER zeigt Wege, auch in unwegsamer Gegend. Diese Freiheit kann nur der Glaube schenken. Diese Freiheit macht es möglich, zu gedenken an die, die verfolgt sind. Als GAW setzen wir uns in diesem Jahr beispielhaft für die Assyrische Kirche des Ostens ein, die im Norden Iraks noch existieren kann. Im Süden des Landes ist das unmöglich. Es ist aber in den vergangenen Jahren zu großen Auswanderungen gekommen. Das GAW fördert ein Schulprojekt der Kirche, auch um Lebensperspektiven zu stärken, damit die Menschen bleiben können. Wir hoffen und beten, dass diese Christen, die seit dem 3. Jahrhundert dort leben, nicht „zuschanden werden“. Helfen auch Sie:  http://www.gustav-adolf-werk.de/spenden.html

Donnerstag, 21. Februar 2013

Eine „evangelische“ Bibel für Chavez



Die Vertretung der FAIE
(2. v.l. Carlos Duarte)
Auf Initiative des Vorsitzenden der FAIE (Federación Argentina de Iglesias Evangélicas), Dr. Néstor Míguez, war es gelungen, bei der Präsidentin Cristina Kirchner einen offiziellen Termin im Januar dieses Jahres zu bekommen. Der Kirchenpräsident der IERP, Carlos Duarte, nahm an dem Treffen teil. Thematisch wurde auf den Beitrag der evangelischen Kirche für die Gesellschaft hingewiesen, deren immenses diakonisches Engagement, ihren Einsatz für Menschenrechte auch in der Zeit der Diktatur. Das Schwerpunktthema des Treffens war jedoch die Frage der Einführung eines Ley de Culto, das die Gleichstellung mit der katholischen Kirche ermöglichen würde, was bis heute nicht zustande gekommen ist.
Am Ende der Sitzung übergab die Delegation der Präsidentin eine Bibel. Kirchner zeigte sich bewegt und erklärte, sie wolle diese Bibel ihrem Freund Hugo Chavez übergeben, als Zeichen der Solidarität und als Hilfe zur Genesung. Sie wollte einen Tag später nach Kuba reisen, um ihn dort zu besuchen. Der Besuch bei Chavez kam nicht zustande. Die Bibel hat er aber durch Familienangehörige erhalten. Wenig später erhielt Chavez noch eine Muttergottes-Figur und diverse Heiligenbilder von seinen Ministern persönlich überreicht. In Kuba wurde sogar für seine Genesung gebetet. Aus gutem Grund, denn Kuba ist sehr von dem venezolanischen Öl abhängig. Inzwischen ist Chavez in seiner Heimat angekommen. Sein Gesundheitszustand ist wohl nach wie vor kritisch. Ob er in der argentinischen evangelischen Bibel gelesen hat?

Mittwoch, 20. Februar 2013

Fürbittkalender des Ökumenischen Rates der Kirchen


Woche 8 - Italien, Malta, Portugal, Spanien

17 Februar - 23 Februar 2013


Anregungen für Dank und Fürbitte

Wir danken für:
  • die gläubigen Christinnen und Christen, die in der langen Tradition des Christentums stehen und diese ihren Ländern gehegt und erneuert haben.
  • den Hl. Petrus und den Hl. Paulus, deren Wirken für das Evangelium dazu führte, dass sich das Römische Reich zum Christentum bekehrte.
  • die Katakomben und all die anderen Monumente, die an die Geschichte der frühen Christenheit erinnern und auch heute zum Glauben ermutigen.
  • den Hl. Jakobus, dessen Grab in Santiago de Compostela ein Ort ist, an dem sich heute viele Pilgerinnen und Pilger im Gebet für ein versöhntes Europa vereinen.
  • Christinnen und Christen, die die Geschichte des Hl. Jakobus neu interpretieren, so dass sie nicht mehr gegen Muslime gerichtet ist.
  • die, die Flüchtlinge und Wanderarbeiter aufnehmen und für sie sorgen.
  • die, die Kirche erneuern, wie z.B. Peter Valdes, Benedikt von Nursia und die Scholastiker, Franzikus und Klara, Katharina von Siena, Teresa von Avila.
  • Feste mit der Familie und Freunden.
  • Michelangelo, da Vinci, Titian, Velasquez und alle, die ihre Kunst dazu einsetzten, das Evangelium zu verkünden.
  • Gitarren, stampfende Füße, Kastagnetten, den Wirbel der Flamencotänzer/innen, den Charme der neapolitanischen Lieder.
Wir bitten um/ für:
  • ein Ende des Terrorismus und der Gewalt, und für eine Lösung des Konfliktes mit der baskischen Region in Spanien.
  • eine bessere verantwortlichere Nutzung von Ressourcen auf dem Land, im Meer und in der Luft.
  • Weisheit und Führung, wenn es um Fragen der Migration geht.
  • die jungen Leute, dass sie in ihrer Heimat Chancen bekommen und eine erneute Hoffnung in Christus finden.
  • die Einwanderinnen und Einwanderer und die Opfer des Menschenhandels.
  • ein Ende von Korruption und Verbrechen, damit alle Menschen Gerechtigkeit finden.
  • den anhaltenden Kampf gegen Intoleranz und Hass.
  • den Vatikan und alle, die Machtpositionen in der Römisch-Katholischen Kirche innehaben.
  • eine geistliche Erneuerung der Kirche inmitten einer Gesellschaft, deren Säkularismus und Materialismus wächst.

Waldenser am La Plata

Am 6. Februar 2013 wählte die 50. Vollversammlung der Synode der Waldenserkirche am La Plata mit Oscar Oudrí zum ersten Mal einen Laienvertreter zum Moderator der Kirche. Mit Pastorin Carola Tron wurde erstmalig auch eine Vize-Moderatorin gewählt. Oscar Oudrì ist vom Beruf ein Sozialpsychologe und hat in unterschiedlichen Einrichtungen der Waldenserkirche in Uruguay gearbeitet, darunter im Kinderheim Hogar Nimmo und im Sozialzentrum in Rosario. Von 2004-2012 leitete er das Centro Emanuel, ein ökumenisches Begegnungszentrum mit ökologischem Landbau. In seiner Antrittsrede nannte Oudrí die Notwendigkeit, sich den schwierigen Aufgaben zu stellen, vor denen die Waldenserkirche am La Plata steht. Dazu gehört nicht zuletzt die finanzielle Situation.
Pastorin Carola Tron, Vize-Moderatorin
"Wir müssen insbesondere in der Verwaltung und im operativen Bereich besser und schneller werden," berichtet in einem Gespräch mit dem Generalsekretär des GAW die neugewählte Vize-Moderatoron, Pastorin Carola Tron. Sie sitzt auch im Vorstand der Weltgemeinschaft Reformierten Kirchen. "Vielleicht hat man deshalb auch zum ersten Mal einen Laien gewählt, der jahrelange Erfahrungen in der Leitung diakonischer Einrichtungen der Waldenserkirche am La Plata hat," fährt sie fort. "Ein wichtiges Thema ist für uns dabei die Klärung des Rechtsstatus der Gemeinden in Argentinien. In Uruguay ist das nicht so schwierig, jedoch Argentinien ist kompliziert in diesen Fragen," berichtet sie. Eine weitere Herausforderung ist die Konsolidierung des Haushalts der Waldenserkirche. "Neben 15 aktiven Pastoren und zwei ausgebildeten Laien, die pastorale Aufgaben übernehmen, gibt es 12 pensionierte PfarrerInnen, für die die Kirche Pensionszahlungen leisten muss. "Das bedeutet, dass 1/3 des Haushaltes der Kirche gebunden ist," erzählt Carola. Das GAW hilft seit einigen Jahren, die Kirche hier mit zu konsolidieren. "Das braucht Zeit," ergänzt sie. "Ohne das GAW wäre das schwierig." Weitere Herausforderungen der Kirche sind die zahlreichen diakonischen Projekte, die zu einem Markenzeichen der Waldenser am La Plata zählen. "Allerdings würden wir ohne die Waldenserkirche in Italien, mit der wir eine Kirche sind, diese Aufgaben nicht leisten können," gesteht sie. "Was uns als Kirche dann beschäftigt ist die Frage, wie wir in den Städten präsenter und sichtbarer werden können, denn viele Gemeinden auf dem Land schrumpfen." Nach wie vor gibt es von den Mitgliedern eine hohe Akzeptanz und Identifikation mit ihrer Kirche. "In meiner Gemeinde finanzieren wir uns oft durch asados," berichtet Carola. "Vor Kurzem wurden mir dafür 5 Rinder geschenkt."
 

Dienstag, 19. Februar 2013

Kindergarten und Tageszentrum in Gualeguaychú

Kirche
Sintia
"Wir müssen uns diakonisch engagieren!" sagten sich die Mitglieder des Kirchenvorstandes des Kirchengemeinde der IERP (Iglesia Evangelica del Rio de la Plata in Gualeguaychú in der Provinz Entre Rios. Der Ort ist inzwischen weltweit bekannt, da hier zur Karnevalszeit ein riesen Spektakel stattfindet. "Hinter Rio und Venedig kommen wir," erzählt eine Frau aus dem Vorstand. 
"In einer Welt mit solch großen Unterschieden sind wir vom Evangelium her gerufen, etwas zu tun und nicht für uns zu bleiben," erzählt sie. Jedoch ging man in dieser Gemeinde einen anderen Weg. Es wurde kein neues Zentrum gegründet. Mitglieder der Gemeinde bringen sich in ein schon etliche Jahre existierendes Zentrum ein. Das tun sie seit gut sechs Jahren. Seitdem hat sich qualitativ in dem Zentrum viel getan. Drei Kindergartengruppen á 10 Kinder gibt es in einem alten Haus, das ursprünglich mal Bauarbeitern als Aufenthalts- und Lagerraum diente. Das Besondere: Sie werden von Müttern des benachbarten Armenviertels betreut. Diese Mütter wurden von angestellten Sozialarbeitern der Stadt entsprechend angeleitet und werden in ihrer täglichen Arbeit begleitet. Sintia ist 29 Jahre alt, alleinerziehende Mutter zweier Kinder von 5 Jahren und einem 1/2 Jahr. Sie ist eine von diesen Müttern, die dankbar ist, hier gebraucht zu werden. "Mir hilft die Arbeit sehr," sagt sie. Zudem bekommen die Mütter durch die Stadt als Anerkennung für ihren Einsatz Lebensmittelspenden. Das erleichtert den oft sehr schweren Alltag. "Wer aus unserem Armenviertel kommt, der hat es schwer," sagt Sintia. "Drogen und Gewalt bestimmen das Leben. Menschen aus unserem Viertel bekommen schwer Arbeit, wenn sie sagen, wo sie wohnen." Das Angebot wird am Nachmittag ergänzt durch den Einsatz der Freiwilligen aus der Kirchengemeinde und durch zwei aus Deutschland entsendete Freiwillige, die über die IERP diese Arbeit unterstützen. Neben Schularbeithilfe werden verschiedene Arbeitsgruppen angeboten, um Kinder zwischen 6 und 12 Jahren einen Ort zu geben und eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung.
Diese Arbeit lebt von der Initiative Ehrenamtlicher. "Der Staat übernimmt praktisch keine Verantwortung," sagt die Sozialarbeiterin. "Wir versuchen hier diese Lücke zu schließen. Aber ohne die Unterstützung der Kirche wären viele Dinge nicht zu leisten!"

Computer für das Tageszentrum in Urdinarrain


Logo des Zentrums
"Ein ehemaliges Kind aus unserem Zentrum ist sogar Pfarrer der IERP geworden. Ein anderes Kind wird demnächst Sozialarbeiter," erzählt Nicolás Rosenthal, als wir gemeinsam mit dem Vorstand um einen Tisch im Tageszentrum in Urdinarrain (Entre Rios) sitzen. Seit 2008 durch die Änderung eines Gesetzes war es nicht mehr möglich, Kinder und Jugendliche in den drei Häusern zu beherbergen. Das Zentrum musste neu ausgerichtet werden. Das hat man getan. Über 30 Kinder wurden in zwei Tageseinheiten versorgt, betreut und durch verschiedene Angebote gefördert. Auch psychologische Betreuung gibt es. Sie kommen aus prkären Verhältnissen, wo es an allem fehlt. Z. Zt. ist nicht ganz klar, ob man in der Form weiterarbeiten kann oder auf eine Tageseinheit das Angebot reduzieren muss. Schwierigkeiten mit den Behörden machen die Arbeit nicht immer einfach. "Hier denkt man immer noch, dass Probleme wie Gewalt jeglicher Art zu Hause, Drogenmißbrauch, Alkoholmissbrauch nicht vorkommt. Man denkt, dass das doch nur Buenos Aires angeht," sagt der stellvertretende Vorsitzende des Zentrums. Aber gerade auf diese Probleme will die Kirchengemeinde eingehen. "Wir dürfen die Augen nicht verschließen und müssen da sein, wenn der Staat nichts tut," sagte Bernardo Spetz," Pfarrer der Gemeinde und seit kurzem Vize-Kirchenpräsident der IERP. "Viele Kinder, die bei uns waren, haben später nach der Schule Arbeit gefunden und auch studiert."
Dem Tageszentrum will das GAW in diesem Jahr bei der Einrichtung eines Computerraumes helfen. Helfen auch Sie: http://www.gustav-adolf-werk.de/spenden.html

Eine Kirche aus Wurst gebaut


"Wir haben 6-7 Jahre gebraucht. Dann hatten wir soviel Geld zusammen, um unsere Kirche bauen zu können," erzählt ein Kirchenvorsteher aus Urdinarain. "Es hat der eine mal ein Schwein gestiftet, dann der andere usw. Dann haben wir immer wieder chorizzos gemacht und verkauft," fährt er fort. "Einer hat mal spaßeshalber zusammengerechnet, dass mit all den Würsten man eine Strecke von Buenos Aires und zurück legen könnte." Seit 26 Jahren steht die Kirche in Urdinarrain in der Provinz Entre Rios. Die Identifikation mit der Kirche ist groß. "Für unsere IERP sind die Gemeinden dieser Region unwahrscheinlich wichtig und so etwas wie das Rückgrat unserer Kirche," sagt Nicolás Rosenthal. Viele Menschen aus der Gegend sind ehemalige Wolgadeutsche. "Meine Familie kam ursprünglich aus Saratow," ergänzt eine Kirchenvorsteherin. Dort wird inzwischen wieder eine lutherische Kirche gebaut, nachdem die existierende in der kommunistischer Zeit gesprengt wurde. 
Würste für eine Kirche - eine tolle Idee, die davon zeugt, wieviel Kraft in diesen Gemeinden steckt, und dass es Gemeinden gibt, die gut und nachhaltig ihre Gemeinde bauen. Auch wenn sie selbst zugeben, dass sie es nicht leicht haben, die nachfolgende Generation an die Kirche zu binden.

Ein Altersheim der IERP in San Antonio

Vom GAW unterstützte Appartments
Gemeinsamer Speisesaal
"Am Anfang hat man uns in der Umgebung der Aldea San Antonio nicht besonders wohlwollend angesehen, als wir das Altersheim eröffneten. Viele dachten, wir wollten die alten Menschen aufnehmen, um sie hier zum Sterben abzustellen," sagte einer aus dem Vorstand des Altersheims der IERP (Iglesia Evangélica del Rio de la Plata) in Aldea San Antonio. "Bald merkten aber die Leute, dass hier mit alten Menschen anders umgegangen wird." Angetrieben von der Sorge um alte Menschen des Dorfes, die keine Verwandten mehr haben oder wo die Familie keine Zeit zur adäquaten Betreuung hat, wollten aus dem Kirchenvorstand der Gemeinde Verantwortliche dagegen etwas tun. "Hier herrschte aber noch die Vorstellung, dass alte Menschen in der Familie gepflegt werden," sagte Pastor Delcio Källsten, der jeden Montag zu seelsorgerlichen Gesprächen kommt. Am Mittwoch finden dann durch einen der drei Pfarrer Andachten statt. "Jedoch spüren wir auf dem Land auch, wie alte Familienstrukturen nicht mehr da sind." und stolz erzählt er: "Bis zur Provinzregierung der Region Entre Rios genießen wir hohes Ansehen. Unser Heim ist quasi ein Modell, wie es gehen kann. Nur - staatliche Hilfe ist nur sehr, sehr begrenzt da." Seit 1996 gibt es das Heim. Z.Zt. werden 42 alte Menschen betreut. Die Warteliste ist lang. Die Heimbewohner zahlen maximal ca. 600 Euro monatlich für die komplette Versorgung und Betreuung. Etliche zahlen weniger. Wenige sogar gar nichts. dafür kommt solidarisch die Kirchengemeinde auf. 
Der Vorstand in dem Neubau
2007 konnte Dank der Hilfe des GAW das Altersheim erweitert werden. Das war eine sehr wertvolle Hilfe. Dafür wurden kleine Appartements gebaut für Bewohner, die noch eigenständig leben können. Der Vorstand des Heims achtet sehr auf die ökonomische Situation und kommt einigermaßen zurecht. Dafür gibt es dann immer mal wieder besondere Aktivitäten, wie Basare etc. "Anders geht es nicht," sagte eine Frau aus dem Vorstand. Nur wenn es um bauliche Erweiterungen geht, dann ist man auf Hilfe angewiesen. Der Traum ist es, einen großen Saal fertigstellen zu können, um weitere Angebote machen zu können. Das wird Schritt für Schritt angegangen. Und wenn man in die entschlossenen Gesichter schaut, dann spürt man: Die schaffen das!

Sonntag, 17. Februar 2013

Die Gemeinde Martínez in Buenos Aires

Pastorin Krug 
"Mit Sicherheit hat das GAW uns beim Bau der Kirche in Martínez geholfen," sagt Karin Krug, Pfarrerin der deutschsprachigen Gemeinde in Buenos Aires. Die Gemeinde gehört sei eh und je zur IERP dazu, so wie die Zweisprachigkeit zu ihr gehört. Zwar ist die spanische Sprache in der Kirche insgesamt dominierend, aber es ist gut, die zu integrieren, die auf Zeit im Land sind und eine geistliche Heimat suchen - in diesem Fall in deutscher Sprache. Die Hilfe des GAW reicht beim Kirchbau bis 1853 zurück, als die Kirche in Esmeralda gebaut wurde. Am 11. Februar des selben Jahres wurde sie eingeweiht. Ohne die Hilfe des GAW wäre das nicht möglich gewesen.  
"Es gibt wohl kaum eine Kirchengemeinde, die nicht schon irgendwann einmal Hilfe vom GAW erhalten hat," sagt Nicolás Rosenthal.
An diesem Sonntag versammeln sich an die 40 Gottesdienstteilnehmer. Auch Neuzugezogene mit ihren Kindern sind dabei. Ein bunter Haufen, auch wenn die ältere Generation überwiegt. "Da arbeiten wir dran," sagt Karin. "Demnächst soll es wieder einen Kindergottesdienst geben."
In den 70er Jahren hat sich eine spanischsprachige Gemeinde an der Kirche gebildet. So gibt es jeden Sonntag Gottesdienste in beiden Sprachen.

Samstag, 16. Februar 2013

Der Park der Erinnerung in Buenos Aires




Bedrückend ist es an der Mauer des Parkes der Erinnerung am Flussufer des Rio de la Plata vorbeizugehen und all die Namen derer zu lesen, die durch den organisierten Staatsterrorismus der argentinischen Militärdiktatur ums Leben kamen. Während der Diktatur von 1976-83 sind nach offiziellen Angaben mehr als 11 000 Regierungsgegner getötet worden oder spurlos verschwunden. Menschenrechtler gehen von mindestens 30 000 Opfern aus. Eines der Opfer ist die Tochter des deutschen Theologen Ernst Käsemann, Elisabeth Käsemann. Sie arbeitete als Sozialarbeiterin und setzte sich für politisch Verfolgte ein. Im Jahre 1977 wurde sie entführt, gefoltert und wenige Wochen später getötet. Ihr Name steht ebenfalls in der langen Reihe der namentlich Bekannten. Ihr Vater warf der deutschen Bundesregierung später immer wieder vor, sich nicht ausreichend für seine Tochter eingesetzt zu haben. Aus der IERP haben sich etliche Pastoren in dieser brisanten Zeit für Verfolgte eingesetzt. "Die Erfahrung mit der Flüchtlingsarbeit sowie das Verschwinden von Freunden, Bekannten und Gemeindemitgliedern veranlassen einzelne Pfarrer, in der Menschenrechtsarbeit aktiv zu werden," schreibt Claudia Häfner in ihrer Promotionsarbeit zur "Heimischwerdung am La Plata" (2008). Die Kirchenleitung hatte schließlich 1978 beschlossen, sich der "Ökumenischen Bewegung für Menschenrechte" (MEDH) offiziell anzuschließen. "Allerdings ist ihre Beteiligung in den eigenen Reihen höchst umstritten," schreibt Häfner. Offen erhob Kirchenpräsident Lienenkämper seine Stimme, insbesondere während der Fußballweltmeisterschaft übte er offen Kritik. Die Kirche insgesamt war jedoch zurückhaltend mit Kritik am politischen System.

Einmal zu River Plate...

Marcelo Salas mit seiner Art des Torjubels
Einmal zu einem Fußballspiel von River Plate... - das muss doch gehen. Dachte ich mir. Zu River - denn hier spielte der "Matador" Marcelo Salas. Der chilenische Stürmer der "U" in Chile. In Chile war ich oft bei Spielen und sah seine Tore. Alle kennen seine Geste des Niederkniens und den rechten Arm in die Höhe haltend, nachdem er wieder ein Tor geschossen hatte. Hier bei River war er ein Star. Also: Da muss ich hin! 
Nur - die Hürden, an eine Karte zu kommen, sind immens hoch für einen Aussenstehenden. Touristen können sich bequem für 150 Euro ein Ticket mit Hin- und Rückfahrt zum Stadion erwerben. Das muss ich nicht haben. Also wie? Fabian aus dem Diakoniebüro der IERP weiss, wie es geht. Nur - das ist trotzdem nicht leicht, denn Eintrittskarten gehen nur an Socios, an Mitglieder. Das hat etwas zu tun mit dem Entschluss, die Gewalt in den Stadien einzuschränken. Gelungen ist das nicht. Die Folge: Socios kaufen mehrere Karten, um sie dann "privat" per Internet oder auf anderem Wege zu verkaufen - meistens natürlich mit einem Aufschlag. Alleine sich auf so ein Geschäft an irgendeiner Ecke des Stadions einzulassen, davon riet mir Fabian ab. "Das solltest du nur mit einem Einheimischen zusammen tun." Unvorstellbar für mich dieser Aufwand - nicht zum Stadion gehen zu können, und sich einfach eine Karte kaufen...
Dazu kommt, dass Fußball traditionell eher der Sport der unteren Klassen ist. "Wenn du was bist, dann spielst du Rugby oder Polo in Argentinien," erklärt mir Nicolás. 
Und so wird es leider nichts, den Club zu sehen, wo der Matador einst spielte... - Enno Haaks

"La Casona" braucht Räume!

Martín und Peter
Martín und Peter sind im Werkraum und erzählen mir von ihren Plänen: Das Haus für die AG´s für die Kinder und Jugendlichen muss erweitert werden. Das Haus muss aufgestockt werden. Peter, Pastor in La Casona im Stadtteil Florencio Varela, schaut nach oben, wo eine Zwischendecke eingezogen werden soll, und dann beginnt er, zu erzählen: "1989 begann die Arbeit hier im Stadtteil. Man hat verschiedene Dinge ausprobiert und es hat sich immer wieder die Arbeit auch den Anforderungen anpassen müssen. Es gab schon verschiedene Talleres, Arbeitsangebote, wie Brotbacken, Tischlern, Theater-AG usw.." Und Diakon Martín fährt fort: "Im Jahre 2005 hat der argentinische Staat die Sozialgesetzgebung verändert. Das brachte notwendige Veränderungen für uns. Denn nun wurden gerade Zentren wie wir gebraucht, um Kinder aus Familien in Notsituationen die entsprechend geforderten Angebote machen zu können. Z.B. straffällig gewordene Jugendliche müssen jetzt zu uns kommen, damit wir mit ihnen über ihre Taten arbeiten und ihnen Hilfestellungen geben. Daneben soll durch Talleres verschiedener Art am Vormittag und Nachmittag präventiv mit den Kindern und Jugendlichen gearbeitet werden." Das ist in Argentinien möglich, denn gerade öffentliche Schule bieten keine Ganztagsbetreuung an. Die Infrastruktur ist auf eine "jornada simple" ausgelegt, d.h. es kommt z.B. die 1.-4. Klasse vormittags zur Schule, während die 5.-8 Klasse am Nachmittag geht. Dadurch können sie die Angebote des Zentrums besuchen. 120 Kinder und Jugendliche werden betreut. Der Staat finanziert ein Großteil der Angebote.
Alle 14 Tage findet sonntags auch ein Gottesdienst statt, den Pastor Peter leitet. Seine andere halbe Pfarrstelle liegt in Temperley. Über eine Stunde ist er von der einen halben Pfarrstelle zur anderen unterwegs. "Für mich ist es wichtig, in den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen meiner Gemeinden das Evangelium zu teilen. Zum Gottesdienst kommen 20-30 Menschen," erzählt Peter. Ihn bewegt es, dass aus der diakonischen Arbeit der IERP eine kleine Gemeinde gewachsen ist.
Jetzt geht es darum, die notwendigen baulichen Erweiterungen an den Arbeitsräumen vorzunehmen, damit die verschiedenen Angebote durchgeführt werden können. Dafür wird das GAW im Jahr 2014 um Hilfe gebeten.

Freitag, 15. Februar 2013

Ein andere Ort ist möglich - Jugendorchester in einem Armenviertel!


Pastor Sabino vor einer Elendshütte
"Mit Kindern von Papeleros aus dem Armenviertel San Fernando habe ich 1998 begonnen," erzählt Pastor Sabino Ayala von der Iglesia Evangélica del Rio de la Plata (IERP). "Damals kamen die Kinder zu uns nach San Martinez," fährt er fort. Dort befindet sich die deutschsprachige Gemeinde der IERP in Buenos Aires. "Dann hat sich die Arbeit weiter entwickelt. Es war klar, dass wir zu den Kindern und Jugendlichen hin müssen," sagt Sabino. So hat die Kirche von einem in Europa spielenden argentinischen Fußballprofi ein Haus in dem Armenviertel gemietet. Seit 2009 kann er jetzt mit einem Team Ehrenamtlicher aus Martínez und zwei Freiwilligen aus Deutschland die ganze Woche über für die Kinder und Jugendlichen des Stadtteils da sein. Schnell war klar, dass diese missionarische Arbeit wesentlich diakonisch ausgerichtet ist. Ein "normales" Gemeindeleben gibt es nicht. Sabino ist eine Mischung aus Streetworker, Psychologe, Seelsorger, Freund und Pastor. Er kennt inzwischen die Menschen der Umgebung des kleinen Gemeindezentrums. Begleitet man ihn durch die Strassen, dann kommen die Kinder an und umarmen ihn. Dann werden ein paar Wörter gewechselt und Sabino erinnert sie, doch zu den nächsten Proben des Orchesters zu kommen. Ja wirklich - drei Musiklehrer unterrichten nach der Suzuki-Methode Geige, Chello und Guitarre. Inzwischen gehören 23 Kinder und Jugendliche dem Orchester an. Es war mehr ein Zufall, dass sich diese Idee entwickelte. Ein Freund hatte von so einem Projekt gehört. Das ließ Sabino nicht mehr los. Selbst spielt er kein Instrument. Aber er machte sich auf die Suche nach Unterstützern und Lehrern. Die Deutsche Botschaft schenkte dem Zentrum 10 Geigen und damit konnte das Projekt starten. Und es funktioniert! "Bei Tomás merkt man, wie gut es ihm tut, dass er hier einen Ort hat, denn zu Hause gibt es das nicht. Sein Vater ist vor Kurzem gestorben, die Mutter unfähig, ihn zu erziehen. Zudem ist sie tagsüber nie da. Tomás hat hier einen Ort!" sagt Sabino. "Jeder Mensch braucht einen Ort. Hier in San Fernando merkt man, was geschieht, wenn Menschen innerlich heimatlos und ohne Ort sind. Alles geht kaputt! Aber wir brauchen die Vision des Evangeliums: Ein andere Ort ist möglich!" Sabino erzählt dann zahlreiche Schicksalsgeschichten "seiner" Kinder, wie z.B. Oscár, der schon mit 11 Jahren auf Pasta Base ist, ein Kokainabfallprodukt. Oder von der 9-jährigen Emilia, deren Eltern mit ihr aus Paraguay gekommen sind und hier im Elendsviertel gelandet sind. 
Ein andere Ort ist möglich! Das GAW unterstützt in diesem Jahr das Jugendorchster des Tageszentrums ASE (Acción Sozial Ecumenica) von Sabino in San Fernando mit 6.000 Euro. Das lohnt es zu unterstützen!!! Helfen Sie mit: http://www.gustav-adolf-werk.de/spenden.html

Donnerstag, 14. Februar 2013

Das Evangelium mit den Armen teilen in Ezeiza

Adriana
Evelyn ist eine junge Freiwillige aus der kleinen Gemeinde El Sembrador in Ezeiza bei Buenos Aires, die jetzt über ein Austauschprogramm der Iglesia Evangélica del Rio de la Plata (IERP) in der Westfälischen Landeskirche ein soziales Jahr leistet. "Evelyn ist ein Beispiel, dass in der Sämangemeinde (El Sembrador) eine Saat aufgegangen ist," sagt der Diakoniechef der IERP, Nicolás Rosenthal. Schaut man sich das Gemeindezentrum an, die kleine dunkle Kapelle und vor allen Dingen die Umgebung, dann ist das nicht selbstverständlich. Das Zentrum El Sembrador liegt in einem Armenviertel. Die Situation der Familien ist dramatisch. "Hier gibt es kaum Ehepaare, die mit ihren Kindern zusammenleben. Oft erziehen die Mütter ihre Kinder alleine und müssen noch sehen, wie sie Geld verdienen," erzählt Adriana, die Leiterin der Zentrums. Sie ist Sozialarbeiterin und arbeitet seit November 2011 in El Sembrador. "Hier muss man beweglich mit den Leuten umgehen, sie mitnehmen, aber auch Grenzen ziehen, denn immer wieder kommen Sachen weg und werden Grenzen überschritten," sagt sie. Das Zentrum befindet sich in einer neuen Findungsphase. Ab März wird nach einer längeren Vakanzzeit wieder eine Pastorin das Team unterstützen, zu dem zwei Erzieherinnen für 30 Kinder gehören und zwei Mitarbeitende in einem Kleidermarkt. Eine deutsche Freiwillige ergänzt und bereichert das Team. Die Hoffnung ist, dass jetzt auch wieder geistliches Leben neu beginnen kann. "Das brauchen die Menschen hier so dringend, denn vom Wort Gottes soll auch Orientierung ausgehen und Werte vermittelt werden," sagte Adriana, die selbst einer Freikirche angehört. Um Werte und Halt geht es in El Sembrador besonders. Die Arbeitslosigkeit ist groß. Manche Haushalte müssen nur mit dem Kindergeld auskommen. Es bleibt zu hoffen, dass hier weiter gesät wird im Sinne des Gleichnisses vom Sämann. Die Menschen brauchen das. Und die IERP selbst hat den Anspruch, das Evangelium mit den Armen zu teilen. Und vielleicht schafft es ja mal wieder eine Jugendliche aus El Sembrador so wie Evelyn in ein Austauschprogramm zu kommen.

Besuch an der ISEDET in Buenos Aires


René Krüger und Enno Haaks
"Eine gute und profunde Theologieausbildung ist für unsere Trägerkirchen enorm wichtig," sagt Professor René Krüger von der ISEDET (Instituto Superior Evangélico de Estudios Teológicos) im Gespräch mit dem Generalsekretär des GAW. "Das muss gestärkt werden! Wir beobachten leider, wie in ganz Lateinamerika die Theologischen Institute in einer Krise sind. Das hat verschiedene Gründe." Einer der Gründe ist z.B. die immer noch starke ökonomische Abhängigkeit aus dem Ausland. Die ISEDET erhält über ihre verschiedenen protestantischen Trägerkirchen aus den USA, Kanada, Holland, der Schweiz und Deutschland Unterstützung. 50-60% des Gesamthaushaltes macht das aus. Die übrigen Einnahmen deckt das Institut durch Studiengebühren, Mieteinnahmen und Akademiearbeit. Besonders setzt der ISEDET derzeit die hohe Inflationsrate in Argentinien zu, die dazu führt, dass das Geld der Zuschussgeber jedes Jahr weniger wert ist. Theoretisch müssten die Zuschussgeber mindestens 10% mehr zahlen jährlich, um den Inflationsverlust auszugleichen. "Das geht natürlich nicht," sagt Krüger, "denn auch die ausländischen Zuschußgeber haben es nicht leicht." Und er fährt fort: "Eigentlich müssten die protestantischen Kirchen, die eine differenzierte, gute und fundierte Theologie anbieten, sich in ganz Lateinamerika auf 2-3 Orte konzentrieren. Wir haben die Kapazitäten. Die kleinen Institute können nicht überleben. Jedoch müsste man überlegen, wie z.B. ein kolumbianischer Student den Aufenthalt in Buenos Aires finanziert bekommen kann."
Ein weitere Herausforderung ist für die ISEDET, dass es immer weniger Kandidaten für die Theologie gibt. Auch das Niveau hat abgenommen. Und ein letzter entscheidender Punkt ist, dass der ISEDET noch eine offizielle Anerkennung durch den argentinischen Staat fehlt. "Wir haben zwar eine vorläufige Anerkennung, aber wir brauchen die endgültige Bestätigung. Das ist wichtig gerade für Studierende, die sich für uns interessieren." Und dann erklärt er: "Leider streiten sich zwei Ministerien über die entsprechenden Schritte und einer Klarheit, wann und wie wir den entscheidenden Bestätigungsschein erhalten. Uund nüchtern stellt er fest: "Das ist Argentinien..."
Das GAW unterstützt die hervorragende Bibliothek der ISEDET jährlich mit 4.000 Euro. Zudem werden Stipendien der IERP-Studierenden mit finanziert.
Im kommenden Stipendienjahr 2013/14 wird eine Kandidatin der IERP in Leipzig für ein Jahr studieren.