Freitag, 30. November 2012

Kolumbiens Regierung und die FARC-Guerilla haben nach Ende ihrer ersten Verhandlungsrunde um die Unterstützung der Bevölkerung gebeten

evangelisch.de meldet über die Friedensgespräche zwischen der Regierung von Präsident Santos und der FARC-Guerilla in Kolumbien:
"desplazados" in Giron/Kolumbien (Bucaramanga)
"In einer gemeinsamen Stellungnahme nach zehn Tagen Gesprächen erklärten sie am späten Donnerstagabend (Ortszeit), es brauche den Rückhalt der Kolumbianer, wie die Tageszeitung "El Tiempo" in ihrer Onlineausgabe berichtete. Dafür werde am 7. Dezember eine Internetseite freigeschaltet, auf der die Bevölkerung Vorschläge zum Friedensprozess machen könne. Beide Seiten zeigten sich zufrieden mit der ersten Verhandlungsrunde in Kubas Hauptstadt Havanna."
Mehr unter: http://aktuell.evangelisch.de/artikel/74227/kolumbien-regierung-und-farc-zufrieden-nach-ersten-gespraechen?destination=node/74227
Die lutherische Partnerkirche des GAW begleitet diesen Friedensprozess sehr aufmerksam. In zahlreichen Gemeinden bietet die Kirche gerade den "desplazados" (Bürgerkriegsflüchtlinge) einen Raum. Die Gemeinde in Bucaramanga ist eine dieser Gemeinden. Im Projektkatalog wird dafür geworben.

Donnerstag, 29. November 2012

Lutherisch in einem muslimischen Land

"Wer als Kirgise sich taufen läßt, um zur lutherischen Kirche zu gehören, dem kostet das was!", berichtet ein Teilnehmer einer kirchlichen Einrichtung von der Arbeit seines Werkes. "Die Gefahr besteht, dass er aus seinen Familienbezügen herausfällt, wenn die Familie muslimisch bliebt. Die Gemeinden werden dann Ersatzfamilien." 
Mit der lutherischen Kirche in Kirgisien sind das GAW in Kurhessen-Waldeck und die Landeskirche dort partnerschaftlich verbunden. Seit der Wende leidet die Kirche in Kirgisien unter der Abwanderung der deutsch-russischen Gemeindeglieder.  "Die Arbeit der Kirche hat nur Zukunft, wenn sie sich für die kirgisische Bevölkerung öffnet", betont immer wieder Alfred Eichholz. Er ist der Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Republik Kirgisistan, selbst mit deutsch-russischen Wurzeln, und wurde über das Missionswerk in Hermannsburg nach Kirgisien entsandt.
Die Mehrheitsbevölkerung ist muslimisch. Die Sprache ist nicht leicht zu erlernen. Es gibt inzwischen einige Mitarbeitende der Kirche, die die Sprache beherrschen und langsam eine Arbeit mit den Kirgisen aufbauen. Sehr wichtig für den Gemeindeaufbau sind die großen Kinder- und Jugendfreizeiten. Jedoch muss die Kirche aufpassen, dass sie in dem muslimischen Kontext nicht zwischen die Räder kommt. Zudem ist es gerade für ausländische Mitarbeitende schwierig, eine Arbeitserlaubnis zu bekommen. Für den kirchlichen Bereich ist das eigentlich nicht möglich. Es gilt aus den verschiedenen Gründen aufmerksam zu sein und die Entwicklungen in dem Land zu beobachten und die Kirche auf ihre Weg zu begleiten.

Mittwoch, 28. November 2012

Bischof Tamás Fabiny spricht über gesellschaftliche und politische Verantwortung der Kirchen

"Ungarische LutheranerInnen bieten Bildung gegen Diskriminierung von Minderheiten," so heißt es auf der Seite des Luthersichen Weltbundes. Und der Text fährt fort: "Junge Menschen arbeiten Seite an Seite mit Bischöfen, um Kleidung für Obdachlose zu sortieren, Suppe an Hungrige zu verteilen und Schutzdeiche gegen mögliche Überflutungen zu bauen.  Andere Jugendliche tragen schwere Wasserkanister, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie die Lebenssituation in vielen Teilen der Welt ist, wo Menschen lange Wege zurücklegen müssen, um Wasser zu holen. Willkommen auf dem lutherischen Jugendfestival Szélrozsa in Ungarn, von dem man allgemein sagt, dass es die Olympischen Spiele für Freiwillige sind. Szélrozsa bedeutet Windrose. Das Festival wird alle zwei Jahre im Sommer organisiert und bringt zwischen 2.000 und 3.000 junge LutheranerInnen aus Ungarn und Gäste aus Deutschland, Finnland, Rumänien und der Slowakischen Republik zusammen." Mehr unter: http://www.lutheranworld.org/lwf/index.php/hungary-counter-discrimination.html?lang=de

Im Projektkatalog 2003 wurde über die Konfirmandengabe das Jugendprojekt der luthersichen Kirche in Ungarn gefördert!!!

Zwölf wissenswerte Dinge über den Talar in der evangelischen Tradition in Deutschland: Es war nicht immer so, dass Männer UND Frauen Talar tragen durften

Auf evangelisch.de findet sich ein interessanter Fragekatalog um den Talar in evenaglischen Gottesdiensten:
"1. Hätten Sie gewusst, dass …
der schwarze Talar mit weißem Beffchen der evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrer, wie er heute in den meisten Landeskirchen Tradition ist, NICHT auf Luther zurück geht?
Luther selbst nämlich trug im sonntäglichen Gottesdienst die Gewandung, die die Geistlichen seiner Zeit auszeichnete: Chorhemd und Kasel. Nur zur Predigt legte er, sichtbar für die gesamte Gemeinde, das Messgewand ab und sprach in der Alltags-Standeskleidung weiter zum versammelten Volk. In seinem Fall war das zunächst die Ordenskleidung der Augustiner, und nach seinem Ausscheiden aus dem Kloster das vornehme Professorengewand seiner Zeit, die schwarze sogenannte Schaube. Luther selbst fand es auch – im Gegensatz zu anderen Reformatoren wie Calvin und Zwingli – unwichtig für die Erlangung des Heils durch Jesus Christus, ob ein liturgisches Gewand getragen wurde oder nicht. Das gehörte für ihn zu den sogenannten 'Adiaphora', also nur mittelbaren Dingen, die laut Bibel weder geboten, noch verboten waren ..."

Dienstag, 27. November 2012

Aus der Geschichte der Kirchen in Russland

Aus der Geschichte der Kirchen in Russland im Jahr 1940/41 findet sich in der "Jahresrundschau über die Diapsora" Folgendes:
"Das frühere Rußland zählte über 100 Millionen Gläubige, 46.437 Kirchen und 50.960 Priesterder orthodoxen Kirche. Außerdem gab es zwei Millionen deutsche Lutheraner. Über diese Kirche ist nun eine Verfolgung in Gang gesetzt worden, die frühere Christenverfolgungen etwa die im römischen Reich gänzlich in den Schatten stellt. Denn hier hat systematisches einheitliches Staatsvorgehen über das ganze Gebiet der Sowjetunion stattgefunden, das alle Ausübung des Glaubens zu verhindern im Zuge war. Es sind nur etwas 15.000 Kirchenstehengebleiben, die als Speicher, Werkstuben, Teehäuser, Museen verwandt werden, in wenigen kleineren Kirchen darf noch Gottesdienst verrichtet werden. Von den 3.000 Moskauer Kirchen sind noch 25 kleinere in gottesdienstlichem Gebrauch. Schon 1937 wurde die Zahl der emordeten Bischöfe auf 50, der Priester auf 4.860 angegeben. Von 800 evangelischen Kirchen, lutherischen und reformierten, dient keine mehr ihrer Bestimmung, die deutschen Pfarrer sind ihrer Ämter enthoben, verschickt oder tot. Trotzdem hören in den Gottlosenblättern die Klagen darüber nicht auf, dass Kinder und Jugendliche immer noch beten und in die Kirche gehen, und man hat eine besondere religionsfeindliche Schulung der jungen Soldaten in den Kasernen für nötig erachtet."

Montag, 26. November 2012

Propst Vieweg aus Kaliningrad besucht das GAW

Propst Vieweg (Mitte)
Seit gut einem Vierteljahr leitet Propst Vieweg als "letzte Aufbauhelfer der EKD" , so eine Zeitungsnotiz, die Porpstei Kaliningrad, die zur Evangelisch-Lutherischen Kirche im Europäischen Russland gehört (ELKER).
Seit 1991 leistet die EKD den Protestanten in der Region Kaliningrad, die fast so groß wie Schleswig-Holstein ist, Aufbauhilfe. Diese gründeten nach dem Mauerfall mit Hilfe aus Deutschland die lutherische Propstei, die heute rund 40 Gemeinden mit sieben Pfarrern umfasst. Es gibt keine verlässlichen Zahlen darüber, wie viele der vorwiegend russischen Einwohner in der Region den christlichen Kirchen angehören. Dort leben rund eine Million Menschen. Von den einstigen Sowjetherren wurden die Religionen unterdrückt. Deshalb ist auch die Anzahl der Lutheraner überschaubar. 
"Das heutige Kaliningrad ist nicht das alte Königsberg," erzählt Vieweg nüchtern. "Vieles wurde zerstört. Meine Aufgabe dort ist eine große Herausforderung für mich“, sagt er. "Ziel ist es, die Leitung der Propstei in den kommenden 2-3 Jahren in die Hände einer oder eines Einheimischen zu übergeben. Bis dahin ist viel zu tun."
Propst Vieweg machte Station in der Zentrale des GAW und berichtete dem Präsidenten und Generalsekretär von seinen Eindrücken und von den Plänen für die kommende Zeit.

Donnerstag, 22. November 2012

Einführung des Vorstandes des GAW der EKM

Mitglieder des Vorstandes des GAW der EKM
Am Buß- und Bettag wurde der Vorstand des GAW der EKM im Rahmen des Eröffnungsgottesdienstes der Synode der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland in sein Amt durch Landesbischöfin Junkermann eingeführt. Für die zusammenwachsende Landeskirche aus der ehemaligen thüringische Kirche und der Kirchenprovinz in Sachsen (KPiS) ist das ein wichtiges Signal. Hatte sich das GAW der KPiS inzwischen aufgelöst und in die neue Struktur unter Leitung des thüringischen Propsten Werneburg eingebunden, müssen die thüringer Schwestern und Brüder noch gewonnen werden. Zahlreiche Kirchenkreise sind aber inzwischen Mitglieder geworden. Und in zahlreichen Kirchenkreisen gibt es für diese sich neu strukturierende GAW-Arbeit Ansprechpartner, die einen Neuanfang begrüßen.

Dienstag, 20. November 2012

Situation der Theologischen Fakultät

Alzbeta vor der Theolog. Fakultät
Die Theologische Fakultät an der Karlsuniversität in Prag hat eine lange und gute Tradition. Die Qualität der akademischen Ausbildung wird geschätzt. "Studierende u.a. aus der Slowakei kommen, weil sie es hier besser finden als bei sich," sagt Alzbeta.
Im Wintersemester 2011/12 waren 188 Studenten und 67 Doktoranden Theologie eingeschrieben. 2/3 der Studierenden bereiten sich auf das Pfarramt vor. Im Jahr werden im Durchschnitt 8 Absolventen in den kirchlichen Vorbereitungsdienst übernommen. "Wir beobachten wie in vielen Nachbarländern einen Rückgang an Studierenden," sagt Synodalsenior Joel Ruml. "Wir könnten noch mehr übernehmen, denn es gibt etliche vakante Pfarrstellen." Allerdings gibt es inzwischen eine Diskussion darüber, wieviele Gemeindeglieder nötig sind, um eine Pfarrstelle finanzieren zu können. Das wurde gerade auf der letzten Synode diskutiert bei der Thematik des Umgangs mit kleinen Gemeinden. Hier setzt z.Zt ein Umdenkungsprozess ein. Das hängt auch mit dem Restitutionsgesetz zusammen. In Kürze wird die Kirche über etliche Geldmittel verfügen. Hier gilt es klug zu entscheiden, welche Aufgaben wie in Zukunft finanziert werden sollen, wenn der Staat sich sukzessive aus der Finanzierung zurückziehen wird.
In diesem Kontext steht auch die Frage, ob das Gebäude der Fakultät an die Universität verkauft werden soll. Die Mieteinnahmen der Uni an die Kirche sind im Verzug. Das Gebäude ist auch eine Belastung geworden. Umstritten ist diese Frage.

Montag, 19. November 2012

Mitgliederentwicklung der EKBB in Tschechien

Joel Ruml (r.)
"Die Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder (EKBB) ist nach wie vor die zweitgrößte Kirche in Tschechien," berichtet Synodalsenior Joel Ruml beim Runden Tisch der Partner der EKBB in Prag. "Im Jahr 2011 wurden die Zahlen der jüngsten Volkszählung veröffentlicht. Sie sagt, dass unsere Kirche noch 50.000 Mitglieder hat. Wobei unsere eigene Statistik nach wie vor von 90.000 Mitgliedern ausgeht," berichtet er. Das hängt u.a. damit zusammen, dass 47% der Bevölkerung keine Angaben zur Religionszugehörigkeit gemacht hat. Dazu haben 700.000 Menschen gesagt, dass sie gläubig seinen ohne einer Kirche anzugehören. "Insgesamt bestätigt die Volkszählung eine Krise der Institutionen," deutet Ruml die Ergebnisse. "Die tschechische Gesellschaft ist schwierig. Besonders betrifft das ihr Verhältnis zur Religion, zu Kirchen." Und Ruml fährt fort: "Das soll nicht dazu führen, zu verzweifeln, sondern Menschen fort- und auszubilden, in diesem Kontext das Evangelium von Jesus Christus einladend zu verkündigen."

Sonntag, 18. November 2012

Entschädigung für die tschechischen Kirchen

In der Mitte Pavel Stolař
"In der tschechischen Gesellschaft gibt es eine schwierige Entwicklung," berichtet Pavel Stolař, 1. Stellvertreter der Synodalkuratorin der Ev. Kirche der Böhmischen Brüder (EKBB). "Auf Grund der harten Sparpolitik der Regierung gibt es viel Widerstand in der Bevölkerung. Das treibt den Kommunisten und Sozialisten Protestwähler in die Arme," fährt er fort. "In diesem Zusammenhang befindet sich das Restitutionsgesetz für die Kirchen. Die linken Gegner nutzen die Proteststimmung, um auch Stimmung gegen die Kirchen zu machen. Das ist nicht gut!" In den vergangenen 20 Jahren gab es mehrfach Versuche, die Frage der Entschädigung für die enteigneten Liegenschaften und Güter der Kirchen aus der Zeit des Kommunismus zu klären. Die sind gescheitert. Jetzt gab es einen neuen Anlauf, der u.a. auch motiviert war durch den Beitritt Tschechiens zur EU. Die EU forderte einen Ausgleich für die Kirchen für das erlittene Unrecht. Die Mitte-Rechts-Regierung hat jetzt eine Klärung der Frage weit vorangetrieben. Nachdem das Parlament, das von der Regierungskoalition mehrheitlich gestellt wird zugestimmt hatte, hatte der linksgerichtete Senat dagegen votiert und damit erzwungen, dass das Parlament erneut entscheiden musste. Das ist jetzt mit einer Mehrheit gelungen. Jetzt liegt es am Staatspräsidenten, das Gesetz zu unterschrieben. Er wird es wohl tun. So heißt es aus vertrauten Kreisen. Nur könnten jetzt die linken Parteien noch das Verfassungsgericht anrufen. "Wahrscheinlich werden sie es tun," sagt Pavel Stolař pessimistisch. Denn eigentlich soll das Restitutionsgesetz ab 1.1.2013 gültig sein. Das hieße, dass im Laufe von 30 Jahren die staatlichen Gelder zur Unterstützung der Kirchen auf Null gehen. Dafür gibt es für einen Teil der enteigneten Liegenschaften eine erst einmal hohe Ersatzzahlung. "Für den Staat ist das gut. Eigentlich diktiert er uns die Vorgaben. Real müsste der Staat mehr geben," sagt Stolař. Nichtsestotrotz will die Kirche eine Eigenständigkeit vom Staat und plant schon dafür. Beratend sind deutsche Landeskirche hilfreich tätig, damit gut und nachhaltig mit dem Geld umgegangen wird.

Wiedersehen mit einer tschechischen Stipendiatin

Alžběta, ehemalige GAW-Stipendiatin (r.)
"Am Liebsten würde ich nach Leipzig zurückkommen," erzählt bei einem Kaffee Alžběta Matějovská, Theologiestudentin an der Theologischen Fakultät in Prag. In einem Jahr wird sie ihr Examen ablegen und dann wahrscheinlich ein einjähriges Vikariat in ihrer Kirche, der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder (EKBB) absolvieren. "Mir hat insbesondere die Praktische Theologie in Leipzig gefallen. Das ist bei uns nicht zu gut. Die Orientierung an der Praxis gefällt mir!" sagt sie. Alžběta holte mich vom Prager Hauptbahnhof ab. In diesen Tagen hat die Kirchenleitung der EKBB die verschiedenen Partnerkirchen und Hilfsorgansationen zu einem Runden Tisch eingeladen, um über die derzeitige Entwicklung in der Kirche und Gesellschaft zu informieren und Hilfen zu koordinieren. Das ist eine willkommene Gelegenheiten, um die Partnerschaft zu vertiefen und eine ehemalige Stipendiatin aus dem Jahr 2011/2012 wieder zu treffen. "Leipzig war so wunderbar!" schwärmt Alžběta. "Ich bin dem GAW dankbar. Und vor allen Dingen habe ich Freunde in Brasilien, Italien, Slowenien, der Slowakei und Rumänien kennenlernen dürfen. Ich hoffe, dass sowohl die Kontakte zu meinen Mitstipendiaten als auch zum GAW erhalten bleiben!" - Pfarrer Enno Haaks

Freitag, 16. November 2012

30 Jahre Frauenordination in Brasilien


Pastorinnen der IECLB
Am 13. November 1982 wurde die erste Ordination einer Frau ins Pfarramt in der lutherischen Kirche Brasiliens (IECLB) gefeiert. Es war ein langer Weg bis zu diesem Zeitpunkt. 1952 begannen die ersten Frauen mit einem Theologiestudium in Sao Leopoldo. Die Entschlossenheit und Beharrlichkeit führte 30 Jahre später dazu, dass Frauen zum Pfarramt zugelassen wurde. Jetzt 30 Jahre später trafen sich 106 ordinierte brasilianische Pfarrerinnen, daran zu erinnern und gleichzeitig über ihre Rolle in der Kirche zu reflektieren. Neben den Pfarrerinnen gibt es über 240 weitere eingesegnete Amtsträgerinnen, die im katechetischen, diakonalen oder missionarischen Bereich der Kirche Verantwortung tragen. Das Treffen im November 2012 war von großer Dankbarkeit geprägt über die zurückliegenden Jahre und gleichzeitig diente das Treffen der kritischen Evaluierung der derzeitigen Situation der Frauen in der Kirche. Dabei wurde betont, dass die Theologie der christlichen Kirchen durch ihre tief patriarchalischen Tradition geprägt sei, die zu überwinden ist, um zur Transformation der Gewalt beizutragen. Es sei nicht immer leicht, die sozialen Mechanismen, die zur Aufrechterhaltung der Gewalt gegen Frauen beitragen zu identifizieren. Die Hoffnung sei, dass die Präsenz von Frauen in allen Bereichen der Gesellschaft Vorurteile abbaut und Gewalt überwinden hilft.

Donnerstag, 15. November 2012

Lutheraner in Moldawien

"Bessarabien" - heute Moldawien liegt am Schwarzen Meer und gehörte im Lauf der Geschichte zu Rußland, Rumänien, der Sowjetunion und jetzt zur Ukraine und Moldawien. Über 125 Jahre lebten die sog. "Bessarabien"-Deutschen in dieser Region. Ende des 18. Jahrhundert lud Zar Alexander I. deutsche Siedler ein, sich in den brachliegenden Ländereien von Bessarabien anzusiedeln. Er gewährte Religionsfreiheit, Selbstverwaltung und Befreiung vom Militärdienst. In ihrer Geschichte waren die Bessarabiendeutschen eine nahezu rein bäuerlichen Bevölkerung. Sie stellten mit drei Prozent Bevölkerungsanteil eine Minderheit dar.1940 wurde der Hitler-Stalin-Pakt geschlossen. Bessarabien kam zur Sowjetunion. Die Deutschen mussten gehen, da sonst die Verschleppung nach Sibirien drohte. Nahezu alle 93.000 Menschen deutscher Abstammung gingen. Ganz wenige blieben übrig. Deshalb kam auch das Leben der ehemals lutherischen Kirche zum Erliegen.
"In den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts zogen russlanddeutsche evangelisch-lutherische Familien aus anderen Sowjetrepubliken in die Moldauische Republik. Zu einer offiziellen Gemeindegründung kam es aber nicht. Man versammelte sich in Privathäusern zu Gottesdiensten, die von Laien gehalten wurden. Die meisten dieser Russlanddeutschen und auch die wenigen noch im Land verbliebenen Bessarabiendeutschen siedelten in den 80er Jahren nach Deutschland um. Eine letzte große Auswanderungswelle kam nach dem Ende der Sowjetunion Anfang der 90er Jahre. Eine kleine Gruppe von Deutschen und Deutschstämmigen blieb im Land. Manche besannen sich ihrer evangelischen Wurzeln. So kam es im Februar 2000 zur Gründung der evangelisch-lutherischen Gemeinde Hl. Nikolae (Nikolaus) in Chişinău, die im April 2003 amtlich anerkannt wurde." (Schlessmann) 
Der Martin Luther Bund berichtet auf seiner Homepage über die gegenwärtige Lage:
"Pfarrer Valentin Drâgan betreut die Gemeinden in Chisinâu/Kischinau und Bâlti/Belz sowie in Bendery/Bender ehrenamtlich, da die kleinen Gemeinden die Anstellung eines Pfarrers finanziell nicht tragen können. An jedem Wochenende besucht er die Gemeinden, hält Gottesdienste und Bibelstunden. Etwa 500 km fährt er auf schlechten Straßen. Geistliche, geistige und soziale Not ist in diesem Vielvölkerstaat überall zu spüren und zu sehen..."  
Mit Hilfe des GAW wurde schon einmal eine Kinderfreizeit durchgeführt. Die Arbeit der luthersichen Gemeinden unter Leitung von Pfarrer Dragan ist wenig bekannt. Formell ist man weder mit dem Lutherischen Weltbund noch mit anderen Organisationen verbunden. Ziel ist es, dass man als Kirche anerkannt und nicht in Gefahr gerät, als Sekte angesehen zu werden. Dafür wäre ein nach aussen hin sichtbarer Kirchbau wünschenswert.

Dienstag, 13. November 2012

Workshop Markenname GAW


Das GAW befindet sich z.Zt. in einem Prozess, um darüber nachzudenken, wie die wichtige Arbeit für unsere Schwestern und Brüder in der weltweiten Diaspora innerkirchlich in Deutschland besser vermittelt werden kann. Warum ist diese Arbeit wichtig? Warum tun wir es? Wo soll es hingehen? Der Name unseres Diasporawerkes läßt nicht sofort erschließen, was unser Werk tut. Das ist allein schon im innerkirchlichen Kontext nicht einfach. Im Jahr 2011 hat ein Gutachten der EKD angeregt, sich mit dem Markennamen unseres Werkes auseinander zu setzen. Hingewiesen wurde insbesondere darauf, dass der Name GAW keine Assoziation auslöst, was den Inhalt der Arbeit betrifft. 
Dieser Schritt ist ein wichtiger Baustein, sich mit dem Leitbild auseinanderzusetzen.
Im November 2012 fand ein Workshop zu dieser wichtigen Frage statt an dem Repräsentanten der verschiedenen Hauptgruppen des GAW teilgenommen haben. Dabei ging es um eine vertiefende Reflexion über das Erscheinungsbild des GAW, über die Assoziationen, die man mit dem Namen verbindet, um die Frage, wie man mit wenigen Worten erklären kann, was das GAW leistet und welche Ziele es verfolgt.
Dieser Workshop bildet eine Zwischenstation hin zu Vorschlägen, in welcher Weise sich der Markenname verwandeln kann.
Begleitet wird der Prozess von Experten, die in verschiedenen Bereichen in dieser Hinsicht gearbeitet haben.
Im kommenden Jahr wird es weitere Termine geben, die hoffentlich eine Entscheidung herbeiführen können.

Freitag, 9. November 2012

Bischof in der ILCH

Bischof Sander (rechts) von der ILCH
Über 30 Jahren lebt Siegfried Sander in Chile. Als gerade frisch ausgebildeter Theologe wurde ihm angeboten, in der Iglesia Luterana de Chile (ILCH) als Pfarrer zu arbeiten. Mit einem missionarischen Sendungsbewußtsein, der Verlockung eines Abenteuers und dem Wunsch, als Pfarrer zu arbeiten, zog er los. Damals hatte es die ILCH schwer, Pfarrer für die Kirche zu gewinnen. Der Militärputsch lag nicht lange zurück. Die neu entstandene lutherische Kirche hatte nach der Kirchenspaltung viele Pfarrer verloren. Die EKD war zu diesem Zeitpunkt nicht bereit, in diese Kirche Pfarrer zu entsenden. So suchten engagierte Laien für ihre Kirche Theologennachwuchs. Bei der Feta in Basel, einer eher evangelikal ausgerichteten theologischen Ausbildungsstätte, wurden sie u.a. fündig. So kam Siegfried Sander nach Chile.
Inzwischen ist er seit über einem Jahr Bischof der Kirche. Durch die Geschichte ist der Theologennachwuchs inhomogen. Desto dankbarer ist er für die Vermittlung einer jungen Vikarin in seine Kirche, die in Deutschland ausgebildet wurde. Hanna Schramm arbeitet unter seiner Anleitung seit März 2012 in der ILCH und hilft allein durch ihre Präsenz, dass die Kirche sich öffnen kann. Das ist ein langsamer Prozess, denn nach der Spaltung gab es kaum internationale Kontakte. Und die Kirche ist auf der Suche nach ihrer Identität.
In der ILCH arbeitete bisher keine Frau als Pfarrerin. Das soll sich ändern. Im März 2014 soll feierlich die Ordination von Hanna gefeiert werden. 

Mittwoch, 7. November 2012

Klausurtagung des Diasporaauschusses der Nordkirche

Der Diasporaausschuss der Nordkirche, dem u.a. die beiden Diasporawerke - GAW und MLB - angehören, trafen sich zu einer intensiven Klausurtagung in Greifswald. Gerade für unsere drei norddeutschen Hauptgruppen war das ein wichtiger Impuls, um zu diskutieren, wie die Erfahrungen aus der Diaspora und die Diaspoarverantwortung der Nordkirche, die in der Verfassung festgeschrieben ist, mit Leben gefüllt werden kann. "Wie können wir den Schatz der Diasporaarbeit sichtbar machen und zum Glänzen bringen?" unter dieser Leitfrage stand der Austausch. Dabei ging es zunächst um eine Vergewisserung, warum diese Arbeit zum Wesensmerkmal und zur kirchlichen Lebensäußerung immer dazu gehört und in einem zweiten Schritt um Konkretion und der Frage, wie neu Menschen gewonnen werden können, sich für unsere Schwestern und Brüder in der weltweiten Diaspora einzusetzen.

Dienstag, 6. November 2012

Frieden in Kolumbien?


Lizbeth Zulanlly Chaparro, GAW-Stipendiatin
Einen erneuten Versuch, Frieden zu erlangen, gibt es in Kolumbien. Die Regierung und die linksgerichtete Farc-Guerilla versuchen erneut, sich am Verhandlungstisch einig zu werden über Schritte zu einem stabilen Frieden.  Nach der offiziellen Eröffnung der Gespräche in Norwegen soll der Dialog am 15. November in Havanna begonnen werden. 
Grund genug für uns als GAW, mit unseren Gebeten an die Seite unserer lutherischen Schwestern und Brüder zu stellen, die diesen Prozess in ökumenischen Kreisen aktiv begleiten und unterstützen. In der diakonische Arbeit kümmern sich die Gemeinde der Kirche um Flüchtlinge des Bürgerkrieges. Dabei sagt der lutherische Bischof Eduardo Martinez deutlich: "Ein dauerhafter Frieden ist mehr als nur eine Beendigung der Gewalt. es geht um Gerechtigkeit. Insbesondere die Frage der Rückübertragung enteigneten Landes an die sog. "desplazados"ist ein komplexes Thema. Da kommen dann Interessen auch internationaler Konzerne dazu, wie z.B. der Palmölindustrie." Trotzdem ist er fest überzeugt, dass Kolumbien einen Wandel braucht. "Die Bevölkerung ist es leid, dass immer noch Menschen sterben, Menschen verschleppt oder vertrieben werden und der Drogenhandel floriert," sagt er.
Im Friedensgebet der Nikolaigemeinde in Leipzig am Montag, d. 5. November haben wir für diesen Friedensprozess gebetet. Lizbeth Chaparro, kolumbianische Stipendiatin des GAW berichtete eindrücklich von der Situation in ihrem Land und der Hoffnung besonders der jüngeren Generation. Sie sagte: "Vielleicht ergibt sich aus diesem Prozess eine Chance zu einer endgültigen Waffenruhe zu kommen. Allerdings, auch wenn in Kolumbien keine Waffe mehr abgefeuert werden sollte, müssen wir weiter an anderen sozialen Problemen arbeiten, wie Armut, Korruption und so weiter, die auch gelöst werden müssen. Als Christin und Kolumbianerin, bitte ich Sie um Ihre Gebete für unser Land, besonders für diejenigen, die an einer sichereren Zukunft für die Bewohner des Landes arbeiten. Unterstützen Sie uns gegen den Drogenhandel und helfen Sie uns bei der Überwachung der Einhaltung des Friedensvertrages in Kolumbien."
Für ein Projekt der luthreischen Kirche in Kolumbiens wurde am Ende des Friedensgebetes die Kollekte gesammelt.

Samstag, 3. November 2012

Vereleihung des Lutherpreises der Stadt Wittenberg 2012

In der neuen Ausgabe von Publik-Forum wird über die Vergabe des Lutherpreises der Stadt Wittenberg für die russische Frauenpunk-Band Pussy-Riot diskutiert. Pfarrer em. Schorlemmer hält die Verleihung des Preises für völlig unangebracht. Ähnlich äußert sich unsere lutherische Partnerkriche in Rußland.  Die Frauenbeauftragte Pfarrerin Lena Bondarenko schreibt: "Ich denke, es war keine gute Idee war, den Lutherpreis dieser Band zu überreichen. nach unserer Meinung war es ein komerzieller Auftritt dieser Punkgruppe, die sie schnell aus dem Schatten in die weltliche Berümtheit geholt hat. Wir als lutherische Kirche haben unsere Meinung auch geäussert, dass die Strafe für sie zu strickt war. Man sollte barmherziger sein, aber wir unterstützen diesen Auftritt nicht, weil er theologisch und politisch ganz sinnlos war. Mit der Reformierung der Kirche und einer vernünftigen Opposition in der Politik hat das nichts zu tun."

Donnerstag, 1. November 2012

Reformation und Toleranz

Auf evangelisch.de wird berichtet über den Start des neuen Themenjahres der Reformationsdekade: "Auf dem Weg zum Reformationsjubiläum 2017 hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) am Mittwochabend in Worms ihr Themenjahr "Reformation und Toleranz" eröffnet. Der Schwerpunkt verspricht lebhafte Diskussionen – weit über die Kirche hinaus...." Mehr unter:
Das GAW beteiligt sich daran intensiv. So hat das GAW Sachsen ein Projekt erarbeitet "Grenzen der Toleranz". Im sächsisch-böhmischen Grenzgebiet soll an verschiedenen Orten an Orte der Toerlanz und Intoleranz erinnert werden. Dabei werden auch aktuelle Themen aufgenommen, wie der Umgang mit Roma, die im Grenzgebiet leben. Mit der Theologischen Fakultät wird es einen Workshop geben und auf der Veretreterversammlung im September 2013 werden unter der Frage der Diasporaverantwortung die Frage nach Toleranz und Intoleranz gestellt.