Dienstag, 30. Oktober 2012

Predigt zum Reformationstag 2012

"‚Aufruf zur rechten Freiheit‘ – so ist unser Textabschnitt in der Lutherübersetzung überschrieben. Tatsächlich ist der Umgang mit der ‚rechten Freiheit‘ eine der wichtigsten Herausforderungen unseres christlichen Lebens. Aber was ist mit dem Begriff Freiheit gemeint? Warum wird darauf bestanden, dass es um die ‚rechte‘ Freiheit geht? Gibt es etwa auch eine ‚unrechte‘ Freiheit? Viele Glaubenskritiker werfen uns Christen vor, wir würden es uns zu einfach machen mit der Freiheit. Wenn das Gesetz nicht mehr verbindlich gilt, dann sei das Chaos vorprogrammiert. Dann kann eine Gesellschaft nicht wirklich funktionieren. Dann macht jeder, was er will. Dann kann man sich auf nichts und niemanden mehr verlassen. Ich lade Sie ein, mit mir in die Lebenswelt des Galaterbriefes einzutauchen, seinen Hintergrund und seine theologische Hauptaussage zu verstehen, um dann miteinander die ‚rechte‘ Freiheit zu entdecken – jene Freiheit, zu der uns Christus befreit hat..." - so beginnt die Predigtmeditation von Pfarrerin Annedore Venhaus von der Evangelischen Kirche am La Plata (IERP) für den diesjährigen Reformationstag.
Das GAW bittet in jedem Jahr einen Prediger aus den Diasporapartnerkirchen eine Meditation vorzubereiten für den Reformationstag. Immer noch wird in zahlreichen Gliedkirchen der EKD gerade an diesem Tag das GAW in den Blick genommen. Die vollständige Meditation finden Sie unter folgendem link: http://www.gustav-adolf-werk.de/predigten-und-predigthilfen.html

Freitag, 26. Oktober 2012

15-jähriges Jubiläum des Evangelischen Studienhauses in Leipzig


Das Evangelische Studentenwohnheim in Leipzig, in dem auch die GAW-Stipendiaten wohnen, feiert heute sein 15-jähriges Bestehen mit einem Festgottesdienst, Festvortrag und anschließendem Empfang. Seit 1997 gibt es unser erneuertes Stipendiatenprogramm, das es Theologiestudierenden aus den Diasporapartnerkirchen des GAW ermöglicht, ein Jahr an der Theologischen Fakultät in Leipzig zu studieren. Das war erneut möglich geworden durch den Bau des Evangelischen Studienhauses in Leipzig-Stötteritz. An diesem Bau hat sich das GAW beteiligt. Wahrscheinlich wäre es ohne diese Beteiligung schwierig geworden, dieses Projekt zu realisieren. Für unsere Stipendiaten ist es eine ideale Unterkunft, denn hier finden sie eine größere Gemeinschaft deutschsprachiger Studierender, studentisches Leben, gute Betreuung durch den im Haus mitlebenden und verantwortlichen Pfarrer Grunow, geistliche Gemeinschaft und natürlich einer gute Bibliothek. 
Das GAW vergibt seit dem 19. Jahrhundert Stipendien. Einen besonderen Schwung bekam dieses einmalige Stipendienprogramm durch das 1930 errichtete Franz-Rendtorff-Haus in Leipzig-Schleußig. Prof. Rendtorff, zu der Zeit Präsident des GAW, sagte in seiner damaligen Ansprache: "Seit fast 100 Jahren verfolgt das GAW mit seinem die Welt umspannenden kirchlichen Liebeswerk das Ziel, evangelischen Kirchen und Gemeinden in der Zerstreuung, die in Gefahr sind, in einer fremdartigen Umwelt Schaden zu leiden oder gar zugrunde zu gehen, zur Erhaltung ihres Lebens nach Kräften beizustehen. Als ein Hauptmittel dieser Hilfeleistung hat sich je länger je deutlicher herausgestellt, die Förderung vorhandener und die Heranbildung neuer persönlicher Kräfte für den Dienst am Evangelium in der Zerstreuung. Im Jahr 1929 wurden allein 180 Stipendien in Deutschland gegeben. Um in Leipzig für eine vertiefende Begleitung zu sorgen, entschloss sich der Verein, das Studienhaus zu errichten."
Wir als GAW feiern heute somit nicht allein 15 Jahre Ev. Studienhaus, nein - wir begehen eine 80-jährige Tradition der Begleitung von Diasporastudierenden durch das Angebot eines Studienhauses. Und wir bringen uns in diese Feier mit einer langen Tradition der Förderung theologischen Nachwuchses aus der Diaspora ein. So wurde z.B. im Projektkatalog des Jahres 1891 ein  "Italienisches Lutherstipendium für Theologie Studierende der Waldenser an deutschen Universitäten" beworben.

Mittwoch, 24. Oktober 2012

Einweihung der Kapelle der Gemeinde "Vida y Esperanza" in Santiago de Chile

Im Jahr 2000 entstand die Población Padre Hurtado im Süden der Stadt Santiago. Hier konnten Menschen günstig ein Grundstück erwerben. Das taten und tun viele, denn weiter Richtung Zentrum sind die Preise hoch. So kamen auch einige Lutheraner in diesen Stadtteil. Einige begannen mit Bibelstunden und kleinen Gottesdiensten. Ehrenamtliches Engagement trägt bis heute die Gemeinde. 
Irgendwann übernahm die Gemeinde La Trinidad die Verantwortung und pastorale Begleitung. Die Gemeinde kümmerte sich um ein eigenes Grundstück. Das konnte mit Hilfe des GAW realisiert werden. Unter anderem das GAW Bremen hatte sich um dieses Projekt gesorgt. Jetzt konnte mit restlichen Geldern eine praktische Hütte auf das Grundstück gestellt werden. 
"Wir sind dem GAW dankbar für die empfangene Hilfe! Ohne diese Hilfe hätten wir hier weder Grundstück noch Kapelle," sagt Hildegard Maldonado, Vorsitzende der Gemeinde La Trinidad, die uns eine Einladung zur Einweihung gesendet hat.

Theologieausbildung in den Andenstaaten

Bischof Martinez in Leipzig
"Wir brauchen in der theologischen Ausbildung größere Nachhaltigkeit und wünschen uns in der Andenregion eine stärkere Zusammenarbeit“, sagt Bischof Eduardo Martinez von der lutherischen Kirche in Kolumbien (IELCO), der sich zu Besuch in der Zentrale des GAW befindet. Im Rahmen einer Konsultation des Lutherischen Weltbundes in Wittenberg um die Zukunft und Nachhaltigkeit theologischer Ausbildung in den Partnerkirchen des LWB befindet sich Bischof Martinez zurzeit auf Deutschlandbesuch. In diesem Rahmen besuchte er auch unsere kolumbianische Stipendiatin Lizbeth zu und erkundigte sich nach ihren Studienleistungen. 
Die Ausbildungsfrage des theologischen Nachwuchses ist gerade für kleine Partnerkirchen eine Herausforderung. Wie kann man sich so organisieren, dass man qualifizierten Nachwuchs heranbildet? Wie kann man für eine gute reformatorische Theologie eintreten, die für die Menschen eine Alternative darstellt, die sich von anderen Kirchen enttäuscht abwenden?
In Kolumbien versucht man durch eine Art "virtueller" Ausbildung den Nachwuchs zu fördern. Wie nachhaltig das ist, muss die nächste Zukunft zeigen. Klar ist, dass diese Studienform eine hohe Disziplin der Studierenden erfordert. Derzeit sind 20 Studierende eingetragen. Und "es ist klar, dass Theologie den direkten Austausch und Diskurs braucht", sagt Martinez. "Ich träume von einem theologischen Zentrum in Bogota für alle andinen Länder und vielleicht sogar alle mittelamerikanischen Länder!" Dazu bräuchte die Kirche gute Unterstützungen besonders für Stipendien.
Das GAW sorgt sich um die Theologenausbildung. Deshalb ist unser Stipendienprogramm so wichtig.

Dienstag, 23. Oktober 2012

20 Jahre Evangelische Partnerhilfe

"Minderheit in Europa zu sein ist das Normale für den Protestantismus!", sagte Bischof Bünker aus Anlass des 20. Geburtstages der Evangelischen Partnerhilfe in der Reformierten Stadtkirche in Wien. Zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter von europäischen Minderheitenkirchen aus Tschechien, Polen, Ungarn und der Slowakei kamen zum Gedankenaustausch zusammen. Die meisten von ihnen sind Partner des GAW.
Die Evangelische Partnerhilfe leistet Solidaritätshilfe für Pfarrerinnen und Pfarrer sowie kirchliche Mitarbeitende in zahlreichen evangelischen Minderheitenkirchen Mittel- und Osteuropas. Gerade die kirchlichen MitarbeiterInnen sind auf diese Hilfe angewiesen. Ihre Gehälter sind nicht gut. Je nach Land und Kirchenstruktur bewegen sich die Pfarrgehälter zwischen 200 und 800 Euro. Wer Berufsanfänger ist oder pensionierter Pfarrer, der hat es nicht einfach, wirtschaftlich über die Runden zu kommen.
Entstanden ist die Ev. Partnerhilfe aus der Solidarität der Pfarrer in Westdeutschland mit denen in der ehemaligen DDR. Nach der Wende gründete man diesen Verein, um sich solidarisch mit den Kirchen im Osten zu zeigen. Leider nimmt die Solidarität in der jüngeren Pfarrergeneration ab. Deshalb ist es umso wichtiger, dass sich gerade Diasporawerke für diesen Verein einsetzen, denn die kirchlichen Mitarbeiter sind es, die die Kirchen und Gemeindehäuser, die das GAW unterstützt, mit Leben füllen. Zudem sind wir aufgerufen, von den Minderheitenkirchen zu erzählen und den Blick immer wieder zu weiten und Kirchengemeinschaft insbesondere in Europa wachzuhalten.

Sonntag, 21. Oktober 2012

Die Wirkung der ungarischen Politik

Vor Kurzem wurden in Leipzig zum Lichtfest am 9. Oktober zwei kritische ungarische Journalisten mit einem Medienpreis ausgezeichnet. Sie rückten die derzeitige ungarische Regierung in ein sehr kritisches und demokratiefeindliches Licht. Dagegen sagt der leitende refomierte Bischof: "Wir sind in Ungarn nicht undemokratisch - nur haben wir z.Zt. eine "übergelenkte" Demorkratie. Unser Ministerpräsident will alles im Griff haben und kontrollieren. Aber die demokratischen Institutionen funktionieren. Und wir üben Kritik, wie beim Kirchengesetz oder beim Mediengesetz." Und ein lutherischer Bischof ergänzt: "Man muss sich die Hintergründe politischer Entscheidungen sehr differenziert anschauen. Tut man das, dann sieht vieles anders aus. Unsere Kirche will in kritischer Solidarität zur Regierung stehen. Nur - ich habe den Eindruck, dass im Ausland, besonders in Deutschland zu einseitig über Ungarn berichtet wird."
Und alle Gesprächspartner sagen: "Die Politik der Regierung ist nicht schlecht. Nur - sie vermitteln ihre Politik nicht gut. Zudem steckt das politische System oft noch in einem Freund-Feind-Muster drin. Das ist Erbe der 40jährigen Diktatur. Wir üben in Ungarn erst seit 20 Jahren Demokratie." Erschwerend kommt hinzu, dass ein Austausch der "Eliten" wenig stattfand. Viele von den alten Eliten haben es geschafft, sich in die "neue Zeit" zu retten und in Politik und Wirtschaft verantwortliche Positionen zu erreichen.
Das Merkwürdige an Behauptungen, dass Ungarn sich auf dem Weg in eine Dikatatur befindet ist, dass viele Ungarn die aktuellen Vorgänge anders wahrnehmen, um nicht zu sagen entgegen-gesetzt. Vieles ist aus westeuropäischer Sicht im Blick auf Ungarn nicht einfach zu verstehen. Und sicher macht manchmal einem auch der ungarische Nationalismus zu schaffen. Wobei muss man auch hier unterscheiden, wo und mit wem man spricht. Wahr ist, dass das ungarische Volk ein verletztes Volk ist. 2/3 des ungarischen Gebietes gingen nach dem 1. Weltkrieg an Nachbarstaaten. Zudem ist die ungarische Geschichte geprägt von dem Drang nach Freiheit und Unabhängigkeit. Vor über tausend Jahren waren die Ungarn noch ein Nomadenvolk. Ab 850 wurden sie sesshaft im Karpatenbecken und waren in ganz Europa gefürchtet für ihre Streifzüge. Zur Zeit der Türkenkriege leisteten sie erbitterten Widerstand gegen die Unterdrückung durch das Osmanische Reich und verteidigten das christliche Europa. 1848 führten sie einen Unabhängigkeitskrieg gegen die Vorherrschaft der österreichischen Habsburger. 1956 erhoben sich die Ungarn gegen die Sowjetunterdrückung und auch nach 1956 konnte sich der Kommunismus nie richtig in Ungarn durchsetzen. Die Ungarn haben eine lange Tradition des Widerstandes gegen Bevormundung und wirtschaftliche Unterdrückung. 
Auf dem Lichtfest in Leipzig lud Minister Zoltan Balog, ein reformierter Theologe und Pfarrer, die Leipziger ein, sein Land zu besuchen und mit den Menschen zu sprechen und nicht über sie. Die Ungarn genau wie wir brauchen einen kritischen Dialog - und das in gegenseitiger Solidarität!
Aus den Gesprächen in Ungarn mit den verschiedenen Gesprächspartnern kam ein differenziertes Bild heraus, das weit von dem entfernt ist, was vor Kurzem in der Leipziger Volkszeitung stand und das Land in die Nähe einer Diktatur rückte. 
Minister Balog ist ein differnziert denkender Mensch, der nach wie vor jeden Monat einmal in seiner reformierten Gemeinde in Budapest predigt. "Er braucht das und will seine Identität als Pfarrer nicht verlieren," sagt eine Pfarrerin. 

Erweiterung eines Gemeindezentrums im Süden Budapests



Der Stadtteil Gazdagréti liegt im Süden Budapests, im größten Bezirk der ungarischen Hauptstadt. Gebaut wurde er als Schlafstadt, ohne Sporthallen oder Kultureinrichtungen. In den bis zu elf Stockwerken hohen Wohnblöcken ist die Fluktuation der Mieter hoch. Bis 1990 gab es in Gazdagréti keine protestantische Kirche. Eine benachbarte Gemeinde begann mit den Versammlungen in dem Gebiet und schon 1995 wurde die wachsende Gemeinde in Gazdagréti von der Reformierten Kirche anerkannt. 2004 zog sie in ihr neues Gemeindezentrum. Das Grundstück dafür hatte die Stadt der Gemeinde geschenkt. Heute zählt die Gemeinde 240 Glieder. An den Sonntagsgottesdiensten - inzwischen sind es zwei - vormittags und nachmittags - nehmen rund 250 Erwachsene und 40 Kinder teil. Die Gemeinde hat Angebote für verschiedene Alters- und Interessengruppen, so gibt es Treffs für Mütter und Rentner sowie Familienveranstaltungen, aber auch einen Filmclub. Durch Alphakurse
sind schon zahlreiche neue aktive Mitglieder zur Gemeinde gestoßen.
Die Gemeinde will mit dem Geld aus dem aktuellen Projektkatalog 2012 zunächst eine Pfarrwohnung in dem Rohbau fertigstellen, um Mitegelder zu sparen. Dazu soll ein Jugendclub entstehen. 
In diesem Vorort ist eine lebendige und wachsende Gemeinde entstanden, die durch verschiedene Frömmigkeitsformen zahlreiche Menschen anspricht. Ein interessantes missionarisches Gemeindeaufbauprogramm bietet die Gemeinde mit ihren drei Pfarrern an.

Samstag, 20. Oktober 2012

Vom Verhältnis der Lutheraner und Reformierten in Ungarn

rechts die Reformierte, links die luthersiche Kirche
"Die Lutheraner in Ungarn sind eine religiöse Minderheit zwischen den beiden großen Konfessionen, den Katholiken und den Reformierten," sagt eine Lutheranerin aus Budapest. Ca. 3% der Bevölkerung Ungarns bekennt sich zur Lutherischen Kirche. Zur Reformierten Kirche gehören ca. 20 %. Sie sind größer. "Die theologischen Differenzen sind groß trotz der Leuenberger Konkordie," sagt ein ehemaliger Bischof der Lutheraner. "Und wir sind eben auch kleiner...," ergänzt er mit einem Lächeln.
Wo gehört man als luthersiche Kirche nun hin? Den Reformierten sind die Lutheraner manchmal zu "katholisch", für die Katholiken sind sie zu frei. So sind die Lutheraner oft zwischen allen Stühlen. Die Katholiken sind ihnen mit ihren Traditionen und Dogmen fremd. Die kalvinistischen Lehren der Reformierten sind ihnen zu radikal, wobei es bei den Reformierten ein große Bandbreite gibt von kalvinistisch über fundamentalistisch, pietistisch bis hin zu evangelikal. Zwar möchten und müssen die Lutheraner bei ökumenischen Veranstaltungen mit Anhängern anderer Konfessionen sprechen. Um ihre Existenz zu wahren erscheint es nötig, entschieden, aber auch kompromissbereit zu sein.
Pfarrer Lackner und Pfarrerin Lacknerné
Dass sie es nicht immer einfach haben zeigt ein Besuch in der Gemeinde in Budakeszi. Es ist eine Vorstadt von Budapest. Zahlreiche Großstädter ziehen inzwischen hierher. Hier gründete sich vor 20 Jahren eine Filialgemeinde von Budahegyvidék aus. Eine zeitlang konnte man die reformierte Kirche für die Gottesdienste nutzen. Das war aber schwierig, da man eine Zeit um 8.30 Uhr bekommen hatte. So blieb die Gottesdienstgemeinde klein. Und immer musste man viele Absprachen treffen. Das war nicht einfach. Ein bisschen Konkurrenz war wohl mit im Spiel. Genau gegenüber der Reformierten Kirche konnte dann die Lutherische Kirche ein altes verfallenes Bauernhaus erwerben. Das ist nun renoviert worden - auch mit Hilfe des GAW aus dem Projektkatalog 2010. Jetzt gibt es einen kleinen Gottesdienstraum. Sonntags kommen inzwischen bis zu 40 Gottesdienstbesucher. Es gibt auch schon verschiedene Gruppen, die sich treffen. Langsam wächst die Gemeinde. Pastorin Sára Lacknerné Puskás hofft, dass sich die Gemeinde stabilisiert."Und irgendwann werden wir dann hoffentlich eine eigene Kirche bauen können, die sichtbar und hörbar nach aussen ist!" sagt sie.

Großstadtmission der Reformierten Kirche in Budapest

Pfarrer Zámbo (Mitte) mit dem Kurator der Gemeinde
"Die Arbeit der Gemeinde hat vor über 20 Jahren mit Reformierten unserer Kirche begonnen, die hier in eine der größten in den 80er Jahren errichteten Wohnsiedlungen am nördlichen Rand von Budapest gezogen sind," berichtet Pfarrer András Zámbó vom Beginn der Missionsarbeit der Reformierten Kirche in der Metropole Budapest. "Die Menschen haben ein geistliches zu Hause gesucht." Die Arbeit begann in einer kleinen Wohnung mit Bibelstunden und kleinen Gottesdiensten. Dann bekam man im Haus der ehemaligen kommunistischen Partei Räume zugewiesen. Mit viel Geschick erhielt die Gemeinde dann ein Grundstück in der Nähe der Straßenbahnlinie in einer parkähnlichen Anlage, umrahmt von Hochhäusern. Das war ein Geschenk des Himmels. Inzwischen ist ein wunderschönes Gemeindezentrum auch dank der Hilfe des GAW entstanden. Die Kirche mit dem Pfarrhaus bildet eine harmonische (paradiesische) Einheit inmitten und im Gegensatz zu unmenschlich anmutenden Hochhaussiedlungen, die den Menschen reduzieren aufs Funktionieren. "Wir müssen sichtbar sein und nach aussen erkennbar sein. Dann kommen auch die Leute," sagt András. Und sie kommen! "Jeden Sonntag sind 1-2 neue Leute da! Wir fragen nach ihren Adressen, besuchen sie," fährt er fort. "Wobei man realistisch sagen muss," ergänzt der Kurator, "dass von ca. 20 Neuen vielleicht dann im Schnitt 1-2 Menschen bleiben." Aber so ist die Gemeinde gewachsen. Sie zeigt Nähe zu den Menschen und ihren Sorgen und Nöten. Ein bisschen evangelikale Frömmigkeit hilft dabei, den Zusammenhalt zu stärken und die Gemeinde zu bauen. "Es macht Freude und erfüllt uns mit Dankbarkeit, hier in der Gemeinde dienen zu können," sagt András, der sich mit seiner Frau und einem weiteren Pfarrer die Arbeit teilt. "Man kann etwas wachsen sehen und kann etwas tun!"
Drei Mal konnte das GAW diese gute Arbeit finanziell unterstützen - zuletzt im Projektkatalog 2011!

Freitag, 19. Oktober 2012

Lutheraner in Ungarn


"Erös vár a mi istenünk" - mit diesen Worten begrüßen sich in Ungarn die Lutheraner. So sind sie erkennbar und so erkennen sie sich untereinander. Und - so steht es über jedem Eingang einer lutherischen Kirche: "Ein feste Burg ist unser Gott!" Es ist gut, sich immer wieder bewusst zu machen, dass diese Psalmworte aus Psalm 46 Gebetsworte eines Bedrängten sind. Und das waren die Lutheraner im Reich der Habsburger lange Zeit bis dann das Toleranzpatent aus dem Jahr 1781 den Protestanten erlaubte, ihren Glauben unter Einschränkungen zu leben. In Györújbarát im nordwestlichen Ungarn nahe Österreich und der Slowakei gelegen spürt man das. Bei den Sanierungs- und Renovierungsarbeiten fand man den ursprünglichen Haupteingang der Kirche wieder, der in Vergessenheit geraten war. Er war natürlich "nach hinten raus" angelegt. Und eigentlich gab es auch keinen Turm. Das hat sich zum Glück verändert und gibt es so nicht mehr. Neben der zahlenmäßig wesentlich stärkeren römisch-katholischen Gemeinde kann man sich öffentlich sichtbar zeigen, zum Gottesdienst einladen und die Glocken läuten. Und inzwischen teilt man auch die Probleme: "Die Leute sind indifferent dem Glauben gegenüber," berichtet András, der Kurator der Kirchengemeinde, als er uns die mit Hilfe des GAW sanierte und frisch herausgeputzte Kirche zeigt. "Aber," so sagt er auch," seitdem die Kirche saniert ist, kommen wieder mehr Leute."
Im Jahr 2011 hat das GAW ungefähr 25% der Kosten für die Dachsanierung und Aussenrenovierung zur Verfügung gestellt. "Ohne das GAW wäre es schwer geworden," sagt András.

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Hilfe für das "Haus der Versöhnung" in Berekfürdö



Der Kurort Berekfürdö liegt am Rande der Puszta, hat rund 1000 Einwohner und ein gut besuchtes Thermalbad, das im Sommer viele Touristen anzieht. Im Ort gibt es eine Reformierte Gemeinde. Etwas weniger als die Hälfte der Einwohner gehört zur Gemeinde. Allerdings zahlen nicht alle ihren Mitgliedsbeitrag, " erzählt Pfarrerin Judith Csoma. "In kommunistischer Zeit war es gerade für die politische Elite ein beliebter Erholungsort. Das merkt man heute noch in der Haltung gegenüber der Kirche." 
Das Dorf ist nicht nur für seine Thermalquellen bekannt, sondern auch für das Haus der Versöhnung. 1947 ursprünglich als kleines Ausbildungszentrum von der reformierten Kirche Ungarns erbaut, wurde es später mit mehreren Nebenhäusern zu einem behindertengerechten Weiterbildungs- und Tagungzentrum erweitert. 2001 konnte mit Hilfe des Hilfswerkes HEKS und dem großen Einsatz von Pfarrer Andreas Hess ein Gelände dazuerworben werden und ein Jugendhaus  gebaut werden. Inzwischen ist dieses Jugendhaus für Konfirmanden- und kirchliche Jugendgruppen aus dem Ausland ein beliebtes Ziel. Denn neben dem Thermalbad gibt es viele Ausflugsmöglichkeiten. In dem Jugendhaus befindet sich eine wunderschöne Krypta, die insbesondere für Andachten beliebt ist. 
2006 hat das GAW hier geholfen. Denn bei einem Hochwasser der Theiß stand plötzlich das Wasser in dieser Kapelle. Dank der Hilfe konnte ein Pumpsystem eingebaut werden, das solche Katastrophen in Zukunft verhindert. "Wir sind dem GAW dankbar für diese Hilfe," sagt Judith zum Abschluss der Besuches.

Reformierte Universitätsgemeinde in Debrecen




„Vor sechs Jahren haben wir mit 25 Studierenden angefangen, die Studentengemeinde in Debrecen aufzubauen,“ erzählt Studentenpfarrer Dániel Püksi. "Wir hatten geradedie Kirche vom Staat zurück erhalten! Und seitdem ist die Gemeinde kontinuierlich gewachsen. Jetzt kommen zu unseren Gottesdiensten ca. 250 Studierende." Und man spürt es, dass die Gemeinde lebt. Sie hat ihren Ort auf dem Campus der Universität. In den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde sie errichtet. Nach dem Krieg nahm der Staat die Kirche weg und installierte die Universitätsbibliothek in ihr. Drei Etagen wurden eingebaut. Als Kirche war sie nicht mehr nutzbar. Es hat jetzt gedauert, dass die Kirche zurückgegeben wurde. Das geschah nach einem Rückgabegesetz aus dem Jahre 2001. Fünf weiter Jahre vergingen, weil die Universität einen anderen Ort finden musste. Dann war es endlich soweit. Dank der Hilfe der Reformierten Kirche Ungarns und des GAW konnte dann im Jahr 2011 endlich der große Kirchraum wieder als Gottesdienstraum bezogen werden. Das Leben blüht in der Gemeinde auch dank der beiden jungen Pfarrer. Sie mühen sich sehr, Studierende einzuladen, auf die zahlreichen Programme aufmerksam zu machen. Und - so Pfarrer Püksi: "Die Gemeinde ist sehr wichtig, denn sie hilft den Strudierenden aus der Einsamkeit und Isolation heraus zu kommen." Er berichtet, was für Auswirkungen das Bologna-System auf das Studentenleben hat. "Der Druck ist groß. Die Studierenden hetzen von einem Kurs zum anderen. Sie müssen Leistung bringen. Das geht auf Kosten der sozialen Beziehungen. Hier sind wir inzwischen sehr wichtig."
"Dem GAW und den Spendern sind wir sehr dankbar, dass wir einen Raum zum Leben bieten können!" sagt er zum Schluss. 
In den Jahren 2010 und 2011 wurden für die Sanierungsarbeiten Mittel für Debrecen gesammelt.

Mittwoch, 17. Oktober 2012

Reformiertes Altersheim in Beregszász

"Was die Reformierte Kirche in Transkarpatien in dem von ihr getragenen Altersheim leistet, ist für uns sehr wichtig", lobt ein politischer Vertreter der Stadt Beregszász/Berehowe das diakonische Engagement der reformierten Christen. Als Vergleich berichtet er von seinen Eindrücken aus einem staatlichen Altersheim: "Die Betreuung durch die Kirche ist dagegen vorbildlich!"
Davon kann man sich bei einem Rundgang überzeugen. Das Haus ist gepflegt, die Bewohner sind gut versorgt. Mit der Gründung des Hauses im Jahr 2009 reagierte das Diakonische Werk der Reformierten Kirche auf die große Not gerade unter den alten Menschen in Transkarpatien. Pfarrer Bela Nagy, Direktor des Diakonischen Koordinierungsbüros, kennt schlimme Schicksale. Die Rente ist sehr gering. Viele Alten sind von ihren Familien verlassen. Niemand ist mehr da, der sich um sie kümmert. Teilweise hängt das mit der Arbeitsmigration zusammen, teilweise mit zerrütteten Familienverhältnissen. "Allein in meiner Gemeinde in Beregszász mit 1.700 Mitgliedern weiß ich von ca. 150 alten Menschen, für die ein solches Haus wunderbar und wichtig wäre", berichtet der leitende Gemeindepfarrer aus der Stadt. 
In dem Altersheim sind 15 BewohnerInnen untergebracht. Selbst können sie sich jährlich mit maximal 850-900 Euro an den Kosten beteiligen. Um die Unkosten zu decken, braucht das Heim ca. 4.400 Euro pro BewohnerIn. Die Reformierte Kirche sorgt sich sehr darum, Mittel aufzutreiben, um das Altersheim weiterführen zu können. Das ist nicht einfach. Aber es gibt Partner, die in dem Haus eine gute Möglichkeit sehen, den staatlichen Behörden ein gutes Beispiel geben zu können. Und die staatlichen Behörden schauen sich genau an, was in dem Heim passiert und wie es läuft. "Ich hoffe, dass wir uns als Stadt bald an den Kosten beteiligen können", verspricht der städtische Vertreter am Ende seines Besuchs im Diakoniezentrum.

Mutter-Kind-Heim in Beregszász



„Das Krankenhaus aus Beregszász hat sich an unsere Reformierte Kirche gewendet und uns gebeten, ein Heim zu gründen, um die Lage lediger Mütter zu verbessern“, berichtet der Leiter der Diakonie der Reformierten Kirche in der Ukraine Bela Nagy. „Man muss was tun, da es viele ledige Mütter gibt, die aus eigener Not ihre Kinder im Krankenhaus lassen und einfach verschwinden,“ fährt er fort. Das Krankenhaus hat keinen Platz, um sich dieses Problems anzunehmen. In Transkarpatien geraten alleinerziehende Mütter sehr oft in Krisensituationen. Gründe sind finanzielle Probleme, Flucht von Zuhause, Flucht vor der Aggressivität des Mannes, frühzeitige Mutterschaft wegen Mangel an Aufklärungsarbeit im Kreis der Jugendlichen. Die Zahl der jungen Mädchen, die schon mit 14-15 Mütter werden, ist extrem hoch. Sie wissen meistens gar nicht, wie man die Babys versorgt. Es gibt staatliche Kinderheime, die jedoch nur Kinder aufnehmen – und zudem in oft schlechtem Zustand sind. Das Krankenhaus und die Kirche wollen gemeinsam diesen Müttern und ihren Kindern helfen. Das Krankenhaus ist bereit, das Heim bei der Beschaffung von Medikamenten und mit der ärztlichen Versorgung zu unterstützen. So muss das Mutter-Kind-Heim keinen Arzt extra beschäftigen. Außerdem stellt das Krankenhaus eine qualifizierte Mitarbeiterin mit zehnjähriger Erfahrung frei, die bereit ist, die Leitung des Heimes zu übernehmen.
Die Diakonie der Reformierten Kirche will praktisch helfen: die Bäckerei mit frischem Brot, das Diakoniezentrum mit Kleiderverteilung. Die Wäscherei des Altersheimes befindet sich im Gebäude, in dem das Mutter-Kind-Heim eingerichtet wird. So braucht man im Mutter-Kind-Heim keinen extra Raum dafür, die zwei Einrichtungen können die Wäscherei gemeinsam benutzen.
Das Gebäude wurde dank zahlreicher Partner jetzt saniert. Beim Runden Tisch der Partner der Reformierten Kirche wurde die Möglichkeit der Finanzierung des Unterhalts für die kommenden drei Jahre besprochen. Die Frauenarbeit des GAW hat bisher ebenfalls geholfen. Möglichst bald soll nun der Betrieb des Hauses losgehen.

Dienstag, 16. Oktober 2012

Diakonisches Engagement der Reformierten Kirche

Transkarpatien ist eine "vergessene Region". In der Ukraine liegt sie im äußersten Südwesten und ist rund 800 Kilometer von der Hauptstadt Kiew entfernt. Der ukrainische Staat kümmert sich wenig um diese weit abgelegene Region, in der die Bevölkerung meist ungarischsprachig ist. "Was bei uns funktionieren, sind die Reformierte Kirche und die Mafia", sagt der Leiter der Diakonie Bela Nagy.
Die EU-Osterweiterung stellt für Transkarpatien eine zusätzliche Herausforderung dar. In ihrer ersten Phase brachte sie eine deutliche Verschlechterung der sozialen Lage. Die Arbeitslosigkeit beträgt offiziell 59 Prozent. Schätzungsweise 30 Prozent der Bevölkerung Transkarpatiens leben unter dem Existenzminium, das ohnehin sehr tief angesetzt ist. 
Das Diakonische Zentrum (DCO) in Beregczacz hat sich zu einem wichtigen Ort entwickelt, an dem mittellose Menschen unabhängig von ihrer religiösen Ausrichtung Hilfe erhalten. Die Suppenküche verteilt täglich eine warme Mahlzeit an bedürftige Menschen. Dreimal wöchentlich liefert sie ein Mittagessen ins Stadtzentrum aus, das an mittellose ältere Menschen abgegeben wird. Dank dem zentrumseigenen Landwirtschaftsbetrieb können Früchte, Gemüse und Fleisch zum größten Teil selber produziert und kostengünstig zur Verfügung gestellt werden. Auch das Brot wird in der eigenen Bäckerei gebacken. Das Brot darf nicht verkauft werden. Das würde Probleme mit dem Staat verursachen, oder auch mit der Mafia.
Für viele Menschen ist diese Hilfe des DCO extrem wichtig. Es gibt Lebensumstände, in denen Menschen am unteren Rande der Gesellschaft nur dank solcher Hilfe überleben.
Eine spannende Geschichte ist, dass in zahlreichen Gemeinden sich Freiwillige Feuerwehren gegründet haben, weil der Staat sich um diese Aufgabe nicht kümmert. Die Trägerschaft liegt in Händer der DCO.
Insgesamt bedeutet die diakonische Arbeit eine große Herausforderung für die Kirche. Ohne ausländische Hilfe wäre das undenkbar. Dennoch ist der Einsatz vieler Engagierten in der Kirche nicht hoch genug zu schätzen.

Frauen in der Reformierten Kirche in der Ukraine

Pfarrerin Edina Dancs
Im Jahre 2006 beschloss die Synode der Reformierten Kirche in Transkarpatien die Ordination der Frauen zum geistlichen Amt abzuschaffen. Das rief Irritationen hervor. "Der Beschluss wurde wieder geändert", berichtet jetzt Pfarrerin Edina Dancs. Sie arbeitet als Jugendpfarrerin für die gesamte Kirche und leitet den sog. Lidia-Dienst, den die Frauenarbeit des GAW unterstützt. Hier geht es um das Angebot von Seminaren und Fortbildungen für Frauen der Kirche, die Verantwortungen in ihren Gemeinden haben. Zudem predigt Edina immer wieder, wenn sie von Gemeinden gebeten wird. In Beregszasz kommt das öfter vor, denn hier gibt es jeden Tag Gottesdienste. "Als Frauen werden wir anerkannt", fährt Edina fort. "Es gibt keine Einschränkungen. Nur dürfen wir nicht die Leitung einer Gemeinde bekommen." Auf die Frage nach dem Warum weicht sie aus und verweist auf den Bischof der Kirche. 
Vielleicht ist es nur eine Frage der Zeit, denn von den derzeitigen 45 Studierenden in Ungarn sind 50 % Frauen. Und gibt es immer noch freie Pfarrstellen in Transkarpatien.  Die Gemeinden sind in ihren Entscheidungen autonom und könnten sich für eine Frau ins leitende geistliche Amt wählen. Nur sind die Presbyterien weitgehend von Männern besetzt. Theologisch gibt es insofern keine Einwände mehr.

Pfarrgehälter in Transkarpatien



Pfarrer Zsolt Baksa ist ein junger Pfarrer. Das erste Kind der jungen Familie ist vier Monate alt. Zsolt leitet eine Gemeinde in einem Dorf mit 2000 Einwohnern in der Karpato-Ukraine. Die reformierte Gemeinde ist die Größte am Ort. 700 Menschen gehören dazu. Jeden Sonntag kommen ca. 250 in den Gottesdienst. „Nur wo ein Pfarrer für seine Gemeinde da ist, da ist auch eine Gemeinde stark,“ sagt der Bischof Sándor Zan Fabian. „Wir haben Gemeinden, da ist ein Pfarrer für drei Gemeinden zuständig. Das Ergebnis: Jede Gemeinde ist schwach.“ Das soll sich ändern. Die reformierte Kirche stellt sich die Zukunft so vor: eine Gemeinde, ein Pfarrer. - Natürlich muss die Gemeinde auch den Gehalt des Pfarrers zahlen können. Zsolt Baksa verdient nicht viel. Ca. 250 Euro zahlt ihm die Gemeinde monatlich. Daneben erhält er eine freie Wohnung und die Nebenkosten. Damit liegt er im Schnitt etwas höher als es Lehrergehälter sind. Trotzdem ist es nicht viel, wenn man bedenkt, dass ein Liter Benzin ca. 1 Euro kostet. Da wird eine Tankfüllung für manche Menschen unbezahlbar.
Ein Segen für Zsolt und seine Familie ist die Pfarrersolidaritätshilfe aus Deutschland: die Evangelische Partnerhilfe, die in diesem Jahr 20 Jahre alt wird. PfarrerInnen spenden für Pfarrer, so das Motto. Zsolt hat im vergangenen Jahr 800 Euro davon erhalten. So konnte er sich ein Auto anschaffen. Das hilft ihm bei seiner Gemeindearbeit. Vorher machte er alle Wege mit öffentlichen Verkehrsmitteln!

Pfarrer in Transkarpatien


Bischof Zan Fabian vor dem Bischofsbüro seiner Kirche
„Mit 38 Jahren gehört man bei uns nicht mehr zu den jungen Pfarrern,“ erzählt Bischof Zan Fabian von der Reformierten Kirche Transkarpatiens in der Ukraine. Ca 67 Pfarrer arbeiten in der Kirche, wobei nicht alle aktiv in der Gemeinde sind. Ca. 8 ordinierte Pfarrerinnen gibt es, die allerdings nicht in dieser Funktion in der Gemeindeleitung sind, sondern als Hilfspfarrerinnen, Jugendpfarrerinnen oder in andere Funktion ihren Dienst tun. 106 registrierte Gemeinden gibt es. „Wir haben einen hohen Bedarf an Pfarrernachwuchs,“ sagt der Bischof. Vor der politischen Wende gab es 24 alte Pfarrer, die die Gemeinden versuchten zu versorgen. „Ab 1995 gab es dann eine große Wende,“ so der Bischof. Es war möglich geworden, in einer der vier ungarischen theologischen Ausbildungsstätten Theologie zu studieren. Das taten viele. „Vorher wurde der Pfarrernachwuchs fast heimlich von den alten Pfarrern in ihren Küchen angeleitet. So lernten sie das Notwendigste,“ sagt er. Das hat sich geändert. Die Kirche ist vom Theologennachwuchs her jung. Der Bischof gehört zu den ältesten Pfarrern. Ob in naher Zukunft eine Pfarrerin eine Gemeinde leiten kann wird auch von den Gemeinden abhängig sein, die sehr eigenständig sind. Nur sind die Presbyterien von den Männern dominiert. „Da muss sich auch etwas ändern,“ so berichtete ein Pfarrer. „Es gibt Pfarrerinnen, die predigen besser als ihre Männer, die oft Pfarrer sind,“ sagt ein anderer.

Montag, 15. Oktober 2012

Eine reformierte Gemeind ein der Ukraine

Bischof Zan Fabian (r.) und Pfarrer Zsukovsky
"Das GAW hat unserer Gemeinde in Dercen sehr geholfen", erzählt Bischof Sándor Zan Fabian von der Reformierten Kirche in der Karpato-Ukraine. "Ein Auto, das Dach des Gemeindehauses und die Renovierung der Kirche wurden vom GAW in den letzten Jahren mitfinanziert." 
In der Tat ist es beeindruckend zu sehen, wie Pfarrer Miklos Zsukovsky seine Gemeinde, die zu den stärksten in der Kirche zählt, zusammenhält. 2.500 Einwohner hat der Ort. Nur ca. 100 gehören nicht zur reformierten Gemeinde. Am Gottesdienst  zur Wiedereinweihung der Kirche, der nach den ganzen Renovierungsarbeiten Mitte Oktober stattfand, nahmen 1.200 Gemeindemitglieder teil. "Zu einem normalen Gottesdienst kommen ca. 500 Menschen", erzählt Pfarrer Zsukovsky. Davon können viele Gemeinden in Deutschland nur träumen. Hier gehört die Kirche mitten in den Ort und hält obendrein das Leben in dem Ort zusammen. Das spürt man überall. Neben einer Diakoniestation, wo für ca. 60 alte und arme Bewohner täglich ein warmes Essen ausgegeben wird, hat der Pfarrer eine Freiwillige Feuerwehr ins Leben gerufen. "Der Staat hat sich aus Vielem zurückgezogen", berichtet der Bischof. Die Kirche versucht an vielen Punkten einzutreten und ganz praktisch Hilfe zu leisten. Dabei ist sie auf Hilfe angewiesen. 
Beeindruckend ist, dass in der Gemeinde in Dercen diese Hilfe eine Hilfe zur Selbsthilfe ist. Mit dem Geld des GAW konnte fast der komplette Holzbedarf für die Innenrenovierung angeschafft werden. Die Gemeindemitglieder haben in Eigenleistung 1.000 Tage freiwillig für ihre Kirche gearbeitet. Inzwischen ist sie das Schmuckstück des Ortes.

175 Jahre deutschsparchige Gemeinde in Athen

Pfarrer René Lammer betreut die deutschsprachige Gemeinde in Athen. Er war schon Pfarrer in Santiago de Chile und Costa Rica bevor er nach einem kurzen Zwischenstopp in der Auslandabteilung der EKD nach Athen ging. Auf evangelisch.de wird über das Jubiläum der Gemeinde berichtet:
"Die Suche nach evangelischen Spuren in Athen fördert Erstaunliches zutage: einen frommen Olympia-Schirmherren, eine Bauhaus-Kirche und eine schöne Königin als protestantischen Star. An diesem Wochenende feiert die Athener Gemeinde ihren 175. Geburtstag..." Mehr unter:
Präsident Dr. Hüffmeier wird im November die Gemeinde besuchen. Anfang der 1930er Jahre wurde die Kirche vom GAW unterstützt. Das war damals eine große Sammlung, ohne die der Kirchbau nicht gelungen wäre. Vor zwei Jahren half das GAW bei der Sanierung des Pfarrhauses.

Sonntag, 14. Oktober 2012

Neuer Vizepräsident der IERP/Argentienien

Pastor Bernardo Spretz
Pastor Bernardo Spretz ist neuer Vizepräsident der IERP. Die Synode wählte ihn mit großer Mehrheit. Pastor Spretz ist 53 Jahre alt. Er stammt aus der Region Entre Ríos - Argentina. Er ist verheiratet und hat zwei studierende Kinder. Seinen theologischen Abschluss machte er am ISEDET in Buenos Aires. Odiniert wurde er im Jahre 1990 in Hohenau, Paraguay. Seine erste Gemeinde war die "Congregación Evangélica del Alto Paraná" (Paraguay). Danach arbeitete er in der "Congregación Evangélica de Capital Meza" (Paraguay). Seine dritte Pfarrstelle übernahm er in der "Congregación Evangélica de San Antonio". Seit 2010 gehört der der Kirchenleitung der IERP an. In diesem Amt folgt er Pastorin Annedore Venhaus.
Ein weiterer wichtiger Punkt, über den entschieden wurde, war die Gründung einer rechtlich unabhängigen Diakonie, die in Trägerschaft der IERP ist, jedoch rechtlich selbständig handeln kann. In der IERP gibt es insgesamt 80 verschiedene diakonische Projekte, die von 46 Gemeinden begleitet werden. Hauptverantwortlich wird dafür nun die Diakonieabteilung sein. Ab 2013 soll die Diakonie in dieser neuen Form arbeiten.

Freitag, 12. Oktober 2012

Synode der IERP in Argentinien


Vom 11.-14. Oktober findet/fand die Synode der Iglesia Evangelica del Rio de la Plata In San Antonio (Argentinein) statt. San Antonio wurde durch Wolgadeutsche 1889 gegründet. Bis heute ist die Region von diesen Einwanderern geprägt. San Antonio liegt ca. 25 km von der Stadt Urdinarrain entfernt in der Provinz Entre Rios.
Als Leitmotiv begleitet die Synode das Leitwort: " Dir zu Ehren Gott will ich singend voller Freude dein Zeuge sein!". So wird mit Bibelarbeiten, Andachten und Gottesdiensten diese Synode zu diesem Leitmotiv arbeiten. Wichtige Punkte der Synode sind neben Wahlen Anträge, die aus den Gemeinden kommen. So wird es. u.a. um den finanziellen Beitrag der Gemeinden für die IERP gehen. Ein weiterer wichtiger Punkt betrifft die Frage der Gründung einer rechtlich eigenständigen Struktur für die Diakonie der Kirche.
Aus Deutschland sind Abgesandte der westfälischen Partnerkirche und des Lutherischen Missionswerkes vertreten.

Mittwoch, 10. Oktober 2012

Besuchsreise nach Ungarn


In der kommenden Woche führt mich eine Dienstreise u.a. nach Ungarn. Dort werde ich mit den Kirchenleitungen sowohl der reformierten als auch der lutherischen Kirchenleitung zusammen treffen. Gespannt bin ich auf die Gespräche mit den Partnern des GAW. In Deutschland wird die ungarische Regierung sehr kritisch gesehen. Das wurde jüngst im Rahmen des Leipziger Lichtfestes am 9. Oktober sehr deutlich. In der „Rede zur Demokratie“ gab der Schriftsteller György Dalos ein differenzierten Einblick in die schwierige gesellschaftliche Situation des Landes. Die Regierung Orban hatte ein schwieriges Erbe übernommen von der sozialistischen Regierung. Zudem ist das gesamte politische Klima im Grunde von dem aus dem kommunistischen Denken herkommenden Freund-Feind-Schema belastet, so dass Regierung und Opposition sich schwer tun, in wichtigen Fragen zu einem politischen Konsens zu gelangen. „Unter diesen Bedingungen empfinde ich die Haltung einer Regierung als geradezu absurd, die sich im dritten Jahr ihrer Amtszeit mit den Vertretern der demokratischen Opposition nicht einmal zu einer Tasse Kaffee zusammenfinden will. Dabei hat diese Regierung angesichts der desolaten wirtschaftlichen und sozialen Lage geradezu die dringende Pflicht, um der Zukunft unseres Landes willen eine breite gesellschaftliche, parteiübergreifende, ja nationale Konsultation einzuleiten. Vielleicht ist die Hemmschwelle zu hoch, vielleicht brauchen wir an dieser Stelle Vermittlung von außen,“ sagt Dalos und beschreibt damit auch das teilweise unversöhnte Gegeneinander. Ein differenziertes Bild von Ungarn in solchen Konflikten zu bekommen ist nicht einfach. Und leicht wird auch in deutschen Medien ein schwieriges Bild der gegenwärtigen politischen Situation gezeichnet. „Wir rufen die Leipzigerinnen und Leipziger auf, beim Lichtfest klar Position zu beziehen“, erklärte eine Leipziger Linken-Stadträtin von der Initiative „Leipziger Korrektiv“ vor dem Lichtfest. Dabei wurde besonders das Auftreten des ungarischen Ministers Balog kritisiert. Balog studierte in Leipzig Theologie und gehört der Reformierten Kirche Ungarns an. Er setzt sich für die Integration der Roma in Ungarn ein. Er sprach in seiner Rede von den großen sozialen Problemen Ungarns. Die Leipziger Gruppe bemängelt eine Abwendung von Rechtsstaat und Demokratie in Ungarn, die Nähe der Regierung zu verfassungsfeindlichen Organisationen und die Tolerierung von Lynchjustiz. Solche Äußerungen sind es, die einen differenzierten Umgang mit der ungarischen Politik erschweren. Ob das wirklich zutrifft, muss hinterfragt werden. Denn gerade von deutschen Verfassungsrechtlern wird die neue Verfassung als modern und ausgewogen beurteilt. Auch das umstrittene Mediengesetz wurde revidiert nach der Intervention durch die EU und wird nicht mehr weiter hinterfragt. Insofern ist es nicht leicht, sich ein ausgewogenes Bild zu machen. Deshalb bin ich vor diesem Hintergrund auf die Gespräche mit den Vertretern beider ungarischen evangelischen Kirchen gespannt. – Pfarrer Enno Haaks

Dienstag, 9. Oktober 2012

Gerechtigkeit für evangelische Pastoren in Spanien - wann?

Bis zum 13. Oktober will die Regierung in Spanien auf die Anfrage des linken Abgeordneten Gaspar Llamazares vom 2. August diesen Jahres geben, wie sie sich zur Frage der Pensionszahlungen für die evangelischen Pastoren verhalten will. Der Strassburger Menschenrechtsgerichtshof hatte in seiner Urteilsverkündung Anfang des Jahres eine Gleichbehandlung mit den katholischen Priestern angemahnt. Bis jetzt ist jedoch noch nichts geschehen. Eigentlich hätte sie innerhalb eines Monats eine Antwort geben müssen. "Wann und wie gedenkt die Spanische Regierung an alle Geistlichen und die Witwen aller religiösen Minderheiten das volle Recht auf Pensionszahlungen einzuräumen, wie das Strassburger Gericht in seinem Urteil in diesem Jahr gefordert hat? Hier wurde Spanien verurteilt auf Diskriminierung im Vergleich zu den katholischen Priestern.," schrieb der Abgeordnete an die Regierung. 
Gespannt sind wir, wie die Auseinandersetzung ausgehen wird. Für unsere Partnerkirche ist dieses eine existentielle Frage. Sollte der Staat endlich Verantwortung für die Pastoren übernehmen, dann wäre der Haushalt der Kirche sehr entlastet und man könnte sich den Aufgaben widmen, die dem Aufbau der Gemeinden dient.

Montag, 8. Oktober 2012

Wahlen in Venezuela und die Folgen...

Wahlplakat 2012
Venezuela hat gewählt. Erneut hat es Hugo Chavez geschafft. 54 % der Stimmen hat er erhalten. Seine Verstaatlichungspolitik hat die Gesellschaft polarisiert nach 14 Jahren an der Macht. International tut er Ähnliches. - Das Leben einer Kirchengemeinde bleibt davon nicht unberührt. Davon schreibt Pfarrer Pferdehirt von der lutherischen Gemeinde San Miguel in Caracas:
"Unsere Gemeinde hier ist sehr geschrumpft. Ein großer Teil hat in den letzten Jahren mit den Koffern abgestimmt und ist in die Nachbarländer, in die USA oder nach Europa gegangen. Junge Leute suchen bessere Perspektiven in der „ersten Welt“, andere haben ihre Nische hier gefunden. Und doch, im Gespräch hört man es oft heraus: Viele sind in Alarmbereitschaft, bereit aufzubrechen, falls es am Sonntag für weitere sechs Jahre mit dieser Regierung weitergeht. Weil ihr Lebensstandard kontinuierlich gesunken ist. Weil sie ihren Betrieb bedroht sehen, immer neue Hürden überwinden müssen. Und über allem das Schreckgespenst der Enteignung schwebt. Das Vertrauen in Rechtssicherheit und Unabhängigkeit der Justiz – für viele ist es gebrochen. Und die Vorstellung, dass dies erst der Anfang sei, dass jetzt auf den Sozialismus die zweite Stufe, der Kommunismus folgen könnte mit weiteren Enteignungen (oder euphemistisch: „Nationalisierungen“) von Betrieben und Grundstücken, weiterer medialer Gleichschaltung, Propaganda in den Bildungseinrichtungen und schließlich mit dem Ende der Freizügigkeit, also Lebensbedingungen a là Cuba – für einen Großteil der europäischen Immigranten wäre das ein Horrorszenario. Andere hegen ihre Sympathien für die soziale Frage und das Anliegen der Missionen, der staatlichen Projekte in den sozialen Brennpunkten. Oder für die Ansätze der Selbstverwaltung in Kommunen und Kooperativen. Begrüßen es, dass der ärmeren Bevölkerung, insbesondere seinen indigenen Anteilen, jetzt Anerkennung entgegengebracht wird und jeder ein Recht auf Bildung und medizinische Versorgung hat (wie unzureichend sie im Einzelfall vor Ort auch sei – es fehlt an allem, an Ärzten, medizinischen Gerät, Medikamenten). Andere erinnern sich mit Scham an das fehlende soziale Gewissen in Teilen der venezolanischen Gesellschaft vor nicht allzu langer Zeit und sind froh, dass das jetzt anders ist. Dass es einen Präsidenten gibt, der den USA, der großen Übermacht im Norden die Stirn geboten hat. Der sich nicht manipulieren und benutzen lässt, sondern die Rechte Lateinamerikas selbstbewusst vertritt. Und sicher, es klingt auch so sympathisch: Das Venezuela jetzt allen gehöre, dass jetzt jeder die gleichen Chancen habe, dass jeder mitwirken könne... Ich selbst kann beides verstehen. Und sicher, die Botschaft Jesu, sie hat ein emanzipatorisches Potential. Eine Theologie der Freiheit, die Menschen sprach- und kritikfähig macht und sie aufruft, für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung einzutreten – eine solche Theologie ist mir persönlich lieb und wert. Die Option für die Armen, sie ist für mich eine unersetzbare ökumenische Basis. Und die Gemeinde in Caracas hat in ihrer Geschichte immer wieder gezeigt, dass Auslandsgemeinden gerade in Katastrophensituationen für die Menschen vor Ort da sein können, man denke an den Einsatz nach den Erdrutschen von 1999. Auf der anderen Seite sehe ich auch Gefahren, wenn ein Staat für sich in (absoluten) Anspruch nimmt, Heilsbringer für seine Bürger zu sein. Es nur noch auf die Konfrontation hinausläuft, es nicht um einen dritten Weg, sondern um Revolution und Überwindung der Gegner geht. Und hier liegt mein Unbehagen, wenn ich auf die vergangenen Regierungsjahre zurückblicke: Ein sozialer Frieden wird unmöglich, wenn 30 bis 40 % der Bevölkerung Venezuelas durch den Präsidenten diffamiert werden, weil es das simplifizierte ideologische Weltbild so sehen will. Es geht – und das hat der aktuelle Wahlkampf der Regierung gezeigt – um die Revolution, den Aufbau eines neuen Vaterlands, um die Liebe zum Präsidenten – und um den Kampf gegen die Gegner: Die USA, die Imperialisten, die Bourgeoisie, die konservative Oberschicht, die Ausbeuter. Kann hier eine Gemeinde verständlich machen, dass sie diesen staatlichen Heilsanspruch kritisch sehen muss, weil sie es ablehnt, ihr Zentrum, das eine Wort Gottes in Jesus Christus, mit einer politischen Weltanschauung zu vermischen, gleichgültig, ob sich dieser Extremismus mit einem Gewand auf rechts oder links verkleidet? Darum versuchen wir hier bei uns eine Kultur der Toleranz zu pflegen. Eine Kultur, die jedem selbstverständlich das Recht auf seine politische Überzeugung zuspricht. Und im realen Gemeindeleben ist die persönliche politische Orientierung des einzelnen ohnehin unerheblich. Wir als Kirche leisten Hilfe in und außerhalb unserer Gemeinde und versuchen, pragmatisch in Projekten für Bildung und Krisenhilfe mitzuwirken. Gleichzeitig – wenn auch ganz vorsichtig – wagen wir auf die Wahrung der Meinungsfreiheit und der Menschenrechte jenseits des Kirchturms zu schauen. Und nicht zuletzt: Es gibt es mitten unter uns, ein aktives Gemeindeleben von den Kleinstkindern bis zum Seniorennachmittag."

Freitag, 5. Oktober 2012

Peruanischer Kirchenpräsident zu Besuch im GAW


Kirchenpräsident Eliseo Mandamiento beim GAW
Seit vier Monaten amtiert Eliseo Mandamiento als neuer Kirchenpräsident der Lutherischen Kirche in Peru (ILEP). Er ist der erste Laie, der der Kirche vorsteht. Auf der Synode der ILEP wurde er überraschend gewählt. Die Delegierten wollten diesmal keinen amtierenden Pfarrer wählen. "Da haben wir in den vergangenen Jahren nicht immer gute Erfahrungen gesammelt," sagt Eliseo. "Jetzt müssen wir sehen, dass wir die Kirche auf eine gute Grundlage stellen. Vieles muss sich ändern. Auch müssen wir Vertrauen unserer Partner in Deutschland und Nordamerika wiedergewinnen."
Dann berichtet er, wie die Kirche entstanden ist. Die älteste lutherische Gemeinde in Peru ist die deutschsprachige Gemeinde, die Iglesia Ev. Luterana en el Peru. Von dieser Gemeinde aus gründete sich die mit Unterstützung des Hermannsburger Missionars Hans W. Mehnert entstandene Gemeinde „Cristo Rey“. Von dieser Gemeinde aus sind weitere Gemeindegründungen erfolgt, u.a. im Süden von Lima und in Trujillo im Norden von Peru. Andere Gemeinden entstanden aus der Missionsarbeit der nordamerikanischen lutherischen Kirche (ELCA),
die in den 1960er bis 1980er Jahren in Armenvierteln von Lima erfolgte. Vier dieser Gemeinden bildeten Anfang der 1990er Jahre die ILEP. Später schlossen sich ihnen die durch Hermannsburger Mission entstandenen Gemeinden an. Heute gehören der ILEP 16 Gemeinden mit rund 420 erwachsene Gemeindeglieder an (mit Kindern, Sympathisanten ca. 1.200). Der größte Teil der Pastorenschaft der ILEP sind einheimische Pfarrer. Dazu kommen eine Missionarin aus den USA sowie eine deutsche Missionarin aus Hermannsburg. Eine deutsche Pfarrerin arbeitet ehrenamtlich z.Zt.in der Gemeinde „Cristo Salvador“. Die ILEP ist Mitglied des Lutherischen Weltbundes und des Lateinamerikanischen Kirchenrats (CLAI). Die Finanzierung der ILEP ist abhängig von der ELCA, von Hermannsburg und dem GAW.

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Baubeginn in "Cristo Salvador" in Lima/Peru


Im März konnte ich mir noch ein Bild von der alten Kirche machen, in dem sich die Gemeinde Cristo Salvador in Lima traf. Man hatte mir einen zügigen Baubeginn versprochen. Nun gab es erneut Verzögerungen. Das hing auch mit den Neuwahlen und notwendigen Umstrukturierungen in der lutherischen Kirche in Peru (ILEP) zusammen. Der neue Präsident Eliseo Mandamiento brachte aber jetzt den Baubeginn auf den Weg. Er übergab die vom GAW überwiesenen Gelder. So konnte der Bagger anrücken, der das alte Gebäude entfernte. 
Pastorin Ulrike Sallandt betreut die Gemeinde. Sie macht das im Ehrenamt. Hauptberuflich arbeitet sie in Lima als Direktorin einer Schule. 
Hoffen und beten wir, dass die Arbeiten gut vorankommen werden, auf dass die Gemeinde wieder ein festes zu Hause hat, in dem auch das Äußere einladend und anziehend wirkt! - Pfarrer Enno Haaks

Mittwoch, 3. Oktober 2012

Gefahr für Christen im Nahen Osten

Im Projektkatalog des GAW gibt es einen Fonds für "Verfolgte Christen", mit dem sich das GAW solidarisch an die Seite derer stellt, die wegen ihres Glaubens bedrängt und verfolgt werden. Auf der Vollversammlung der GEKE in Florenz berichtete die Generalsekretärin der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen im Nahen Osten Rosangela Jarjour über die Situation im Nahen Osten. Auf der Seite der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich steht folgender Artikel:
"Auf die dramatische Situation der Christen im Nahen Osten hat Rosangela Jarjour aufmerksam gemacht. "Ich habe den Traum, eines Tages aufzustehen und zu sagen ´Ich bringe gute Neuigkeiten´, aber das kann ich im Moment nicht", sagte die Generalsekretärin der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen im Nahen Osten am Freitag, 21. September, bei der derzeit in Florenz tagenden Vollversammlung der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE). Noch nie hätten Christen eine "so schlimme Situation" erlebt. Die Zukunft der Christen im Nahen Osten sei, so die aus Homs in Syrien stammende Generalsekretärin, massiv gefährdet. Der Alltag von Christen, die vorher in Sicherheit leben konnten, sei nun von Angst bestimmt. Christen müssten nun erleben, dass sie nicht mehr ihre Religion ausüben könnten und persönliche Freiheitsrechte oder das Rederecht "weggenommen werden, alles was vorher säkular war, wird nun islamisiert". Allein in Ägypten seien über 50000 Christen seit Beginn der Revolution geflohen. In Homs sei ihre Familie gezwungen worden, die Heimatstadt zu verlassen. "Christen haben ihre Häuser, Geschäfte und Kirchen verloren, es wurde geplündert, vieles ruiniert oder verbrannt", berichtete Jarjour, die den Delegierten auch erschütternde Bilder von zerstörten Kirchen in Syrien zeigte..." Mehr unter: http://www.evang.at/themen/nachrichten/detail/article/zukunft-der-christen-im-nahen-osten-gefaehrdet/

Dienstag, 2. Oktober 2012

Wie und wann wurde die Bibel ins Spanische übersetzt?

Die Reformation war eine "Bibelverbreitungsbewegung". Allein aus der Heiligen Schrift erkennen wir, wer wir vor Gott sind und wie er zu uns steht, das ist ein Grundprinzip der Reformation. Deshalb sind die Übersetzungen der Bibel in die jeweilige Landessprache so wichtig. Der Reformation haben wir zu verdanken, dass die Bibel inzwischen in mehr als 2300 Sprachen  ganz oder zumindest teilweise vorliegt. Schätzungsweise gibt es 6.500 Sprachen auf der Welt.
"Wie wurde die Bibel ins Spanische übersetzt?" fragt Sonia Skupch, Generalsekretärin der Iglesia der Rio de la Plata (IERP) auf der Homepage ihrer Kirche: Die ersten Spanier waren Casiodoro de Reina und Cipriano de Valera, die am Ende des 16. Jahrhunderts/Anfang des 17. Jahrhunderts die biblischen Texte aus dem Hebräischen und Griechischen ins Spanische übersetzten. Die erste von Casiodoro de Reina und von Cipriano de Valera revidierte Ausgabe wurde "Biblia del Oso" (Bärenbibel) genannt, weil auf dem Deckblatt ein Bär abgebildet war, der Honig schleckt. Die in Spansicher Sprache am meisten genutzte Bibelausgabe ist bis heute die sog. "Reina-Valera", die auf diese beiden Spanier zurückgeht.
Casiodoro de Reina selbst sympathisierte mit dem Luthertum. Die katholische Kirche verfolgte ihn. Zeitweise sympathisierte er mit Calvin. Schließlich kam er nach Frankfurt, wo er 1594 starb.

Montag, 1. Oktober 2012

Kirchenleitende Lutheraner diskutieren über die Zukunft der Theologenausbildung in Lateinamerika

"Es ist dringend geboten, über neue Modelle und Formen der Theologieausbildung für die Zukunft nachzudenken und darüber zu sprechen, was die lutherischen Kirchen in Lateinamerika heute brauchen," sagte Pastorin Raquel Rodriguez von der ELCA, die dort für die Beziehungen zu den lateinamerikanischen Partnerkirchen zuständig ist. "Das signalisieren die Partnerkirchen immer wieder." Dabei geht es um Fragen, welche Ausbildung müssen PastorInnen heute haben? Was müssen diese Personen mitbringen und in der Lage sein zu leisten? Wie muss das Curriculum einer veränderten Ausbildung sein? Wie ökumenisch kann es sein? Muss man mit Partnerkirchen gemeinsam die Ausbildung neu überdenken? Geboten ist es, dass die verschiedenen Seminare in Lateinamerika gemeinsam schauen, wie Zusammenarbeit aussehen kann. Im August diesen Jahres fand in Bogota dazu eine Konsulation statt unter dem Titel "Neuer Wein in neuen Schläuchen".
Insgesamt ist die Frage der Theologenausbildung gerade für Diaspoarkirchen eine brennende. Es geht dabei auf der einen Seite um die Frage der Qualität, auf der anderen um die Frage, wie man junge Leute zu einem Theologiestudium in der heutigen Zeit motivieren kann.