Freitag, 27. Juli 2012

Hilsfonds des GAW "Verfolgte Christen"


Bau ener Schule im Norden Iraks mit GAW-Hilfe
Der sog. "Arabische Frühling" hat die Welt bewegt und hält sie nach wie vor in Atem. Viele Gegenden Nordafrikas, Ägyptens, des Libanon und jetzt besonders Syriens haben sich verwandelt. Hielten Diktatoren die Einheit des Landes früher gewaltsam zusammen so spürt man jetzt, wie fragil die jeweils gesellschaftlichen Strukturen sind. Und gerade die Fragen des gesellschaftlichen Zusammenhaltes sind kompliziert. Islamisten versuchen, die Situation auszunutzen. Auffällig ist, dass gerade in Ägypten die Situation für die koptischen Christen schwieriger wurde. In Syrien geht gerade unter den Christen die Angst um die Zukunft um. Davon berichtet ein Artikel auf evangelisch.de:
http://aktuell.evangelisch.de/artikel/5872/syriens-christen-angst?destination=node/5872
Vertreter der Bayrischen Landeskirche, die sich gerade für verfolgte Christen im Norden Iraks einsetzen berichten dem GAW, wie viele Christen, die vor Saddam Hussein nach Syrien geflohen sind jetzt wieder in den Norden Iraks, der für Christen einigermassen stabil gilt, zurückfliehen wollen. Um die Menschen dort zu unterstützen, werden u.a. christliche Schulen wieder aufgebaut und die nötige Infrastruktur gefördert. Daran beteiligen wir uns als GAW - auch wenn die Christen nicht protestantisch sind, sondern zu den alten christlichen Konfessionsfamiliendes Ostens gehören. Seit einigen Jahren beinhaltet der Projektkatalog einen Fonds, um sich der bedrohten Schwestern und Brüder über Konfessionsgrenzen einzusetzen, denn Verfolgung kennt keine Grenzen der Konfessionen. Es grenzt an ein Wunder, dass es überhaupt noch Christen im Irak gibt. Immer wieder kam es zu Verfolgungen und Massakern gegen die Angehörigen der Assyrischen Kirche des Ostens.

Mittwoch, 25. Juli 2012

Pensionen für spanische Pastoren - wann...?

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Cristinaismo Protestante" vom Juli 2012 äußert sich der Vorsitzende der Comisión Permanente Joel Cortes der Igelsia Evangelica Española zur Entscheidung des Strassburger Menschenrechtsgerichtshofes, in dem der Spanische Staat aufgefordert wird, endlich die Diskriminierung der evangelischen Pastoren zu beenden, die während der Frankodiktatur nicht in die Sozialkassen einzahlen durften. Die Folge war, dass die jetzt noch Lebenden keine staatliche Rente erhalten. "In der Francozeit gab es keine Chance, die Pastoren in die Sozial- und Rentenkassen zu bekommen," sagt Cortes. "Einige versuchten, sich als Lehrer zu versichern, andere als Verkäufer. Das durfte aber nicht rauskommen!" Und dann fährt er fort: "Der größte Skandal nach Wiedererlangung der Demokratie in Spanien war, dass es 17 Jahre gebraucht hat, um zu einer ersten Einigung zwischen der FEREDE (Vereinigung Protestan. Kirchen) und dem Staat zu kommen. Diese Vereinbarung erlaubte den Zugang zu den Sozialkassen, aber es fand keine Regelung der Wiedergutmachung für die Pastoren davor statt." Dann schildert Joel Cortes den Klageweg der Kirche bis hin zum Straßburger Menschenrechtsgerichtshof, und dass andere Kirche sich dem nicht anschlossen. "Lediglich aus dem Ausland gab es unterstützende Briefe vom ÖRK, von der KEK und anderen!" Wie es jetzt weitergeht? "Zur zeit hält die Comisión Permanente Kontakt zu den stattlichen Organen. Das geschieht in Zusammenarbeit mit der FEREDE. In einem ersten Treffen wurden wir um Zahlen gebeten, d.h. wie viele Pastoren sind betroffen, um wieviele Jahre geht es, wie hoch waren die Gehälter etc. Inzwischen liegen diese Zahlen dem Staat vor. Auf dem nächsten Treffen hoffen wir sehr, dass wir zu einer Vereinbarung mit dem Staat kommen werden."
Als GAW hoffen wir sehr, dass es gelingen möge! Z.Zt. sind 1/3 der Haushaltsmittel der IEE für Pensionsleistungen vorgesehen. das ist für die Entwicklung einer Kirche fatal.

Montag, 23. Juli 2012

"Ich war fremd" - Evangelisch in Frankreich

"So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen" - so heißt der Wochenspruch aus dem Epheserbrief. Und wie dafür als Auslegung ist ein neues Themenheft im Verlag des GAW erschienen: "Ich war Fremd". Es blickt auf die unsere evangelischen Partnerkirchen in Frankreich, die sich oft genug selbst als evangelische Christen fremd fühlen. Das wird deutlich, wenn man den Artikel von Pfarrerin Agnes von kirchbach liest, der sich mit der französichen Staatsräson der Laizität beschäftigt oder wenn man sieht, wie sich unsere Partner um die vielen Migranten kümmern oder wenn man sich die Geschichte der Hugenotten vergegenwärtigt. Zahlreiche evangelische Frauen kommen zu Wort. Der rote Faden des Heftes wird durch das Leitmotiv des Weltgebetstages 2013, dessen Liturgie aus Frankreich kommt, bestimmt: „Ich war fremd - ihr habt mich aufgenommen“.
Ab sofort kann das Haft im Verlag des GAW bestellt werden: http://www.gustav-adolf-werk.de/frauen-126.html
Zudem weisen wir auf das Jahrbuch (Evangelische Diaspora) des GAW hin, in dem etliche frankreichspezifische Artikel aufgenommen wurde:

Freitag, 20. Juli 2012

"Eurowaisen" und unsere GAW-Partnerkirchen


Eurowaisen in Litauen
Innerhalb der Grenzen der Europäischen Union können sich aus 27 Mitgliedstaaten die Menschen frei bewegen. Besonders interessant ist das für strukturschwache Regionen, in denen die Arbeitslosigkeit groß ist. Da zieht es Menschen dorthin, wo sie Arbeit finden. So zieht es Polen u.a. nach Großbritannien oder Irland, Rumänen nach Spanien. Litauer nach Deutschland, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Die Folge: Viele Kinder und Jugendliche bleiben zurück und wachsen bei Großeltern, Verwandten oder Nachbarn auf. Man spricht von sog. „Eurowaisen“. Mindestens 100.000 solcher Eurowaisen gibt es in Polen. In Rumänien sollen es nach Schätzungen ca. 350.000 sein. Überwiegend sind es die Väter die gehen. Aber besonders in Pflegeberufen werden Frauen aus Polen, Litauen, Lettland, Tschechien, der Slowakei u.a. Staaten angeworben um z.B. in Deutschland oder Österreich beim „Pflegenotstand“ auszuhelfen. Evaldas ist inzwischen Volljährig. Seine Mutter aus dem litauischen Jubarkas lebt seit vielen Jahren so. Sie ist Pflegehelferin in einem Haushalt in Deutschland. Drei bis sechs Monate bleibt sie in Deutschland, um dann für zwei bis drei Wochen nach Hause zu kommen. So hat sie für litauische Verhältnisse ein einigermaßen gutes Auskommen. Der Preis dafür: Evaldas ist alleine aufgewachsen. Pfarrer Mindaugas Kairys aus Jurbarkas kennt noch mehr Fälle von solchen „Euro-Waisen“: „Allein in meiner Gemeinde mit ca. 400 Mitgliedern arbeiten 30 Frauen als Pflegekräfte in Deutschland. Das ist auf der einen Seite gut für die Familien, denn hier gibt es kaum Arbeit. Andererseits geht es auf Kosten der Familien, denn das monatliche Fortsein bringt neue Probleme mit sich.“ Insgesamt wächst die Zahl verlassener Kinder täglich, die dringend psychologischen Beistand, Betreuung und einen rechtlichen Vertreter während der Abwesenheit ihrer Eltern benötigen. Die Problematik wird sich aller Voraussicht nach mit der anhaltenden Wirtschaftskrise eher noch verschärfen – und ausweiten. Zurückgelassene Kinder sind für die EU ein noch viel zu wenig bekanntes und beachtetes, indes rapide wachsendes Problem. Und die Zeit läuft: Elternlose Kinder werden möglicherweise ein anderes Verständnis vom Zusammenhalt und von der Mobilität Europas entwickeln als noch ihre hoffnungsvollen Großeltern und Eltern. Gerade für unsere osteuropäischen evangelischen Partnerkirchen ist diese Thematik der Eurowaisen eine Herausforderung – auch für den Zusammenhalt ihrer Gemeinden. Zudem sind sie gefordert bei der Begleitung dieser Kinder. In Litauen geschieht das beispielhaft in Šilutė. Im Diakoniehaus „Šilutės Sandora“ erhalten sie eine warme Mahlzeit, können Schulaufgaben machen, hören gemeinsam Gottes Wort, spielen und lernen Handarbeit und Kochen. Im Sommer lädt die Diakonie zu einer Freizeit ein. Um auch weiterhin bedürftigen Kindern helfen zu können, bittet „Šilutės Sandora“ um finanzielle Unterstützung. Bei Bedarf erhalten sie Schulmaterial, Bekleidung und Schuhe. Mehr Informationen: http://www.gustav-adolf-werk.de/projekt-des-monats-januar-2012-silute.html

Donnerstag, 19. Juli 2012

Ehemalige GAW-Stipendiatin zu Besuch in Leipzig

Marcia Palma
Im vergangenen Jahr konnte die chilenische Theologiestudentin Marcia Palma ihren theologischen Abschluss an der ISEDET in Beunos Aires ablegen. beinahe das gesamte Studium hat das GAW unterstützt - erst in Leipzig, dann in Buenos Aires. "Ich bin dem GAW sehr dankbar!" sagt sie in der GAW-Zentrale und fühlt sich unserem Diaspoarwerk tief verbunden. "Ohne die Hilfe des GAW und der Spender hätte ich es nicht geschafft!" Jetzt studiert sie noch ein Jahr in Berlin mit einem Aufbaustipendium des Lutherischen Weltbundes um ihre Diplomarbeit bis Ende August im kommenden Jahr abschließen zu können. "Ich bin gespannt, wie es dann weitergehen wird. Ich hoffe, dass ich ein Vikariat machen kann," sagt sie. In Berlin hat sie schon an dem Jahresfest des GAW der EKBO teilnehmen können und Kontakte geknüpft. 
Wir begleiten ihren Werdegang mit Spannung und freuen uns, wenn sie in den Dienst ihrer oder einer anderen lateinamerikanischen Partnerkirche treten kann.

Mittwoch, 18. Juli 2012

Abschied von unseren Stipendiaten 2011/12

Die Stipendiaten berichten von ihren Erfahrungen in Leipzig
Erneut ist ein Stipendienjahr zu Ende gegangen! "An den Abschlußabenden merkt man, wie schnell ein Jahr vergeht," sagte der Dekan der Theologischen Fakultät Professor Dr. Klaus Fitschen, immer gern gesehener Gast bei den Grillabenden im GAW. In seinen Worten an die "GAW-Stipis" hob er hervor, wie wichtig unsere Stipendiaten für die Fakultät sind. Aus Italien, Brasilien, Tschechien, Rumänien und der Slowakei kamen sie in diesem Jahr. In den nächsten Tagen reisen sie in ihre Heimatländer zurück und gehen mit sehr vielen erfahrungen zurück. Insbesondere haben sie sehr gut Deutsch gelernt und schätzen es, theologische Literatur auf Deutsch lesen zu können. "Hier kann ich freier Theologie studieren als in dem verschulten System bei mir zu Hause," gab ein Stipendiat offen zu. Samuel aus Rumänien hat es geschafft, en Anschlußstipendium zu bekommen vom Lutherischen Weltbund. Alessandro aus Italien bleibt ebenso ein weiteres Jahr, da seine Landeskirche will, dass er in Leipzig sein 1. Theologisches Examen ablegt.
Das GAW hat schon im 19. Jahrhundert Stipendiaten nach Deutschland zur Theologieausbildung geholt und hat damit eine sehr lange und gute Tradition, die weiter lebendig und wertvoll ist.

Dienstag, 17. Juli 2012

Seelsorge in einer HIV/AIDS-Klinik in St. Petersburg

Seelsorgerin Elena (links)
In der Petrigemeinde in St. Petersburg arbeitet die Theologin Elena mit. Sie nahm am Fernstudienkurs in Novosaratovka teil, machte ihren Abschluss dort und konnte dann mit deutscher Hilfe sich in Seelsorge in Deutschland fortbilden. So kam sie schließlich an ein Krankenhaus in St. Petersburg, wo es eine besondere Station gibt, auf der HIV/AIDS-Kranke betreut werden. Elena ist eingebettet in ein ökumenisches Team, das von einer französischen Ordensschwester geleitet wird, die von CARITAS finanziert wird. Dazu kommen zwei orthodoxe Christinnen und von lutherischer Seite Elena. Als Team sind sie inzwischen aufeinander eingespielt. Die französische Schwester und die orthodoxe Mitarbeiterin sind die, die für dieses Projekt stehen und nach außen oft "verteidigen". Propst Zierold sagt: "Das Projekt hat eine Zielgruppe im Blick mit einem der akutesten Probleme in der Stadt St. Petersburg. Es gibt viel mehr HIV-Infizierte und an AIDS Erkranke in dieser Stadt, als in  Deutschland gesamt. Das Thema wird in Russland tendenziell eher tabuisiert. Es besteht in meiner Sicht großer Bedarf."
Dass eine lutherische Theologin in einer öffentlichen Einrichtung mitarbeiten darf ist für russische Verhältnisse ungewöhnlich, aber ein großer Gewinn. Wie die Finanzierung der Stelle von Elena weitergehen wird ist unklar.

Montag, 16. Juli 2012

Nutze die Zeit!

"Sommer - die Zeit verlangsamt sich... - nutze die Zeit, geh an einen ruhigen Ort und meditiere über die Gnade Gottes, die dir umsonst geschenkt ist!" - mit diesem Poster und Slogan lädt die Evangelische Kirche in Spanien (IEE) ihre Mitglieder und Sympathisanten ein, die Zeit des Urlaubs zu nutzen. 
Ein wichtiger Impuls unserer Partnerkirche! Es gilt, über das eigene Leben nachzudenken, sich zu vergewissern, woher man kommt und wohin man geht und bei all dem zu erkennen, dass das eigene Leben umfangen ist von der Gande Gottes, die dem Leben Ausrichtung, Orientierung und Halt gibt.

Freitag, 13. Juli 2012

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in der Republik Kasachstan


Im Mai 2012 besuchte eine Delegation der Nordkirche aus Anlass der Synode der lutherischen Kirche die Republik Kasachstan. Pastorin Christa Hunzinger, Europareferentin des "Zentrums für Mission und Ökumene - Nordkirche weltweit" (vormals NMZ) schreibt in ihrem Reisebericht ausführlich über die Geschichte der luthersichen Kirche in dem zentralasiatischen Land:
"Die Geschichte der lutherischen Gemeinden in Kasachstan begann vor etwa 250 Jahren, als viele Deutsche nach Russland auswanderten, vor allem an die Wolga, in die Ukraine und in den Kaukasus. Dort bildeten sie zum Teil geschlossene Siedlungsgebiete oder lebten mit anderen Nationalitäten eng zusammen. Seit der Revolution 1917 und vor allem unter Stalin wurden die Kirche und dann alle 2 Millionen Russlanddeutschen verfolgt. Die letzte lutherische Kirche in der Sowjetunion wurde 1938 in Moskau geschlossen. Die Menschen werden nach Sibirien, Kasachstan und Mittelasien deportiert, zur Arbeit in der sog. Trudarmee oder Arbeitslagern gezwungen, verhaftet, zum Tode verurteilt oder ohne Urteil liquidiert. Vor allem viele Männer sind umgekommen, Frauen und Kinder mussten sich allein eine neue Existenz im Osten aufbauen. Über Jahrzehnte waren deutsche Sprache und christliches Leben (sogar der Besitz der Bibel und häusliches Gebet) streng verboten. Von den ursprünglich 200 lutherischen Pastoren arbeiteten nach dem Zweiten Weltkrieg nur noch drei. Einer von ihnen war Eugen Bachmann, dem es 1956 gelang, die Gemeinde Zelinograd (heute: Astana) als erste lutherische Gemeinde neu zu registrieren. Die Partnerschaft mit den Lutherischen Christen in Kasachstan begann mit dem Mecklenburgischen Landesbischof Dr. Heinrich Rathke. Er wurde 1972 der erste Beauftragte des Bundes Evangelischer Kirchen in der DDR für die Russisch-Orthodoxe Kirche. Dazu besuchte er Moskau, Leningrad und Riga und traf in Riga den lutherischen Oberpfarrer Harald Kalnins, der sich heimlich für die verbannten Christen in Sibirien, Kasachstan und Mittelasien einsetzte. Mit ihm war Heinrich Rathke zum ersten Mal in Kasachstan, weitere Kontakte und Besuche folgten. Er kam, um die Gemeinden zu besuchen und zu stärken oder manchmal auch erst zu finden. In der sowjetischen Zeit gab es in Kasachstan nur einzelne verstreute Gemeinden, denn bis in die 80er Jahre war es offiziell verboten, mit anderen Christen oder Gemeinden Kontakt aufzunehmen. So entwickelten sich erst seit Ende der 80er Jahre kirchliche Strukturen über die Gemeindegrenzen hinaus. Insgesamt nennt ein Gemeindeverzeichnis aus den 70er Jahren 74 Gemeinden in Kasachstan. Die größte Gemeinde war in der Stadt Karaganda mit 3.700 Mitgliedern – hier predigte der Bergmann Heinrich Nazarenus jeden Sonntag zu 1.000 –1.500 Gottesdienstbesuchern in zwei bis drei Schichten. Die nächstgrößeren Gemeinden waren in Alma-Ata (1.002 Mitglieder) und Zelinograd (853 Mitglieder). 1992 wurde Dr. Heinrich Rathke von Harald Kalnins, seit 1988 Bischof der neu gegründeten Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Sowjetunion, zum bischöflichen Visitator von Kasachstan eingesetzt. 1993 wurde die Evangelisch-Lutherische Kirche in der Republik Kasachstan auf der konstituierenden Synode in Almaty offiziell gegründet. Zum ersten geistlichen Leiter der Kirche wurde Richard Kratz gewählt – er hatte noch den Titel Superintendent -, ihm folgten ab 1996 Bischof Robert Moser, ab 2001 Bischof Peter Urie und seit 2005 ist Jurij Timofejewitsch Novgorodov Bischof. Seit den 90er Jahren sind unzählige Gemeindeglieder nach Deutschland ausgereist. So ist die Kirche sehr geschrumpft – von 228 Gemeinden im Jahr 1993 auf 52 heute – und die Anzahl der Deutschsprachigen stark zurückgegangen. Um auch junge Menschen zu erreichen, beschloss die Synode schon in den 90er Jahren, den Gottesdienst nicht länger auf deutsch, sondern auf russisch zu halten – ein schmerzhafter Prozess für viele Ältere. So erinnerte Hans-Heinrich Jarchow in seinem Grußwort auf der Synode an einen Synodalen, der damals bitterlich weinend erklärte: „Der Russ hat uns geschlagen, weil wir unseren Gott in deutsch loben wollten. Und jetzt sollen wir Gott in russisch loben?“ Doch es war eine wichtige Entscheidung, um der Kirche eine Zukunft zu geben. So erklärte Bischof Jurij Novgorodov einmal stolz: „Aus einer monoethnischen Kirche sind wir eine multiethnische Kirche geworden.“ 1997 verlegte die Kirche ihren Sitz von Almaty nach Astana. Heute hat die Kirche etwa 2.500 Mitglieder in 52 zum Teil sehr kleinen Gemeinden. Es gibt zehn Pastoren sowie viele Predigerinnen und Prediger (mehrheitlich Frauen). Es gab eine Pastorin und Pröpstin in Kasachstan, bei der Diskussion über die Frauenordination in der Synode in den 90er Jahren wurde von einer großen Mehrheit betont: „Ohne die Frauen hätte unsere Kirche die vielen Jahre der Unterdrückung niemals überlebt. Da können wir doch nicht jetzt sagen, sie seien nicht von Gott berufen.“"

Donnerstag, 12. Juli 2012

Abschied von den GAW-Stipendiaten 2011/12

Thiago in der Mitte mit Alzbeta und Blazka
Erneut neigt sich ein Jahr für die Stipendiaten des GAW dem Ende zu. Es war intensiv. Und dieser Jahrgang war erneut gut. Zwei Studierende je aus Brasilien und der Slowakei, eine tschechische Stipendiatin, ein rumänischer und ein italienischer Stipendiat und eine solwenische Stipendiatin waren Teil des Jahrgangs 2011/12 in Leipzig.
Heute verabschiedete sich Thiago von den Mitarbeitenden in der Zentrale des GAW. Er geht an seine brasiliansiche Fakultät in Sao leopoldo zurück. In zwei Jahren wird er seinen Abschluss machen und dann hoffentlich eine lutherische Gemeinde übernehmen können. 
In der kommenden Woche wird es mit Professoren der Fakultät, Kommilitonen aus dem Studienhaus und Mitarbeitenden aus der Zentrale einen Abschlußgrillabend geben.

Mittwoch, 11. Juli 2012

Neue Hoffnung für La Esperanza


Für mich ist es nach wie vor die schönste Kirche, die ich kenne! An ihr hängt Herzblut. Am Sonntag Palmarum 2004 wurde die Kapelle "La Esperanza" in Santiago de Chile in der Kommune La Florida im Sektor Villa O´Higgins eingeweiht. Es war wie ein kleine Wunder, wie dieser Kapellenbau zustande kam. Als ich den Pfarrdienst in Santiago antrat, da gab es im diakonischen Zentrum eine kleine lutherische Gemeinde, die aus der Arbeit des Kindergartens und der Schule in diesem Armenviertel entstanden war. Irgendwann hatte man ihr eine kleine Holzhütte als Kapelle zur Verfügung gestellt. Sie war im Grunde baufällig und keiner konnte sie mehr gebrauchen. Bald schon träumten die Gemeindemitglieder von einer eigenen Kapelle. Geliebt wurden sie jedoch nicht in dem Zentrum und waren nie besonders gut integriert. Der lutherischen Versöhnungsgemeinde im Norden der Stadt und Träger des diakonsichen Zentrums war das aber ein Herzensanliegen, hier einen Ort der Verkündigung zu haben. Und so begann man, den Plan der Gemeinde zu unterstützen. Nur wie? In der zeit feierten sowohl mein Vater als auch ein guter Freund ihre 70igsten Geburtstage. Wie ein Wunder kamen über 80% der Baukosten nur durch diese beiden Feiern zustande. Was fehlte, gab das Gustav-Adolf-Werk und die Versöhnungsgemeinde. Und so konnte dann am Sonntag Palmarum die Kapelle geweiht werden. Ein wunderbarere Tag!
Nur - so wunderbar ging es mit der Gemeinde nicht weiter. Der zuständige Pastor ging. Die Nachfolgerin arbeitete mit mäßigem Erfolg. Bald ging auch sie und so blieb die Gemeinde vakant. Einmal im Monat übernahm ich die Gottesdienste in der Kapelle. So richtig in Schwung kam die Arbeit nicht. Es fehlte jemand, der regelmäßig vor Ort war. Jetzt gibt es endlich wieder jemanden. Miguel heißt er. Er studiert noch Theologie. Inzwischen hat er die Aufgabe bekommen, hier Menschen zu sammeln, mit der Schule zusammen zu abrieten und zu versuchen Gemeinde zu bauen. Der Enthusiasmus ist groß. Und wir hoffen und beten, dass es gelingen möge, hier wieder als lutherische Kirche Präsenz zeigen zu können. - Pfarrer Enno Haaks

Dienstag, 10. Juli 2012

Geburtstag von Johannes Calvin

Am 9. Juli wird an den Geburtstag des "geistigen Vaters der Reformierten Protestantismus" im Jahre 1509 (gest. 1564) erinnert: Johannes Calvin. Im Rahmen der Reformationsdekade wurde ihm und seinem Wirken im Jahre 2009 ein besonderes Themenjahr gewidmet. Neben Martin Luther gilt er als einer der bedeutendsten Reformatoren. Er hat das Reformationswerk Luthers weitergeführt und dem Protestantismus in Westeuropa zum Durchbruch verholfen. Lange Jahre war er evangelischer Pfarrer in Genf. Umfangreiche Schriftwechsel sind von ihm erhalten, mit denen er die reformatorischen Bestrebungen in ganz Europa unterstütze. Zahlreiche Bücher schrieb er, u.a. eine umfangreiche Dogmatik des christlichen Glaubens.
Auf der Homepage der EKD zum Calvin-Jahr 2009 heißt es: "Mit dem Calvin-Jahr wurde 2009 die "Luther-Dekade" der Evangelischen Kirche in Deutschland überaus erfolgreich eröffnet. Weltweit wurde des 500. Geburtstages des Genfer Reformators gedacht, der mit seiner Theologie und seiner rationalen Weltsicht zur Entwicklung der modernen Gesellschaft beigetragen hat. Die folgenden Themenjahre der "Luther-Dekade" werden vielfach Anlass geben, erneut über Calvin und sein Wirken nachzudenken. 2014 ist Calvin 450. Todestag."
Auf der ekd-Hompage findet man umfangreiche Auskunft über J. Calvin:  http://www.ekd.de/calvin/index.php
Ach unter folgendem link kann man sich einen guten Überblick verschaffen: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/tagfuertag/1641132/

Freitag, 6. Juli 2012

6. Juli - Todestag von Jan Hus

Das "Hus-Haus" in der Jungmanova in der Prager Altstadt

Der 6. Juli ist der Todestag von Jan Hus (1371 - 6.7.1415). Über hundert Jahre vor der deutschen Reformation forderte er eine Erneuerung der Kirche und wurde dafür auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Sein Aufbegehren hat weitreichende und nachhaltige Folgen. "Den Gedanken der Reformation brauchte Hus nicht erst zu erfinden. Er lag Vielen seit der Zeit im Sinn, als das päpstliche Schisma direkt die Krise offenbarte, an der die Kirche schon lange gelitten hatte. Die Bedeutung Hus' besteht darin, dass er zum Sprecher des Reformprogramms wurde, für dessen Verwirklichung er nicht nur die tschechische Bürgerschaft und die Landbevölkerung um sich zu versammeln verstand, sonder auch einen bedeutenden Teil der Pfarrerschaft und des Adels. Dem Ringen um die Reformation der Kirche opferte er sein Leben", schreibt Amadeo Molnar im Jahrbuch des GAW "Die Evangelische Diaspora" aus dem Jahr 1984/85 (S. 41f).
Die hussitische Reformbewegung ist die erste Reformationsepoche. Als Prediger der Prager Bethlehemgemeinde und späterer Rektor der Prager Universität gewann Jan Hus schnell Popularität und kämpfte für die Erneuerung der Kirche.
Als Folge von Hus' Wirken wurden 1420 die Vier Prager Artikel verfasst, welche folgende Forderungen enthielten:
die Freiheit für die Predigt
die Freiheit für den Kelch
die Freiheit von säkularer Kirchenherrschaft
die Freiheit von ungerechter weltlicher Herrschaft
Der Kelch spielte eine wichtige erkennbare Rolle. Er wurde zum Kennzeichen der hussitischen Reformation. Das heilige Abendmahl wurde das erste Mal im Jahre 1414 in der Prager Kirche Martin an der Mauer gefeiert.
Mehr über Jan Hus finden Sie hier: http://www.reformiert-info.de/209-0-37-5.html

Donnerstag, 5. Juli 2012

Neues GA-Blatt erschienen!

Die dritte Ausgabe des GA-Blattes in diesem Jahr ist gerade erschienen! Die Themen reichen von der Situation der Waldenserkirche am La Plata über die Situation der Theologenausbildung in Lateinamerika und in Rußland bis hin zu Themen der Migranten in der Waldenserkirche in Italien. 
Immer wieder berichten wir im GA-Blatt über die große Bandbreite der Themen, die unsere Partnerkirchen in der weltweiten Diaspora bewegen.
Zudem berichten immer wieder unsere Hauptgruppen über ihre Aktivitäten in den Regionen. Sie sind die, die dafür sorgen, dass wir überhaupt evangelische Partnerkirchen weltweit in der Form unterstützen können, wie es derzeit geschieht. Mit der Arbeit des GAW wird neben der bandbreite der Informationen eben auch Gemeinschaft gestiftet - und das sowohl bei den Partnern als auch bei uns!
Es lohnt sich, Menschen für ein Abonnement des GA-Blattes zu gewinnen. das stärkt unsere Arbeit und kostet nicht viel (Jahresabo 7,16 Euro). Wer einen Abonnenten gewinnt - und sich auf diesenText im Blog bezieht, erhält ein Buch aus dem Verlag des GAW!!! - Pfarrer Enno Haaks

Mittwoch, 4. Juli 2012

Christlich in Frankreich

"Zahlenmäßig ist der Protestantismus heute die dritte Religionsgruppe in Frankreich, nach dem Katholizismus und dem Islam," schreibt Jean-Pierre Bastian von der Universität Straßburg. Trotz Verfolgung konnte sich der Protestantismus in Frankreich behaupten. Inzwischen bewegt sich viel. Die neuen Migrantenkirchen verändern den Protestantismus. Zudem gibt es mit dem Laizismusgesetz eine Besonderheit. "In Frankreich sind wir im Blick auf die Säkularisierung und ihre Auswirkungen auf die Kirche gegenüber Deutschland weit voraus," sagt Pastor Daniel Junker, Generalsekretär der "Union de Églises Protestantes" im Elsaß/Frankreich. Er spielt damit auf die strikte Trennung von Staat und Kirche in Frankreich seit 1905 an, die dem Vorschub geleistet hat.  Wie organisieren sich christliche Kirchen in diesem Kontext? Wie verhält man sich zum Laizismusgesetz?
Auf www.evangelisch.de beschäftigt sich ein Artikel mit diesen Fragestellungen:
Im kommenden Jahr wird sich der Weltgebtstag Frankreich widmen. Im Juli kommt aus diesem Anlass ein Themenheft des Verlages des GAW heraus, das einen interessanten Blick auf unsere Partner wirft und versucht, den Kontext zu beleuchten, in dem sie sich zu bewegen haben. Über den Verlga des GAW ist es zu bestellen und wird ca. 4,90 Euro kosten (verlag@gustav-adolf-werk.de).
Zudem bietet das aktuelle Jahrbuch "Die Evangelische Diaspora" gute Überblicksartikel über die Protestanten in Frankreich.:
- "Der französische Protestantismus in neuer Zusammensetzung" (J.-P. Bastian)
- "Die Lutheraner in der Èglise Protestante Unie de France" (J. Dautheville)
- "Die Union de Èglises protestantes deÀlsace et de Lorraine (UEPAL)" (J.-F. Collange)
- "Migrantenkirchen in Frankreich: eine stille Revolution" (E. Parmentier)
- "Hundert Jahre Museum der Wüste" (M. Carbonnier-Burkhard)

Dienstag, 3. Juli 2012

Christlich in Spanien

Lange galt es, dass "gute Spanier" Katholiken sein müßten. Das war quasi identisch. In der Zeit der Francodiktatur wurde die katholische Kirche Spaniens auch benutzt, um die Einheit Spaniens zu stärken. Das ging besonders auf Kosten der Protestanten. Unsere Partnerkirche, die Iglesia Evangélica Española (IEE), kann davon ein Lied singen, wie sie eingeschränkt wurde - bis dahin, dass die Pastoren ein Berufsverbot hatten. Dagegen hat sich die Kirche in diesem Jahr vor dem Europäischen Menschenrechtsgerichtshof zur Wehr gesetzt - mit Erfolg. 
Die katholische Kirche hat bei Weitem nicht mehr den Einfluß, den sie einmal hatte. Davon berichtet der Artikel auf www.evangelisch.de:
Wer mehr über die Geschichte der IEE erfahren möchte, kann das in der neuen Ausgabe der "Evangelischen Diaspora" aus dem Verlag des GAW nachlesen. In zwei ausführlichen Artikeln wird Auskunft gegeben über die kirchliche Situation und das Staat-Kirche-Verhältnis in Spanien. Zu bestellen unter: http://www.gustav-adolf-werk.de/theologie.html

Montag, 2. Juli 2012

Fußball und Protestantismus

Die Europameisterschaft ist vorbei. Spanien holt erneut den Titel. Deustchland muss weiter warten. Auf ein Neues in zwei Jahren bei der Weltmeisterschaft in Brasilien. Inzwischen bleibt Zeit, sich Gedanken über eine "Weltauswahl des Protestantismus" zu machen. In der "Evangelischen Orientierung" (2/2012) des Evangelischen Bundes (EB) hat Prälat Dr. B. Felmberg seine Auswahl vorgestellt. Und natürlich hat er den Namenspatron des ältesten evangelischen Hilfswerkes in die Startelf eingebaut. Gustav II. Adolf spielt in seiner offensiv ausgerichteten Aufstellung die Position des linken Aussenverteidigers. Er ist "der unermüdliche Kämpfer, der den Protestantismus vor dem Garaus bewahrt," schreibt Felmberg. Eine gut gewählte Position, denn sie konzentriert sich nicht allein auf das Abwehrverhalten. Er muss neben den Aufgaben in der Defensive die Offensive unterstützen, also Angriffe mittragen und initiieren. Insbesondere bei Standardsituationen übernehmen auch Verteidiger die Aufgabe, Tore zu erzielen. Vor allem die Außenverteidiger sind in modernen Spielsystemen auch für die Offensive wichtig. Sie sollen sich immer wieder ins Angriffsspiel einschalten, Tore erzielen oder zumindest vorbereiten. So gesehen übernimmt er die Rolle des Philipp Lahm in der deutschen Nationalmannschaft.