Donnerstag, 31. Mai 2012

Treffen der Hauptgruppe Braunschweig des GAW

"Hier ist nichts anderes als Gottes Haus!" so hieß es in der Tageslosung am 30. Mai. Mit diesen Worten begann das Treffen der Hauptgruppe Braunschweig. Der Vorsitzende Pfarrer Stoischek nahm darauf Bezug und verwies auf die Notwendigkeit, "heilige Orten" zu haben, um Gemeinde zu sammeln, Freud und Leid zu teilen, zu beten und Gott zu loben. Umso mehr ist es notwendig, denen zu helfen, die solche Orte brauchen, aber auf die Solidarität anderer Kirchen angewiesen sind.
Inzwischen gehören ca. 10 Mitglieder der neu gegründeten Hauptgruppe Braunschweig des GAW an. Sie tritt die Rechtsnachfolge der alten Hauptgruppe an, die es seit dem 19. Jahrhundert im Braunschweiger Land gab. Nur gab es in den letzten Jahren aus verschiedenen Gründen keine Aktivitäten und keine Mitarbeit im GAW. Nur eine Vertreterin der Frauenarbeit, Frau Denzer-Horneber, hielt die Erinnerung an das Diasporawerk der EKD in ihrer Landeskirche lebendig. Bei all den Problemen, eine neue Satzung zu erstellen, sie vom Amtsgericht genehmigen zu lassen, die Zustimmung vom Finanzamt zu erhalten etc. ist die Hauptgruppe nach einer kleinen Satzungsänderung, die nun beschlossen werden konnte, arbeitsfähig. 
Auf der Sitzung wurden Ideen ausgetauscht, wie man in Zukunft die Diasporaverantwortung in der Landeskirche stärken kann. Die Landeskirche gibt zum Glück einen Zuschuss, damit die Arbeit beginnen kann. Davon wurde u.a. ein Probe-Abo des GA-Blattes an alles Braunschweiger Gemeinden gesandt.
Es ist eine kleine Gruppe am Entstehen, die uns hilft, unsere Gesamtverantwortung erfüllen zu können. dankbar sind wir für diese Gruppe und ihre Motivation. - Pfarrer Enno Haaks

Dienstag, 29. Mai 2012

Ich will euch Zukunft und Hoffnung geben ... - Schulanfängergottesdienst 2012

Um die Bitte für eine gelungene Schulzeit geht es in jedem Schulanfängergottesdienst, der von vielen Kirchengmeinden in Zusammenarbeit mit Grundschulen angeboten wird. Die Schulzeit der Kinder möge gelingen, sie sollen "Zukunft und Hoffnung" haben.
Die Arbeitsgemeinschaft der Frauenarbeit gibt in jedem Jahr Materialien für einen Schulanfängergottesdienst heraus. Neben einem komplett ausgearbeiteten Gottesdienstentwurf wird auch ein Liedblatt angeboten. Die Materialien können in der Zentrale des GAW bestellt werden (verlag@gustav-adolf-werk.de) oder im Internet heruntergeladen werden: 
Für die Schulanfängergottesdienst wird eine Kollekte zugunsten der Jahresprojekte der Frauenarbeit gebeten, die sich in diesem Jahr der sorgen und Nöte unsere griechischen und slowenischen Partnerkirchen kümmert. Auch hier geht es um "Zukunft und Hoffnung". Eines der Projekte aus Griechenland ist z.B. folgendes:
Die evangelische Kirche in Griechenland möchte Menschen in Not helfen. Sie kaufte das Haus eines früheren Pfarrers in einem kleinen Ortsteil der Stadt Giannitsa und baute es zu einem „Zufluchtshaus“ um. Hier erhalten Opfer von Gewalt Obdach und Begleitung. Frauen aus der Gemeinde kümmern sich um die Betroffenen. Für dieses Engagement benötigt die Gemeinde Unterstützung.


Sonntag, 27. Mai 2012

Pfingsten in Moskau


Dr. Hüffmeier (links) mit Bischof Brauer
Letzte Station der Reise der Delegation des GAW war die Peter und Paul Kirche in Moskau. Der Präsident des GAW Dr. Wilhelm Hüffmeier predigte im Pfingstgottesdienst der Gemeinde. Bischof Brauer führte liturgisch durch den Gottesdienst. Abschließend sagte Dr. Hüffmeier in seiner Predigt:
"In der kleinen Lutherischen Kirche Russlands kann man die verbindende Kraft des Heiligen Geistes am Werk spüren. Die Delegation des GAW wohnte in den Räumen des Theologischen Seminars in Novosaratovka. Einige dieser Räume tragen Namen von Personen, denen das Theologische Seminar seine Existenz verdankt, Namen aus Nordamerika, die einen Brückenschlag, eine Verbindung anzeigen, die die Gewissheit stärkt: Gott ist am Werk, wo seiner Kirche aufgeholfen wird, und junge Leute lernen, verständlich von den großen Taten Gottes zu reden. 
Nichts anderes ist das Motiv der Diasporahilfe des Gustav-Adolf-Werkes. Im Deutschen kann man GAW übrigens auch als Kurzform von „Gott am Werk“ verstehen. Dass, wo Gott am Werk ist, Menschen miteinander verbunden werden, das ist für uns der Maßstab. Wenn Menschen dabei aus sich herausgehen, Angst und Furcht überwinden und auf andere bislang unbekannte Menschen zugehen, dann tun sie genau das, was die Jünger am Geburtstag der Kirche taten. Zu wem der Heilige Geist gekommen ist, der freue sich, danke Gott und mache diesem Geist alle Ehre.Wem der Geist fehlt, der bitte um ihn. Er hat verheißen, gerade zu denen zu kommen, die ihn brauchen."
Das wünschen wir den Schwestern und Brüdern in Russland!

Samstag, 26. Mai 2012

Lutheraner in Russland

Altarraum der luth. Kirche in Uljanowsk
"Die lutherische Kirche ist kein einheitliches Gebilde", erklärte Propst Matthias Zierold aus St. Petersburg am Beginn der Delegationsreise des GAW in das Ev.-Lutherische Kirche im Europäischen Russland (ELKER). "Und die den Gemeinden übergeordnete Kirchenstruktur mit dem Zentralen Kirchenamt, dem Amt des Erzbischofs, der Generalsynode wird oft als nicht passend zu den Kirchengemeinden empfunden." Das können wir inzwischen gut nachempfinden: Wir haben Brüdergemeinden kennengelernt mit ihrer ganz eigenen Tradition, in der ein Prediger, der viel erlitten hat, Predigten von Carl Blum vorliest. Daneben existieren evangelikal ausgerichtete Gemeinden, die sich Unterstützung und Begleitung aus Nordamerika oder Norwegen holen. Hier gibt es klare Moralvorstellungen, aber auch einen bewundernswerten diakonischen Einsatz. Dann gibt es traditionelle lutherische Gemeinden wie in St. Petersburg. Dann gibt es ordinierte Pastorinnen, die um ihre Rechte kämpfen mussten. Losgelöst davon erscheint die Ausbildungsstätte Nowosaratowka. Je nachdem, wo man sich befindet, sieht man die ELKER in einem anderen Licht. Die kommenden Jahre werden entscheidend sein. Gelingt es, die Kirchenstrukturen an die Realität einer kleiner gewordenen Kirche anzupassen? Wird das Kircheneigentum vom Staat zurückgegeben, und hat man die Menschen, die sich um die Bewirtschaftung kümmern können, um eine nachhaltige Kirche zu entwickeln, deren Abhängigkeit aus dem Ausland mehr und mehr weniger wird? Schaffen es die Verantwortlichen, für ihre Kirchengebäude vernünftige Nutzungskonzepte zu entwickeln? Und wie bildet man die Gemeindeleiter fort? Schaffte man es, ein gemeinsames Konzept zu entwickeln und das Seminar in Nowosaratowka dahingehend einzubinden?
Je nachdem, wo man ist und mit wem man spricht, ergeben sich neue Aspekte, die helfen zu verstehen, dass nach einer langen Diktatur Kirche ganz neu gegründet werden muss. Dabei gehört die Erinnerung an die schwere Vergangenheit ebenso dazu wie eine Wertschätzung der verschiedenen Traditionen. - Pfarrer Enno Haaks

Freitag, 25. Mai 2012

Die Vergangenheit im Rücken, die Zukunft vor Augen


Kirche in Uljanowsk
Diese Worte stehen neben einer Fotoausstellung in der Kirche von Samara. Hier hat besonders Pastorin Olga Temirbulatowa durch ihr Handeln und ihren persönlichen Einsatz dafür gesorgt, dass wenige Wochen nach der Rückgabe der Kirche in Uljanowsk auch die Kirche in Samara noch in den 90er Jahren mit ihren Gebäuden der Kirchengemeinde übergeben wurde. Beide Kirchen waren in einem erbarmungswürdigen Zustand - heruntergekommen mit freiem Blick in den Himmel. Inzwischen sind beide Kirche ein Zeichen dafür, dass es wieder lutherisches Leben gibt, dass es Hoffnung gibt, dass es Neuaufbrüche gibt. An beiden Kirchengemeinden spürt man, dass es der Einsatz von wenigen Menschen braucht, um etwas in Gang zu bringen, um Gemeinde auf den Weg zu bringen. Man spürt aber immer wieder die Vergangenheit im Rücken. Wie sehr man damit um? Verdrängt man? Setzt man sich mit dem Erlebten und der Geschichte und dem Bedrückenden auseinander? Im Evangelium spricht Christus: "Die Wahrheit macht euch frei!" Es gelingt mal besser, mal schlechter, sich dieser Vergangenheit zu stellen, sich mit ihr auseinanderzusetzen und sich zu erinnern. Gelingt es, ins Innere zu holen, zu erinnern, was schmerzhaft ist, was aber Teil der lutherischen Identität ist. Diese Spannung haben wir auf unserer Reise durch das europäische Rußland immer wieder erlebt. Und mit diesen Spannungen verbinden sich ambivalente Empfindungen. Manchmal denkt man, dass es noch Jahre dauern wird, bis sich einigermaßen stabile kirchliche Verhältnisse gebildet haben. Auch das Volk Israel war 40 Jahre unterwegs ...
Die Vergangenheit gehört mit der Zukunft eng zusammen. Vom Erinnern lebt der christliche Glaube. Er weiß, dass zu einem gelingenden Leben immer das Erinnern und Hineinnehmen der Opfer dazugehört. - Pfarrer Enno Haaks

Einweihung des Gemeindezentrums in Togliatti


Die Leiterin der Frauenarbeit überreicht zur Einweihung
eine Erinnerungstafel
„Wir haben viel Liebe empfangen, und deshalb wollen wir viel Liebe weitergeben“, sagt Pastorin Tatjana Schiwoderowo in ihrer Predigt in dem neuen Gemeindezentrum der lutherischen Gemeinde in Togliatti in der Wolgaregion. Gerade rechtzeitig zum Einweihungsgottesdienst ist die Delegation des GAW in Togliatti. Martin-Luther-Bund und die Frauenarbeit des GAW haben den Kauf ermöglicht. Wobei die Räumlichkeiten klein sind. In den Mehrzweckraum passen nicht mehr als 30 Menschen. „Im Ostergottesdienst war alles übervoll“, erzählt die Pastorin stolz. Sie arbeitet seit 2003 Togliatti, verbindet diakonische und gemeindliche Arbeit. Ein Vorzeigeprojekt ist die Arbeit mit Menschen mit Behinderungen. In Russland gibt es nur wenige solcher Initiativen. In Berlin hat sich die Pastorin mehrfach fortgebildet. Nebenbei ist sie Tanzlehrerin und verdient sich dadurch einen guten Teil ihres Gehaltes. Die Gemeinde hat es in Togliatti, der Autoststadt an der Wolga, nicht leicht, erkennbar zu sein. Als Provisorium ist die Lösung mit der Wohnung erst einmal gut und sichert das Gemeindeleben. „Aber in einem orthodoxen Land müssen wir als Kirche auch mit unseren Räumen sichtbar sein“, erläutert Pastorin Olga Temirbulatowa aus Samara.
„In Russland haben wir den Eindruck, dass das Alte und das Neue miteinander ringen,“ sagt der Präsident des GAW, Dr. Wilhelm Hüffmeier, in seinem Grußwort bei dem Einweihungsgottesdienst. „Aber“, so fährt er fort, „unser Glaube sagt uns, dass in Christus das neue siegt. Deshalb freuen wir uns über die Gemeinde in Togliatti, in der durch die enge Verknüpfung zwischen Diakonie und Kirche ein Zeichen gesetzt wird.“

Donnerstag, 24. Mai 2012

Das Wunder von Saratow



Der Rohbau der Kirche in Saratow
„Möchtest Du Wunder sehen, dann komm nach Saratow!“, lud uns der Ehrenvorsitzende der lutherischen Gemeinde in Saratow an der Wolga, Peter Hamm, ein. Er ist unermüdlich dabei für seine Gemeinde Mittel zu sammeln, damit endlich wieder eine schöne lutherische Kirche in Saratow steht. 1972 wurde die alte lutherische Kirche in der Breschnew-Ära gesprengt. Sie stand im Zentrum an der „Deutschen Straße“. Saratow war eine der größten Städte deutscher Siedler und ein wichtiger und reicher Handelspunkt. Lange war sie das Zentrum für die ganze Region.
Anfang der 90er Jahre hat sich lutherisches Leben wieder gesammelt. Die Gemeinde ließ sich registrieren. Anfangs traf man sich in einem Kellerraum, der der katholischen Gemeinde gehörte. Dann begann das Projekt einer neuen Kirche zu reifen. Pläne wurden gemacht und Geld gesammelt. 2006 war es soweit: Der Bau konnte beginnen. Nur – man baute auf Hoffnung. Ca. eine halbe Million Euro ist verbaut. Man braucht noch einmal so viel. Anderseits kann man anhand des Rohbaus erahnen, wie die Kirche von der Wolga aus in Zukunft ein Blickfang sein wird. „Das wird die Menschen neugierig machen. Und wir werden dann auch verstärkt diakonische Angebote machen können. Ein Kindergarten wäre denkbar“, sagt Propst Alexander Scheiermann. Wie der Ehrenvorsitzende und der Propst erzählen, glaubt man ihnen, dass sie es bis 2017 schaffen könnten, das Gebäude fertig zu stellen. „Das ist doch ein schönes Ziel“, ergänzt Präsident des GAW, Dr. Hüffmeier, „wenn ihr zum Reformationsjubiläum hier mit eurer neuen Kirche seid!“ Es gibt noch viel zu tun, aber Kirchen wurden auch in der Vergangenheit immer über längere Zeiträume gebaut.

Mittwoch, 23. Mai 2012

Ein neues Bethaus für Kamyschin

Dr. Hueffmeier mit den beiden Predigern
„Friede sei mit Euch!“ Mit diesem Gruß empfängt Prediger Benno Fischer jedes Mitglied der GAW-Delegation, als wir sein Bethaus in Kamyschin an der unteren Wolga betreten. 30 Jahre gibt es das Haus schon. 1976 konnte sich wieder eine lutherische Gemeinde gründen, nachdem es bis in die 30erJahre noch zwei große lutherische Gemeinden in der Stadt gegeben hatte. Benno hat in der Verfolgungszeit viel erlebt. 10 Jahre war er alt, als zwei seiner Onkel von der Miliz erschossen wurden. Seine Großmutter wäre es beinahe ebenso ergangen. „Sie hat, als der Milizionär in unser Haus stürmte, die Bibel genommen und ihm laut und bestimmt gesagt: Diese Bibel gehört mir! Das hat so viel Eindruck hinterlassen, dass man sie in Ruhe ließ. Die Familie wurde trotzdem verschleppt. Ende der 70er Jahre kam Benno nach Kamyschin zurück und wurde Prediger. Er macht das in der Tradition der Brüdergemeinden. Das ist eine konservative Frömmigkeit. Inzwischen hat er sich einen Nachfolger ausgesucht. Paul heißt er. Benno bringt ihm alles bei. „Einer muss den Menschen zeigen, Jesus nachzufolgen und den gekreuzigten und auferstandenen Christus predigen!“, sagt er.

Das Bethaus ist in die Jahre gekommen. Alles ist schief. Es gibt keine Heizung mehr. Das Fundament ist instabil. Das Bethaus soll abgerissen werden und ein neues entstehen, in dem dann auch der Prediger wohnen kann. Die Gemeinde ist klein, aber stabil. „Wir brauchen ein neues Bethaus, denn wie sollen neue Leute kommen, wenn wir so ein kaputtes Bethaus haben?“, fragt Benno.
Das GAW sammelt in diesem Jahr für dieses neue Bethaus. Ein gutes und wichtiges Projekt, dass den Menschen hilft, ihren evangelischen Glauben zu stärken. – Pfarrer Enno Haaks

Rückgabe von Kircheneigentum in Russland


Der russische Staat hat im vergangenen Jahr ein Restitutionsgesetz erlassen. Es erlaubt u.a. Kirchen, ihre ehemaligen Liegenschaften wieder als Besitz zu erlangen. Das ist für viele Kirchengemeinden überlebensnotwendig. „Für 12 Liegenschaften haben wir in St. Petersburg einen Antrag auf Rückübertragung gestellt“, erzählte uns der Verwaltungsleiter Valentin Dovgan in St. Petersburg. „Damit könnten wir bei guter Bewirtschaftung u.a. die Ausbildungsstätte finanzieren.“ Über das Zentrale Kirchenamt der Evangelisch-Lutherischen Kirche (ELK) wird jetzt schon eine Buchhandlung am Newski Prospekt geführt, das Gewinne erwirtschaftet. In Moskau ist man ebenfalls dabei, die Papiere zusammenzutragen, um die Kirche und die verschiedenen Nebengebäude zu erhalten. Danach stünde wohl ein größeres Investitionsprogramm an. Jedoch könnte man bei guten Vermietungen auch hier die Kirchengemeinde finanzieren und die Kirche erhalten. Überhaupt spielt die Frage des Konzeptes eine große Rolle. Nur dort, wo zusammen mit der Kirche bewirtschaftbares Eigentum zurückgeben wird, lohnt sich die Rückgabe. Das ist an den verschiedenen Orten unterschiedlich. In Sarepta kommt ein weiteres Problem hinzu. Hier gibt es alte historische Gebäude, auf die das städtische Museum Anspruch erhebt. Sie kämpft  mit der Kirchengemeinde um die Rückgabe. Zudem wird argumentiert, dass die lutherische Gemeinde ursprünglich nicht Nutzerin der Kirche war, sondern die pietistische Herrenhuter Bewegung. Wobei die Herrenhuter Ende des 19. Jahrhunderts Teil der lutherischen Kirche wurden. Einzig in Samara ist die Rückübertragung bisher gelungen.
Problematisch bei der Restitutionsfrage sind weiterhin die Schwierigkeiten zwischen den Gliedkirchen und der ELK, die sich als Rechtsnachfolgerin der alten ELKRAS-Kirche sieht. Wer ist zuständig? Wer darf Anträge stellen? Wie regelt man die Zuständigkeiten? Für die Zukunft der Kirchen und ihrer Gemeinden ist es wichtig, dass man dem Staat gegenüber vereint auftritt. – Pfarrer Enno Haaks

Dienstag, 22. Mai 2012

Lutherische Gemeinde in Sarepta/Russland

Propst Stuhlberg vor dem Gemeindehaus
"Wenn die Heizung im Gemeindehaus der lutherischen Gemeinde in Sarepta nicht eingebaut worden wäre, dann hätte ich den Winter hier nicht leben können," sagt Anna, die für ein Jahr als Freiwillige von Aktion Sühnezeichen ihren Dienst in Sarepta ableistet. Im vergangenen Jahr konnten das Gustav-Adolf-Werk den größten Teil der Kosten für die Sanierung der Heizungsanlage im Gemeindehaus übernehmen. "Die ganze Gemeinde ist dem GAW und allen Spendern für die großartige Unterstützung dankbar!", sagt Propst Oleg Stuhlberg, der die lutherische Gemeinde leitet und für sieben weitere kleine Gemeinde in einem weiten Umkreis zuständig ist.
Sarepta gehört kommunal zu Wolgograd, das ca. 1.000.000 Einwohner zählt. Die Stadt hat eine riesige Ausdehnung. Die Schlacht um Stalingrad im 2. Weltkrieg hatte die Stadt völlig zerstört. Nur im Süden in der alten Herrenhuter Siedlung findet sich alter Baubestand. Unter Katharina II. erhielten die Herrenhuter die Erlaubnis, sich hier niederzulassen. Die Brüder erhielten maßgebliche Sonderkonditionen, wodurch sie günstige Bedingungen für ein wirtschaftliches Wachstum hatten. Das eigentliche Ziel war die Missionierung der buddhistischen Kalmyken. Das gelang nicht. Die Mission ist aber nicht gescheitert, sondern fand erst gar nicht richtig statt. Die Schwierigkeiten, welche die Brüder bei der Einrichtung einer Infrastruktur am Rande der Steppe zu bewältigen hatten, ließen den Missionsauftrag in den Hintergrund treten.
Seit 1990 gibt es lutherisches Gemeindeleben in der alten Herrnhuter Kirche.  Das denkmalgeschützte Haus neben der Kirche ist zu einem regionalen Begegnungszentrum, nicht nur für Russlanddeutsche, geworden. Hier trifft sich die Gemeinde. Auch übernachten kann man hier. Propst Stuhlberg leitet seit 10 Jahren die Gemeinde.
Besonders die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg hatte sich für die Sanierung der Kirche mit erheblichen Summen eingesetzt. Aus Cottbus wurde eine Orgel gespendet.
Man kann nur hoffen, dass es gelingt, mehr Menschen der Umgebung für die Gemeinde zu interessieren. - Pfarrer Enno Haaks

Montag, 21. Mai 2012

Peter und Paul in Moskau

Zentrumsnah liegt die Peter-und-Paul-Kirche der Evangelisch-Lutherischen Kirche im Europäischen Russland in Moskau. Am 30. November 2008 konnte die Kirche, die 1905 erbaut und 1938 geschlossen worden war, nach 70 Jahren wieder in ihren kirchlichen Dienst übernommen werden. Damals sagte Erzbischof Edmund Ratz: "Diese Kirche lebt für dieses Land, diese Stadt, diese Menschen. Diese unsere Kathedrale St. Peter und Paul soll wieder ein sichtbarer Ausdruck unseres lutherischen Bekenntnisses hier in Moskau sein." Und das tut sie inzwischen wieder. Nur gab es im vergangenen Jahr auch heftige Auseinandersetzungen und eine Gemeindespaltung. Die Situation hat sich beruhigt und die Gemeinde wächst inzwischen wieder dank der umsichtigen Arbeit des jungen Bischofs Dietrich Brauer, gemeinsam mit dem Gemeindepfarrer Bobylew, der gleichzeitig Arzt ist. In der Schweiz hat er Theologie studiert.

Der Gottesdienst ist mit 80-100 Besuchern stabil. Ca. 300 Mitglieder gehören der Gemeinde an. Beliebt sind die Orgelkonzerte, die viele Besucher anlocken und dadurch auch auf die Kirche aufmerksam machen. Die Gemeinde hat für die Kirche und einige umliegende Gebäude nur das Nutzungsrecht. Gegenwärtig werden Unterlagen vorbereitet, damit die Kirche ins Eigentum der Gemeinde übergehen kann.

Sonntag, 20. Mai 2012

Besuch in der Katharinengemeinde/St. Petersburg

Katharinenkirche in Petersburg
In St. Petersburg gibt es zwei Gemeinden der Evangelisch-Luthersichen Kirche (ELK). die Katharinengemeinde ist rein russischsprachig, hat aber eine über 200jährige Tradition mit deutschen Wurzeln. Ihr Gehören ca. 90 Mitglieder an. Den Gottesdienst besuchen ca. 30-40 Mitglieder. "Unsere zweite Gemeinde ist die Vespergemeinde am Mittwochabend", erzählt Elvira Zeijds, Vorsitzende der Katharinengemeinde. Jeden Mittwoch versammeln sich in der Kirche über 100 Menschen, die durch die wunderbare Orgelmusik angelockt werden. "Eine feste Vereinbarung ist, dass es immer eine lutherische Predigt gibt", sagt Zeijds. "Das ist ein teil unserer Missionsarbeit!" Immer mal wieder werden Menschen dadurch für die lutherische Kirche interessiert. Dazu kommt ein diakonisches Programm, das Beratungsstunden durch Studierende der juristischen Fakultät und der medizinischen Fakultät der Universität anbietet. Hier erhalten solche Menschen Hilfestellung in rechtlichen und medizinischen Dingen, die diese Dienste nicht bezahlen könnten. Die Gemeinde selbst lebt von den Orgelkonzerten und den Mieteinnahmen eines Tonstudios. So ist sie wirtschaftlich unabhängig. Hauptpfarrer ist der Rektor der Fakultät, Anton Tichomirow. er wird durch einen Prediger unterstützt.
Die Katharinengemeinde ist z.Zt. dabei, einen Antrag beim Staat  auf Rückübertragung des Eigentums des Kirchegeländes zu stellen. Es sieht gut aus. - Das GAW hat kürzlich geholfen, das Dach der Katharinenkirche zu sanieren. - Pfarrer Enno Haaks

Ein Brief aus Tallinn

Auf der Internetseite der EKD gefunden: 
„Island! Wie interessant!“ So reagierten noch vor einigen Jahren manche Deutsche, wenn jemand erzählte, er komme aus Estland. Oder sie fragten etwas unsicher nach der geographischen Lage Estlands im Baltikum: „Ist das das in der Mitte?“ Die ehemalige Sowjetrepublik, seit 1991 ein unabhängiger Staat, war eher unbekannt. Kein Wunder, wenn selbst die „Bild“-Zeitung sie noch Anfang der Neunziger als „Balkanstaat“ bezeichnet. Mittlerweile ist das Wissen über das Land an der Ostsee – das übrigens „ganz oben“ im Baltikum liegt, angrenzend an Lettland und Russland – erheblich gewachsen. 
Lesen Sie weiter: 

Samstag, 19. Mai 2012

Besuch bei Edith Müthel

Edith Müthel
"Ich bin 93 Jahre alt!" Edith Müthel ist eine der wenigen alten Russlanddeutschen, die zur Petrigemeinde am Newski Prospekt in St. Petersburg noch dazugehören. Ihr liegt die deutsche Sprache am Herzen. Sie liebt die alten deutschen Choräle. Und so beginnt unser Besuch bei ihr mit "Harre meine Seele". Danach erzählt sie, wie sie 1956, als die "Deutschen" wieder Papiere bekamen, unter großen Schwierigkeiten nach St. Petersburg zurückkam. Hier war ihr Vater noch als einer der letzten lutherischen Pfarrer in der St. Annenkirche ordiniert worden. In der stalinistischen Verfolgung wurde er wie so viele Pastoren und Prediger ermordet. Bewegend erzählt Edith Müthel, wie sie sich 1997 in St. Annenkirche hat konfirmieren lassen, nach einem langen und bewegten Leben, das gezeichnet ist von dem Leiden der Russlanddeutschen in der stalinistischen Zeit und danach. In vier Schreibhefte hat sie auf Bitten der Leiterin der Frauenarbeit des GAW, Vera Gast-Kellert, ihr Leben aufgeschrieben. In diesem Jahr werden ihre Erinnerungen im Verlag des GAW als Buch herausgegeben und damit helfen, das Leiden der Deutschen in der Sowjetzeit nicht zu vergessen.
Vera Gast-Kellert schreibt: "Dass Edith Müthel im hohen Alter von 90 Jahren einen Blick auf die Stationen ihres bewegten Lebens wirft, ruft Bewunderung hervor. Dass sie es in der von ihr so sehr geliebten und auch unterrichteten Sprache Deutsch tut, ist ein weiterer Grund, der große Bewunderung verdient. Dass es ihr aber auch gelingt, nach den langen Jahren gegenüber all den Menschen, deren oft unerwartete lebensrettende Hilfe sie erfuhr, immer wieder ohne Bitterkeit ihre Dankbarkeit auszudrücken, macht sie zu einem Vorbild. Sie lässt einzelne Situationen, schwere und schöne, noch einmal lebendig werden, sowohl für sich selbst, aber auch für die Leser und Leserinnen." Wir hoffen, dass das Buch viele Leser finden wird. - Pfarrer Enno Haaks

Die Petrikirche am Newski Prospekt

In den "Katakomben" der Petrikirche - rechts Propst Zierold
Stolz steht sie am Newski Prospekt: die evangelisch-lutherische Petrikirche. Hier befindet sich die Gemeinde von Propst Matthias Zierold. Nominell gehören ca. 600 Mitglieder zur Gemeinde. 300 sind aktiv, und von ihnen bezahlen rund die Hälfte Kirchenbeiträge. Das Bewusstsein, Kirchenbeiträge zu zahlen, sei nicht immer einfach zu vermitteln, so Zierold. "Die Gemeinde ist gewachsen auf Grund ihrer diakonischen Tätigkeit. Hier bekam man in den 90er Jahren etwas zum Essen und Kleidung," erzählt Propst Zierold. "Als das dann nicht mehr so war, blieben viele weg." Heute gehören zur Gemeinde Menschen aus der unteren und aufstrebenden Mittelschicht. "Sogenannte Russlanddeutschen sind wenige da. Es gibt noch viele, die deutsche Wurzeln haben, aber die Arbeit findet auf Russisch statt". Und Zierold fährt fort: "Der Gottesdienst muss auf Deutsch sein und wird ins Russische übersetzt. Das gehört irgendwie zur Identität der Gemeinde. Das fordert auch der Kirchenvorstand." 
Früher passten in die Kirche einmal 3000 Menschen. Sie war der Stolz der Deutschen in St. Petersburg. In der Stalinzeit wurde in das Gebäude ein Schwimmbad eingebaut. Mit großer Hilfe wurde die Petrikirche wieder zu einer Kirche umgestaltet, nachdem sie 1992/93 der Gemeinde zur Nutzung wiedergegeben wurde. Noch ist das Schwimmbecken unter dem jetzigen Kirchenschiff zu sehen. Hier ist eine Gedenkstätte an die Verfolgung der Stalinzeit eingerichtet. "Heute reicht der neu errichtete Kirchenraum völlig aus", bestätigt Matthias Zierold. "Es ist gut, dass wir diese Lösung gefunden haben, damit auch die Leiden und die Geschichte der Gemeinde sichtbar wird."
In der Petrikirche ist auch das Zentrale Kirchenamt untergebracht. Sie hat das Nutzungsrecht und hat jetzt einen Antrag auf Rückübertragung gestellt. Das ist z.Zt. ein brennendes Thema. "Dank der Rückgabe von Kircheneigentum werden wir in der Lage sein, selbständiger zu wirtschaften und unabhängiger von ausländischer Hilfe zu sein", berichtet Verwaltungsleiter Dovgan. Für zwölf Liegenschaften laufen gegenwärtig die Anträge. Wir hoffen, dass die ersten Entscheidungen in 2-3 Jahren fallen werden." Bis dahin bleibt die nicht immer einfache Abhängigkeit aus dem Ausland. - Pfarrer Enno Haaks

Freitag, 18. Mai 2012

Quo vadis? - Wohin geht es mit den Lutheranern in Russland?

Präsident Dr. Hüffmeier im Gespräch mit VwL Dovgan von der ELK
"Wir sind an einem Nullpunkt angekommen",gibt der Verwaltungsleiter Valentin Dovgan des Zentrales Kirchenamtes der Evangelisch-Lutherischen Kirche (ELK) freimütig zu. Die ELK ist seit anderthalb Jahren Rechtsnachfolgerin der ELKRAS, der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Rußland und anderen Staaten.
Valentin Dovgan erklärt uns in einem Gespräch die Hintergründe der gegenwärtigen Krise des Kirchenbundes. Nach der Perestroika hat sich eine zentralistisch ausgerichtete Kirche gebildet unter dem damaligen Erzbischof Georg Kretschmar. Die Realitäten änderten sich jedoch bald, allein dadurch, dass Länder wie die Ukraine, Georgien, Kasachstan, Kirgistan und Usbeskistan ihre Unabhängigkeit erklärten und sich zu selbstbewussten Partnerstaaten Rußlands entwickelt haben. Wirtschaftlich ist man aufeinander gewiesen, jedoch haben die einzelnen Länder unterschiedliche Entwicklungen durchgemacht. Das hat auch zu einer stärkeren Unabhängigkeit der einzelnen lutherischen Kirchen geführt. Schwierig ist es jedoch auf russischem Gebiet. Rechtlich kann man fast von drei Kirchen sprechen: der ELKER (Ev.- Luth. Kirche im Europäischen Rußland), der ELKUSFO (Ev.-Luth. Kirche im Ural, Sibirien und Fernen Osten) und der ELK. Wie beziehen sich diese drei rechtlichen Kirchenstrukturen aufeinander? Wer hat das sagen? Wer ist der Gegenüber zum Staat? Wie soll die Zukunft der Kirchen im russischen Gebiet in Zukunft aussehen?
Solche unbeantwortete Fragen hemmen zur Zeit die weitere Entwicklung. Davon betroffen sind auch Fragen der Rückgabe von Kircheneigentum, das nach der Revolution enteignet worden war. Das führt zu Konflikten, die gelöst werden müssen. Die Kirchen sind klein. Das Gebiet ist riesig. Den Zusammenhalt zu wahren ist ebenso schwierig, denn es gibt sehr unterschiedliche Frömmigkeitsstrukturen. Dazu kommt ein Netz von Partnerschaften zu Kirchen und Gemeinden im Ausland, das unübersichtlich ist. Jeder hat dabei bestimmte Interessen, die durchaus unterschiedlich sind. Wir beobachten die Entwicklungen und hoffen und beten, dass es zu einem Miteinander kommt, das tragfähig ist. "Wir brauchen eine Unterstützung von außen, um zu verstehen, wer wir als Lutheraner in Russland sind", sagt Propst Zierold im Gespräch in der Petrikirche. - Pfarrer Enno Haaks

"Gott tut Wunder in Russland!"

Die GAW-Delegation mit Erzpriester Vladimir (rechts)
- diesen Satz sprach Erzpriester Vladimir von der Fürst-Vladimir-Kathedrale in St. Petersburg, als er auf eine Frage hin das immense Kirchbauprogramm der russisch-orthodoxen Kirche erläuterte. Auf der einen Seite gibt es den Wunsch der Kirche, besonders in Neubausiedlungen präsent zu sein, auf der anderen Seite wurden in der Sowjetzeit sehr viele orthodoxe Kirchen zerstört. Daneben gibt es die Notwendigkeit, Kirchen zu restaurieren, die über viele Jahre nicht gepflegt werden konnten. Kürzlich wurde in Deutschland von den Kirchbauten in Russland besonders entlang der Transsibirischen Eisenbahn berichtet. Finanziert werden diese Bauten auf unterschiedliche Weise: Da ist zum einen die Kirche selbst, die mit Hilfe der Spenden der Gläubigen das notwendige Geld aufbringt, daneben gibt es z.B. reiche Spender aus der Erdöl- und Gasindustrie, desweiteren hat der Staat ein Programm aufgelegt und unterstützt die Kirche. Und - auch die Partei "Einiges Russland" ist mit von der Partie. Hieran merkt man, wie intensiv die orthodoxe Kirche mit dem Staat verwoben ist. Manchmal fragt man sich dabei, wer eigentlich wen "umarmt" und für seine Interessen nutzt?
Erzpriester Vladimir erzählt dann ausführlicher von einem Kirchbau, das ihm am Herzen liegt: eine orthodoxe Gedenkkathedrale vor den Toren St. Petersburgs, auf dem Friedhof, auf dem 47.000 Opfer des Stalinismus begraben liegen. 3.190 deutsche Opfer sind unter ihnen. Die Kathedrale soll der gemeinsamen Erinnerung dienen, um nicht zu vergessen, was geschehen ist, denn "ohne Erinnerung an die Opfer gibt es keine Zukunft. Hier spielen die Konfessionsgrenzen keine Rolle," schließt Erzpriester Vladimir. - Pfarrer Enno Haaks

Donnerstag, 17. Mai 2012

Hoffnungsvoller Gemeindeaufbau in Achangelsk/Russland

Alte luth. Kirche von Archangelsk
In Archangelsk gibt es seit dem 16. Jahrhundert lutherisches Leben. Die günstige geographische Lage ca. 1000 km nordöstlich von St. Petersburg am Weißen Meer mit den Handelsmöglichkeiten haben schnell zu einer Gemeindegründung geführt. Auch hier hatte es die lutherische Kirche in der Sowjetzeit sehr schwer. Aber sie hat es geschafft, in kleinen brüdergemeindlichen Kreisen zu überleben.
Nach der Wende hoffte man - wie an so vielen Orten -, dass es möglich sei, hier wieder ein starkes lutherisches Leben aufzubauen. Man hoffte auf die Rückgabe der alten Kirche, in der inzwischen die Philharmonie untergebracht war. Daraus wurde nichts. Aus den großen Plänen wurde ein Desaster. Zum Glück gab es Nina, die sich in Nowosaratowka zur Predigerin ausbilden ließ. Treu sorgte sie dafür, dass die Gottesdienste stattfanden. Meist traf man sich in Wohnzimmern mit 8-10 Gläubigen. Zu einer ordentlichen Registrierung der Gemeinde fehlte die Kraft. Jetzt starb Nina im Alter von 70 Jahren. Aber dieses Durchhalten hat die Gemeinde erhalten, denn so konnte Oleg zur Gemeinde stoßen. Er hatte eigentlich mit der lutherischen Kirche nichts zu tun gehabt und hatte einige Kirchen ausprobiert. Durch Zufall besuchte er die kleine lutherische Gruppe. Hier entdeckte er das, was er suchte: eine Gemeinde, die ihn aufnahm. Er ließ sich taufen. Inzwischen absolviert er Kurse in Nowosaratowka und beginnt, die Rolle von Nina zu übernehmen. Selbst ist er als Ofenbauer unabhängig, so dass die Gemeinde keine Sorgen mit der Bezahlung des Predigers haben wird. Inzwischen wächst die Gemeinde - auch Dank der Initiative von Oleg. 17 Mitglieder haben sich eingeschrieben. Oleg ist begeistert dabei. Schwer ist es, ohne jegliche Tradition zu beginnen und Gemeinde aufzubauen. Wir sind gespannt, wie es dort weitergehen wird. - Pfarrer Enno Haaks

Theologische Ausbildung in Russland

"Nowosaratowka liegt ruhig, abgelegen vom Lärm der Großstadt St. Petersburg direkt an der Newa und ermöglicht es unseren Studenten, sich ohne Ablenkung auf das Studium zu konzentrieren", erzählt Dr. Anton Tichomirov, Leiter der Theologischen Ausbildungsstätte der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland (ELK). "Andererseits ist die Lage kompliziert, sowohl vom Ort, als auch von der Situation her", fährt er fort. 
Dr. Hüffmeier, Anton Tichomirov und Vera Gast-Keller
Die lutherischen Kirchen in Russland und in den angrenzenden Staaten, die in einem Verbund sich zusammen geschlossen haben, sind geschrumpft. Sie brauchen z.Zt. keinen Theologennachwuchs. Zudem ist die Interessenlage sehr unterschiedlich. Fortbildungen finden häufig auf lokaler Ebene statt, was durchaus zu verstehen ist, denn aus Wladiwostok oder Kirgisien anzureisen ist sehr teuer. Auch die theologischen Ausrichtungen sind unterschiedlich. Ein Absolvent erzählte Anton Tichomirow einmal in Sibirien: "Ich studierte in Nowosaratowka, weil meine Kirche das verlangte. Ich habe getan, was von mir erwartet wurde. Hinter der liberalen Ausrichtung der Fakultät stehe ich nicht. Es fehlt die Herzensfrömmigkeit." Andere Regionen in Russland haben mit der evangelikalen Bewegung zu tun, die oft sehr einlinig ist. "Gerade diese Bewegung nimmt zu", erläutert Tichomirow.
Theologische Ausbildungsstätte in Novosaratovka
In diesem Jahr werden elf von den derzeit 14 Studierenden das Seminar verlassen. Sie haben ihre Abschlüsse dann gemacht. Ob sie in den Kirchen übernommen werden ist fraglich. Drei Studierende bleiben noch. Wenn sich keine neuen finden, wird es schwierig. "Wir sind Gott dankbar für jedes weiter Jahr", sagt Tichomirow. "Aber ob es uns 2013 so noch geben wird, darüber wird diskutiert."
Es gibt verschiedenen Zukunftsmodelle. Ein Modell sieht ein Zusammengehen mit der Ausbildungsstätte der ingermanländischen lutherischen Kirche vor. Ein anderes Modell schlägt eine Konzentration in der Petrikirche vor. Und ein weiteres Modell überlegt, die Ausbildung virtuell durchzuführen, wie es in anderen Kirchen schon umgesetzt wurde, z.B. in Kolumbien. Das alles sind schwerwiegende Entscheidungen. Nur - wer wagt sie zu treffen? Ein weiterer wesentlicher Faktor dabei sind auch die ausländischen Geldgeber, die EKD, der LWB, die nordamerikanischen Unterstützer. Wie lange können sie hier noch fördern?
Anfang der 90er Jahre hatte man sich in Nowosaratowka viel vorgenommen. Und viele der derzeitigen Pfarrer in den russischen Kirchen haben hier ihre Ausbildung absolviert. Zudem rechnete man mit noch viel mehr Lutheranern. Man erhoffte sich ein Aufblühen lutherischen Lebens. Das ist so nicht eingetroffen, auch durch die große Auswanderungswelle nach Deutschland. Inzwischen rechnet man mit ca. 15 - 20.000 Lutheranern in allen Gliedkirchen der ELKRAS (Russland, Georgien, Aserbaidschan, Kasachstan, Usbekistan, Kirgisien, Ukraine). - Pfarrer Enno Haaks

Mittwoch, 16. Mai 2012

Beginn der Russlandreise

Die Delegation des GAW, das sich bis Pfingsten auf Besuchsreise in der ELKER, der Evangelisch-Lutherischen Kirche im Europäischen Russland, aufhält, ist komplett. Am Mittwochabend trafen sich der Präsident des GAW Dr. Wilhelm Hüffmeier, Leiterin der GAW-Frauenarbeit Vera Gast-Kellert und Generalsekretär Enno Haaks in der Theologischen Ausbildungsstätte der ELKRAS in Nowosaratowka bei St. Petersburg. Wir werden von den einzelnen Reisestationen und den Eindrücken hier berichten.

Flüchtlingszentrum Malaga

Spanien trifft die Wirtschaftskrise hart. Unsere Partnerkirche ist davon betroffen. Davon berichtet Manfred Benzing, der das Ökumenische Zentrum Los Rubios leitet und auch zuständig ist für das Flüchtlingszentrum in Malaga: "Die Arbeitslosigkeit liegt in Malaga bei weit über 30 % und die Jugendarbeitslosigkeit bei über 50 %, dabei gibt es kaum noch verlässliche Zahlen. Die neue Rechtsregierung in Madrid versucht in Windeseile alles umzusetzen, was die Banken fordern, damit die bestehenden Schulden noch bezahlbar bleiben und kürzt daher insbesondere an allen Sozialleistungen. Das wird auch unsere Flüchtlingsarbeit in Málaga sehr hart treffen, obwohl das Zentrum gut ausgelastet ist. Aber ich möchte nichts vorwegnehmen, da noch keine definitiven Entscheidungen vorliegen, die aber schon in sehr naher Zukunft erwartet werden. Das Flüchtlingsaufkommen ist in den letzten Monaten zum Glück nicht angestiegen, obwohl gerade aus den nordafrikanischen Ländern zunehmend asylsuchende Personen ankommen. Aber dies steht in keinem Verhältnis zu dem, was der Arabische Frühling hatte auslösen können, wenn es zu noch schwereren Konflikten gekommen wäre. Zum Glück war es nicht so, aber von einer Lösung des Problems kann man in den meisten der betroffenen Ländern leider auch noch nicht sprechen. Die Gebäudesanierung in Malaga kommt voran, und wir hoffen nun alle sehr, dass das Projekt so weiterlaufen wird, wie von unseren Fachleuten geplant war, auch wenn die gegenwärtige Lage in Andalusien nicht gerade von Vorteil ist."

Dienstag, 15. Mai 2012

Ein Brief aus Thessaloniki


Für die Evangelische Gemeinde in Thessaloniki sind die Folgen der Wirtschaftskrise sehr zu spüren. Das schreibt in einem Brief die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates: "Viele Gemeindemitglieder und ebenso viele Menschen in unserem Umfeld sind durch die politischen Entwicklungen im Land sehr hart getroffen: Arbeitslosigkeit, Verschuldung, mangelnde medizinische Versorgung, gesellschaftliche Ausgrenzung und Schließung selbst von ehemals gut laufenden mittelständischen Unternehmen sind an der Tagesordnung. Manche Gemeindeglieder haben nicht mehr das Geld, um die Fahrten ins Gemeindezentrum oder gar aus den Außenstellen in Nordgriechenland nach Thessaloniki zu bezahlen. Sie können sich sicher vorstellen, dass es eine besondere Herausforderung ist, in dieser niederdrückenden Atmosphäre Menschen im Sinne des Evangeliums zu ermutigen und zu stärken und auch Orientierung zu geben. Der Gemeindekirchenrat und die MitarbeiterInnen sind oft bis an die Grenzen der eigenen Kapazitäten belastet. Die Gemeinde wird in Zukunft noch mehr auf die Solidarität und die Kontakte mit Anderen angewiesen sein. Die Berichterstattung über Griechenland in den Medien des Auslandes, und auch in Deutschland, führt dazu, dass ein verzerrtes negatives Bild vermittelt wird." Die Vorsitzende dankt dem GAW für den Einsatz des Frauenarbeit in diesem Jahr, die das Flüchtlingsprojekt der Gemeinde unterstützt. Im kommenden Jahr wird ein Teil der Konfirmandengabe des GAW nach Griechenland gehen.

Bericht des WWF zur Lage unseres Planeten und Diaspoarkirchen


Kurz vor dem Nachhaltigkeitsgipfel Rio+20 präsentierte der WWF seinen „Living Planet Report 2012" und stellt nüchtern fest, dass die gesamte Menschheit 1 ½ mal so viel verbraucht wie die Erde hergibt. „Macht die Menschheit so weiter, benötigen wir bis zum Jahr 2030 zwei Planeten, um unseren Bedarf an Nahrung, Wasser und Energie zu decken. Bis zum Jahr 2050 wären es knapp drei“, sagt Eberhard Brandes, Vorstand des WWF Deutschland. Alarmierend ist das für uns alle.
Auch kleine Diasporakirchen sind in diese komplexe Thematik involviert. So berichtet der Diakoniechef der Iglesia Evangélica del Rio de la Plata (IERP), Nicolas Rosenthal, bei seinem Besuch in Leipzig von der Situation der Landwirte in Gemeinden in Paraguay. Sie bauen weitflächig Soja an und verdienen gut daran. Als sie sich in den 60er/70er Jahren ansiedelten, hatte ihnen der paraguayische Staat großzügig Land verkauft und sie regelrecht aus dem Süden Brasilien angelockt. Sie bekamen für ihr Geld vier Mal so viel Land wie es in Brasilien möglich gewesen wäre. Das Land wurde gerodet, um Platz zu schaffen für den Soja-und Maisanbau – mit den entsprechenden Folgen für die Natur. Inzwischen fördert die diakonische Abteilung der IERP Aufforstungsprogramme. Zudem gibt es Landkonflikte mit den Ureinwohnern. Eine komplexe Situation, die deutlich macht, wie wir als Kirche gefordert sind, Bewusstsein zu schaffen und Nachhaltigkeit auch in Umweltfragen zu unterstützen.

Freitag, 11. Mai 2012

Motorisierungshilfe für Kirgisistan

Delegation der kirgisischen Kirche in Leipzig zu Besuch
Seit 1990 gibt es wieder lutherisches kirchliches Leben in Kirgisistan. Inzwischen gibt es dort eine selbstständige Kirche. Seit 2005 wird diese Kirche von Bischof Alfred Eichholz geleitet, der Ende der 1980er Jahre aus Winogradnoje aus der damaligen Sowjetunion ausgereist war. 1999 hatte er gemeinsam mit seiner Ehefrau in Kirgisien die Jugendarbeit der Kirche aufgebaut. Nach einer theologischen Fernkursausbildung im russischen Nowosaratowka wurde Alfred Eichholz zum Pfarrer ordinierte und in das Bischofsamt berufen.
Die kirgisische lutherische Kirche hat in den letzten Jahren einen starken Wandel durchgemacht. War sie anfangs von den russland-deutschen Mitgliedern geprägt, wanderten diese aufgrund der instabilen politischen Verhältnisse nach und nach aus. Bischof Eichholz erkannte schnell, dass die Zukunft der Kirche kirgisisch sein müsse. So wurden Mitarbeiter der Liebenzeller Mission in der kirgisischen Sprache ausgebildet. Inzwischen gibt es auch kirgisische Mitarbeitende. Seit kurzer Zeit arbeitet der kirgisische Pastor Risbek in der Missionsarbeit. Er ist ehemaliger Lehrer. Für seinen Dienst in der Kirche muss er große Entfernungen zurücklegen. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln wäre diese Arbeit nicht denkbar. Bischof Eichholz hat nun beim GAW einen Antrag eingereicht, zur Anschaffung eines Autos für die Missionsarbeit des Pastors. 
Motorisierungshilfe – so nennt sich ein Sonderfonds im Projektkatalog. Dahinter stecken immer wieder Geschichten von kleinen Gemeinden, deren Mitglieder weit verstreut leben. Ein Auto dient dabei dem Gemeindeaufbau, der Sammlung und Begleitung der Menschen der Gemeinde.

Mittwoch, 9. Mai 2012

Vikariat in der ILCH/Chile

Vera Gast-Kellert überreicht Hanna Schramm den Talar
Seit März diesen Jahres ist Hanna Schramm Vikarin in der Iglesia Luterana de Chile (ILCH). Die Kirchenleitung der ILCH unter Bischof Sander und Kirchenpräsident Leibbrandt hatten die Frauenarbeit des GAW um Hilfe gebeten, dieses "Projekt" finanziell zwei Jahre lang zu unterstützen. Für die ILCH bedeutet das, dass in zwei Jahren dort zum ersten Mal eine ordinierte Pastorin arbeiten wird. Dies ist nur dank der Hilfe des GAW und des MLB möglich, der sich ebenfalls daran beteiligt. Der Lutherische Weltbund ist zudem daran interessiert, dass endlich in ganz Lateinamerika in allen lutherischen Kirchen Pastorinnen arbeiten können.
Hanna bestand im Januar diesen Jahres ihr 1. Theologisches Examen in Leipzig. In ihrer Lebensplanung wollte sie in den kommenden Jahren nach Chile und war dankbar für diese Chance, die sie sich selbst nicht erträumt hatte. Auf der Jahrestagung der Frauenarbeit im Januar 2012 wurde sie feierlich in ihren Dienst entsandt und bekam zudem einen Talar geschenkt. In einem Blog berichtet sie regelmäßig von ihren Erfahrungen in Chile: http://leben-im-langen-land.blogspot.de/

Dienstag, 8. Mai 2012

Lutherisches Leben in Jekatarinenburg/Russland


Gedenktafel, die an den Standort der alten luthersichen Kirche erinnert
Jekaterinburg ist nach Moskau und St. Petersburg mit ca. 1,3 Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt Russlands. Sie liegt an den östlichen Ausläufern des Urals. In der Nähe der Stadt wurde der letzte Zar ermordet. Inzwischen ist dieser Ort für die orthodoxe Kirche ein Pilgerzentrum. Die Stadt hat sich sehr entwickelt. Doch gibt es neben Reichtum für Wenige auch die andere Seite: bettelnde "Babuschkas"; Alte und Arme, die den Müll nach Essbarem und Brauchbarem durchwühlen; Obdachlose und Straßenkinder, die ein warmes Quartier für die kalten Nächte suchen. In Jekatarinenburg hat sich wieder lutherisches Gemeindeleben entwickelt.
In den fünfziger Jahren war das ursprüngliche Gebäude der evangelisch-lutherischen Peter-und-Pauls-Kirche in der Innenstadt abgerissen worden. Seit 2002 erinnert eine Gedenktafel an diese Kirche. Neu begonnen wurde die Arbeit mit dem Aufbau einer Gemeinde 2001. Bisher treffen sich die Gemeindemitglieder zu Gottesdiensten und Veranstaltungen in angemieteten Räumen. Die Miete ist jedoch hoch. Und letztlich geht es darum, ein eigenes Gebäude zu haben. Dabei ist es wichtig, äußerlich als Kirche kenntlich zu sein, um nicht als „Sekte“ abgestempelt zu werden. Die Gemeinde ist im Rahmen der Restitutionsverhandlungen mit der Stadt im Gespräch und wird wahrscheinlich in diesem Jahr auf dem Gelände des alten lutherischen Friedhofes ein Grundstück erhalten. Dann soll eine Kirche gebaut werden für die die Liebenzeller Mission schon einen guten Teil gesammelt hat. Wichtig im Gemeindeleben ist die sozial-diakonische Arbeit der Gemeinde unter Leitung von Propst Waldemar Jesse für Straßenkinder und sozial schwache Familien. Ziel dieser Arbeit ist, die drohende Verwahrlosung von Kindern schon im Vorfeld zu erkennen und zu verhindern.
Nachdem die Gemeinde quasi bei Null angefangen hat, gehören inzwischen 45 Mitglieder dazu. Zur Arbeit des Pfarrers gehört auch, ein Bewußtsein zu entwickeln, dass die Mitglieder sich an den lasten der Gemeinde beteiligen. Das klappt zum teil schon bei der Miete. Es ist insgesamt in Rußland schwierig, ein Bewußtsein zu entwickeln, dass die Mitglieder sich verantwortlich wissen für die Bezahlung ihres Pfarrers und für den Erhalt ihres Kirchgebäudes. 

Montag, 7. Mai 2012

Verantwortungsvoller Umgang mit Spendengeldern

Anfang der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts haben meine Frau und ich uns nach dem bestandenen Vikariat und dem Erhalt des ersten Gehaltes von unserer Kreissparkasse beraten lassen, wie wir selbst ein bisschen Vorsorge leisten könnten. Damals galt der DEKA-Fonds als zuverlässig und sicher. Wir haben das gemacht – und vertraut, dass es einigermaßen stabil und sicher läuft. Nur – nach der Finanzkrise 2007/2008 war auf einmal nichts mehr wirklich sicher. Auch nicht unsere DEKA-Fonds… ein paar Tausend Euro haben wir privat verloren. Das schmerzte. Wirklich tröstlich war nicht, dass wir wie so viele Einzelsparer und auch Organisationen eingebunden waren und sind in das Drama der Finanzkrise. 
Diese persönliche Geschichte fiel mir ein, als ich in der Berliner Kirchenzeitung lesen musste, dass das GAW der EKBO angeblich Spendengleder verloren hätte im Zuge der Finanzkrise. Was letztlich nicht stimmt, denn kein Euro der gesammelten Spendegelder wird in irgendeiner Weise in Wertpapieren oder sonstigen Finanzgeschäfte investiert, sondern – so wie es das deutsche Spendenrecht fordert – zeitnah an die Empfänger weiter geleitet. In Berlin hat das GAW aus Erbschaften und Schenkungen Vermögenswerte, die Erträge erwirtschaften, um den Verwaltungsaufwand in der Hauptgruppe aufrechterhalten zu können. Ein Glück ist das so, denn dadurch fließt kaum ein Euro der Spenden in der Verwaltungsaufwand (insgesamt für alle Hauptgruppen und das Gesamtwerk sind es ca. 3,9%. Zum Vergleich: bei anderen Organisationen können schon mal 20-30% erreicht werden, je nachdem ob z.B. den Fundraisern Provisionen von den erzielten Spendeneinnahmen gegeben werden).
Im GAW wird sehr transparent mit den Spendengeldern umgegangen. Jährlich erscheint eine Statistik in dem neu erarbeiteten Projektkatalog und liefert Rechenschaft darüber ab.- Pfarrer Enno Haaks

Freitag, 4. Mai 2012

Konfirmandenopfer für das GAW

Am vergangenen Sonntag wurde meine Tochter in Leipzig konfirmiert. Nach dem Gottesdienst legte sie ihren GAW-Umschlag mit dem Konfirmandenopfer in den Kollektenkorb. Die Mehrheit machte es so, denn sie hatten sich in einer der letzten Konfirmandenstunden dafür entschieden, die Projekte des GAW zu unterstützen. Eine gute, alte Tradition ist es, dass Konfirmanden sich für ein Projekt des GAW einsetzen. In diesem Jahr geht es darum, Jugendliche stark zu machen im Glauben und für das Leben in Slowenien und Ungarn. Das Gustav-Adolf-Werk unterstützt dieses Anliegen. Unter dem Motto „…um euch zu stärken“ (Römer 1,11) 

In den kommenden Wochen wird es in Deutschland viele weitere Konfirmationen geben. Wir hoffen sehr, dass sich viele Konfirmanden an dieser Solidaritätskollekte mit den Jugendlichen in unseren Diaspoarpartnerkirchen beteiligen. - Pfarrer Enno Haaks

Mehr Informationen unter: 

Donnerstag, 3. Mai 2012

Protestantismus in Südwesteuropa

Das neue Jahrbuch des Gustav-Adolf-Werkes ist erschienen und stellt in diesem Jahr die Partnerkirchen in Portugal, Spanien, Frankreich und Italien vor. Die protestantischen Kirchen in diesen Ländern blicken auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Auch heute ist das Staat-Kirche-Verhältnis nicht überall gut und gerecht geregelt, wie sich z.B. in Spanien gerade gezeigt hat. Hier musste die kleine Iglesia Evangélica Española (IEE) bis zum Straßburger Menschenrechtsgerichtshof gehen, um gegen die ungleiche Behandlung der pensionierten Pastoren vorzugehen. Diese hatten in der Zeit der Franco-Diktatur quasi ein Berufsverbot und durften nicht in Sozialkassen einzahlen. (Mehr darüber hier.)
Neben der immer noch großen Macht der katholischen Kirche stellt heute die zunehmende Zahl von Pfingst- und Migrantenkirchen eine neue Herausforderung dar. Das Jahrbuch gibt einen Überblick über Entwicklung und Gegenwart protestantischer Kirchen in Südwesteuropa. Ergänzt werden die Berichte durch aktuelle Dokumente verschiedener Kirchen sowie durch Rezensionen. Ein ausführliches Adressverzeichnis komplettiert das Jahrbuch. Es lohnt sich für alle an der Situation der Minderheitenkirchen in Europa Interessierten, dieses Buch zu lesen. Mehr unter: http://www.gustav-adolf-werk.de/theologie.html
Zu bestellen ist es unter: verlag@gustav-adolf-werk.de

Dienstag, 1. Mai 2012

Zur Situation der Kirche der Siebenbürger Sachsen


Ev. Stadtkirche Hermannstadt
Pfarrer Johannes Toaspern aus der Peterskirche in Leipzig verbringt zur Zeit einen dreimonatigen Studienaufenthalt in Hermannstradt/Sibiu (Rumänien). Er berichtet bewegend von einer Begegnung mit den Kuratoren der Kirchengemeinde von der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien in einer Rundmail :
"„So etwas erleben Sie nicht alle Tage!“ Mit diesen Worten hat mich Altbischof Klein bei der Abendandacht für den nächsten Morgen eingeladen. Um zehn Uhr finde ich mich also wieder in der Kapelle ein, die provisorisch während der Bauarbeiten als Gottesdienstraum dient. Hier haben sich etwa siebzig Kuratoren, also die ehrenamtlichen Gemeindevorstände der ganzen evangelischen Kirche A.B. Siebenbürgens zum jährlichen Treffen, dem Kuratorentag versammelt. Was also von der einstmals großen und stolzen Volksgruppe der Siebenbürger Sachsen nach dem großen Exodus 1990 übrig geblieben ist, lebt in einigen großen, vielen kleinen, sehr vielen sehr kleinen und mehr als dreißig Kirchgemeinden ohne eine einzige Seele und versucht, dieses Leben zu gestalten, ihm Richtung, Halt und Zukunft zu geben. Da sitzen sie in der geheizten Kirche, dichtgedrängt, meist Mittelalter bis weißhaarig, mit ernsten Gesichtern und froh, einander zu treffen und die heimische Mundart zu sprechen. Der Pfarrer spricht ihnen aus dem Evangelium Mut zu, Mut für die kleine Gruppe und in der oft weit verstreuten Vereinzelung, in der Überforderung der meisten, all die auch verwaltungstechnischen Probleme sachgerecht in den Griff zu bekommen. In langer Kette geht es über den Markt ins Bischofshaus. Dort im Saal begrüßt der Landeskurator, ein respektabler Herr von etwa sechzig Jahren, die Anwesenden. Seine Statements sind knapp und wirken müde. Was er an Statistik den Beiträgen voranstellt, ergibt auch keinen Anlass zum Überschwang. Drei Redebeiträge folgen, die die gegenwärtige Situation der Ev. Kirche A.B. und damit gleichzeitig der deutsch-sächsischen Bevölkerung repräsentativ abbilden sollen. Der Pfarrer von Sächsisch Rehen, verantwortlich für das ganze nordsiebenbürgische und das Gebiet der Bukowina (Bistritz) beschreibt, mit wie wenigen Menschenüberhaupt noch umgegangen wird. Am Ende ist sogar von Pläne schmieden die Rede. Ich bewundere den Mut, in so einer Situation den Blick nach vorne zu richten. Mir liegt immer der Begriff vom Pfeifen im Wald auf der Zunge. Die personelle Stärke ist einfach so gering, dass eine z.B. eine qualifizierte Nachwuchsarbeit nur noch in den drei, vier Zentren stattfinden kann. (die noch fünf Gemeinden mit jeweils über 100 Seelen stellen drei Viertel aller Gemeindeglieder). Der Beitrag von Kurator Dr. Zikeli aus Mediasch malte ein ähnliches Bild, etwas weniger dramatisch und mit belastbaren Zahlen untersetzt, ebenso ein Kurator über die Gemeinden außerhalb des Karpatenbogens, im sog. Altreich, wo als nennenswert eigentlich nur noch die Gemeinde in Bukarest existiert. Allen gemeinsam ist, dass hier immense Aufgaben zu bewältigen sind: Die Kirchen(burgen) sind zu erhalten, die Archive zu retten, die nach der Revolution zurückgegebenen Immobilien zu verwalten – und meistens fehlt es an Menschen vor Ort, die das leisten können. Hauptamtliche gibt es außer den wenigen Pfarren weithin nicht mehr, die Ehrenamtlichen haben keine Qualifikation und Zeit, und die Kontakte zu den Behörden, in Rumänien das A und O, sind meist schlecht. So verfällt sehr viel und geht viel einfach verloren, auch eben das, was der Kirche Einnahmen verschaffen könnte. Wie die Zukunft, vor allem die längere Zukunft aussehen wird, malt sich niemand aus. Die Perspektiven der Kirche orientieren sich an Hochrechnungen bis in das Jahr 2015. Da werden es statt der heute 13.021 Seelen noch etwa 12.000 sein. Weiter schaut und plant man nicht. Erstmals. Das ist aber schon in drei Jahren. Ich glaube, so schafft man sich pragmatisch die Luft zum Atmen und behält sich die Hoffnung. Wahrscheinlich kann man es gar nicht anders gestalten."