Freitag, 30. März 2012

Filmankündigung: IM TALAR FÜR MENSCHENWÜRDE

Am 1. April läuft unsere 26 minütige Doku IM TALAR FÜR MENSCHENRECHTE im Fernsehen der Deutschen Welle. Die Dokumentation gibt einen Einblick in die Menschenrechtsarbeit der Kirchen nach dem Militärputsch am 11. Sept. 1973 in Chile. Zwei alte Freunde, Helmut Frenz und Axel Becker, treffen sich nach 40 Jahren wieder und wollen sich gemeinsam auf eine Reise in ihre Vergangenheit als Pfarrer in das Chile zur Zeit des Militärputsches begeben. Ihr Kampf für die Menschenwürde, der damals seinen Anfang nahm, dauert bis heute an ... 


Im arabischen Raum und in Lateinamerika wird der Film am 1. April. 2012 im Fernsehen und im livestream der Deutschen Welle ausgestrahlt. 

In Deutschland kann man den Film im livestream der dw um 00.30 Uhr http://mediacenter.dw.de/german/live/ auf deutsch sehen. 

Ab dem 04.04.2012 kann man den Film auf den Internetseiten der Deutschen Welle anschauen: 

- Auf Deutsch in der Sendereihe "Glaubenssachen" http://www.dw.de/dw/0,,3668,00.html

- Oder auf Englisch in der Sendereihe "faith matters" http://www.dw.de/dw/0,,3952,00.html

- Auf Spanisch in der Sendereihe "Cuestión de fe"http://www.dw.de/dw/0,,3992,00.html

- Auf arabisch in der Sendereihe العقيدة http://www.dw.de/dw/0,,10093,00.html

Fernseh – und Livestreamausstrahlung am 1. April 2012 

Dienstag, 27. März 2012

Schwierige Beziehungen zwischen Chile-Peru-Bolivien

"Was hast Du denn für ein Tattoo auf Deiner Hand", fragte ich einen Amtsbruder der lutherischen Kirche in Bolivien nach einem Gottesdienst, als er mir die Hand gab. Irgendetwas militärisches, dachte ich beim ersten Hinsehen. Und so war es auch: "Das ist die Erinnerung an meine Militärzeit bei der bolivianischen Marine!" Zeigte er es mir stolz. Bolivianische Marine ... - das klingt schon merkwürdig, denn Bolivien hat keinen Meereszugang, jedoch einen "Dia del Mar". In jedem Jahr wird an diesem Tag gefordert und zelebriert, dass Bolivien wieder einen Meereszugang braucht - und zwar von Chile!
Ebenso erging es mir in Peru. Bei einem Foto sagte spaßeshalber ein Kirchenvorsteher einer Gemeinde in der Nähe von Lima: "Pisco!", um uns zum Lächeln zu animieren. Das taten alle. In das Lachen hinein sagte ich: "Es de Chile!" (Der ist chilenisch ...), wissend, dass Chile und Peru darum streiten, wer den Pisco und den Pisco Sour, das Nationalgetränk, erfunden hat. Jeder beharrt darauf, dass es aus seinem Land kommt.
Zwischen Peru und Chile wird demnächst in Den Haag die strittige Frage geklärt, wie denn nun die Seegrenze korrekt verlaufen muss. Damit hängt eigentlich für Bolivien zusammen, dass die beiden Länder das nicht ohne Bolivien klären können, denn Bolivien erhebt Anspruch auf einen Meereszugang. Das aber geht nur über chilenisches Territorium.
Alle drei Länder haben insbesondere nach dem "Pazifikkrieg" von 1879-1875 Ressentiments gegeneinander. Bolivien hat in Allianz mit Peru den Krieg gegen Chile verloren. Dabei ging es vo allem um wirtschaftliche Interessen, um die Salpetervorkommen in der Wüste.
Sehr gut beschreiben Michael Lingenthal und Matthias Mäckelmann die Konfliktlage und deren Entstehung in der neuesten Ausgabe der KAS-Auslandsinformationen unter: http://www.kas.de/wf/doc/kas_30495-544-1-30.pdf?120315182839


Als Pfarrerin in Paris

Christuskirche Paris
Pfarrerin Claudia Weik-Schaefer aus der Rheinischen Landeskirche war neun Jahre Pfarrerin an der deutschsprachigen Christuskirche in Paris tätig. In Chrismon schrieb sie von ihren Erfahrungen in Frankreich. Zwei Zitate möchte ich hier anführen, die einen kleinen Eindruck über die Stellung der Kirche zum Staat widerspiegeln und den französischen Laizismus beschreiben, auf der anderen Seite wird auch die nach wie vor starke Stellung der katholischen Kirche angesprochen.
1. Zur Diakonie:  " „Diakonie ist Lebens- und Wesensäußerung der evangelischen Kirche.“ Diesen Satz habe ich seit meinem Examen verinnerlicht. Ich bin froh, dass ich diesen Grundsatz in Deutschland wieder unkompliziert leben kann. In Frankreich sind Staat und Kirche strikt getrennt. Die Deutsche Evangelische Kirche ist eine ­„association culturelle“, also ein Verein für den Kult. Kirchengemeinden dürfen keine diakonischen Aufgaben übernehmen. Um zum Beispiel soziale Jugendarbeit zu machen, müssen sie einen eigenen Verein gründen. Viele Gemeinden tun das. Aber das ist auch eine Geldfrage. In Deutschland laufe ich nicht Gefahr, das Vereinsgesetz zu übertreten, wenn ich einem Obdachlosen ein paar Euros in die Hand gebe. 
2. Zur Ökumene: "Katholische Priester wissen meist nur wenig über Evan­gelische. Ein erschütterndes Erlebnis hatte ich einmal in der Normandie. Bei einer ökumenischen Trauung blieb mir nur die Begrüßung. Der katholische Kollege wollte das Wagnis nicht eingehen, dass ich mehr sage. Er fand es zutiefst irritierend, dass ich eine Frau bin. Es wunderte ihn, dass es bei Evangelischen so etwas wie eine Trauung gibt. Schließlich seien wir doch keine richtige Kirche!"
Im April wird das Jahrbuch des GAW erscheinen, in dem es u.a. auch um Frankreich als ein Themenschwerpunkt gehen wird.
Den gesamten Text von Pfarrerin Weik-Schaefer lesen Sie unter: http://chrismon.evangelisch.de/artikel/2012/fremde-heimat-brief-aus-duesseldorf-13845

Freitag, 23. März 2012

Ein überkonfessioneller "Heiliger" - zum Todestag von Oscar Romero

Am 24. März 1980 wurde Erzbischof Óscar Arnulfo Romero y Galdámez beim Feiern des Heiligen Abendmahles ermordet, weil er sich an die Seite der Opfer eines brutalen Regimes stellte. Er wurde zum konsequenten Kämpfer für soziale Gerechtigkeit, als er als Erzbischof mitbekam, wie gerade die Armen seines Landes zu Opfern wurden. Aus der Heiligen Schrift heraus nahm er Kraft für seinen Einsatz. Er sagte über sie: " Man kann Gottes Wort nicht von der geschichtlichen Wirklichkeit trennen, in der es verkündet wird. Es wäre dann nicht Gottes Wort. Es wäre Geschichte, es wäre ein frommes Buch, eine Bibel, die nur ein Buch ist in unseren Bücherregalen. Es wird Gottes Wort, indem es belebt, erleuchtet, gegenüberstellt, zurückweist, lobt, was heute in unserer Gesellschaft vor sich geht." 
Er wurde als Katholik auch Vorbild für viele Protestanten. Und hier merkt man, wie Kirche, wenn sie verfolgt wird, über die Konfessionsgrenzen hinaus miteinander verbindet. 

Mittwoch, 21. März 2012

Ein Jahr virtuelles Theologisches Institut in Bogota


Pastor John Hernández






"Um auch in den Fragen der Theologenausbildung auf die neuen Herausforderungen des "Missionsplanes 2020" der Iglesia Evangélica Luterana de Colombia (IELCO) reagieren zu können, haben wir die Arbeit der Escuela Luterana de Teologia (ELT) in Bogota als eine quasi virtuelle theologische Fakultät aufgebaut", erläutert Pastor John Hernández die Neuausrichtung der ELT in der IELCO. Er selbst betreut das Projekt, ist Leiter des Programms und hat sich dafür entsprechend kundig gemacht.  Er pflegt die Hompage (elt.ielco.org), scannt Texte, die die Studierenden lesen müssen, formuliert Aufgaben für die Arbeiten etc. Einmal im Semester werden die 30 eingeschriebenen Studenten der virtuellen theologischen Fakultät nach Bogota eingeladen zu Studientagen. Die Studierenden kommen aus dem ganzen Land. Das Programm bietet die Möglichkeiten, die Kosten für den Erhalt eines teuren Instituts gering zu halten. Die Themen sind in Monate aufgeteilt. Zu Zeit wird das Fach Liturgie behandelt. Drei Jahre soll man in der Form mitstudieren. Darauf folgt ein zweijähriges Abschlussstudium in einer vom Staat anerkannten Universität, wie z.B. der presbyterianischen Fakultät. 
Die ELT funktionierte ca. zehn Jahre als Institut. Die Kosten waren allerdings zu hoch - insbesondere auch für die Studenten. Zudem ist die Kirche alleine zu kleine für den Erhalt eines solchen stationären Instituts. Im Laufe der Geschichte hat die IELCO unterschiedliche Wege ausprobiert. So wurden Pastor Israel Martinez und Pastor John Hernández in Sao Leopoldo/Brasilien ausgebildet. Andere studierten in Kolumbien bei verschiedenen Instituten. Jedoch gab es Klagen von Gemeinden, die eine Tiefe der Ausbildung vermissten. Auch bei Missourilutheranern wurde studiert, was zur Folge hatte, dass einige Pfarrer sehr konservativ wurden. Theologische Ausbildung ist in kleinen Kirchen eine ständige Herausforderung, denn die Personaldecke ist dünn. Man muss Allianzen schließen und Kompromisse eingehen. - Pfarrer Enno Haaks

Kirchbau und Diakoniestation in Bucaramanga/Kolumbien

Die Architektin erläutert die Pläne in der "Garagenkirche"
Pastor Israel Martinez hat in seiner langen Pfarrzeit immer gebaut. Seit 1983 ist er Pfarrer der Gemeinde "El Divino Redentor" in Bucaramanga/Kolumbien. Seit vier Jahren ist das Kennzeichen der Gemeinde ein lachender Christus. "Das hat seinen Grunde", so sagt er. "Dieser Christus muntert uns auf und gleichzeitig gibt er uns Kraft den todbringenden Kräften keine Macht über unser Leben zu geben." - Israel hat in den vielen Jahren zahlreiche Missionsstationen aufgebaut - immer dort, wo Not war. So sind in den Jahren fünf Kirchen oder Kapellen errichtet worden, die alle gleichzeitig Diakoniestationen sind. Ohne ein Netz von Freunden wäre das nie möglich gewesen. Aber Israel schafft es auch, Menschen für seine Projekte zu begeistern. Jetzt steht am Ende seiner Dienstzeit das größte Bauvorhaben an, für das Israel das GAW gewinnen konnte: der Kirchenneubau für die Gemeinde "El Divino Redentor" in Bucaramanga. Bisher war die Kirche eine ehemalige Garage mit Pfarrwohnung und behelfsweisen Büros für die Diakonie. Nur: Der Staat verlangt, dass die Kirchen andere Auflagen erfüllen. Das trifft auch andere lutherische Kirchen in Kolumbien.
Eigentlich sollte der Bau schon längst begonnen sein. Es hat sich immer wieder verzögert. Zum einen wurde Israel schwer krank. Dann hatten sie einen Architekten, der ihnen empfohlen wurde, der viel versprochen hatte und nichts getan hat. Dann gab es neue Bauauflagen durch die neue Regierung. Die Baubehörde arbeitet auch nicht besonders schnell. Aber jetzt scheint Bewegung in das Vorhaben zu kommen. Dank einer jungen Architektin und ihren Beziehungen zur Behörde ist die erste Genehmigung zum Abriß da. Die Baugenehmigung müßte in zwei Wochen da sein. Jetzt hängt es noch an dem Verkauf eines anderen Grundstückes, dann kann es losgehen. Aber auch darum wird sich Israel kümmern müssen. In der Diaspora hängt dann doch sehr viel am Pastor und seinem Einsatz. Wir begleiten den Bau aus der Ferne und werden über die einzelnen Abschnitte berichten. Ein aufbauendes und mutmachendes Lächeln des "Divino Redentor" wird dabei weiterhin allen Kraft geben, den Mut nicht sinken zu lassen. Es ist Bewegung da! - Pfarrer Enno Haaks

Elf tote Soldaten in Kolumbien

Während meines viertägigen Aufenthaltes in Kolumbien kam es in der Region Arauca zu einem furchtbaren Auseinandersetzung zwischen einer Militäreinheit und FARC-Guerillas. Zwei Tage hielten die FARC-Rebellen einen 13-köpfigen Infanteriezug in Schach und eröffneten das Feuer, sobald sich etwas bewegte. Elf Soldaten sind dabei ums Lebens gekommen. Teilweise waren sie schlecht vorbereitet. Das beklagte ein Vater eines getöteten 18-jährigen Soldaten. Offen bleibt, warum die Gruppe keine Hilfe bekommen hat.
Kolumbien ist ein schwieriges Land! "Zählt man alle Menschen in Kolumbien zusammen, die aus ihrer Heimat wegen der kriegerischen Auseinandersetzungen fliehen mussten, so kommt man auf mehr Flüchltinge als im Sudan oder in Soamlia", sagt Pastor Israle Martinez. Für ihn spielt die Arbeit mit und für die sog. "desplazados" eine ganz entscheidende Rolle im Gemeindeleben. Als wir zu seiner Kirche gelangen, kommt eine Frau aus einer Filialgemeinde ihm entgegen. "Ihr Mann wurde vor sieben Jahren vor ihren Augen und den Augen der Kinder von der FARC ermordet," erzählt Martinez. Viele solcher Geschichten kann er erzählen, die eine grausamer als die andere. Auf dem Buch eines kolumbianischen Historikers und Soziologen las ich: "Kolumbiens Geschichte ist geprägt von Verrat und Frustration." Und er fährt fort: "Wie soll man ein Land, in dem so viel Gewalt gesät wurde befrieden? Wie befriedet man die Farc, die Paramilitärs, das Militär - jeder hat Anteil an dem Konflikt und trägt zur Verstärkung bei. Genauso großen Anteil haben die USA mit ihrer Militärhilfe. Es gibt Interessen, die diesen Konflikt nicht befrieden wollen. Besonders nicht die Drogenmafia, in die viele Beteiligte involviert sind."
Beeindruckend ist, dass ein Pastor wie Israel Martinez sich trotz all der Widrigkeiten auf die Seite der Opfer stellt. Das hätte ihn mindestens einmal schon beinahe das Leben gekostet. Für die IELCO (Iglesia Ev. Luterana de Colombia) ist Friedensarbeit und der Einsatz für die Menschenrechte fundamental. - Pfarrer Enno Haaks

Eine Bäckerei für die Gemeinde!


Kapelle in Girón bei Bucaramanga
Neue Bäckerei in Bucaramanga
Girón (Kolumbien) ist eine Stadt mir ca. 100.000 Einwohnern. Berühmt ist der "Señor de los Milagros" der hier verehrt wird. Juan Pablo II war seinetwegen schon in der Stadt mit dem wunderbaren kolonialen Innenstadtkern. Aber hier ist nicht alles wunderbar. Und Wunder geschehen für viele Menschen nicht. Besonders für die sog. "desplazados" nicht, für die, die keinen Ort mehr haben, weil sie durch Krieg, Drogen, Gewalt ihre Heimat verloren haben. Diese Menschen treibt es in die Städte. Oft landen sie in einem der Elendsviertel, die sich in engen Schluchten an den unmöglichsten Plätzen Ort suchen. Aber dort will sie keiner haben.
Ein solcher Ort ist "El Rincón de Girón". Ca. 100 Familien leben dort. Keiner kümmert sich um sie. Seit elf Jahren ist das nun schon. Ein Teil der Menschen wurde abtransportiert. Mit Gewalt! Nur - es kommen oft neue Menschen wieder nach. Vor allen Dingen einer hat nicht weggeschaut.  Es ist Pastor Israel Martinez von der lutherischen Kirche (IELCO). Vielleicht ist das ein Wunder von Girón. Geprägt von der lateinamerikanischen Befreiungstheologie bemüht er sich rastlos um seine Gemeinde und richtet den Blick auf die "Wunden" in der Stadt. Eine Kapelle hat er hier mit seiner Gemeinde in Bucaramanga gebaut. Daneben gibt es eine Küche, in der für ca. 50 Kinder warme Mahlzeiten bereitet werden. Hier versuchte er auch eine Bäckerei einzurichten, damit die Menschen vor Ort Brot kaufen können. Das lief schief. Er war selbst verzweifelt, dass mit Gewalt zerstört wurde, was das "täglich Brot" sein sollte. Trotzdem konnte das, was mit Hilfe des GAW angeschafft geworden war, gerettet und in Bucaramanga direkt neben der lutherischen Kirche als neue Bäckerei aufgebaut werden. Diese Bäckerei trägt inzwischen zum Erhalt der Kirchengemeinde bei. Täglich Brot für die Gemeinde! - Pfarrer Enno Haaks

Dienstag, 20. März 2012

Eine kolumbianische Stipendiatin für das GAW

Bischof Martinez und Lizbeth Zulanlly Chaparro
Sie heißt Lizbeth Zulanlly Chaparro Camargo und ist 24 Jahre alt. In Kolumbien hat sie ihr Theologiestudium begonnen und will es jetzt mit Unterstützung der lutherischen Kirche Kolumbiens (IELCO) in Leipzig fortsetzen. Lizbeth ist eine junge Theologin, in die Bischof Eduardo Martinez viele Hoffnungen setzt: „Sie ist intelligent, lernt gut und kann gut mit Kindern umgehen. Wir hoffen, dass sie den Aufenthalt in Leipzig nutzt, um sich in Praktischer Theologie und Religionspädagogik weiter zu entwickeln. Ich hoffe auch, dass sie die Kinder- und Jugendpastoral der IELCO mit aufbauen hilft. Obendrein kann sie in einer der vier Schulen unserer Kirchen gute Dienste als zukünftige Pfarrerin leisten.“ Noch spricht Lizbeth kein Deutsch. Im Mai wird sie zu Verwandten nach Ulm reisen, um dort sich auf eigene Kosten die deutsche Sprache anzueignen. Das wird ihr bei ihrem Ehrgeiz gewiss gelingen. „Ich freue mich in das Ursprungsland der Reformation kommen zu dürfen“, sagt sie. „Die lutherische Kirche habe ich erst während meiner Schulzeit auf einer Schule der IELCO kennengelernt. Mir sagt die Kirche sehr zu. Inzwischen gehöre ich ihr sieben Jahre an. Auch meine Mutter und meine Großmutter sind dazu gekommen.“ 

Die Beziehungen der IELCO nach Deutschland laufen bisher nur über das GAW, da die Wurzeln der Kirche in der nordamerikanischen Mission liegen. Auch durch eine kolumbianische Stipendiatin hofft die Kirchenleitung, die Beziehungen nach Deutschland zu stärken. – Pfarrer Enno Haaks

Montag, 19. März 2012

Gottesdienst in der San Lucas-Gemeinde in Bogota der IELCO


Sonntagmorgen: Gottesdienst in der lutherischen San Lucas-Gemeinde! Nur ein Parkplatz trennt die lutherische Gemeinde von der katholischen Gemeinde, die zur gleichen Zeit Gottesdienst hält. Zwischendurch kommt die Frage auf, ob man sich in einem lutherischen Gottesdienst befindet. Es gibt viele Lobpreislieder, eine tolle Band mit Schlagzeug und Gitarrist und einer hübschen Sängerin. Zum Singen steht man auf. Einige heben ihre Arme in die Höhe. Die Predigt spricht die Emotionen an. Völlig frei predigt Bischof Eduardo Martínez. Aber immer wieder nimmt er Bezug zur lutherischen Lehre und grenzt sich damit von Evangelikalen und Pentecostalen ab. Das Abendmahl ist dann liturgisch schön und klar.
„Es gibt in unserer Kirche verschiedenen Strömungen. Und unsere Geschichte war nicht einfach. Es gab Zeiten der Verfolgung der Kirche besonders in den 50er und 60er Jahren. Da hat man sich von katholisch anmutenden Elementen des Gottesdienstes entfernt und die Liturgie freier gestaltet“, erklärt Bischof Eduardo. Das merkt man. Aber klar ist die Ausrichtung auf die biblischen Lesungen, die immer wieder von Lobpreisliedern unterbrochen werden. Psalm, alttestamentliche Lesung, Epistel und Evangelium werden so eingerahmt und von allen in ihren Bibeln mitgelesen. „Aber“, so fährt der Bischof fort, „man spürt auch, wie die Strömungen des Pentecostalismus auch in unsere Kirche hineinwirken. Da müssen wir vorsichtig sein.“ Pastor John Hernández, der die Escuela Luterana de Teologia leitet, ergänzt: „Wir müssen unsere Pfarrer liturgisch stärker bilden. Überhaupt ist für uns die Frage der Ausbildung essentiell, gerade auch, um uns unterscheiden zu können. Denn wir haben ein gutes Angebot für die Gesellschaft!“ – Pfarrer Enno Haaks

Seniorentagesstätte der lutherischen Kirche Kolumbiens in Soacha


Es ist ein regnerischer Tag. Mit dem Allradwagen fährt Martha Wilches, Leiterin der Diakonie der IELCO (Iglesia Ev. Luterana de Colombia), vorsichtig den steilen Hang in Soacha nahe Bogotas hinunter, um zur Seniorentagesstätte zu gelangen. Sie ist verantwortlich für das Zentrum, in dem 40 Senioren täglich mittags versorgt werden. Zudem kommt an zwei Tagen Pastor John Hernández, um die Senioren seelsorgerlich zu betreuen und Vertrauen zu den Bewohnern des Sektors aufzubauen. 
Inzwischen ist die IELCO mit ihrer Arbeit bekannt und geschätzt. Die Senioren leben in den prekärsten Verhältnissen und sind oft auf sich alleine gestellt. Schlimme Schicksale liegen hinter ihnen als sogenannte „desplazados“ (Binnenflüchtlinge). Unter Tränen berichtet Minda von ihrem Neffen, der seit zehn Jahren vermisst gilt, nachdem er von der FARC verschleppt wurde. Sie selbst wurde aus ihrer Heimat durch konkurrierende Guerillas mehrfach vertrieben. Als sie das erzählt, geht ein Raunen durch den Raum des Seniorentreffs. Martita, 71 Jahre alt, erzählt von den ersten Vertreibungen in den 1950er Jahren. „Da wurde meine ganze Familie getötet. Das war so fürchterlich!“ Das letzte Mal wurde sie 2008 vertrieben und lebt jetzt in einer Baracke in Soacha. Das diakonische Zentrum bedeutet für diese 40 Senioren ein Stück Würde in ihrem Leben. Sie werden wahrgenommen. „Hier habe ich Freunde“, erklärt Bernardo. „Auf meine Nachbarn kann ich mich nicht verlassen. Ihnen traue ich nicht.“ 
Mit Hilfe der nordamerikanischen lutherischen Kirche konnte diese Tagesstätte für Senioren errichtet werden. Die Arbeit der IELCO hier wird durch eine Sozialeinrichtung der Kirche finanziell getragen. Eine not-wendende Arbeit! Pastor Hernández bietet jeden Samstag Gottesdienste an. Die sind wahrlich ökumenisch! Und sie sind wichtig, um diese Menschen auf ihrem letzten Lebensabschnitt spirituelle Nahrung zu geben. „Neben dem Essen braucht die Seele auch Nahrung!“, sagt er zum Abschluss. – Pfarrer Enno Haaks

Was wird aus Roberto?

Roberto ist neun Jahre alt. Er wird sich im Leben durchboxen müssen. Dort wo er lebt kommen immer wieder Kinder und Jugendliche in Bandenkriegen um. Er lebt in Soacha/Kolumbien, das inzwischen fast schon zu Bogota gehört. Den Übergang von der Metropole hierher merkt man kaum. In Soacha gibt es viele illegal besetzte Gebiete, die sich die Hänge und Schluchten hochziehen. Gefährlich ist es hier, wenn starke Regenfälle einsetzen und ganze Hänge abrutschen. Jährlich sterben Menschen dabei. Viele sog. „desplazados“ leben hier, die fürchterliche Geschichten erlebt haben von Vertreibung aus Bürgerkriegsgebieten, Tötungen von Familienangehörigen, Kämpfen von Bandillas, Drogenschmuggel – kurz: ein Leben voller Gewalt. In Soacha ist diese permanent präsent. 100 Meter von der Hütte von Roberto entfernt findet sich ein provisorisches Militärlager. Das vermittelt den Eindruck, dass hier Unterschlupfplätze der verschiedenen kolumbianischen Guerillas vermutet werden. Abwegig ist das nicht. Das Land leidet unter der Gewalt. Es leidet unter den Chancenlosigkeiten, unter Hoffnungslosigkeiten unter Vertreibung. Auch wenn das Land gute Wirtschaftszahlen aufweist, so ist die Spanne riesengroß.
Was wird Roberto aus seinem Leben machen? Mit den Boxhandschuhen kann er umgehen. Das hat er mir gezeigt. Nur – wird er einen Weg finden können, um aus der Spirale der Hoffnungslosigkeit aussteigen zu können? Zu wünschen wäre es ihm. – Pfarrer Enno Haaks


Samstag, 17. März 2012

"Und dem Engel der Gemeinde in Philadelphia schreibe..." - Diaspora in Lurín/Peru


 "Und dem Engel der Gemeinde in Philadelphia schreibe: Das sagt der Heilige... - du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort bewahrt und hast meinen Namen nicht verleugnet..." - so heißt es im Buch der Offenbarung Kapitel 2, Verse 7 und 8. Klein ist die Philadelphiagemeinde in Lurin, südlich von Lima. Aber sie ist nicht ohne Kraft. Dafür steht z.B. Ana, 78 Jahre ist sie alt. Sie gehörte mit zu den ersten, die sich der Gemeinde vor über 40 Jahren anschlossen, als nordamerikanische Missionare in den Armenvierteln Perus versuchten lutherische Gemeinden zu gründen. Inzwischen hat Ana 43 Enkelkinder. "Ein bisschen mehr als die Hälfte gehört zur lutherischen Kirche," sagt sie stolz. Und ein wenig enttäuscht fügt sie hinzu: "Die anderen haben oft Katholiken geheiratet. Da war dann meist die katholische Seite stärker. Aber regelmäßig zur Kirche gehen sie dort nicht. Wenn sie zu mir kommen, dann lese ich ihnen dann trotzdem aus der Bibel vor." Nicht besonders groß, aber mit einer kleinen Kraft ist diese Gemeinde ausgestattet. Und sie sucht "das Wort" treu zu bewahren. Die Gemeinde konnte relativ bald nach dem Beginn ein Grundstück günstig erwerben, das gut liegt. Ende der 80er Jahre wurde der Kirchraum gebaut. Das GAW wurde dann 2007/08 um Mithilfe für ein zweites Stockwerk gebeten, das im Rohbau fertig gestellt werden konnte. Hier sollen in Zukunft vor allen Dingen die Jugendlichen treffen, der Kindergottesdienst stattfinden und eine kleine Bibliothek entstehen. Die Gemeinde nimmt teil an dem Programm der ILEP, das dafür steht, armen Kindern der Nachbarschaft in der Schulzeit ein Mittagessen zu geben und Hausaufgabenhilfe anzubieten. "Dieses Programm hilft uns, an Kinder und ihre Familien heranzukommen," sagt Pastorin Adita Torres, die seit 12 Jahren die Gemeinde leitet. Auch gibt es inzwischen einen Vertrag mit der Stadt, damit in einem Raum unter der Woche vor allen Dingen junge Mütter Beratung und Begleitung erfahren. 
Die Gemeinde bewegt sich und sie bemüht sich darum, nicht permanent abhängig zu sein von Hilfe von aussen. Eine Gemeinde mit einer kleinen Kraft, die aber viel bewegt und treu ist. - Pfarrer Enno Haaks

Hoffnung in San Juan Camino Esperanza/Lima

Präsentation der Pläne in dem entstehenden Zentrum
Hoffnung gibt es viel in der Gemeinde San Juan Camino Esperanza in dem Stadtteil San Juan de Lurigancho. Das braucht diese kleine Gemeinde auch! An die 20 Mitglieder hat die Gemeinde und bietet im Rahmen eines Hilfsprogrammes Mittagessen und Hausaufgabenhilfe an. Da kommen zahlreiche Kinder. Und darüber erhofft man sich auch, an Eltern heranzukommen. Die Gemeinde hat lange darauf gewartet, ein Grundstück zu bekommen, auf der dann das Gemeindezentrum mit Kapelle und Gemeindesaal und Pfarrbüro entstehen kann. Das Grundstück gibt es. In einer sehr einfachen Hütte bewacht eine Familie das Grundstück, die auch zur Gemeinde gehört. Mit Hilfe des GAW konnten nun die ersten Mauern hochgezogen werden für das Gemeindezentrum. Noch bleibt viel Arbeit. Und es fehlen die Mittel, es zügig zu vollenden. Aber vielleicht ist das ja auch gut so, denn mittelalterliche Kathedralen wurden über Generationen gebaut. So verwuchsen Bau und Gemeinden miteinander, denn man musste sich gemeinsam anstrengen, das Werk zu vollenden. Vielleicht ist das das Hoffnungsbild dahinter, dass man sich durch den langsamen Fortschritt mit dem neu Enstehenden indentifizieren lernt. Natürlich wurde ich nach weiterer Hilfe gefragt. Im PK 2012 wird noch einmal eine kleine Summe für das Projekt gesammelt. Wichtig sind dann aber die eigenen Anstrengungen. Die Pläne, wie es einmal aussehen soll, wurden mir schon mal präsentiert. Es sind Hoffnungspläne! Die Braucht es! - Pfarrer Enno Haaks

Eine Kuh für eine Kirche - Huacho/Peru


"Am Anfang habe ich eine Kuh verkauft, um damit unsere Holzkirche kaufen zu können," erzählt Luis, Gemeindemitglied der lutherischen Galiläagemeinde in Huacho. Mit dem Bus fährt man drei Stunden nördlich von Lima, um irgendwann in diese Oasenstadt in der Wüste zu kommen. "Wir gehörten zunächst zur reformierten Gemeinde hier am Ort. Die hatte über 400 Mitglieder. Dann gab es aber Problem und über 300  Mitglieder sind ausgetreten. Mit einigen haben wir uns zunächst in unserem Haus versammelt," fährt Luis fort. Ein Zimmer seines Hauses hat er der Gemeinde kostenslos zur Verfügung gestellt. Dort ist ein kleiner Missionspunkt. Luis Frau betreut dort eine Kindergartengruppe mit ca. 15 Kindern, die Eltern von der nahegelegenen Schule zu ihr bringen. An einem anderen Ort steht die Holzkirche mit einem Gemeinschaftssaal. Dort erhalten bis zu 30 Kindern eine Mittagsmahlzeit und Hausaufgabenhilfe.Die Gemeinde hat über die ILEP (Iglesia Luterana Ev. Peruana) einen Antrag an das GAW gestellt, um ein eigenes Grundstück erwerben zu können. Selbst haben sie fleissig gesammelt, damit das nötige Geld zusammenkommt. Wenn es soweit ist, wird die Holzkirche abgebaut, die jetzt auf einem Grundstück eines Gemeindemitgliedes steht, und neu aufgebaut. Sympathisch und engagiert ist diese kleine Gemeinde, die voller Zuversicht in die Zukunft schaut und Pläne hat. Ihre Dankbarkeit dem GAW gegenüber war gross bei unserem Besuch. Kirchenpräsident Armando Capcha Rojas leitet die Gemeinde parallel zu seinem kirchenleitenden Amt. - Pfarrer Enno Haaks

Freitag, 16. März 2012

Kirchenneubau für "Cristo Salvador" in Lima/Peru

Der Kirchenvorstand von Cristo Salvador
Es hat ganz schön lange gedauert. Aber jetzt soll es losgehen, so erzählt stolz der Vorsitzende des Kirchenvorstandes der Gemeinde "Cristo Salvador" in Lima. Im Laufe der letzten Jahre gab es immer wieder Verzögerungen: durch Wechsel im Kirchenvorstand, durch einen Pfarrerwechsel, durch Änderungen der Baubestimmungen. Für eine so kleine Gemeinde in einem Armenviertel in Peru ist es nicht so einfach solche Schwierigkeiten aufzufangen. 
Zum Glück ist Pastorin Ulrike Sallandt wieder da, die ein paar Jahre ausgesetzt hat. Und ein Segen ist es, dass sie die pastorale Arbeit ehrenamtlich macht. Sie arbeitet sonst als Lehrerin. Seit 12 Jahren lebt sie in Peru. "Ich will der ILEP (Iglesia Luterana Evangélica en Peru) helfen", sagt sie. Und das spürt man. Beherzt leitet sie die Sitzung bei unserem Besuch in der Gemeinde. Und die Kirche braucht solche Menschen, denn sie ist klein und hat etliche Schwierigkeiten, die nicht leicht zu überwinden sind. 
Für die Gemeinde "Cristo Salvador" beginnt jetzt eine ganz wichtige Etappe ab April. Die Baugenehmigung liegt vor. In vier Monaten hofft man fertig zu sein. Und dann wird auch das Geld, das das GAW gesammelt hat, seine Bestimmung gefunden haben. Komplett wird die Kirche dann noch nicht sein. Man beschränkt sich auf einen ersten Bauabschnitt. Der zweite Stock wird später kommen. - Pfarrer Enno Haaks

Donnerstag, 15. März 2012

Oh komm Immanuel! - Eine Gemeinde am Rande Limas

oben die Kirche, unten Kirchenvorstand mit Pastorin (l.)

"¡Oh, ven! ¡Oh, ven, Emmanuel! Libra al cautivo Israel, que sufre desterrado aquí…" (Komm, Oh komm Immanue! Befrei das gefangene Volk Israel, das im Exil leidet..." so beginnt ein spanisches Adventslied. Daran musste ich denken, als ich die lutherische Emanuelgemeinde besuchte. Inmitten einer staubigen Umgebung mit einfachen Hütten, die sich irgendwie die Berge hochziehen, am Ende des riesigen Molochs Lima findet sich wie ein bunter Farbtupfer die Kirche der Emanuelgemeinde, die von der deutschen Pastorin Uta Ihrke-Buchroth geleitet wird. Sie selbst sammelt engagiert und mit vielen Ideen die Gemeinde, begeistert Menschen der Umgebung, sich der Gemeinde anzuschliessen. Das ist bitter nötig. "Der Staat ist hier nicht zu finden. Die Menschen sind auf sich alleine gestellt," sagt sie. Und genau deshalb ist eine gute Präsenz der Kirche wichtig und notwendig. Dafür hat sie Pläne und setzt Hilfsprogramme um, wie z.B. eine Hausaufgabenhilfe, Mittagsspeisung, eine Frauennähstube etc. Zwei Freiwillige helfen dabei. Zum Team gehört auch z.Zt. eine Viakrin aus Hessen-Nassau. Die Gemeinde hat weitere Pläne: So sammeln wir im Projektkatalog 2012 dafür, dass der Kirchraum erweitert werden kann. Zudem soll ein Raum für eine Kindergartengruppe entstehen. das gibt es hier nicht. Auch wird es dafür kaum Zuschüsse geben. Durch kleine Beiträge sollen die Kosten dennoch gedeckt werden. 
Inmitten dieses schwierigen Umfeldes, in dem man auch das Empfinden hat, als wären die Menschen durch all die schwierigen Umstände und Perspektivlosigkeiten gefangen, hat man dennoch das Empfinden, dass Immanuel da ist! - Pfarrer Enno Haaks

Ein Haus für die Emmausgemeinde/Lima - Peru

Seit vier Jahren arbeitet die kanadische Pastorin Fran Schmidt in Lima/Peru. Sie betreut zwei Gemeinden. Die eine ist die Emmausgemeinde im Stadtteil Comas, die andere ist die GemeindeSan Juan Camino de Esperanza 
in San Juan de Lurigancho im Norden Limas. In den Jahren 2006 und 2007 wurde für die letztere gesammelt, damit sie endlich das ersehnte neue Gemeindezentrum bauen konten. Das ist erfolfgreich abgeschlossen worden und die Gemeinde ist dafür sehr dankbar.
Pastorin Fran (links) und Mitglieder des
Kirchenvorstandes Emmaus
Die Emmausgemeinde sehnt sich genau danach: Endlich ein eigenes Gemeindezentrum. Im Projketkatalog 2011 wurde dafür beim GAW gesammelt. Zur Zeit mietet die Gemeinde für ihre Aktivitäten ein Gebäude. Die Mieten bringen die Mitglieder durch ihre Beiträge oder durch Aktivitäten wie Bingos, gemeinsame Essen und andere besondere Veranstaltungen auf. Dieses Geld wollen sie un Zukunft lieber in ein eigenes Gebäude stecken. Potenzial zum Wachsen hat die Gemeinde wohl. Neben den 20 Mitgliedern wird inzwischen ein Kinderprogramm mit Hausaufgabenhilfe und Essensausgabe angeboten. An die 30 Kinder kommen aus der Umgebung. Und immer mal wieder kommen dadurch neue Mitglieder hinzu. Ein Kindergarten wäre jetzt noch wichtig, denn das wird in der Umgebung gebraucht. Auch das soll in den neuen Räumen mit eingebracht werden. Noch wirkt es alles wie ein grosser Traum. "Aber davon leben wir doch in unserm Glauben," sagt die Gemeindepräsidentin. Dem GAW ist sie sehr dankbar, denn die Summe ist für sie die erste grosse Motivation, um jetzt konkret ein Grundstück zu suchen, weitere Geldgeber um Hilfe zu bitten und vor allen Dingen selbst aktiv Geld zu sammeln. Man nimmt es ihr ab, so begeistert erzählt sie von ihren Träumen, die durch das GAW konkret zu werden scheinen. - Pfarrer Enno Haaks

Mittwoch, 14. März 2012

Taxifahrt in Lima

"Wo kommen Sie her? Und was machen Sie," fragt der Taxifahrer in Lima, der mich zum nächsten Treffen fährt. "Ich komme aus Deutschland und bin lutherischer Pastor," antworte ich. "An was glaubt ihr? Glaubt ihr an Gott?" fährt er fort. Schnell ist klar, dass er noch nie etwas von einer lutherischen Kirche gehört hat. Ich erzähle ihm kurz von der Geschichte der lutherischen Kirche, von Martin Luther... "Ah - Martin Luther King!" unterbricht er mich. "Nein," antworte ich, "dieser Martin Luther lebte viel früher im 16. Jahrhundert und war katholischer Mönch." Die Unterhaltung geht weiter und wir sprechen über Gemeinsamkeiten zwischen beiden Kirchen, aber auch den Unterschieden. Er selbst ist Katholik: "Man muss an etwas glauben. Nur selbst gehe ich nicht so oft in die Kirche. Ich finde vieles in meiner Kirche scheinheilig. Wichtiger ist, im Alltag das zu leben, was in der Bibel steht und geboten ist," sagt er. Da kommen wir uns näher!
In Lateinamerika kommt das immer wieder vor. Wenig weiss die meist katholische Mehrheit von der lutherischen Kirche. Schnell fragt man, wie der Taxifahrer: "Seid Ihr eine Sekte? Oder Evangelicós?" 
Auf der anderen Seite wird immer wieder deutlich, wenn man ins Gespräch kommt, wieviele Chancen gerade die lutherische Kirche haben könnte, wenn sie sichtbarer und erkennbarer wäre - vor allen Dingen bei enttäuschten Katholiken oder auch bei nach Bildung und Vernunft fragenden Evangélicos. Nur - viele der luthrischen Kirchen sind klein, wie in Peru oder Chile, Venezuela oder Kolumbien. Brasilien ist da eine Ausnahme und auch unsere argentinischen Partner sind ein bisschen stärker. Die geringe Grösse verhindert oft eine weitere Ausstrahlung. Und doch ist es immer wieder beeindruckend, wie durch ihr sozial-diakonisches Engagement diese kleinen Kirchen auch nach aussen wirken. - Pfarrer Enno Haaks 

Ueberschwemmungen in Punta Arenas/Chile

Der Kirchenpraedident der IELCH in Chile Luis J. Alvarez schreibt uns ueber die starken Regenfaelle und Ueberschwemmungen in Punta Arenas: 

"Wir möchten Euch informieren, dass die Überschwemmungen in der Stadt Punta Arenas auf Grund der schweren Regenfaelle anhalten. In der Stadt gibt es viele Einzelpersonen und Familien, die in Notunterkünften untergebracht sind. Etliche Familien haben ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Die Behoerden arbeiten intensiv vor Ort, um den Menschen zu helfen. In unserer Gemeinde gibt es eine Familie die schwere Verluste erlitten hat. Sie werden versorgt durch die Gemeinde und Freunde. Auch die Gemeinde vor Ort kuemmert sich um die Betroffenen. Herzlich bedanke ich mich fuer alle Gebete und Anteilnahme."
In Punta Arenas gibt es eine lutherische Gemeinde der IELCH. Pastorin Gloria Rojas leitet die Gemeinde. Die Gemeinde ist Traegerin einer Schule, die wichtig fuer den missionarischen Gemeindeaufbau ist. Ueber das GAW-Wuerttemberg gibt es regelmaessig Freiwillige dort.

Dienstag, 13. März 2012

Instituto Luterano in El Alto

Acto civico im Instituto Luterano
Das war schon überraschend, dass die lutherische Kirche in Bolivien (IELB) eine eigene Schule unterhält. Wie kann das gehen, wenn die staatliche Politik nicht dazu einlädt, sich um Bildung als Kirche zu kümmern. Gibt es in anderen Staaten, wie z.B. Chile eine staatliche Subvention für freie Schulträger, so gibt es in Bolivien nichts. Der Staat erhebt den Anspruch allein für die Schulausbildung zuständig zu sein. So müssen die SchülerInnen im Instituto Luterano ein Schulgeld zahlen bis max 150 Bolivianos (1Euro = 9 Boliv.). Natürlich gibt es Schüler, die diese Summe aufbringen können. Dafür gibt es Stipendien dank der Unterstützung nordamerikanischer Lutheraner. Auffallend ist die geringe Klassenstärke. Das hängt auf der einen Seite mit dem Schulgeld zusammen, auf der anderen Seite auch damit, dass in staatlichen Schulen die Schüler noch weitere Vergünstigungen haben. Trotzdem scheinen die Lehrer insbesondere gerne hier zu unterrichten. Das liegt an den geringen Klassengrößen. In staatlichen Schulen können bis an die 50 Kinder in einer Klasse sein. Maximal unterrichten die Lehrer 120 Stunden im Monat und bekommen dafür im Schnitt 1 US-Dollar. Da sie alle nur halbtags arbeiten, hat jeder noch eine weitere Arbeit. Die Lehrerin der 2. Klasse arbeitet z.B. als Sozialarbeiterin. 
Vor dem Schuleingang
Man merkt, dass hier ein friedlicheres Ambiente herrscht. "Mit Gewalt, Drogen etc. haben wir in der Schule nicht zu tun," sagt ein wenig stolz Pastorin Maritza, die die Religionsstundne gibt und für die Seelsorge zuständig ist. Dazu bietet sie auch Konfirmandenunterricht an. Stolz präsentiert sie mir all die Schüler, die in den letzten Jahren konfirmiert wurden. Man merkt die missionarische Ausrichtung der Schule.
Trotzdem kämpft die Schule ums Überleben. Sie braucht mehr Schüler. Die Ausstattung ist nicht die beste. Der Staat "bekämpft" freie Träger. Nicht einfach! Aber es lohnt sich, diese Schule am Leben zu halten. - Pfarrer Enno Haaks

Frauenarbeit in der IELB

Pastorin Maritza (links) und Rosmery von der
Frauenarbeit der IELB
"Ich glaube nicht, dass wir ohne die Frauenarbeit des GAW heute zwei ordinierte Pastorinnen in der lutherischen Kirche Boliviens (IELB) hätten," bekräftigt Pastorin Maritza Castañeta Ramos, eine der beiden ordinierten Pastorinnen in Bolivien. "Das war ein besonderes Ereignis, das durch die Hilfe der Frauen des GAW ermöglicht wurde. Die Frauen in der Kirche entwickelten das Bewußtsein, dass sie auch mit ihren Gaben die Kirche bereichern." Das war alles andere als selbtsverständlich. Mit Hilfe der deutschen Pastorin Uta Strack, die eine zeitlang in der IELB mitgearbeitet hat, kam der Kontakt zur Frauenarbeit des GAW zustande. Sie hat die Frauen in der IELB bestärkt, sich zu organisieren. Im Jahre 1998 war es dann soweit, dass die Frauenarbeit des GAW für 4 Jahre jeweils ca. 5.000 Euro zur Verfügung stellte, damit eine Struktur aufgebaut werden konnte. So entstand die Frauenarbeit in der IELB. Zunächst ging es um eine Grundstruktur, die geschaffen werden musste. Dann begann man dann mit Fortbildungsseminaren für die Frauen in den 11 Distrikten der Kirche. Es ging dabei um Stärkung des Selbstbewußtseins, Frauenrechten, Frauenfiguren in der Bibel und praktisch ausgerichtete Kurse. Daraus entstanden dann eigene Frauengruppen in den Gemeinden, die vorher alles andere als selbstverständlich waren. Damit fing es dann an, dass die Frauen mutiger wurden und lernten, ihre Stimme in den Gemeinden einzubringen. "Die Männer mußten umlernen und taten es auch!" sagt Maritza, "bis dahin, dass aus Gemeinden die Forderung kam, endlich eine Frau zu ordinieren." Zur 70-Jahrfeier der IELB im Jahre 2008 war es dann endlich soweit: Zwei Frauen wurden ordiniert. Ich war eine davon! "Das GAW war für uns ein Segen! Dafür sind wir dankbar. Zudem sind wir froh, dass die Zusammenarbeit recht flexibel ist und nicht so strikt. Man vertraut uns und ist mit uns geduldig," ergänzt Rosemery Troche Chora, die für die Projektbegleitung der Aktivitäten der Frauen verantwortlich ist. Inzwischen hilft der Lutherische Weltbund bei bestimmten Projekten. "Wir arbeiten daran, dass wir jedes Jahr ein Stück unabhängiger von ausländsicher Hilfe werden," schließt Maritza. - Pfarrer Enno Haaks

Montag, 12. März 2012

Jugendarbeit in der Gemeinde "El Sinai"/El Alto

Jugendliche auf der Kirchentreppe der
Gemeinde "El Sinai", 2. reihe stehend
rechts ist Joel zu sehen
Die Gemeinde "El Sinai" ist die größte lutherische Gemeinde in El Alto und La Paz. 150 Mitglieder hat sie. Sonntag ist sie immer gut gefüllt. Ein fünfköpfiges Pastorenteam leitet die Gemeinde. Wobei es auch hier so ist, dass ein verantwortlicher Pastor der Gemeinde vorsteht. Sowohl er als auch die beiden anderen Hilfspfarrer und die beiden Hilfspfarrerinnen haben einen Beruf, mit dem sie ihren Lebensunterhalt verdienen. So ist klar, dass sich die meisten Gemeindeaktivitäten in der Woche auf wenige Tage konzentrieren. In El Sinai sind das der Donnerstag und der Sonntag.
Die Frau des Kirchenpräsidenten Emilio Aslla ist eine der beiden Hilfspfarrerinnen. Hauptberuflich ist sie Lehrerin an der lutherischen Schule der IELB in El Alto. Sie ist verantwortlich für den Konfirmandenunterricht und die Arbeit mit Kindern.
In der Gemeinde hat sich eine wichtige Jugendarbeit herausgebildet. Joel, 23 Jahre alt und Student, ist mitverantwortlich für diese Arbeit.
Der Traum ist es, dass die Jugendlichen für ihre Aktivitäten einen eigenen Raum bekommen. Dabei geht es nicht nur um Freizeitgestaltung. Es geht vor allen Dingen um Bildung in jeder Hinsicht. So beschäftigen sie sich mit Computerausbildung. Die meisten Jugendlichen sind Migranten, d.h. sie kommen vom Campo und haben nie mit Computern zu tun gehabt. Häufig kommen sie zum Studium nach El Alto/La Paz. Ohne  PC-Kenntnisse sind sie verloren. Dafür soll u.a. auch ein Raum eingerichtet werden. Dann gibt es musikalische Aktivitäten, Sportangebote. "Uns ist es wichtig, dass durch all diese Aktivitäten die Beschäftigung mit der Bibel immer Ausgangspunkt ist", sagt Joel. "Wir wollen evangelisieren! Denn die Jugendlichen, die wir erreichen wollen, brauchen Orientierung." Dazu gehört auch Beratung in verschiedener Hinsicht, wie z.B. "noviazgo". "Viele Jugendliche wissen nicht, wie sie eine Beziehung zu einem Freund und einer Freundin aufbauen können. Das hängt mit den persönlichen Situationen zusammen, dass sie es nicht gelernt haben. Da versuchen wir, auch zu helfen."
Das GAW ist gebeten worden, in der Zukunft den fehlenden Raum mit zu finanzieren. Er soll auf dem Gelände der Gemeinde "El Sinai" entstehen in einer Umgebung, die von Armut geprägt ist. Die Gemeinde selbst beteiligt sich mit eigenen Aktivitäten an der Finanzierung. - Pfarrer Enno Haaks

Sonntag, 11. März 2012

Einfluß des Pentecostalismus auf die IELB

Gottesdienst in El Alto
Der in Lateinamerika wachsende Pentecostalismus hat auch Auswirkungen auf die lutherische Kirche in Bolivien (IELB). Das spürte vor ca. 5 Jahren die Gemeinde "Santissima Trinidad" in El Alto. Ein Gemeindemitglied hatte Kontakte zu einer Pentecostalkirche bekommen. Er versuchte, seine Gemeinde mit den neuen Erfahrungen zu beeinflussen. "Plötzlich ging es nur noch um den Heiligen Geist. Einige Mitglieder fingen an zu tanzen," berichtet einer der beiden Hilfspfarrer der Gemeinde. "Das war nicht leicht! Denn wir wollten in der Ordnung der lutherischen Kirche bleiben. Auf einmal gab es viel Unordnung," fährt er fort. Schließlich wanderten ca. 30 Mitglieder ab. Für die Gemeinde war das nicht einfach, denn man kannte sich gut untereinander. Die Gemeinde Sant. Trinidad brauchte einige Zeit, um sich von dieser Abspaltung zu erholen. Inzwischen sind wieder neue Mitglieder dazugekommen. Das Pastoralteam achtet sehr darauf, dass die lutherische Identität der Gemeinde gewahrt bleibt. Im Gottesdienst integrieren sie etliche Mitglieder, die klare Aufgaben haben. "Das stärkt das Miteinander und die Mitglieder fühlen sich für den Gottesdienst verantwortlich," sagt der Hilfspfarrer. Er ist Hilfspfarrer, weil er bestimmte Prüfungen noch nicht abgelegt hat. Abendmahl darf er nicht austeilen.
Inzwischen scheint es in der abgespaltenen Gruppierung zu Veränderungen zu kommen. Im Gottesdienst am 11. März wurde ein Brief vorgelesen, in dem die abgespaltene Gruppe um Wiederaufnahme bittet. "Das wird wahrscheinlich schwer," sagt Kirchenpräsident Emilio Aslla. "Die Gemeinde fürchtet sich davor, dass es erneut zu abspalterischen Bewegungen kommen könnte. -
Der Gottesdienst am 11. März endete mit einem Gemeinschaftsmahl. Fast alle Familien brachten etwas zu Essen mit. - Pfarrer Enno Haaks

Die Gemeinde "Luz y Vida" in El Alto

Gewächshaus in El Alto 
"El Alto wächst und wächst und wächst," erzählt Omar, von der Iglesia Evangélica Luterana de Bolivia (IELB) angestellter Agraringenieur, als er uns ein Gewächshausprojekt in der Gemeinde "Luz y Vida" vorstellt, das insbesondere mit Hilfe des Lutherischen Weltbundes durchgeführt wird. In einem großen Gewächshaus wird den Familien das Säen und Ernten unter diesen Bedingungen beigebracht. Auch ein Komposthaufen mit Regenwürmern ist integriert, um Dünger zu erzeugen. Bis an die 30° C sind in dem Gewächshaus zu dieser Jahreszeit. Auch bei -10°C im Winter in der Nacht funktioniert das Gewächshaus. Dafür werden mit Wasser gefüllte Plastikflaschen als Wegmarkierung integriert, die die Wärme des Tages speichern und in der Nacht dafür sorgen, dass der Boden im Gewächshaus nicht gefriert. Bei guten Bedingungen kann man alle 30-40 Tage ernten. In der Regel werden Salat, Tomaten, Gurken angebaut. Ein Teil dient dem eigenen Verzehr, der andere Teil wird an die Nachbarn verkauft, damit so die Haushaltskasse aufgebessert werden kann. Ein nachhaltiges Projekt, das insbesondere von Frauen getragen wird. Omar bietet Kurse an, damit der richtige Umgang und die Pflege des Gewächshauses den Teilnehmenden nahe gebracht werden kann. "In jedem Jahr können dann Anträge gestellt werden, damit ein Gewächshaus bei den Familien eingebaut werden kann. Die Kosten sind nicht hoch. Die Adobesteine fertigen die Familien selbst an. Das teuerste ist die Plane, die bei guter Pflege 20 Jahre hält," berichtet Omar. 
Im Gespräch vor der Kirche "Luz y Vida"
Die Gemeinde "Luz y Vida" im Sector San Roca in El Alto profitiert davon. Sie wird bekannter. "Es kommen immer wieder neue Mitglieder dazu," sagt stolz Pastor Elias Cuariti, der als Constructor arbeitet. Man träumt schon von einer größeren Kirche. Pläne dafür gibt es. 
El Alto ist seit 27 Jahren eigenständige Stadt, unabhängig von La Paz. Hier haben sich die Migranten angesiedelt, die auf dem Land keine Zukunft mehr sahen. So wächst sie und dehnt sich immer weiter nach außen aus. Ein riesiges Gebiet, das für Außenstehende chaotisch wirkt. Die lutherische Kirche hat 5 Gemeinde in El Alto und nimmt sich sehr der Sorgen und Nöte der Menschen hier an. Sie will, wie der Name der Gemeinde sagt: Licht und Leben für die Menschen sein. - Pfarrer Enno Haaks

Lutherische Kirche auf dem Altiplano/Bolivien

Kirche "Capernaum" in Huanocollo
Pastor in Huanocollo
"Die Dorfgemeinschaft hat auf dem Altiplano einen großen Einfluß," erzählt Kirchenpräsident Emilio Aslla Flores. "Das sieht man hier z.B. in Huanocollo in der Region del Lago auf dem Altiplano. Es gibt weit und breit keine katholische Kirche. Nur unsere lutherische Kirche steht hier und sammelt die Menschen." Die katholische Präsenz war in dieser Region nie besonders verwurzelt. "Die Dorfgemeinschaft hat darauf geachtet, dass durch einen weitere Konfession keine Spaltung in das Dorf hineinkommt. So kam es zu relativ homogenen Kirchenstrukturen. Anfang des 20. Jahrhunderts hatten die Baptisten, Methodisten und Lutheraner hier eine Missionsarbeit begonnen. Diese drei protestantischen Konfessionen haben sich zum Glück nicht gegenseitig Konkurrenz gemacht. Sie haben sich ihre Bezirke aufgeteilt.  Der Pastor in Huanocollo erzählt: "Inzwischen kommt auch schon mal der katholische Priester und feiert ökmunenische Gottesdienste mit." Das erlebt man nicht oft in Lateinamerika. Aber hier spürt man auch, welche gemeinschaftsstiftende Bedeutung die lutherische Kirche hat. Der Pastor arbeitet wie jedes Gemeindemitglied. Hier auf dem Land widmet er sich der Landwirtschaft und betreut nebenamtlich die Gemeinde. Normalerweise bekommt er, wenn das Geld reicht, eine kleine Aufwandsentschädigung. So arbeiten alle Pfarrer der lutherischen Kirche in Bolivien. Das ist nicht einfach. Nur die Pfarrer, die in der Kirchenleitung sind, arbeiten voll im Pfarrberuf. - Pfarrer Enno Haaks


Samstag, 10. März 2012

Bolivien - ein Land im Wandel

Demonstartion in La Paz/Bolivien 
"Wir fahren lieber nicht den direkten Weg in die Stadt," sagt Kirchenpräsident Emilio Aslla Flores von der Iglesia Evangélica Luterana de Bolivia (IELB), als er mich vom Flughafen in El Alto abholt, um mit mir nach La Paz reinzufahren. "Heute streiken die Ärzte," berichtet er. "Sie sollen wie alle acht Stunden am Tag arbeiten. Bisher haben sie halbtags gearbeitet und konnten dann noch woanders was dazuverdienen. Gegen das neue Gesetz wehren sie sich und sperren die Strassen ab." Das war nur ein Streik. In einen anderen sind wir dann doch hineingeraten...
Das zeigt, dass die politische Situation in Bolivien nicht einfach ist. Evo Morales wurde 2005 zum ersten indigenen Präsidenten Lateinamerikas mit breiter Mehrheit gewählt. Viele versprachen sich von ihm den Wandel, den Bolivien dringend braucht. "Nach Jahrhunderte langer Ausbeutung des rohstoffreichen Landes, nach mehreren Diktaturen und dem neoliberalen Wandel, der für die wirtschaftliche Situation Boliviens verheerende Auswirkungen gehabt hatte, glaubte die Mehrheit der Bolivianer und Bolivianerinnen daran, dass mit Evo Morales nun endlich ein Aufschwung und eine Kehrtwendung in Richtung soziale Gerechtigkeit und Linderung der Armut eintreffen würde." (Eva Heim) Tatendurstig ging der Präsident ans Werk, versuchte durch Verstaatlichung und Nationalisierung der Rohstoffe einen gerechten Ausgleich zu schaffen und die verarmte Bevölkerung Anteil geben zu lassen. Zudem setzte er tatkräftig eine neue Verfassung um, die indigene Prinzipien des "Buen Vivir" berücksichtigt. 
Es ist trotz allem nicht leicht, eine Gesellschaft, die lange anders geprägt war, ohne Konflikte umzugestalten. Damit rechnete auch der Vizepräsident von Evo Morales, Álvaro García Linera . Zudem spürt man, dass in der zweiten Amtsperiode durch das alltägliche Regierungsgeschäft der Schwung der ersten Jahre verschwunden ist. In der Demonstration heute gab es Morales kritische Plakate. Man spürt die Ungeduld und dass es Zeit braucht, Veränderungen anzugehen. 
Zudem gibt es reichlich Probleme: die Korruption ist schwierig zu bekämpfen, die Justiz- und Bodenreform stockt, die Kokainproduktion ist gestiegen, die Preise für Grundnahrungsmittel sind erheblich gestiegen. Dazu kommen andere Themen. 
Trotz allem ist viel in Bolivien geschehen. Die Hoffnung, dass der Wandel in der Gesellschaft friedlich vollzogen wird ist da. Gewalt gab es zur Genüge in der Vergangenheit. "Die große Herausforderung besteht in der Versöhnung der verschiedenen Strömungen der bolivianischen Gesellschaft und der Überwindung der tiefen Spaltung der Gesellschaft entlang der Grenzen von geographischen, Klassen- und Rassengrenzen. Schließlich wird sich die Regierung vor allem daran messen lassen müssen, ob es ihr gelingt, die wirtschaftliche Entwicklung in dem bitterarmen Land in den Griff zu bekommen und die Lage der Bevölkerung auf lange Sicht zu verbessern." (KAS-Bericht)



Freitag, 9. März 2012

Eine Vikarin für die ILCH!

Vikarin Hanna Schramm mit Pfarrer Enno Haaks in Santiago
"Ich freue mich, endlich in Santiago zu sein!", sagt Hanna Schramm, die jetzt im März 2012 ihr zweijähriges Vikariat in Chile in der Iglesia Luterana de Chile (ILCH) beginnt. Im Januar hat sie ihr erstes Theologisches Examen in der sächsischen Landeskirche mit Erfolg bestanden. Aus familiären Gründen hatte sie sich entschieden, die kommenden Jahre in Chile zu verbringen, und suchte nach einer sinnvollen Betätigung. Durch gute Konstellationen in der Leitungsebene der ILCH wurde ihr ein Vikariatsplatz in der ILCH angeboten. "Ich weiß, dass das eine Herausforderung sowohl für die ILCH als auch für mich selbst ist", sagt Hanna Schramm. Denn bisher gab es in der ILCH noch keine ordinierte Pastorin. "Für uns als ILCH hat das Vikariat von Hanna eine wichtige Bedeutung. Es ist ein Schritt hin zu einer offeneren Kirche mit neuen Kontakten, die wir dringend brauchen", sagt Bischof Sigfried Sander. Die ILCH hat durch die geschichtlichen Ereignisse in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts viele Partnerschaften verloren und einen eigenständigen, manchmal auch isolierten Weg eingeschlagen.
Die Leitung der ILCH trat an das GAW mit der Bitte heran, dieses Vikariat zu unterstützen. Die Frauenarbeit des GAW ist dem gerne nachgekommen. Ideell unterstützt wird dieses Projekt durch den Lutherischen Weltbund, der sehr daran interessiert ist, dass in allen lutherischen Kirchen Lateinamerikas Frauen Zugang zum Pastorenamt haben. Die ILCH war in dieser Beziehung die einzig verbliebene Kirche. - Pfarrer Enno Haaks

Donnerstag, 8. März 2012

Das Friedrich-Karle -Heim der ILCH in Santiago

101-jährige Bewohnerin aus Düsseldorf
Dacherneuerung durch das GAW
"Ein Foto von mir dürfen Sie machen, aber bitte schreiben Sie nicht meinen Namen", bat mich eine 101jährige Bewohnerin des Friedrich-Karle-Altersheimes der Iglesia Luterana de Chile (ILCH) in der Avenida Lyon. 1911 wurde sie in Düsseldorf geboren. 1935 kam sie zum ersten Mal nach Chile. Ihr Mann fand hier Arbeit. Beide Kinder hat sie überlebt und hat keine Verwandten mehr in Chile. "Ich habe es nicht leicht gehabt in meinem Leben. Aber das hat mich auch stark gemacht", sagt sie. "Ich bin froh, hier zu sein. Das kann ich mir gerade noch leisten."
Ein gutes Altersheim kostet sehr viel. Im Friedrich-Karle-Altersheim werden auch Menschen aufgenommen, die nicht so viel bezahlen können. Die ILCH hat schon in den 60er Jahren dank einer Erbschaft begonnen, ein Altersheim aufzubauen. Es gab damals die Notwendigkeit, sich um die älter werdenden Mitglieder der deutschstämmigen "Lota"-Gemeinde zu kümmern. So wird die große Erlöserkirchengemeinde genannt, die sich in der Avenida Lota befindet.  Damals wurde auch noch sehr viel Wert auf die deutsche Sprache gelegt. Das hat sich durchaus verändert, auch wenn nach wie vor viele deutschsprachige das Heim bewohnen, das Platz für ca. 45 Bewohner bietet. 33 Mitarbeitenden sind von der Gemeinde angestellt.
Verantwortlich für das Funktionieren des Hauses ist ein Vorstand, der sich rührend um die Bewohner kümmert und dem Heim eine besondere Atmosphäre verleiht. "Hoffentlich kommen mal wieder Freiwillige dazu", sagt Frau Wagner, Ehefrau des ehemaligen Pfarrers der Lotagemeinde, Richard Wagner. Das ist nicht einfach. Viele Gemeindeglieder sind weiter in den Norden der Stadt gezogen und die Fahrt zum Heim ist bei dem Straßenverkehr in Santiago nicht  angenehm. In den kommenden Jahren wird man entscheiden müssen, wie es mit dem Altersheim weiter geht. Ideen für die Zukunft gibt es.
Das GAW half nach dem Erdbeben bei der Reparatur des Daches eines Hauses. Die Frauenarbeit unterstützte vor zwei Jahren die Erneuerung der Heizungsanlage mit einer beträchtlichen Summe. - Pfarrer Enno Haaks

Mittwoch, 7. März 2012

Die Gemeinde in Hualpen bei Concepción

Carina, (3. v. links)
"Hier in der Gemeinde San Pbalo in Hualpen habe ich gelernt, dass ich als Frau Rechte habe. Dazu gehört, dass man mich nicht schlagen darf", erzählt Carina, Mitglied des Kirchenvorstandes aus der Stadt Huaplen, die an Concecpión grenzt. "Als ich das erste Mal zur Kirche kam, war ich sehr schüchtern und voller Angst. Damals brachte ich mein Kind zum Kindergarten. Es war irgendwie normal, dass mein Mann mich schlug und zu Hause einsperrte. Doch dann kam ich zur Frauengruppe. Und langsam bekam ich mit, dass Frauen eigentlich nicht geschlagen werden dürfen. Hier habe ich alles gelernt, was ich jetzt bin", ergänzt sie selbstbewusst. 
Es ist eine verbreitete Realität in den Armenvierteln, dass Kinder und Frauen geschlagen werden. "Ich dachte, dass das dazu gehört", sagt Carina. "Meine Mutter wurde auch schon geschlagen von meinem Vater. Als ich mich dagegen zur Wehr setzte, wurde auch die Beziehung zu meiner Mutter schwieriger, denn sie blieb mit dem Rest der Familie weiter in dieser Gewaltstruktur stecken." Carina wurde Lutheranerin. Sie nahm an Fortbildungen teil und wurde schließlich Mitarbeiterin in der Kirchengemeinde im Projekt, das Frauen berät, die unter häuslicher Gewalt leiden.
Leider musste diese Arbeit in der evangelisch-lutherischen Kirche an mehreren Orten eingestellt werden, weil die staatliche Organisation SERNAM die Zusammenarbeit beendete. Das war ein heftiger Einschnitt, der mehrere Gründe hatte, u.a. zunehmende Forderungen, die nicht erfüllt werden konnten, und eine Veränderung in der staatlichen Familienpolitik, die durch den Regierungswechsel ein konservatives Familienbild hochhalten möchte. Das Ergebnis war eine Verminderung der Zuschüsse. Eigentlich müsste es viel mehr solche Häuser geben, denn die Not ist in der Hinsicht groß in Chile. Und Frauen wie Carina sind wichtig, denn sie können ihre eigenen Erfahrungen einbringen und den Frauen beistehen, die leiden.
Die Gemeinde San Pablo in Hualpen hat ebenfalls unter der Schließung des Projektes gelitten, weil die Mieteinnahmen weggefallen sind. Die Gemeinde, die von Pastor Carlos Camano geleitet wird, ist klein. Ca. 60 Mitglieder hat sie. Zwei Jahre war sie ohne Pfarrer. das hat man gemerkt. Langsam beginnt eine Arbeit mit Kindern wieder. Es gibt viele Ideen und die Hoffnung zu wachsen.
"Ich habe dieser Gemeinde alles zu verdanken, was ich jetzt bin," schließt Carina. - Pfarrer Enno Haaks

San Pedro Gemeinde in Coronel

Besuch bei der Gemeinde San Pedro in Lo Rojas,
links Pastor Oscar Sanhueza
"Gegen zwei Feinde müssen wir in unserer Arbeit in Coronel immer wieder ankämpfen," erzählt Pastor Oscar Sanhueza. "Das eine ist die Resignation, das andere die Perspektivlosigkeit!" Pastor Oscar, wie er von seinen Gemeindemitgliedern der Gemeinde San Pedro in Lo Rojas in Coronel genannt wird, berichtet von der schwierigen Situation, in der die Menschen in einer der ärmsten Regionen Chiles leben. "Wer früher Bergmann war, dessen Sohn hat den Beruf übernommen und dann wieder der Sohn. Als die Kohleminen geschlossen wurden, gab es eine große Depression hier. Wo sollte man Arbeit finden?" Ursprünglich lebte die Region vom Bergbau. Ende der 90er Jahre wurde die letzte Mine geschlossen und die Arbeitslosigkeit stieg enorm an. Jetzt wird Kohle aus Venezuela, die dort billiger ist, in der Nähe der Kirchengemeinde in einem Kohlekraftwerk verbrannt und verschmutzt die Umwelt. "Wer Fischer war, dessen Kinder wurden wieder Fischer und so weiter," fährt Pastor Oscar fort. "Nur - die Fischer haben es durch die industrielle Fischerei sehr schwer. Es gibt hier sonst nicht viel. Und so leben die Menschen. Sich etwas anderes für das eigene Leben vorzustellen fällt schwer. Das Erdbeben hat dann noch einmal besonders diese Menschen betroffen." Inzwischen befindet sich ein Teil der Arbeit von Pastor Oscar in dem Sektor Santa Helena. Hier hat die lutherische Kirche sehr schnell nach dem Erdbeben Hilfe geleistet. Das hat etliche Menschen beeindruckt. Daraus entstand eine kleine Gemeinde. "Media Aguas" (18 m² große Hütten) wurden hier gebaut für die Geschädigten des Erdbebens und für die, die als "allegados" aus ihren Hütten rausgeflogen sind. Etliche fanden bei der lutherischen Gemeinde Unterstützung und Geborgenheit. Selbst brauchte die Kirche in Lo Rojas auch Hilfe. Eine umgestürzte Mauer hatte das Dach des Gemeindesaales völlig zerstört. Mit Hilfe des GAW konnte hier zügig Wiederaufbauhilfe geleistet werden.
Hier zeigt sich, wie wichtig die Arbeit des GAW ist: Die sicheren Mauern und das schützende Dach helfen, um sich geborgen zu fühlen bei all dem, was kaputt geht - sowohl äußerlich als auch innerlich. Letztlich will die Botschaft des Evangeliums helfen, gegen Resignation und Perspektivlosigkeit eine neue Hoffnung zu setzen. Dazu braucht es Räume für die Kirche. - Pfarrer Enno Haaks

Dienstag, 6. März 2012

Zwei Jahre nach dem großen Erdbeben

Maria berichtet vom Erdbeben
"Bis zu dieser Höhe kam die erste Tsunamiwelle", berichtet Maria und bittet mich meinen Arm nach oben zu strecken. "Bis zur Hand von Pastor Enno!" Es ist kaum zu glauben! Aber vorstellbar wird es, wen man durch die Straßen von Talcahuano geht. Talcahuano liegt in der Nähe von Concepción - ungeschützt am Meer. Das Erdbeben und der Tsunami, der ca. 50 min später als das Beben über die Stadt rollte, haben sehr vielen Menschen hier alles genommen. Viele Häuser waren komplett weg durch die Welle und die Trümmer. Zudem gab es viele Schiffscontainer, die aus etlicher Entfernung mitgeschliffen wurden und Zerstörungen anrichteten.
Maria berichtet weiter: "Als das Erdbeben in Haiti kam, habe ich irgendwie gespürt, dass uns das auch geschehen kann. Ich habe meinen Kindern beigebracht, was wir dann tun müssen." Sie erzählt von den schrecklichsten Stunden ihres Lebens. Die Familie flüchtete auf einen Hügel und wartete ab. Zu sehen war nichts. Es gab kein Licht mehr. Zudem herrschte dichter Nebel. Man hörte nur heftige Geräusche wie von einem langen entgleisenden Güterzug. "Das waren die Container und der Müll und Schiffe, die durch die Stadt gefegt wurden!" Am Erschütterndsten war für sie der Rückkehr zu ihrem Haus: "Es war kaum noch etwas Brauchbares da. Das Beben hatte das Haus geteilt, die Welle unser Hab und Gut herausgeschwemmt. Was irgendwie verwertbar war, hatten die Nachbarn geklaut. Das war schlimm." 
Kurz darauf hat sie mit der Heilsarmee und der lutherischen Kirche angefangen, anderen zu helfen. Maria wurde Leiterin einer Suppenküche und kochte monatelang für die Erbebenopfer. Pastor Carlos Camano und andere aus seiner Gemeinde im benachbarten Hualpen halfen, so gut sie konnten. Besonders die seelsorgerliche Begleitung war wichtig. "Wir haben viel geredet", sagt Carlos, "damit die Menschen ihre Traumatisierungen bearbeiten konnten." Noch heute trifft sich eine Gruppe von ca. 15 Frauen, die damals zu denen gehörten, die anpackten und solidarisch waren. - Pfarrer Enno Haaks

Lutherisch in Chiguayante/Chile

Lutherische Kirche in
Chiguayante
Yvonne zeigt ihr zerstörtes Haus
"Vor neun Jahren war ich Pfarrer einer Pentecostalkirche in Chiguayante/Chile. Dann hat man mich vor die Tür gesetzt. Als Grund hat man angegeben, dass ich den Rasen nicht gemäht hätte," erzählt Pastor Carlos Camaño von der IELCH (Iglesia Ev. Luterana en Chile). Aber das war nur vorgeschoben. Die Wahrheit war anders. Carlos hatte inzwischen angefangen, Theologie an der Comunidad Ev. Teologica (CTE) in Concepción in Abendkursen zu studieren. Sein theologisches Denken wurde differenzierter. Er lernte dort einen schweizer Pfarrer kennen, der ihn unterrichtete und ihn schließlich mit der lutherischen Kirche in Verbindung brachte. Carlos wurde in seiner Kirche nicht mehr "tragbar". Durch die Unterstützung von Pastor Oscar Sanhueza gelang es, mit Carlos zusammen, eine kleiner Gruppe Interessierter zu sammeln. Die Mehrzahl kam aus Carlos ehemaliger Gemeinde in Chiguayante. In einer Holzhütte begann die Gruppe sich zu treffen, Gottesdienste zu feiern und Bibelstunden zu halten. "Die Menschen waren dankbar, dass nicht mehr der Druck da war, der ihnen bei den Pentecostales gemacht wurde," erzählt Carlos. "Sie begannen die Freiheit eines Christenmenschen zu schätzen." Das bestätigen die Mitglieder der Gemeinde, zu der inzwischen ca. 60 Menschen gehören. Gut tut ihnen, dass ihnen durch die Predigten kein schlechtes Gewissen gemacht wird. Und schätzen lernten sie den Einsatz der luthersichen Kirche schließlich nach dem Erdbeben vor zwei Jahren. Die lutherische Kirche war eine der ersten, die half. Und: In den Predigten wurde Trost gespendet und nicht mit apokalyptischen Bildern Angst gemacht. Die Pfarrer waren es auch, die denen, die alles verloren hatten, zur Seite standen. Das bestätigt Yvonne, die mit ihrer sechsköpfigen Familie alles verloren hat. Sie bewohnte ein Haus, das vor 50 Jahren nicht erdbebensicher gebaut wurde. Bis heute haben sie trotz wiederholten Bittens, von staatlicher Seite keine Hilfe erhalten. Umso wichtiger ist es ihnen, dass es in Chiguayante eine lutherische Kirche gibt, wo sie Hilfe bekommen.
Das Grundstück und die Kirche wurden mit Hilfe des GAW gekauft bzw. gebaut. Ohne diese Hilfe gäbe es wohl dort kaum noch eine lutherische Gemeinde. - Pfarrer Enno Haaks

Montag, 5. März 2012

Lutherische Kirchen in Chile auf gemeinsamen Weg

Vertreter des CILCHs vor der Erlöserkirche
in Santiago de Chile
Für die beiden lutherischen Kirchen in Chile wird es eine große Herausforderung sein, ob es möglich sein wird, sich zum Reformationstag 2014 zu vereinen, nachdem die Spaltung der lutherischen Kirche im Jahr 1974 zu der bis heute andauernden Situation geführt hat. Seit Anfang der 80er Jahre trafen sich Vertreter beider Kirchen im Rat der Lutherischen Kirchen (CILCH), um einen gemeinsamen Weg zu einer möglichen Vereinigung vorzubereiten. Immer wieder gab es mal große Hoffnungen, wie z.B. im Jahre 2004, als man auf einem gemeinsamen Kirchentag das Gefühl hatte, dass eine Vereinigung zum Greifen nahe war. Dann gab es wieder Rückschläge, bis man sich auf einen gemeinsamen Termin im Jahre 2014 verständigte. Im Moment klingt das ambitioniert, denn noch gäbe es Vieles vorzubereiten und zu klären, wie z.B. die Frage der Zusammensetzung der Synode, die Finanzierungsfragen der Gemeinden, die Frage der Stellung der Pastoren, die Zukunft der diakonischen Arbeit, eine neue Satzung usw. Nun kam im CILCH die Idee auf, hier jemanden dafür zu gewinnen, wie z.B. einen Generalsekretär, der diese Arbeiten vorbereitet, damit bei einer möglichen Vereinigung die wesentlichen Weichen gestellt sind. Leider musste Bischof Sander einräumen, dass es in der ILCH nach wie vor starke Ressentiments gibt, die z.Zt. eher wieder verstärkt auftauchen. Vielleicht hat das auch mit der erneuten stark zu spürenden Polarisierung in Chile zu tun. Dabei geht es um die politische gewinnen diese Fragen Bekenntnischarakter. Hier immer wieder darauf hinzuweisen, dass Kirchen pluralistisch sein dürfen, ist nicht einfach, merkte Bischof Sander an.
Auf der Sitzung des CILCH Anfang März ging es um diese Fragen. Wobei es erfreulich ist, dass in beiden Kirchen Vertreter am Tisch sitzen, die sehr für eine Vereinigung eintreten. - Pfarrer Enno Haaks