Montag, 27. Februar 2012

Evangelisch in Lateinamerika - Besuche bei Partnern

"No soy evangélico", sagte ich in meinem ersten Jahr in Chile, als es um die letzte Volkszählung ging. Es wurde nach der Religionszugehörigkeit gefragt. Für Lutheraner gab es keine extra Zeile zum Ankreuzen. "Ich bin nicht evangelisch," so müsste man übersetzen. Und genau da passt die deutsche Übersetzung nicht auf das, was im Spanischen gemeint ist. Als "Evangélico" bezeichnet man die Pfingstbewegung, die Charismatiker, die Neu-Pfingstbewegung (Neopentecostales). Es ist ein Sammelbegriff! Und es ist gleichzeitig eine Bewegung, die sehr vielgestaltig ist. Unsere unierten und lutherischen Partnerkirchen in Lateinamerika werden als "Iglesias historicas" oder als "Iglesias protestantes" bezeichnet. Sie passen nicht in den Sammelbegriff hinein und grenzen sich oft genug bewusst von dieser Bewegung ab.
Fünf evangelische Partnerkirche stehen ab Mittwoch auf dem Besuchsprogramm des Generalsekretärs des GAW und der Geschäftsführerin des GAW-Baden, Pfarrerin Andrea Schweizer. Gemeinsam werden sie die beiden lutherischen Kirchen in Chile besuchen und dabei vor allen Dingen die Projekte anschauen, die mit Hilfe der Erdbebensonderhilfe wieder hergerichtet und renoviert werden konnten. Andrea Schweizer setzt ihre Reise bei der argentinisch unierten Kirche (IERP) fort, während der Generalsekretär die lutherischen Kirchen in Bolivien, Peru und Kolumbien besuchen wird.
Im Blog und auf Facebook berichten wir regelmäßig von den Eindrücken der Reise. - Pfarrer Enno Haaks

Samstag, 25. Februar 2012

"Soviel du brauchst" - Kirchentag in Hamburg 2013

Der Evangelische Kirchentag vom 1. bis 5. Mai 2013 in Hamburg steht unter der Losung „Soviel du brauchst“ aus dem 2. Buch Mose Kapitel 16, Vers 18. Das wurde Ende Januar in Hamburg bekannt gegeben. Als Zuspruch, Aufforderung und Aufmunterung solle dieser biblische Leitvers verstanden werden, so das Kirchentagspräsidium. "Das zugrunde liegende Bibelwort findet sich in der alttestamentarischen Geschichte des Wunders, dass dem hungernden Volk Israel auf seinem Zug durch die Wüste Manna vom Himmel fällt. Am Ende haben jede und jeder so viel, wie er oder sie braucht. Das ist das göttliche Prinzip vom täglichen Brot“, sagte die Ellen Überschäer, Generalsekretärin des Evangelischen Kirchentages. Die wegweisende „Routenplanung“ liegt für Ueberschär in der doppelten Aussage: "Gott sorgt für dich, es ist so viel da, wie du brauchst“ – aber auch: „Gebrauche nur so viel, wie da ist!"
Für uns als Diasporawerk der EKD ist diese Losung wie gemacht. Unsere evangelischen Partnerkirchen in der weltweiten Diaspora leben nicht im Überfluß. Häufig kennzeichnet Mangel ihre Existenz. Manchmal wissen die Gemeinden nicht, ob sie im darauffolgenden Jahr ihr Gemeindeleben wie bisher weiterführen können. Die biblische Losung mahnt auch zum Teilen. Das ist eines der Wesensmerkmale unseres GAW: Abzugeben, denen, die in Not sind, denen die Hilfe brauchen, um ihrem Gemeindeleben Raum zu geben. 
Auf dem Kirchentag in Hamburg wird das GAW wieder mit einem Stand auf dem Markt der Möglichkeiten präsent sein. Auch durch Bibelarbeiten werden Vertreter des GAW auf die Situation unserer Diasporapartner hinweisen.

Freitag, 24. Februar 2012

GAW-Ostfriesland in der Ukraine

Pastor Sven Grundmann, Herr Hillrichs
mit Pastor Andreas Hamburg
in der Paulskirche zu Odessa 
"Das hat mich beeindruckt!", sagt Pastor Sven Grundmann, Hauptgruppenvorsitzender des GAW in Ostfriesland, als er von seinem Aufenthalt in Odessa bei der DELKU (Deutsche Evangelisch-Lutherische Kirche in der Ukraine) berichtet. "Besonders imponierend war der Besuch im Aus- und Weiterbildungszentrum in Petrodolina. Neben Pfarrer Alexander Gross, der zusätzlich noch Pfarrer in einer kleinen 30 Mitglieder zählenden Dorfgemeinde ist, wird die Arbeit in dem Zentrum von zwei Vikaren und einem Pfarrer aus Norwegen, Brasilien und Nordamerika betreut. Das ist gelebte und erlebte Diaspora und ein Eindruck dessen, wie Mission und Diaspora zusammenkommen und sich bereichern. Über die Grenzen hinweg findet da ein bunter Austausch statt. In dem Zentrum werden Seminare und Kurse für die gesamte DELKU angeboten. Neben Mitarbeitern in der Kinder- und Jugendarbeit werden Lektoren und Prädikanten ausgebildet. In diesem Jahr gab es schon acht Kurse. Eine Erfolgsgeschichte!
"Insgesamt habe ich den Eindruck, dass die Ukraine und das, was ich in Rußland erlebt habe, in vielem nicht miteinander zu vergleichen ist", sagt Grundmann weiter. Er berichtet u.a. davon, dass es Gespräche zwischen Staat und Kirche gibt, die darauf hinzielen, dass die Kirche auch Kindergärten und Schulen betreiben können. Das wäre in Rußland undenkbar. 
Weiter berichtet er von den vielen sozialen Problemen. Die AIDS-Problematik ist insbesondere in Odessa und in Kiew immens. Ebenso liegen die Einkommen sehr niedrig. Rentner haben im Schnitt 75 Euro zur Verfügung. Das hat natürlich Konsequenzen für die Kirche, die es schwer hat, wirtschaftlich auf eigene  Beine zu kommen. Sie ist dadurch abhängig.
Aber es gibt ermutigende Erfahrungen. "Wunderbar war der Sonntagsgottesdienstbesuch in der Paulskirche in Odessa! 130 Besucher kamen. Und abends war die Kirche mit 250 Besuchern bei einem Konzert noch einmal gut gefüllt", schließt Grundmann seinen Bericht vom Delegationsbesuch des GAW-Ostfriesland in der Ukraine. 

Donnerstag, 23. Februar 2012

Notruf aus Frankreich


Immer mal wieder taucht die Frage bei uns auf: Warum müssen wir eigentlich Gemeinden in Österreich unterstützen? Oder eben auch: Warum fördern wir Protestanten in Frankreich? Denen muss es doch gut gehen? Die gehören doch zur EU und diese Kirchen gehören zu reichen Ländern? Nur: In einem gut situierten Land zu leben heißt noch lange nicht, dass eine Diasporakirche gut existieren und ihr Gemeindeleben ohne Not gestalten kann. Davon zeugt z.B. dieser Bericht des Kirchenvorstehers Pierre Toussaint aus Elsaß-Lothringen, der uns die Not seiner Gemeinde schildert: „Ich schreibe aus Frankreich, weil es unserer Gemeinde in Altkirch nicht gut geht. Ich bin Mitglied des Kirchenvorstands der Gemeinde, zu der insgesamt 100 Dörfer gehören. Die Gegend ist absolut katholisch. Und nun haben wir seit dem 1. September 2011 keinen Pfarrer mehr. Ein Jahr soll die Vakanz dauern.Wir halten uns über den Berg so gut es geht. Der Gottesdienst in Altkirch findet regelmäßig statt, aber in der Filiale Montreux-Vieux haben wir es aufgeben müssen. Wir hoffen sehr, bald einen neuen Pfarrer zu bekommen, sonst werden wir wahrscheinlich den Kampf um das Überleben der Pfarrei verlieren. Nun brauchen wir auf jeden Fall Hilfe bei der Sanierung unseres Pfarrhauses. Alleine schaffen wir es nicht. Und wenn es nicht repariert ist, dann wird auch kein neuer Pfarrer kommen. Wir bitten sehr um Hilfe!“

Mittwoch, 22. Februar 2012

Cuaresma - Fastenzeit in Spanien

"40 Tage für die Umkehr, für die Suche (und Neuausrichtung) und für die Überraschung" - unter diese Worte von Gerardo Obermann will die Iglesia Evangélica Española (IEE) die Fasten- und Passionszeit in diesem Jahr begehen.
Wozu nutzen wir die Fastenzeit? Inzwischen ist es weit verbreitet, in diesen 40 Tagen auf eine Gewohnheit zu verzichten. Man übt die Freiheit, zu der wir berufen sind, dadurch bewußt ein. Manchmal binden diese Gewohnheiten einen. Wie viel Zeit z.B. gewinnt man durch den Verzicht auf das Fernsehen? Oder wie frei wird man, wenn man spürt, dass man einen regelmäßigen Alkoholgenuß nicht braucht.
Vielleicht wäre es ja auch etwas, bewußt auf etwas zu verzichten, um dadurch Gespartes für ein Projekt des GAW zu spenden. Ein Verzicht auf etwas zugunsten von etwas ... - das sind alles Übungen, die helfen, bewußter zu leben. Dabei geht es im biblischen Sinn um Umkehr. Aus der Umkehr soll eine Neuausrichtung erfolgen. Und die hält bestimmt Überraschungen für einen parat. Das alles hilft uns, das geschenkte Leben bewußter anzuschauen.
Umkehr - Suche - Überraschung - ein gutes Leitmotiv für unsere Fastenzeit! - Pfarrer Enno Haaks

Dienstag, 21. Februar 2012

Leiden unter der Gleichgültigkeit... - Frankreich

Besuch bei der Union - rechts Generalsekretär Daniel Junker,
rechts daneben Pfarrer Friedhelm Hans (Hgr. Pfalz)
"Wir leiden unter der Gleichgültigkeit der Leute", sagt Pastor Daniel Junker, Generalsekretär der "Union de Églises Protestantes" im Elsaß/Frankreich. "In Frankreich sind wir im Blick auf die Säkularisierung und ihre Auswirkungen auf die Kirche gegenüber Deutschland weit voraus." Er spielt damit auf die strikte Trennung von Staat und Kirche in Frankreich seit 1905 an, die dem Vorschub geleistet hat. Damals wurde das Laizismusgesetz verabschiedet. Die Kirche hat es dadurch schwer. 
Ursprünglich galt das Elsaß mit Straßburg als eines der wesentlichen Zentren der Reformation. Die Wirren der Politik haben das verändert. Auch die deutsche Sprache wird im Elsaß immer weniger gesprochen. Das macht die Verständigung mit den deutschen Partnern und damit auch dem GAW immer schwieriger. 
"Die Gleichgültigkeit in unserer Gesellschaft ist das Schlimmste", sagt Daniel Junker. "Sie macht die Menschen unsensibel für Werte und für Orientierung aus dem Glauben heraus. Das wirkt auch in unsere Kirche hinein." Damit schwindet die Bindung an die Kirche. Zudem hat die katholische Kirche trotz allem einen großen Einfluß. Auch wenn in Frankreich inzwischen etliche Priester aus dem Ausland kommen, so nimmt die katholische Kirche ihre Einflußmöglichkeiten wahr. Manchmal auch gegen die Protestanten.
Die Kirche von Daniel Junker, die "Union de Èglises Protestantes", hat ca. 250.000 Mitglieder. 260 Pfarrer hat die Kirche, wovon ca. 210 in den Gemeinden arbeiten. 30 Pfarrer kommen aus Deutschland. Die Kirche ist seit 2006 eine unierte Kirche. Damals hatte sie sich zusammengeschlossen aus lutherischen und reformierten Christen im Elsaß. Das Gustav-Adolf-Werk unterstützt traditionell diese Diasporakirche. Auch wenn der Staat aus einer alten Verpflichtung her kirchliche Gebäude, die bis 1905 errichtet wurden, erhält, so fallen die neuen Kirchen und Gemeindehäuser nicht darunter. Hier wird immer mal wieder Hilfe benötigt. - Pfarrer Enno Haaks

Freitag, 17. Februar 2012

Besuch in der ev. Gesamtschule Ph. Melanchthon in Wittenberg

Pfarrer Armin Pra (l.) 
"Eine Unterkunft für unsere evangelische Schule zu finden war nicht einfach", berichtet Pfarrer Armin Pra aus Wittenberg, gleichzeitig Vorsitzender der GAW-Hauptgruppe der Region. "Wir hatten ein gutes Objekt im Blick, dass dem Landkreis gehört. Jedoch wollten sie uns dieses leerstehende Schulgebäude direkt am Stadtzentrum nicht zur Verfügung stellen. Das hatte auch ideologische Gründe. Dankenswerterweise halfen die Stadtoberen Wittenbergs schnell und unbürokratisch." Die neugegründete Evangelische Gesamtschule "Philipp Melanchthon" konnte sich in dem alten Volkshochschulgebäude der Stadt einmieten. Der Platz wird für einige Jahre reichen.  Im August 2011 begann der Unterricht. Zzt. gibt es nur eine, die 5. Schulklasse. Die meisten Schüler kommen aus der inzwischen sehr gut laufenden evangelischen Grundschule. 
Für die Schule ist die Hilfe des GAW sehr wichtig. In den ersten drei Jahren fördert der Staat die Schule nicht. Es ist in dieser Phase nicht einfach, zu überleben. Man muss rechnen. Und man braucht Freunde, die solidarisch sind - wie z.B. das GAW. Seit dem Jahr 2000 fördert das GAW evangelische Schulgründungen in den neuen Bundesländern, um dem missionarischen Auftrag von Kirche Ausruck zu geben und um zu zeigen, dass Glauben und Bildung zusammen gehören. - Pfarrer Enno Haaks

Donnerstag, 16. Februar 2012

Lutheraner in Kolumbien

Obispo Eduardo Martínez Díaz
„Gemeinsam für eine gerechte, friedliche und versöhnte Welt“ unter diesem Leitwort wird sich der Rat des Lutherischen Weltbundes (LWB) im Juni 2012 in Bogota (Kolumbien) treffen. Gastgeber wird Bischof Eduardo Martínez Díaz und die Evangelisch-Lutherische Kirche Kolumbiens (IELCO) sein. Ca. 3000 Gemeindemitglieder gehören der Kirche in 14 Gemeinden und einigen Missionsstationen an. Bischof Martinez schrieb an den Generalsekretär des LWB Pfarrer Martin Junge: „Wir sehen es als unsere grösste Stärke an, Teil einer Konfessionsfamilie zu sein, die so weit verzweigt, so vielfältig und grossartig ist wie die weltweite lutherische Gemeinschaft. Zusammenkünfte wie die Ratstagung sind konkrete Zeichen der Gemeinschaft unter Lutheranern und LutheranerInnen aus aller Welt“. Junge selbst erklärte, dass der kolumbianische Kontext, der immer noch von Konflikten, Gewalt und Ungerechtigkeit geprägt sei, eine gute Voraussetzungen für die Auseinandersetzung mit der Frage gibt, was es bedeute und was dazu gehöre, eine Gemeinschaft zu sein, die sich zu einem gemeinsamen Leben und gemeinsamer Arbeit für eine gerechte, friedliche und versöhnte Welt bekenne. 
Kolumbien ist eine tief gespaltene Gesellschaft, wie es für fast alle Länder Lateinamerikas zutrifft. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft sehr weit auseinander. Der bewaffnete Konflikt zwischen Paramilitärs und FARC hat deutliche Spuren der Gewalt, Flucht und Vertreibung hervorgerufen. Der Drogenhandel ist nach wie vor eines der weiteren schwierigen Problemfelder. Gerade dieser Handel finanziert den bewaffneten Konflikt im Land mit. Ein Teufelskreis! 
Vom Wirtschaftswachstum, den es auch gibt, hat ausschließlich die ohnehin kleine Gruppe mit hohen Einkommen profitiert. Die neoliberal ausgerichtete Politik der Regierung hat das befördert. 
Laut einer Studie verfügt nur ein Drittel der Beschäftigten des Landes über Sozial- und Krankenversicherungen, 46 Prozent der Bevölkerung sind arm und 18 Prozent sehr arm. 
In diesem Kontext lebt und arbeitet die lutherische Partnerkirche des GAW in Kolumbien. In Bucaramanga gehen jetzt, laut einer Nachricht von Pastor Martinez, die Planungsarbeiten für den Umbau des Gemeindezentrums weiter voran. Es gab erhebliche Schwierigkeiten nach dem Regierungswechsel. Auch wird in diesem Jahr eine Stipendiatin nach Leipzig zum Theologiestudium aus Kolumbien kommen.

Mittwoch, 15. Februar 2012

Beteiligung stärken und voneinander wissen - Diaspora

In großer Deutlichkeit kritisierte der Münsteraner Theologe Johann Baptist Metz jüngst die Seelsorgeplanung seiner katholischen Kirche. Durch die Bildung "monströser Großraumpfarreien" werde der "Beteiligungsschwund" der Gläubigen immer mehr vergrößert, bemängelte Metzim Januar 2012 bei einem Vortrag. Die Folge seien wachsende "Anonymität und Konfusion". Dabei wäre es wichtig, dem Erfahrungsaustausch der Gläubigen untereinander Raum zu geben und sie religiös mündig werden zu lassen, betont er. Gemeinden müssten künftig "lernbereite Erzählgemeinschaften" sein. Der 83-Jährige zählt zu den wichtigsten katholischen Theologen in Deutschland. Der Priestermangel in Deutschland ist sicherlich einer der Gründe der Fusionierungen.
In der katholischen Kirche ist diese Tendenz scheinbar noch extremer als in der evangelischen Kirche. Jüngst kritisierte ein Oberkirchenrat der EKD die kleinen und überschaubaren Einheiten der Ortsgemeinden, um gleichzeitig den Wert großer Fusionsprozesse herauszustellen. 
Größe heißt eben genau auch das, was Metz anmahnt: es geht Beziehung verloren, Verantwortungsbewußtsein, Freiweilligkeit, Engagement, Erfahrungen, Erzählungen.Größe heißt auch Anonymität. Die Menschen wissen nicht mehr voneinander. Das darf aber nicht die Konsequenz von Kirchenreformbemühungen sein. Die leitende Frage muss sein: Wie kann die Basis gestärkt werden, denn Kirche baut sich von unten! Die übergeordneten Strukturen haben dem zu dienen. Gerade als Diaspoarwerk der EKD können wir vom Wert der kleinen Einheiten erzählen. Wir können Geschichten und Erzählungen beisteuern, wie gerade in einem Diaspoarkontext die evangelische Identität gestärkt wird. - Pfarrer Enno Haaks

Dienstag, 14. Februar 2012

Besuch aus Brasilien

Dr. Ricardo Rieth (r.)
Es war schon ungewöhnlich, dass Dr. Ricardo Rieth etliche Jahre an der EST, der Theologischen Hochschule der IECLB (Evangelische Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien), als Dozent gearbeitet hat. 2008/09 gab es an der EST allerdings eine wirtschaftliche Krise, so dass er sich nach einer anderen akademischen Arbeit umschauen musste.  Inzwischen ist er Prorector der Theologischen Fakultät der "Universidade Luterana do Brasil". 
Dr. Rieth ist Mitglied der "lutherischen Missourikirche" in Brasilien. Sie ist eine konservative lutherische Kirche, die im Schriftverständnis sehr literal mit der Heiligen Schrift umgeht bis hin zu fundamentalistischen Tendenzen. Die Frauenordination wird abgelehnt. Abendmahlsgemeinschaft mit den lutherischen Kirchen, die mit dem Lutherischen Weltbund assoziiert sind, gibt es nicht. 
Dr. Rieth war von 1988 bis 1992 zu einem Studienaufenthalt in Leipzig und wohnte im Franz-Rendtorff-Haus, wo sich jetzt die Zentrale des GAW befindet. Er ist durch seine Verbindung zur IECLB und zum GAW in seiner eigenen Kirche ein Grenzgänger, der sehr auf Zusammenarbeit setzt.
Die Kirche von Dr. Rieth hat ca. 200.000 Mitglieder. Im Vergleich ist die IECLB mit ca. 700.000 Mitgliedern größer. Dr. Rieths Kirche unterhält mehrere Universitäten in ganz Brasilien, die alle eine staatliche Anerkennung haben. Ca. 40.000 Studenten werden in den unterschiedlichsten Disziplinen unterrichtet. Dazu kommen weitere 40.000 Fernstudierende. - Pfarrer Enno Haaks

Montag, 13. Februar 2012

Migration und Integration in der Diaspora

Noch vor wenigen Jahren war es so, dass in Italien die Mehrheit der Protestanten Italiener waren. Das hat sich im vergangenen Jahrzehnt spürbar verändert. In der Waldenserkirche gibt es inzwischen Gemeinden, die überwiegend aus Migranten zusammengesetzt sind. Häufig kommen sie aus Afrika. Das gleiche Phänomen ist in Portugal zu beobachten. Allein die presbyterianische Gemeinde in Setubal besteht zu 50 % aus afrikanischen Migranten. In Spanien und Frankreich ist Ähnliches zu beobachten. Während die Waldenser in Italien sehr darum bemüht sind, die Integration der Migranten in ihre Kirche zu befördern, um keine rein ethnischen Gemeinden zu bilden, gibt es natürlich auch andere Beispiele aus Frankreich und Spanien. In Spanien stellt sich besonders die Frage der Integration der Lateinamerikaner, die in Spanien Arbeit suchen. Gelingt es, sie  in die herkömmlichen historischen evangelischen Kirchen zu integrieren, besonders dann, wenn sie nicht gerade den sog. "Evangélicos" angehören"?
Für die "historischen evangelischen Kirchen" bedeutet die Frage der Migration eine große Herausforderung. Es ist klar, dass das nicht nur eine Anfrage an die Diakonie der Kirche sein kann. Viele Migranten gehören, wenn sie aus Ghana z.B. kommen, der presbyterianischen Tradition an. Wie gehen die europäischen Schwestern und Brüder mit ihnen um? Gibt es Integration oder bilden sich neue ethnisch ausgerichtete Kirchen? Was bedeutet diese Fragestellung für die universale Kirche?
Sicher kann eine gelungene Integration zu segensreichen Veränderungen führen, so z.B. in der Gottesdienstgestaltung, in Fragen die Mission.
Annemarie Dupré, Juristin und Gründerin des „Servizio Refugiati e Migranti“ in Rom, schreibt: "Alle unsere Kirchen stehen vor einer wichtigen Herausforderung. Um es für unsere italienische Situation zu sagen: für Jahre haben wir Gott gebeten, dass mehr Menschen in unsere kleinen Kirchen finden mögen. er hat auf unerwartete Weise geantwortet. Wie werden wir seine Gabe annehmen und ihr gerecht werden?" - Pfarrer Enno Haaks

Samstag, 11. Februar 2012

Straßenkinderheim Jablonka in Kaliningrad

Straßenkinderheim "Jablonka"
Der Himmel ist tiefblau über Kaliningrad. Die Sonne scheint hell und taucht die tief verschneite Stadt in ein freundliches Licht. Es ist etwas wärmer geworden als in den vergangenen Tagen, aber schon gibt es Prognosen für einen neuen Kälteeinbruch. Am Mittag besuchen wir das Straßenkinderhaus „Jablonka“, eine diakonischen Einrichtung der evangelisch-lutherischen Propstei Kaliningrad. Hier schlägt uns eine gemütliche Wärme entgegen. Das tut gut, ist aber verwunderlich, wenn man bedenkt, dass dieses „Haus“ eigentlich Container sind ohne ausreichende Isolation. Die Kinder in „Jablonka“ dürfen hier maximal sechs Monate bleiben, bis für sie eine Pflegefamilie oder ein Heim gefunden worden ist oder sie in ihre Ursprungsfamilie zurückkehren. Neben diesen Kindern gibt es auch solche, die nur tagsüber hier sind und vor allem warme Mahlzeiten und eine liebevolle Atmosphäre brauchen. „Wie hat sich das kalte Winterwetter auf die Situation der Kinder ausgewirkt?“ wollen wir wissen. Sergej Kivenko, seit über zehn Jahren Leiter der Einrichtung, erzählt engagiert die Geschichte der 16-jährigen Jana, die beide Eltern verloren hat. Das fröhliche und begabte Mädchen lebte eine Zeit in „Jablonka“, wurde dann aber von staatlichen Stellen an ein Waisenhaus vermittelt. Nun kommt sie trotzdem tagsüber nach „Jablonka“. Einer der Gründe ist, dass sie hier ihre Freundinnen treffen kann. „Im Waisenhaus geht dass nicht. Da müssen sie sich draußen auf der Straße treffen. Und das bei minus 25 Grad, “ erklärt Sergej. „Gut, dass es „Jablonka“ gibt, “ geht es mir durch den Sinn. – „Die Lage hier in Kaliningrad ist besonders für die Obdachlosen schwierig. Vor wenigen Tagen musste sich ein auf der Straße lebender Mann aufgrund starker Erfrierungen ein Bein amputieren lassen“, berichtet Sergej mit Besorgnis. „Es trifft immer die Ärmsten.“ - Vera Gast-Kellert

Freitag, 10. Februar 2012

"Brückenbauer" in Italien

Maria Bonafede beim "Runden Tisch Waldenserkirche" 
"Viele unserer Pastorinnen und Pastoren sind Brückenbauer zwischen zwei Welten", erzählt Maria Bonafede, Moderatorin der Waldenserkirche in Italien. "Sie müssen vermitteln zwischen traditionellen Waldensermitgliedern in ihren Gemeinden und neu dazugekommenden Migranten aus Afrika." Das gelingt im Großen und Ganzen ganz gut. Leichter ist es in Gemeinden, wo es mehrheitlich traditionelle Waldenser gibt und eine kleinerer Teil zu den Migranten gehört. Schwierig kann es durchaus  werden, wenn eine kleine Waldensergemeinde mit vielleicht 40 Mitgliedern plötzlich mit einer Mehrheit afrikanischer Migranten aufeinander trifft. Das setzt viel  Verständnis füreinander voraus. So müssen afrikanische Migranten versuchen, sich zu integrieren und die traditionelle Waldensergemeinden müssen schauen, wie sie neue, lebendige afrikanische Elemente integrieren können. "Rein ethnische Gemeinden wollen wir nicht", sagt Maria Bonafede. "Das würde nur zu Isolierung führen." Den Pastorinnen und Pastoren misst Maria Bonafede eine hohe Verantwortung bei der Integration und gleichzeitigen Öffnung zu. Die Aufgabe des Brückenbauen ist nicht immer leicht und fordert die Geistlichen sehr heraus. Die Waldenserkirche hat das im Blick und versucht entsprechende geistliche Begleitung anzubieten, damit die Geistlichen befähigt sind für ihre Aufgabe. - Pfarrer Enno Haaks

Donnerstag, 9. Februar 2012

Theologie der Diaspora

Im Jahr 2013 jährt sich zum 40. Mal die Verabschiedung eines der bedeutendsten innerprotestantischen Dokumente: die Leuenberger Konkordie. Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) will sich auf verschiedene Art und Weise diesem Jubiläum stellen. Im Zentrum eines Projekts soll die gemeinsame Arbeit an dem Thema „Theologie der Diaspora“ stehen. In einer Stellungnahme der GEKE heißt es: "Dabei mag sich für manche vielleicht die Vorstellung aufdrängen, eine „Theologie der Diaspora“ ist als wesentliches Element protestantischer Identität nur für die klassischen Minderheitenkirchen von Interesse. In einer religionssoziologischen und demographischen Bestandsaufnahme der europäischen Situation des Protestantismus stellen sich die Dinge jedoch anders dar. Demnach ist die Gesamtsituation des europäischen Protestantismus mehr und mehr als Minderheitensituation zu charakterisieren. Insofern ist auch eine Bearbeitung des Themas „Theologie der Diaspora“ in europäischer Dimension eine angemessene Vorgehensweise."
Für das GAW als Diasporawerk der EKD ist eines der Hauptanliegen, sich mit dieser Fragestellung auseinanderzusetzen. Auch in Deutschland muss man sich mit der Diaspora und mit der eigenen Situation als Kirche kritisch beschäftigen. Häufig kaschiert das äußere Erscheinungsbild der Landeskirchen deren Minderheitensituation. Der Anspruch auf die Mehrheit ist da, aber nicht mehr real umsetzbar.

In den Landeskirchen reagiert man darauf unterschiedlich. Es kommt zu Fusionen von Gemeinden, Kirchenkreisen und Landerskirchen. Dabei entstehen große Einheiten, die manchmal schwer zu überblicken sind. OKR Thies Gundlach sprach kürzlich auf einer Tagung vom „Provinzialismus der kleinen Einheiten“. Sicherlich zielt er auf eine deutsche Realität von alten überkommenen Kirchenstrukturen, die überdacht werden müssen. 
Von Seiten eines Diasporawerkes muss man jedoch kritisch anmerken, welchen Wert kleine Einheiten haben können, was kleine und übersichtliche Kirchenstrukturen in der Lage zu leisten sind, und dass gerade das umeinander und voneinander Wissen ein großer Reichtum ist. Ein Wesen von Kirche ist es doch, Beziehungen zu stärken, Menschen aufeinander und auf Gott zu weisen. Dafür braucht es überschaubare Einheiten, dienende Strukturen und Menschen, die sich in Verantwortung nehmen lassen - nicht nur als "Kirchenprofis". Viele Diasporakirchen leben vom freiwilligen Engagement. 

Eine Beschäftigung mit den Fragestellungen einer "Theologie der Diaspora" kann sehr hilfreich für den Veränderungsprozess innerhalb Deutschlands sein. Das GAW hat zur Vertiefung dieser Frage ein Buch des Diasporatheologen René Krüger, "Die Diaspora - Von traumatischer Erfahrung zum ekklesiologischen Paradigma" herausgegeben. Es ist zu bestellen unter: verlag@gustav-adolf-werk.de - Pfarrer Enno Haaks


Mittwoch, 8. Februar 2012

Die Waldenser und OPM

Was ist OPM? Im Italienischen ist es klar: Es bezeichnet die durch die sozialistische Regierung unter Bettino Craxi im Jahre 1984 eingeführte Sozial- und Kultursteuer, die eine lange Tradition der Bevorteilung der katholischen Kirche in Italien beendete. OPM ist eine Abkürzung von "Otto per mille" - acht von tausend.
Professor Paolo Ricca von der Waldenserkirche
Im Jahre 1870 wurden der katholischen Kirche im Rahmen einer großen Enteignungspolitik durch den Staat viele Güter genommen. Um mit der sehr mächtigen katholischen Kirche zu einem Ausgleich zu kommen, vereinbarte der Staat durch die sog. "Congrua", ein Abkommen, nach dem ein guter Teil der Gehälter der katholischen Priester durch den Staat bezahlt wurde. Durch alle Regierungen - auch die faschistische - wurde das durchgetragen. Die sozialistische Regierung führte dann in den 1980er Jahren eine klarere Trennung zwischen Staat und Kirche und die OPM ein.
"Otto per mille ist ein Geschenk der katholischen Kirche an uns und andere religiöse Gemeinschaften", erläuterte Professor Paolo Ricca von der Waldenserkirche, der im Büro der Waldenser zuständig ist für die Verwaltung der OPM-Mittel. Denn - so Ricca - um Schlimmeres zu vermeiden, schlug die katholische Kirche diese Kultursteuer vor. In der Debatte im Parlament veränderte sich dieser Vorschlag jedoch dahin, dass neben kulturellen Aufgaben des Staates und der katholischen Kirchen eben auch die Waldenserkirche, die lutherisch Kirche, die jüdische Gemeinschaft, die Adventisten und die Pfingstkirchen von der OPM-Steuer profitieren.
Jeder Steuerzahler muss ankreuzen, welcher der genannten Zwecke er seinen Steueranteil zukommen lassen möchte. Als Folge erhielt die Waldenserkirche mit ihren 12-13.000 steuerpflichtigen Mitgliedern - 20.000 sind es in ganz Italien - plötzlich 412.000 Stimmen. Das bedeutete, dass eine erhebliche Geldmenge der Kirche zugute kam. Anfangs gab es unter Waldensern heftige Auseinandersetzungen, ob die Kirche diese staatlichen Mittel annehmen dürfte. Denn bei den Waldensern gilt eine klare Trennung von Staat und Kirche, die sich in der Nachfolge der Armut verpflichtet sieht. Man entschied sich dann,  diese Gelder anzunehmen, jedoch nicht für eigene kirchliche Zwecke, sondern für diakonische, kulturelle und soziale Zwecke einzusetzen. Das GAW profitiert ebenso von dieser Steuer. Projekte des Projektkatalogs, die diesen Kriterien entsprechen, werden den Waldensern vorgelegt. So wurde aus einer Kirche, die seit der Gründung Empfängerkirche ist, eine Geberkirche. Weiterhin fördern wir aber bei den Waldensern Kirchenrenovierungsprojekte. - Pfarrer Enno Haaks

Dienstag, 7. Februar 2012

Gebetswoche in Rumänien

Gebetswoche in Kronstadt
In der letzten Ausgabe des Gustav-Adolf-Blattes (1/2012) haben wir einen Beitrag veröffentlicht unter dem Titel "Zwischen Konfession und Nation". Er geht ein auf die nicht einfache Beziehung zwischen den christlichen Konfessionen im Vielvölkerstaat Rumänien. Unsere vier Diasporapartnerkirchen, die beiden ungarischstämmigen reformierten Kirchen, die ungarischsprachige lutherische Kirche und die lutherische Kirche der Siebenbürger Sachsen haben je ihre eigenen Erfahrungen mit der orthodoxen Mehrheitskirche. Wie erleben sie das Verhältnis von Kirche und Staat? Wie gestalten sie die Ökumene? Diesen Fragen geht der Artikel u.a. nach.
Als schwierig erlebten unsere Partner die veränderte Haltung der orthodoxen Kirche zur Gebetswoche zur Einheit der Christen im Januar. Eigentlich darf kein orthodoxer Priester daran teilnehmen. Trotzdem gibt es Ausnahmen. Das schreibt Professor Dr. Stefan Tobler aus Hermannstadt/Sibiu: "Als ermutigende Ergänzung noch dies: Es gibt Orte, wo die Gebetswoche für die Einheit doch noch wie früher gefeiert wird, mit gegenseitiger Teilnahme und Mitwirkung am Gottesdienst des jeweils anderen. Beiliegend das Foto aus Kronstadt von diesem Jahr: Eine große Gruppe Geistlicher aus sieben verschiedenen Kirchen (auch Orthodoxe) spendet den Schlusssegen gemeinsam! Ein eindrückliches Bild."

Montag, 6. Februar 2012

Pfingstbewegung in Brasilien

100 Jahrfeier der Assembléia de Deus do Brasil -
die größte Pfingstkirche Brasiliens
„Brasilien gilt gemeinhin als das größte katholische Land der Welt. Auch wenn diese Aussage, gemessen an der absoluten Zahl der katholischen Kirchenangehörigen, nach wie vor stimmt, täuscht sie über die Tatsache hinweg, dass Brasilien auch in einer anderen Beziehung das größte Land der Welt ist – das größte pfingstkirchliche nämlich. Der im Jahr 2000 durchgeführte Zensus weist 15,4 Prozent der Bevölkerung als protestantisch aus. 11,3 Prozent entfallen auf Pfingstkirchen. Eine 2010 von der Tageszeitung Folha de São Paulo veröffentlichte Studie beziffert den Anteil der als Protestanten zusammengefassten Gruppe sogar auf 25 Prozent. Fast vier Fünftel davon, also 19 Prozent der Bevölkerung, sollen einer Pfingstkirche angehören. Der Anteil der Katholiken an der Gesamtbevölkerung liegt demnach nur noch bei 61 Prozent. Andere Hochrechnungen gehen von immerhin noch rund 68 Prozent Katholiken aus. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich dazwischen. Jedenfalls stellt dies eine dramatische Entwicklung für die katholische Kirche in Brasilien dar. Angesichts dieser rasanten Veränderung der Kräfteverhältnisse, die vor allem in den letzten beiden Jahrzehnten deutlich wurde, stellt sich die Frage nach den Gründen und nach den Auswirkungen für die Gesellschaft. Die Pfingstbewegung Brasiliens ist äußerst heterogen. Einige Kirchen haben einen sehr konservativen Charakter, relativ wenige Mitglieder und treten kaum öffentlich in Erscheinung. Andere Kirchen hingegen zählen Millionen Mitglieder, feiern laute Gottesdienste zu Tausenden, besitzen Verlage und Fernsehsender, um ihre Botschaften zu verbreiten, und nehmen auch auf die Politik gezielten Einfluss.“ In der jüngsten „Auslandsinformation der Konrad-Adenauer-Stiftung erschien dazu jetzt ein Artikel, der unter folgendem Link gelesen werden kann: http://www.kas.de/wf/doc/kas_29975-544-1-30.pdf?120119181656 
Zu unserer lutherischen Partnerkirche gehört höchsten 1 % der Bevölkerung. Sie ist im Kontext des Wachsens der „Evangelicos“ eine verschwindende Minderheit. Der pfingstlerische Einfluss auch auf die IECLB bleibt ebenfalls nicht aus.

Sonntag, 5. Februar 2012

Bericht aus Venezuela

Pfarrer Lars Pferdehirt betreut seit einigen Monaten die deutschsprachige Gemeinde San Miguel in Caracas/Venezuela, die eingebunden ist in die IELV, eine Partnerkirche des GAW. Er schreibt über seine Erfahrungen bezogen auf die innere Situation der Kirche, über die wir immer wieder berichtet haben:

Runder Tisch der IELV in Valencia

"Damit sind wir an einem Phänomen angekommen, dass meiner Wahrnehmung nach eher die Kirchen von innen auf eine Belastungsprobe stellt. Nämlich in ihrem Verhältnis zum Staat, seiner Politik und Weltanschauung, wo es schnell zu Spannungen kommen kann, wenn man sich die Polarisierung der Gesamtgesellschaft vor Augen hält (wobei ich diesen Ausdruck mittlerweile meide und er mir zu oberflächlich erscheint). Im Fall der IELV, also der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Venezuela, ist das Verhältnis zur weltlichen Obrigkeit schon allein aus rechtlichen Gründen zur Zeit schwierig und die Teilgemeinden müssen daran arbeiten, ihren Status als Kirchengemeinde bzw. Non-Profit-Verein auf juristisch feste Beine zu stellen. Das wird auch immer dringender notwendig, schließlich geht es um die Handlungsfähigkeit der Gesamtkirche. Darüber hinaus ist es auch nach innen notwendig, miteinander zu entscheiden, mit welchem Profil oder Profilen die Kirche ihren Dienst und Auftrag am Nächsten wahrnimmt und ihre innere Vielfalt im Weinberg Gottes wertschätzt. Ein ebenfalls nicht einfacher Prozess, der aber von internationaler Seite, nämlich der EKD, dem Lutherischen Weltbund und dem Gustav-Adolf-Werk unterstützt wird. Und der sichtbare Fortschritte macht, wie die runden Tische zur Vorbereitung einer außerordentlichen Synode zeigen. Dass es hier vorwärts geht, ist zur Zeit mein größter Wunsch - und ich habe viel Hoffnung!"
Ende Januar fand ein Runder Tisch in Valencia statt, in dem nach längerer zeit alle Vertreter der verschiedenen Gemeinden an einem Tisch saßen, um miteinander den anstehenden notwendigen Prozess zu besprechen. Es geht dabei vor allen Dingen um rechtliche Fragen, die das Verhältnis Staat–Kirche betreffen und dringend einer Klärung benötigen.

Samstag, 4. Februar 2012

Bonhoeffer in Barcelona

„Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost was kommen mag!“ Diese Worte schrieb Dietrich Bonhoeffer im Dezember 1944 an seine Familie. Er ist einer der wichtigsten evangelischen Theologen des 20. Jahrhunderts gewesen und hat viele Menschen geprägt und beeinflusst. Heute am 4. Februar wird an seinen Geburtstag gedacht. 
In den Jahren 1928/29 machte Bonhoeffer ein Vikariat in der evangelischen Auslandsgemeinde in Barcelona/Spanien. Diese Gemeinde wurde wie auch viele andere Auslandsgemeinden immer mal wieder vom GAW unterstützt. Zum 125-jährigen Jubiläum der Gemeinde im Jahre 2011 wurde ein Buch herausgegeben von Pfarrer Jeremias Treu und dem Bonhoffer-Fachmann, Professor Reinhart Staats, mit Predigten, Briefen und Vorträgen aus den Barcelona-Jahren Bonhoeffers. In einer Einleitung wird an diese Jahre erinnert. Inzwischen wird in der Gemeinde das vertonte Gedicht von Bonhoeffer aus dem Jahre 1944 regelmäßig in den Gottesdiensten gesungen. 
Das Buch ist über den Verlag des GAW zu beziehen für 12 Euro: info@gustav-adolf-werk.de

Freitag, 3. Februar 2012

Vorstandsarbeit im GAW

Dr. Hüffmeier führt
Pfarrer Giesecke von Bergh in sein Amt ein
Das GAW wird ehrenamtlich durch einen Vorstand geleitet. Die Mitglieder des Vorstandes wählt die Vertreterversammlung  des GAW, die sich jährlich trifft. In jedem Jahr wird ein Beisitzer gewählt. In der Sitzung Anfang Februar wurde Pfarrer Giesecke von Bergh als neues Mitglied des Gesamtvorstandes in sein Amt eingeführt. Er ist Hauptgruppenvorsitzender aus Osnabrück. In seiner Arbeit fürs GAW ist er eng verbunden mit unserer argentinischen Partnerkirche, der IERP.
Die Arbeit des Vorstandes des Gesamtwerkes ist wichtig für die kontinuierliche und nachhaltige Arbeit des  Diasporawerkes der EKD. Gerade in diesen Jahren, in denen in Kirche um Fusionen, Zusammenlegungen etc. gerungen wird, sind wir nicht außen vor, sondern ebenso von den Veränderungen betroffen. Diese Bewegungen sorgsam zu begleiten braucht es ein kompetentes und gut beratendes Gremium, das auch bereit ist Entscheidungen zu treffen und auf die Wege zu bringen. Seit dem vergangenen Jahr bewegt das GAW ein Gutachten, das die EKD für das GAW erstellt hat, in dem es gute und fundierte Vorschläge gibt, die umgesetzt werden. Auch das ist ein Prozess, der Zeit und Kraft braucht und einen Vorstand, der sich voll mit dem Auftrag und Wesen der Diaspoarverantwortung identifiziert.

Donnerstag, 2. Februar 2012

Geschäftsführer und Hauptgruppenvorsitzendentagung

Tagung der Geschäftsführer und Hauptgruppenvorsitzenden
Wer sich für die Arbeit des GAW in den Landeskirchen einsetzt, wer immer wieder auf die Situation evangelischer Minderheiten in der Welt hinweist, wer sich um Spenden für die Diasporaarbeit kümmert, für den oder die ist es gut und wichtig, sich mit den Vertretern anderer Hauptgruppen auszutauschen, Ideen aufzunehmen und sowohl an den Freuden als auch den Sorgen und Nöten teilzuhaben. In diesem Sinne findet Anfang Februar 2012 die Tagung in der Geschäftsführer und Hauptgruppenvorsitzenden in der Zentrale des GAW statt. Neben Berichten aus der Arbeit vor Ort, die sehr vielfältig ist und Liebe fordert, steht die Öffentlichkeitsarbeit der gesamten Arbeit im Zentrum des gemeinsamen Nachdenkens. Wie bringen uns bei veränderten Kirchenstrukturen zu Wort? Muss dem alten traditionellen Namen des GAW eine knappe und prägnante inhaltliche Präzisierung beigefügt werden? Wie binden wir Interessierte, Spender, Mitglieder? 
neben dem ernsthaften Nachdenken und Arbeiten spielt dann auch das gemeinsame Vertiefen der Beziehungen ein Rolle, Absprachen und Vereinbarungen treffen etc.