Freitag, 30. Dezember 2011

Aus der Geschichte des GAW - die EvDia

Die Ev Dia
Im Jahre 1919/20 wurde die EvDia (Die Evangelische Diaspora) begründet als Publikationsorgan des GAW. Der Begründer war der damalige Präsident Prof. Dr. Franz Rendtorff, nach dem die Zentrale des GAW benannt ist. Von Anfang an war es als Informations- und Publikationsplattform gedacht, das vertiefende Einblicke auch wissenschaftlicher Art über Diasporafragen und Diasporakirchen gibt. Im Frühjahr 1941 musste auf Anordnung der „Reichspressekammer“ die EvDia eingestellt werden. Damals gab es auf Grund des Erlasses der Nazis ein großes Sterben der kirchlichen Blätter. 
In dem Jahr wurde intensiv über die Situation des GAW und die Auswirkungen der nationalsozialistischen Politik reflektiert. Dr. Karl Goerdeler (1884-1945) war damals stellvertretender Präsident des GAW (seit 1937). Beim 100-jährigen Jubiläum des Werkes 1932 hatte er sich als Bürgermeister Leipzigs sehr für die Ausgestaltung des Festes eingesetzt und sich als guter Freund des GAW erweisen. Er wurde bald – obwohl nationalkonservativer Politiker – zum entschiedenen Gegener des Nazi-Regimes und trat als Oberbürgermeister Leipzigs 1936 zurück, als auf Anordnung der Nazis das Mendelsohn-Denkmal zerstört wurde. 1945 wurde er von den Nazis ermordet als Folge des missglückten Attentats auf Hitler. 1941 schilderte er unverblümt im Vorstand seine Einschätzung, dass der Krieg für Deutschland schlimme Folgen haben wird. Und mit dem Ende Deutschlands sah man die Kirche und damit auch das GAW vor dem Ende. 
Die EvDia wurde erst wieder 1953 aufgelegt (24. Jg.), um den Zusammenhalt des föderalistischen Werkes zu stärken. Es hat eine Zeit gebraucht, sich wieder zu konsolidieren. Nach dem Krieg hat man unter großen Schwierigkeiten das Werk am Leben erhalten und sich insbesondere der Not der Flüchtlinge angenommen. 
Die EvDia ist seitdem wieder regelmäßig erschienen und eine reiche Fundgrube für all die, die sich für Diasporafragen und die Entwicklung unserer Partnerkirchen interessieren. – Pfarrer Enno Haaks

Mittwoch, 28. Dezember 2011

Interview mit Pfarrer Andreas Hess

Im Bulletin der Evangeleischen Kirche der Böhmischen Brüder (EKBB) in Tschechien erschien ein Interview mit Pfarrer Andreas Hess, der jahrelang über das Hilfswerk der Evangelischen Kirche in der Schweiz (HEKS) enge Kontakte nach Tschechien gepflegt hat. Durch gemeinsame Projekte gab es zwischen GAW und HEKS immer wieder enge Verbindungen. 

Lesen Sie das Interview hier:

Dienstag, 27. Dezember 2011

Evangelisch in Belgien

Prof. Dr. Lambers-Petry
Dekanin Prof. Dr. Doris Lambers-Petry der "Faculté Universitaire de Théologie Protestante" aus Brüssel schrieb zu Weihnachten an das GAW einen Gruß, in dem sie sich bedankt für die vielfältige Unterstützung, die die belgischen Protestanten immer wieder durch das GAW erfahren durften. Sie schreibt: "Meine Kollegen und ich schöpfen viel Kraft aus dem Wissen, dass Sie an unseren Bemühungen, in einem Land ganz anderer Prägung eine protestantische Präsenz zu zeigen, Anteil nehmen. Es ist recht schwierig, angesichts der politischen und finanziellen Schwierigkeiten Belgiens einen eigenen Ort der theologischen Bildung und Reflektion zu erhalten. Wenn wir das schaffen, dann ganz gewiss auch Dank Ihrer Mithilfe.
Heute erschien auf der Hompage von evangelisch.de ein Artikel über Protestanten in Ostbelgien:
"Auf ihre Tradition, die bis zu den Anfängen der Reformation zurückreicht, sind die ostbelgischen Protestanten besonders stolz. Die Gemeinschaft ist klein, aber lebendig."

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Weihnachtsgruß aus Brasilien

Aus Brasilien erreichen uns folgende Zeilen von der Obra Gustavo Adolfo (OGA) der Partnerorganisation des GAW in der IECLB in Brasilien: 

„Inmitten all dieser Widersprüche in unserem Leben konnten wir als OGA auch in diesem Jahr die schützende Hand Gottes erfahren. Das hat sich, zum Beispiel, in der grossen Zahl von Beihilfen – von Einzelpersonen, von Gemeinden der EKLBB, sowie von Spendern im Ausland – erwiesen, die es ermöglicht haben, dass wir unseren Dienst tun konnten, nämlich da zu helfen wo Menschen Hilfe brauchten. Daher möchten wir hiermit allen denen unseren herzlichen Dank aussprechen, die uns im ausgehenden Jahr unterstützt haben. Wir können nur unseren Dienst tun, nämlich für den Gemeindeaufbau da zu sein, weil wir von so vielen Stellen, besonders von Euch im Ausland, unterstützt werden. Auch das – die Beihilfe, die wir bekommen und die wir dadurch weitergeben können – ist ein Beispiel für jenes Licht, das trotz und inmitten der Dunkelheit weiterhin leuchtet und das so klar in den Kerzen des Adventkranzes symbolisiert ist. 
Daher wünschen wir Euch allen in dieser weihnachtlichen Zeit was so schön in diesem Lied ausgedrückt ist: Que a luz de Cristo brilhe, nos envolva em amor, e que o seu poder nos venha proteger. Que a luz de Cristo brilhe, nos envolva em amor e que o seu poder nos venha proteger, para sempre e sempre, e sempre, amém. 
Martin Volkman (Generalsekretär der OGA) und Osmar Luiz Witt (Präsident der OGA)"

Ein Weihnachtsgruß von der IERP

Krippendarstellung aus Paraguay
Von René Krüger, Theologieprofessor an der ISEDET in Buenos Aires/Argentinien erreicht uns ein Bild mit einer geschnitzten Krippe, die im 18. Jahrhundert in den Missionsdörfern der Jesuiten und Guarani in Paraguay entstand und sich heute im Museum in Santa María de Fe, Paraguay, befindet. 2002 hat Paraguay diesen Briefmarkenblock mit der Krippe herausgegeben. René Krüger schreibt uns: „Während anderthalb Jahrhunderten stellte das System der guaranitisch-jesuitischen Missionsdörfer eine echte Alternative zur unmenschlichen Rohheit der Behandlung der Indigenen, zur Zerstörung der Natur und zur Ausbeutung aller Schätze dieses Kontinents durch die Kolonialmächte dar. Im Schutzraum jener Dörfer haben ihre Bewohnerinnen und Bewohner bewiesen, dass eine andere Welt möglich ist; eben eine auf Glauben, Liebe, Gerechtigkeit, Respekt, würdige Arbeit, Schutz der Schwachen und Gemeinschaft aller Menschen gegründete Welt. Das alles ist ihnen nicht vom Himmel gefallen, sondern war ein auf Geduld, Ausdauer und Opferbereitschaft von Tausenden von Menschen gegründetes Werk. Zu einer solchen Welt ermutigt uns das Kind in der Krippe, der Mann am Kreuz, der Auferstandene.“

Wie geht es in Kaliningrad weiter?

Propstei Kaliningrad
In diesem Jahr feierte die Propstei Kaliningrad der Evangelischen Lutherischen Kirche im Europäischen Russland ihr 20-jähriges Bestehen. Im Anfang war es Pfarrer Kurt Beyer aus Sachsen, der aufopferungsvoll als Propst lutherisches Leben wieder aufgebaut hat. Danach hat er sich sehr rege um Kontaktpflege zu Spendern bemüht und dafür gesorgt, dass das geistliche Leben weiter wachsen konnte. Dabei ging es am Anfang um den Aufbau „aus Ruinen“. „Es gab dort absolut k e i n e Gemeinden! Es war Stalins atheistisches Musterland. Die Leute, die dann aus Kasachstan usw. kamen, nutzen das Gebiet als Absprung nach Deutschland,“ erzählt Vera Gast-Kellert, Vorsitzende der GAW-Frauenarbeit. „Kaliningrad ist mit nichts anderem zu vergleichen!“ 
Von Anfang an war es nicht leicht, diese Arbeit zu finanzieren. Zum Glück hat die Nordelbische Kirche geholfen und eben das Gustav-Adolf-Werk, vor allem aus Sachsen. Ohne diese beiden Partner wäre es nicht möglich gewesen, neben der Gemeindearbeit auch eine diakonische Arbeit aufzubauen. Keiner war darauf vorbereitet, und die Lage dort war grauenhaft. „Als mein Mann und ich 1993 zum ersten Mal da waren, waren wir nur erschüttert, obwohl wir beide schon viel von der Welt gesehen hatten“, fährt Vera Gast-Kellert fort. „Wir haben immer gesagt, dass man an diesem Gebiet die Sünden des letzten Jahrhunderts in konzentrierter Form erlebt: Folgen des Nationalsozialismus und Stalinismus und Krieg, Militarismus, Umweltsünden wie kaum woanders, ethnische Säuberungen, extreme Verarmung.“ 
Viele Menschen sehnten sich nach geistlicher Erbauung. Vera Gast-Kellert erzählt: „Ich erinnere mich an einen Sonntagmorgen, als nach dem Gottesdienst eine Frau auf mich zukam und sagte: 'Vera, was wäre unser Leben ohne diese Gottesdienste.'“ Es gab nichts! Und jetzt ist es wieder möglich, Gottes Wort zu hören und Glauben zu leben – eben auch auf evangelische Weise. Das kirchliche Leben ist nicht einfach aufrecht zu halten. Es gibt viele Probleme. Geschätzt gehören zur Propstei in Kaliningrad ca. 2000 Mitglieder. Dabei gibt es zahlreiche Pfarrer und Angestellte. Wie sollen die Gehälter bezahlt werden? Wie muss sich die Propstei verändern, damit sie nachhaltig lebensfähig ist? Wie können eigene Mittel generiert werden? 

Das bewegt die Menschen zur Zeit sehr, die sich für die Propstei einsetzen. Und vor allem ist das ein Thema das den zuständigen Bischof Brauer in Moskau umtreibt. - Pfarrer Enno Haaks

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Nachrichten aus Bucaramanga/Kolumbien

Pastor Israel in seiner Garagenkirche, wo Hilfsgüter
gelagert sind
"Die Erde kann das Wasser nicht mehr fassen. Viele Menschen haben ihre Häuser bei Erdrutschen verloren. Bucaramanga war einige Tage abgeschnitten vom Rest des Landes, weil Brücken zerstört sind und Straßen weggeschwemmt," erzählt Pastor Israel Martinez aus Bucaramanga/Kolumbien. "Was könnt ihr tun als kleine lutherische Gemeinde", frage ich Israel. "Wir verteilen Essen, Decken, Zelte. Über Nothilfegelder aus Nordamerika und von lutherischen Schwesterkirchen haben wir Hilfsgüter bekommen, die wir weitergeben." Das sagt er kurz vor dem Weihnachtsfest. Im Hintergrund hört man über Skype Kinderstimmen. Sie spielen in der Kirche. Israel ist dabei, mit ihnen das Weihnachtsfest vorzubereiten. Sie basteln, üben ein Theaterstück ein. Auch das ist eine Hilfe für die von den Überschwemmungen Betroffenen. Wohin mit den Kindern? Wer hat Zeit, wenn man sich wieder um die notwendigsten Lebensbedingungen kümmern muss? Hier springt die Gemeinde ein. 
Als GAW fördern wir die Gemeinde in Bucaramanga. Die kleine Garagenkirche ist viel zu klein. Sie soll erweitert werden. Voller Scham erzählt mir Pastor Israel, wie schwierig es ist, mit den Behörden zurecht zu komen. "Und dann hatten wir noch einen Architekten, der mehr versprochen hat, als er gehalten hat. Er hat uns belogen." Jetzt hat die Gemeinde eine neue Architektin und hofft, mit dem Projekt des Kirchneubaus voranzukommen, in den dann auch Büroräume und die Pfarrwohnung unterkommen sollen. Viel hat die Gemeinde getan, um Flüchtlingen Raum zu geben, die vor dem Bürgerkrieg geflohen sind. Israel ist es sichtbar peinlich, zu erzählen, wie schleppend die Behörden in Kolumbien arbeiten und den Baufortschritt behindern. 
Im März will er mir alles direkt zeigen und erläutern. Und hoffentlich sind wir dann ein Stück weiter... - Pfarrer Enno Haaks 

Dienstag, 20. Dezember 2011

"...um euch zu stärken" - Material für die Konfi-Gabe ist da!

Heute ist die neue CD mit dem Material für die Sammlungen der Kinder-, Jugend- und Konfirmandengabe angekommen! Unter dem biblischen Motto aus dem Römerbrief "...um euch zu stärken..." sollen Kinder, Jugendliche und Konfirmanden ermutigt werden, sich für unsere Diasporapartner diesmal in Slowenien und in Ungarn einzusetzen, sich zu informieren und für die Projekte der Jugendarbeit in den beiden Ländern sich zu engagieren. Als evangelische Minderheit ist man auf die Unterstützung und Stärkung der Partner in Deutschland angewiesen. Das wusste schon Paulus, der seine Missionsreisen und Besuche als Stärkung und Motivation sah, im Glauben die Partner zu stärken. Das tut not! Das ist wichtig! Und wichtig ist es dabei, gerade evangelische Minderheiten nicht aus dem Blick zu verlieren.
Die CD bietet viele Infos über die beiden Partnerländer und über die Projekte an. Dazu sind wieder Unterrichtseinheiten und Gottesdienstentwürfe entstanden und vor allem eine Powerpoint, die umfassend auf die Arbeit des Gustav-Adolf-Werkes hinweist. Ab sofort kann das Material in der Zentrale des GAW bestellt werden (info@gustav-adolf-werk.de).

Montag, 19. Dezember 2011

Andine Theologie in Bolivien


Publikation von ISEAT
Seit den 90erJahren haben sich verstärkt indigene Theologien in Lateinamerika etabliert, die versuchen, unter den lateinamerikanischen Bedingungen andine Traditionen und christlichen Glauben in einen fruchtbaren Dialog zu bringen. Ein Beispiel findet sich dafür zum Beispiel in Bolivien, wo Josef Estermann am Ökumenischen Institur für Andine Theologie (ISEAT) unterrichtet. Er berichtet: „Die meisten StudentInnen hier haben eine doppelte Identität. Einerseits sind sie voll und ganz ChristInnen und bereiten sich gar auf ein kirchliches Amt vor. Anderseits sind sie ebenso leidenschaftlich Angehörige der andinen Kultur und Religiosität.“ Diese beiden Seiten miteinander zu verbinden, ohne die eigene Symbolwelt zu verleugnen, sei das eigentliche Anliegen der andinen Theologie. In dieser Hinsicht kann man von einem befreiungstheologischen Ansazt sprechen. Dadurch entwickelt sich auch ein neues Selbstbewusstsein der Mitglieder gerade indigener Kirchen. Unter dem Stichwort Inkulturation fragt diese Theologie, wie die christliche Botschaft in den Lebensgemeinschaften indigener Gemeinschaften lebendig werden kann, ohne die alte tradierte Kultur völlig ablegen zu müssen, in der es viel stärker um gemeinschaftliches Leben geht und eine Versöhnung mit der Schöpfung. Ebenso wird in der indigenen Theologie nachgedacht über Marginalisierung und Unterdrückung der indigenen Kulturen Lateinamerikas. Gleichzeitig wird dabei über Strategien der Befreiung nachgedacht, die den traditionellen Lebens- und Glaubensvorstellungen entsprechen. Wesentlich ist dem Denken dieser Theologie, dass alles mit allem zusammenhängt und in Beziehung steht und auf Harmonie angewiesen ist. In dieser Vorstellung wird auch das Gottesbild gedacht als das sich "Beziehende". Von daher wird einer eurozentristischen Theologie, die sehr auf die Erlösung des Einzelnen zielt, gewehrt. „Ich sehe die wachsende Begeisterung bei den jungen Leuten, die sich an diesem Austausch beteiligen“, sagt Josef Estermann. „Ich bemerke, wie sich die Spannung löst und Befreiung sich breit macht. Denn die meisten bedrückt das scheinbar unlösbare Dilemma zwischen andiner Kultur und christlichen Wertvorstellungen schwer.“




Samstag, 17. Dezember 2011

Sonja Skupch aus Argentinien zu Besuch in Deutschland

Sonja Skupch, Generalsekretärin der IERP
Die 35jährige Generalsekretärin der Iglesia Evangelica del Rio de la Plata war im November zu besuch in  Deutschland und hielt auf der Synode der Westfälischen Kirche ein Grußwort. Sie sagte: "Die Evangelische Kirche am La Plata ist eine unierte Kirche zwischen Lutheranern und Reformierten in Südamerika. Unsere Gemeinden befinden sich in Argentinien, Paraguay und Uruguay. Wir sind eine Minderheitskirche, die in einem stark katholischen Kontext auf ein enormes Gebiet verteilt ist. Das ist sowohl unser Reichtum als auch unsere ständige Herausforderung. Die Kirche stammt aus den Immigrationswellen Europas, vorwiegend Deutschland, Russland und der Schweiz der zweiten Hälfte des XIX. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des XX. Jahrhunderts. Die Evangelische Kirche am La Plata hat sich im Laufe der Jahre und besonders nach dem Jahr 1965, in dem die Kirche eine eigenständige Kirche geworden ist, im lateinamerikanischen Kontext verwurzelt. Wir schätzen unsere Geschichte, schätzen unser theologisch und ekklesiologisches Erbe, dass der Reformation entstammt, sind uns aber zur gleichen Zeit all unserer aktuellen und kontextuellen Herausforderungen sehr bewusst und wollen in der argentinischen, paraguayischen und uruguayischen Wirklichkeit ein prophetisches Wort haben. Die Evangelische Kirche am La Plata versteht sich als eine Kirche, die auf der Suche neuer Wege ist. Wir suchen neue Wege der Mission, neue Wege der Diakonie, neue Wege des Selbstverständnisses unserer Kirche, ein neues Gefühl des Zugehörens unserer Mitglieder. Zum Teil haben wir schon potentiell neue Wege gefunden, zum Teil sind wir noch auf der Suche." Zu den potentiellen neune Wegen gehört mit Sicherheit die im Oktober 2010 gelungene Fusion zwischen der unierten IERP und der reformierten Kirche in Argentinien. Dort wurde erklärt: „ Wir verstehen die Vereinigung der Kirchen als göttliches Mandat, für welches Anstrengung und Arbeit erforderlich sind. Dieser evangelische Wunsch ist in unserem allgemeinen, universalen Glaubensbekenntnis und in den von unseren Kirchen angenommenen Glaubenserklärung vorhanden. Dieser Wunsch ist nicht nur Jesu Christi Auftrag, sondern auch ein Zeichen von Brüderlichkeit, Zeugnis und Wille zu dienen, den wir an die Welt verkündigen. Dieser Eingliederungsprozess, den wir mit der Vereinigung unserer Kirchen verstärken wollen, steht nicht nur den aus der Reformation enstandenen protestantischen Kirchen offen, sondern auch denen, die weit über das Bekenntnis unserer Konfession hinaus, sich mit dem selben Einheitsgeist unter der versöhnten Vielfältigkeit des Evangeliums des Kreuzes anschliessen wollen.“ Und der Kirchenpräsident Carlos Duarte schreibt weiter: "Was die Vertretung in den verschiedenen ökumenischen Organisationen, an denen wir teilnehmen, betrifft, haben wir beschlossen ab dem 1. Januar 2012 eine einizige Repräsentation weiterzuführen, um Verdoppelung der Bemühungen zu vermeiden, und unsere Einheit in Christus nochmals deutlich zu unterstreichen."
Das sind gute Entwicklungen, die wir als GAW unterstützen. Sicherlich wird sich in den kommenden Jahren einiges tun in der Kirche. Auch hier wachsen die traditionellen sog. "historischen Kirchen" nicht, sondern stagnieren. Wir wollen von seiten des GAW das Notwendige tun mit den Partner, wie z.B. der Westfälischen Landeskirche, die IERP bei allen Veränderungen zu begleiten und zu unterstützen.

Freitag, 16. Dezember 2011

Advents- und Weihnachtsgruß aus der ELKER

Bischof Brauer von der Ev.-Lutherischen Kirche im Europäischen Russland schreibt in seinem Advents- und Weihnachtsbrief Folgendes:
Bischof Brauer
" In diesem Jahr ist viel mit Gottes Hilfe gemacht worden. Wir haben unsere Kirche konsolidiert und eine neue Vision erarbeitet. In diesem Jahr ist mehr Aufmerksamkeit unseren schwächeren Gemeinden geschenkt worden: z.B. den Gemeinden in der Zentralen Propstei – wir haben wieder eine Bewegung hier, obwohl die Zeit der Stagnation in diesem Gebiet lang war. Wir haben wieder Gottesdienste mit Pastoren in Smolensk, wir machen weitere Pläne der Restaurierung der Kirche in Jaroslawl und die Entwicklung des Pfarrdienstes, im nächsten Jahr sammeln wir alle Gemeinden der Zentralen Propstei auf dem Kirchentag der Zentralen Propstei. Es gibt auch eine stabile Entwicklung im Wolgagebiet. Vor kurzem hat die Gemeinde zu Samara ihr 20-jähriges Jubiläum gefeiert, diese Gemeinde wächst, sie hat auch den ganzen Kirchenkomplex zurück erworben, die Gemeinde hat 12 Jahre dafür Dokumenten gesammelt und an die Türe verschiedener Behörden geklopft. Jugendarbeit und Frauenarbeit in unserer Kirche entwickeln sich in einer positiven Richtung. Es gab in diesem Jahre Jugendseminare, die von der Beauftragten für die Jugendarbeit Julia Dobrinina organisiert wurden, und ab diesem Jahr haben wir eine neue Koordinatorin der Frauenarbeit in der ELK ER Elena Bondarenko. Sie hat das Frauenseminar der Propstei Nordwest Russlands durchgeführt und zusammen mit Pastorin Olga Temirbulatowa ein Treffen von Pastorinnen und Predigerinnen der ELK ER organisiert. 

Es gibt eine Bewegung in unserer Kirche. Es gibt neue Ereignisse, neue Ideen, neue Entwicklung. Das kann man sogar an der Innenausstattung unserer Kirchen sehen: eine neue Orgel in Kasan, ein neuer Altar in Moskau. Das ist eine grosse Freude für uns, und auch ein Grund zur Dankbarkeit. Wir danken dafür unseren Herrn, dessen Geburt wir bald feiern werden, und auch allen Freunden unserer Kirche, die uns an schwersten Tagen unterstützt haben. Vielen Dank für alle Ihre Hilfe!"

Dienstag, 13. Dezember 2011

Projektkatalog 2011 erfüllt!!!

Projektkatalog des GAW
„Der Dienst dieser Sammlung hilft nicht allein dem Mangel der Heiligen ab…“ (2. Korinther 9,12) 
Im zweiten Brief des Paulus an die Korinther bittet Paulus die von ihm gegründeten Gemeinden um Solidarität mit den Schwestern und Brüdern in Jerusalem. Er nennt sie „Heilige“. Er bittet um ein Zeichen der Verbundenheit. Für ihn ist das u.a. eine Kollekte. Er will damit die Verbindung im Glauben ausdrücken zwischen seinen gegründeten Gemeinden mit den Schwestern und Brüdern in Palästina. Das Gustav-Adolf-Werk setzt sich jedes Jahr ein bestimmtes Ziel, das erreicht werden soll. Im Jahr 2011 waren das 1,6 Millionen Euro. Alle Hauptgruppen machen sich diese Verpflichtung zu eigen und tun ein Möglichstes, dass das Geld zusammen kommt, damit die Partner in der weltweiten Diaspora ihre Projekte gefördert bekommen. Das Ziel haben wir in diesem Jahr zum 3. Advent erreicht und sind dankbar für die Solidarität mit den Diasporapartnern! Wir sind sicher, dass diese Hilfe nicht allein unseren Partnern zugute kommt, sondern immer auch dem, der sammelt und dem, der gibt. – Pfarrer Enno Haaks

Freitag, 9. Dezember 2011

Neues Religionsgesetz in Kasachstan

Bischof Nowgorodow aus Kasachstan (2 von rechts)
Bischof Juri Nowgorodow von der Ev.-Lutherischen Kirche in der Republik Kasachstan besuchte im Dezember die zentrale im GAW und berichtete ausführlich über das vom kasachischen Präsidenten Nazarbayev am 26. Oktober 2011 unterzeichnete „Gesetz über religiöse Aktivitäten und religiöse Vereinigungen“. Das neue Gesetz zwingt alle in Kasachstan existierenden Religionsgemeinschaften, binnen eines Jahres den Antrag auf erneute Registrierung zu stellen, und beschränkt diese Möglichkeit auf Gemeinschaften mit mindestens 50 Mitgliedern. Wird eine Gemeinschaft nicht erneut registriert, so ist es ihr verboten, religiöse Literatur im Land zu veröffentlichen, nach Kasachstan zu importieren oder dort zu verbreiten. Einige Bestimmungen des neuen Gesetzes erscheinen offen für Interpretationen. Sie ermöglichen die strenge Überwachung religiöser Aktivitäten, zwingen Missionare zur jährlichen Erneuerung ihrer Registrierung und gewähren Behörden weitreichende Befugnis, den Import religiöser Literatur zu gestatten oder zu verbieten. Bischof Nowgorodow äußerte sich besorgt über diese Entwicklungen. „Eigentlich zielt das Gesetz besonders gegen radikale Islamisten, die aber schon immer im Verborgenen gehandelt haben.“ Für die lutherische Kirche wird es nicht einfach, denn um landesweit sich registrieren lassen zu können muss man in jeder Region präsent sein und insgesamt mindestens 5.000 Mitglieder nachweisen können. Das ist unmöglich. Dennoch gibt es einen weg. „Wir werden erst einmal auf der Ebene der Oblasten sechs Gemeinden registrieren, die alle mindestens dann 200 Mitglieder haben werden. Zudem wird die Gemeinde in Astana den Titel der Kirche insgesamt tragen und der Bischof die Gemeinde vor dem Staat repräsentieren.“ Das Ganze ist erneut Gebührenzahlungen verbunden. Alle Kirche, Häuser, Autos müssen erneut registriert werden. Insgesamt kommen auf die kasachische Kirche ca. 13.000 Euro zu.

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Deutsche Gemeinde – die am schnellsten wachsende Gemeinde in Estland


Am Erntedankwochenende wurde der 20. Jahrestag der Wiedergründung der Deutschen Erlösergemeinde gefeiert. Im Frühjahr 1991, kurz nach der Wiedervereinigung Deutschlands und der Unabhängigkeitserklärung Estlands, wurde die Gemeinde wiedergegründet. Dabei gehörten damals viele Russlanddeutsche, einige Baltendeutsche und einige weitere Deutsche zur Gemeinde. Am Anfang zählte die Gemeinde ca. 500 Gemeindeglieder. In der Mitte der 1990-er Jahre sind dann aber Russlanddeutschen zum größten Teil ausgewandert. Die Gemeinde schrumpfte drastisch. Pfarrer Matthias Burghardt freut sich nun aber, dass die Mitgliederzahl in den letzten Jahren wieder von 20 auf 80 gestiegen ist: “Als ich kam, wurden die Gottesdienste einmal im Monat in Tallinn und zweimonatlich in Tartu und Viljandi gefeiert. Jetzt gibt es alle zwei Wochen in Tallinn Gottesdienst. In Tartu findet monatlich ein Gottesdienst statt, bei großen Festen auch öfter. Auch der Stand der Gemeinde hat sich gebessert. Denn die Deutsche Gemeinde ist nun ein fester Begriff bei Firmen und Behörden, wo Deutsche arbeiten. Ein Potential stellen auch die Deutschen dar, die nur hier paar Jahre in Tallinn arbeiten. Wir nehmen sie gerne auf, denn sie haben hier einen christlichen und sozialen Bezugspunkt. Die Gemeinde ist bunt: Es gibt Esten und Deutschen, aber auch eine Gruppe chinesische Studenten, die daran interessiert sind, Deutsch zu lernen. Die Menschen kommen zu uns, weil wir eine freundliche Atmosphäre bieten. Ich stehe immer zu Gesprächen bereit. Neben Deutsch sprechen wir auch Estnisch und Russisch. Auch wird an alle Altersgruppen gedacht.“ 
Die Gemeinde hat ihre Räume in Altstadt Tallinn, Tolli 4. Die Gottesdienste finden in der Schwedischen Michaeliskirche statt. Für die Zukunft träumt die Gemeinde von einem eigenem Haus und einem Pflegeheim.

Montag, 5. Dezember 2011

Evangelisch in Österreich

Weithin steinig war der fast 500 Jahre lange Weg der Evangelischen Kirche in Österreich – umso wertvoller ist es ProtestantInnen jetzt, seit 1961 als »freie Kirche in einem freien Staat« zu leben… Jörg Mauthe, Stadtrat und Schriftsteller, antwortet in seinem letzten Buch »DEMNÄCHST oder Der Stein des Sisyphos« seinem Sohn Philipp auf die Frage »Warum hast du so viel Wert darauf gelegt, Protestant zu sein? Und dass auch wir welche sind?« Und Mauthe antwortet ihm mit einem Hinweis auf die Geschichte und sagt dann: »Es wäre ihnen besser gegangen, wenn sie sich angepasst, auf Priester statt auf Pastoren gehört, wenn sie sich eine andere Sprache zugelegt hätten. Das haben sie nicht getan, und wozu hätten sie all das auf sich genommen, würdet ihr, meine Söhne, es jetzt abstreifen, mehr oder weniger leichthin, weil so was heute ja keine große Rolle mehr spielt und die Frage, ob das Abendmahl in dieser oder jener Form verabreicht werden sollte, ja wirklich ein fast schon skurriler Anachronismus ist? Ihr würdet das Leid und die Hoffnung und die Erduldungen unserer Vorfahren im Nachhinein sinnlos machen und ein Muster aus dem Teppich der Geschichte tilgen.« Die Muster im Teppich der Geschichte: Zuerst mit und nach der Reformation ein blühendes Kirchenwesen, dann ab 1576 zwei Jahrhunderte, also 4 oder 5 Generationen Gegenreformation, erst ab 1781-83 die Toleranzpatente: Duldung. Am Fleischmarkt in Wien, gegenüber dem Griechenbeisl, ist auf dem Haus Nr. 18 über dem dritten Stock die folgende Inschrift zu sehen: »Vergänglich ist dies Haus, doch Josephs Nachruhm nie. Er gab uns Toleranz, Unsterblichkeit gab sie!« Endlich konnten die »Akatholiken«, Lutheraner und Reformierte, endlich konnten sie wieder den »richtigen« Gottesdienst feiern, ohne dafür verfolgt, bestraft, deportiert, getötet zu werden. Endlich frei, endlich wieder den Gottesdienst, endlich wieder Abendmahl mit Brot und Wein, die Wegzehrung ins Himmelreich! Es war freilich eine kleine Freiheit: Erlaubt waren nur Privatgottesdienste, Bethäuser mussten sich unscheinbar in das Stadtbild einfügen, Zugang zum Betsaal nur über den Hof, kein Turm, keine Glocken. Am Haus Nr. 18 in der Dorotheergasse, der Lutherischen Stadtkirche, ist das heute noch zu sehen: Zugänge nur über die Seitenhöfe rechts und links. Aber: Sie haben nicht aufgegeben, diese Protestanten. Viele waren 1848 bei der Revolution mit dabei. Mit dem Protestantenpatent von 1861 haben sie (fast) volle Gleichberechtigung erreicht. Das wurde überall gefeiert, endlich konnte sich die Evangelische Kirche entfalten. Allerdings die staatliche Genehmigung war erforderlich für die Gründung von Gemeinden, den Kirchenbau, die Errichtung von Schulen, die Bestellung von Pfarrern, von Senioren und Superintendenten und für die Einberufung der Synoden und der Generalsynode. Erst 1961 hat das Protestantengesetz von Heinrich Drimmel die volle Freiheit gebracht, die freie Kirche im freien Staat. Eine unglaubliche Erfolgsgeschichte, ein überall anerkanntes Erfolgsmodell, dieser Geschichtsteppich, ein Grund zum Feiern allemal. Mit einem solchen Teppich kann man Verschiedenes tun: Man kann sagen: »Alles passt« und ihn ins Museum hängen. Man kann auch trefflich darauf schlafen. Besserwisser können verlangen, dass Manches umgewebt werden muss, dass andere Quasten dran müssen - man nennt das »Änderung der Kirchenverfassung«. Zugegeben, manche Muster sind noch nicht ganz fertig, noch sind in den Synoden viel zu wenig »Laien«, da gehören deutlich mehr hinein. Jedenfalls aber kann man, können wir, ihn auch als fliegenden Teppich verwenden, als Ausgangsbasis für die Zukunft: Wahlen stehen an, Besatzungen für den Teppich werden gebraucht! Der Teppich, das Webmuster unserer Geschichte, gibt dazu Mut, also auf! 

MMag. Robert Kauer jun. ist evangelischer Theologe und Jurist und war bis 2006 juristischer Oberkirchenrat der Evangelischen Kirche in Österreich. 

Quelle: Magazin »Evangelisches Wien«, 
Ausgabe September 2011, Seite 6/7

Freitag, 2. Dezember 2011

Die lutherischen Gemeinden in Osorno/Chile

Osorno - Kirche der Gemeinde La Paz (IELCH)
Lutheraner in Osorno gibt es seit 1846 mit dem Beginn der deutschen Einwanderung nach Chile. 1854 wird zunächst eine deutsche Schule gegründet. 1863 gründete sich eine dt.-evangelische Kirchengemeinde. Und so ist es auch lange Zeit: die Gemeinde ist deutsch. 
Nachdem sich die kongregationalistisch ausgerichteten Gemeinden Anfang des 20. Jahrhunderts langsam zu einer Synode vereinigen und auch zunächst sehr deutsch sind, wird Mitte der 50er Jahre der Name der Kirche geändert in Iglesia Evangelica Luterana de Chile. 
Vor dem Militärputsch begann man in Osorno mit einer Arbeit für Chilenen: in erster Linie in Armenvierteln. Das war möglich durch die Entsendung eines nordamerikanischen Pastors, der von einer Missionsgesellschaft beauftragt war innerhalb der IELCH Missionsarbeit an Chilenen voranzutreiben. Daraus ging die kleine Gemeinde La Paz (der Frieden) hervor. 
Nach wie vor ist es eine kleine Gemeinde, die von der deutschstämmigen Brasilianerin Izani Bruch geleitet. In dem vom GAW herausgegeben Heft „Mutig leben – Frauen in Chile“ ist sie porträtiert und hat einen Artikel geschrieben. (Zu bestellen für 2,50 Euro beim Verlag des GAW in Leipzig). Die Spaltung der Lutheraner in Chile 1974 erlebte man in Osorno schwierig: da die große reiche deutsche Gemeinde - da die kleine arme Missionsgemeinde. Diese Polarisierung reicht bis heute. Aber dennoch arbeiten die beiden Pastoren zusammen. Es gibt den Plan beider lutherischer Kirchen (CILCH), sich bis 2014 zu vereinigen. Im Projektkatalog 2012 wird für die Sanierung des Pfarrhauses in Osorno gesammelt. - Pfarrer Enno Haaks

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Kirchdachsanierung in Virbalis/Litauen


Kirche in Virbalis
Virbalis (Wirballen) liegt in Litauen östlich der Grenze zur russischen Kaliningrader Oblast. In dem Ort gibt es eine lange lutherische Tradition. 1831 wurde hier eine eigenständige Kirchengemeinde gegründet. 1878 erhielt die Gemeinde eine eigene Kirche. In der kommunistischen Zeit wurde sie enteignet und durch eine Kolchose zu einem Düngemittellager umfunktioniert. Sie hat in dieser Zeit durch die Zweckentfremdung erheblich gelitten. Seit 1994 gibt es wieder eine lutherische Gemeinde. 1998 wurde endlich das beschädigte Kirchgebäude zurückgegeben. 2000 wurde die Kirche wieder geweiht – auch unter den schlimmen Bedingungen.
Nach und nach soll die Kirche saniert werden. Die Zwischendecken für die Lagerung der Düngemittel sollen herausgenommen werden, die zugemauerten Fensternischen wieder geöffnet werden. Was aber zunächst notwendig war, das war die Sanierung und Sicherung des Daches. Dabei hat das Gustav-Adolf-Werk erheblich mitgeholfen, wie man auf dem Foto erkennen kann. - Pfarrer Enno Haaks