Mittwoch, 30. November 2011

Lutheraner in Peru

Zur Geschichte der lutherischen Kirche in Peru, mit der wir als GAW partnerschaftlich verbunden sind, liest man auf der Homepage der Kirche Folgendes:
Foto von der Synode der ILEP im Jahr 2011
"Die erste lutherische Gemeinde entstand Ende des 19. Jahrhunderts, aber erst in den Fünfziger Jahren (1953-1954) etablierte sich die Ev.-luth. Kirche Perus (Iglesia Evangélica Luterana en el Perú) die als deutsch-sprachige Auslandsgemeinde und Partnerin der EKD existiert. Mithilfe des ELMs gab es Bestrebungen eine Spanisch-sprachige Arbeit für die peruanisch sozialisierten Nachkommen der Deutschen Gemeinde zu beginnen. In den Achtziger Jahren entstand auf diese Weise als Zweig innerhalb der deutschen Gemeinde im Stadtteil San Isidro entstand und sich fortan Cristo Rey nannte, sich von der Mutterkirche trennte und heute im Stadtteil Surco lokalisiert ist. Aus der missionarischen Arbeit der Gemeinde entstanden bald weitere Gemeinden in Armenvierteln Limas (Cristo Salvador und Vida Nueva) sowie in Städten anderer Provinzen Perus (Trujillo, eine Küstenstadt ca. 600 nördlich von Lima und Huancayo im Andenhochland). 
Bereits seit 1968 entstandt aus dem Kinder-Sozialprojekt der IELP “Casa Belén“, das es seit 1965 gab, die spanischsprachige Gemeinde Belén im Distrikt Breña, einem sozialen Brennpunkt Limas. Sie war die erste spanisch-sprachige Gemeinde und wurde fortan durch die missionarische Arbeit aus den USA von der Lutheran Church of America (heute ELCA) unterstützt. Aus diesem Zweig entstanden am Anfang der Neunziger Jahre weitere Gemeinden wie Filadelfia (südlich von Lima in Lurin), Luz Divina (in der Hafenstadt Limas: Callao) und ein Kinderhort in Comas, einer der aus Landflucht entstandenen Satellitenstädte im Norden Limas (heute die Gemeinde Emanuel). Diese vier Gemeinden bildeten die im Jahre 1992 öffentlich registrierte Lutherisch evangelische peruanische Kirche (Iglesia Luterana Evangélica Peruana: ILEP), die mit den aus dem Entstehungszweig der Deutschen Gemeinde IELP zunächst nicht verbunden waren. 
Erst Anfang des 21. Jahrhunderts schlossen sich die durch das ELM entstandenen spanisch-sprachigen Gemeinden der IELP der nationalen Kirche Perus der ILEP an. In einer gemeinsam formulierten Erklärung dem “Comunio Eclesial“ erkennen beide Kirchen einander geschwisterlich an. Es dokumentiert und akzeptiert den gegenseitigen Kanzeltausch, die Ordination und Sakramente sowie die gegenseitige Anerkennung der Mitgliedschaft."
Das Hermannsburger Missionswerk (ELM) pflegt die Kontakt nach Peru und ist z.B. durch Pfarrerin Ihrke-Buchroth personell dort vertreten. Derzeit unterstützt das GAW die Renovierung und den Umbau des Gemeindezentrums "Emanuel" in Lima. Im März besucht der Generalsekretär die Kirche und vom GAW geförderte Projekte.

Dienstag, 29. November 2011

CILCH trifft sich in Punta Arenas/Chile

Bischof Sander (re.) von der ILCH gemeinsam mit
Kirchenpräsident Alvarez (li.) von der IELCH
In Chile hat sich relativ bald nach der Kirchenspaltung der Lutherischen Kirche im Jahre 1974, aus der die Iglesia Ev. Luterana de Chile (IELCH) und die Iglesia Luterana de Chile (ILCH) hervorgegangen waren, Anfang der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts der Consejo de las Iglesias Luteranas de Chile (CILCH - Rat der Lutherischen Kirchen in Chile) gegründet, in dem paritätisch Vertreter beider Kirchen sich treffen, auch wenn die ILCH, die stärker im deutsch-chilenischen Kontext verwurzelt ist, zahlenmäßig 3-5 Mal so groß ist wie die kleinere IELCH, deren meisten Mitglieder den Ärmeren angehören. Ziel war es, auf eine mögliche Wiedervereinigung hin zu arbeiten. daran hatten auch die Partner besonders aus Deutschland, die EKD und das GAW Interesse. So wurde ein sog. Missionsfonds gefüllt, in dem gemeinsame Projekte gefördert werden sollten mit dem Ziel, die Vereinigung zu beschleunigen. Das wurde nichts. So wuchs dieser Fonds. Inzwischen wird mit dem Geld gearbeitet. gemeinsame Kirchentage werden finanziert, gemeinsame Pfarrkonferenzen unterstützt und die Arbeit des CILCH gestärkt. Denn, man hat sich vorgenommen, bis 2014 sich zu vereinigen. Gespannt verfolgen wir diesen Prozess. Jetzt trafen sich die Vertreter des CILCH im äußersten Süden, in Punta Arenas, wo die IELCH eine Gemeinde hat. Ursprünglich wurde der Beginn der Gemeindearbeit von Puerto Montt unterstützt, wo eine Gemeinde der ILCH sich befindet. - Pfarrer Enno Haaks

Konflikte in Nordböhmen

Ein beeindruckender und gleichzeitig sehr besorgniserregender Bericht erreicht uns von Pfarrerin Constance Šimonovská aus der nordböhmischen Region Šluknov/Schluckenau. Constance und ihr Mann Filip sind Pfarrer in der Gemeinde der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder (EKBB) in Rumburk. Constance Šimonovská schreibt unter folgendem link zu dem Konflikt der zwischen Roma und den Einwohnern der Gegend ausgebrochen ist:

Montag, 28. November 2011

Kirchen als identitätsstifentende Orte

In seinem kürzlich gehaltenen Vortrag "Kulturelles Erbe als Herausforderung und Chance der Kirchen" in Berlin sagt Bischof em. Dr. Klein, ehemals Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien:
Kirchenburg in Heltau
"Für Siebenbürgen kommt zu diesem kulturhistorischen Aspekt /der Kirchbauten) ein weiterer entscheidender Aspekt hinzu: Das Wissen darum, was diese Kirchen und Kirchenburgen, aber auch ihre wertvollen Einrichtungen für die Menschen, denen sie gehören, bedeuten. Sie sind für sie mehr als Kunstschätze oder kulturgeschichtlicher, also irdischer Reichtum: sie sind Teil ihrer kollektiven Biographie. Sie sind Orte, in denen sie „ihrer eigenen Geschichte im heimatkundlichen, kultur- und sittengeschichtlichen, ja darüber hinaus auch im nationalen, ja im europäischen Sinn begegnen.“ Sie sind „Identifikationspunkte für die Beheimatung der Menschen“, die jene suchen, die zu diesen Stätten ihrer Kindheit, ihrer Jugend oder ihres ganzen Lebens zurückkehren. Sie sind – und das hat Bischof Huber in seinem ... Buch„Kirche in der Zeitenwende“ auch für die Situation hier deutlich gemacht und präzis formuliert: “sichtbare Werterepräsentanz“. Sie verweisen auf „gemeinsame kulturelle, ethische und religiöse Grundvorstellungen“, die uns auch in der Fremde wichtig bleiben. Sie sind „Zeichen dafür, dass die Traditionskette nicht reißt“, in der wir uns geborgen und beheimatet fühlen (siehe oben S. 286-91). Besonders ihre Kirchenburgen sind ihnen Selbstvergewisserung ihrer Identität aus der Vergangenheit in der Begegnung mit ihrer Geschichte. Darum hängt in der Wohnung fast jedes Siebenbürger Sachsen ein Bild seiner Kirche oder eines andern kirchlichen Objektes: ein stilles Bekenntnis zu seiner Heimat und Zeichen der bleibenden Verbindung zu Werten, die ihn geprägt und begleitet haben."
Kirchen als Orte der Be-heimatung, Kirchen als Orte der Identifikation, Kirchen als "durchgebetete" Orte, die einem halt und Schutz bieten. Das zu erhalten und für die Zukunft fruchtbar zu machen ist u.a. Aufgabe des GAW. Dabei geht es nicht um Erhalt von Museen, sondern um Verlebendigung von Gemeinde. 

Samstag, 26. November 2011

Lutheranerinnen in Brasilien gegen Gewalt gegen Frauen

Der Lutherischen Weltbundes (LWB) informiert über seinen Aktionsplan „Kirchen sagen ‘Nein’ zur Gewalt gegen Frauen“, an dem u.a. unsere brasilianische Partnerkirche (IECLB) teilnimmt. Das Engagement gegen Gewalt in den Familien soll gestärkt werden, sich mit dem Problem der Gewalt gegen Frauen auseinander zu stezen. In einem Dokument wird die Gewalt klar als Sünde gekennzeichnet. 
"Im Rahmen der Ausstellung „Not So Sweet Home“ (Kein trautes Heim) der lutherischen Diakoniestiftung (Fundação Luterana de Diaconia -- FLD), die an die Evangelische Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (EKLBB) gekoppelt ist, berichtete Carolaine (20) von ihrem Leben. Sie lebt mit ihrem Ehemann und ihrer zweijährigen Tochter am Stadtrand von Porto Alegre in Brasiliens südlichstem Bundesstaat Rio Grande do Sul. Als Kind wurde sie von ihrem Vater grundlos verprügelt. „Ich wünsche mir ein besseres Leben. Meine Tochter möchte ich ganz anders grossziehen. Ich möchte ihr ein Schicksal wie meines ersparen“, erklärt Carolaine. Sie erzählt, was in ihrem Elternhaus geschah. „Wenn meine Brüder etwas ausgefressen hatten, wurden die Töchter dafür bestraft. Mein Vater teilte einfach Schläge aus“, sagt Carolaine. „Er fragte uns nie, was passiert war.“ „Meine Mutter hat mich nie geschlagen, aber sie trank sehr viel. Mein Vater verprügelte mich, meine Geschwister und meine Mutter.“ 
Die Ausstellung „Not So Sweet Home“ ist auf der Grundlage einer internationalen Ausstellung entstanden, die von der deutschen Anthropologin Una Hombrecher gemeinsam mit „Brot für die Welt“ ins Leben gerufen wurde. Die Ausstellung zeigt ein Zuhause, mit Wohn- und Schlafzimmer und Küche und soll vor häuslicher Gewalt warnen (von der Frauen, Kinder und Männer betroffen sind). Es soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass dieses Problem angesprochen und in allen Gesellschaftsschichten überwunden werden muss. „Die Besucher können das Haus der Ausstellung betreten und durch die verschiedenen Zimmer gehen, wo sie Alltagsgegenstände finden, die zu Waffen umfunktioniert werden können“, erklärt Marilu Nornberg Menezes, Leiterin der Ausstellung. Zu diesen gefährlichen Gegenständen gehören beispielsweise zusammengerollte Zeitungen, Pfannendeckel, Töpfe, Dampfbügeleisen, Nudelhölzer, Schüsseln, Messer, Gabeln, Kissen und Polster, Gürtel, Schuhe usw. Die 16 Kampagnen für ein Ende der Gewalt gegen Frauen, die vom Regierungssekretariat für Frauen von Rio Grande do Sulf finanziert wird, nutzt die Ausstellung und weist darauf hin, dass ähnliche Ausstellungen auch woanders organisiert werden können."

Freitag, 25. November 2011

Brasilien und Perspektiven der Zusammenarbeit mit der IECLB

Brasilien ist inzwischen zu einer potenten Wirtschaftsmacht gewachsen. Die Wirtschaft hat einen beachtlichen Aufstieg hinter sich. Ende der 90er Jahre entkam das Land nur knapp einer Staatspleite. Nun zählt die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas zu den aufstrebenden Schwellenländern. Die Stimme Brasiliens hat inzwischen Gewicht. Natürlich hat das Auswirkungen auf Hilfswerke. So überdenkt Kindernothilfe sein Engagement in Brasilien und will in Zukunft die Schwerpunktsetzung verlagern. Sicher ist man sich: Geholfen werden muss auch weiterhin. Denn in ländlichen Regionen besonders im Norden und Nordosten des riesigen Landes gibt es hohe Armutsraten. Kindernothilfe-Vorstandsvorsitzende Dr. Jürgen Thiesbonenkamp sagt, „die Lebensbedingungen von Kindern in Armut und extremer Armut seit 30 Jahren haben sich nicht verändert“. Kindernothilfe wird sich deshalb verstärkt in den genannten Regionen engagieren und die Förderungen im Süden des Landes zurückfahren. „Wir werden uns in Brasilien auch weiterhin engagieren“, bekräftige der stellvertretende Kindernothilfe-Vorstandsvorsitzende Rolf-Robert Heringer. „Wir lassen uns nicht täuschen von den Boom- und Glitzerbildern aus den Megacities, sondern schauen ganz genau dort hin, wo Kinder unverändert extremer Armut und extremen Rechtsverletzungen ausgesetzt sind.“ (http://blog.kindernothilfe.org/de/
Brasilien mit den Synoden der IECLB
So ähnlich geht es auch dem GAW wenn auch in etwas veränderter Perspektive. Unsere brasilianische Partnerkirche (IECLB) bleibt auch weiterhin eine sehr wichtige Partnerkirche in Lateinamerika. Aber auch wir haben beobachtet, dass innerhalb der IECLB Unterschiede wahrzunehmen sind. Das geht bis dahin, dass nicht jeder Pfarrer bereit ist, die Anstrengungen der Arbeit im Norden auf sich zu nehmen, denn das bedeutet lange Wege, große Distanzen, Probleme bei der Gesundheitsversorgung und bei der Schulausbildung etc. Der Süden wirkt wesentlich entwickelter. Trotzdem fällt auch auf, dass auch Gemeinden im Süden Nöte haben vor allen Dingen mit sozial-diakonischen Projekten, wie z.B. ihren Kindergärten. Staatliche Subventionen sind nicht immer einfach zu bekommen, um die Arbeit eines Kindergartens zu erhalten. Auch der Indianermissionsrat (COMIN) kämpft um Zuschüsse für diese wichtige Versöhnungsarbeit. Als GAW begleiten wir aufmerksam die Entwicklungen in diesem Land. Die Frauenarbeit möchte im Jahre 2013 Brasilien zum Schwerpunkt seiner Arbeit machen und will insbesondere sich um Projekte im Norden und Nordosten kümmern. – Pfarrer Enno Haaks

Donnerstag, 24. November 2011

Spannungen in Estland

Pfarrer Matthias Burghardt
Pfarrer Matthias Burkhard betreut die lutherische Gemeinde deutscher Sprache in Tallinn innerhalb der Estnischen Ev.-Lutherischen Kirche. Er sitzt in der Synode der Kirche und begleitet intensiv die Entwicklungen. In jüngster Zeit gab es Spannungen gerade im Blick auf die Frage, wie die theologische Ausbildung der Kirche in Zukunft gestaltet sein soll. Wird es letztlich eine akademische Ausbildung wieder in Tartu geben mit einer anschließenden Predigerseminarausbildung in Tallinn? oder - wie ein guter teil der Synode wollte: eine Art Priesterseminar abgeschieden in der Einsamkeit? Jetzt gab es erneut Diskussionen, denn es wurde von Pfarrer Jaan Lahe im September ein „christlich-humanistisches Manifest“ verfasst und ins Internet gestellt. Pfarrer Burckhard kommentiert in seinem Gemeindebrief die Situation folgendermassen: "Darin wird eine Entwicklung der Kirche weg von den Menschen und hin zu einer fundamentalistischen Sekte befürchtet, die kritische Lesarten der Bibel ausschließt und gegen Andersdenkende rigoros vorgeht. Das Manifest löste eine teils ungehörige Diskussion aus, immer wieder werden in den Kommentaren persönliche Beleidigungen geäußert und zugleich endlos das Thema Homosexualität und Kirche traktiert. Insgesamt wurde das Manifest von 259 Leuten unterschrieben. Als Antwort verfasste Pfarrer Kristjan Luhamets ein „Manifest des traditionellen Christentums“. Darin wird die Verkündigung von Rechtfertigung und Heiligung durch Jesus Christus als Kernpunkt der Kirche benannt. Die Diskussion bewegt sich leider auf ähnlich niedrigem Niveau. Dieses Manifest haben 587 Personen unterschrieben. Ich habe beide „Manifeste“ nicht unterschrieben. Zum einen halte ich beide Texte formal für völlig ungenügend. Schon der Titel verwundert: Was ist „humanistisch“ und „traditionell“? Leerformeln, die jeder füllen kann, womit er will. Zum anderen werden theologische Diskussionen seit dem Mittelalter durch Thesen angestoßen-und eventuell zum Schluss durch Manifeste abgeschlossen, wenn man sich denn hinreichend einig ist, nicht umgekehrt. Und schließlich nervt die derzeitige Zuspitzung überhaupt aller Fragen auf die Frage nach der Trauung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. Es scheint so, dass die Fixierung auf diesen Streit kirchenspaltend und unproduktiv ist."

Dienstag, 22. November 2011

Adventskampagne in Spanien


Advent - für Gott ist nichts unmöglich

"Advent – wir bereiten uns darauf vor, dass in einem kleinen unbedeutenden Dorf, in einem kleinen Land, von kleinen Leuten umgeben, ein Kind geboren wird. Advent sagt uns, dass Gott sich manifestiert durch ein Handeln, das wir uns nicht vorstellen können. Advent bringt uns zu einem Gott, dessen Macht sich in einer hilflosen Kreatur zeigt, begrenzt und verletzlich. Es erzählt uns, dass in kleinen, gewöhnlichen Ereignissen Besonderes geschieht. Dort, in Bethlehem 2000 Jahre her, und hier und jetzt, ist ein Gott an unserer Seite, der nicht straft, nicht zerstört, nicht vernichtet, sondern dem Leben Raum gibt. Ein Gott, der vergibt. Ein "Gott mit uns", der uns begleitet auf dem Weg. Ein Gott, der wartet, der wartet auf uns. Ein Gott, dem nichts unmöglich ist. Er gibt uns Hoffnung und neue Kraft. Jeder ist aufgefordert, Bote der Hoffnung zu werden." So heißt es in der Adventskampagne der Evangelischen Kirche in Spanien (IEE). Mit einer Sammlung bis Weihnachten für notleidende Kinder in Bolivien will unsere Partnerkirche dort der Adventsbotschaft Konkretion verleihen.

Montag, 21. November 2011

Wiedergutamachung und Rückgabe von Gebäuden in Tschechien


Joel Ruml berichtet dem Runden Tisch in Prag
Joel Ruml, Synodalsenior der EKBB, erläuterte dem Runden Tisch in Prag den Stand der Verhandlungen mit dem tschechischen Staat. Dabei geht es um Wiedergutmachung dessen, was die kommunistische Diktatur den Kirchen angetan hat, andererseits geht es um die Frage, wie sich die Kirche in Zukunft finanzieren wird. Wesentlich ist die Frage der Pfarramtsbesoldung. Derzeit werden die Pfarrer mit Hilfe staatlicher Mittel besoldet. Diese Zahlungen des Staates machen ca. 1/3 des Haushaltes der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder (EKBB) aus. Dieses Gesetz reicht auch in die kommunistische Zeit zurück. Die Veränderungen sorgen durchaus für eine gewisse Unsicherheit innerhalb der Kirche und der Ungewissheit, wie die Kirche in Zukunft nachhaltig ihr Leben gestalten kann. Andererseits gibt es keine Alternative zu dem neuen Gesetz, dass u.a. durch die EU-Mitgliedschaft gefordert ist. Synodalsenior Ruml rechnet damit, dass bei allem Ringen und auch populistischen Debatten im Parlament das Gesetz bis Mai vom Staatspräsidenten unterschrieben werden kann.
Unter folgendem Link ist die Stellungnahme von Joel Ruml zu lesen:

Evangelische Fakultät in Prag

1919 wurde die Evangelisch-Theologische Fakultät in Prag gegründet. Vor dem Ersten Weltkrieg gab es viele Einschränkungen für Protestanten in den tschechischen Ländern (zu der Zeit Teil des katholischen Österreich). Mit der Gründung des neuen tschechoslowakischen Staates nach dem Krieg gab es volle Religionsfreiheit. Reformierte und lutherische Protestanten vereinigten sich zur Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder (EKBB). Eine erste wichtige Aktivität der neuen Kirche war es, eine Evangelisch-Theologische Fakultät zu etablieren. 14 Studenten begannen im ersten Jahrgang. 1923 waren es schon 78 im Jahr 1923 und 160 im Jahr 1929. Frauen begannen ein Studium an der Fakultät im Jahre 1922. Ab 1953 wurden sie dann auch in der EKBB ordiniert. Im Jahre 1949-50 gab es 230 Studierende. Zur Zeit der kommunistischen Diktatur gab es viele Schwierigkeiten und die Zahl der Studierenden sank auf unter 100. Nach dem Sturz des kommunistischen Regimes im Jahr 1989 eröffneten sich neue Möglichkeiten für die Fakultät. Es gab eine enorme Zunahme der Zahl der Studierenden. In 1990 wurde die Evangelische Fakultät in die Karls-Universität integriert. Im Jahr 1995 zog man in größere Räumlichkeiten, die der EKBB gehören. Zur Zeit studieren 730 Studenten an der Fakultät. Davon 188 Theologiestudenten. Der größte Teil der Studenten absolviert ein Grundstudium in Sozialarbeit. 
Die Fakultät erhält pro Student Zuweisungen von der Karls-Universität zum Etat. Studiengebühren gibt es nicht. Ursprünglich war es so, dass die Mieteinnahmen durch die Fakultät einen großen Teil der Kirchenkanzlei finanziert hatten. Diese Einnahmen sind sehr eingebrochen und haben zu Strukturanpassungsmaßnahmen in der Kirchenkanzlei geführt. Ein schmerzlicher Prozess, der aber die Chance birgt, dass die Kirchenkanzlei der EKBB zu einem anderen Finanzierungsmodell kommt. 

Homepage der Fakultät: http://web.etf.cuni.cz/

Sonntag, 20. November 2011

Runder Tisch bei der Ev. Kirche der Böhmischen Brüder

Eine lange Tradition verbindet das GAW mit der Ev. Kirche der Böhmischen Brüder. Nach dem Ersten Weltkrieg kam es im Dezember 1918 in Prag auf einer Generalversammlung zur Vereinigung der Reformierten und Lutheraner. Nach dem Toleranzpatent 1781 hatten sich die im Habsburger Reich anerkannten Kirchen lutherisch-augsburgischen und reformiert-helvetischen Bekenntnisses gebildet. Die nun vereinigte Kirche knüpfte an alten reformatorische Traditionen an, besonders an die brüderische. Zum Symbol der Kirche wurde der Kelch (Zeichen hussitischer Tradition) auf der Bibel (Zeichen der brüderischen Tradition).
Regelmäßig ein Mal jährlich trifft sich in Prag in der der Kirchenzentrale in der "Jungmanova" ein Runder Tisch, an dem alle mit dieser Kirche verbundenen Kirchen und Hilfswerke sitzen, die der Kirche auf ihrem Weg helfen. Dazu gehört die Badische Kirche, die Rheinische, die Kirche aus Hessen-Nassua und der Pfalz, die Reformierte Kirche, das HEKS und das GAW.

Freitag, 18. November 2011

Orthodoxe Kirchbauten in Rumänien

In Bukarest wird für viel Geld eine neue orthodoxe Kathedrale gebaut. Staatliche Gelder fließen ebenfalls dort hinein. Auf der "Deutschen Welle heißt es: "Dass sich an den Kosten auch die Regierung beteiligt, die gleichzeitig reihenweise Krankenhäuser schließen lässt, schürt Konflikte." 125 Meter soll das Gebäude hoch werden und den nahen Regierungspalast überragen. In dem Bericht heißt es, dass in den letzten 20 Jahren ca. 4000 orthodoxe Kirchen in dem Vielvölkerstaat gebaut wurden. Sicherlich gab es Nachholbedarf. Nur erzeugt dieses Kirchbauprogramm auch andere Empfindungen. Das erlebt man besonders in rein ungarischsprachigen Gegenden, wenn dort ein orthodoxes Kloster gebaut wird.
Auf Youtube findet sich dazu ein interessanter Bericht: http://www.youtube.com/watch?v=beQcspAiy9I

Mittwoch, 16. November 2011

"GAW ist ein wichtiges und kompetentes Werk"

"Das GAW ist ein wichtiges und kompetentes Werk..." schreibt der Ratsvorsitzende der EKD Präses Nikolaus Schneider. Auf der Homepage des GAW sind diese Worte zu lesen. Und Präses Schneider betont, dass das GAW als Diasporawerk der EKD eine sehr wichtige und für die Ökumene- und Auslandsarbeit der EKD ergänzende und flankierende Arbeit ausführt. Die Kontakte zur kirchlichen Basis in den 40 Partnerkirchen, ein Wissen um die Nöte und Sorgen, das verlässliche Begleiten der Partnerkirchen hilft, Stimme denen zu geben, die oft nicht wahrgenommen werden - gerade auch bei uns. Denn - so Schneider: "Gemeinden in der Zerstreuung – „Diaspora“ – sind wie Salz oder Sauerteig in einer nicht christlichen Umgebung oder wie ein „Ferment“ das in einem konfessionell verschiedenen christlichen Kontext eine besondere“ Note“ oder einen besonderen „Geschmack“ geben kann." Davon können wir profitieren.
Deshbal ist es wichtig, dass Kirchen bei uns sich in die Verantwortung nehmen lassen für Schwestern und Brüder in der Diaspora. In der neuen Verfassung für die Nordkirche soll deshalb folgender Satz verankert werden, der diese Verantwortung für Kirche insgesamt beschriebt: "Die Kirche folgt dem Ruf Jesu Christi zur Einheit der Kirche. Sie weiß sich mit den Gemeinden in der Diaspora verbunden.“ Wenn das dann noch gestärkt wird durch eine klarere Verankerung in Kollektenplänen und in einer Bewußtseinsarbeit an der Basis, dann ist viel getan. Als GAW sind wir da insgesamt gefordert, immer wieder Menschen sensibel für Diasporaverantwortung zu machen. - Pfarrer Enno Haaks

Samstag, 12. November 2011

Blockseminar an der Uni Leipzig

Dr. Daniel Frei im Seminar
In jedem Semester findet an der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig ein sog. Blockseminar im Kontext von Missions-, Diaspora- und Konfessionskunde. Dazu wird in der Regel ein Referent eingeladen, der sowohl wissenschaftlich als auch aus eigenem erleben Kenntnisse insbesondere aus dem Kontext unserer Partnerkirchen hat. In diesem Semester ist Dr. Daniel Frei aus Basel als Gastdozent gebeten worden, über die Pfingstbewegung in Lateinamerika mit Schwerpunkt auf Chile ein Seminar anzubieten. Er hat gerade aus gemeindepädagogischer Sicht über die Pfingstbewegung in Chile promoviert. "Wer die Pfingstbewegung näher kennen lernen will, der darf nicht nur zu den Gottesdiensten gehen, sondern muss die wöchentlichen Treffen und Begegnungen miterleben. Ansonsten ist das Phänomen nicht zu erfassen," sagt Dr. Frei. 
Er unterrichtete im Auftrag von Mission 21 an der Comunidad Teologica Evangélica in Concepción/Chile und lernte darüber die Pfingsbewegung näher kennen. Gleichzeitig war er Pfarrer der Ev.-Luth. Kirche in Chile (IELCH). An dem Seminar nehmen auch die Stipendiaten des GAW teil. Aus den unterschiedlichen Ländern berichten sie von ihren Kontakten zu Pfingstlern, so erzählte ein rumänischer Student von einer wachsenden Pfingstbewegung unter den Roma in seinem Land. 

Freitag, 11. November 2011

Friedensgebet mit COMIN

Pfarrer Hans Trein von COMIN der IECLB
Am 10. November übernahm das Gustav-Adolf-Werk in der Friedensdekade das Friedensgebet in der Nikolaikirche. An diesem geschichtsträchtigen Ort predigte Pfarrer Hans Trein, Leiter des Idianermissionsrates (COMIN) der Ev. Lutherischen Kirche Brasiliens (IECLB). In bewegenden Worten schilderte er die Arbeit, die sich um Frieden und Versöhnung müht in den schwierigen Auseinandersetzungen um Landrückgabe und Bewahrung der Identität. Die Spannungen gehen dabei durch die Kirche, denn es gibt davon betroffene Gemeindeglieder.

Zu Comin: Im Jahr 1824 wanderten die ersten evangelisch-lutherischen Familien von Deutschland nach Brasilien aus. Es waren größtenteils arme Menschen. Sie glaubten, dass es in Brasilien Land im Überfluss und jede Freiheit gäbe. Sie rechneten nicht damit, dass Brasilien von indianischen Menschen bewohnt war, die das Land, die Flüsse und die Wälder als Gemeineigentum verstanden. EuropäerInnen beanspruchten dagegen genau abgesteckte und im Grundbuch eingetragene Grenzen. Sie erkannten weder die natürlichen noch die rechtlichen Ansprüche der IndianerInnen an. Die Geschichte der Besiedlung brachte auf jeder Seite Opfer hervor, forderte aber von den indianischen Völkern einen besonders hohen Tribut. 1982 bildete die IECLB einen Rat, um die Arbeit mit den Indianervölkern in Brasilien zu begleiten und zu koordinieren. COMIN bekennt, dass die lutherische Kirche in Brasilien Teil hatte an der Schuld der ChristInnen gegenüber indigenen Völkern. Zum Zeichen der Versöhnung stellt sich die lutherische in Brasilien heute an ihre Seite und kämpft mit ihnen für ihre Rechte. 

Das GAW fördert ein Projekt von COMIN bei den Deni-Indianern in Amazonien. Für dieses Projekt war dann auch die Kollekte des Friedensgebetes bestimmt.

Donnerstag, 10. November 2011

Bauarbeiten in Malaga

Flüchtlingszentrum in Malaga
Zur Zeit leben im Flüchtlingszentrum in Malaga bei unserer Spanischen Partnerkirche , der Iglesia Evangélica Española 50  45 Flüchtlinge aus Algerien, Lybien,  Iran, Mauritanien, Guinea-Bissau, Marokko, Birma, Syrien, Benin, Tansania, Kongo und Kamerun untergebracht sind. In der Chrismon-Ausgabe 4/2011 wurde auf dieses Projekt hingewiesen und um Unterstützung gebeten. Zahlreiche Hauptgruppen des GAW haben dieses Projekt zum Anlass genommen, um auf die manchmal überdimensional hohe diakonische Verantwortung unserer Partner hinzuweisen und dabei zu helfen, das Gemeindezentrum und das diakonische Zentrum vor der drohenden Schließung zu bewahren. Das ist gelungen durch den Einsatz auch des GAW, das in drei Jahren jeweils 25.000 Euro für dieses Projekt sammeln will. Die erste Bauphase konnte durchgeführt werden und damit die Arbeit gesichert werden. So wurde das Dach u.a. vollkommen erneuert, sowie die tragenden Mauern im Kern des Gebäudes,so dass dem Betrieb des Flüchtlingszentrums nun bautechnisch jedenfalls nichts mehr im Wege steht. "Das gleiche gilt auch für den Zugang zur Kirche im Gebäude. Dafür ist die kleine Gemeinde in Málaga besonders dankbar und wir alle freuen uns natürlich enorm, das dieses kleine Wunder überhaupt möglich war," schreibt Manfed Benzing, der für die Projektumsetzung verantwortlich ist. "Wir vertrauen, dass es mit den kommenden Bauabschnitten klappen wird, und wir sind natürlich sehr froh und dankbar, dass wir bei diesem doch recht umfangreichen Projekt mit der Hilfe des GAW rechnen dürfen. Ich muss es einfach nochmals sagen : Vielen, vielen Dank !!" - Pfarrer Enno Haaks

Mittwoch, 9. November 2011

Grundsteinlegung in San Martín de los Andes


Grundsteinlegung in San Martín de los Andes

Pfarrer Reiner Kalmbach schreibt uns von der Grundsteinlegung in San Martín de los Andes: „Raúl Weigandt, bauerfahrenes Gemeindeglied und ein unermüdlicher „Schaffer“, wenn es um den Bau des Reiches Gottes geht, vermittelte einen Überblick über die Situation: eigentlich sollte das Fundament für den Bau des Gemeindesaals bereits fertig sein. Verzögerung bei der Baugenehmigung und vor allem die Vulkansche, von der San Martin besonders im September besonders stark betroffen war, verhinderten den Baubeginn. So trafen wir uns alle am Montag in der Frühe auf der Baustelle. Trotz Ascheregens ließen sich die „Arbeiter“ nicht in ihrem Enthusiasmus stören: Raúl verteilte Atemmasken und los ging’s. Da hieß es Gräben ausheben, Schotter aufschütten, Eisen biegen, Schnüre ziehen. Die ungewohnte körperliche Arbeit machte hungrig und die Mühe wurde belohnt mit deftiger Hausmannskost, zubereitet von den Frauen der Gemeinde. Dann kam der große Tag: am Sonntag, den 30. Oktober, sollte die Grundsteinlegung gefeiert werden: und alles half mit, das Wetter, der Vulkan (er schickte seine Wolke in eine andere Richtung), die vielen Menschen die kamen, die Worte, das Wort, das uns bei diesem Ereignis begleitete..., die Emotionen und Tränen der Dankbarkeit. Ein langer Traum wird endlich wahr! Seit fast fünfzehn Jahren arbeitet und kämpft die Gemeinde in San Martin de Los Andes, um unter einem eigenen Dach Gottesdienst feiern und Menschen einladen zu können. Ja, wir feierten die Grundsteinlegung auf unserem eigenen Grund, endlich!, und auf diesem Grund bauen wir ein Haus Gottes, ein offenes Haus, mit offenen Türen und Menschen mit offenen Herzen, für Menschen die suchen und fragen, für solche die Trost suchen..., oder einfach nur dabei sein wollen. Noch ist die Gemeinde klein, aber zum Fest kamen Menschen deren Gesichter ich zum ersten Mal sah, Menschen die uns Mut machen wollen, die uns von jetzt ab begleiten werden.“
Das GAW fördert in diesem und im kommenden Jahr dieses Kirchbauprojekt. Gerade war eine Gruppe Freiwilliger vom GAW-Württemberg dort, um zu helfen. Insbesondere nach dem Vulkanausbruch des Puyehues in Chile wurden diese Arbeiten verschoben und die gesamte Region litt sehr unter den Folgen. Der Tourismus brach ein. Viele Tiere verendeten. Umso schöner ist es, diese Zeilen jetzt zu lesen!

Dienstag, 8. November 2011

Jubiläum in Kaliningrad

Seit 1991 sind zahlreiche evangelische Gemeinden im Königsberger Raum entstanden. 2010 gehörten zur Propstei Kaliningrad 42 Gemeinden mit 2.100 fast nur russlanddeutschen Mitgliedern und acht Pastorinnen und Pastoren. Propsteikirche ist die Auferstehungskirche am Prospekt Mira. Damals 1991 begann Propst em. Beyer aufopferungsvoll Menschen zu sammeln und für die evangelische Kirche zu gewinnen. Zunächst begann er in Kaliningrad. Dann kamen schnell vier weitere Gemeinden hinzu und bald auch pfarramtliche Unterstützung. Im April 1999 konnte dann in Kaliningrad endlich die ersehnte Auferstehungskirche eingeweiht werden damals durch Erzbischof Kretschmar. Vieles hat sich entwickelt. Jetzt wird das 20-jährige Jubiläum der Ev.-Luth. Gemeinde in Kaliningrad am 10./11. Dezember 2011 gefeiert.

Samstag, 5. November 2011

6. November - Gedenktag an Gustav II. Adolf von Schweden

Gustav Adolf Denkmal in Tartu/Estland
In Breitenfeld bei Leipzig gibt es einen Gedenkstein, auf dem zu lesen ist: „Glaubensfreiheit für die Welt/rettete bei Breitenfeld/Gustav Adolf, Christ und Held“. 
Im 17. Jahrhundert zur Zeit des 30jährigen Krieges ging es auch um Glaubensfreiheit. Es ging darum, dem christlichen Glauben in evangelischer Weise zu seinem Lebensrecht zu verhelfen. Heute ist das ein Menschenrecht. Und immer, wenn Glaubensfreiheit bedroht ist, dann gilt es, sich an die Seite derer zu stellen, die dieses Recht nicht bekommen. Und besorgniserregend ist es zu sehen, wie gerade Christen in unserer Zeit zu der am stärksten verfolgten Glaubensrichtung gehören. 
Keinem kann verborgen bleiben, dass Gustav II. Adolf damals in der Wahl seiner Mittel nicht zimperlich war. Sein Handeln entsprach dem, was man von einem erfolgreichen Kriegsherrn in den Grausamkeiten des Dreißigjährigen Krieges zu erwarten hatte. Jedoch taugt das heute nicht zur unkritischen Verherrlichung. Er verfolgte damals machtpolitische Interessen – und er agierte gleichzeitig als lutherischer König, der den bedrohten Glaubensgeschwistern zur Seite trat. „Den Kriegsherrn und den Verteidiger seines Glaubens zusammen zu sehen: das ist – die keineswegs einfache – Aufgabe, vor die uns die Erinnerung an Gustav Adolf stellt,“ sagte zum 175-jährigen Jubiläum des Gustav-Adolf-Werkes Bischof W. Huber. Jedoch sieht er gleichzeitig in dem älteste evangelische Hilfswerk, das nach dem im 19. Jahrhundert fast wie Martin Luther verehrten König benannt wurde, eine Art frühen Form von „Schwerter zu Pflugscharen“, denn das Werk hatte sich eindeutig zur Aufgabe gemacht: „Hilfsgelder statt Heldengedenken“. Damit ermöglicht das Werk seit seiner Gründung, dem Recht auf Glaubensfreiheit Raum zu verschaffen. 
Am 6. November erinnern wir erneut an den Todestag Gustav II. Adolf von Schweden, der an diesem Tag 1632 in der Schlacht bei Lützen fiel. Es geht nicht um Heldenverehrung. Es geht darum, sich in Dienst nehmen zu lassen für Frieden und Versöhnung. Gerade als Träger dieses Namens sieht unser Werk sich in die Pflicht genommen. - Pfarrer Enno Haaks

Donnerstag, 3. November 2011

"Diaspora und Mission"


In Leipzig fand im Jahr 1999 die letzte Synode der EKD statt, die sich unter dem Leitwort "Reden von Gott in der Welt" mit Fragen der Mission auseinandersetzte. Welche Sendung haben wir in der Welt? Was haben wir von unserem Standpunkt als evangelische Christen zu Fragen des Glaubens und menschlichen Zusammenlebens zu sagen? Wie nehmen wir an der Sendung Gottes in der Welt teil?
Aus Anlass der Anfang November 2011 stattfindenden Missionssynode der EKD in Magdeburg haben wir uns als GAW zur Aufgabe gemacht zu fragen, wie es um das Verhältnis von Diaspora und Mission zueinander steht.
Ende Juni diesen Jahres fand deshalb in der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig ein theologischer „Workshop“ zur Verhältnisbestimmung von Diaspora und Mission statt. Aktiv beteiligt waren als Vertreter für die Missionswerke Pfarrer Peter Weigand und Pfarrerin Martina Helmer-Pham Xuan sowie Professor Wilhelm Richebächer. Für das Diasporawerk der EKD sprach Dr. Wilhelm Hüffmeier. Dr. Johann Schneider von der EKD und Pfarrer Martin Volkmann von der IECLB (Brasilien) erweiterten den Kreis der Referenten. Geleitet wurde der Workshop von Prof. Dr. Klaus Fitschen, Dekan der Theologischen Fakultät. 
Die Aufsätze und eine Zusammenfassung der Diskussion wurden jetzt in einer Aufsatzsammlung vom Verlag des GAW herausgegeben.
Das Buch kann zum Preis von 5 Euro (zzgl. Versandkosten) bestellt werden bei:

Gustav-Adolf-Werk e.V., Pistorisstraße 6, 04229 Leipzig, Tel: 0341/490 62 13, Fax: 0341/490 62 66, verlag@gustav-adolf-werk.de 

Der Projektkatalog und die "Teleton"



Zum Ende des Kalenderjahres kommt es mir im Gustav-Adolf-Werk vor, als wäre ich in Lateinamerika bei der "Teleton". Die Teleton ist inzwischen ein großes Medienevent in vielen Ländern des Kontinents. In den 70er Jahren begann in Chile Mario Kreutzberger, ein Sohn jüdischer Einwanderer und der Thomas Gottschalk Chiles, die sogenannte Teleton aufzubauen. Dabei ging es ihm darum, mit seiner Popularität auf die miserable Situation behinderter Kinder in dem Land aufmerksam zu machen und eine Stiftung zu gründen. Anfangs kam alles Geld aus Spenden über seine Fernsehshow einmal im Jahr zusammen, die über einen Fernsehmarathon von 1 1/2 Tagen eingeworben werden. Für alle Showgrößen des Landes ist es Pflicht, da mitzumachen, sonst sinken sie in der Gunst des Publikums. Kreutzberger gibt am Beginn dann immer eine Summe aus, die er mit Hilfe aller Chilenen einsammeln will. In unwahrscheinlichen vielen Initiativen wird dann in ganz Chile für de Teleton geworben. Es ist faszinierend zu sehen, wie die Chilenen mitmachen. Kreutzberger sagt immer wieder: "La Telton es tuya!" (Die Teleton ist deine Sache!) Inzwischen hilft der Staat mit, wenn die Summe schwer zu erreichen ist, das Ziel zu erfüllen.
Die Summe unseres Projektkataloges wird ebenso festgelegt. Und in viele Aktionen, Gottesdiensten und Kollekten wird für das Erreichen der Summe gesammelt. Ende Oktober/Anfang November wird man dann immer ein bisschen nervös, wenn noch eine bestimmte Summe fehlt. So ist es dieses Jahr auch. Ca. 100.000 Euro fehlen noch, damit das Ziel von 1,6 Millionen Euro für die Partnerkirchen erreicht werden kann. Dieses Ziel steht vor Augen. Und alle im GAW suchen das Möglichste, um sagen zu können: Das GAW ist unsere gemeinsame Sache! - Pastor Enno Haaks

Mittwoch, 2. November 2011

Evangelische Schulgründung in Tallinn

Klassenzimmer der Domschule
Aus Tallinn/Estland erreicht uns folgende Nachricht von Pfarrer Matthias Burghardt: "Am 15. August wurde mit einer Andacht in der Domkirche in Tallinn die „Domschule“ wiederbegründet. Die „Ritter- und Domschule“war bis 1939 älteste Schule Estlands gewesen. 700 Jahre gab es sie. Im Zuge der Enteignung der Estländischen Ritterschaft war sie 1920 verstaatlicht worden. Sie existierte jedoch bis zum 2. Weltkrieg weiter. Die Neugründung verdankt sich zweier Ereignisse: Zum einen gibt es seit einigen Jahren in unserer Kirche den Wunsch, eine eigene Schule zu haben. Beflügelt worden ist die Idee auch durch die Nichteinführung von Religionsunterricht in öffentlichen Schulen. Zum andern hinterliessen Änderungen im Tallinner Schulgesetz plötzlich eine Menge Erstklässler ohne bevorzugten Schulplatz. So hat das Konsistorium der Kirche die Gelegenheit genutzt die erste Schulegegründet. In diesem Jahr funktioniert die Schule noch als eine 1. Klasse, soll sich aber ab nächstem Schuljahr verselbständigen. Hoffentlich wird es aber nicht die letzte evangelische Schulgründug sein. Es gibt diesbezüglich weitere Initiativen: in der Kaarli-Gemeinde Tallinns, die zur Zeit den einzigen evangelischen Kindergarten unterhält, hat man ebenfalls Pläne, eine evangelische Schule zu eröffnen. Auch in Tartu wird eine Schulgründung durch die dortige Petrigemeinde vorbereitet. Es ist erfreulich, dass es im Bildungsbereich solche Initiativen gibt! Sicherlich wird es an Interessierten nicht mangeln: auch die nicht kirchlich engagierten Familien sind hierzulande oft interessiert daran, dass ihre Kinder christlich orientierten Unterricht bekommen."
Für unsere evangelischen Partnerkirchen spielen evangelische Schulen eine immer wichtigere Rolle - gerade in Mittel- und Osteuropa. Deshalb beobachten wir mit großem Interesse dieses Beispiel. 

Dienstag, 1. November 2011

Pfarrgehälter in unseren Partnerkirchen

Als Pfarrer oder Pfarrerin in einer unserer Partnerkirchen zu arbeiten, setzt voraus, dass man sich gerufen weiß und in Dienst nehmen lässt. Denn - Geld verdienen kann man mit dem Pfarrberuf nicht. Ein Beispiel aus Rumänien erzählt davon:

Besuch in Klein Kopisch

"Mein Name ist Levente Korodi. Ich bin lutherischer Pfarrer in Klein Kopisch/Copsa Mica in Rumänien. Im Jahre 2010 habe ich meinen Abschluss in Theologie machen können in Cluj-Napoca und bin seitdem Pfarrer. Meine Frau Brigitta ist Sonderschulpädagogin. Jeder von uns beiden verdient 200 Euro monatlich. Davon können wir nur leben, weil wir das Pfarrhaus gestellt bekommen. Ausreichend ist das Einkommen nicht. Allein eine größeren medizinischen Behandlung wäre nicht zu bezahlen. Neue Kleidung ist ebenso Luxus für uns. Die Lebenshaltungskosten sind relativ hoch in Rumänien."

So sieht es in viele Regionen aus. In Lateinamrika sagte mir mal jemand: "Lehrer, Psychologen, Pfarrer verdienen in solchen neoliberalen Gesellschaften wie der unsrigen nichts, denn sie produzieren nichts wirklich Sicht- und Greifbares. Dabei geht es in diesen Berufen um das Wichtigstem, was Gesellschaften haben: nämlich um die Sorge um das Wohl der Menschen."
Schlimm ist es, wenn das Gehalt nicht ausreicht, um das alltägliche Leben zu bestreiten. Schwierig ist es, wenn ein Arztbesuch aufgeschoben oder gar nicht wahrgenommen wird, weil man es sich nicht leisten kann. Viel verdienen muss man nicht, um gut zu leben, aber es muss ausreichend sein. - Pfarrer Enno Haaks