Montag, 31. Oktober 2011

Reformationstag

Heute ist Reformationstag. An diesem Tag wird in vielen Landeskirchen für das Gustav-Adolf-Werk und die wichtigen Projekte zum Gemeindeaufbau in Regionen gesammelt, die es schwer haben, weil oft die vorherrschende "Mehrheitsreligion" es diesen Kirchen nicht leicht macht. Aber immer ist dieser Tag für evangelische Christen wichtig, in aller Freiheit sich ins Gespräch zu bringen und nach aussen zu wirken. Unsere chilenischen Glaubensgeschwister haben inzwischen auch am Reformationstag fre und zeigen sich offen in den Strassen vor allem der Metropole Santiago.
Generalbischof Klatik von der Lutherischen Kirche in der Slowakei schreibt: "Der Reformationstag ist ein Tag der fröhlichen und dankbaren Erinnerung. Gerade in jenen Regionen unserer Welt, wo die Erfahrung aus den für den Glauben schweren Zeiten noch lebendig im Gedächtnis haftet, ist es nicht nur eine Pflichtaufgabe, dafür zu danken. Die Freiheit zum Bekenntnis des Glaubens ist ein großes Geschenk. Die Wahrheit des Glaubens, die dem Evangelium von Jesus Christus entspricht, wollen wir nicht nur im stillen Winkel betrachten, sondern sie ganz offen zur Sprache bringen. Unser Dank ist durchdrungen von dem, was wir erlebt haben, und gesättigt mit unserer Erfahrung. Es war, es ist und es wird auch in Zukunft die Kraft eines festen Vertrauens auf die starke, helfende Hand Gottes sein. Das bekennen wir dankbar."

Samstag, 29. Oktober 2011

Toleranzkirchen

War der Westfälische Frieden 1648 für die Deutschen Landen durchaus ein Segen, so war dieser Frieden im Habsburger Reich für die Protestanten verheerend. Bis an die 90% Protestanten lebten beispielsweise nach dem 30jährigen Krieg in Österreich. Das sollte sich jetzt schnell und gewaltig ändern. 

Erleichterung gab es erst ab 1781 mit dem sog. Toleranzpatent. Jetzt durften unter bestimmten Auflagen Holzkirchen gebaut werden. Es durfte nur Holz verwendet werden, denn man hoffte, dass durch die Witterung diese Kirchen kein langes Leben haben würden. Nägel durften nicht benutzt werden. Ein Turm mit Glocke war verboten. Der Eingang musste von der der Straßenseite abgelegenen Seite sein. Und – es mussten mindesten 1000 Evangelische am Ort leben. Klar, dass sich nur in schwer zugänglichen ländlichen Regionen des Habsburger Reiches sich Evangelische halten konnten. Dorthin trauten sich die Jesuiten nicht.

Freitag, 28. Oktober 2011

Argentinien hat gewählt - eine Einschätzung von Rene Krüger

Rene Krüger, Theologieprofessor aus Buenos Aires in Argentinien schreibt uns von seinen Einschätzungen der Lage Argentiniens nach der Wiederwahl von Cristina de Kirchner als Präsidentin: 
„Dem Land – aufs Gesamte gesehen – geht es besser als vor einem Jahrzehnt. Die Wirtschaft hat in den vergangenen Jahren ein stetiges Wachstum verzeichnet. Viele Bereiche wurden von beiden Kirchner-Regierungen (Néstor Kirchner und dann Cristina de Kirchner) effektiv angegangen und nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch geregelt. Hervorzuheben sind das Gesundheitswesen und die Altersversorgung. Monatliche Beihilfen für die ärmere Bevölkerung haben dazu beigetragen, dass Hunger und Krankheiten erheblich zurückgegangen sind.… 
Probleme sehe ich in folgenden Bereichen: 
1. Die regulären Beihilfen für die ärmere Schicht sind eine gefährliche Kombination von notwendiger Unterstützung (ein so reiches Land kann seine Bevölkerung nicht verhungern lassen) und klientelistischer Abhängigkeit, die obendrein keine Arbeitsmoral aufkommen lässt. Die Zuwendungen sind nur in seltenen Fällen mit Gegenleistungen verbunden. Wenn diese Hilfen nicht mit der Schaffung von Arbeitsplätzen und effektiven Gegenleistungen verbunden werden, geht die Sache auf die Dauer schief. 
2. Die staatlichen Einnahmen, die die Sozialpolitik ermöglichen, kommen u.a . zu einem beträchtlichen Teil aus der Besteuerung des Sojaexportes. Nun ist das auf die Dauer ein zweischneidiges Schwert. 
In Argentinien bestand jahrzehntelang eine praktische Ernährungssouveränität, ebenso in Paraguay und Uruguay. Zum Verlust der Ernährungssouveränität kam es durch die rapide um sich greifende Umstellung großer Sektoren der Landwirtschaft auf Biodiesel und Alkohol als Kraftstoffe (in Brasilien vor allem aus Zuckerrohr) und ganz stark durch die Sojarisierung, die im gesamten Südkegel Lateinamerikas (Brasilien, Argentinien, Paraguay und Bolivien) die Wälder abholzt und Weideflächen, Weizenland und Kleinbauernbetriebe in Sojaflächen verwandelt. Nun ist Soja nur rentabel bei großflächigem Anbau, was viele Kleinbauern ihre Parzellen verlieren lässt, weil sie einfach nicht mehr genügend abwerfen. Damit wachsen die Großbetriebe, die Latifundien und die Monokultur, aber auch die ökologischen Probleme des Sojaanbaus. Das Herbizid Glyphosat, massiv für die Unkrautbekämpfung beim Sojaanbau eingesetzt, ist trotz offiziellen gegenteiligen Behauptungen sehr schädlich für die Gesundheit von Menschen und Tieren, wie einschlägige Studien belegen und wie es immer stärker betont wird. 
Vonseiten der Regierungen wird auf den Anschluss an den Weltmarkt und das damit verbundene Wirtschaftswachstum und auf die hohen Einnahmen durch die Besteuerung der landwirtschaftlichen Exporte gesetzt, und da bietet sich natürlich Soja als das beste Geschäft an. 
In Argentinien und Paraguay ist mit der Sojarisierung auch das Übergehen der Landrechte der indigenen Bevölkerung verbunden. Seit Jahrzehnten kämpfen die Indigenen im ganzen Kontinent um die Wiedererlangung ihrer Landrechte und überhaupt um ihre Menschenrechte. 
Kurzum: Soja ist massig Geld für heute und Not für morgen und übermorgen; und für die Kleinen auch schon heute. 
3. Schlimm ist die Korruption, und obwohl auch an dieser Front staatlicherseits gekämpft wird, hat man doch oft den Eindruck, dass es manchen nicht so richtig Ernst um die Sache ist. Die Korruption reicht bis in die obersten Etagen der Politik und der Regierung… 
4. Schlimm ist die Drogenmafia und überhaupt die organisierte Kriminalität. Da sehe ich für ganz Lateinamerika schwarz, denn anscheinend fehlt politischer Wille, mit diesem Abschaum wirklich aufzuräumen. Aber das wird ja wohl weltweit so sein. Das Geld, dass durch diese Verbrechen in Umlauf gesetzt wird, „gehört“ heute schon zur Wirtschaft.

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Was ist lutherisch?

Was ist daran lutherisch?« fragte ich mich am Reformationstag 2002, als im Armenviertel Huechurraba im Nordosten Santiagos de Chile eine Lutherbüste feierlich enthüllt wurde auf dem gerade umbenannten Reformationsplatz (Plaza de la Reforma). Weit und breit gibt es in der Nähe keine lutherische Gemeinde – und doch wurde dieser Ort ausgesucht. Und mit Hilfe der beiden chilenischen lutherischen Kirchen und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) konnte die Lutherbüste eingeweiht werden.

Viel Prominenz war anwesend. Sogar ein Minister war gekommen. Natürlich waren Vertreter der beiden lutherischen Kirchen da. Die Mehrheit bildeten aber die sogenannten Evangélicos. Das sind Pfingstler, Charismatiker, Baptisten, Methodisten, Presbyterianer. Sie standen mit ihren Gemeindefahnen da. Und zum Schluss sangen alle zusammen: »Castillo fuerte es nuestro Dios« (Ein feste Burg ist unser Gott)....


Der ganze Artikel unter:

Pfarrer Enno Haaks

Mittwoch, 26. Oktober 2011

"Zigeunenermission in Mittel- und Osteuropa"

Romasiedlung in Rumänien
Sowohl in Rumänien als auch in der Slowakei sagten mir Partner des GAW immer wieder: "Die von Euch genannten Sinti und Roma sagen bei uns voller stolz: "Wir sind Zigeuner."" Auffallend ist es, dass zunehmend die Frage des Umgangs mit den Roma in Mittel- und Osteuropa eine wichtige Frage für unsere Partnerkirchen geworden ist. So berichteten in den letzten Tagen auf einer Konsultation der Diasporawerke in Europa z.B. die tschechischen Partner, wie es in Tschechien an der Grenze zu Sachsen (Höhe Dresden) in der jüngsten Vergangenheit zu Auseinandersetzungen gekommen ist zwischen den "Weißen und Zigeunern" (so ein Partner). Die Kirche der Böhmischen Brüder wirkt hier vermittelnd, um die aufgetretenen Konflikte zu entschärfen und an Perspektiven des Zusammenlebens zu arbeiten. Ebenso erzählten die lutherischen und reformierten Partner aus der Slowakei, die sich jetzt vorgenommen haben, gemeinsam ein Projekt auf den Weg zu bringen, um Integration zu fördern. Gedacht ist an ein Bildungsprojekt. Nur mit einer guten Bildung ist es möglich aus dem Kreis der Vorverurteilungen auszubrechen.
In Rumänien konnte ich kürzlich mehrere Romasiedlungen sehen und auch von den Ängsten der Bevölkerung erfahren: "Durch die hohe Kindergeburtenrate bei den Zigeunern werden sie uns bald allein dadurch verdrängen", äußerte ein Partner. Problematisch wurde immer wieder erwähnt, wie die Kriminalität stieg, wenn Romasiedlungen wuchsen. Auf der anderen Seite gibt es immer wieder Mut machende Geschichten, die von einer Abnahme dieser Gefahren erzählen, wenn Integrations- und Bildungsprojekte gelingen.
Laut Statistik liegt die Gesamtzahl der Zigeuner in aller Welt bei 38 Millionen. Davon lebten 18 Millionen in Indien, bis zu 12 Millionen in Europa und eine knappe Million in den USA. - Pfarrer Enno Haaks

Samstag, 22. Oktober 2011

"Das Haus, das die Träume verwaltet"

Fulbert Steffensky schreibt in seinem Buch "Das Haus, das die Träume verwaltet":  "Auf Dauer gibt es keinen Glauben ohne Kirche. Glaube und Hoffnung sind zu schwer für den Einzelnen... Man muss die Bilder, die Geschichten und die Lieder der Hoffnung teilen, um sie hören und singen zu können... Somit wird Verkündigung und Einführung in die Bilder des Lebens zur zentralen Aufgabe der Kirche. Erinnerung an die Träume und Erinnerung an die Opfer - das schuldet die Kirche sich selber und einer traumlosen Gesellschaft." 
Als Kirche haben wir eine Botschaft, eine Vision zu verkünden. Diese Vision ist getragen von Glaube, Hoffnung, Liebe. Diese Vision gilt für alle und will allen Anteil am Leben geben. Jesus spricht vom Reich Gottes. Seine Vision will in das Leben hineinbuchstabiert werden. Sie will uns frei machen von den Abhängigkeiten, denen wir ausgeliefert sind. Seine Vision ist eine Einladung zum "besser leben, statt viel haben".
Wenn diese Vision Raum greifen soll, dann darf uns nicht egal sein, wie die Räume für die Verkündigung aussehen. Dann sind wir für den Erhalt von Kirchen und Gemeindehäusern, von evangelischen Kindergärten und diakonischen Einrichtungen verantwortlich. Und gerade in der Diaspora braucht es einen guten Partner, der dafür sorgt, dass diese Räume schön und lebendig bleiben. Das tun wir als Gemeinschaft im Gustav-Adolf-Werk. - Pfarrer Enno Haaks

Dienstag, 18. Oktober 2011

Martin-Luther-Kirche in Hainburg/Österreich

Martin-Luther-Kirche in Hainbuch
Es gibt sie immer mal wieder: Kirchbauten in evangelischen Gebieten. In Hainburg in der Nähe Wiens ist nun eine wunderschöne neue Kirche entstanden, die ein lang gehegter Wunsch der dortigen Gemeinde gewesen ist und helfen wird, die Gemeinde zu stabilisieren und zu stärken. Um das ambitionierte Projekt unserer evangelischen Partnerkirche umzusetzen, mußte ein der Gemeinde gehörendes Haus verkauft werden. Die diesjährige Kindersammlung des GAV-Österreich wir einen weiteren Anteil an den Baukosten aufbringen. Bischof Bünker schreibt dazu: "Wenn eine Kirche gebaut wird, soll sie ganz modern sein. Nicht altmodisch. Aber jede Kirche soll so gebaut werden, dass sie uralt werden kann und dabei immer schön bleibt. Damit das gelingt, braucht es gute Architekten und Architektinnen. Die Evangelischen in Hainburg in Niederösterreich haben schon lange auf eine eigene Kirche gewartet. Jetzt ist es möglich geworden, dass eine gebaut wird. Die neue Martin-Luther-Kirche ist von einem berühmten Architekten aus Hainburg gebaut worden. Er heißt Wolf Prix und baut auf der ganzen Welt. Die Kirche ist modern, sie fällt sofort auf. Seht euch doch die Bilder dieser Kirche einmal an! Der Turm hat einen tollen Schwung, das Dach, das aus einem Stück gemacht ist, hat drei runde Öffnungen nach oben. Die Wand zur Straße ist aus Glas. Da gibt es noch viel zu entdecken! Aber ein Kirchenbau kostet natürlich Geld. Die Evangelischen in Hainburg können nicht alles alleine bezahlen. Es ist schön, dass ihnen geholfen wird. Zum Beispiel durch eure Kindersammlung!"

Inzwischen kommen viele Touristengruppen, um die Kirche, die Architekturpreise gewonnen hat, zu bestaunen.

Sonntag, 16. Oktober 2011

150 Jahre GAV in Österreich

Vor 150 Jahren war es für die evangelischen Christen in Österreich schon eine besondere Sache: die Gründung des Gustav-Adolf-Vereins (GAV) in Wien. Seitdem trägt dieser Verein im Leben der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich dazu bei, Kirchgbäude zu bauen und zu erhalten.  Die Bauerhaltung wird maßgeblich vom GAV gefördert. Die Evangelische Kirche mit ihren ca. 320.000 Mitgliedern kann im Grunde nichts dazu beitragen. Damit hat die  GAV-Arbeit in unserer Partnerkirche eine existentielle Bedeutung. Die Spenden dienen dem Erhalt der eigenen Bausubstanz. Der Verein entscheidet mit der Kirchenleitung, welche Projekte Vorrang haben. Bischof Bünker gehört selbstverständlich dem Vorstand an. Über viele Jahre war das GAW Deutschland der größte Spender für die Kirche. Inzwischen werden durch den Projektkatalog noch ca. 40.000 Euro nach Österreich vergeben. Diese Hilfe ist unseren Schwestern und Brüder sehr viel Wert, wissen sie sich dadurch unterstützt und gestärkt und nicht allein. 

Insgesamt sammelt der GAV in Österreich jährlich 300.000 Euro. Durch eine Kindersammlung kommen allein ca. 100.000 Euro zusammen. Viele Evangelische in Österreich kennen diese Sammlung aus Kindertagen. Das verbindet und stärkt den Zusammenhalt.

Samstag, 15. Oktober 2011

"Siebenbürger" Pfarrer in Österreich

"Was würden wir ohne unsere Siebenbürger tun?", kommentierte ein Teilnehmer der Mitgliederversammlung des Gustav-Adolf-Vereins in Österreich, wo in Wien gerade das 150-jährige Jubiläum des Partnerwerkes des GAW stattfindet. "Zwischen 20 und 25 % der Pfarrerschaft sind aus Siebenbürgen", fährt er fort, "sie sind Anfang/Mitte der 90er Jahre gekommen. Damals hat Bischof Knall, der selbst Siebenbürger war, ihnen Arbeitsmöglichkeiten hier geboten. In Deutschland war das schwieriger."
Einer von ihnen ist Pfarrer Michael Welther, der sein Theologiestudium in Hermannstadt und Erlangen absolvierte, wo er ein Jahresstipendium beim Martin-Luther-Bund bekam. Eigentlich wollte er in Siebenbürgen arbeiten. "Wir jungen Pfarrer hatten die Vision, die Kirche nach dem Kommunismus wieder aufzubauen. Aber als bis an die 90 % der Siebenbürger gingen, sahen auch wir wenig Chancen. Zudem wollte mein Frau in der Nähe ihrer Familie in Stuttgart sein. Keiner ist mehr dort von ihnen."
Inzwischen arbeitet Pfarrer Welther schon etliche Jahre in unserer Partnerkirche in Österreich. Und er organisiert Hilfstransporte nach Rumänien. "Das hat in meiner ersten Gemeinde den Horizont erweitert. Es hilft sowohl dort als auch hier in unseren Gemeinden, über den Tellerrand zu schauen." Inzwischen ist Pfarrer Welther auch Obmann des GAV-Österreich im Salzburger Raum. - Pfarrer Enno Haaks

Freitag, 14. Oktober 2011

Kirchenneubau in Oradea/Rumänien

In Oradea/Rumänien baut eine der zwölf reformierten Kirchengemeinden gerade ihren seit vielen, vielen Jahren bestehenden Kirchsaal zu einer Kirche um. Das war dringend nötig, denn die Gemeinde, die vor zwölf Jahren vom Vorgängerpfarrer schon abgeschrieben worden war, ist am Wachsen - dank eines engagierten Pfarrerehepaares, die mit einer Stiftung aktiv im diakonischen Bereich tätig ist. So organisieren sie die Betreuung alter und oft allein gelassener Menschen. "Ich gehe auch hin und versorgen die alten Menschen, wasche sie und wechselt die Windeln", sagt die Pfarrerin. "Das Problem ist, dass viele jüngere Menschen weggezogen sind, um Arbeit in Ungarn, Spanien oder Italien zu finden", ergänzt ihr Mann. "Die Alten bleiben zurück." 
Neben dieser diakonischen Herausforderung, die vom Staat so gut wie kaum unterstützt wird, widmen sie sich engagiert dem Gemeindeaufbau. "Zu Kinderbibeltagen kommen jeden Monat 30 bis 50 Kindern", sagt die Pfarrerin. Deshalb war es notwendig worden, den alten Gebetssaal, in dem alles stattfand, auszubauen und zu erweitern. Neben dem geräumigen Gottesdienstraum entstehen auch Räume für die Arbeit mit Kindern und für die diakonische Arbeit. Noch ist nicht klar, wie das alles finanziert wird. Es geht Schritt für Schritt. Das GAW war vor zwei Jahren schon einmal an dem Bauprojekt beteiligt. Jetzt gab mir die Frauenarbeit des GAW Bremen 750 Euro für die diakonischen Räume des Neubaus mit. 
Schwierig ist es zu sehen, wie nebenan zu gleicher Zeit eine große orthodoxe Kirche mit staatlicher Unterstützung schnell hochgezogen wurde. Am Turm sind Lautsprecher angebracht, die die Heilige Messe übertragen. "Das ist manchmal so laut", sagt der Pfarrer, "sodass wir unseren Gottesdienst kaum fortsetzen können. Dann würde ich gern einen Posaunenchor haben, der auf der Straße "Ein feste Burg" spielt", ergänzt er mit einem Lächeln. In der unmittelbaren Umgebung wurden in den vergangenen sieben Jahren fünf orthodoxe Kirchen gebaut. In den letzten 20 Jahren sind es 4.000 Neubauten geworden. Ein schwieriges und sensibles Thema, das den evangelischen Diasporakirchen sehr zusetzt. - Pfarrer Enno Haaks

Donnerstag, 13. Oktober 2011

"Mutter Gottes" in einer Reformierten Kirche in Oradea

Das war neu für mich: Es gibt tatsächlich eine Reformierte Kirche, in der die "Mutter Gottes" rechts den Abendmahlstisch flankiert und links eine Jesusstatue. Unter dem Abendmahlstisch liegt eine Glocke, die zur Wandlung läutet. Das Geheimnis ist schnell gelüftet, warum das am Stadtrand von Oradea so ist:
Die Reformierte Gemeinde hat hier ca. 180 Mitglieder, die röm.-katholische Gemeinde ca. 50. In den 50er Jahren hatten beiden Gemeinden versucht, eine Kirche zu bauen. Das gelang in der kommunistischen Zeit nicht. So blieb lange ein Fundament. Kurz nach der Wende taten sich die Kirchenvorstände beider Gemeinden zusammen und berieten, wie sie zu einem Kirchraum kommen könnten. Man einigte sich auf eine Kirche, die am Sonntag morgens von den Reformierten genutzt wird, am Nachmittag von den Katholiken. Das Ganze ging mit Kompromissen einher, mit denen jedoch alle gut leben können. Ein Beispiel gelebter Ökumene!
Schwierig ist das Zusammenleben mit der Rumänisch-Orthodoxen Kirche: Nur 5 Gläubige wohnen in der Umgebung. Auch hier wurde eine Kirche gebaut und die Straße bis dorthin asphaltiert. Die weiteren 300 m zu der "ökumenischen Kirche" blieben Schotterpiste. Zudem entstand Ende der 90er Jahre ein Kloster, in dem Nonnen leben, die aus Moldawien hierher gebracht wurden. Das alles in einem ungarisch-reformierten Kontext - nicht einfach ...
Das GAW finanziert den Bau eines Pfarrhauses und eines Gemeindesaals für die Gemeinde im Projektkatalog 2010. Der Bau geht schrittweise voran und soll Ende 2012 fertiggestellt sein. - Pfarrer Enno Haaks

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Ein rumänsiches Kinderheim in Alesd

Dr. Annemarie Sadler ist weit über 70. Nach Ihrer Pensionierung als Kinderärztin in Alesd wurde sie gefragt, ob sie nicht ein Kinderheim übernehmen würde. Damals, Ende der 90er Jahre, sagte sie spontan zu, denn die Not war zu greifen. Es gab und gibt viele Halb- und Vollwaisenkinder. Hier in Alesd entschied sich die reformierte Gemeinde, nur ungarischsprachige Kinder aufzunehmen. Die Gegend war ursprünglich rein ungarisch. Das ist inzwischen anders. Jetzt geht es auch darum, die kulturelle Identität zu wahren und den Kindern zu helfen, ihre Wurzeln nicht zu verlieren. 27 Kinder werden von Dr. Sadler betreut. Das ist nicht einfach, denn für den Jahreshaushalt steuert der Staat noch nicht einmal 10 % bei. Selbst muss sie immer wieder sehen, wie sie die nötigen 45.000 Euro jährlich aufbringt. Das geht nur mit ausländischen Spendern. 
Es ist ein gutes Heim, auch wenn man meinen möchte, man müsse doch alle Kinder aufnehmen. Das ist richtig, und dennoch ist es notwendig, die kulturelle Vielfalt zu erhalten, denn durch die Politik des Staates findet sukzessive eine Art Verdrängung statt. Das ist sichtbar an den vielen neuen Kirchenbauten der orthodoxen Kirche. Diese Bauten werden sehr vom Staat gefördert, denn der orthodoxe Glaube ist quasi Staatsreligion. Eine Gleichbehandlung der Protestanten ist nicht in Sicht.
Das GAW hat die Anschaffung einer Solaranlage für das Kinderheim gefördert, um damit geholfen, die Stromkosten um beinahe die Hälfte zu reduzieren. - Pfarrer Enno Haaks

Dienstag, 11. Oktober 2011

Reformiertes Gemeindeleben auf dem Land

Pfarrer und Kurator - im Hintergrund die Kirche
"Die Pfarrer mit den Kirchen sind auf dem Land die letzten stabilisierenden Institutionen. I.d.R. ist schon alles weg: es gibt keine Läden, keine Polizeistation, keine Krankenstation. Unsere Reformierten Pfarrer sorgen oft dafür, dass das Leben weiter geht: Sie sorgen für den Schulunterricht und oft auch dafür, dass ein Arzt hin und wieder kommt", sagt Dekan Josef Ötvös aus Neumarkt/Tag. Muras. Und in der Tat wirkt das Leben eines reformierten Landpfarrers in einem noch mehrheitlich von Ungarn besiedeltem Gebiet entbehrungsreich und aufopfernd. Man muss die Einsamkeit mögen, darf sich vor handwerklicher Arbeit nicht drücken und übt täglich "einfach" zu leben.
Vor 40 Jahren lebten oft doppelt so viele Einwohner in den Dörfern. Das ist längst vorbei. Das Leben hat sich sehr verändert. Und es ist schwer, von landwirtschaftlicher Arbeit zu leben. Zudem setzt den Dorfgemeinschaften zu, dass orthodoxe Rumänen dazu kommen und an den Rändern der Dörfer auch Roma, die es schwer haben, sich zu integrieren. 
Ein reformierter Landpfarrer einer kleinen Gemeinde verdient oft nicht mal ganz 300 Euro. Damit ist es schwer, auszukommen. Meistens arbeiten die Pfarrfrauen mit.
Eine kleine Dorfkirche haben wir besucht, deren Innenraum in diesem Jahr mit Hilfe des GAW renoviert wird. - Pfarrer Enno Haaks

Die Kirche der Siebenbürger Sachsen

Bischof Guib und Pfarrer Attila Matyas (GAW-Rumänien)
Eine 700-jährige Geschichte liegt hinter den Siebenbürger Sachsen. In Hermannstadt (Sibiu) erzählt ein Museum ihre bewegte Geschichte, wie sie nach Siebenbürgen gekommen sind, wie sie sich niedergelassen haben, ihr Leben entwickelt haben, den Zusammenhalt organisiert und ihre Kirche aufgebaut haben. 

Im 20. Jahrhundert gab es zwei große Auswanderungen: nach dem Krieg wanderten durch Ausbürgerungen, Freikauf etc. schon einmal ca. 170.000 aus, dann nach der Wende noch einmal 90% der noch Verbliebenen. Die Evangelische Kirche A.B. zählt jetzt noch ca. 13.500 Mitglieder. Es ist nicht einfach, von einer volkskirchlich orientierten Kirche hin zu einer kleinen Diasporakirche zu schrumpfen. Viele Wehrkirchen zeugen von der bewegenden Tradition der Siebenbürger Sachsen. Wie soll der Weg weitergehen? Wie will man die Ausbildung des Theologennachwuchses gestalten? Was heißt für die Kirche Mission? Welche Rolle spielen dabei die Schulen, die offen sind für alle und in denen die Pfarrer unterrichten? Welche Rolle spielt die Gemeindediakonie? 
Es gibt Ansätze, sich als Kirche in der rumänischen Gesellschaft neu auszurichten. Die Abwanderung so Vieler schmerzte. Das spürt man durchaus. Wie geht man damit um – sowohl die Gebliebenen, als auch die Ausgewanderten? 
„Wir wollen nach vorne schauen, missionarisch Kirche sein hier vor Ort für und mit den Menschen. Wir können eine gute Alternative in der rumänischen Gesellschaft sein“, sagt Bischof Guib. – Pfarrer Enno Haaks

Montag, 10. Oktober 2011

Lutherischer Gottesdienst in Englisch in Cluj/Rumänien

Rev. Michael Church in Cluj
Er heißt Michael Church und arbeitet nun seit zwei Jahren als Pfarrer der Ev.-Luthersichen Kirche in Cluj/Klausenburg. Er kommt von der ELCA-Synode aus New York. Bischof Deszö Zoltan Adorjani hatte die Idee, in Klausenburg englischsprachige Gottesdienste anzubieten, denn inzwischen gibt es eine Reihe von Studenten, z.B. aus Deutschland, die hier auf Englisch Medizin studieren. In Deutschland haben sie keinen Studienplatz erhalten. Oder es sind Geschäftsleute oder ein nordamerikanischer Basketballprofi. Eine bunte Mischung kam am Sonntag Abend zum Gottesdienst zusammen und Rev. Michael Church leitete lebendig durch die lutherische Messe. 
"Wir brauchen solche Anstöße von außen, um uns nicht in einer konservativen Nische einzurichten", sagt der Bischof Adorjani. Bisher war die Arbeit der Kirche hauptsächlich auf Ungarisch. Inzwischen ist neben dem Deutschen das Englische dazugekommen. Ein gute Weg! "Auch unsere Theologiestudenten sollen diese Gottesdienste von Michael besuchen, um zu sehen, welche andere Formen in der reichen lutherischen Tradition zu finden sind", fährt der Bischof fort. "Zudem müssen alle unsere Theologiestudenten für ein Jahr ins Ausland, um den Blick zu weiten." In den vergangenen Jahren sendete die Kirche jedes Jahr einen Studenten aus ihrer Kirche nach Leipzig. In Klausenburg gab es so u.a. ein Wiedersehen mit Attila, der im vergangenen Studienjahr bei uns in Leipzig war. .- Pfarrer Enno Haaks

Samstag, 8. Oktober 2011

GAW-Fest in Rumänien

Das GAW-Rumänien wurde 2001 als Arbeitsgemeinschaft der vier protestantischen Kirchen in Rumänien gegründet: der Reformierten Kirche Siebenbürger Distrikt, der Reformierten Kirche Westlicher Distrikt, der Evangelisch-lutherischen Kirche und der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien. Die Arbeitsgruppe des GAW-RO besteht aus zwei Vertretern jeder Kirche und kommt jedes Jahr etwa zwei oder drei Mal zusammen, um Projekte zu besprechen. Hauptamtlicher Mitarbeiter ist der Generalsekretär, seit 2002 ist das Pfr. Attila Matyas von der Evangelisch-Lutherischen Kirche. Die Evangelische Kirche A.B. in Rumänien ist durch Bischof Guib und Hauptanwalt Gunesch vertreten.

Die Geschichte des GAW in Rumänien reicht noch weiter zurück. Von den vielversprechenden Anfängen des GAW in Deutschland angeregt wurde 1861 der Gustav-Adolf-Verein der Evangelischen Kirche A.B. für Siebenbürgen gegründet. Nachdem Siebenbürgen 1918 ein Teil Rumäniens wurde, bestand der Verein weiter bis er durch das kommunistische Regime verboten wurde. 

Zum ersten Mal findet nach langer Zeit und nach der Neugründung 2001 ein GAW-Fest statt. Am 8. Oktober wird der Generalsekretär des GAW der EKD in Klausenburg/Cluj in der reformierten Kirche aus diesem Anlass predigen.

Theologische Ausbildung in Estland

Universität Tartu
Die älteste private Hochschule Estlands wurde 1946 in Tallinn gegründet - und das in sowjetischer Zeit! Über viele Jahre wurde hier der theologische Nachwuchs der Lutherischen Kirche Estlands ausgebildet, nachdem die lange Tradition lutherischer Theologie an der Universität Tartu (Dorpat) durch die Sowjets zerstört wurde.  Am 7. Oktober 2011 fand nun in der Johanniskirche in Tartu ein Gottesdienst und Festakt statt, um auf die Neugründung der Theologischen Fakultät Tartu vor 20 Jahren zu erinnern. Der Erzbischof leitete den Gottesdienst.
Das ist ein Grund zur Freude! Dennoch schaut man von außen mit Spannung auf den weiteren Weg des Instituts in Tallinn und der Fakultät in Tartu. Die kleine Kirche braucht eigentlich keine zwei Ausbildungsstätten. In Tallinn hat man jetzt noch einmal eine dreijährige Übergangszeit, um zu überlegen, wie es weitergeht. Die akademische Ausbildung des Theologennachwuchses in Tartu macht Sinn. In Tallinn wird wohl ein Predigerseminar mit Weiterbildungszentrum für alle kirchlichen Mitarbeiter entstehen. 
In der Kirche gibt es eine Minderheit, die eigentlich von akademischer Theologie wenig hält und am liebsten eine Art Kloster abgelegen von den Städten gründen würden. 
Hoffen wir, dass sich die Ausbildung des Theologennachwuchses stabilisiert und auf ein gutes akademisches Fundament Wert gelegt wird. - Pfarrer Enno Haaks

Freitag, 7. Oktober 2011

Ein Wunder in Kambja/Estland

Der ehemalige Stipendiat
Pfarrer Luhamets vor seiner Kirche
Ein ehemaliger Stipendiat des GAW, Pfarrer Kristjan Luhamets, begrüßt uns in Kambja, ca. 20 km von Tartu entfernt. 2003/04 studierte er in Leipzig. Inzwischen ist er fünf Jahre Pfarrer in Kambja, einem Ort mit ca. 800 Einwohnern. 500 Menschen aus dem Ort und der Umgebung gehören zu seiner Gemeinde. 200 zahlten im letzten Jahr den Gemeindebeitrag. Die Gemeinde kann ganz gut überleben und die Unkosten tragen, denn auf dem zurückgegebenen Acker steht ein Sendemast für Mobiltelefone und zudem hat der Pfarrer im Schnitt jede Woche eine Beerdigung, die dann auch entlohnt wird. Hier werden alle kirchlich beerdigt, egal ob in der Kirche, ehemaliger Kommunist o.ä.  Das ist für Pfarrer Luhamets Gemeindeaufbau, denn es kommen wesentlich mehr Leute zur Beerdigung, als zum Sonntagsgottesdienst, wo rund 20-30 Menschen teilnehmen. 
Die Kirche ist groß. In kommunistischer Zeit war sie dem Verfall ausgeliefert. Inzwischen ist sie ein Schmuckstück geworden. Zuletzt hat das GAW im Projektkatalog 2010 den Kirchhof mit restauriert. Davor waren wir auch bei der Errichtung der Kirche beteiligt. Die Kirche gehört hier zum Dorf dazu und stabilisiert das Leben, das auf dem Land nicht einfach ist. 
Dankbar ist die Gemeinde und Pfarrer Luhamets für all die Hilfe, die das GAW hier gegeben hat. Es hat zum Segen gewirkt und Gemeinde wieder aufgebaut. - Pfarrer Enno Haaks

Estland - eine schwierige Geschichte

In der kommunistischen Zeit, als Estland Teil der Sowjetunion war, hatte der lutherische Bischof 1975 eine Dienstreise in den Westen genutzt, um die „Leuenberger Konkordie“ zu unterschreiben. Seitdem gehört Estland zur Gemeinschaft Europäischer Kirchen in Europa (GEKE) – Leuenberger Kirchengemeinschaft. Diese Verbindung hat Estland ein Stück aus der Isolation geführt und Aufmerksamkeit gebracht.

Durch den Einfluss ihrer Oberschicht deutscher Herkunft hat Estland die Reformation so rasch angenommen wie sonst kaum ein Land in Europa. Unter der schwedischen Herrschaft hat sich die lutherische Kirche etablieren können. Und auch als unter dem russischen Einfluss Peter des Großen die orthodoxe Kirche zur Staatskirche erhoben worden ist, hat sich die Mehrheit zur lutherischen Kirche gehalten. „Wir Lutheraner“, so Erzbischof Põder, „verstehen uns in einer kirchlichen Linie von der Christianisierung über die Reformation bis in die Neuorganisation der Volkskirche im 20. Jahrhundert.“ Bis zur russischen Besetzung 1940 sind 85 Prozent der Esten Lutheraner gewesen. Durch den kommunistischen Terror hat Estland ein Fünftel seiner Bevölkerung verloren. Es gab mehrere Deportationswellen. Kaum eine estnische Familie hat kein Opfer zu beklagen. Die vielen deutschen Pfarrer sind schon 1939 ausgesiedelt worden und andere geflohen. In dieser schweren Zeit bis zur politischen Wende war das kirchliche Leben auf den Gottesdienst in den Kirchen beschränkt gewesen und alles andere verboten.
Von den 1,3 Millionen Einwohnern Estlands sind 300.000 Russen überwiegend orthodoxen Glaubens, aber nur noch 160.000 getaufte Lutheraner in 166 Gemeinden. 35.000 Mitglieder zahlen Beiträge. - Pfarrer Enno Haaks

Donnerstag, 6. Oktober 2011

Eine estnische Landgemeinde in Ridala

Kirche in Ridala/Estland
Die lutherische Landgemeinde in Ridala im Westen Estlands ist durchaus typisch für die EELK (Estnisch Ev.-Lutherische Kirche): Man spürt die lange christliche Tradition des Landes - das sieht man an der Kirche, deren Anfänge ins 13. Jahrhundert zurückreichen. Man spürt es durch die Lage - die Kirche liegt mit dem Pfarrhaus allein am Weg, die nächsten Häuser sind in Sichtweite, aber vereinzelt. Man spürt es am durchschnittlichen Gottesdienstbesuch - laut Pfarrer Kari Tynkkynen, einem finnischen Missionar, kommen im Schnitt 10-20 Besucher, an Festtagen natürlich viele.
In Ridala hat das GAW geholfen, das neue Pfarr- und Gemeindehaus beim dringend notwendigen Heizungsausbau zu unterstützen. Das hat gut funktioniert. Die Gemeinde musste Ende der 90er Jahre ein neues Pfarrhaus bauen, da das alte an der Kirche nicht zurückzubekommen war. 
Die Kommune hat ca. 3400 Einwohner. 400 gehören der lutherischen Gemeinde an. 100 bezahlen Gemeindebeiträge. Wenn der Pfarrer nicht aus Finnland bezahlt werden würde, dann würde es gar nicht gehen. - In Sichtweite liegt auch eine baptitische Kirche, deren Anfänge aus der pietistischen Frömmigkeit zurückgehen, die mit den Herrnhutern Zinzendorfs zuammenhängen.
Es ist nicht einfach, unter diesen Bedingungen Gemeinde aufzubauen. - Pfarrer Enno Haaks

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Gespräch mit der lettischen Kirchenleitung

Bei einem abschließenden Gespräch mit der Kirchenleitung der lettischen  luthersichen Kirche unter Leitung von Erzbischof Vanags konnten wir die Projektarbeit des GAW und die Bedeutung für die lettische Kirche noch einmal intensiv erörtern. Bischof Vanags strich ausdrücklich positiv hervor, dass das GAW die einzig verbliebene kirchliche Institution sei, die bereit ist, bei Infrastrukturmassnahmen zu helfen. Bei den über 200 Kirchgebäuden der lettischen Kirche hat das eine hohe Bedeutung, denn die Last der Renovierungen tragen zu müssen sei nicht einfach. Umso wichtiger ist die Bedeutung des GAW. Betont wurde auch, dass hinter jeder baulichen Hilfe die Geschichte der Kirchengemeinde und das Leben der Gläubigen steht, die einen Ort zum Sammeln und zum gemeinsamen Gebet brauchen. In den ländlichen Gebieten sind es fast nur noch die Kirchgebäude, die ein gemeinschaftliches Leben sichern können.
Verschiedene andere Themen wurden angesprochen, so u.a. das Engagement der Frauen im GAW für die Partner. Vonseiten des GAW wurde hingewiesen, dass durchaus irritierend gesehen wird, dass Frauen zum Pfarramt nicht zugelassen werden. Diese Bedenken wurden wahrgenommen.
An der "Kollekte 2017" des GAW zugunsten der Stadtkirche Wittenberg will sich die lettische Kirche beteiligen. - Pfarrer Enno Haaks

Mitgliederversammlung der Evangelischen Partnerhilfe in Riga

Partnerhilfe und
Lettische Kirchenleitung
Das Gustav-Adolf-Werk ist Mitglied in der "Evangelischen Partnerhilfe". Dieser Verein, der im Grunde ein Solidaritätsfonds von PfarrerInnen und kirchlichen Mitarbeitern in Deutschland und Österreich ist, vergibt im Jahr ca. 2 Millionen Euro an PfarrerInnen und Mitarbeiter in unseren Partnerkirchen. Damit ist diese Arbeit eine wichtige Ergänzung für die Partnerkirchen des GAW, denn die Gehälter sind i.d.R. nicht sehr gut. Da kommt die Solidaritätshilfe der Partnerhilfe gut an. Die Arbeit entwickelte sich eigentlich aus der Solidarität der BRD-Pfarrer mit den DDR-Pfarrern. Nach der Wende begann man diesen Fonds dann auf Kirchen in Mittel- und Osteuropa auszuweiten. Inzwischen wird er nur dort eingesetzt.
Die Mitgliederversammlung der Partnerhilfe traf sich jetzt in Riga, um direkt mit Leitenden aus der lettischen und estnischen Kirche Erfahrungen auszutauschen und um zu hören, wie die Mittel in den Kirchen vergeben werden und an wen. Immer wieder muss auch in Deutschland auf die Situation der kirchlichen Mitarbeitenden hingewiesen werden und auf die Bedingungen, unter denen dort Kirche gebaut wird.
Insofern ist die Mitarbeite des GAW und des MLB wichtig, um mit den eigenen Erfahrungen aus den Partnerkrichen hier beratend zu Seite zu stehen. - Pfarrer Enno Haaks

Dienstag, 4. Oktober 2011

Auferstehungskirche in Riga/Lettland

Auferstehungskirche Riga


Ende des 18. Jahrhunderts wurde vom Senat der Stadt Riga verfügt, außerhalb des Stadtgebietes einen Friedhof anzulegen. In der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts kam eine Friedhofskapelle dazu, die Auferstehungskirche, die jetzt mitten auf dem alten, nicht mehr benutzten Friedhof steht. Eine wunderschöne „Parkanlage“ mit alten Grabstätten – teils mit deutschen Inschriften. Bewegend ist der Erinnerungsstein direkt neben dem Kircheneingang, auf dem erinnert wird an die verfolgten, verschleppten und getöteten Pfarrer der lettischen Kirche zur Zeit der Oktoberrevolution und direkt danach. „Das Blut der Märtyrer ist die Saat der Kirche“ ist darauf zu lesen. Direkt dahinter befindet sich die Gedächtnisstätte, in der an die Opfer der kommunistischen Zeit erinnert wird. Viele Letten wurden nach Sibirien verschleppt und kamen dort um. Für die, die zurückkommen konnten, ist dieser Gedenkstein ein besonderer Ort des Zusammenkommens und Erinnerns. Das darf nicht vergessen werden.
In kommunistischer Zeit verfiel die Kirche. Unter vielen Mühen konnte sie wieder hergerichtet werden. In diesem Jahr konnte dank des GAW die Stromversorgung endlich geregelt werden. Im kommenden Jahr wird die Kirche noch einmal gefördert vom GAW, denn jetzt geht es um das Gewölbe und dringende Instandsetzungsarbeiten, um das Gemäuer zu konservieren. Ca. 160 Gemeindemitglieder hat die Gemeinde. 30-50 nehmen am Gottesdienst regelmäßig teil. - Pfarrer Enno Haaks

Mehr unter: www.celies.lv

Montag, 3. Oktober 2011

Situation in Lettland

Die letzte Volkszählung in Lettland fand im Jahr 2000 statt. Damals wurde insgesamt 2,2 Millionen Einwohner gezählt. Inzwischen geht man davon aus, dass es unter 2 Millionen sind. Pessimisten gehen von 1,9 Millionen Einwohnern aus. Diese Volkszählung ist eine Verpflichtung der Europäischen Union gegenüber. Wäre sie nicht durchgeführt worden, hätte es eine Strafzahlung gegeben. Erschreckend ist dabei aber, wie stark sie Zahl die Bewohner zurückgegangen ist. Das hängt sicherlich mit der wirtschaftlichen Situation zusammen. Viele Letten sind ins Ausland gegangen - nach Kanada, Irland, Deutschland und sogar nach Grönland, wie ein Gemeindepfarrer aus der Nähe von Riga berichtete. "Leider gehen oft die, die bei uns auch in den Gemeinden aktiv waren. das ist nicht leicht für uns, die Besten zu verlieren", sagt ein Pfarrer.
In Lettland fehlt es an produzierendem Gewerbe. Das Land ist zur Hälfte mit Wald bedeckt. Das Holz wird allerdings eher verkauft als selbst weiterverarbeitet. Die Landwirtschaft selbst schafft wenig Arbeitsplätze. Die Arbeitslosigkeit liegt z.Zt. bei ca 11 %. Sie lag während der Krise bei über 15 %. Langsam stabilisiert sich das Leben wieder. Jedoch ist es schwierig. Einen ausgebildeten Mittelstand gibt es nicht. 40 % der Bevölkerung gilt als arm. Dazu kommen noch die Fragen des Zusammenlebens mit den über 30 % Russen, die hier leben. Ausgesprochene nationale Auswüchse gibt es nicht. Aber es ist auch nicht leicht, zusammen zu leben. Bei der gerade stattgefundenen Wahl hat die russische Partei eine Mehrheit gewonnen.
In dem allen versucht unsere lutherische Partnerkirche ihren Weg zu finden. Das ist nicht leicht. Zudem kommt es für Partner immer wieder auch zu Verständigungs- und Verstehensproblemen. - Pfarrer Enno Haaks

Kirche bauen und Gemeindeaufbau in Araisi/Lettland

Kirche in Araisi
Die erste Erwähnung einer Kirche im Nordosten Lettlands in Araisi geht auf das Jahr 1225 zurück. Hier findet man eine große lutherische Kirche, die mit Hilfe des GAW ein neues Dach bekommen hat. Die Gerüste sind noch nicht abmontiert. Der Putz der Außenmauern und der Farbanstrich sollen jetzt in Eigenleistung durch die Gemeinde geschehen. "Das schweißt die Gemeinschaft zusammen!", sagte der Kirchenvorstandsvorsitzende. "Es dauert zwar länger, aber es stärkt den Zusammenhalt." 180 Mitglieder hat die Gemeinde zur Zeit, nachdem schon mal ein größeres Wachstum da war. Die Wirtschaftskrise hat viele aus dem Land getrieben. Inzwischen stabilisiert sich das Gemeindeleben. Zum Gottesdienst kommen 30-50 Mitglieder. Auch im Innenraum liegen noch viele Arbeiten vor der Gemeinde. Vielleicht ist es nicht verkehrt, das langsam zu machen und nicht gleich fertig zu sein. Mit dem Gemeindeaufbau ist es ähnlich. Man ist nie fertig, man muss immer wieder sehen, wo die Gemeinde gestützt werden muss, wo "weitergebaut werden muss". Insofern gehört das sichtbare und unsichtbare Bauen direkt zusammen. Auf jeden Fall hat das GAW hier segensreich wirken können. - Pfarrer Enno Haaks

Sonntag, 2. Oktober 2011

Eine besondere Gemeinde in Lettland

Ivanda Ceijere, Evangelistin
Ivanda Ceijere ist Evangelistin in der lutherischen Kirche in Lettland. Damit ist sie eine von vier Frauen, die dieses Amt in der Kirche ausüben. Eigentlich ist es das Amt eines/r Gemeindeleiters/In - eines Pfarrers. Wie von selbst rutscht meinem Begleiter, als er mich auf den Besuch in der Kirche von Augstroze vorbereitet, heraus: "Hier arbeitet eine gute Pfarrerin! Die Gemeinde wächst. Sie macht eine wirklich gute Arbeit und gehört zu unseren Besten!" Ich frage nach: "Pfarrerin?" Denn die lettische Kirche hat höchstens noch eine ordinierte Pfarrerin. Seit Erzbischof Vanags die Kirche leitet, werden keine Frauen mehr ordiniert. Mein Begleiter korrigiert sich schnell: "Ich meine Evangelistin."  Ivanda macht alles, was ein Pfarrer auch macht: Taufen, trauen, beerdigen, konfirmieren, Konfirmandenunterricht, Besuche, Abendmahl austeilen ... - "Abendmahl austeilen?", frage ich ungläubig. "Ja", antwortet mein Begleiter. "Ein Pfarrer konsekriert die Gaben, Ivanda nimmt sie mit in ihre Gemeinde und teilt die Gaben dann aus." - Wie geht das? Wie trennt man die Einsetzung von der Austeilung? Welches Amtsverständnis steht dahinter? Das passt nicht zusammen. 
Die Gemeinde von Ivanda wächst. Beeindruckend war, wieviele Autos an diesen abgelegenen Ort standen. Der Altersdurchschnitt war jünger als gewöhnlich. Hier passiert was. Kein Dorf, das um die Kirche stand, aber ein wunderschöner idyllischer Ort eines ehemaligen Gutes. - Pfarrer Enno Haaks

Samstag, 1. Oktober 2011

NOKIA schließt in Cluj/Rumänien

Was hat die Schließung des NOKIA Werkes in Cluj (Klausenburg) für Auswirkungen auf unsere Partner in Rumänien? Das wird in einer Woche mit Sicherheit die Gespräche in Cluj mit unseren evangelischen Partnern mitbestimmen.
„Was habe ich für eine Hoffnung gehabt, als hier 2200 Arbeitsplätze entstanden!“, sagte frustriert ein ehemaliger Arbeiter der Firma. Vielen geht es ähnlich. NOKIA gibt ausgerechnet das erst vor drei Jahren errichtete Werk im rumänischen Cluj auf, in das 2008 die gesamte Produktion des Bochumer Nokia-Werks verlagert worden war. Damals hatte die Schließung des Standortes Bochum zu großer Kritik geführt, denn der Konzern hatte für das Werk hohe Subventionen kassiert. Ähnliches geschah jetzt in Cluj. – Pfarrer Enno Haaks