Freitag, 30. September 2011

Die Lutherische Kirche in Bolivien

Bolivianische Frauen
Die IELB geht ursprünglich auf Missionare aus den USA zurück, die 1938 in Bolivien eintrafen. Sie gründeten Missionsstationen und später eine Bibelschule. Die 1957 gegründete lutherische Kirche Boliviens wurde formell von Bolivianern, faktisch aber von nordamerikanischen Missionaren geleitet. Im Jahr 1969 beschlossen 39 Pfarrer lutherischer Gemeinden, eine einheimische Kirche zu gründen. Die erste Generalversammlung der IELB fand 1970 statt. 1972 erlangte sie die Unabhängigkeit von der nordamerikanischen Mission und wurde als eigenständige, indigene Kirche rechtlich anerkannt. 1975 trat sie dem Ökumenischen Rat der Kirchen bei, ein Jahr später dem Lutherischen Weltbund. Die Kirche ist zudem Gründungsmitglied des Lateinamerikanischen Kirchenrates CLAI. Die Mitglieder der IELB gehören den indigenen Völkern der Aymara und der Quechua an. Die IELB umfasst ca. 130 Kirchgemeinden, zu denen sich ca. 8.000 Mitglieder zählen. Davon leben 90% in ländlichen Gebieten. 80% der Gemeindemitglieder sind Bäuerinnen und Bauern, Arbeiter und Kleinhändlerinnen und -händler - darunter auch viele Migrantinnen und Migranten. Sie alle sind der sozialen Unterschicht zuzuordnen. Von den insgesamt 146 Gemeindeleitern sind nur 30 ordiniert. Die andern nehmen als Laienprediger die Aufgaben ihrer Kirche wahr. - Das GAW ist seit vielen Jahren mit der IELB verbunden. Insbesondere über Pfarrerin Marianne Wagner aus der Hauptgruppe der Pfalz sind wir gut über die Kirche informiert. Mit Hilfe der Frauenarbeit des GAW konnte ein Büchlein auf Spanisch herausgegeben werden mit Zeugnissen von Frauen der Kirche.

Donnerstag, 29. September 2011

Theologieausbildung in Brasilien

Dr. Schwambach mit seiner Frau
auf Besuch beim GAW
Unsere Partnerkirche in Brasilien, die IECLB, hat drei verschiedene Ausbildungsstätten anerkannt: die älteste ist die EST, die sich seit 1946 in Sao Leopoldo auf dem Spiegelberg befindet. Seit 1986 gibt es eine von der altpietistischen Tradition getragenen Ausbildungsstätte in Sao Bento do Sul, die FLT, deren Anfänge bis 1960 zurückreichen, als sich dort von der Gnadauer Mission eine Bibelschule gründete. Eine weitere Ausbildungsstätte, die allerdings umstritten ist, befindet sich in Curitiba, die von der evangelikalen Bewegung in der IECLB getragen wird. Man hatte ihrer Gründung jedoch zugestimmt, um eine Kirchenspaltung zu verhindern.
Zwischen der EST und der FLT gibt es eine gute Gesprächsebene, denn die FLT will eine Gemeinschaftsbewegung innerhalb der Kirche sein und bleiben und ist gegen jede Tendenz, die Kirchenzusammengehörigkeit in Frage zu stellen. "Wir brauchen die Buntheit in unserer Kirche", so Dr. Schwambach, Leiter der FLT, der die Zentrale des GAW in Leipzig besuchte. Seine Fakultät unterhält u.a. gute Verbindung zur Theologischen Fakultät in Jena, wo ein Kandidat der FLT im Neuen Testament promoviert. Zwei Theologiestudenten konnten von der FLT schon in Leipzig für ein Jahr Theologie studieren. "Diese Zeit hat ihren Horizont erweitert", lobt Schwalmbach. "Sie haben sich sehr weiterentwickelt."
Ebenso wie die EST hat die FLT die staatliche Anerkennung. 65 Studenten studieren zur Zeit dort. Seit der Anerkennung durch die IECLB wurden ca. 60 PfarrerInnen für den Dienst in der IECLB ausgebildet. 750 Pfarrer hat die Kirche insgesamt. Es ist gut, wenn FLT und EST zusammenarbeiten und versuchen miteinander die Kirche zu bereichern. Und gut ist es, wenn das GAW da auch mithelfen kann. - Pfarrer Enno Haaks

Frauenjubiläumstagung in Worms

Annedore Venhaus, Patricia Cuyatti
Seit 125 Jahren ohne Unterbrechung sammeln Frauengruppen in ganz Deutschland für die Jahresgabe der Frauenarbeit im GAW. Ursprünglich hieß sie "Liebesgabe" und drückt aus, was die Sammlung will: praktizierte Nächstenliebe leisten. Dabei standen immer Projekte für Frauen in unseren Partnerkirchen im Zentrum, seien es die Diakonissinen in Brasilien mit ihrer diakonischen Arbeit oder Seniorinnen in Portugal oder oder oder... - die Liste ist lang und umfangreich. Es wurde immenses geleistet.
Jetzt trafen sich nach der Vertretreversammlung in Worms 120 Frauen, um dieses Engagement zu würdigen. Natürlich waren Frauen aus der Diaspora präsent, um aus ihrem Kontext zu berichten. So predigte Annedore Venhaus aus Argentinein im Festgottesdienst. Patricia Cuyatti, ehemals Kirchenpräsidentin in Peru und jetzt Lateinamerikareferntin beim LWB, erzählte lebendig von den Herausforderungen ihrer Arbeit und der Suche, gerade Frauen in Leitungsämtern zu stärken. - Pfarrer Enno Haaks

Montag, 26. September 2011

Vertreterversammlung in Worms

Es ist gute alte Tradition des GAW, dass sich die Vertreterversammlung des GAW jährlich in einer anderen Region der Hauptgruppen stattfindet. So hat das Werk die Chance, sich selbst in einer anderen Region zu zeigen und auf der anderen Seite ein wenig von der Besonderheit einer gastgebende Region und seiner Landeskirche kennen zu lernen. Kirchenpräsident Jung war ein hervorragender Gastgeber, der am ersten Abend der Begegnung mit der Spitze der hessen-nassauischen Kirche einen Einblick in die Besonderheiten seiner Kirche gab. Er erwies sich als guter Freund und Unterstützer der Diasporaarbeit.
Die jährlichen Vertreterversammlungen dienen desweiteren der gegenseitigen Vergewisserung in der nicht einfachen Herausforderung, den Diasporaauftrag immer wieder neu lebendig werden zu lassen. Deshalb ist es gut, wenn Vertreter einer Partnerkirche da sind, um von ihren Erfahrungen zu erzählen und auch Dank zu sagen für treu Unterstützung. In diesem Jahr hatte die Vertreterversammlung Pastorin Annedore Venhaus zu Gast. Sie ist Vizepräsidentin der IERP in Argentinien. Sie erzählte lebendig von ihren Herausforderungen, die in mancher Weise unseren kirchlichen Herausforderungen ähneln unter veränderten Vorzeichen.
Über die Projektförderungen wurde desweiteren befunden und die Summe des Projektkataloges 2013 erneut auf 1,5 Millionen Euro veranschlagt. - Pfarrer Enno Haaks

Donnerstag, 22. September 2011

Trauerfeier für Pastor Helmut Frenz

Am 23. September wird die Trauerfeier für Helmut Frenz stattfinden in der Apostelkirche in Hamburg. Die Altarfenster der Kirche sind eindrücklich. Wie in einer Wolke von Zeugen sind verschiedene Menschen abgebildet: Neben Gandhi und Martin Luther King jr., Anne Frank, Dietrich Bonhoeffer, Oscar Romero und anderen Menschen, die auf verschiedene Weise Vorbilder geworden sind, weil sie sich für Menschrechte eingesetzt haben, weil sie Widerstand geleistet haben, weil sie Glauben aufrecht gelebt haben Eine „Wolke der Zeugen“ (Hebr 12). 
In dieser Kirche nehmen wir Abschied von Pastor Helmut Frenz, der gerade in unserem GAW durch die enge Zusammenarbeit bei der Herausgabe seines Buches ein Stück geistliche Heimat auf seinem letzten Lebensabschnitt gefunden hat. Ein Freund unseres Werkes! 

Vor wenigen Tagen erreichte mich wieder eine Geschichte eines Chilenen, der sein Leben Helmut Frenz zu verdanken hat. Ruben heißt er und lebt in Deutschland. Als er die Nachricht von Helmuts Tod erfuhr, war er sehr aufgelöst. Vor ein paar Jahren saß er mit ihm abends zusammen und hat die alte Geschichte erzählt, wie Helmut ihn in der Küche eines Bekannten versteckt gehalten hätte, bevor er ins Ausland geschleust worden wäre. Helmut konnte sich nicht mehr erinnern - es waren eben so viele, denen er das Leben zurückgeschenkt hatte. Zahlreiche solcher Geschichten gibt es. 
Gut, dass es eine Wolke von Zeugen gibt, von Beispielen gelebten christlichen Glaubens – bei allen Schwächen, die dazu gehören. – Pfarrer Enno Haaks

Dienstag, 20. September 2011

Glaube in Estland

Estland gilt als das am wenigsten religiöse Land der Welt. Laut Umfrage halten weniger als 20 Prozent der 1,3 Millionen Einwohner Religion für einen wichtigen Faktor ihres Lebens. Zum Vergleich: Etwa 70 Prozent der Deutschen stufen sich als religiös ein. Die Gottesdienste sind in Estland nicht gut besucht. Und wenn von Kirche die Rede ist, dann meint man die Gebäude, aber nicht die Menschen, die sich sammeln, um sich an Gottes Wort auszurichten.
Pfarrer Tuhkru
Laut Pfarrer Arho Tuhkru wollten die Esten traditionell wenig mit der Kirche zu tun haben: „Glaube an sich selbst spielt eine wesentlich größere Rolle als der Glaube an Jesus Christus.“ Gleichzeitig blühe jedoch das Heidentum auf und damit verbunden eine aggressive antikirchliche Strömung.
Estland ist sicherlich auch aufgrund der 50-jährigen sowjetischen Okkupation ein säkulares Land geworden. Es hat eine wechselhafte jüngere Geschichte. Bis 1918 gehörte es zum russischen Zarenreich; danach war es zunächst unabhängig. Nach dem Hitler-Stalin-Pakt wurde es 1940 von der Sowjetunion annektiert, dann von 1941 bis 1944 von der deutschen Wehrmacht besetzt. 1944 wurde das Land wieder in die Sowjetunion eingegliedert. Nach dem Niedergang der kommunistischen Herrschaft stellte Estland 1991 seine Souveränität wieder her.
Nach Angaben des Religionsstatistikers Patrick Johnstone sind heute etwa 54 Prozent der Bevölkerung nichtreligiös. Als Christen bezeichnen sich 45,3 Prozent. Den Rest bilden Gruppen von Juden, Muslimen, Buddhisten und anderen. Die größten Kirchen sind die russisch-orthodoxe (66.400 Mitglieder), die lutherische (46.000) und die estnisch-orthodoxe (12.500).

Samstag, 17. September 2011

Nachrichten aus San Martín de los Andes/Argentinien

Aus Argentinien erreichen uns wieder bedrückende Nachrichten. Pfarrer Kalmbach schreibt uns:
Liebe Freunde im GAW, vielen herzlichen Dank für Ihre Mail!, ja, die Situation ist nach wie vor kritisch. Das Thema ist zwar aus den internationalen Medien verschwunden, aber für die Menschen vor Ort hat sich praktisch nichts geändert. Der Vulkan ist immer noch aktiv. Der Flughafen in Bariloche (einer der grössten in Argentinien) ist nach wie vor geschlossen und der ständige Aschenregen bedroht mittlerweile sogar die ganze Flora der Region. Zum einen sind die Pflanzen regelrecht mit Staub zugedeckt, zum anderen kommt das Sonnenlicht nur noch spärlich durch. Sollte sich die Situation in den nächsten Wochen nicht verbessern, wird der Sommer (Januar bis März) zur Katastrophe. Im Moment schneit und regnet es in den Bergen, dadurch wird der Staub etwas gebunden, d.h. man kann sich bewegen, das Leben geht irgendwie weiter....Aber der Sommer ist trocken und heiss, d.h. der Vulkanstaub wird wie ein dichter Nebel die ganze Region zudecken... - Pfarrer Kalmbach

Freitag, 16. September 2011

"glaubwürdig" - Das GAW zum Jahr der Taufe in St. Nikolai Leipzig

GAW-Stand in St. Nikolai Leipzig
"Aus der Taufe leben heißt glaubwürdig leben" - so könnte die vergangene Woche in der Nikolaikirche in Leipzig überschrieben werden. Die Gemeinde öffnete eine Woche lang die Kirche bis 22 Uhr, lud zu Gesprächskreisen, Bibelarbeiten, Tagzeitengebeten ein und warb intensiv in der Leipziger Innenstadt, sich "zur Taufe einladen zu lassen".
Jesu sagt im Johannesevangelium: "Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dem werden Ströme lebendigen Wassers ausgehen." Angestoßen von diesem Bibelwort bat die Nikolaigemeinde das GAW, zwei Projekte zu benennen, für die eine Woche lang geworben werden sollte. So haben wir ein Bildungsprojekt an Romakindern in Serbien und ein Flüchtlingsprojekt in Malaga unserer spanischen Partner eine Woche lang bewerben können und gleichzeitig auf unsere Arbeit hinweisen können. Wer aus der Taufe lebt, der teilt, und gibt ab. "Aus dem fließt es heraus, denn er kann nicht anders als sich anderen zuwenden", sagte eine Teilnehmerin. - Pfarrer Enno Haaks 

Donnerstag, 15. September 2011

Helmut Frenz - Streiter für Gerechtigkeit und Menschenrechte ist gestorben

Der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes (LWB), Pfr. Martin Junge, hat Leben, Wirken und Zeugnis von Propst Helmut Frenz (1933-2011) gewürdigt, der sich in Deutschland und Chile lebenslang für die Menschenrechte engagierte. Junge verwies auf frühe Begegnungen mit Frenz, als dieser in Chile als Gemeindepfarrer wirkte, und kondolierte sowohl persönlich als auch im Namen der lutherischen Kirchengemeinschaft der Familie und dem Freundeskreis des renommierten Kirchenleiters sowie seinen Geschwistern im Amt. Frenz verstarb am 13. September in Deutschland. „Er war ein grosser lutherischer Prophet seiner Generation, ein mutiger und kompromissloser Streiter für Gerechtigkeit und Menschenrechte“, betonte Junge, selbst chilenischer Theologe. In einer vom 13. September datierten Erklärung stellte Junge fest, für Frenz, der 1965 Deutschland verlassen hatte, um bei der Evangelisch-Lutherische Kirche in Chile zu arbeiten, und der 1970 zu deren Propst gewählt wurde, sei der Ruf des Evangeliums, für Gerechtigkeit einzutreten, unmissverständlich gewesen. „Schon vor dem gewaltsamen Putsch vom 11. September 1973 wirkte er in führender Rolle mit an den Leben rettenden Anstrengungen zum Schutz der lateinamerikanischen Flüchtlinge, die in Chile Zuflucht gesucht hatten. Nach dem Putsch war er Mitorganisator der Bemühungen, diejenigen zu schützen, die im Visier des Pinochet-Regimes standen, und das Regime zur Rechenschaft zu ziehen für Folter, ‚Verschwinden’ und Exilierung von Menschen sowie andere schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen“, stellte Junge fest. Frenz war eine bedeutende ökumenische Persönlichkeit Chiles und arbeitete zugunsten von mehr Gerechtigkeit mit der römisch-katholischen Kirche und evangelischen Kirchen zusammen. 

1974 würdigte der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen den Propst mit der Verleihung des Nansen-Flüchtlingspreises. Ein Jahr später erfuhr er, während eines Besuchs am LWB-Hauptsitz in Genf, dass das chilenische Regime ihm nicht erlauben würde, in seine Wahlheimat zurückzukehren. 
Frenz setzte nun sein Engagement für die Menschenrechte in Deutschland fort und war neun Jahre lang Generalsekretär der deutschen Sektion von Amnesty International. 
„In der Folge arbeitete er wiederum im kirchlichen Dienst und setzte sich auch hier für Folteropfer, Flüchtlinge und MigrantInnen in Deutschland und weltweit ein“, stellte Junge fest. Der LWB-Generalsekretär betonte, Frenz habe glücklicherweise das Ende des Pinochet-Regimes noch miterleben können und sei 2001 mit der Ehrenmedaille des chilenischen Parlaments ausgezeichnet worden. Frenz, der davon gesprochen habe, wie Chile ihm ans Herz gewachsen sei, wurde im Jahr 2007 von Präsidentin Michelle Bachelet die chilenische Ehrenbürgerwürde verliehen. „Gott sei gedankt für Helmut Frenz“, schloss Junge.

Freitag, 9. September 2011

Evangelische Diasporakirche in Rumänien - Interview mit Bischof Guib

evangelisch.de schreibt auf ihrer Homepage: "Die Evangelische Kirche "Augsburgischen Bekenntnisses" (A.B.) ist die kleine Minderheit der Lutheraner in Rumänien. Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs hat die Kirche 85 Prozent ihrer Gläubigen durch Abwanderung verloren, heute gibt es noch 14.300 Gemeindemitglieder. Bischof Reinhard Guib ist seit Ende vergangenen Jahres im Amt. Er äußert sich im Gespräch mit evangelisch.de besorgt über die Beziehungen zur orthodoxen Kirche. Diese vertrete "eine Position, mit der wir und die anderen Kirchen in Rumänien sehr schwer zurechtkommen"."
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"Entscheidend ist in den Gemeinden"

""Entscheidend ist aufm Platz." So hat der legendäre Ruhrpott-Trainer Adi Preißler einmal die Diskussionen über Taktik und Mannschaftsaufstellung vor einem wichtigen Spiel seiner Elf beendet. Entscheidend - für die sichtbare Kirche, da wie dort - ist in den Gemeinden", schreibt Arnd Brummer in seinem neuen Buch "Unter Ketzern". 
Damit spricht er aus, was nach evangelischem Kirchenverständnis immer wieder wichtig ist, in Erinnerung zu rufen: Kirche baut sich von unten. Alle übergeordneten Strukturen haben dienende Funktion zur Stärkung der Gemeinden. Deshalb: "Entscheidend ist in den Gemeinden" spricht auch unserem Diasporawerk aus dem Herzen. Unsere Aufgaben ist es und bleibt es, Kirche an der Basis zu stärken, dort, wo Menschen sich treffen, um auf Gottes Wort zu hören, gemeinsam zu beten und Menschen aufeinander zu weisen. Es geht darum Glaube,Hoffnung, Liebe erfahrbar und erlebbar werden zu lassen. - Pfarrer Enno Haaks

Donnerstag, 8. September 2011

Der "once de septiembre" (11. September)

An den 11. September 2001 kann ich mich gut erinnern: Es war mein erstes Jahr in Chile. Ich war gerade im Büro der Verwaltung unserer diakonischen Zentren, da rief mich jemand an und sagte mir: "Schalt den Fernseher an!" Und dann sahen wir gemeinsam, wie ein Flugzeug in den zweiten "torre" flog. All die grausamen Bilder haben sich im Kopf festgesetzt. Abends traf sich die Gemeinde zum stillen Gebet. Es fehlten die Worte.

Zum 10. Mal jährt sich der Jahrestag. Der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes Pfarrer Martin Junge schreibt dazu: „Zehn Jahre schmerzt es mich immer noch, wie viele negative Folgen diese Ereignisse ausgelöst haben und wie viele unschuldige Menschen leiden mussten. Tragischerweise fielen viele, die sich gegen diesen terroristischen Akt gewandt haben, selbst einem vereinfachten Feindbild zum Opfer. Aus Angst und auf der Suche nach Sicherheit haben viele Menschen ihren moralischen Kompass verloren und ließen es zu, vom Bösen überwunden zu werden. Und anstatt die Spirale der Gewalt zu durchbrechen, drehte sie sich weiter. So kamen die Schmerzen von Tausenden und Hunderttausenden noch zu den Schmerzen des 11. Septembers dazu“. Junge mahnte an, den Jahrestag als Gelegenheit zu nehmen, sich an alle Opfer von Gewalt und Krieg zu erinnern und für sie zu beten. Für die in den Medien erwähnten aber auch für die vielen anderen, die im Verborgenen leiden. Wenn man frage, wie die Spirale von Hass und Gewalt überwunden werden könne, so seien für ihn die einzigen Schlüssel zu einer Lösung Dialog, Versöhnung und Zusammenarbeit.

Neben dem Gedenken an die Opfer und die Folgen des 11.9.2001 kommt in Chile das Gedenken an die Opfer und Folgen des 11.9.1973 hinzu. Chile hat offiziell anerkannt, dass weit mehr Menschen als bisher angenommen zu Opfern der Militärdiktatur im Land geworden sind. Eine Regierungskommission hob die Zahl in diesem Jahr auf 40.000 an. Darin sind jene, die gefoltert oder wegen ihrer politischen Einstellung inhaftiert wurden, genau so enthalten, wie die 3.065 Menschen, die von den chilenischen Streitkräften während der Diktatur von Augusto Pinochet (1973-1990) getötet wurden oder verschwanden. Die Gesellschaft ist nach wie vor tief gespalten. Davon zeugen die derzeitigen Demonstrationen im Land. - Pfarrer Enno Haaks

P.S.: Der 11.9.2011 hat in den USA dazu geführt, Bankkonten von Terroristen aufzuspüren. So stieß man u.a. auf ein Konto von einem sog. John Long. Dahinter verbargen sich Gelder Pinochets, die er aus Chile in die USA transferiert hatte. Geklaute Gelder.

Dienstag, 6. September 2011

Kauf von Räumen für die lutherische Gemeinde in Togliatti/Rußland

Die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Togliatti hat es nun endlich geschafft, neue Räumlichkeiten in einem Bürohaus kaufen zu können. Die Gemeinde als auch die diakonische Arbeit finden hier Raum.  Pfarrerin Schiwodjorowa berichtet über den nicht einfachen Ankauf: 

»Liebe Schwestern und Brüder, liebe Freunde,
am 23. August 2011 hat die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Togliatti den zweiten Gemeinderaum in Togliatti gekauft. So ist die Gemeinde jetzt im Besitz von 40,7 qm in einem neuen Bürogebäude im Zentrum Togliattis. Der Preis war sehr günstig und der Kirchengemeinderat sowie auch die Partner haben sich für diese Räume entschieden. Bei der Verwirklichung der Kaufpläne gab es aber viele Probleme und Verzögerungen. Deshalb musste der Kirchengemeinderat nach anderen Räumlichkeiten schauen. Es wurden uns zwei Bürozimmer vorgeschlagen, die zwar kleiner sind, sich aber in dem selben Gebäude auch im Erdgeschoss befinden.
Der Kirchengemeinderat beschloss, folgende Räume zu kaufen: Ein Raum mit 25,5 qm, der 940.000 Rubel kostete (22.882 EUR), und nebenan ein anderer Raum in der Größe von 15,2 qm für 560.000 Rubel (13.916 EUR). Da die Dokumente für den zweiten Raum nicht fertig waren, mussten wir den Kauf in zwei Stufen vornehmen: Am 25. Juni war der erste und am 23. August der zweite Kaufvertrag unterschrieben. Bei der staatlichen Registrierung der Räumlichkeiten in das Eigentum der Gemeinde entstanden Gebühren in Höhe von 60.000 Rubel (1491 EUR).
Die Lage des Gebäudes, in dem wir die Gemeinderäume gekauft haben, ist in der großen Stadt Togliatti sehr günstig, das Haus ist mit allen vorhandenen Verkehrsmitteln gut erreichbar. Die Räume entsprechen den gottesdienstlichen Aufgaben und den diakonischen Aktivitäten der Gemeinde.
Der Kirchengemeinderat dankt alle Partner für die Unterstützung der Gemeinde:
Wir danken der Frauenarbeit des Gustav-Adolf-Werkes, vor allem ihrer Vorsitzende, Frau Vera Gast-Kellert. Von der Frauenarbeit haben wir den Betrag von 15.000 EUR überwiesen bekommen.
Wir danken dem Martin-Luther-Bund und seinem Generalsekretär Dr. Rainer Stahl. Vom MLB wurde uns der Betrag von 15.975 EUR überwiesen.
Wir danken dem Diakonischen Werk der EKD, das den Kauf mit 7488 EUR unterstützte.
Unseren Dank bringen wir mit Versen von Alexandra Poljakova zum Ausdruck. Sie ist elf Jahre alt, von Kindheit an behindert und eines unserer jungen Gemeindeglieder:
›Im Leben ist alles sehr unterschiedlich –
fröhlich und traurig,
farbig und farblos,
lustig und langweilig.
Im Leben hat jeder für sich was gefunden.
Jeder freut sich auf eigene Art.
Der eine freut sich über Pralinen,
der andere über Münzen.
Jeder freut sich am Leben,
wie er möchte, wie er kann.
Jeder kann seine Wünsche verwirklichen
durch die Arbeit, durch die Mühe.
Wenn du gut gearbeitet hast, teile die Erfolge mit deinem Freund,
so wird für dich das Leben fröhlicher.‹
Mit herzlichen Grüßen und vielen Dankesworten verbleiben
Pfarrerin Tatjana Schiwodjorowa.«

Freitag, 2. September 2011

Luthers Stimme in Rom

"Hier in der Diaspora setzt man sich viel intensiver mit dem Glauben auseinander", sagt Pfarrer Jens Martin Kruse, Pfarrer der ev.-luth. Christusgemeinde in Rom.  "Man muss die Hand viel stärker am Puls des Evangeliums haben, um sich seiner religiösen Identität gewiss zu werden." Der Zusammenhalt in einer Diasporagemeinde sei zudem enorm.
Im vergangenen Jahr leitete Pfarrer Kruse gemeinsam mit Papst Benedikt XVI. in der lutherischen Kirche in Rom einen Gottesdienst. Das erregte großes Aufsehen und half auch der lutherischen Kirche in Italien, ihr Profil nach außen zu schärfen. "Wenn der Papst bei denen war, dann können die ja nicht so schlimm sein", so Kruse wurde ihm "von außen" - besonders Katholiken - gesagt.
Das Kirchgebäude der lutherischen Gemeinde wurde in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts vor allem durch die Unterstützung des Gustav-Adolf-Werkes ermöglicht.
In diesem Monat wird der Papst Deutschland besuchen. Dabei wird es auch ein Zusammentreffen mit Vertretern der EKD in Erfurt geben.
Das Gustav-Adolf-Werk ist ein wichtiger Partner im ökumenischen Gespräch. "Erst durch ein Bewusstsein für die Vielstimmigkeit der frohen Botschaft wird ökumenisches Miteinander möglich," so der Präsident des GAW Dr. Hüffmeier.