Mittwoch, 31. August 2011

Nachricht aus der Gemeinde in Moskau

Peter und Paulkirche
in Moskau
In einem Rundbrief aus Samara/Russland erreichen uns Nachrichten, die Anlass zur Sorge um die lutherische Gemeinde in Moskau geben. Nach der Synode der Lutherischen Kirche des Europäischen Russland im März diesen Jahres spitzte sich ein Konflikt um zwei umstrittene Pastoren der Gemeinde zu. Die Ordinationsrechte wurden ihnen vom neu gewählten Bischof Brauer aberkannt, der versucht, dieser Gemeinde eine neue Richtung zu geben zum Wohle der Gemeinde. Das sorgte für viel Unruhe, die immer noch anhalten. Zum Glück gehört die wichtige Peter und Paul Kirche der Gesamtkirche, so dass mit diesem Gebäude der Neuaufbau der Gemeinde hoffentlich gelingen wird. Das ist nicht leicht, denn ein Teil der Gemeinde hat sich zu den beiden ehemaligen Pastoren gehalten und sich von der Kirche getrennt. 

Pastorin Olga schreibt: „Zurzeit hat sich die Situation stabilisiert und alles geht langsam wieder seinen gewohnten Gang. Es waren sehr schwere 6 Wochen für unsere Kirche, aber sie haben uns Synodalen und Pastoren vereinigt und zusammengeschweißt… Jetzt kann man sagen, dass wir eine Kirche, ein Körperteil sind... Dieser Anfang war wie ein Sterben, dass mit vielen Schmerzen verlief, aber auch wie eine Geburt, die auch nicht wehenfrei ist.“ 
Wir hoffen und beten, dass in diesem Geiste die Gemeinde sich stabilisiert, um ihren Auftrag, Gottes Wort zu verkünden, auszufüllen. - Pastor Enno Haaks

Montag, 29. August 2011

Peru in der Drogenfalle?

Peru ist inzwischen zweitgrößter Kokain-Produzent. In dem Andenland spielte die Kokapflanze traditionell eine wichtige Rolle, denn sie gehört zum kulturellen Erbe des Landes. Nur - durch die Entdeckung des Kokains veränderte sich die Bedeutung dieser Pflanze, und damit auch de Verantwortung solcher Länder wie Peru. In der Bekämpfung der Armut gibt es noch sehr viel zu tun. Ein Ausstieg gerade für die verarmten Landregionen, die oft schwer zugänglich sind, hat sich inzwischen die Produktionsfläche für die Kokapflanze auf über 130.000 Hektar erhöht - ein Drittel mehr als 1999. Um der Armut zu entkommen, nutzen viele der 30 Millionen Peruaner die Chance des Kokaanbaus. Während sich die USA auf die Bekämpfung der Drogenexporte Kolumbiens konzentrieren, blüht das illegale Geschäft in Peru. Noch vor sechs Jahren kamen knapp 90 Prozent des weltweit gehandelten Kokains aus Kolumbien, heute sind es nur noch 54 Prozent. Die Lücke wurde zu einem großen Teil von Peru aufgefüllt, dem zweitgrößten Kokainproduzenten der Welt. Gesteuert wird das Geschäft auch mit Hilfe der Drogenkartelle in Mexiko und Kolumbien. 
Für die gesamte Gesellschaft ist das ein große Gefahr. Schlecht bezahlte und schlecht ausgebildete Sicherheitskräfte destabilisieren das Land dadurch, dass sie den Verlockungen der Drogenkartelle wenig entgegenzusetzen haben und häufig Teil dieser Schattenwirtschaft werden. Inzwischen gibt es auch Gerüchte der Verquickung der Partei des Präsidenten mit den Kartellen. Eine schwierige Situation!
Es ist auch schwierig für unsere kleine lutherische Partnerkirche, die besonders in Armenvierteln präsent ist.


Streiks in Chile

Im Jahr 2006 begannen Streiks der Schüler und Studenten, die für ein besseres und gerechteres Bildungssystem kämpfen. Diese Streiks haben in Chile an Dramatik zugenommen. In der vergangenen Woche schloss sich die große und einflussreiche Gesamtgewerkschaft (CUT) den Forderungen an und forderte zudem Veränderungen im Gesundheitswesen und im Arbeitsrecht.
Man hat den Eindruck, dass das alles noch Auswirkungen des Militärregimes und der absoluten neoliberalen Ausrichtung der gesamten Politik sind. Bildung ist ein Gut geworden. Gute Bildung muss man sich kaufen für teures Geld.
Isabel Allende, die Bestsellerautorin, hat jüngst die Streiks in Chile mit den Demonstrationen in England, in Spanien und in Israel in Verbindung gebracht. Da ist mit Sicherheit einiges dran.
Auf evangelisch.de findet sich ein interessanter Artikel zu diesem Kontext:

Samstag, 27. August 2011

Deutsch-lettisches Partnerschaftstreffen

In Handewitt (Schleswig-Holstein) fand Ende August die 5. Deutsch-Lettische Partnerschaftskonferenz statt. Eröffnet wurde sie mit einem feierlichen Gottesdienst in der vollbesetzten Handewitter Kirche, in der der Generalsekretär des GAW die Predigt hielt. 
Das GAW in Nordelbien brachte sich intensiv ein. "Es ist naheliegend", erklärt Uwe Haberland, Vorsitzender des GAW in Nordelbien, "dass wir uns am Gottesdienst für dieses Partnerschaftstreffen beteiligen". Auch aus Handewitts lettischer Partnergemeinde Salacgriva nahm der Pfarrer und ein Mitglied des Kirchenvorstandes teil. 
Ein zentrales Thema war das „Ehrenamt“. In Lettland gibt es das in der Kirche und in der Tradition, es war über viele Jahre im zentralistischen System nicht typisch. „Es fehlen mehrere Generationen Ehrenamt,“ so Haberland.

Dienstag, 23. August 2011

Versöhnung leben - in Jubarkas...

Gedenktafel in Jubarkas/Litauen
"Wie geht es, dass Täter und Opfer gemeinsam in einer Gemeinde miteinander sind?" fragte ich Pfarrer Kairys, als er mir die Geschichte erzählte von seinem jetzigen Pfarrhaus in Jubarkas/Litauen, das in sowjetischer Zeit Polizeistation und KGB-Zentrale war. "Auch aus der lutherischen Gemeinde gehörten welche zu diesem System," erzählt er mir. "Wir haben viel miteinander geredet," erzählt er. "Das war nicht einfach. Die Gemeinde war auch zerstritten, als ich kam. Jetzt geht es. Einfach ist es dennoch nicht."
Ursprünglich wurde als Kirchraum ein heruntergekommener Schuppen benutzt, dessen Fenster mit Gitterstäben versehen sind. "Das war mal das KGB-Gefängnis, sagt Pfarrer Kairys. "Hier wurden in den ersten Jahren des sowjetischen Systems Menschen gefoltert." Inzwischen erinnert eine Gedenktafel an diese Geschichten der Opfer eines menschenverachtenden Systems.
Die Frage, wie man etwas Neues aufbauen kann mit solchen Wunden, wie Täter und Opfer zusammen Zukunft gestalten können, ist schwierig, denn allein Kontakt lässt immer wieder erinnern. Vergebung zu leben, ist dabei nicht leicht. Das fordert Kraft und das Vertrauen, dass es da einen gibt, der größer ist, der uns hilft, Mauern zu überwinden und Versöhnung zu leben. - Pfarrer Enno Haaks

Dienstag, 16. August 2011

Gabrielus in Litauen

Drogen- und Rehabilitationszentrum
Gabrielus in Litauen
"Fürchte dich nicht!" spricht der Erzengel Gabriel zu Maria, die wohl voller Angst erstarrt ist. "Fürchte dich nicht!" so würde Gabriel den 12 Männern zurufen, die in dem Haus, das nach ihm benannt ist, für 1 1/2 Jahre wohnen und arbeiten. "Gabrielus" heißt das Drogen- und Rehabilitationszentrum der Evangelisch Lutherischen Kirche Litauens. Unter Anleitung einer Sozialpädagogin und unter psychologischer Begleitung leben die Männer hier zusammen, um das Leben/ihr Leben neu zu spüren und hoffentlich eine neue Perspektive ohne Angst und Furcht zu erlernen. Gestartet ist das Projekt, als einer der Betroffenen den Diakoniepastor Mindaugas Kairys aufsuchte und anflehte, ihm irgendeine Unterkunft zu geben, nur damit er aus den Bezügen von Sucht und Abhängigkeit herauskommen könnte. Er war ganz unten. Pfarrer Kairys überlegt nicht lange. Er quartierte ihn in einem völlig heruntergekommenen Pfarr- und Gemeindehaus ein. Dort hauste der erste Bewohner den ersten Winter. Bald kam der zweite und dritte Bewohner dazu. Der Zustand des Hauses konnte so nicht bleiben. So wurde nach Helfern gesucht. Das GAW gab Geld für die Dachsanierung. Die Fenster kamen von anderer Seite. Der Innenausbau wird von den Bewohner derzeit selbst geleistet. Dazu gibt es eine kleine Landwirtschaft. 
Hier ist ein Ort entstanden, der hoffentlich den Abhängigen neue Perspektiven gibt, damit sie ohne Furcht weiterleben können. - Pfarrer Enno Haaks

Freitag, 5. August 2011

Neue Saat geht auf in Vilkyskiu/Litauen

Getreidekörner in den Kirchenbalken
In Vilkyskiu/Litauen wird eine Kirche wieder aufgebaut! In den langen Jahren der Sowjetdiktatur war sie ein Getreidespeicher. Dazu wurde der Kirchturm geschliffen und direkt vor dem Kircheneingang eine Getreidewaage für vollbeladene Anhänger errichtet. Sie muß ein erbärmliches und geschundenes Bild abgegeben haben. In das Kirchenschiff wurde eine Decke zur Lagerung des Getreides eingezogen. Dadurch waren die alten mit deutschen und litauischen Bibelversen verzierten Balken verdeckt. Die Decke ist längst wieder herausgenommen. Die Kirchturmspitze ist wieder weithin erkennbar. Jetzt geht es mit Hilfe von EU-Fördergeldern an den Innenausbau, damit hier kirchliches und kulturelles Leben wieder Einzug hält. Es wird hier wieder gebetet, gehört und gesungen in der Hoffnung, dass durch Gottes Wort eine neue Saat aufgeht, die dafür sorgt, dass die Menschen getröstet und gestärkt herauskommen und sich einsetzen für eine gerechter Welt. Spannend war: Gerade durch die Worte "den Menschen ein Wohlgefallen" zog sich ein Riss. In diesem Riss sind noch viele Getreidekörner sichtbar!
Das GAW hat vor Jahren die Sakristei wieder errichtet. Derzeit helfen wir im aktuellen Projektkatalog, das Gemeindehaus wieder funktionsfähig zu machen.