Freitag, 30. Dezember 2011

Aus der Geschichte des GAW - die EvDia

Die Ev Dia
Im Jahre 1919/20 wurde die EvDia (Die Evangelische Diaspora) begründet als Publikationsorgan des GAW. Der Begründer war der damalige Präsident Prof. Dr. Franz Rendtorff, nach dem die Zentrale des GAW benannt ist. Von Anfang an war es als Informations- und Publikationsplattform gedacht, das vertiefende Einblicke auch wissenschaftlicher Art über Diasporafragen und Diasporakirchen gibt. Im Frühjahr 1941 musste auf Anordnung der „Reichspressekammer“ die EvDia eingestellt werden. Damals gab es auf Grund des Erlasses der Nazis ein großes Sterben der kirchlichen Blätter. 
In dem Jahr wurde intensiv über die Situation des GAW und die Auswirkungen der nationalsozialistischen Politik reflektiert. Dr. Karl Goerdeler (1884-1945) war damals stellvertretender Präsident des GAW (seit 1937). Beim 100-jährigen Jubiläum des Werkes 1932 hatte er sich als Bürgermeister Leipzigs sehr für die Ausgestaltung des Festes eingesetzt und sich als guter Freund des GAW erweisen. Er wurde bald – obwohl nationalkonservativer Politiker – zum entschiedenen Gegener des Nazi-Regimes und trat als Oberbürgermeister Leipzigs 1936 zurück, als auf Anordnung der Nazis das Mendelsohn-Denkmal zerstört wurde. 1945 wurde er von den Nazis ermordet als Folge des missglückten Attentats auf Hitler. 1941 schilderte er unverblümt im Vorstand seine Einschätzung, dass der Krieg für Deutschland schlimme Folgen haben wird. Und mit dem Ende Deutschlands sah man die Kirche und damit auch das GAW vor dem Ende. 
Die EvDia wurde erst wieder 1953 aufgelegt (24. Jg.), um den Zusammenhalt des föderalistischen Werkes zu stärken. Es hat eine Zeit gebraucht, sich wieder zu konsolidieren. Nach dem Krieg hat man unter großen Schwierigkeiten das Werk am Leben erhalten und sich insbesondere der Not der Flüchtlinge angenommen. 
Die EvDia ist seitdem wieder regelmäßig erschienen und eine reiche Fundgrube für all die, die sich für Diasporafragen und die Entwicklung unserer Partnerkirchen interessieren. – Pfarrer Enno Haaks

Mittwoch, 28. Dezember 2011

Interview mit Pfarrer Andreas Hess

Im Bulletin der Evangeleischen Kirche der Böhmischen Brüder (EKBB) in Tschechien erschien ein Interview mit Pfarrer Andreas Hess, der jahrelang über das Hilfswerk der Evangelischen Kirche in der Schweiz (HEKS) enge Kontakte nach Tschechien gepflegt hat. Durch gemeinsame Projekte gab es zwischen GAW und HEKS immer wieder enge Verbindungen. 

Lesen Sie das Interview hier:

Dienstag, 27. Dezember 2011

Evangelisch in Belgien

Prof. Dr. Lambers-Petry
Dekanin Prof. Dr. Doris Lambers-Petry der "Faculté Universitaire de Théologie Protestante" aus Brüssel schrieb zu Weihnachten an das GAW einen Gruß, in dem sie sich bedankt für die vielfältige Unterstützung, die die belgischen Protestanten immer wieder durch das GAW erfahren durften. Sie schreibt: "Meine Kollegen und ich schöpfen viel Kraft aus dem Wissen, dass Sie an unseren Bemühungen, in einem Land ganz anderer Prägung eine protestantische Präsenz zu zeigen, Anteil nehmen. Es ist recht schwierig, angesichts der politischen und finanziellen Schwierigkeiten Belgiens einen eigenen Ort der theologischen Bildung und Reflektion zu erhalten. Wenn wir das schaffen, dann ganz gewiss auch Dank Ihrer Mithilfe.
Heute erschien auf der Hompage von evangelisch.de ein Artikel über Protestanten in Ostbelgien:
"Auf ihre Tradition, die bis zu den Anfängen der Reformation zurückreicht, sind die ostbelgischen Protestanten besonders stolz. Die Gemeinschaft ist klein, aber lebendig."

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Weihnachtsgruß aus Brasilien

Aus Brasilien erreichen uns folgende Zeilen von der Obra Gustavo Adolfo (OGA) der Partnerorganisation des GAW in der IECLB in Brasilien: 

„Inmitten all dieser Widersprüche in unserem Leben konnten wir als OGA auch in diesem Jahr die schützende Hand Gottes erfahren. Das hat sich, zum Beispiel, in der grossen Zahl von Beihilfen – von Einzelpersonen, von Gemeinden der EKLBB, sowie von Spendern im Ausland – erwiesen, die es ermöglicht haben, dass wir unseren Dienst tun konnten, nämlich da zu helfen wo Menschen Hilfe brauchten. Daher möchten wir hiermit allen denen unseren herzlichen Dank aussprechen, die uns im ausgehenden Jahr unterstützt haben. Wir können nur unseren Dienst tun, nämlich für den Gemeindeaufbau da zu sein, weil wir von so vielen Stellen, besonders von Euch im Ausland, unterstützt werden. Auch das – die Beihilfe, die wir bekommen und die wir dadurch weitergeben können – ist ein Beispiel für jenes Licht, das trotz und inmitten der Dunkelheit weiterhin leuchtet und das so klar in den Kerzen des Adventkranzes symbolisiert ist. 
Daher wünschen wir Euch allen in dieser weihnachtlichen Zeit was so schön in diesem Lied ausgedrückt ist: Que a luz de Cristo brilhe, nos envolva em amor, e que o seu poder nos venha proteger. Que a luz de Cristo brilhe, nos envolva em amor e que o seu poder nos venha proteger, para sempre e sempre, e sempre, amém. 
Martin Volkman (Generalsekretär der OGA) und Osmar Luiz Witt (Präsident der OGA)"

Ein Weihnachtsgruß von der IERP

Krippendarstellung aus Paraguay
Von René Krüger, Theologieprofessor an der ISEDET in Buenos Aires/Argentinien erreicht uns ein Bild mit einer geschnitzten Krippe, die im 18. Jahrhundert in den Missionsdörfern der Jesuiten und Guarani in Paraguay entstand und sich heute im Museum in Santa María de Fe, Paraguay, befindet. 2002 hat Paraguay diesen Briefmarkenblock mit der Krippe herausgegeben. René Krüger schreibt uns: „Während anderthalb Jahrhunderten stellte das System der guaranitisch-jesuitischen Missionsdörfer eine echte Alternative zur unmenschlichen Rohheit der Behandlung der Indigenen, zur Zerstörung der Natur und zur Ausbeutung aller Schätze dieses Kontinents durch die Kolonialmächte dar. Im Schutzraum jener Dörfer haben ihre Bewohnerinnen und Bewohner bewiesen, dass eine andere Welt möglich ist; eben eine auf Glauben, Liebe, Gerechtigkeit, Respekt, würdige Arbeit, Schutz der Schwachen und Gemeinschaft aller Menschen gegründete Welt. Das alles ist ihnen nicht vom Himmel gefallen, sondern war ein auf Geduld, Ausdauer und Opferbereitschaft von Tausenden von Menschen gegründetes Werk. Zu einer solchen Welt ermutigt uns das Kind in der Krippe, der Mann am Kreuz, der Auferstandene.“

Wie geht es in Kaliningrad weiter?

Propstei Kaliningrad
In diesem Jahr feierte die Propstei Kaliningrad der Evangelischen Lutherischen Kirche im Europäischen Russland ihr 20-jähriges Bestehen. Im Anfang war es Pfarrer Kurt Beyer aus Sachsen, der aufopferungsvoll als Propst lutherisches Leben wieder aufgebaut hat. Danach hat er sich sehr rege um Kontaktpflege zu Spendern bemüht und dafür gesorgt, dass das geistliche Leben weiter wachsen konnte. Dabei ging es am Anfang um den Aufbau „aus Ruinen“. „Es gab dort absolut k e i n e Gemeinden! Es war Stalins atheistisches Musterland. Die Leute, die dann aus Kasachstan usw. kamen, nutzen das Gebiet als Absprung nach Deutschland,“ erzählt Vera Gast-Kellert, Vorsitzende der GAW-Frauenarbeit. „Kaliningrad ist mit nichts anderem zu vergleichen!“ 
Von Anfang an war es nicht leicht, diese Arbeit zu finanzieren. Zum Glück hat die Nordelbische Kirche geholfen und eben das Gustav-Adolf-Werk, vor allem aus Sachsen. Ohne diese beiden Partner wäre es nicht möglich gewesen, neben der Gemeindearbeit auch eine diakonische Arbeit aufzubauen. Keiner war darauf vorbereitet, und die Lage dort war grauenhaft. „Als mein Mann und ich 1993 zum ersten Mal da waren, waren wir nur erschüttert, obwohl wir beide schon viel von der Welt gesehen hatten“, fährt Vera Gast-Kellert fort. „Wir haben immer gesagt, dass man an diesem Gebiet die Sünden des letzten Jahrhunderts in konzentrierter Form erlebt: Folgen des Nationalsozialismus und Stalinismus und Krieg, Militarismus, Umweltsünden wie kaum woanders, ethnische Säuberungen, extreme Verarmung.“ 
Viele Menschen sehnten sich nach geistlicher Erbauung. Vera Gast-Kellert erzählt: „Ich erinnere mich an einen Sonntagmorgen, als nach dem Gottesdienst eine Frau auf mich zukam und sagte: 'Vera, was wäre unser Leben ohne diese Gottesdienste.'“ Es gab nichts! Und jetzt ist es wieder möglich, Gottes Wort zu hören und Glauben zu leben – eben auch auf evangelische Weise. Das kirchliche Leben ist nicht einfach aufrecht zu halten. Es gibt viele Probleme. Geschätzt gehören zur Propstei in Kaliningrad ca. 2000 Mitglieder. Dabei gibt es zahlreiche Pfarrer und Angestellte. Wie sollen die Gehälter bezahlt werden? Wie muss sich die Propstei verändern, damit sie nachhaltig lebensfähig ist? Wie können eigene Mittel generiert werden? 

Das bewegt die Menschen zur Zeit sehr, die sich für die Propstei einsetzen. Und vor allem ist das ein Thema das den zuständigen Bischof Brauer in Moskau umtreibt. - Pfarrer Enno Haaks

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Nachrichten aus Bucaramanga/Kolumbien

Pastor Israel in seiner Garagenkirche, wo Hilfsgüter
gelagert sind
"Die Erde kann das Wasser nicht mehr fassen. Viele Menschen haben ihre Häuser bei Erdrutschen verloren. Bucaramanga war einige Tage abgeschnitten vom Rest des Landes, weil Brücken zerstört sind und Straßen weggeschwemmt," erzählt Pastor Israel Martinez aus Bucaramanga/Kolumbien. "Was könnt ihr tun als kleine lutherische Gemeinde", frage ich Israel. "Wir verteilen Essen, Decken, Zelte. Über Nothilfegelder aus Nordamerika und von lutherischen Schwesterkirchen haben wir Hilfsgüter bekommen, die wir weitergeben." Das sagt er kurz vor dem Weihnachtsfest. Im Hintergrund hört man über Skype Kinderstimmen. Sie spielen in der Kirche. Israel ist dabei, mit ihnen das Weihnachtsfest vorzubereiten. Sie basteln, üben ein Theaterstück ein. Auch das ist eine Hilfe für die von den Überschwemmungen Betroffenen. Wohin mit den Kindern? Wer hat Zeit, wenn man sich wieder um die notwendigsten Lebensbedingungen kümmern muss? Hier springt die Gemeinde ein. 
Als GAW fördern wir die Gemeinde in Bucaramanga. Die kleine Garagenkirche ist viel zu klein. Sie soll erweitert werden. Voller Scham erzählt mir Pastor Israel, wie schwierig es ist, mit den Behörden zurecht zu komen. "Und dann hatten wir noch einen Architekten, der mehr versprochen hat, als er gehalten hat. Er hat uns belogen." Jetzt hat die Gemeinde eine neue Architektin und hofft, mit dem Projekt des Kirchneubaus voranzukommen, in den dann auch Büroräume und die Pfarrwohnung unterkommen sollen. Viel hat die Gemeinde getan, um Flüchtlingen Raum zu geben, die vor dem Bürgerkrieg geflohen sind. Israel ist es sichtbar peinlich, zu erzählen, wie schleppend die Behörden in Kolumbien arbeiten und den Baufortschritt behindern. 
Im März will er mir alles direkt zeigen und erläutern. Und hoffentlich sind wir dann ein Stück weiter... - Pfarrer Enno Haaks 

Dienstag, 20. Dezember 2011

"...um euch zu stärken" - Material für die Konfi-Gabe ist da!

Heute ist die neue CD mit dem Material für die Sammlungen der Kinder-, Jugend- und Konfirmandengabe angekommen! Unter dem biblischen Motto aus dem Römerbrief "...um euch zu stärken..." sollen Kinder, Jugendliche und Konfirmanden ermutigt werden, sich für unsere Diasporapartner diesmal in Slowenien und in Ungarn einzusetzen, sich zu informieren und für die Projekte der Jugendarbeit in den beiden Ländern sich zu engagieren. Als evangelische Minderheit ist man auf die Unterstützung und Stärkung der Partner in Deutschland angewiesen. Das wusste schon Paulus, der seine Missionsreisen und Besuche als Stärkung und Motivation sah, im Glauben die Partner zu stärken. Das tut not! Das ist wichtig! Und wichtig ist es dabei, gerade evangelische Minderheiten nicht aus dem Blick zu verlieren.
Die CD bietet viele Infos über die beiden Partnerländer und über die Projekte an. Dazu sind wieder Unterrichtseinheiten und Gottesdienstentwürfe entstanden und vor allem eine Powerpoint, die umfassend auf die Arbeit des Gustav-Adolf-Werkes hinweist. Ab sofort kann das Material in der Zentrale des GAW bestellt werden (info@gustav-adolf-werk.de).

Montag, 19. Dezember 2011

Andine Theologie in Bolivien


Publikation von ISEAT
Seit den 90erJahren haben sich verstärkt indigene Theologien in Lateinamerika etabliert, die versuchen, unter den lateinamerikanischen Bedingungen andine Traditionen und christlichen Glauben in einen fruchtbaren Dialog zu bringen. Ein Beispiel findet sich dafür zum Beispiel in Bolivien, wo Josef Estermann am Ökumenischen Institur für Andine Theologie (ISEAT) unterrichtet. Er berichtet: „Die meisten StudentInnen hier haben eine doppelte Identität. Einerseits sind sie voll und ganz ChristInnen und bereiten sich gar auf ein kirchliches Amt vor. Anderseits sind sie ebenso leidenschaftlich Angehörige der andinen Kultur und Religiosität.“ Diese beiden Seiten miteinander zu verbinden, ohne die eigene Symbolwelt zu verleugnen, sei das eigentliche Anliegen der andinen Theologie. In dieser Hinsicht kann man von einem befreiungstheologischen Ansazt sprechen. Dadurch entwickelt sich auch ein neues Selbstbewusstsein der Mitglieder gerade indigener Kirchen. Unter dem Stichwort Inkulturation fragt diese Theologie, wie die christliche Botschaft in den Lebensgemeinschaften indigener Gemeinschaften lebendig werden kann, ohne die alte tradierte Kultur völlig ablegen zu müssen, in der es viel stärker um gemeinschaftliches Leben geht und eine Versöhnung mit der Schöpfung. Ebenso wird in der indigenen Theologie nachgedacht über Marginalisierung und Unterdrückung der indigenen Kulturen Lateinamerikas. Gleichzeitig wird dabei über Strategien der Befreiung nachgedacht, die den traditionellen Lebens- und Glaubensvorstellungen entsprechen. Wesentlich ist dem Denken dieser Theologie, dass alles mit allem zusammenhängt und in Beziehung steht und auf Harmonie angewiesen ist. In dieser Vorstellung wird auch das Gottesbild gedacht als das sich "Beziehende". Von daher wird einer eurozentristischen Theologie, die sehr auf die Erlösung des Einzelnen zielt, gewehrt. „Ich sehe die wachsende Begeisterung bei den jungen Leuten, die sich an diesem Austausch beteiligen“, sagt Josef Estermann. „Ich bemerke, wie sich die Spannung löst und Befreiung sich breit macht. Denn die meisten bedrückt das scheinbar unlösbare Dilemma zwischen andiner Kultur und christlichen Wertvorstellungen schwer.“




Samstag, 17. Dezember 2011

Sonja Skupch aus Argentinien zu Besuch in Deutschland

Sonja Skupch, Generalsekretärin der IERP
Die 35jährige Generalsekretärin der Iglesia Evangelica del Rio de la Plata war im November zu besuch in  Deutschland und hielt auf der Synode der Westfälischen Kirche ein Grußwort. Sie sagte: "Die Evangelische Kirche am La Plata ist eine unierte Kirche zwischen Lutheranern und Reformierten in Südamerika. Unsere Gemeinden befinden sich in Argentinien, Paraguay und Uruguay. Wir sind eine Minderheitskirche, die in einem stark katholischen Kontext auf ein enormes Gebiet verteilt ist. Das ist sowohl unser Reichtum als auch unsere ständige Herausforderung. Die Kirche stammt aus den Immigrationswellen Europas, vorwiegend Deutschland, Russland und der Schweiz der zweiten Hälfte des XIX. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des XX. Jahrhunderts. Die Evangelische Kirche am La Plata hat sich im Laufe der Jahre und besonders nach dem Jahr 1965, in dem die Kirche eine eigenständige Kirche geworden ist, im lateinamerikanischen Kontext verwurzelt. Wir schätzen unsere Geschichte, schätzen unser theologisch und ekklesiologisches Erbe, dass der Reformation entstammt, sind uns aber zur gleichen Zeit all unserer aktuellen und kontextuellen Herausforderungen sehr bewusst und wollen in der argentinischen, paraguayischen und uruguayischen Wirklichkeit ein prophetisches Wort haben. Die Evangelische Kirche am La Plata versteht sich als eine Kirche, die auf der Suche neuer Wege ist. Wir suchen neue Wege der Mission, neue Wege der Diakonie, neue Wege des Selbstverständnisses unserer Kirche, ein neues Gefühl des Zugehörens unserer Mitglieder. Zum Teil haben wir schon potentiell neue Wege gefunden, zum Teil sind wir noch auf der Suche." Zu den potentiellen neune Wegen gehört mit Sicherheit die im Oktober 2010 gelungene Fusion zwischen der unierten IERP und der reformierten Kirche in Argentinien. Dort wurde erklärt: „ Wir verstehen die Vereinigung der Kirchen als göttliches Mandat, für welches Anstrengung und Arbeit erforderlich sind. Dieser evangelische Wunsch ist in unserem allgemeinen, universalen Glaubensbekenntnis und in den von unseren Kirchen angenommenen Glaubenserklärung vorhanden. Dieser Wunsch ist nicht nur Jesu Christi Auftrag, sondern auch ein Zeichen von Brüderlichkeit, Zeugnis und Wille zu dienen, den wir an die Welt verkündigen. Dieser Eingliederungsprozess, den wir mit der Vereinigung unserer Kirchen verstärken wollen, steht nicht nur den aus der Reformation enstandenen protestantischen Kirchen offen, sondern auch denen, die weit über das Bekenntnis unserer Konfession hinaus, sich mit dem selben Einheitsgeist unter der versöhnten Vielfältigkeit des Evangeliums des Kreuzes anschliessen wollen.“ Und der Kirchenpräsident Carlos Duarte schreibt weiter: "Was die Vertretung in den verschiedenen ökumenischen Organisationen, an denen wir teilnehmen, betrifft, haben wir beschlossen ab dem 1. Januar 2012 eine einizige Repräsentation weiterzuführen, um Verdoppelung der Bemühungen zu vermeiden, und unsere Einheit in Christus nochmals deutlich zu unterstreichen."
Das sind gute Entwicklungen, die wir als GAW unterstützen. Sicherlich wird sich in den kommenden Jahren einiges tun in der Kirche. Auch hier wachsen die traditionellen sog. "historischen Kirchen" nicht, sondern stagnieren. Wir wollen von seiten des GAW das Notwendige tun mit den Partner, wie z.B. der Westfälischen Landeskirche, die IERP bei allen Veränderungen zu begleiten und zu unterstützen.

Freitag, 16. Dezember 2011

Advents- und Weihnachtsgruß aus der ELKER

Bischof Brauer von der Ev.-Lutherischen Kirche im Europäischen Russland schreibt in seinem Advents- und Weihnachtsbrief Folgendes:
Bischof Brauer
" In diesem Jahr ist viel mit Gottes Hilfe gemacht worden. Wir haben unsere Kirche konsolidiert und eine neue Vision erarbeitet. In diesem Jahr ist mehr Aufmerksamkeit unseren schwächeren Gemeinden geschenkt worden: z.B. den Gemeinden in der Zentralen Propstei – wir haben wieder eine Bewegung hier, obwohl die Zeit der Stagnation in diesem Gebiet lang war. Wir haben wieder Gottesdienste mit Pastoren in Smolensk, wir machen weitere Pläne der Restaurierung der Kirche in Jaroslawl und die Entwicklung des Pfarrdienstes, im nächsten Jahr sammeln wir alle Gemeinden der Zentralen Propstei auf dem Kirchentag der Zentralen Propstei. Es gibt auch eine stabile Entwicklung im Wolgagebiet. Vor kurzem hat die Gemeinde zu Samara ihr 20-jähriges Jubiläum gefeiert, diese Gemeinde wächst, sie hat auch den ganzen Kirchenkomplex zurück erworben, die Gemeinde hat 12 Jahre dafür Dokumenten gesammelt und an die Türe verschiedener Behörden geklopft. Jugendarbeit und Frauenarbeit in unserer Kirche entwickeln sich in einer positiven Richtung. Es gab in diesem Jahre Jugendseminare, die von der Beauftragten für die Jugendarbeit Julia Dobrinina organisiert wurden, und ab diesem Jahr haben wir eine neue Koordinatorin der Frauenarbeit in der ELK ER Elena Bondarenko. Sie hat das Frauenseminar der Propstei Nordwest Russlands durchgeführt und zusammen mit Pastorin Olga Temirbulatowa ein Treffen von Pastorinnen und Predigerinnen der ELK ER organisiert. 

Es gibt eine Bewegung in unserer Kirche. Es gibt neue Ereignisse, neue Ideen, neue Entwicklung. Das kann man sogar an der Innenausstattung unserer Kirchen sehen: eine neue Orgel in Kasan, ein neuer Altar in Moskau. Das ist eine grosse Freude für uns, und auch ein Grund zur Dankbarkeit. Wir danken dafür unseren Herrn, dessen Geburt wir bald feiern werden, und auch allen Freunden unserer Kirche, die uns an schwersten Tagen unterstützt haben. Vielen Dank für alle Ihre Hilfe!"

Dienstag, 13. Dezember 2011

Projektkatalog 2011 erfüllt!!!

Projektkatalog des GAW
„Der Dienst dieser Sammlung hilft nicht allein dem Mangel der Heiligen ab…“ (2. Korinther 9,12) 
Im zweiten Brief des Paulus an die Korinther bittet Paulus die von ihm gegründeten Gemeinden um Solidarität mit den Schwestern und Brüdern in Jerusalem. Er nennt sie „Heilige“. Er bittet um ein Zeichen der Verbundenheit. Für ihn ist das u.a. eine Kollekte. Er will damit die Verbindung im Glauben ausdrücken zwischen seinen gegründeten Gemeinden mit den Schwestern und Brüdern in Palästina. Das Gustav-Adolf-Werk setzt sich jedes Jahr ein bestimmtes Ziel, das erreicht werden soll. Im Jahr 2011 waren das 1,6 Millionen Euro. Alle Hauptgruppen machen sich diese Verpflichtung zu eigen und tun ein Möglichstes, dass das Geld zusammen kommt, damit die Partner in der weltweiten Diaspora ihre Projekte gefördert bekommen. Das Ziel haben wir in diesem Jahr zum 3. Advent erreicht und sind dankbar für die Solidarität mit den Diasporapartnern! Wir sind sicher, dass diese Hilfe nicht allein unseren Partnern zugute kommt, sondern immer auch dem, der sammelt und dem, der gibt. – Pfarrer Enno Haaks

Freitag, 9. Dezember 2011

Neues Religionsgesetz in Kasachstan

Bischof Nowgorodow aus Kasachstan (2 von rechts)
Bischof Juri Nowgorodow von der Ev.-Lutherischen Kirche in der Republik Kasachstan besuchte im Dezember die zentrale im GAW und berichtete ausführlich über das vom kasachischen Präsidenten Nazarbayev am 26. Oktober 2011 unterzeichnete „Gesetz über religiöse Aktivitäten und religiöse Vereinigungen“. Das neue Gesetz zwingt alle in Kasachstan existierenden Religionsgemeinschaften, binnen eines Jahres den Antrag auf erneute Registrierung zu stellen, und beschränkt diese Möglichkeit auf Gemeinschaften mit mindestens 50 Mitgliedern. Wird eine Gemeinschaft nicht erneut registriert, so ist es ihr verboten, religiöse Literatur im Land zu veröffentlichen, nach Kasachstan zu importieren oder dort zu verbreiten. Einige Bestimmungen des neuen Gesetzes erscheinen offen für Interpretationen. Sie ermöglichen die strenge Überwachung religiöser Aktivitäten, zwingen Missionare zur jährlichen Erneuerung ihrer Registrierung und gewähren Behörden weitreichende Befugnis, den Import religiöser Literatur zu gestatten oder zu verbieten. Bischof Nowgorodow äußerte sich besorgt über diese Entwicklungen. „Eigentlich zielt das Gesetz besonders gegen radikale Islamisten, die aber schon immer im Verborgenen gehandelt haben.“ Für die lutherische Kirche wird es nicht einfach, denn um landesweit sich registrieren lassen zu können muss man in jeder Region präsent sein und insgesamt mindestens 5.000 Mitglieder nachweisen können. Das ist unmöglich. Dennoch gibt es einen weg. „Wir werden erst einmal auf der Ebene der Oblasten sechs Gemeinden registrieren, die alle mindestens dann 200 Mitglieder haben werden. Zudem wird die Gemeinde in Astana den Titel der Kirche insgesamt tragen und der Bischof die Gemeinde vor dem Staat repräsentieren.“ Das Ganze ist erneut Gebührenzahlungen verbunden. Alle Kirche, Häuser, Autos müssen erneut registriert werden. Insgesamt kommen auf die kasachische Kirche ca. 13.000 Euro zu.

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Deutsche Gemeinde – die am schnellsten wachsende Gemeinde in Estland


Am Erntedankwochenende wurde der 20. Jahrestag der Wiedergründung der Deutschen Erlösergemeinde gefeiert. Im Frühjahr 1991, kurz nach der Wiedervereinigung Deutschlands und der Unabhängigkeitserklärung Estlands, wurde die Gemeinde wiedergegründet. Dabei gehörten damals viele Russlanddeutsche, einige Baltendeutsche und einige weitere Deutsche zur Gemeinde. Am Anfang zählte die Gemeinde ca. 500 Gemeindeglieder. In der Mitte der 1990-er Jahre sind dann aber Russlanddeutschen zum größten Teil ausgewandert. Die Gemeinde schrumpfte drastisch. Pfarrer Matthias Burghardt freut sich nun aber, dass die Mitgliederzahl in den letzten Jahren wieder von 20 auf 80 gestiegen ist: “Als ich kam, wurden die Gottesdienste einmal im Monat in Tallinn und zweimonatlich in Tartu und Viljandi gefeiert. Jetzt gibt es alle zwei Wochen in Tallinn Gottesdienst. In Tartu findet monatlich ein Gottesdienst statt, bei großen Festen auch öfter. Auch der Stand der Gemeinde hat sich gebessert. Denn die Deutsche Gemeinde ist nun ein fester Begriff bei Firmen und Behörden, wo Deutsche arbeiten. Ein Potential stellen auch die Deutschen dar, die nur hier paar Jahre in Tallinn arbeiten. Wir nehmen sie gerne auf, denn sie haben hier einen christlichen und sozialen Bezugspunkt. Die Gemeinde ist bunt: Es gibt Esten und Deutschen, aber auch eine Gruppe chinesische Studenten, die daran interessiert sind, Deutsch zu lernen. Die Menschen kommen zu uns, weil wir eine freundliche Atmosphäre bieten. Ich stehe immer zu Gesprächen bereit. Neben Deutsch sprechen wir auch Estnisch und Russisch. Auch wird an alle Altersgruppen gedacht.“ 
Die Gemeinde hat ihre Räume in Altstadt Tallinn, Tolli 4. Die Gottesdienste finden in der Schwedischen Michaeliskirche statt. Für die Zukunft träumt die Gemeinde von einem eigenem Haus und einem Pflegeheim.

Montag, 5. Dezember 2011

Evangelisch in Österreich

Weithin steinig war der fast 500 Jahre lange Weg der Evangelischen Kirche in Österreich – umso wertvoller ist es ProtestantInnen jetzt, seit 1961 als »freie Kirche in einem freien Staat« zu leben… Jörg Mauthe, Stadtrat und Schriftsteller, antwortet in seinem letzten Buch »DEMNÄCHST oder Der Stein des Sisyphos« seinem Sohn Philipp auf die Frage »Warum hast du so viel Wert darauf gelegt, Protestant zu sein? Und dass auch wir welche sind?« Und Mauthe antwortet ihm mit einem Hinweis auf die Geschichte und sagt dann: »Es wäre ihnen besser gegangen, wenn sie sich angepasst, auf Priester statt auf Pastoren gehört, wenn sie sich eine andere Sprache zugelegt hätten. Das haben sie nicht getan, und wozu hätten sie all das auf sich genommen, würdet ihr, meine Söhne, es jetzt abstreifen, mehr oder weniger leichthin, weil so was heute ja keine große Rolle mehr spielt und die Frage, ob das Abendmahl in dieser oder jener Form verabreicht werden sollte, ja wirklich ein fast schon skurriler Anachronismus ist? Ihr würdet das Leid und die Hoffnung und die Erduldungen unserer Vorfahren im Nachhinein sinnlos machen und ein Muster aus dem Teppich der Geschichte tilgen.« Die Muster im Teppich der Geschichte: Zuerst mit und nach der Reformation ein blühendes Kirchenwesen, dann ab 1576 zwei Jahrhunderte, also 4 oder 5 Generationen Gegenreformation, erst ab 1781-83 die Toleranzpatente: Duldung. Am Fleischmarkt in Wien, gegenüber dem Griechenbeisl, ist auf dem Haus Nr. 18 über dem dritten Stock die folgende Inschrift zu sehen: »Vergänglich ist dies Haus, doch Josephs Nachruhm nie. Er gab uns Toleranz, Unsterblichkeit gab sie!« Endlich konnten die »Akatholiken«, Lutheraner und Reformierte, endlich konnten sie wieder den »richtigen« Gottesdienst feiern, ohne dafür verfolgt, bestraft, deportiert, getötet zu werden. Endlich frei, endlich wieder den Gottesdienst, endlich wieder Abendmahl mit Brot und Wein, die Wegzehrung ins Himmelreich! Es war freilich eine kleine Freiheit: Erlaubt waren nur Privatgottesdienste, Bethäuser mussten sich unscheinbar in das Stadtbild einfügen, Zugang zum Betsaal nur über den Hof, kein Turm, keine Glocken. Am Haus Nr. 18 in der Dorotheergasse, der Lutherischen Stadtkirche, ist das heute noch zu sehen: Zugänge nur über die Seitenhöfe rechts und links. Aber: Sie haben nicht aufgegeben, diese Protestanten. Viele waren 1848 bei der Revolution mit dabei. Mit dem Protestantenpatent von 1861 haben sie (fast) volle Gleichberechtigung erreicht. Das wurde überall gefeiert, endlich konnte sich die Evangelische Kirche entfalten. Allerdings die staatliche Genehmigung war erforderlich für die Gründung von Gemeinden, den Kirchenbau, die Errichtung von Schulen, die Bestellung von Pfarrern, von Senioren und Superintendenten und für die Einberufung der Synoden und der Generalsynode. Erst 1961 hat das Protestantengesetz von Heinrich Drimmel die volle Freiheit gebracht, die freie Kirche im freien Staat. Eine unglaubliche Erfolgsgeschichte, ein überall anerkanntes Erfolgsmodell, dieser Geschichtsteppich, ein Grund zum Feiern allemal. Mit einem solchen Teppich kann man Verschiedenes tun: Man kann sagen: »Alles passt« und ihn ins Museum hängen. Man kann auch trefflich darauf schlafen. Besserwisser können verlangen, dass Manches umgewebt werden muss, dass andere Quasten dran müssen - man nennt das »Änderung der Kirchenverfassung«. Zugegeben, manche Muster sind noch nicht ganz fertig, noch sind in den Synoden viel zu wenig »Laien«, da gehören deutlich mehr hinein. Jedenfalls aber kann man, können wir, ihn auch als fliegenden Teppich verwenden, als Ausgangsbasis für die Zukunft: Wahlen stehen an, Besatzungen für den Teppich werden gebraucht! Der Teppich, das Webmuster unserer Geschichte, gibt dazu Mut, also auf! 

MMag. Robert Kauer jun. ist evangelischer Theologe und Jurist und war bis 2006 juristischer Oberkirchenrat der Evangelischen Kirche in Österreich. 

Quelle: Magazin »Evangelisches Wien«, 
Ausgabe September 2011, Seite 6/7

Freitag, 2. Dezember 2011

Die lutherischen Gemeinden in Osorno/Chile

Osorno - Kirche der Gemeinde La Paz (IELCH)
Lutheraner in Osorno gibt es seit 1846 mit dem Beginn der deutschen Einwanderung nach Chile. 1854 wird zunächst eine deutsche Schule gegründet. 1863 gründete sich eine dt.-evangelische Kirchengemeinde. Und so ist es auch lange Zeit: die Gemeinde ist deutsch. 
Nachdem sich die kongregationalistisch ausgerichteten Gemeinden Anfang des 20. Jahrhunderts langsam zu einer Synode vereinigen und auch zunächst sehr deutsch sind, wird Mitte der 50er Jahre der Name der Kirche geändert in Iglesia Evangelica Luterana de Chile. 
Vor dem Militärputsch begann man in Osorno mit einer Arbeit für Chilenen: in erster Linie in Armenvierteln. Das war möglich durch die Entsendung eines nordamerikanischen Pastors, der von einer Missionsgesellschaft beauftragt war innerhalb der IELCH Missionsarbeit an Chilenen voranzutreiben. Daraus ging die kleine Gemeinde La Paz (der Frieden) hervor. 
Nach wie vor ist es eine kleine Gemeinde, die von der deutschstämmigen Brasilianerin Izani Bruch geleitet. In dem vom GAW herausgegeben Heft „Mutig leben – Frauen in Chile“ ist sie porträtiert und hat einen Artikel geschrieben. (Zu bestellen für 2,50 Euro beim Verlag des GAW in Leipzig). Die Spaltung der Lutheraner in Chile 1974 erlebte man in Osorno schwierig: da die große reiche deutsche Gemeinde - da die kleine arme Missionsgemeinde. Diese Polarisierung reicht bis heute. Aber dennoch arbeiten die beiden Pastoren zusammen. Es gibt den Plan beider lutherischer Kirchen (CILCH), sich bis 2014 zu vereinigen. Im Projektkatalog 2012 wird für die Sanierung des Pfarrhauses in Osorno gesammelt. - Pfarrer Enno Haaks

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Kirchdachsanierung in Virbalis/Litauen


Kirche in Virbalis
Virbalis (Wirballen) liegt in Litauen östlich der Grenze zur russischen Kaliningrader Oblast. In dem Ort gibt es eine lange lutherische Tradition. 1831 wurde hier eine eigenständige Kirchengemeinde gegründet. 1878 erhielt die Gemeinde eine eigene Kirche. In der kommunistischen Zeit wurde sie enteignet und durch eine Kolchose zu einem Düngemittellager umfunktioniert. Sie hat in dieser Zeit durch die Zweckentfremdung erheblich gelitten. Seit 1994 gibt es wieder eine lutherische Gemeinde. 1998 wurde endlich das beschädigte Kirchgebäude zurückgegeben. 2000 wurde die Kirche wieder geweiht – auch unter den schlimmen Bedingungen.
Nach und nach soll die Kirche saniert werden. Die Zwischendecken für die Lagerung der Düngemittel sollen herausgenommen werden, die zugemauerten Fensternischen wieder geöffnet werden. Was aber zunächst notwendig war, das war die Sanierung und Sicherung des Daches. Dabei hat das Gustav-Adolf-Werk erheblich mitgeholfen, wie man auf dem Foto erkennen kann. - Pfarrer Enno Haaks

Mittwoch, 30. November 2011

Lutheraner in Peru

Zur Geschichte der lutherischen Kirche in Peru, mit der wir als GAW partnerschaftlich verbunden sind, liest man auf der Homepage der Kirche Folgendes:
Foto von der Synode der ILEP im Jahr 2011
"Die erste lutherische Gemeinde entstand Ende des 19. Jahrhunderts, aber erst in den Fünfziger Jahren (1953-1954) etablierte sich die Ev.-luth. Kirche Perus (Iglesia Evangélica Luterana en el Perú) die als deutsch-sprachige Auslandsgemeinde und Partnerin der EKD existiert. Mithilfe des ELMs gab es Bestrebungen eine Spanisch-sprachige Arbeit für die peruanisch sozialisierten Nachkommen der Deutschen Gemeinde zu beginnen. In den Achtziger Jahren entstand auf diese Weise als Zweig innerhalb der deutschen Gemeinde im Stadtteil San Isidro entstand und sich fortan Cristo Rey nannte, sich von der Mutterkirche trennte und heute im Stadtteil Surco lokalisiert ist. Aus der missionarischen Arbeit der Gemeinde entstanden bald weitere Gemeinden in Armenvierteln Limas (Cristo Salvador und Vida Nueva) sowie in Städten anderer Provinzen Perus (Trujillo, eine Küstenstadt ca. 600 nördlich von Lima und Huancayo im Andenhochland). 
Bereits seit 1968 entstandt aus dem Kinder-Sozialprojekt der IELP “Casa Belén“, das es seit 1965 gab, die spanischsprachige Gemeinde Belén im Distrikt Breña, einem sozialen Brennpunkt Limas. Sie war die erste spanisch-sprachige Gemeinde und wurde fortan durch die missionarische Arbeit aus den USA von der Lutheran Church of America (heute ELCA) unterstützt. Aus diesem Zweig entstanden am Anfang der Neunziger Jahre weitere Gemeinden wie Filadelfia (südlich von Lima in Lurin), Luz Divina (in der Hafenstadt Limas: Callao) und ein Kinderhort in Comas, einer der aus Landflucht entstandenen Satellitenstädte im Norden Limas (heute die Gemeinde Emanuel). Diese vier Gemeinden bildeten die im Jahre 1992 öffentlich registrierte Lutherisch evangelische peruanische Kirche (Iglesia Luterana Evangélica Peruana: ILEP), die mit den aus dem Entstehungszweig der Deutschen Gemeinde IELP zunächst nicht verbunden waren. 
Erst Anfang des 21. Jahrhunderts schlossen sich die durch das ELM entstandenen spanisch-sprachigen Gemeinden der IELP der nationalen Kirche Perus der ILEP an. In einer gemeinsam formulierten Erklärung dem “Comunio Eclesial“ erkennen beide Kirchen einander geschwisterlich an. Es dokumentiert und akzeptiert den gegenseitigen Kanzeltausch, die Ordination und Sakramente sowie die gegenseitige Anerkennung der Mitgliedschaft."
Das Hermannsburger Missionswerk (ELM) pflegt die Kontakt nach Peru und ist z.B. durch Pfarrerin Ihrke-Buchroth personell dort vertreten. Derzeit unterstützt das GAW die Renovierung und den Umbau des Gemeindezentrums "Emanuel" in Lima. Im März besucht der Generalsekretär die Kirche und vom GAW geförderte Projekte.

Dienstag, 29. November 2011

CILCH trifft sich in Punta Arenas/Chile

Bischof Sander (re.) von der ILCH gemeinsam mit
Kirchenpräsident Alvarez (li.) von der IELCH
In Chile hat sich relativ bald nach der Kirchenspaltung der Lutherischen Kirche im Jahre 1974, aus der die Iglesia Ev. Luterana de Chile (IELCH) und die Iglesia Luterana de Chile (ILCH) hervorgegangen waren, Anfang der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts der Consejo de las Iglesias Luteranas de Chile (CILCH - Rat der Lutherischen Kirchen in Chile) gegründet, in dem paritätisch Vertreter beider Kirchen sich treffen, auch wenn die ILCH, die stärker im deutsch-chilenischen Kontext verwurzelt ist, zahlenmäßig 3-5 Mal so groß ist wie die kleinere IELCH, deren meisten Mitglieder den Ärmeren angehören. Ziel war es, auf eine mögliche Wiedervereinigung hin zu arbeiten. daran hatten auch die Partner besonders aus Deutschland, die EKD und das GAW Interesse. So wurde ein sog. Missionsfonds gefüllt, in dem gemeinsame Projekte gefördert werden sollten mit dem Ziel, die Vereinigung zu beschleunigen. Das wurde nichts. So wuchs dieser Fonds. Inzwischen wird mit dem Geld gearbeitet. gemeinsame Kirchentage werden finanziert, gemeinsame Pfarrkonferenzen unterstützt und die Arbeit des CILCH gestärkt. Denn, man hat sich vorgenommen, bis 2014 sich zu vereinigen. Gespannt verfolgen wir diesen Prozess. Jetzt trafen sich die Vertreter des CILCH im äußersten Süden, in Punta Arenas, wo die IELCH eine Gemeinde hat. Ursprünglich wurde der Beginn der Gemeindearbeit von Puerto Montt unterstützt, wo eine Gemeinde der ILCH sich befindet. - Pfarrer Enno Haaks

Konflikte in Nordböhmen

Ein beeindruckender und gleichzeitig sehr besorgniserregender Bericht erreicht uns von Pfarrerin Constance Šimonovská aus der nordböhmischen Region Šluknov/Schluckenau. Constance und ihr Mann Filip sind Pfarrer in der Gemeinde der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder (EKBB) in Rumburk. Constance Šimonovská schreibt unter folgendem link zu dem Konflikt der zwischen Roma und den Einwohnern der Gegend ausgebrochen ist:

Montag, 28. November 2011

Kirchen als identitätsstifentende Orte

In seinem kürzlich gehaltenen Vortrag "Kulturelles Erbe als Herausforderung und Chance der Kirchen" in Berlin sagt Bischof em. Dr. Klein, ehemals Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien:
Kirchenburg in Heltau
"Für Siebenbürgen kommt zu diesem kulturhistorischen Aspekt /der Kirchbauten) ein weiterer entscheidender Aspekt hinzu: Das Wissen darum, was diese Kirchen und Kirchenburgen, aber auch ihre wertvollen Einrichtungen für die Menschen, denen sie gehören, bedeuten. Sie sind für sie mehr als Kunstschätze oder kulturgeschichtlicher, also irdischer Reichtum: sie sind Teil ihrer kollektiven Biographie. Sie sind Orte, in denen sie „ihrer eigenen Geschichte im heimatkundlichen, kultur- und sittengeschichtlichen, ja darüber hinaus auch im nationalen, ja im europäischen Sinn begegnen.“ Sie sind „Identifikationspunkte für die Beheimatung der Menschen“, die jene suchen, die zu diesen Stätten ihrer Kindheit, ihrer Jugend oder ihres ganzen Lebens zurückkehren. Sie sind – und das hat Bischof Huber in seinem ... Buch„Kirche in der Zeitenwende“ auch für die Situation hier deutlich gemacht und präzis formuliert: “sichtbare Werterepräsentanz“. Sie verweisen auf „gemeinsame kulturelle, ethische und religiöse Grundvorstellungen“, die uns auch in der Fremde wichtig bleiben. Sie sind „Zeichen dafür, dass die Traditionskette nicht reißt“, in der wir uns geborgen und beheimatet fühlen (siehe oben S. 286-91). Besonders ihre Kirchenburgen sind ihnen Selbstvergewisserung ihrer Identität aus der Vergangenheit in der Begegnung mit ihrer Geschichte. Darum hängt in der Wohnung fast jedes Siebenbürger Sachsen ein Bild seiner Kirche oder eines andern kirchlichen Objektes: ein stilles Bekenntnis zu seiner Heimat und Zeichen der bleibenden Verbindung zu Werten, die ihn geprägt und begleitet haben."
Kirchen als Orte der Be-heimatung, Kirchen als Orte der Identifikation, Kirchen als "durchgebetete" Orte, die einem halt und Schutz bieten. Das zu erhalten und für die Zukunft fruchtbar zu machen ist u.a. Aufgabe des GAW. Dabei geht es nicht um Erhalt von Museen, sondern um Verlebendigung von Gemeinde. 

Samstag, 26. November 2011

Lutheranerinnen in Brasilien gegen Gewalt gegen Frauen

Der Lutherischen Weltbundes (LWB) informiert über seinen Aktionsplan „Kirchen sagen ‘Nein’ zur Gewalt gegen Frauen“, an dem u.a. unsere brasilianische Partnerkirche (IECLB) teilnimmt. Das Engagement gegen Gewalt in den Familien soll gestärkt werden, sich mit dem Problem der Gewalt gegen Frauen auseinander zu stezen. In einem Dokument wird die Gewalt klar als Sünde gekennzeichnet. 
"Im Rahmen der Ausstellung „Not So Sweet Home“ (Kein trautes Heim) der lutherischen Diakoniestiftung (Fundação Luterana de Diaconia -- FLD), die an die Evangelische Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (EKLBB) gekoppelt ist, berichtete Carolaine (20) von ihrem Leben. Sie lebt mit ihrem Ehemann und ihrer zweijährigen Tochter am Stadtrand von Porto Alegre in Brasiliens südlichstem Bundesstaat Rio Grande do Sul. Als Kind wurde sie von ihrem Vater grundlos verprügelt. „Ich wünsche mir ein besseres Leben. Meine Tochter möchte ich ganz anders grossziehen. Ich möchte ihr ein Schicksal wie meines ersparen“, erklärt Carolaine. Sie erzählt, was in ihrem Elternhaus geschah. „Wenn meine Brüder etwas ausgefressen hatten, wurden die Töchter dafür bestraft. Mein Vater teilte einfach Schläge aus“, sagt Carolaine. „Er fragte uns nie, was passiert war.“ „Meine Mutter hat mich nie geschlagen, aber sie trank sehr viel. Mein Vater verprügelte mich, meine Geschwister und meine Mutter.“ 
Die Ausstellung „Not So Sweet Home“ ist auf der Grundlage einer internationalen Ausstellung entstanden, die von der deutschen Anthropologin Una Hombrecher gemeinsam mit „Brot für die Welt“ ins Leben gerufen wurde. Die Ausstellung zeigt ein Zuhause, mit Wohn- und Schlafzimmer und Küche und soll vor häuslicher Gewalt warnen (von der Frauen, Kinder und Männer betroffen sind). Es soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass dieses Problem angesprochen und in allen Gesellschaftsschichten überwunden werden muss. „Die Besucher können das Haus der Ausstellung betreten und durch die verschiedenen Zimmer gehen, wo sie Alltagsgegenstände finden, die zu Waffen umfunktioniert werden können“, erklärt Marilu Nornberg Menezes, Leiterin der Ausstellung. Zu diesen gefährlichen Gegenständen gehören beispielsweise zusammengerollte Zeitungen, Pfannendeckel, Töpfe, Dampfbügeleisen, Nudelhölzer, Schüsseln, Messer, Gabeln, Kissen und Polster, Gürtel, Schuhe usw. Die 16 Kampagnen für ein Ende der Gewalt gegen Frauen, die vom Regierungssekretariat für Frauen von Rio Grande do Sulf finanziert wird, nutzt die Ausstellung und weist darauf hin, dass ähnliche Ausstellungen auch woanders organisiert werden können."

Freitag, 25. November 2011

Brasilien und Perspektiven der Zusammenarbeit mit der IECLB

Brasilien ist inzwischen zu einer potenten Wirtschaftsmacht gewachsen. Die Wirtschaft hat einen beachtlichen Aufstieg hinter sich. Ende der 90er Jahre entkam das Land nur knapp einer Staatspleite. Nun zählt die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas zu den aufstrebenden Schwellenländern. Die Stimme Brasiliens hat inzwischen Gewicht. Natürlich hat das Auswirkungen auf Hilfswerke. So überdenkt Kindernothilfe sein Engagement in Brasilien und will in Zukunft die Schwerpunktsetzung verlagern. Sicher ist man sich: Geholfen werden muss auch weiterhin. Denn in ländlichen Regionen besonders im Norden und Nordosten des riesigen Landes gibt es hohe Armutsraten. Kindernothilfe-Vorstandsvorsitzende Dr. Jürgen Thiesbonenkamp sagt, „die Lebensbedingungen von Kindern in Armut und extremer Armut seit 30 Jahren haben sich nicht verändert“. Kindernothilfe wird sich deshalb verstärkt in den genannten Regionen engagieren und die Förderungen im Süden des Landes zurückfahren. „Wir werden uns in Brasilien auch weiterhin engagieren“, bekräftige der stellvertretende Kindernothilfe-Vorstandsvorsitzende Rolf-Robert Heringer. „Wir lassen uns nicht täuschen von den Boom- und Glitzerbildern aus den Megacities, sondern schauen ganz genau dort hin, wo Kinder unverändert extremer Armut und extremen Rechtsverletzungen ausgesetzt sind.“ (http://blog.kindernothilfe.org/de/
Brasilien mit den Synoden der IECLB
So ähnlich geht es auch dem GAW wenn auch in etwas veränderter Perspektive. Unsere brasilianische Partnerkirche (IECLB) bleibt auch weiterhin eine sehr wichtige Partnerkirche in Lateinamerika. Aber auch wir haben beobachtet, dass innerhalb der IECLB Unterschiede wahrzunehmen sind. Das geht bis dahin, dass nicht jeder Pfarrer bereit ist, die Anstrengungen der Arbeit im Norden auf sich zu nehmen, denn das bedeutet lange Wege, große Distanzen, Probleme bei der Gesundheitsversorgung und bei der Schulausbildung etc. Der Süden wirkt wesentlich entwickelter. Trotzdem fällt auch auf, dass auch Gemeinden im Süden Nöte haben vor allen Dingen mit sozial-diakonischen Projekten, wie z.B. ihren Kindergärten. Staatliche Subventionen sind nicht immer einfach zu bekommen, um die Arbeit eines Kindergartens zu erhalten. Auch der Indianermissionsrat (COMIN) kämpft um Zuschüsse für diese wichtige Versöhnungsarbeit. Als GAW begleiten wir aufmerksam die Entwicklungen in diesem Land. Die Frauenarbeit möchte im Jahre 2013 Brasilien zum Schwerpunkt seiner Arbeit machen und will insbesondere sich um Projekte im Norden und Nordosten kümmern. – Pfarrer Enno Haaks

Donnerstag, 24. November 2011

Spannungen in Estland

Pfarrer Matthias Burghardt
Pfarrer Matthias Burkhard betreut die lutherische Gemeinde deutscher Sprache in Tallinn innerhalb der Estnischen Ev.-Lutherischen Kirche. Er sitzt in der Synode der Kirche und begleitet intensiv die Entwicklungen. In jüngster Zeit gab es Spannungen gerade im Blick auf die Frage, wie die theologische Ausbildung der Kirche in Zukunft gestaltet sein soll. Wird es letztlich eine akademische Ausbildung wieder in Tartu geben mit einer anschließenden Predigerseminarausbildung in Tallinn? oder - wie ein guter teil der Synode wollte: eine Art Priesterseminar abgeschieden in der Einsamkeit? Jetzt gab es erneut Diskussionen, denn es wurde von Pfarrer Jaan Lahe im September ein „christlich-humanistisches Manifest“ verfasst und ins Internet gestellt. Pfarrer Burckhard kommentiert in seinem Gemeindebrief die Situation folgendermassen: "Darin wird eine Entwicklung der Kirche weg von den Menschen und hin zu einer fundamentalistischen Sekte befürchtet, die kritische Lesarten der Bibel ausschließt und gegen Andersdenkende rigoros vorgeht. Das Manifest löste eine teils ungehörige Diskussion aus, immer wieder werden in den Kommentaren persönliche Beleidigungen geäußert und zugleich endlos das Thema Homosexualität und Kirche traktiert. Insgesamt wurde das Manifest von 259 Leuten unterschrieben. Als Antwort verfasste Pfarrer Kristjan Luhamets ein „Manifest des traditionellen Christentums“. Darin wird die Verkündigung von Rechtfertigung und Heiligung durch Jesus Christus als Kernpunkt der Kirche benannt. Die Diskussion bewegt sich leider auf ähnlich niedrigem Niveau. Dieses Manifest haben 587 Personen unterschrieben. Ich habe beide „Manifeste“ nicht unterschrieben. Zum einen halte ich beide Texte formal für völlig ungenügend. Schon der Titel verwundert: Was ist „humanistisch“ und „traditionell“? Leerformeln, die jeder füllen kann, womit er will. Zum anderen werden theologische Diskussionen seit dem Mittelalter durch Thesen angestoßen-und eventuell zum Schluss durch Manifeste abgeschlossen, wenn man sich denn hinreichend einig ist, nicht umgekehrt. Und schließlich nervt die derzeitige Zuspitzung überhaupt aller Fragen auf die Frage nach der Trauung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. Es scheint so, dass die Fixierung auf diesen Streit kirchenspaltend und unproduktiv ist."

Dienstag, 22. November 2011

Adventskampagne in Spanien


Advent - für Gott ist nichts unmöglich

"Advent – wir bereiten uns darauf vor, dass in einem kleinen unbedeutenden Dorf, in einem kleinen Land, von kleinen Leuten umgeben, ein Kind geboren wird. Advent sagt uns, dass Gott sich manifestiert durch ein Handeln, das wir uns nicht vorstellen können. Advent bringt uns zu einem Gott, dessen Macht sich in einer hilflosen Kreatur zeigt, begrenzt und verletzlich. Es erzählt uns, dass in kleinen, gewöhnlichen Ereignissen Besonderes geschieht. Dort, in Bethlehem 2000 Jahre her, und hier und jetzt, ist ein Gott an unserer Seite, der nicht straft, nicht zerstört, nicht vernichtet, sondern dem Leben Raum gibt. Ein Gott, der vergibt. Ein "Gott mit uns", der uns begleitet auf dem Weg. Ein Gott, der wartet, der wartet auf uns. Ein Gott, dem nichts unmöglich ist. Er gibt uns Hoffnung und neue Kraft. Jeder ist aufgefordert, Bote der Hoffnung zu werden." So heißt es in der Adventskampagne der Evangelischen Kirche in Spanien (IEE). Mit einer Sammlung bis Weihnachten für notleidende Kinder in Bolivien will unsere Partnerkirche dort der Adventsbotschaft Konkretion verleihen.

Montag, 21. November 2011

Wiedergutamachung und Rückgabe von Gebäuden in Tschechien


Joel Ruml berichtet dem Runden Tisch in Prag
Joel Ruml, Synodalsenior der EKBB, erläuterte dem Runden Tisch in Prag den Stand der Verhandlungen mit dem tschechischen Staat. Dabei geht es um Wiedergutmachung dessen, was die kommunistische Diktatur den Kirchen angetan hat, andererseits geht es um die Frage, wie sich die Kirche in Zukunft finanzieren wird. Wesentlich ist die Frage der Pfarramtsbesoldung. Derzeit werden die Pfarrer mit Hilfe staatlicher Mittel besoldet. Diese Zahlungen des Staates machen ca. 1/3 des Haushaltes der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder (EKBB) aus. Dieses Gesetz reicht auch in die kommunistische Zeit zurück. Die Veränderungen sorgen durchaus für eine gewisse Unsicherheit innerhalb der Kirche und der Ungewissheit, wie die Kirche in Zukunft nachhaltig ihr Leben gestalten kann. Andererseits gibt es keine Alternative zu dem neuen Gesetz, dass u.a. durch die EU-Mitgliedschaft gefordert ist. Synodalsenior Ruml rechnet damit, dass bei allem Ringen und auch populistischen Debatten im Parlament das Gesetz bis Mai vom Staatspräsidenten unterschrieben werden kann.
Unter folgendem Link ist die Stellungnahme von Joel Ruml zu lesen:

Evangelische Fakultät in Prag

1919 wurde die Evangelisch-Theologische Fakultät in Prag gegründet. Vor dem Ersten Weltkrieg gab es viele Einschränkungen für Protestanten in den tschechischen Ländern (zu der Zeit Teil des katholischen Österreich). Mit der Gründung des neuen tschechoslowakischen Staates nach dem Krieg gab es volle Religionsfreiheit. Reformierte und lutherische Protestanten vereinigten sich zur Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder (EKBB). Eine erste wichtige Aktivität der neuen Kirche war es, eine Evangelisch-Theologische Fakultät zu etablieren. 14 Studenten begannen im ersten Jahrgang. 1923 waren es schon 78 im Jahr 1923 und 160 im Jahr 1929. Frauen begannen ein Studium an der Fakultät im Jahre 1922. Ab 1953 wurden sie dann auch in der EKBB ordiniert. Im Jahre 1949-50 gab es 230 Studierende. Zur Zeit der kommunistischen Diktatur gab es viele Schwierigkeiten und die Zahl der Studierenden sank auf unter 100. Nach dem Sturz des kommunistischen Regimes im Jahr 1989 eröffneten sich neue Möglichkeiten für die Fakultät. Es gab eine enorme Zunahme der Zahl der Studierenden. In 1990 wurde die Evangelische Fakultät in die Karls-Universität integriert. Im Jahr 1995 zog man in größere Räumlichkeiten, die der EKBB gehören. Zur Zeit studieren 730 Studenten an der Fakultät. Davon 188 Theologiestudenten. Der größte Teil der Studenten absolviert ein Grundstudium in Sozialarbeit. 
Die Fakultät erhält pro Student Zuweisungen von der Karls-Universität zum Etat. Studiengebühren gibt es nicht. Ursprünglich war es so, dass die Mieteinnahmen durch die Fakultät einen großen Teil der Kirchenkanzlei finanziert hatten. Diese Einnahmen sind sehr eingebrochen und haben zu Strukturanpassungsmaßnahmen in der Kirchenkanzlei geführt. Ein schmerzlicher Prozess, der aber die Chance birgt, dass die Kirchenkanzlei der EKBB zu einem anderen Finanzierungsmodell kommt. 

Homepage der Fakultät: http://web.etf.cuni.cz/

Sonntag, 20. November 2011

Runder Tisch bei der Ev. Kirche der Böhmischen Brüder

Eine lange Tradition verbindet das GAW mit der Ev. Kirche der Böhmischen Brüder. Nach dem Ersten Weltkrieg kam es im Dezember 1918 in Prag auf einer Generalversammlung zur Vereinigung der Reformierten und Lutheraner. Nach dem Toleranzpatent 1781 hatten sich die im Habsburger Reich anerkannten Kirchen lutherisch-augsburgischen und reformiert-helvetischen Bekenntnisses gebildet. Die nun vereinigte Kirche knüpfte an alten reformatorische Traditionen an, besonders an die brüderische. Zum Symbol der Kirche wurde der Kelch (Zeichen hussitischer Tradition) auf der Bibel (Zeichen der brüderischen Tradition).
Regelmäßig ein Mal jährlich trifft sich in Prag in der der Kirchenzentrale in der "Jungmanova" ein Runder Tisch, an dem alle mit dieser Kirche verbundenen Kirchen und Hilfswerke sitzen, die der Kirche auf ihrem Weg helfen. Dazu gehört die Badische Kirche, die Rheinische, die Kirche aus Hessen-Nassua und der Pfalz, die Reformierte Kirche, das HEKS und das GAW.

Freitag, 18. November 2011

Orthodoxe Kirchbauten in Rumänien

In Bukarest wird für viel Geld eine neue orthodoxe Kathedrale gebaut. Staatliche Gelder fließen ebenfalls dort hinein. Auf der "Deutschen Welle heißt es: "Dass sich an den Kosten auch die Regierung beteiligt, die gleichzeitig reihenweise Krankenhäuser schließen lässt, schürt Konflikte." 125 Meter soll das Gebäude hoch werden und den nahen Regierungspalast überragen. In dem Bericht heißt es, dass in den letzten 20 Jahren ca. 4000 orthodoxe Kirchen in dem Vielvölkerstaat gebaut wurden. Sicherlich gab es Nachholbedarf. Nur erzeugt dieses Kirchbauprogramm auch andere Empfindungen. Das erlebt man besonders in rein ungarischsprachigen Gegenden, wenn dort ein orthodoxes Kloster gebaut wird.
Auf Youtube findet sich dazu ein interessanter Bericht: http://www.youtube.com/watch?v=beQcspAiy9I

Mittwoch, 16. November 2011

"GAW ist ein wichtiges und kompetentes Werk"

"Das GAW ist ein wichtiges und kompetentes Werk..." schreibt der Ratsvorsitzende der EKD Präses Nikolaus Schneider. Auf der Homepage des GAW sind diese Worte zu lesen. Und Präses Schneider betont, dass das GAW als Diasporawerk der EKD eine sehr wichtige und für die Ökumene- und Auslandsarbeit der EKD ergänzende und flankierende Arbeit ausführt. Die Kontakte zur kirchlichen Basis in den 40 Partnerkirchen, ein Wissen um die Nöte und Sorgen, das verlässliche Begleiten der Partnerkirchen hilft, Stimme denen zu geben, die oft nicht wahrgenommen werden - gerade auch bei uns. Denn - so Schneider: "Gemeinden in der Zerstreuung – „Diaspora“ – sind wie Salz oder Sauerteig in einer nicht christlichen Umgebung oder wie ein „Ferment“ das in einem konfessionell verschiedenen christlichen Kontext eine besondere“ Note“ oder einen besonderen „Geschmack“ geben kann." Davon können wir profitieren.
Deshbal ist es wichtig, dass Kirchen bei uns sich in die Verantwortung nehmen lassen für Schwestern und Brüder in der Diaspora. In der neuen Verfassung für die Nordkirche soll deshalb folgender Satz verankert werden, der diese Verantwortung für Kirche insgesamt beschriebt: "Die Kirche folgt dem Ruf Jesu Christi zur Einheit der Kirche. Sie weiß sich mit den Gemeinden in der Diaspora verbunden.“ Wenn das dann noch gestärkt wird durch eine klarere Verankerung in Kollektenplänen und in einer Bewußtseinsarbeit an der Basis, dann ist viel getan. Als GAW sind wir da insgesamt gefordert, immer wieder Menschen sensibel für Diasporaverantwortung zu machen. - Pfarrer Enno Haaks

Samstag, 12. November 2011

Blockseminar an der Uni Leipzig

Dr. Daniel Frei im Seminar
In jedem Semester findet an der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig ein sog. Blockseminar im Kontext von Missions-, Diaspora- und Konfessionskunde. Dazu wird in der Regel ein Referent eingeladen, der sowohl wissenschaftlich als auch aus eigenem erleben Kenntnisse insbesondere aus dem Kontext unserer Partnerkirchen hat. In diesem Semester ist Dr. Daniel Frei aus Basel als Gastdozent gebeten worden, über die Pfingstbewegung in Lateinamerika mit Schwerpunkt auf Chile ein Seminar anzubieten. Er hat gerade aus gemeindepädagogischer Sicht über die Pfingstbewegung in Chile promoviert. "Wer die Pfingstbewegung näher kennen lernen will, der darf nicht nur zu den Gottesdiensten gehen, sondern muss die wöchentlichen Treffen und Begegnungen miterleben. Ansonsten ist das Phänomen nicht zu erfassen," sagt Dr. Frei. 
Er unterrichtete im Auftrag von Mission 21 an der Comunidad Teologica Evangélica in Concepción/Chile und lernte darüber die Pfingsbewegung näher kennen. Gleichzeitig war er Pfarrer der Ev.-Luth. Kirche in Chile (IELCH). An dem Seminar nehmen auch die Stipendiaten des GAW teil. Aus den unterschiedlichen Ländern berichten sie von ihren Kontakten zu Pfingstlern, so erzählte ein rumänischer Student von einer wachsenden Pfingstbewegung unter den Roma in seinem Land. 

Freitag, 11. November 2011

Friedensgebet mit COMIN

Pfarrer Hans Trein von COMIN der IECLB
Am 10. November übernahm das Gustav-Adolf-Werk in der Friedensdekade das Friedensgebet in der Nikolaikirche. An diesem geschichtsträchtigen Ort predigte Pfarrer Hans Trein, Leiter des Idianermissionsrates (COMIN) der Ev. Lutherischen Kirche Brasiliens (IECLB). In bewegenden Worten schilderte er die Arbeit, die sich um Frieden und Versöhnung müht in den schwierigen Auseinandersetzungen um Landrückgabe und Bewahrung der Identität. Die Spannungen gehen dabei durch die Kirche, denn es gibt davon betroffene Gemeindeglieder.

Zu Comin: Im Jahr 1824 wanderten die ersten evangelisch-lutherischen Familien von Deutschland nach Brasilien aus. Es waren größtenteils arme Menschen. Sie glaubten, dass es in Brasilien Land im Überfluss und jede Freiheit gäbe. Sie rechneten nicht damit, dass Brasilien von indianischen Menschen bewohnt war, die das Land, die Flüsse und die Wälder als Gemeineigentum verstanden. EuropäerInnen beanspruchten dagegen genau abgesteckte und im Grundbuch eingetragene Grenzen. Sie erkannten weder die natürlichen noch die rechtlichen Ansprüche der IndianerInnen an. Die Geschichte der Besiedlung brachte auf jeder Seite Opfer hervor, forderte aber von den indianischen Völkern einen besonders hohen Tribut. 1982 bildete die IECLB einen Rat, um die Arbeit mit den Indianervölkern in Brasilien zu begleiten und zu koordinieren. COMIN bekennt, dass die lutherische Kirche in Brasilien Teil hatte an der Schuld der ChristInnen gegenüber indigenen Völkern. Zum Zeichen der Versöhnung stellt sich die lutherische in Brasilien heute an ihre Seite und kämpft mit ihnen für ihre Rechte. 

Das GAW fördert ein Projekt von COMIN bei den Deni-Indianern in Amazonien. Für dieses Projekt war dann auch die Kollekte des Friedensgebetes bestimmt.

Donnerstag, 10. November 2011

Bauarbeiten in Malaga

Flüchtlingszentrum in Malaga
Zur Zeit leben im Flüchtlingszentrum in Malaga bei unserer Spanischen Partnerkirche , der Iglesia Evangélica Española 50  45 Flüchtlinge aus Algerien, Lybien,  Iran, Mauritanien, Guinea-Bissau, Marokko, Birma, Syrien, Benin, Tansania, Kongo und Kamerun untergebracht sind. In der Chrismon-Ausgabe 4/2011 wurde auf dieses Projekt hingewiesen und um Unterstützung gebeten. Zahlreiche Hauptgruppen des GAW haben dieses Projekt zum Anlass genommen, um auf die manchmal überdimensional hohe diakonische Verantwortung unserer Partner hinzuweisen und dabei zu helfen, das Gemeindezentrum und das diakonische Zentrum vor der drohenden Schließung zu bewahren. Das ist gelungen durch den Einsatz auch des GAW, das in drei Jahren jeweils 25.000 Euro für dieses Projekt sammeln will. Die erste Bauphase konnte durchgeführt werden und damit die Arbeit gesichert werden. So wurde das Dach u.a. vollkommen erneuert, sowie die tragenden Mauern im Kern des Gebäudes,so dass dem Betrieb des Flüchtlingszentrums nun bautechnisch jedenfalls nichts mehr im Wege steht. "Das gleiche gilt auch für den Zugang zur Kirche im Gebäude. Dafür ist die kleine Gemeinde in Málaga besonders dankbar und wir alle freuen uns natürlich enorm, das dieses kleine Wunder überhaupt möglich war," schreibt Manfed Benzing, der für die Projektumsetzung verantwortlich ist. "Wir vertrauen, dass es mit den kommenden Bauabschnitten klappen wird, und wir sind natürlich sehr froh und dankbar, dass wir bei diesem doch recht umfangreichen Projekt mit der Hilfe des GAW rechnen dürfen. Ich muss es einfach nochmals sagen : Vielen, vielen Dank !!" - Pfarrer Enno Haaks

Mittwoch, 9. November 2011

Grundsteinlegung in San Martín de los Andes


Grundsteinlegung in San Martín de los Andes

Pfarrer Reiner Kalmbach schreibt uns von der Grundsteinlegung in San Martín de los Andes: „Raúl Weigandt, bauerfahrenes Gemeindeglied und ein unermüdlicher „Schaffer“, wenn es um den Bau des Reiches Gottes geht, vermittelte einen Überblick über die Situation: eigentlich sollte das Fundament für den Bau des Gemeindesaals bereits fertig sein. Verzögerung bei der Baugenehmigung und vor allem die Vulkansche, von der San Martin besonders im September besonders stark betroffen war, verhinderten den Baubeginn. So trafen wir uns alle am Montag in der Frühe auf der Baustelle. Trotz Ascheregens ließen sich die „Arbeiter“ nicht in ihrem Enthusiasmus stören: Raúl verteilte Atemmasken und los ging’s. Da hieß es Gräben ausheben, Schotter aufschütten, Eisen biegen, Schnüre ziehen. Die ungewohnte körperliche Arbeit machte hungrig und die Mühe wurde belohnt mit deftiger Hausmannskost, zubereitet von den Frauen der Gemeinde. Dann kam der große Tag: am Sonntag, den 30. Oktober, sollte die Grundsteinlegung gefeiert werden: und alles half mit, das Wetter, der Vulkan (er schickte seine Wolke in eine andere Richtung), die vielen Menschen die kamen, die Worte, das Wort, das uns bei diesem Ereignis begleitete..., die Emotionen und Tränen der Dankbarkeit. Ein langer Traum wird endlich wahr! Seit fast fünfzehn Jahren arbeitet und kämpft die Gemeinde in San Martin de Los Andes, um unter einem eigenen Dach Gottesdienst feiern und Menschen einladen zu können. Ja, wir feierten die Grundsteinlegung auf unserem eigenen Grund, endlich!, und auf diesem Grund bauen wir ein Haus Gottes, ein offenes Haus, mit offenen Türen und Menschen mit offenen Herzen, für Menschen die suchen und fragen, für solche die Trost suchen..., oder einfach nur dabei sein wollen. Noch ist die Gemeinde klein, aber zum Fest kamen Menschen deren Gesichter ich zum ersten Mal sah, Menschen die uns Mut machen wollen, die uns von jetzt ab begleiten werden.“
Das GAW fördert in diesem und im kommenden Jahr dieses Kirchbauprojekt. Gerade war eine Gruppe Freiwilliger vom GAW-Württemberg dort, um zu helfen. Insbesondere nach dem Vulkanausbruch des Puyehues in Chile wurden diese Arbeiten verschoben und die gesamte Region litt sehr unter den Folgen. Der Tourismus brach ein. Viele Tiere verendeten. Umso schöner ist es, diese Zeilen jetzt zu lesen!

Dienstag, 8. November 2011

Jubiläum in Kaliningrad

Seit 1991 sind zahlreiche evangelische Gemeinden im Königsberger Raum entstanden. 2010 gehörten zur Propstei Kaliningrad 42 Gemeinden mit 2.100 fast nur russlanddeutschen Mitgliedern und acht Pastorinnen und Pastoren. Propsteikirche ist die Auferstehungskirche am Prospekt Mira. Damals 1991 begann Propst em. Beyer aufopferungsvoll Menschen zu sammeln und für die evangelische Kirche zu gewinnen. Zunächst begann er in Kaliningrad. Dann kamen schnell vier weitere Gemeinden hinzu und bald auch pfarramtliche Unterstützung. Im April 1999 konnte dann in Kaliningrad endlich die ersehnte Auferstehungskirche eingeweiht werden damals durch Erzbischof Kretschmar. Vieles hat sich entwickelt. Jetzt wird das 20-jährige Jubiläum der Ev.-Luth. Gemeinde in Kaliningrad am 10./11. Dezember 2011 gefeiert.

Samstag, 5. November 2011

6. November - Gedenktag an Gustav II. Adolf von Schweden

Gustav Adolf Denkmal in Tartu/Estland
In Breitenfeld bei Leipzig gibt es einen Gedenkstein, auf dem zu lesen ist: „Glaubensfreiheit für die Welt/rettete bei Breitenfeld/Gustav Adolf, Christ und Held“. 
Im 17. Jahrhundert zur Zeit des 30jährigen Krieges ging es auch um Glaubensfreiheit. Es ging darum, dem christlichen Glauben in evangelischer Weise zu seinem Lebensrecht zu verhelfen. Heute ist das ein Menschenrecht. Und immer, wenn Glaubensfreiheit bedroht ist, dann gilt es, sich an die Seite derer zu stellen, die dieses Recht nicht bekommen. Und besorgniserregend ist es zu sehen, wie gerade Christen in unserer Zeit zu der am stärksten verfolgten Glaubensrichtung gehören. 
Keinem kann verborgen bleiben, dass Gustav II. Adolf damals in der Wahl seiner Mittel nicht zimperlich war. Sein Handeln entsprach dem, was man von einem erfolgreichen Kriegsherrn in den Grausamkeiten des Dreißigjährigen Krieges zu erwarten hatte. Jedoch taugt das heute nicht zur unkritischen Verherrlichung. Er verfolgte damals machtpolitische Interessen – und er agierte gleichzeitig als lutherischer König, der den bedrohten Glaubensgeschwistern zur Seite trat. „Den Kriegsherrn und den Verteidiger seines Glaubens zusammen zu sehen: das ist – die keineswegs einfache – Aufgabe, vor die uns die Erinnerung an Gustav Adolf stellt,“ sagte zum 175-jährigen Jubiläum des Gustav-Adolf-Werkes Bischof W. Huber. Jedoch sieht er gleichzeitig in dem älteste evangelische Hilfswerk, das nach dem im 19. Jahrhundert fast wie Martin Luther verehrten König benannt wurde, eine Art frühen Form von „Schwerter zu Pflugscharen“, denn das Werk hatte sich eindeutig zur Aufgabe gemacht: „Hilfsgelder statt Heldengedenken“. Damit ermöglicht das Werk seit seiner Gründung, dem Recht auf Glaubensfreiheit Raum zu verschaffen. 
Am 6. November erinnern wir erneut an den Todestag Gustav II. Adolf von Schweden, der an diesem Tag 1632 in der Schlacht bei Lützen fiel. Es geht nicht um Heldenverehrung. Es geht darum, sich in Dienst nehmen zu lassen für Frieden und Versöhnung. Gerade als Träger dieses Namens sieht unser Werk sich in die Pflicht genommen. - Pfarrer Enno Haaks

Donnerstag, 3. November 2011

"Diaspora und Mission"


In Leipzig fand im Jahr 1999 die letzte Synode der EKD statt, die sich unter dem Leitwort "Reden von Gott in der Welt" mit Fragen der Mission auseinandersetzte. Welche Sendung haben wir in der Welt? Was haben wir von unserem Standpunkt als evangelische Christen zu Fragen des Glaubens und menschlichen Zusammenlebens zu sagen? Wie nehmen wir an der Sendung Gottes in der Welt teil?
Aus Anlass der Anfang November 2011 stattfindenden Missionssynode der EKD in Magdeburg haben wir uns als GAW zur Aufgabe gemacht zu fragen, wie es um das Verhältnis von Diaspora und Mission zueinander steht.
Ende Juni diesen Jahres fand deshalb in der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig ein theologischer „Workshop“ zur Verhältnisbestimmung von Diaspora und Mission statt. Aktiv beteiligt waren als Vertreter für die Missionswerke Pfarrer Peter Weigand und Pfarrerin Martina Helmer-Pham Xuan sowie Professor Wilhelm Richebächer. Für das Diasporawerk der EKD sprach Dr. Wilhelm Hüffmeier. Dr. Johann Schneider von der EKD und Pfarrer Martin Volkmann von der IECLB (Brasilien) erweiterten den Kreis der Referenten. Geleitet wurde der Workshop von Prof. Dr. Klaus Fitschen, Dekan der Theologischen Fakultät. 
Die Aufsätze und eine Zusammenfassung der Diskussion wurden jetzt in einer Aufsatzsammlung vom Verlag des GAW herausgegeben.
Das Buch kann zum Preis von 5 Euro (zzgl. Versandkosten) bestellt werden bei:

Gustav-Adolf-Werk e.V., Pistorisstraße 6, 04229 Leipzig, Tel: 0341/490 62 13, Fax: 0341/490 62 66, verlag@gustav-adolf-werk.de 

Der Projektkatalog und die "Teleton"



Zum Ende des Kalenderjahres kommt es mir im Gustav-Adolf-Werk vor, als wäre ich in Lateinamerika bei der "Teleton". Die Teleton ist inzwischen ein großes Medienevent in vielen Ländern des Kontinents. In den 70er Jahren begann in Chile Mario Kreutzberger, ein Sohn jüdischer Einwanderer und der Thomas Gottschalk Chiles, die sogenannte Teleton aufzubauen. Dabei ging es ihm darum, mit seiner Popularität auf die miserable Situation behinderter Kinder in dem Land aufmerksam zu machen und eine Stiftung zu gründen. Anfangs kam alles Geld aus Spenden über seine Fernsehshow einmal im Jahr zusammen, die über einen Fernsehmarathon von 1 1/2 Tagen eingeworben werden. Für alle Showgrößen des Landes ist es Pflicht, da mitzumachen, sonst sinken sie in der Gunst des Publikums. Kreutzberger gibt am Beginn dann immer eine Summe aus, die er mit Hilfe aller Chilenen einsammeln will. In unwahrscheinlichen vielen Initiativen wird dann in ganz Chile für de Teleton geworben. Es ist faszinierend zu sehen, wie die Chilenen mitmachen. Kreutzberger sagt immer wieder: "La Telton es tuya!" (Die Teleton ist deine Sache!) Inzwischen hilft der Staat mit, wenn die Summe schwer zu erreichen ist, das Ziel zu erfüllen.
Die Summe unseres Projektkataloges wird ebenso festgelegt. Und in viele Aktionen, Gottesdiensten und Kollekten wird für das Erreichen der Summe gesammelt. Ende Oktober/Anfang November wird man dann immer ein bisschen nervös, wenn noch eine bestimmte Summe fehlt. So ist es dieses Jahr auch. Ca. 100.000 Euro fehlen noch, damit das Ziel von 1,6 Millionen Euro für die Partnerkirchen erreicht werden kann. Dieses Ziel steht vor Augen. Und alle im GAW suchen das Möglichste, um sagen zu können: Das GAW ist unsere gemeinsame Sache! - Pastor Enno Haaks