Dienstag, 30. November 2010

ELKRAS auf "konservativem" Kurs?

Erzbischof August Kruse
In den vergangenen Tagen erreicht uns eine epd-Pressemitteilung, in der Erzbischof Kruse von der ELKRAS zitiert wird.
Man spürt in dem Text u.a. das intensive Mühen um den weiteren Weg der ELKRAS-Kirchen zwischen brüderschaftlich ausgerichteter pietistischen Frömmigkeit und einer liberaleren Theologie, die sich mit Fragen und Herausforderungen im gesellschaftlichen Kontext beschäftigt. Auch hört man, daß das Engagement deutscher Partner zum Teil kritisch betrachtet wird. Mit Sorge erfüllen uns Beobachtungen, wie nach und nach das gute und segensreiche Arbeiten von Pastorinnen erschwert und hinterfragt wird. Und doch gibt es gerade z.B. in Samara eine gute Arbeit einer Pastorin, die sich um ein lebendiges Gemeindeleben sorgt.
Dem Erzbischof haben wir zunächst einen Brief geschrieben und um eine Stellungnahme zu den irritierenden Äußerungen gebeten. - Pfarrer Enno Haaks

Samstag, 27. November 2010

Neuer Bischof in der Ev. Kirche A.B. in Rumänien

Der neu Bischof Guib links neben
Altbischof Klein
Als Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien wurde Dechant Reinhart Guib aus Mediasch gewählt und damit als Nachfolger von Bischof Klein, der in den vergangenen 20 Jahren die Kirche geleitet hatte.
Reinhart Guib wurde 1962 in Mediasch geboren, er absolvierte von 1983 bis 1989 das Protestantisch Theologische Institut in Hermannstadt, war anschließend Pfarrvikar in Fogarasch und Pfarrer in Tekes. Danach wurde er zum Stadtpfarrer in Mediasch gewählt und war Dechant des Mediascher Kirchenbezirks. Zuletzt war er Bischofsvikar der Evang. Kirche A.B. in Rumänien. Seine Auslandsstudien absolvierte er an der Theologischen Fakultät in Erlangen. 
Der neugewählte Bischof zählt zu der jungen Pfarrer-Generation der Siebenbürger Sachsen, die sich bewusst für den Dienst in Rumänien entschieden haben und trotz des großen Exodus der Siebenbürger Sachsen nach 1990 nach Deutschland und Österreich, hoffnungsvoll in die Zukunft in Rumänien blicken. Bischofsvikar Guib ist verheiratet mit Henriette Guib, Lehrerin, sie haben drei Kinder.

SPD-Diaspora

Heute konnte man in der Leipziger Volkszeitung lesen, daß sich die SPD in Deutschland inzwischen in der Diaspora befindet. Damit assoziiert wird: von einer Mehrheitspartei zu einer kleinen Partei, von mehrheitsbildend zu nicht mehr wahrgenommen, von bedeutend zu unbedeutend.
Diaspora ist ein Begriff, der nicht mehr allein im religiösen Spektrum benutzt wird. Er spielt inzwischen in Migrationsdebatten eine Rolle - und jetzt wird er auch auf politische Parteien angewendet. 
Als GAW können wir immer wieder betonen: Es ist keine Schande, Minderheit zu sein. Auch als Minderheit kann man sich effektiv in die Gesellschaft in relevanter Weise einbringen. Das unterstrich u.a. Bischof Klein aus der Lutherischen Kirche Siebenbürgens in Rumänien, der in diesem Jahr sein Amt übergibt, in einem Interview im Deutschlandfunk. Die siebenbürgische Kirche war ursprünglich eine "Volkskirche". Nach dem Mauerfall wanderte die Mehrheit aus. Das hat die Kirche verändert. Trotzdem bringt sie sich ein und verzweifelt nicht. - Pfarrer Enno Haaks

Chile nach der Rettung der Bergleute

Rettung der Bergleute in Chile
Die Rettung der 33 chilenischen Bergleute sah ich in einem chilenischen Fernsehkanal in Venezuela. Gebannt verfolgten wir die Rettungsaktion. Es war bewegend und wunderbar! Danach begann ein medialer Marathon für die Geretteten, der sie oft überforderte.
Nur - die problematischen Fragen hinter der Katastrophe werden nicht weiter beachtet: Warum konnte es zu dem Unglück kommen? Wie effektiv funktioniert die Bergbauaufsicht? Oder spielt der große Profit des Kupfers für Chile eine übergeordnete Rolle? Die vielen Bergarbeiter profitieren wenig in ihrem Arbeitsalltag von den reichen Überschüssen. Und nach wie vor belegt Chile den 2. Platz im Ranking der sozialen Ungerechtigkeiten. Viele der großen neoliberalen Veränderungen der Wirtschaft unter Pinochet wurden nicht rückgängig gemacht.
Die Rettung der Bergleute war ein großes medialer Event mit einem zum Glück guten Ausgang. Aber Veränderungen im Bereich des Mindestlohnes, des Arbeitsschutzes, der Ausbildung, der Gesundheitsversorgung etc. bleiben unberührt.
Am Monat beginnt nun ein neuer großes Streik: Die Metropole Santiago wird durch den Streik der Metroarbeiter lahmgelegt. Auch die in diesem Jahr hungerstreikenden Mapuche melden sich wieder zu Wort. Im Bildungssektor stehen große Auseinandersetzungen im "Colegio de los Profesores" an, die traditionell ein politisch großes Gewicht haben. Es ist schwierig in einem solch sozial zerklüfteten Land Veränderungen zu erzielen. - Pfarrer Enno Haaks

Freitag, 26. November 2010

Blockseminar des GAW

In Zusammenarbeit mit der Theologischen Fakultät Leipzig ist es seit Jahren gute Tradition, daß es in jedem Semester 2 Blockseminare gibt, die Fragen der Diaspora theologisch reflektieren. 
Im Wintersemester kam jetzt Professor Dieter aus Straßburg, der am Theologisch-Ökumenischen Seminar des LWB arbeitet, um mit Theologiestudenten und unseren Stipendiaten zu arbeiten. Lutherschriften wurden gelesen, versucht, sie im Kontext der damaligen Zeit zu verstehen und für heute zu interpretieren.
Diese Seminare sind ein gute Bereicherung, um tiefer in spezielle theologische Themen einzutauchen. - Pfarrer Enno Haaks

Donnerstag, 25. November 2010

Nur im Dialog kann man Versöhnung erleben

"Gemeinsam unterwegs nach Emmaus" war der Titel der Predigt im Gottesdienst in Genf, in dem Pfarrer Martin Junge offiziell sein Amt als Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes antrat. Junge betonte die Bedeutung der Frage, die Jesus den Jüngern stellt: "Was sind das für Dinge, die ihr unterwegs miteinander verhandelt?" Diese Einladung zum Gespräch, zum Dialog zeichnet Jesu "Mission" aus. Davon sollen wir uns anstecken lassen, auch wenn es oft schwierig bis unmöglich erscheint. Zuhören bevor wir sprechen und den Dialog dadurch zerstören. Wie gut das in vielen auch kirchlich konfliktiven Situationen wäre ...
Ich denke an die schlimme Situation im Protestantismus in Kroatien. Wie viele Versuche wurden vom LWB und besonders auch vom GAW getan - insbesondere durch meinen Vorgänger Pfarrer Hans Schmidt und durch Pfarrer Friedhelm Hans aus der Pfalz, um die kirchliche Situation zu befrieden, daß man die "Gute Nachricht" erleben kann. Bis heute gibt es keine Befriedung.
Wir hoffen und beten, daß es eines Tages hier wieder Schritte der Versöhnung geben möge. Bis dahin werden wir aber auch unsere materielle Hilfe sehr genau überprüfen. - Pfarrer Enno Haaks

Montag, 22. November 2010

Reformatorisches Erbe in Tschechien

Mit Hilfe der Europäischen Union und des Kulturministeriums in Tschechien ist es gelungen, ein für Tschechien neues und wertvolles Projekt auf den Weg zu bringen: "Das Erbe der Reformation und seine Denkmäler" (www.pamatky-cz.eu). Es geht dabei um ein Bewußtwerden, was die Vorreformation und Reformation für Tschechien geleistet hat. Die Kirchen der verschiedenen Epochen sollen erschlossen werden und dem erweiterten Publikum erschlossen werden. Dafür wurden jetzt Faltblätter, Karten, ein Internetportal etc. vorbereitet. Werbematerial, um sich auf die Spuren der Reformation und der Geschichte der Kirche der Böhmischen Brüder zu machen werden wir im kommenden Jahr an die Hauptgruppen verteilen. Auf dem Kirchentag in Dresden wird dieses besondere Projekt präsentiert werden. - Pfarrer Enno Haaks

Bei den Böhmischen Brüdern in Prag

Runder Tisch in Prag
Tschechien gilt als eines der atheistischsten Länder Europas. Laut der letzten Volkszählung gehören ca. 20 % der Bevölkerung der katholischen Kirche an und nur 1% der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder (EKBB). D.h. ca. 115.000 Mitglieder zählt unsere Partnerkirche. Ungefähr 260 Pfarrer arbeiten in der Kirche. 270 Gemeinden gibt es. Z.Zt. sollen ca. 25 Pfarrstellen vakant sein. Es fehlen Pfarrer. Kein Wunder in diesem Land, denn wer möchte für umgerechnet 400 Euro monatlich Einstiegsgehalt in einem solch verantwortungsvollen Beruf arbeiten. Am Ende der Dienstzeit gibt es vielleicht 800 Euro. Zu 80% werden die Gehälter vom Staat bezahlt. Das hängt mit den Kontrollversuchen des Staates in kommunistischer Zeit zusammen. Es gibt den Wunsch, zu neuen Vereinbarungen mit dem Staat zu kommen. Man sehnt sich nach mehr Unabhängigkeit. Nur nicht zu jedem Preis, denn mit dem allen zusammen hängen Rückgabeforderungen der Kirche an den Staat, die aus den Enteignungen kommunistischer Zeit stammen.
Nachdem es nun eine neue Regierung gibt, hofft man, dass die Verhandlungen wieder neu in Gang kommen und es zu einer tragfähigen Lösung kommt zwischen Staat und Kirche. Ökumenisch ist man sich hier mit den Katholiken sehr einig. Jetzt ist der Staat gefordert. Ob er es schafft? Es gibt zweifelnde Stimmen.
Zur Zeit findet in Prag ein Runder Tisch statt, um sich auszutauschen mit den Partnern der EKBB über die Situation der Kirche, Projekte, diakonische Arbeit. – Pfarrer Enno Haaks

Samstag, 20. November 2010

Pensionszahlungen an spanische Pfarrer

Nach wie vor ungeklärt ist für unsere spanischen Partnerkirchen (IEE und IERE) ein Thema, das sie ökonomisch belastet: das Nichtbezahlen von Pensionen an pensionierte Pastoren und deren Witwen. In der Francozeit war es nicht möglich, in die Pensionskasse einzuzahlen, da ihr Berufsstand nicht anerkannt war und im Grunde eine Art Berufsverbot bestand. Die Katholische Kirche ist in der Francozeit eine unrühmliche Allianz mit der Francodiktatur eingegangen und hat gerade auch verhindert, dass die Protestanten sich in die Gesellschaft einbringen konnte.
Die Wiedereinführung der Demokratie hat an der schwierigen finanziellen Situation nichts geändert. Die PP hat den legitimen Anspruch ignoriert. Die PSOE hat Versprechungen gemacht, die aber nicht eingehalten wurden.
Die pensionierten protestantischen Pastoren oder ihre Witwen erhalten von den jeweiligen Kirchen eine geringe Pension, da sie sonst keine Einkünfte hätten. Rechtmäßig müsste ihnen vom spanischen Staat etwas zustehen.
Der Haushalt der IEE ist mit ca. 30% für die Pensionszahlungen belastet. Dadurch können andere wichtige Aufgaben nicht erledigt werden und die Kirche ist dadurch in ihrer Entwicklung begrenzt.
Es handelt sich dabei nicht um viele Personen, die betroffen wären. In der IEE sind es ca. 12 Personen, in der IERE drei. Dazu kommt noch die Baptistische Kirche, die ähnlich belastet ist wie die IEE. Laut Aussage der Comisión Permanente der IEE gibt es keine weiteren Institutionen, die so unter dieser Ungerechtigkeit aus der Vergangenheit leiden. – Pfarrer Enno Haaks

Donnerstag, 18. November 2010

Pfarrer Kalmbach aus Argentinien berichtet

Pfarrer Kalmbach und seine Frau
Über Pfarrer Haberland aus der Hauptgruppe Nordelbien erreicht uns dieser Bericht eines ehemaligen württembergischen Pfarrers, der seit 20 Jahren in Argentinien lebt und arbeitet:
"Im November 1990 sind wir, meine Frau Dorothea, unsere Söhne Ruben und Jonas, über die EKD in den Dienst der La-Plata-Kirche in Argentinien ausgereist. Die ersten sechs Jahre arbeitete ich in einer neugegründeten Gemeinde in der nordostprovinz Misiones. Teil des Auftrages war die Leitung eines landwirtschaftlichen Entwicklungsprojektes unter armen Kleinbauern. Das Projekt wurde von Brot für die Welt und dem württembergischen GAW finanziert. Es ging damals um den Aufbau von Kleingenossenschaften, sowie Bewusstseinsarbeit im politischen und ökologischen Bereich.
1997 erneuerten wir um weitere sechs Jahre unseren Vertrag mit der EKaLP, diesmal aber geografisch im anderen Extrem, ganz um Süden, in Patagagonien. Dort, mitten im Tal des Río Negro, liegt die kleine Stadt Allen, sie bildet praktisch das Zentrum des grössten Obstanbaugebietes der Welt. In einer kleinen Obstpflanzung, drei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, befindet sich der Sitz der "Evang.Gemeinde am Río Negro und Neuquén". Das Gemeindegebiet umfasst praktisch ganz Patagonien, bis hinunter nach Ushuaía (Feuerland).  Damit sind wir die südlichste lutherische Gemeinde der Welt. Das heisst aber auch, dass der Pfarrer ständig unterwegs ist. Monatlich kommen so ungefähr 6.000 km mit dem Auto zusammen. Wir sind hier die "Diaspora in der Diaspora". Das Gemeindegebiet ist weit grösser als Mitteleuropa, aber wir haben nur ungefähr 100 Familien die über dieses grosse Gebiet verstreut leben. - Im Oktober 2001 sollten wir nach Deutschland zurück, weil die maximale Aussendezeit abgelaufen war. Gerade zu dieser Zeit hatten wir in Argentinien die schlimmste Wirtschaftskrise der Geschichte. Tausende von jungen Menschen verliessen das Land, auch aus unserer Gemeinde gingen ganze Familien weg. Deshalb wollten wir ein Zeichen setzen: wenn  so viele gehen, können wir nicht auch noch die Koffer packen.  Also entschieden wir uns ganz in den Dienst der EKalP zu treten. Damit wurden natürlich die Brücken zur Heimat abgebrochen. Ob das die richtige Entscheidung war, wissen wir bis heute nicht. Unseren Kindern haben wir bestimmt keinen guten Dienst erwiessen, sie haben hier natürlich nicht die besten Zukunftsaussichten ...
Ausser der Gemeindearbeit bin ich noch der Vertreter des MEDH (Ökumenische Bewegung für Menschenrechte) für den ganzen Süden und Leiter der Synodalabteilung für Mission und Gemeindeaufbau der EKaLP.
Zur Gemeinde gehört ein kleines Altenheim, das sich besonders um finanziell schwache Menschen kümmert. Ursprünglich nur für ältere Gemeindeglieder gedacht, ist es heute ein Heim für Menschen aller etnischen und religiösen Hintergründe, d.h. offen für alle. Da ja die evang. Kirche in Argentinien nicht als offiziell anerkannte Kirche arbeiten kann (nur auf Vereinsbasis), muss die ganze Arbeit über Spenden finanziert werden. Manche der alten Menschen können die anfallenden Kosten aufbringen, andere nicht. Dadurch ist das Heim, besonders wenn es um Umbauten, Erweiterungen, oder Anschaffungen geht, auf Spenden angewiesen. - Dies soll ein kleiner Einblick in unsere Arbeit sein. Herzlich bedanke ich mich für Ihr Interesse, auch im Namen unserer Gemeinde!"

Evangelische Stipendienprogramme

Seit Mitte November kann über ein neues Internetportal die Stipendienarbeit der evangelischen Kirchen und ihrer Dienste und Werke in Deutschland angeschaut, und die Stipendienprogramme durchsucht werden: http://www.evangelische-stipendien.de
Auch unser partnerschaftlich orientiertes Stipendienprogramm des GAW wird demnächst in diese Seite eingestellt werden, um eine Vergleichbarkeit bieten zu können, was es leistet und was es nicht leisten kann. Es ist spannend zu sehen, welche evangelischen Einrichtungen Stipendien vergeben. Dr. Anca, ehemaliger GAW-Stipendiat, leistet die kleinteilige Vernetzungsarbeit im Amt der EKD in Hannover.
Wir begrüßen diese Form von neuer Transparenz sehr! Gleichzeitig wird unser Stipendienprogramm seine besondere Stellung und Ausrichtung behalten. 
Unser GAW-Stipendium bietet Austausch und Dialog. Es ermöglicht Begegnung mit anderen Kulturen, bietet Gemeinschaft mit anderen Menschen und den Kirchen. Für uns in der Zentrale des GAW und in unseren Hauptgruppen sind unsere Stipendiaten  eine Bereicherung des kirchlichen Lebens und bieten eine gute Vernetzung mit der Theologischen Faklutät in Leipzig. - Pfarrer Enno Haaks

Dienstag, 16. November 2010

Buß- und Bettag und Diaspora

Abendmahlsbild in der lutherischen
Gemeinde in Barinas/Venezuela
Bußtage gibt es in allen Religionen. Im deutschsprachigen Raum waren sie meist in enger Verbindung mit der "weltlichen Obrigkeit" eingeführt worden. Heute mahnt der Bußtag in vielerlei Hinsicht zum Umdenken.  Auch im Alltag sei Umkehr und Neuanfang wichtig, denn "wir sind nicht perfekt, wir laufen häufig genug in die Irre", sagte der EKD-Ratsvorsitzende Schneider. "Wer sich verirrt, muss sich neu orientieren, umkehren." Das sei nicht immer angenehm. Denn wer zugebe, auf dem falschen Weg zu sein, verliere scheinbar an Ansehen. Ein Christ könne aber darauf vertrauen, dass Gott ihn nicht allein lasse, unterstrich der Ratsvorsitzende.
Immer wieder fordert die "Gute Nachricht" zur Buße auf, um dann neu Gemeinschaft zu leben. Das ist nicht immer leicht. Das erfahren kleine evangelische Kirchen in der Diaspora z.B. in Lateinamerika, wenn unterschiedliche Kulturen, soziales Herkommen, verschiedene Sprachen aufeinander treffen. Ehemalige Einwandererkirchen haben sich gewandelt zu einheimischen Kirchen. Es gab eine Öffnung in die Gesellschaften, ihrer Geschichte, ihre Traditionen. Damit kamen aber auch all die schwierigen Themen. Man merkt, wie schwer es ist, zusammen zu leben und Kirche zu sein. Dafür will aber christlich verstandene Buße werben: sich zurücknehmen, umkehren, neu ausrichten, andere einbeziehen, um dem Frieden und Gerechtigkeit und dem gemeinsamen Leben Raum zu geben. - Pfarrer Enno Haaks

Montag, 15. November 2010

"Wahrer Reichtum ist die Vielfalt"

Walter Prudencio
"Wahrer Reichtum ist die Vielfalt", sagte der Boliviansiche Botschafter Walter Prudencio in der Ev. Akademie Bad Boll in seinem Vortrag zum Thema "Die Erde ist lebendig und hat Rechte". Eindrücklich vermittelte er die ganzheitlich ausgerichtete Politik seiner Regierung unter Präsident Eva Morales. Die alten indigenen Kulturen spielen eine wichtige Rolle dabei. "Das Leben ist nur wahres Leben, wenn es Samen hintreläßt, die der nachfolgenden Generation Zukunft ermöglichen." Die derzeitige neoliberale globalisierte Wirtschaftspolitik tut dies gerade nicht. "Mutter Erde ist krank! Wir müssen etwas tun, sonst gehen wir alle unter!" sagte er. "Wir brauche eine Bewegung für Mutter Erde!"
U.a. erläuterte er, wie die Vereinten Nationen den Anspruch auf sauberes Wasser in die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte aufgenommen haben: Damit ist reines Wasser jetzt ein Menschenrecht. In der Vollversammlung der 192 Mitgliedsstaaten, von denen 163 anwesend waren, wurde eine entsprechende Resolution mit der Mehrheit von 122 Stimmen angenommen. Bolivien hatte den Vorschlag vorgelegt, der von 33 anderen Staaten unterstützt wurde.
"Wasser ist Leben. Es kommt aus den Bergen, die heilig sind, denn sie bringen das Wasser." Sagte er zum Abschluß. 
Das GAW hält Beziehung zur Lutherischen Kirche in Bolivien und fördert diese einheimische Kirche. - Pfarrer Enno Haaks

Freitag, 12. November 2010

GA-Blatt - neue Abonnenten gesucht!

Vierteljährlich erscheint das GA-Blatt. Es bietet zahlreiche und gute Informationen über Entwicklungen in den 40 Partnerkirchen unseres Diasporawerkes. In Interviews, Reportagen, Reiseberichten und Projektbesuchen werden viele Hintergründe erkennbar über Herausforderungen und Chancen unserer evangelischen Partner, die oft unter schwierigen Bedingungen versuchen, ihren evangelischen Glauben zu leben.

Es ist notwendig dieses wichtige Sprachrohr zu stärken. Deshalb bitten wir, neue Abonnenten zu finden, Ideen beizusteuern, die Interesse an unserem GA-Blatt wecken können, in den Landeskirchen, Kirchenkreisen und Gemeinden etc. 
Senden Sie uns eine Mail, sollten sie Interesse an einem Abo zu haben! - Pfarrer Enno Haaks

Mittwoch, 10. November 2010

Kreativität und Diaspora

"Wenn ich Euer Geld der Kirchen aus Deutschland hätte, dann würde ich in meiner Heimat Wunder vollbringen!" sagte auf einer Tagung eine lateinamerikanische Pastorin mir. - Ich muß gestehen: Ich glaube ihr nicht!
Oft genug habe ich gesehen und erlebt - gerade in kirchlichen Kreisen -, daß Geld  jegliche Art von Kreativität lähmt. Abhängigkeiten nehmen zu, Machtfragen werden größer und Menschen kommen wegen des Geldes und nicht wegen des Glaubens. Das klingt frustrierend. Ist es aber nicht, denn wir dürfen uns als Christen nicht falschen Abhängigkeiten hingeben.
Unser Diasporawerk lebt von Spenden. Es lebt von Geld, das wir treuhänderisch verwalten und weitergeben. Ohne diese Spenden könnten wir die wichtigen Aufgaben für unsere Partner nicht wahrnehmen, wie Kirchen, Pfarrhäuser und Gemeinderäume bauen und erhalten, oder diakonische Verantwortung. Was wir tun ist, daß wir nie die komplette benötigte Summe geben, sondern in der Regel ein Drittel, denn die entsprechende Gemeinde soll sich anstrengen und kreativ werden, um die anderen Mittel zusammenzubringen. Und ehrlich: Was man selbst erwirtschaftet hat mit eigener Hände Arbeit achtet man mehr wert. Insofern: In der Diaspora lernt man aus dem Mangel heraus oft genug mit Kreativität immer wieder Wege und Mittel zu suchen, um Vorhaben zu bewegen und Gemeinde zu stärken. - Pfarrer Enno Haaks

Dienstag, 9. November 2010

Fond für verfolgte Christen

Ende Oktober wurde in Leipzig der irakische Christ Kamal K. von Neonazis ermordet. In Leipzig hat das große Betroffenheit ausgelöst. Dramatisch ist die Situation für Christen im Irak. Sie werden zwischen den Fronte zerrieben. Der Irakkrieg hat ihre Situation verschlimmert. Viele haben das Land verlassen - unter ihnen der in Leipzig ermordete Christ.
Was tun wir für verfolgte Christen? Wie können wir helfen? Das GAW hat vor einigen Jahren einen Fond für verfolgte Christen beschlossen, der im Projektkatalog beworben wird. Mit Vertretern der Bayrischen Landeskirche haben wir uns jetzt verbunden, um hier aktiv zu werden. Alleine können wir das nicht leisten. Wir sind angewiesen auf die Kompetenz und Erfahrung, die z.B. bei bestimmten Landeskirchen liegt.
Wir werden unsere Hauptgruppen auf dem laufenden halten, wofür die Gelder verwendet werden sollen. - Pfarrer Enno Haaks

Montag, 8. November 2010

Aus der Mitgliederversammlung des GAW Kurhessen-Waldeck

Pastorin Krause, Vorsitzende des
GAW Kurhessen-Waldeck
Die wesentliche Arbeit des GAW wird an der Basis geleistet. Was wäre das Diasporawerk ohne die Erfahrung und das Engagement all der ehrenamtlich Engagierten! 
Und wie wichtig ist es, daß unsere Hauptgruppen gut vernetzt sind in der Landeskirche! 
All die verschiedenen Ebenen sind aufeinander gewiesen in unserer Arbeit. Ohne Ehrenamtlich läuft nichts. Ohne Kirchengemeinden fehlen die Orte, wo erzählt wird in Gruppen, Kreisen und Gottesdiensten von den reichen Erfahrungen in den Begegnungen mit unseren Partnern.   Schließlich: Ohne Landeskirche fehlt die Verankerung und die Identität als Evangelische!
Das wurde sehr deutlich auf der Mitgliederversammlung der Hauptgruppe des GAW  in Kurhessen-Waldeck. Die reichen Partnerschaftsarbeiten z.B. nach Kirgistan oder Estland geschehen in guter Absprache zwischen GAW und Landeskirche. 
Aber bei allem geht es immer wieder darum, Herzen von Menschen zu gewinnen für diese Arbeit. Das wird nicht einfacher in einer komplizierter und oft unüberschaubarer gewordenen Welt. - Pfarrer Enno Haaks

Samstag, 6. November 2010

Gustav Adolf Gedenktag in Lützen

Am 6. November 1632 haben vor den Toren Leipzigs, über zehntausend Menschen ihr Leben gelassen, unter ihnen Gustav Adolf, der damalige schwedische König. An jedem „Lützengedenktag“ am 6. November bedrückt, dass die Selbstbehauptung der evangelischen Sache damals auf kriegerische Gewalt angewiesen war. Und ebenso, dass der durch konfessionellen Zwist ausgelöste Krieg, der damals schon vierzehn Jahre währte, auch mit der Schlacht von Lützen noch kein Ende fand, sondern noch weitere sechzehn Jahre andauerte: der „dreißigjährige Krieg“.
GAW-Stipendiaten vor dem Epitaph
Gustav Adolfs in Meuchen
Es ist zugleich denkwürdig, dass jener Tag den entscheidenden Anstoß für eines der ältesten und am weitesten verzweigten Hilfswerke des deutschen Protestantismus bildet. Den zweihundertsten Todestag Gustav Adolfs, den 6. November 1832, nahm man zum Anlass, das Gustav-Adolf-Werk zu gründen. Wie es sich seitdem entwickelt hat und trotz aller geschichtlichen Einbrüche, Abbrüche und Aufbrüche am Leben blieb, ist ein Wunder Gottes. 
Inzwischen sehen wir im GAW ein Werk, das dem Frieden und der Versöhnung dienen will. Ausdruck dafür sind in jedem Jahr unsere Stipendiaten, die aus unseren Partnerkirchen kommen für ein Jahr an die Leipziger Universität. Auch in diesem Jahr brachten sie sich am GustavAdolf Gedenktag ein, um dem Gedenken auch eine zukunftsweisende Form zu geben. - Pfarrer Enno Haaks

Mittwoch, 3. November 2010

Friedensdekade

Am kommenden Sonntag beginnt die Ökumenische FriedensDekade - ein Tag nach dem Gedenktag, an dem Gustav II. Adolf von Schweden in der Schlacht bei Lützen vor den Toren Leipzigs im Jahre 1632 fiel.
Es ist denkwürdig, dass jener Tag den entscheidenden Anstoß für die Gründung des GAW bildete. Den zweihundertsten Todestag Gustav Adolfs, den 6. November 1832, nahm man zum Anlass, das Gustav-Adolf-Werk zu gründen. Wie es sich seitdem entwickelt hat und trotz aller geschichtlichen Einbrüche, Abbrüche und Aufbrüche am Leben blieb, ist ein Wunder Gottes. 
Den Kriegsherrn und den Verteidiger seines Glaubens zusammen zu sehen: das ist – die keineswegs einfache – Aufgabe, vor die uns die Erinnerung an Gustav II. Adolf stellt.
Hilfreich ist am Beginn der Ökumenischen Friedensdekade, sich von der „Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland“ anregen zu lassen, die über die friedensethische Position unserer Kirche Auskunft gibt. In ihr geht es um die Verantwortung für den „gerechten Frieden“. Sie macht deutlich: Wer den Frieden will, muss den Frieden vorbereiten. Wer aus dem Frieden Gottes lebt, tritt für den Frieden in der Welt ein. Friede ist nur dann nachhaltig, wenn er mit Recht und Gerechtigkeit verbunden ist. - Pfarrer Enno Haaks

Dienstag, 2. November 2010

Ehrenamt stärken

Kaum eine christliche Kirche ist so institutionalisiert wie in Deutschland, so schreibt Dr. Manfred Lütz in der letzten Chrismonausgabe 11/2010. Ein großer Teil der Arbeit und der Aufgaben wird in Kirche heute hauptamtlich abgedeckt. Auf der einen Seite wird durch Synoden eine Stärkung des Ehrenamtes gefordert, auf der anderen Seite werden viele Aufgaben hauptamtlich organisiert - oft auf Kosten des Ehrenamtes. Ketzerisch fragt Lütz: Kann man gegen Geld christlich handeln? Verkündigung und Diakonie darf nicht allein hauptamtlich organisiert werden, denn so geht die Pflicht des Christenmenschen, Gutes zu tun, verloren. Bezahlte Nächstenliebe gibt es dem Wesen nach nicht! - Der Barmherzige Samariter wäre heute in keiner Kirche angestellt worden, denn er war nicht getauft und hatte keine abgeschlossene Berufsausbildung. Er war nicht bezahlt, er war nicht hauptamtlich, er war nicht zuständig. Doch auf die entscheidende Frage, wie man in den Himmel kommen kann, sagt Jesus: Handelt so wie dieser Samariter.
Eine der Stärken der GAW-Arbeit ist das ehrenamtliche Engagement. Viele Frauen und Männer des GAW gehen in Gruppen und Kreise, erzählen Geschichten aus der Diaspora und nehmen den Auftrag , Gutes zu tun als ihre Christenpflicht an. - Pfarrer Enno Haaks 

Montag, 1. November 2010

Trennung einer Partnerschaft

Eine evangelische Gemeinde in Deutschland hat eine schmerzliche Erfahrung machen müssen. Eine langjährigen Partnerschaft nach Russland, die seit den 90er Jahren besteht, wurde nun abrupt beendet. Der Pfarrer der deutschen Gemeinde entspricht in der Gestaltung seines Lebens nicht den Vorstellungen der Partner aus Russland. Das reicht, eine bewährte und gute Partnerschaft zu beenden.
Miteinander Glauben zu leben ist nicht leicht! Vor allen Dingen dann nicht, wenn mit dem Glauben auf einmal Bedingungen verknüpft werden, die so nicht hineingehören.
Zunächst will der Glaube uns beziehungsfähig machen - zu Gott, zu unserem Nächsten und zu uns selbst. Er will uns helfen, im Dialog zu bleiben, auch wenn man unterschiedlicher Meinung ist. Er will uns helfen, andere zu verstehen, auch wenn sie aus anderem Kontext, anderer Kultur, Sprache kommen. Ohne Dialog wird es schwer, verbindenden Glauben zu leben. Das aber ist harte Arbeit!
Wir beobachten schon längere Zeit bei manchen unserer Partner, welche Auswirkungen ethische Forderungen auf unsere Beziehungen haben. Da werden schnell Themen miteinander vermischt, über die man reden muss, denn sonst geht das Verbindende des Glaubens verloren. - Pfarrer Enno Haaks