Montag, 22. November 2010

Bei den Böhmischen Brüdern in Prag

Runder Tisch in Prag
Tschechien gilt als eines der atheistischsten Länder Europas. Laut der letzten Volkszählung gehören ca. 20 % der Bevölkerung der katholischen Kirche an und nur 1% der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder (EKBB). D.h. ca. 115.000 Mitglieder zählt unsere Partnerkirche. Ungefähr 260 Pfarrer arbeiten in der Kirche. 270 Gemeinden gibt es. Z.Zt. sollen ca. 25 Pfarrstellen vakant sein. Es fehlen Pfarrer. Kein Wunder in diesem Land, denn wer möchte für umgerechnet 400 Euro monatlich Einstiegsgehalt in einem solch verantwortungsvollen Beruf arbeiten. Am Ende der Dienstzeit gibt es vielleicht 800 Euro. Zu 80% werden die Gehälter vom Staat bezahlt. Das hängt mit den Kontrollversuchen des Staates in kommunistischer Zeit zusammen. Es gibt den Wunsch, zu neuen Vereinbarungen mit dem Staat zu kommen. Man sehnt sich nach mehr Unabhängigkeit. Nur nicht zu jedem Preis, denn mit dem allen zusammen hängen Rückgabeforderungen der Kirche an den Staat, die aus den Enteignungen kommunistischer Zeit stammen.
Nachdem es nun eine neue Regierung gibt, hofft man, dass die Verhandlungen wieder neu in Gang kommen und es zu einer tragfähigen Lösung kommt zwischen Staat und Kirche. Ökumenisch ist man sich hier mit den Katholiken sehr einig. Jetzt ist der Staat gefordert. Ob er es schafft? Es gibt zweifelnde Stimmen.
Zur Zeit findet in Prag ein Runder Tisch statt, um sich auszutauschen mit den Partnern der EKBB über die Situation der Kirche, Projekte, diakonische Arbeit. – Pfarrer Enno Haaks

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