Freitag, 31. Dezember 2010

Diasporabewußtsein

In der Autobiographie Rafael Seligmanns "Deutschland wird dir gefallen!" (erschienen 2010) schreibt er von seiner Existenz und seinem Leben zwischen Deutschland und Israel: "Die neue Stärke nutzte ich, um nach zwei Dekaden die Rückkehr nach Israel zu wagen. Das Ergebnis war ein zionistischer Seiltanz über einem materiellen deutschen Sicherungsnetz. Dabei wurde mir das eigene Diasporabewußtsein offenbar. Ich genoss den Aufenthalt in Zion, es war jedoch unübersehbar, dass ich nicht Teil der israelischen Militärgesellschaft war. Ich strebte auch nicht danach, es zu werden. Ich erkannte im ersehnten Land zunehmend meine Bindung an die deutsche Sprache und Kultur." (S. 456)
Diasporabewußtsein - das ist die nicht immer einfache Existenz zwischen der ersehnten Nähe zur Heimat, der man sich existenziell verbunden fühlt und sehnt, das ist auf der anderen Seite das empfundene Fremdsein in einer Gesellschaft, die mehrheitlich anders glaubt. Und doch lebt man dort. Man ist weder dort noch hier innerlich 100%-ig zu Hause. Man fühlt sich zerrissen und oft wie das "wandernde Gottesvolk, das hier keine bleibende Stadt hat. Und gleichzeitig hilft man der Mehrheit der Gesellschaft, Minderheitenrechte zu achten, sich nicht absolut zu setzen und das gottgeschenkte Leben vielfältig aus unterschiedlichen Perspektiven wahrnehmen zu können. - Pfarrer Enno Haaks

Donnerstag, 30. Dezember 2010

Vorwürfe eines FDP-Mannes gegen die Evangelische Kirche

Der Vorsitzende der Landes-FDP in Sachsen Holger Zastrow hat zum Jahreswechsel erneut die Evangelische Landeskirche Sachsen heftig kritisiert: "(Sie) agiert wie eine Partei."
Er bezog sich auf die Kritk der Kirche an der Politik der Landesregierung in Bezug auf eine Aufweichung der Sonntagsschutzes und eine Einschränkung der Weiterentwicklung der "Freien Schulen" in Sachsen. Zastrow stellt die Kirche dabei in eine "linke Ecke" und mahnt die Kirche, ihre Diasporasituation nicht zu verkennen. Dabei zielt er darauf ab, daß eine Minderheitenkirche nicht den Anspruch erheben könne, zu politischen Fragen so massiv Stellung zu nehmen. "Wir haben in Sachsen eine Gesellschaft mit einer übergroßen konfessionslosen Mehrheit."
Alle Achtung... - Zastrow ignoriert dabei die gesellschaftliche Verantwortung, die Kirche - trotz Minderheitensituation - hat und die der Staat durch das Subsidiaritätsprinzip von ihr fordert. Kirche nimmt Anteil an gesellschaftlicher Entwicklung und muß es tun. Sie muß laut ihrem profetischen Auftrag ihre Stimme erheben, wenn Politik sich nur noch nach Marktkategorien neoliberaler Prägung ausrichtet. Sie muß für den Erhalt "Freier Schulen" eintreten, um Pluralität im Bildungsbereich zu stärken nach zwei Dikataturen, die den Erziehungsbereich mißbrauchten für politische Zwecke. Das Diasporawerk der EKD, das Gustav Adolf Werk (GAW), unterstützt den Einsatz für den Erhalt der Evangelischen Schulen und deren Finanzierung. In den letzten 10 Jahren hat das GAW allein in Sachsen 145.000 Euro für Schulgründungen in Sachsen eingesetzt. Gerade die Evangelischen Schulen haben nach der Wende Hervorragendes im Bildungssektor geleistet. Den ersten Landesregierungen nach der Wende war das sehr bewußt!
Und dass Diasporakirchen sich nicht äußern dürften in politischen Fragen, wenn es um Werte und Orientierung geht, ist eine Ignoranz, der es an Weite fehlt. Gerade Institutionen, die Werte vermitteln und Menschen Orientierung geben, müssen sich einmischen! 
Das GAW kann von vielen Erfahrungen von Diasporakirchen in der Welt erzählen, die wichtige gesellschaftliche Beiträge geleistet haben und leisten, z.B. in Chile in Menschenrechtsfragen oder der Beitrag der Diasporakirchen in den postkommunistischen Ländern, in denen gerade eine Werteorientierung verlorengegangen ist - auch durch Bekämpfung von Kirchen. - Pfarrer Enno Haaks, Generalsekretär des GAW mit Sitz in Leipzig


Dienstag, 28. Dezember 2010

Pfarrer Wehrli wechselt ins Präsidialministerium in Chile

Pfarrer Juan Wehrli
Am 20. Dezember 2010 wechselte Juan Wehrli, Pfarrer der ILCH (Iglesia Luterana en Chile), ins Präsidialministerium und leitet nun das Amt für Religiöse Fragen. Für die Lutheraner ist das ein Zeichen der Anerkennung - und für die wachsende "evangelische" Bevölkerung Ausdruck ihrer Wertschätzung. 
Chiles „Evangelicos“, zu denen sich in dem südamerikanischen Land sowohl die direkten Erben der europäischen Reformation als auch Methodisten und Pfingstkirchen zählen, betragen heute an die 20% der Gesamtbevölkerung. Erstmals in einem lateinamerikanischen Land wurden ihre Kirchen ebenso wie andere Glaubensgemeinschaften in einem neuen Religionsgesetz 1999 der römisch-katholischen Kirche rechtlich gleichgestellt. Das beinhaltet auch die Einrichtung evangelischen Religionsunterrichtes, Krankenhaus- und Gefängnisseelsorge und Militärseelsorge. Für solche Fragen ist Wehrli mitverantwortlich innerhalb der Regierung der Mitte-Rechts Koalition aus RN und UDI unter Präsident Sebastian Piñera.
"Es ist eine Auszeichnung für Wehrlis langjährige Arbeit und ein letzter achtmonatiger Job vor seiner Rente. Auch eine Anerkennung für uns Lutheraner als "Väter" aller Evangelicos in Chile," schreibt Jürgen Lebbrandt, Präsident der ILCH. - Pfarrer Enno Haaks

Montag, 27. Dezember 2010

Das GAW im Jahr 2010

178 Jahre gibt es das Gustav Adolf Werk (GAW), das älteste evangelische Hilfswerk Deutschlands. Durch seine Hilfe für reformierten, unierten und lutherischen Kirchen in Lateinamerika, Europa bis nach Zentralasien ist es mit zum Vorbereiter versöhnter Verschiedenheit innerhalb der Evangelischen in Deutschland geworden. Die Tat für Evangelische in der Diaspora hat innerevangelische Differenzen zurücktreten lassen. Damit ist das GAW auch Wegbereiter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gewesen.
Es ist ein Segen, daß es das GAW gibt! Und gerade im Jahr 2010 konnten wir wieder segensreich wirken: das hat sich z.B. gezeigt nach dem schweren Erdbeben in Chile; das GAW hat Enormes geleistet bei der Wiederaufbauhilfe in beiden lutherischen Kirchen. Oder auch bei den Schäden durch Überschwemmungen in Polen konnten wir zügig helfen. Und erneut haben wir es geschafft, unsere Zusagen, die wir mit dem Projektkatalog 2010 gegeben haben, zu erfüllen. 1,6 Millionen Euro haben Haupt- und Frauengruppen in Deutschland gesammelt, um über 150 Projekte unserer Partner zu fördern. Die gleiche Summe haben wir uns für 2011 vorgenommen. Wir hoffen und beten, daß wir gemeinsam es schaffen werden.
Auch das GAW ist bei all den Veränderungen gefordert, sich den Veränderungen in Kirche anzupassen. In Zukunft wird es nicht einfacher werden für das GAW. Bestimmte Veränderungen sind auf den Weg gebracht, wie z.B. der Ausbau der Zentrale mit der damit einhergehenden Reduzierung des Gästebereiches. Durch die reglemäßigen Mieteinnahmen soll hier Planungssicherheit gegeben sein.
Wir arbeiten intensiv daran, das GAW immer wieder ins Gespräch zu bringen und zu stärken, wie z.B. im vergangenen Jahr durch die Neugründung des GAW Braunschweig. Solche Zeichen brauchen wir!
Seien Sie behütet im kommenden Jahr 2011! - Pfarrer Enno Haaks

Dienstag, 21. Dezember 2010

Weihnachten in Chile

Es war für mich eines der bewegendsten Ereignisse des nun zu Ende gehenden Jahres 2010 als die 33 chilenischen Bergleute nach 69 Tagen der Ungewißheit, Angst, Todesahnung, des Hoffens und Bangens endlich gerettet wurden. Im Freudentaumel fielen sich Retter und Gerettete, Kumpel und Familienangehörige in die Arme. Und die gesamte Welt freute sich mit. In Caracas saß ich vor dem Fernseher und verfolgte etliche Stunden die Rettungsaktion mit Freunden auf einem chilenischen Kanal, der für den geamten Kontinent die Rettung ausstrahlte.
Irgendwann sagte einer der Kumpel im Interview: "Wir waren nicht 33, nein wir waren 34!" Und natürlich sprach er ganz selbstverständlich von Jesus als seinem Bruder, der sich für ihn ganz selbstverständlich in die Tiefen der Erde hinabbegeben hatte, um ihnen beizustehen. "Ohne IHN hätten wir das nicht überlebt! Wer hätte uns gelehrt, die knappen Lebensmittel so gut aufzuteilen, daß sie ausreichten, bis dann endlich Hilfe kam und wir von oben versorgt werden konnte. Das war wie das Brotvermehrungswunder! Und wer hat uns  Kraft gegeben durchzuhalten und nicht verrückt zu werden?"
Für mich ist das auch eine der vielen Weihnachtsgeschichten diesen Jahres: Gott begibt sich in all unsere Tiefen, um uns beizustehen, um uns zu lehren Menschen zu werden  und zu bleiben (hoffentlich) und er will, daß wir neu geboren werden - Weihnachten leben!
Allen die diesen Blog ab und an lesen, wünsche ich von Herzen ein gesegnetes Weihnachtsfest!- Pfarrer Enno Haaks

Montag, 20. Dezember 2010

Lutherisch in Kirgisistan

Seit Jahren steckt die zentralasiatische Republik in einer Dauerkrise. Und mittendrin lebt eine kleine lutherische Kirche. Mit jeder neuen Regierung haben die Menschen die Hoffnung gehabt, dass etwas besser wird und sich ändert.« Alexander Schanz, stellvertretender Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Republik Kirgisistan schaut fragend Elmira Mamatachunowa an. Als Russlanddeutscher hat er sich trotz einer Einreisegenehmigung nach Deutschland dafür entschieden, in Kirgisistan zu bleiben, aber bei der Frage, was die ethnischen Kirgisen denken und fühlen, weiß er um seine Grenzen. Und die Kirgisin Mamatachunowa ist in der Tat skeptischer. »Ich habe keine Hoffnung und kein Vertrauen, dass es besser wird. Die neuen Herren werden wieder ihre Säcke füllen und sich damit davonmachen.«
Acht Monate nach dem Regierungsumsturz im April, sechs Monate nach dem blutigen Konflikt zwischen Kirgisen und Usbeken im Süden des Landes, zwei Monate nach den Wahlen hat das Land eben eine neue Regierung bekommen. Vielleicht sind die politischen Wirren sogar eine Chance für die lutherische Kirche. Denn so hatte niemand Zeit, das restriktive Religionsgesetz aus dem Jahr 2009 durchzusetzen.
Das Gesetz verlangt zum Beispiel eine Umregistrierung von Gemeinden, wobei die Mindestzahl für Mitglieder auf 200 Personen festgelegt wurde – die größte lutherische Gemeinde in Winogradnoje zählt etwa 80 Personen. Mit ihren rund 600 Gemeindegliedern und 15 Gemeinden sind die Lutheraner eine kleine Minderheit in dem islamischen Land, kleiner an Zahl sogar als die Baptisten oder Pfingstler.
Entstanden als Kirche der deportierten Russlanddeutschen, hat sich die Evangelisch-Lutherische Kirche in Kirgisistan mit der politischen Wende 1991 und mit der Auswanderung der Deutschen für die russischsprachigen Bewohner des Landes geöffnet. Doch nun sitzen auch die Russen auf gepackten Koffern.
Auch wenn der blutige Konflikt sich zwischen Kirgisen und Usbeken ereignete, sicher fühlen sich auch die anderen Nationen nicht mehr. Kann eine kleine Kirche, die nicht historisch im Land verwurzelt ist, unter solchen Bedingungen, unter ständigem Aderlass überleben? Wieder gleitet Alexander Schanz’ Blick zu Elmira Mamatachunowa hinüber. Sie ist eine lutherische Kirgisin.Vor vier Jahren schenkte ein Christ der Geschäftsfrau eine Bibel. Sie trug das Buch mit sich, las in jeder freien Minute darin – und verstand das ­Ge­lesene nicht. Doch sie las weiter, hartnäckig. Als hätte sie geahnt, dass sie darin die Liebe und Wärme finden würde, die ihr als 17. von 21 Kindern, einer von den zu vielen ungewünschten Töchtern, versagt geblieben war. Ihr Leben lang hatte sie ihre ganze Energie in das Streben nach Wohlstand, nach Geld, nach Autos gesteckt und ihre Kinder als Störfaktor ­wahr­genommen. Seit zwei Jahren ist die 45 Jahre alte Mutter von sechs Kindern und Großmutter getauft. Sie hat schließlich, von Lebenskrisen erschüttert, den Menschen aufgesucht, der ihr die Bibel geschenkt hatte. Sie wollte, dass jemand ihr das Buch erklärt. In christlicher Gemeinschaft hat sie die Geborgenheit erfahren, wonach sie sich lange gesehnt hatte, und sogar die eigene Liebesfähigkeit entdeckt. »Ich habe erkannt, dass jeder Mensch besonders ist. Und den Sinn des ­Lebens gefunden.« Diesen Schatz möchte sie weitergeben an andere Kirgisen, die auf das Leben zornig sind, wie sie es selbst gewesen war.
Inzwischen gibt es auch einen 22-jährigen Prediger, der Kirgisisch spricht, und es gibt eine Gemeinde mit mehreren usbekischen Mitgliedern. Es besteht also durchaus die Chance, dass die lutherische Kirche im Land bleibt und Deutsche, Russen, Usbeken und Kirgisen vereint – wenn die Machthaber und die muslimische Mehrheit diese Entwicklung zulassen und zum Beispiel das Predigen auf Kirgisisch oder die Arbeit mit Kindern nicht unterbinden.
Alexander Schanz hat jedenfalls eine ganz klare Vorstellung von der Zukunft seiner Kirche. »Ich wünschte, wir werden uns einmal eine kirgisische lutherische Kirche nennen können, nicht mehr lutherische Kirche in Kirgisistan.« - Maaja Pauska

Samstag, 18. Dezember 2010

Die IELCO und Bucaramanga

Im November fand ein Treffen der Partner der Kolumbianisch Lutherischen Kirche (IELCO) in Bogotá statt. Das GAW wurde vertreten durch den Pfarrer der EKD Edzard Sziuts, der ein positives Resümee zog und die Kirche auf einem guten Weg sieht.
Insgesamt hat die IELCO ca. 1500 Mitglieder. 60% gehören der ärmsten Bevölkerungsschicht an, 30% der unteren Mittelschicht und nur ca. 10% der Mittelschicht. Dieses sozio-ökonomische Bild zeigt, in welche Richtung die Planungen der IELCO zielen müssen. Das Missionskonzept spiegelte diese Erhebungen wider. 
In diese missionarische Planungen zielt das Engagement der Gemeinde in Bucaramanga, die sich sehr um die Ärmsten sorgt und kümmert. Hervorzuheben ist die Flüchtlingsarbeit der Gemeinde. Es ist immer deutlicher geworden, dass die kleine Garagenkirche dafür nicht mehr ausreicht. Den Ankauf eines größeren Gebäudes begleitet das GAW. In den letzten drei Projektkatalogen wurden dafür Spenden eingeworben. Jetzt hoffen wir, dass trotz schwieriges wirtschaftlicher Verhältnisse in Kolumbien die Gemeinde mit einem neuen Gebäude weiterentwickeln kann. – Pfarrer Enno Haaks

Freitag, 17. Dezember 2010

Diaspora, Fremde und das GAW

Dr. Hüffmeier, Präsident des GAW
Theodor Fontane schreibt: "Erst die Fremde lehrt uns, was wir an der Heimat besitzen." Unser Präsident Dr. Hüffmeier schreibt dazu im Weihnachtsbrief der Hauptgruppe der EKBO: "An diesen Satz muß ich immer wieder denken, als ich im Oktober diesen Jahres lutherische Gemeinden in Rondonia, dem Bundesstaat im südwestlichen Amazonasgebiet Brasiliens, besuchte. Mit dem GAW geht es vielen nämlich ganz ähnlich: Erst die evangelische Diaspora lehrt sie, was sie an diesem Werk haben. bei mir war das einst auch so. Wird das GAW dann zur Heimat, merkt man: keine Idylle, kein harmloser Ort, ein Ort vielmehr von Leuten mit Herz - für Protestanten in schwierigen Verhältnissen."

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Scuola Santa Maria de la Bruna

Der Pfarrer und Schulleiter inmitten
seiner Schüler beim Schuljubiäum 2010
Seit Jahren unterstützt das Gustav Adolf Werk eine kleine Primarschule am Golf von Neapel. In vielen Dingen erinnerte mich diese Schule mehr an Lateinamerika als an Europa. Viele Probleme, mit der die Schule und damit die Luthersiche Kirche zu kämpfen hat ähneln sich. Der Staat ist zögerlich in der Zahlung der Zuwendungen und zudem schwanken die Zahlungen.
Die Schule in Santa Maria de la Bruna bietet neben dem Kindergarten für insgesamt 135 Kinder aus einer der sozail betrachtet ärmsten Gegenden am Golf von Napel die ersten fünf Grundschulklassen an. Es gibt ein warmes Mittagessen, Hausaufgabenbetreueung und andere schulische Aktivitäten. Damit werden vor allem den Müttern die Chance gegeben, Geld verdienen zu können. Die Schule leistet einen wichtigen Dienst. Sie wird geleitet von dem Pfarrer, der in Torre Annunciata wohnt und diese beiden Predigtstellen betreut.
Eine beeindruckende Arbeit, die diese kleinen rein italienische Gemeinde leistet. Heute erreichte uns ein Dankesbrief aus Südeuropa. - Pfarrer Enno Haaks 

Montag, 13. Dezember 2010

Die Lettische Lutherische Kirche und ihre Partner

Erzbischof Vanags
Die Beziehung zwischen der Evangelisch Lutherischen Kirche Lettlands (ELKL) und ihren Partnerkirchen wie z.B. der Nordelbischen Kirche, der Sächsischen Kirche, der Schwedischen Kirche und der Lettischen Auslandskirche waren in den vergangenen Jahren nicht spannungsfrei. Unter Erzbischof Vanags nahm die Kirche einen konservativen Kurs hin zu anderen sog. "bekenntnistreuen Kirchen" wie der SELK in Deutschland und der Missouri Synode (USA), die bis heute keine vertraglichen Beziehungen zum Luthersichen Weltbund hat. Es gibt keine Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft. Die Ordination der Frauen ins Pfarramt wird abgelehnt.
Erzbischof Vanags gab auf der Synode Anfang Dezember zu, daß diese unterschiedlichen Beziehungen und Haltungen zu diesen theologischen Fragen immer wieder zu Zerreißproben geführt haben. Er dankte für die Geduld der Partner und bat auch um Verzeihung bei zugefügten Verletzungen.
Es fragt sich, ob durch Annäherung ein Wandel in den Beziehung gefördert werden kann? Gibt es Bewegung hin zu den Kirchen, die Frauen odinieren? Gibt es Dialog in theologischen Fragen? Schließen sich die qualitativ unterschiedlichen Partnerschaften nicht eher gegeneinander aus?
Gerade die Frauenarbeit des GAW hat sich intensiv mit Fragen der Frauenordination auseinandergesetzt. Sie haben und machen sich stark für Theologinnen in den Ländern, die es schwer haben, ins Amt kommen zu können.  Wo sind die Grenzen überschritten, wenn es zu Zerreißproben kommt? - Pfarrer Enno Haaks

Sonntag, 12. Dezember 2010

Advent- und Weihnachtsgruß aus Argentinien

René Krüger
René Krüger, Theologieprofessor an der ISEDET in Argentinien schreibt uns einen nachdenklichen Advents- und Weihnachtsgruß:
"Zum 3. Advent und als Vorweihnachtsgruß erlaube ich mir, euch ein einfaches Krippenspiel zu schicken, das ich 1991 (auf Spanisch) geschrieben habe. Damals arbeitete ich im Pfarramt Gualeguaychú, Provinz Entre Ríos, Argentinien. Wir haben das Krippenspiel mit den Kindern und Jugendlichen eingeübt und in vielen Gemeinden aufgeführt. "Erlebt" müsste man eigentlich sagen, denn überall schlossen sich interessante Gespräche und auch Aussprachen mit der zu Heiligabend oder zum Weihnachtsgottesdienst versammelten Gemeinde an. Obwohl das Krippenspiel fast 20 Jahre alt ist, finde ich die behandelte Thematik immer noch aktuell. Eigentlich noch viel aktueller als vor zwei Jahrzehnten, denn in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde in ganz Lateinamerika das globalisierte, neoliberale System eingeführt und durchgeboxt, mit dem Ergebnis, dass auf der einen Seite die egoistische Verschwendung bei der oberen Mittelschicht und der Oberschicht unheimlich angestiegen ist und auf der anderen Seite die Verarmung der Mittelschicht und die Verelendung der Unterschicht sämtliche Statistiken gesprengt hat. Gerade zu Weihnachten machen sich diese gravierenden Gräben sehr schmerzhaft bemerkbar. Die Gegensätze können nicht größer sein: Proppenvolle Schaufenster, eine Verschwendung ohnegleichen, sinnlose Fresserei und Sauferei, Luxusreisen, totale Sinnentleerung des Festes. Dazu alkoholisierte Jugendbanden, die grölend am 24. Dezember die Straßen verunsichern; inhaltsleere Talkshows, in denen sich Prominente gegenseitig zuprosten. Zugleich halb verhungerte Kinder, die sich die Nasen an den Schaufenstern der Luxusstraßen in Buenos Aires platt drücken; in ein paar Lumpen gehüllte Gestalten, die die Mülleimer auf der Suche nach etwas Essbarem durchwühlen; von ihrem Stammesland rausgeschossene Indigene, denen auch noch die ärmlichen Hütten angezündet wurden; Fremdenhass...
Möge Gott uns zu all dem verrückten Kommerzrummel und zur Gewalt ganz klar und eindeutig Nein sagen lehren und uns Augen, Ohren, Herz, Verstand, Hände und Taschen für das Kind in Windeln und in der Krippe öffnen. Möge er uns Friedens- und Segensalternativen für diejenigen zeigen, die überhaupt nichts zu feiern haben. Möge er unsere Gemeinden in ihrem Entschluss bestärken, allein auf unseren Herrn zu hören und zu vertrauen. Mit herzlichen Grüßen, René Krüger"
P.S.: Das Krippenspiel kann per mail in der Zentrale des GAW abgerufen werden! (info@gustav-adolf-werk.de)

Freitag, 10. Dezember 2010

Fußball in Spanien und die Diasporakirchen

Bei der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika hat der spanische Fußball begeistert. Es gibt tolle Spieler in der Liga! Allerdings gibt es nur zwei Clubs in Spanien - Real Madrid und CF Barcelona - die das Geschehen der Liga unter sich ausmachen. Seit Jahren leben die spanischen Clubs dabei über ihre Verhältnisse. Allein nach wirtschaftlichen Kriterien hätte die Liga ihren Spielbetrieb einstellen müssen. In der vorigen Saison gab es einen Verlust von 733 Millionen Euro. Vor dem Bankrott  werden die Clubs nur bewahrt durch den Staat, Gemeinden oder öffentliche Sparkassen, d.h. letztlich hält der Steuerzahler das überteuerte spanische Fußballsystem am Leben. Der größte Gläubiger ist dabei der Fiskus mit ca. 650 Millionen Euro. Hätte der Staat dieses Geld eingetrieben, hätte er den spanischen Rentnern die jüngsten finanziellen Einschnitte teilweise ersparen können - das sagen jedenfalls etliche spanische Politiker.
Was hat das mit der spanischen Diaspora zu tun? Besonders die Iglesia Evangélica Española (IEE) leidet unter einer "historischen Schuld" des spanischen Staates gegenüber ihren Pfarrern, die in der Franco-Diktatur nichts in die Pensionskassen einzahlen durften. Inzwischen erkennt die Regierung das als Schuld an, hat aber noch nichts unternommen, zu einem finanziellen Ausgleich zu kommen. Solche nicht eingeforderten Schulden gehen dem Staat verloren. Zudem sorgt die Wirtschaftskrise in Spanien für klamme Kassen.
Für unsere Partnerkirchen in Spanien ist das sehr bitter, daß sie selbst ihren pensionierten Pfarrern die Pension zahlen müssen, denn sonst hätten diese nach einem langen Berufsleben nichts. Auf der einen Seite hoch bezahlte Profis, eine verschuldete Liga - auf der anderen Seite Menschen, die keine Rente bekommen ... - Pfarrer Enno Haas

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Nachricht aus Bucaramanga/Kolumbien

Pastor Martinez und Familie
Pastor Israel Martinez berichtet Dramatisches aus Bucaramanga/Kolumbien, einer Stadt in Grenznähe zu Venezuela: "Die politische Situation ist sehr schwierig zur Zeit. Gestern wurden in unserer Umgebung 27 Guerilleros ermordet aus Rache wegen der Ermordung von 30 Polizisten und Soldaten. Es scheint, daß die Guerilla dem neuen Präsidenten signalisieren will, daß sie noch sehr vital ist und den Krieg fortsetzen wird. Das ist alles sehr traurig und schwierig. Wir wissen nicht, wie es sich weiterentwickeln wird. Und wir sind auf Eure Gebete angewiesen."
Israel Martinez betreut eine Gemeinde, die sich um Menschen kümmert, die vor dem Bürgerkrieg geflohen sind und Zuflucht suchen. Die Gemeinde "El Divino Redentor" ist auch durch diese Arbeit gewachsen. Die Räumlichkeiten reichen nicht mehr aus. So wurde beschlossen, etwas Neues zu bauen. Mit Hilfe der Finnischen Mission und des GAW sollte dieses Projekt realisiert werden. Nun gab es Probleme in der Realisierung. Man hat ein anderes Grundstück gefunden auf dem es schon ein größeres Gebäude gibt. Es liegt zudem besser als die bisherige Kirche und bietet größere Chancen für das Gemeindewachstum. Die Kosten bleiben gleich. An der Umsetzung hapert es noch durch die schwierige ökonomische Situation, den schwachen Dollar und auch bürokratischen Hürden. Das GAW wurde gebeten, den Veränderungen im Projekt zuzustimmen. - Pfarrer Enno Haaks

Dienstag, 7. Dezember 2010

Erzbischof Vanags wiedergewählt

Erzbischof Vanags (Mitte)
Auf der 25. Synode der Lettischen Evangelisch-Lutherischen Kirche vom 3. und 4. Dezember wurde Erzbischof Vanags wiedergewählt. Er bekam ca. 25% Gegenstimmen. Das zeugt von kritischen Stimmen innerhalb der Kirche, die u.a. eine zunehmende "Katholisierung" kritisieren. Eigentlich war die Wiederwahl zu erwarten, obwohl Vanags im Vorfeld angedeutet hatte, sein Amt zur Verfügung zu stellen. Gespannt sind wir als Partner dieser Kirche, wie es weitergehen wird, denn nach wie vor gibt es große Probleme innerhalb der Kirche. Die Führung der Lutherakademie wurde ausgetauscht. Auch für Frauen innerhalb der Kirche wird sich wohl nicht viel ändern. Es bleiben viele offene Fragen. Und es bleibt auch bei kritischen Stimmen innerhalb der Kirche die Sorge, wie es für sie weitergehen wird. 
Auch Partnerkirchen und Hilfswerke werden mit Sicherheit aufmerksam die weiteren Entwicklungen beobachten. - Pfarrer Enno Haaks 

Freitag, 3. Dezember 2010

Petersburger Gemeinde wird 300 Jahre alt

Am 5. Dezember feiert die Petrigemeinde in St. Peterburg ihren 300. Geburtstag. Dafür gab es sogar ein Glückwunschschreiben der russisch-orthodoxen Kirche, obwohl die sonst eher auf Abstand bedacht ist. Das Jubiläum begeht die Gemeinde mit einem Rückblick auf die wechselvolle Vergangenheit, aber ohne Zukunftsängste. Ihren Ursprung verdankt die Petersburger lutherische Gemeinde dem russischen Vize-Admiral Cornelius Cryus. Der mit niederländischen und norwegischen Wurzeln ausgestattete erste Kommandeur der russischen Ostseeflotte schenkte den Lutheranern im Jahr 1710 eine kleine Holzkapelle auf dem Hof seines Anwesens. 17 Jahre später bekam die Gemeinde von Zar Peter dem Großen ein Grundstück am Newski Prospekt. Dort entstand die Petrikirche, die der Gemeinde ihren Namen gab. Lesen Sie mehr unter diesem link: http://www.ekd.de/aktuell_presse/news_2010_12_03_3_gemeindejubilaeum_petersburg.html
Das GAW hat immer wieder mitgeholfen, die Kirche zu erhalten, gerade nachdem sie vom Schwimmbad aus der stalinistischen Zeit wieder in eine funktionierende Kirche umgewandelt wurde.

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Ein Jahr Pfarrer in Bolivien...

In Chrismon ist es inzwischen eine gute Tradition, daß ins Ausland entsandte Pfarrer aus ihrer Gemeindeerfahrung berichten. Pfarrer i. R. Claus von Criegern begleitet ein Jahr die evangelisch-lutherische Gemeinde deutscher Sprache in La Paz, Bolivien. Er betreut die Gemeinde, in der seit einigen Jahren pensionierte Pfarrer die Gemeinde betreuen. In der aktuellen Chrismonausgabe berichtet er von seinen Eindrücken aus Bolivien: http://www.chrismon.de/7060.php
Das GAW begleitet seit Jahren die BOLIVIANISCHE EVANGELISCH-LUTHERISCHE KIRCHE (IELB), die ca. 20.000 Mitglieder in 120 Ortsgemeinden und 20 Filialen in 10 Distrikten hat. Ihr Kirchenpräsident ist Pastor Luis Cristobal Alejo Fernández. Die Kirche der Pfalz ist Partnerkirche zur IELB. - Pfarrer Enno Haaks

Migrantenkirchen in der europäischen Diaspora

Prof. Dr. Elisabeth Parmentier
Prof. Dr. Elisabeth Parmentier von der Université de Strasbourg, die sehr mit dem GAW verbunden ist, hielt am 2. Dezember eine Gastvorlesung an der Theologischen Fakultät Leipzig zum Thema: „Migrantenkirchen – eine neue Herausforderung für evangelische Mission und Ökumene“.
Lebendig erzählte sie von den zahlreichen Migrantenkirchen bedonders aus Afrika, die im laizistischen Frankreich versuchen missionarische Kirche zu sein. Es gibt unter ihnen eine Vielzahl von Gemeinden und Kirchen, die aus dem protestantischen Bereich der historischen Kirchen kommen bis hin zu evangelikal-pfingstlerischen Gruppen, die jeglichen Dialog meiden. Nach politischen Verständnis gehört in Frankreich Religion absolut in den privaten Bereich, in den sich der Staat nicht einmischt. Andersherum will der Staat ebenso wenig, dass sich Kirchen in die Belange des Staates einmischen – in keine! Für afrikanisch geprägte Christen ist das eigentlich undenkbar. Inzwischen treten sie mit großem Selbstbewusstsein auf, dass sie in den „Norden“ kommen, um zu missionieren. Europa ist in ihren Augen Missionsland! Kein Wunder, dass es dann auch zu Spannungen kommen kann.
Die Frage ist, wie man im Dialog bleibt, was man lernen kann, was diese Kirchen aber auch in der Diaspora lernen können. – Pfarrer Enno Haaks

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Von einer Volkskirche zur Diasporakirche - lutherisch in Siebenbürgen

Bischof Klein
In einem Interview mit dem Deutschlandfunk wurde vor Kurzem Bischof Klein aus Siebenbürgen/Rumänien interviewt. Im Dezember tritt er nach 20jähriger Dienstzeit in den Ruhestand. Gerade wurde sein Nachfolger gewählt.
Bischof Klein resümierte den Weg der Kirche nach dem Mauerfall. Gehörten vor 20 Jahren noch ca. 100.000 Gläubige der Kirche an, so sind es jetzt noch ca. 13.000. Viele sind nach dem Mauerfall nach Deutschland gegangen. Für die Kirche war dieser "Verlust" schwierig. Und schwer ist es immer noch zu verstehen, daß man keine "Volkskirche" mehr ist, sondern sich dadurch auch das Bewußtsein der Kirche wandeln muß. Eindrücklich sei, wie gerade auch die orthodoxe Mehrheitskirche auf vielfältigen Arbeitsbereiche der Kirche schaut, wie der Jugend-, Frauen- und diakonischen Arbeit. Und sie lernt von der Evangelischen Kirche A.B. in Siebenbürgen. Und Bischof Klein betont: "Auch kleine Kirchen haben eine Chance in die Gesellschaft zu wirken." - Pfarrer Enno Haaks

Dienstag, 30. November 2010

ELKRAS auf "konservativem" Kurs?

Erzbischof August Kruse
In den vergangenen Tagen erreicht uns eine epd-Pressemitteilung, in der Erzbischof Kruse von der ELKRAS zitiert wird.
Man spürt in dem Text u.a. das intensive Mühen um den weiteren Weg der ELKRAS-Kirchen zwischen brüderschaftlich ausgerichteter pietistischen Frömmigkeit und einer liberaleren Theologie, die sich mit Fragen und Herausforderungen im gesellschaftlichen Kontext beschäftigt. Auch hört man, daß das Engagement deutscher Partner zum Teil kritisch betrachtet wird. Mit Sorge erfüllen uns Beobachtungen, wie nach und nach das gute und segensreiche Arbeiten von Pastorinnen erschwert und hinterfragt wird. Und doch gibt es gerade z.B. in Samara eine gute Arbeit einer Pastorin, die sich um ein lebendiges Gemeindeleben sorgt.
Dem Erzbischof haben wir zunächst einen Brief geschrieben und um eine Stellungnahme zu den irritierenden Äußerungen gebeten. - Pfarrer Enno Haaks

Samstag, 27. November 2010

Neuer Bischof in der Ev. Kirche A.B. in Rumänien

Der neu Bischof Guib links neben
Altbischof Klein
Als Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien wurde Dechant Reinhart Guib aus Mediasch gewählt und damit als Nachfolger von Bischof Klein, der in den vergangenen 20 Jahren die Kirche geleitet hatte.
Reinhart Guib wurde 1962 in Mediasch geboren, er absolvierte von 1983 bis 1989 das Protestantisch Theologische Institut in Hermannstadt, war anschließend Pfarrvikar in Fogarasch und Pfarrer in Tekes. Danach wurde er zum Stadtpfarrer in Mediasch gewählt und war Dechant des Mediascher Kirchenbezirks. Zuletzt war er Bischofsvikar der Evang. Kirche A.B. in Rumänien. Seine Auslandsstudien absolvierte er an der Theologischen Fakultät in Erlangen. 
Der neugewählte Bischof zählt zu der jungen Pfarrer-Generation der Siebenbürger Sachsen, die sich bewusst für den Dienst in Rumänien entschieden haben und trotz des großen Exodus der Siebenbürger Sachsen nach 1990 nach Deutschland und Österreich, hoffnungsvoll in die Zukunft in Rumänien blicken. Bischofsvikar Guib ist verheiratet mit Henriette Guib, Lehrerin, sie haben drei Kinder.

SPD-Diaspora

Heute konnte man in der Leipziger Volkszeitung lesen, daß sich die SPD in Deutschland inzwischen in der Diaspora befindet. Damit assoziiert wird: von einer Mehrheitspartei zu einer kleinen Partei, von mehrheitsbildend zu nicht mehr wahrgenommen, von bedeutend zu unbedeutend.
Diaspora ist ein Begriff, der nicht mehr allein im religiösen Spektrum benutzt wird. Er spielt inzwischen in Migrationsdebatten eine Rolle - und jetzt wird er auch auf politische Parteien angewendet. 
Als GAW können wir immer wieder betonen: Es ist keine Schande, Minderheit zu sein. Auch als Minderheit kann man sich effektiv in die Gesellschaft in relevanter Weise einbringen. Das unterstrich u.a. Bischof Klein aus der Lutherischen Kirche Siebenbürgens in Rumänien, der in diesem Jahr sein Amt übergibt, in einem Interview im Deutschlandfunk. Die siebenbürgische Kirche war ursprünglich eine "Volkskirche". Nach dem Mauerfall wanderte die Mehrheit aus. Das hat die Kirche verändert. Trotzdem bringt sie sich ein und verzweifelt nicht. - Pfarrer Enno Haaks

Chile nach der Rettung der Bergleute

Rettung der Bergleute in Chile
Die Rettung der 33 chilenischen Bergleute sah ich in einem chilenischen Fernsehkanal in Venezuela. Gebannt verfolgten wir die Rettungsaktion. Es war bewegend und wunderbar! Danach begann ein medialer Marathon für die Geretteten, der sie oft überforderte.
Nur - die problematischen Fragen hinter der Katastrophe werden nicht weiter beachtet: Warum konnte es zu dem Unglück kommen? Wie effektiv funktioniert die Bergbauaufsicht? Oder spielt der große Profit des Kupfers für Chile eine übergeordnete Rolle? Die vielen Bergarbeiter profitieren wenig in ihrem Arbeitsalltag von den reichen Überschüssen. Und nach wie vor belegt Chile den 2. Platz im Ranking der sozialen Ungerechtigkeiten. Viele der großen neoliberalen Veränderungen der Wirtschaft unter Pinochet wurden nicht rückgängig gemacht.
Die Rettung der Bergleute war ein großes medialer Event mit einem zum Glück guten Ausgang. Aber Veränderungen im Bereich des Mindestlohnes, des Arbeitsschutzes, der Ausbildung, der Gesundheitsversorgung etc. bleiben unberührt.
Am Monat beginnt nun ein neuer großes Streik: Die Metropole Santiago wird durch den Streik der Metroarbeiter lahmgelegt. Auch die in diesem Jahr hungerstreikenden Mapuche melden sich wieder zu Wort. Im Bildungssektor stehen große Auseinandersetzungen im "Colegio de los Profesores" an, die traditionell ein politisch großes Gewicht haben. Es ist schwierig in einem solch sozial zerklüfteten Land Veränderungen zu erzielen. - Pfarrer Enno Haaks

Freitag, 26. November 2010

Blockseminar des GAW

In Zusammenarbeit mit der Theologischen Fakultät Leipzig ist es seit Jahren gute Tradition, daß es in jedem Semester 2 Blockseminare gibt, die Fragen der Diaspora theologisch reflektieren. 
Im Wintersemester kam jetzt Professor Dieter aus Straßburg, der am Theologisch-Ökumenischen Seminar des LWB arbeitet, um mit Theologiestudenten und unseren Stipendiaten zu arbeiten. Lutherschriften wurden gelesen, versucht, sie im Kontext der damaligen Zeit zu verstehen und für heute zu interpretieren.
Diese Seminare sind ein gute Bereicherung, um tiefer in spezielle theologische Themen einzutauchen. - Pfarrer Enno Haaks

Donnerstag, 25. November 2010

Nur im Dialog kann man Versöhnung erleben

"Gemeinsam unterwegs nach Emmaus" war der Titel der Predigt im Gottesdienst in Genf, in dem Pfarrer Martin Junge offiziell sein Amt als Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes antrat. Junge betonte die Bedeutung der Frage, die Jesus den Jüngern stellt: "Was sind das für Dinge, die ihr unterwegs miteinander verhandelt?" Diese Einladung zum Gespräch, zum Dialog zeichnet Jesu "Mission" aus. Davon sollen wir uns anstecken lassen, auch wenn es oft schwierig bis unmöglich erscheint. Zuhören bevor wir sprechen und den Dialog dadurch zerstören. Wie gut das in vielen auch kirchlich konfliktiven Situationen wäre ...
Ich denke an die schlimme Situation im Protestantismus in Kroatien. Wie viele Versuche wurden vom LWB und besonders auch vom GAW getan - insbesondere durch meinen Vorgänger Pfarrer Hans Schmidt und durch Pfarrer Friedhelm Hans aus der Pfalz, um die kirchliche Situation zu befrieden, daß man die "Gute Nachricht" erleben kann. Bis heute gibt es keine Befriedung.
Wir hoffen und beten, daß es eines Tages hier wieder Schritte der Versöhnung geben möge. Bis dahin werden wir aber auch unsere materielle Hilfe sehr genau überprüfen. - Pfarrer Enno Haaks

Montag, 22. November 2010

Reformatorisches Erbe in Tschechien

Mit Hilfe der Europäischen Union und des Kulturministeriums in Tschechien ist es gelungen, ein für Tschechien neues und wertvolles Projekt auf den Weg zu bringen: "Das Erbe der Reformation und seine Denkmäler" (www.pamatky-cz.eu). Es geht dabei um ein Bewußtwerden, was die Vorreformation und Reformation für Tschechien geleistet hat. Die Kirchen der verschiedenen Epochen sollen erschlossen werden und dem erweiterten Publikum erschlossen werden. Dafür wurden jetzt Faltblätter, Karten, ein Internetportal etc. vorbereitet. Werbematerial, um sich auf die Spuren der Reformation und der Geschichte der Kirche der Böhmischen Brüder zu machen werden wir im kommenden Jahr an die Hauptgruppen verteilen. Auf dem Kirchentag in Dresden wird dieses besondere Projekt präsentiert werden. - Pfarrer Enno Haaks

Bei den Böhmischen Brüdern in Prag

Runder Tisch in Prag
Tschechien gilt als eines der atheistischsten Länder Europas. Laut der letzten Volkszählung gehören ca. 20 % der Bevölkerung der katholischen Kirche an und nur 1% der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder (EKBB). D.h. ca. 115.000 Mitglieder zählt unsere Partnerkirche. Ungefähr 260 Pfarrer arbeiten in der Kirche. 270 Gemeinden gibt es. Z.Zt. sollen ca. 25 Pfarrstellen vakant sein. Es fehlen Pfarrer. Kein Wunder in diesem Land, denn wer möchte für umgerechnet 400 Euro monatlich Einstiegsgehalt in einem solch verantwortungsvollen Beruf arbeiten. Am Ende der Dienstzeit gibt es vielleicht 800 Euro. Zu 80% werden die Gehälter vom Staat bezahlt. Das hängt mit den Kontrollversuchen des Staates in kommunistischer Zeit zusammen. Es gibt den Wunsch, zu neuen Vereinbarungen mit dem Staat zu kommen. Man sehnt sich nach mehr Unabhängigkeit. Nur nicht zu jedem Preis, denn mit dem allen zusammen hängen Rückgabeforderungen der Kirche an den Staat, die aus den Enteignungen kommunistischer Zeit stammen.
Nachdem es nun eine neue Regierung gibt, hofft man, dass die Verhandlungen wieder neu in Gang kommen und es zu einer tragfähigen Lösung kommt zwischen Staat und Kirche. Ökumenisch ist man sich hier mit den Katholiken sehr einig. Jetzt ist der Staat gefordert. Ob er es schafft? Es gibt zweifelnde Stimmen.
Zur Zeit findet in Prag ein Runder Tisch statt, um sich auszutauschen mit den Partnern der EKBB über die Situation der Kirche, Projekte, diakonische Arbeit. – Pfarrer Enno Haaks

Samstag, 20. November 2010

Pensionszahlungen an spanische Pfarrer

Nach wie vor ungeklärt ist für unsere spanischen Partnerkirchen (IEE und IERE) ein Thema, das sie ökonomisch belastet: das Nichtbezahlen von Pensionen an pensionierte Pastoren und deren Witwen. In der Francozeit war es nicht möglich, in die Pensionskasse einzuzahlen, da ihr Berufsstand nicht anerkannt war und im Grunde eine Art Berufsverbot bestand. Die Katholische Kirche ist in der Francozeit eine unrühmliche Allianz mit der Francodiktatur eingegangen und hat gerade auch verhindert, dass die Protestanten sich in die Gesellschaft einbringen konnte.
Die Wiedereinführung der Demokratie hat an der schwierigen finanziellen Situation nichts geändert. Die PP hat den legitimen Anspruch ignoriert. Die PSOE hat Versprechungen gemacht, die aber nicht eingehalten wurden.
Die pensionierten protestantischen Pastoren oder ihre Witwen erhalten von den jeweiligen Kirchen eine geringe Pension, da sie sonst keine Einkünfte hätten. Rechtmäßig müsste ihnen vom spanischen Staat etwas zustehen.
Der Haushalt der IEE ist mit ca. 30% für die Pensionszahlungen belastet. Dadurch können andere wichtige Aufgaben nicht erledigt werden und die Kirche ist dadurch in ihrer Entwicklung begrenzt.
Es handelt sich dabei nicht um viele Personen, die betroffen wären. In der IEE sind es ca. 12 Personen, in der IERE drei. Dazu kommt noch die Baptistische Kirche, die ähnlich belastet ist wie die IEE. Laut Aussage der Comisión Permanente der IEE gibt es keine weiteren Institutionen, die so unter dieser Ungerechtigkeit aus der Vergangenheit leiden. – Pfarrer Enno Haaks

Donnerstag, 18. November 2010

Pfarrer Kalmbach aus Argentinien berichtet

Pfarrer Kalmbach und seine Frau
Über Pfarrer Haberland aus der Hauptgruppe Nordelbien erreicht uns dieser Bericht eines ehemaligen württembergischen Pfarrers, der seit 20 Jahren in Argentinien lebt und arbeitet:
"Im November 1990 sind wir, meine Frau Dorothea, unsere Söhne Ruben und Jonas, über die EKD in den Dienst der La-Plata-Kirche in Argentinien ausgereist. Die ersten sechs Jahre arbeitete ich in einer neugegründeten Gemeinde in der nordostprovinz Misiones. Teil des Auftrages war die Leitung eines landwirtschaftlichen Entwicklungsprojektes unter armen Kleinbauern. Das Projekt wurde von Brot für die Welt und dem württembergischen GAW finanziert. Es ging damals um den Aufbau von Kleingenossenschaften, sowie Bewusstseinsarbeit im politischen und ökologischen Bereich.
1997 erneuerten wir um weitere sechs Jahre unseren Vertrag mit der EKaLP, diesmal aber geografisch im anderen Extrem, ganz um Süden, in Patagagonien. Dort, mitten im Tal des Río Negro, liegt die kleine Stadt Allen, sie bildet praktisch das Zentrum des grössten Obstanbaugebietes der Welt. In einer kleinen Obstpflanzung, drei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, befindet sich der Sitz der "Evang.Gemeinde am Río Negro und Neuquén". Das Gemeindegebiet umfasst praktisch ganz Patagonien, bis hinunter nach Ushuaía (Feuerland).  Damit sind wir die südlichste lutherische Gemeinde der Welt. Das heisst aber auch, dass der Pfarrer ständig unterwegs ist. Monatlich kommen so ungefähr 6.000 km mit dem Auto zusammen. Wir sind hier die "Diaspora in der Diaspora". Das Gemeindegebiet ist weit grösser als Mitteleuropa, aber wir haben nur ungefähr 100 Familien die über dieses grosse Gebiet verstreut leben. - Im Oktober 2001 sollten wir nach Deutschland zurück, weil die maximale Aussendezeit abgelaufen war. Gerade zu dieser Zeit hatten wir in Argentinien die schlimmste Wirtschaftskrise der Geschichte. Tausende von jungen Menschen verliessen das Land, auch aus unserer Gemeinde gingen ganze Familien weg. Deshalb wollten wir ein Zeichen setzen: wenn  so viele gehen, können wir nicht auch noch die Koffer packen.  Also entschieden wir uns ganz in den Dienst der EKalP zu treten. Damit wurden natürlich die Brücken zur Heimat abgebrochen. Ob das die richtige Entscheidung war, wissen wir bis heute nicht. Unseren Kindern haben wir bestimmt keinen guten Dienst erwiessen, sie haben hier natürlich nicht die besten Zukunftsaussichten ...
Ausser der Gemeindearbeit bin ich noch der Vertreter des MEDH (Ökumenische Bewegung für Menschenrechte) für den ganzen Süden und Leiter der Synodalabteilung für Mission und Gemeindeaufbau der EKaLP.
Zur Gemeinde gehört ein kleines Altenheim, das sich besonders um finanziell schwache Menschen kümmert. Ursprünglich nur für ältere Gemeindeglieder gedacht, ist es heute ein Heim für Menschen aller etnischen und religiösen Hintergründe, d.h. offen für alle. Da ja die evang. Kirche in Argentinien nicht als offiziell anerkannte Kirche arbeiten kann (nur auf Vereinsbasis), muss die ganze Arbeit über Spenden finanziert werden. Manche der alten Menschen können die anfallenden Kosten aufbringen, andere nicht. Dadurch ist das Heim, besonders wenn es um Umbauten, Erweiterungen, oder Anschaffungen geht, auf Spenden angewiesen. - Dies soll ein kleiner Einblick in unsere Arbeit sein. Herzlich bedanke ich mich für Ihr Interesse, auch im Namen unserer Gemeinde!"

Evangelische Stipendienprogramme

Seit Mitte November kann über ein neues Internetportal die Stipendienarbeit der evangelischen Kirchen und ihrer Dienste und Werke in Deutschland angeschaut, und die Stipendienprogramme durchsucht werden: http://www.evangelische-stipendien.de
Auch unser partnerschaftlich orientiertes Stipendienprogramm des GAW wird demnächst in diese Seite eingestellt werden, um eine Vergleichbarkeit bieten zu können, was es leistet und was es nicht leisten kann. Es ist spannend zu sehen, welche evangelischen Einrichtungen Stipendien vergeben. Dr. Anca, ehemaliger GAW-Stipendiat, leistet die kleinteilige Vernetzungsarbeit im Amt der EKD in Hannover.
Wir begrüßen diese Form von neuer Transparenz sehr! Gleichzeitig wird unser Stipendienprogramm seine besondere Stellung und Ausrichtung behalten. 
Unser GAW-Stipendium bietet Austausch und Dialog. Es ermöglicht Begegnung mit anderen Kulturen, bietet Gemeinschaft mit anderen Menschen und den Kirchen. Für uns in der Zentrale des GAW und in unseren Hauptgruppen sind unsere Stipendiaten  eine Bereicherung des kirchlichen Lebens und bieten eine gute Vernetzung mit der Theologischen Faklutät in Leipzig. - Pfarrer Enno Haaks

Dienstag, 16. November 2010

Buß- und Bettag und Diaspora

Abendmahlsbild in der lutherischen
Gemeinde in Barinas/Venezuela
Bußtage gibt es in allen Religionen. Im deutschsprachigen Raum waren sie meist in enger Verbindung mit der "weltlichen Obrigkeit" eingeführt worden. Heute mahnt der Bußtag in vielerlei Hinsicht zum Umdenken.  Auch im Alltag sei Umkehr und Neuanfang wichtig, denn "wir sind nicht perfekt, wir laufen häufig genug in die Irre", sagte der EKD-Ratsvorsitzende Schneider. "Wer sich verirrt, muss sich neu orientieren, umkehren." Das sei nicht immer angenehm. Denn wer zugebe, auf dem falschen Weg zu sein, verliere scheinbar an Ansehen. Ein Christ könne aber darauf vertrauen, dass Gott ihn nicht allein lasse, unterstrich der Ratsvorsitzende.
Immer wieder fordert die "Gute Nachricht" zur Buße auf, um dann neu Gemeinschaft zu leben. Das ist nicht immer leicht. Das erfahren kleine evangelische Kirchen in der Diaspora z.B. in Lateinamerika, wenn unterschiedliche Kulturen, soziales Herkommen, verschiedene Sprachen aufeinander treffen. Ehemalige Einwandererkirchen haben sich gewandelt zu einheimischen Kirchen. Es gab eine Öffnung in die Gesellschaften, ihrer Geschichte, ihre Traditionen. Damit kamen aber auch all die schwierigen Themen. Man merkt, wie schwer es ist, zusammen zu leben und Kirche zu sein. Dafür will aber christlich verstandene Buße werben: sich zurücknehmen, umkehren, neu ausrichten, andere einbeziehen, um dem Frieden und Gerechtigkeit und dem gemeinsamen Leben Raum zu geben. - Pfarrer Enno Haaks

Montag, 15. November 2010

"Wahrer Reichtum ist die Vielfalt"

Walter Prudencio
"Wahrer Reichtum ist die Vielfalt", sagte der Boliviansiche Botschafter Walter Prudencio in der Ev. Akademie Bad Boll in seinem Vortrag zum Thema "Die Erde ist lebendig und hat Rechte". Eindrücklich vermittelte er die ganzheitlich ausgerichtete Politik seiner Regierung unter Präsident Eva Morales. Die alten indigenen Kulturen spielen eine wichtige Rolle dabei. "Das Leben ist nur wahres Leben, wenn es Samen hintreläßt, die der nachfolgenden Generation Zukunft ermöglichen." Die derzeitige neoliberale globalisierte Wirtschaftspolitik tut dies gerade nicht. "Mutter Erde ist krank! Wir müssen etwas tun, sonst gehen wir alle unter!" sagte er. "Wir brauche eine Bewegung für Mutter Erde!"
U.a. erläuterte er, wie die Vereinten Nationen den Anspruch auf sauberes Wasser in die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte aufgenommen haben: Damit ist reines Wasser jetzt ein Menschenrecht. In der Vollversammlung der 192 Mitgliedsstaaten, von denen 163 anwesend waren, wurde eine entsprechende Resolution mit der Mehrheit von 122 Stimmen angenommen. Bolivien hatte den Vorschlag vorgelegt, der von 33 anderen Staaten unterstützt wurde.
"Wasser ist Leben. Es kommt aus den Bergen, die heilig sind, denn sie bringen das Wasser." Sagte er zum Abschluß. 
Das GAW hält Beziehung zur Lutherischen Kirche in Bolivien und fördert diese einheimische Kirche. - Pfarrer Enno Haaks

Freitag, 12. November 2010

GA-Blatt - neue Abonnenten gesucht!

Vierteljährlich erscheint das GA-Blatt. Es bietet zahlreiche und gute Informationen über Entwicklungen in den 40 Partnerkirchen unseres Diasporawerkes. In Interviews, Reportagen, Reiseberichten und Projektbesuchen werden viele Hintergründe erkennbar über Herausforderungen und Chancen unserer evangelischen Partner, die oft unter schwierigen Bedingungen versuchen, ihren evangelischen Glauben zu leben.

Es ist notwendig dieses wichtige Sprachrohr zu stärken. Deshalb bitten wir, neue Abonnenten zu finden, Ideen beizusteuern, die Interesse an unserem GA-Blatt wecken können, in den Landeskirchen, Kirchenkreisen und Gemeinden etc. 
Senden Sie uns eine Mail, sollten sie Interesse an einem Abo zu haben! - Pfarrer Enno Haaks

Mittwoch, 10. November 2010

Kreativität und Diaspora

"Wenn ich Euer Geld der Kirchen aus Deutschland hätte, dann würde ich in meiner Heimat Wunder vollbringen!" sagte auf einer Tagung eine lateinamerikanische Pastorin mir. - Ich muß gestehen: Ich glaube ihr nicht!
Oft genug habe ich gesehen und erlebt - gerade in kirchlichen Kreisen -, daß Geld  jegliche Art von Kreativität lähmt. Abhängigkeiten nehmen zu, Machtfragen werden größer und Menschen kommen wegen des Geldes und nicht wegen des Glaubens. Das klingt frustrierend. Ist es aber nicht, denn wir dürfen uns als Christen nicht falschen Abhängigkeiten hingeben.
Unser Diasporawerk lebt von Spenden. Es lebt von Geld, das wir treuhänderisch verwalten und weitergeben. Ohne diese Spenden könnten wir die wichtigen Aufgaben für unsere Partner nicht wahrnehmen, wie Kirchen, Pfarrhäuser und Gemeinderäume bauen und erhalten, oder diakonische Verantwortung. Was wir tun ist, daß wir nie die komplette benötigte Summe geben, sondern in der Regel ein Drittel, denn die entsprechende Gemeinde soll sich anstrengen und kreativ werden, um die anderen Mittel zusammenzubringen. Und ehrlich: Was man selbst erwirtschaftet hat mit eigener Hände Arbeit achtet man mehr wert. Insofern: In der Diaspora lernt man aus dem Mangel heraus oft genug mit Kreativität immer wieder Wege und Mittel zu suchen, um Vorhaben zu bewegen und Gemeinde zu stärken. - Pfarrer Enno Haaks

Dienstag, 9. November 2010

Fond für verfolgte Christen

Ende Oktober wurde in Leipzig der irakische Christ Kamal K. von Neonazis ermordet. In Leipzig hat das große Betroffenheit ausgelöst. Dramatisch ist die Situation für Christen im Irak. Sie werden zwischen den Fronte zerrieben. Der Irakkrieg hat ihre Situation verschlimmert. Viele haben das Land verlassen - unter ihnen der in Leipzig ermordete Christ.
Was tun wir für verfolgte Christen? Wie können wir helfen? Das GAW hat vor einigen Jahren einen Fond für verfolgte Christen beschlossen, der im Projektkatalog beworben wird. Mit Vertretern der Bayrischen Landeskirche haben wir uns jetzt verbunden, um hier aktiv zu werden. Alleine können wir das nicht leisten. Wir sind angewiesen auf die Kompetenz und Erfahrung, die z.B. bei bestimmten Landeskirchen liegt.
Wir werden unsere Hauptgruppen auf dem laufenden halten, wofür die Gelder verwendet werden sollen. - Pfarrer Enno Haaks

Montag, 8. November 2010

Aus der Mitgliederversammlung des GAW Kurhessen-Waldeck

Pastorin Krause, Vorsitzende des
GAW Kurhessen-Waldeck
Die wesentliche Arbeit des GAW wird an der Basis geleistet. Was wäre das Diasporawerk ohne die Erfahrung und das Engagement all der ehrenamtlich Engagierten! 
Und wie wichtig ist es, daß unsere Hauptgruppen gut vernetzt sind in der Landeskirche! 
All die verschiedenen Ebenen sind aufeinander gewiesen in unserer Arbeit. Ohne Ehrenamtlich läuft nichts. Ohne Kirchengemeinden fehlen die Orte, wo erzählt wird in Gruppen, Kreisen und Gottesdiensten von den reichen Erfahrungen in den Begegnungen mit unseren Partnern.   Schließlich: Ohne Landeskirche fehlt die Verankerung und die Identität als Evangelische!
Das wurde sehr deutlich auf der Mitgliederversammlung der Hauptgruppe des GAW  in Kurhessen-Waldeck. Die reichen Partnerschaftsarbeiten z.B. nach Kirgistan oder Estland geschehen in guter Absprache zwischen GAW und Landeskirche. 
Aber bei allem geht es immer wieder darum, Herzen von Menschen zu gewinnen für diese Arbeit. Das wird nicht einfacher in einer komplizierter und oft unüberschaubarer gewordenen Welt. - Pfarrer Enno Haaks

Samstag, 6. November 2010

Gustav Adolf Gedenktag in Lützen

Am 6. November 1632 haben vor den Toren Leipzigs, über zehntausend Menschen ihr Leben gelassen, unter ihnen Gustav Adolf, der damalige schwedische König. An jedem „Lützengedenktag“ am 6. November bedrückt, dass die Selbstbehauptung der evangelischen Sache damals auf kriegerische Gewalt angewiesen war. Und ebenso, dass der durch konfessionellen Zwist ausgelöste Krieg, der damals schon vierzehn Jahre währte, auch mit der Schlacht von Lützen noch kein Ende fand, sondern noch weitere sechzehn Jahre andauerte: der „dreißigjährige Krieg“.
GAW-Stipendiaten vor dem Epitaph
Gustav Adolfs in Meuchen
Es ist zugleich denkwürdig, dass jener Tag den entscheidenden Anstoß für eines der ältesten und am weitesten verzweigten Hilfswerke des deutschen Protestantismus bildet. Den zweihundertsten Todestag Gustav Adolfs, den 6. November 1832, nahm man zum Anlass, das Gustav-Adolf-Werk zu gründen. Wie es sich seitdem entwickelt hat und trotz aller geschichtlichen Einbrüche, Abbrüche und Aufbrüche am Leben blieb, ist ein Wunder Gottes. 
Inzwischen sehen wir im GAW ein Werk, das dem Frieden und der Versöhnung dienen will. Ausdruck dafür sind in jedem Jahr unsere Stipendiaten, die aus unseren Partnerkirchen kommen für ein Jahr an die Leipziger Universität. Auch in diesem Jahr brachten sie sich am GustavAdolf Gedenktag ein, um dem Gedenken auch eine zukunftsweisende Form zu geben. - Pfarrer Enno Haaks

Mittwoch, 3. November 2010

Friedensdekade

Am kommenden Sonntag beginnt die Ökumenische FriedensDekade - ein Tag nach dem Gedenktag, an dem Gustav II. Adolf von Schweden in der Schlacht bei Lützen vor den Toren Leipzigs im Jahre 1632 fiel.
Es ist denkwürdig, dass jener Tag den entscheidenden Anstoß für die Gründung des GAW bildete. Den zweihundertsten Todestag Gustav Adolfs, den 6. November 1832, nahm man zum Anlass, das Gustav-Adolf-Werk zu gründen. Wie es sich seitdem entwickelt hat und trotz aller geschichtlichen Einbrüche, Abbrüche und Aufbrüche am Leben blieb, ist ein Wunder Gottes. 
Den Kriegsherrn und den Verteidiger seines Glaubens zusammen zu sehen: das ist – die keineswegs einfache – Aufgabe, vor die uns die Erinnerung an Gustav II. Adolf stellt.
Hilfreich ist am Beginn der Ökumenischen Friedensdekade, sich von der „Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland“ anregen zu lassen, die über die friedensethische Position unserer Kirche Auskunft gibt. In ihr geht es um die Verantwortung für den „gerechten Frieden“. Sie macht deutlich: Wer den Frieden will, muss den Frieden vorbereiten. Wer aus dem Frieden Gottes lebt, tritt für den Frieden in der Welt ein. Friede ist nur dann nachhaltig, wenn er mit Recht und Gerechtigkeit verbunden ist. - Pfarrer Enno Haaks

Dienstag, 2. November 2010

Ehrenamt stärken

Kaum eine christliche Kirche ist so institutionalisiert wie in Deutschland, so schreibt Dr. Manfred Lütz in der letzten Chrismonausgabe 11/2010. Ein großer Teil der Arbeit und der Aufgaben wird in Kirche heute hauptamtlich abgedeckt. Auf der einen Seite wird durch Synoden eine Stärkung des Ehrenamtes gefordert, auf der anderen Seite werden viele Aufgaben hauptamtlich organisiert - oft auf Kosten des Ehrenamtes. Ketzerisch fragt Lütz: Kann man gegen Geld christlich handeln? Verkündigung und Diakonie darf nicht allein hauptamtlich organisiert werden, denn so geht die Pflicht des Christenmenschen, Gutes zu tun, verloren. Bezahlte Nächstenliebe gibt es dem Wesen nach nicht! - Der Barmherzige Samariter wäre heute in keiner Kirche angestellt worden, denn er war nicht getauft und hatte keine abgeschlossene Berufsausbildung. Er war nicht bezahlt, er war nicht hauptamtlich, er war nicht zuständig. Doch auf die entscheidende Frage, wie man in den Himmel kommen kann, sagt Jesus: Handelt so wie dieser Samariter.
Eine der Stärken der GAW-Arbeit ist das ehrenamtliche Engagement. Viele Frauen und Männer des GAW gehen in Gruppen und Kreise, erzählen Geschichten aus der Diaspora und nehmen den Auftrag , Gutes zu tun als ihre Christenpflicht an. - Pfarrer Enno Haaks 

Montag, 1. November 2010

Trennung einer Partnerschaft

Eine evangelische Gemeinde in Deutschland hat eine schmerzliche Erfahrung machen müssen. Eine langjährigen Partnerschaft nach Russland, die seit den 90er Jahren besteht, wurde nun abrupt beendet. Der Pfarrer der deutschen Gemeinde entspricht in der Gestaltung seines Lebens nicht den Vorstellungen der Partner aus Russland. Das reicht, eine bewährte und gute Partnerschaft zu beenden.
Miteinander Glauben zu leben ist nicht leicht! Vor allen Dingen dann nicht, wenn mit dem Glauben auf einmal Bedingungen verknüpft werden, die so nicht hineingehören.
Zunächst will der Glaube uns beziehungsfähig machen - zu Gott, zu unserem Nächsten und zu uns selbst. Er will uns helfen, im Dialog zu bleiben, auch wenn man unterschiedlicher Meinung ist. Er will uns helfen, andere zu verstehen, auch wenn sie aus anderem Kontext, anderer Kultur, Sprache kommen. Ohne Dialog wird es schwer, verbindenden Glauben zu leben. Das aber ist harte Arbeit!
Wir beobachten schon längere Zeit bei manchen unserer Partner, welche Auswirkungen ethische Forderungen auf unsere Beziehungen haben. Da werden schnell Themen miteinander vermischt, über die man reden muss, denn sonst geht das Verbindende des Glaubens verloren. - Pfarrer Enno Haaks 

Sonntag, 31. Oktober 2010

Reformationstag in Buße begehen


Pfarrer Martin Junge, LWB

„Wir erkennen an, dass die Reformation nicht allein uns gehört: die Kirche bedarf kontinuierlich und zu jeder Zeit – auch in unserer – der Reformation. Und wir wollen uns weiterhin mit den schmerzvollen Spaltungen der Christenheit befassen; auch mit denen, die auf die Reformationszeit zurückgehen“, schreibt Pfarrer Martin Junge, Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes. „Überlegen Sie, wie der Geist der Buße aus dem Reformationstag heraus Ihre eigene Kirche ansprechen kann – denn wo wir so beten und Buße tun, da erschliesst sich ein zentraler Sinngehalt der Reformation für unsere Zeit“, schließt Junge.
Diesen Geist der Buße brauchen wir in unseren Kirchen, die aus der Tradition der Reformationszeit herkommen, um trennende Mauern zu überwinden, um versöhnend in Kirchen zu wirken, wo es Spannungen gibt aus unterschiedlichen Motiven. Der Reformationstag ist ein symbolischer Tag, der uns vor Augen führt, mit welchen Christen in der Welt wir miteinander im Glauben verbunden sind. - Pfarrer Enno Haaks

Reformationskollekte in Sachsen für das GAW

Reformationstag in der Bethanienkirche
mit einem Lutherzwerg
Die Sächsische Landeskirche sammelt am Reformationstag traditionell für das Gustav-Adolf-Werk. Damit stärkt sie auf wunderbare Weise unser Diasporawerk, um Gutes tun zu können an den Glaubensgeschwistern in Ländern, die als religiöse Minderheitskirchen leben und arbeiten. Es wäre wunderbar, gäbe es an diesem Tag eine bundesweite Kollekte für unser Werk und der Reformationstag DER Diasporatag in Deutschland wäre. Unsere Kirchen in Deutschland brauchen diesen Blick auf Minderheitenkirchen, um den Blick und den eigenen Glauben zu weiten.
Am Reformationstag war ich eingeladen, den Gottesdienst in der Leipziger Bethanienkirche mitzufeiern und für die GAW-Kollekte zu werben. In dieser Gemeinde hat inzwischen auch ein brasilianischer Stipendiat des GAW seine geistliche Heimat gefunden und ist dort freundlich aufgenommen worden. Die Kollekte war dann auch für ein Projekt der lutherischen Kirche in Brasilien bestimmt. - Pfarrer Enno Haaks

Samstag, 30. Oktober 2010

Lutherzwerge überall

Lutherzwerg in Leipzig
Lutherzwerge überall – diesen Eindruck hatte man auf dem Wittenberger Marktplatz vor einiger Zeit. Rote, grüne, blaue und schwarze Nachbildungen des Lutherdenkmals auf dem Marktplatz standen in Reih und Glied. Jetzt ist einer bei mir. Am gestrigen Abend wurde mir ein "Lutherzwerg" angeliefert. Eine Lehrerin eines Gymnasiums brachte ihn bei mir vorbei, damit wir ihn morgen im Reformationsgottesdienst in der Bethanienkirche in Schleußig/Leipzig nutzen können. Spannend fand ich, wo dieser geliehene Luther inzwischen überall war: In zahlreichen Schulen nutzten Geschichts- und ReligionslehrerInnen ihn, um von Luther, seiner Zeit, seinem Anliegen und den Auswirkungen bis heute erzählen zu können.
Kritische Diskussionen hatte die Kunstaktion im Rahmen der „Lutherdekade 2017“ ausgelöst. Scharfe Gegner gab es, die sagten, man solle Luther nicht verkitschen, sondern sich mit ihm und seinen Reformanstößen ernsthaft beschäftigen. Wie man auch zu den Figuren steht: Geschadet hat die Debatte Luther, der evangelischen Kirche und dem Grund »welcher ist Jesus Christus« nicht. Gerade dann nicht, wenn man ihn jetzt an vielen Orten aufstellen kann, mit ihm und seinen Ideen anschaulich arbeiten kann. Insofern: Luther kommt unter die Leute! – Pfarrer Enno Haaks

Ein link aus dem "Sonntag" (kirchliche Wochenzeitung in Sachsen):

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Ander Länder, andere Sitten, andere Traditionen...

Sebastian Piñera beim
Bundespräsidenten
Da hat sich der neue Präsident Chiles Sebastian Piñera etwas geleistet: Nach dem Besuch beim Bundespräsidenten Wulf schrieb er ins Gästebuch die ersten vier Worte der deutschen Nationalhymne - allerdings der ersten Strophe. In der Schule "Verbo Divino", von deutschen Padres gegründet, hatte er zu Schulzeiten die Hymne mit dieser Strophe gelernt, nicht wissend, daß sie in Deutschland nicht mehr gesungen wird. Eigentlich wollte er sich bedanken für die Erdbebenhilfe, die aus Deutschland kam und für die technische Hilfe bei der Rettung der 33 Minenarbeiter. Jetzt entschuldigte er sich offiziell beim Bundespräsidenten.
Andere Länder, andere Kulturen, andere Geschichten, andere Kodizes... - es ist manchmal nicht einfach, miteinander zu kommunizieren, wenn man die Geschichte, die Traditionen und unterschiedlichen Prägung nicht kennt. Wie leicht kommt es zu Mißverständnissen zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft. Dessen muß man sich immer wieder bewußt machen - und Demut lernen... - Im GAW kann man das reichlich lernen mit unseren Partnern. - Pfarrer Enno Haaks

Sonntag, 24. Oktober 2010

Ende der AGDE-Konsultation in Sao Leopoldo

Dr. Hüffmeier (r.) ehrt
 Rui Bernhard (l.) und Rolf Droste (m.)

Die AGDE-Konsultation in Sao Leopoldo endete mit einem gemeinsamen Gottesdienst in der Kapelle des Diakonissenmutterhauses. Dr. Hüffmeier hielt die Predigt. Die Kollekte war bestimmt für ein Kinderheim in Rumänien  aus dem PK 2010. 260 Euro wurden gesammelt. Nach dem Segen wurde Rolf Droste und Rui Bernhard als Ausdruck des Dankes für den Einsatz für die OGA mit dem Bernsteinkreuz des GAW ausgezeichnet. Beide geben am Ende des Jahres ihre Ämter an Osmar Luis Witt und Martin Volkmann ab.
Beim anschließenden Besuch der neuen OGA-Zentrale am Fuße des Spiegelberges überreichte Dr. Hüffmeier der OGA zu ihrem Jubiläum einen Scheck in Höhe von 1.000 Euro. - Pfarrer Enno Haaks