Freitag, 26. September 2008

Auf zu unseren Partnern!

Am 29. September startet eine GAW-Delegation nach Südamerika. Der Präsident des Gustav-Adolf-Werks Dr. Wilhelm Hüffmeier und der Generalsekretär Hans Schmidt werden unsere dortigen Partnerkirchen und Projekte besuchen. Ich werde sie begleiten und hoffentlich auch im Blog ein wenig über unsere Freunde und ihre Gemeinden schreiben. Hoffentlich finden wir oft genug einen Internetanschluss!

Mittwoch, 17. September 2008

Ein Dach als Ausrufezeichen

Die E-Mail, die aus Jurbarkas eintraf, hätte kürzer nicht sein können, sie war ein einziges Ausrufezeichen: „Endlich hat unsere Kirche das neue Dach!!! Wir sind sehr dankbar und freuen uns sehr!“, schrieb Pfarrer Mindaugas Kairys.

Ein Dach zu fördern ist für das GAW fast das Tagesgeschäft.
"Diaspora braucht Dächer“,
werben wir auf unseren Plakaten und meinen das im direkten Sinne – als ein Dach aus Stein oder Blech über einem Gebäude –, und als eine Metapher – als Dach über dem Kopf, als Zuhause für eine Gemeinde.
Trotzdem ist das neue Dach der lutherischen Kirche in Jurbarkas, Litauen, etwas Besonderes. Nicht nur, weil es so auffällig rot ist.

Jurbarkas kenne ich, solange ich im GAW arbeite. Es gab Zeiten, in denen man den Ort als Beispiel für fehlgeschlagene Projektarbeit heranziehen konnte. Inzwischen ist Jurbarkas aber zum Synonym für geduldige und nachhaltige Partnerarbeit geworden.

Die lutherische Gemeinde in Jurbarkas hatte nach der politischen Wende nur ihr ehemaliges Gemeindehaus vom Staat zurückerhalten. Ihre Kirche war zu Wohnungen umgebaut worden und wurde nicht zurückerstattet. So begann die kleine Gemeinde 1994 – in der Aufbruchstimmung des politisch frei gewordenen Litauens – den Neubau ihrer Kirche. Die rasant steigenden Baukosten überforderten bald sowohl die Gemeinde als auch ihre Partner. Schließlich wurde die Notbremse gezogen, die Schulden bezahlt und der Bau mit einem Notdach gesichert. Die Gemeinde konzentrierte ihre Kräfte auf die Renovierung des Gemeindehauses, auf das Gemeindeleben und auf den Aufbau der Diakonie. Die Partner, darunter das GAW, haben sie trotz des fehlgeschlagenen Bauprojektes nicht allein und nicht im Stich gelassen.
Inzwischen gibt es Pläne, wie aus der Bauruine doch noch eine Kirche werden könnte. Der junge Gemeindepfarrer Mindaugas Kairys – übrigens ein ehemaliger GAW-Stipendiat und neuerdings auch der Direktor der Diakonie in Litauen – treibt sie energisch voran. Ein Anfang ist gemacht: Ein augenfälliges rotes Dach verkündet wie ein Ausrufezeichen, dass es mit der lutherischen Kirche in Jurbarkas vorangeht. Die Gemeinde hat ein Dach bekommen.

Donnerstag, 11. September 2008

Georgien. Ein "Fünf-Tage-Krieg", der noch andauert

Es ist seltsam, dass manche Medien den Konflikt um Südossetien und Abchasien schon als „Fünf-Tage-Krieg“ bezeichnen. Er dauert doch immer noch an. Eben besuchte eine Delegation des Ökumenischen Rats der Kirchen Georgien und Russland. 40 Kilometer aus Georgien in die Südossetische Provinzhauptstadt Tskhinvali erwiesen sich als ein unüberwindbares Hindernis. 4000 Kilometer Umweg über Moskau waren nötig, um dort anzukommen. Und russische Soldaten stehen weiterhin auch auf dem Gebiet, das man als „georgisches Kernland“ bezeichnet.
Riesige Aufgaben der Katastrophenhilfe stehen Georgien noch bevor. Denn die Vertriebenen aus Ossetien und Abchasien werden kaum eine reale Chance haben, je in ihre Dörfer zurückzukehren.

Dieser Krieg ist eindeutig kein Glaubenskrieg gewesen. Leider konnte der gemeinsame Glaube ihn auch nicht verhindern. Zu hoffen bleibt, dass die mäßigenden Äußerungen der beiden orthodoxen Kirchenoberhäupter Ilija II. (Georgien) und Alexi II. (Russland) und ihre Zusammenarbeit trotz der Kampfhandlungen den einen oder anderen Menschen auf den verschiedenen Konfliktseiten doch zum Nachdenken gebracht haben.

Unser Partner, die Evangelisch-Lutherische Kirche in Georgien, hat im Krieg nicht direkt gelitten. Dr. Henrich Scheffer, der als Propst diese Kirche leitet, hat uns bestätigt, dass die Gebäude und Gemeindeglieder den Konflikt ohne Schaden überstanden haben. Allerdings besteht zu der Gemeinde in Suchumi, Abchasien, gegenwärtig kein direkter Kontakt.

Beinahe alle lutherische Gemeinden haben kleine Hilfsprojekte gestartet, indem sie den Menschen helfen, die mit leeren Händen vor dem Krieg geflüchtet sind. Dr. Scheffer schreibt:
„In der Nachbarschaft von fünf Gemeinden sind Flüchtlinge und Vertriebene untergebracht. Zum Teil in zumutbaren Einrichtungen wie Kindergärten und Schulen, zum Teil auch in menschenunwürdigen Behauseungen. Die Grundversorgung mit den erforderlichen Mitteln zum Leben durch staatliche Stellen ist schwach und bedarf vielfältiger Ergänzung. Die Gemeindeglieder haben sich aufgemacht, diese Menschen zu besuchen und mit dem Notwendigen zu helfen. Dabei erleben Gemeindeglieder Diakonie ganz neu: als Hilfe für den fremden Nächsten im Not – vor der eigenen Haustür. Diese Erfahrung ist gerade dort heilsam, wo – wie in unserer Kirche – Diakonie heißt, Dienste und Unterstützung für sich selbst zu erbitten.“
Georgische Lutheraner werden bei ihrem Einsatz auch aus Deutschland unterstützt.