Donnerstag, 18. Januar 2018

Diasporaverantwortung weitet den Horizont

Bau einer Unterkunft für Flüchtlinge der Griechischen
Ev. Kirche in Mylotopos
Verantwortung für die weltweite evangelische Diaspora zu übernehmen weitet den Horizont. Dazu schrieb vor 50 Jahren Fritz Heinrich Ryssel über die Arbeit des GAW im GA-Blatt (3/1968):

"Vor einiger Zeit, 1932, als das GAW in Leipzig mit Gästen aus aller Welt sein hundertjähriges Jubiläum beging, da sagte Franz Rendtorff, als er die Gestalt Zimmermann erwähnte, daß er dem Werke, "die Tür in die Welt öffnete". In jenen Jahrzehnten, als noch Menschen wir Nathan Soederblom oder Karl Goerdeler dem Vorstand angehörte, begann ein Weg: das GAW überwand weitgehend Enge und Hader im deutschen Protestantismus, es wuchs ins Weite hinaus: es wurde das große ökumenische Liebeswerk, dessen Stationen der größte Teil der bewohnten Erde kennenlernte."

Mittwoch, 17. Januar 2018

Eine neue Kirche für die Versöhnungsgemeinde in Pelotas

Gottesdienst zum Reformationsfest in Pelotas
"´Bleibt im Glauben, gegründet und fest, und weicht nicht von der Hoffnung des Evangeliums, das ihr gehört habt und das gepredigt ist allen Geschöpfen unter dem Himmel,´ mit diesen Worten aus dem Kolosserbrief grüßen wir Euch alle im GAW und danken euch für die großzügige Unterstützung bei der Fertigstellung der Kirche der lutherischen Versöhnungsgemeinde in Pelotas/RS." Diesen Dank haben wir im GAW erhalten für die Unterstützung im des Kirchbaus der Gemeinde im Projektkatalog 2016. "Wir wissen, dass im GAW viele Hände dabei sind, sich für Glaubensgeschwister in der Diaspora einzusetzen. Wir sind sehr dankbar für diese Solidarität. Das gibt uns Kraft, Hoffnung zu behalten, im Glauben fest gegründet zu sein und die frohe Botschaft weiter zu sagen. Dafür soll der Kirchbau dienen!"

De neue Kirche in Pelotas im Oktober 2017
Die Versöhnungsgemeinde gehört zur lutherischen Trinitatisgemeinde in Pelotas, einer Stadt mit ca. 350.000 Einwohnern. Sie liegt 240 km südlich von Porto Alegre. Diese Gemeinde gründete sich, weil zahlreiche ehemalige Kleinbauern in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts nach besseren Lebensbedingungen und einer besseren Schulausbildung für ihre Kinder suchten. Viele siedelten in der Nähe der evangelisch-lutherischen Schule in Pelotas an. Der Pfarrer der Trinitatisgemeinde begann bald darauf, Gottesdienste in der Schule anzubieten. Die Gemeinde begann zu wachsen und damit der Wunsch, eine eigene Gemeinde zu gründen. Das geschah 1990. Auf einem geschenkten Grundstück konnte ein Gemeindezentrum gebaut werden, das seit 1997 auch als Gottesdienstraum genutzt wird. Dieses Gemeindezentrum ist auch Mittelpunkt der Gemeindediakonie. Viele Bedürftige kommen, um Lebensmittel und Kleidung zu erhalten. Trotz eigener geringer Mittel hat die Gemeinde Freude an dieser Solidaritätsarbeit.
Die Gemeinde zählt inzwischen 460 Glieder, die sehr aktiv am bunten Gemeindeleben teilnehmen. Um weiter wachsen zu können, brauchte die Gemeinde eine eigene Kirche. 
Der Grundstein der Versöhnungskirche in Pelotas wurde schon 2001 gelegt. Es dauerte drei Jahre, bis die Arbeiten am Fundament fertiggestellt werden konnten. Erst 2006 begann man mit der Errichtung der Außenwände. Ab 2010 konnte die Gemeinde sich in dem Rohbau zu den Gottesdiensten versammeln. Durch zahlreiche Aktivitäten hat die Gemeinde selbst Spenden gesammelt. 
Das GAW hat 11.000 Euro für den Kirchbau gesammelt und konnte damit helfen, dass zum Reformationsjubiläum in der fertigen Kirche die Gemeinde das Reformationsfest feiern konnte.


Dienstag, 16. Januar 2018

Gnade ohne Tat ist Einbildung

Das GAW ermöglicht seit seiner Gründung immer wieder unseren Gemeinden hier vor Ort, dass "wir doch endlich aus dem Provinzialismus herauskämen, in dessen Stickluft niemand recht atmen, schon gar nicht Freiheit atmen kann!" Und die Feststellung: " Die Angst vor der Werkerei, die manchmal allein aus der Reformation im Protestantismus übrig geblieben zu sein scheint, darf doch nicht dazu führen, dass wir bloß noch theologisieren und schwätzen... Gnade, die nicht tätig wird, ist Einbildung." 
Diese Sätze gefunden in einem GA-Blatt vor 50 Jahren sollte Motivation sein, sich für die weltweite evangelische Diaspora einzusetzen - raus aus dem Provinzialismus und Kirchturmdenken hinein in das "Tun des Gerechten", denn Gnade will aktiv werden.

Mittwoch, 10. Januar 2018

Klage- und Fürbittgebet für Syrien

Homs im Oktober 2017
Dieses bewegende Klage- und Fürbittgebet findet sich in dieser Woche im Ökumenischen Fürbittkalender, das u.a. auf Syrien den Blick lenkt:

"Unser Vater im Himmel, geheiligt sei dein Name -
möge er wieder geheiligt werden.
Wir rufen dich an, in deiner Gegenwart stehend, 
und uns an deine Verheißungen erinnernd -
mit deinen eigenen Worten, Herr und Gott, erklären wir: 
Syrien ist dein Volk, der Irak ist deine Handarbeit.
Doch sind unsere Herzen ohnmächtig geworden.
Wir werden unterdrückt. 
Wir brauchen deine Liebe und deine Vergebung, wir müssen sie sehen.

Wie wir auch deinen Trost jetzt brauchen -
Mehr denn je müssen wir deine Liebe spüren.
Wie lange, oh Herr?
Wie lange wirst du dein Volk noch 
in diesem Zustand der Schwäche lassen, in diesem Abgrund von Boshaftigkeit?
Wie lange wirst du deine Schöpfung noch alleine lassen, 
und die Verdorbenheit des Bösen sich verbreiten lassen?
Wie lange müssen wir noch von unseren Lieben getrennt bleiben? 
Wie lange werden wir noch Fremde sein unter den Lebendigen?
Erbarme dich unser, oh Gott, erbarme dich.
Erbarme dich der Kinder deiner Kinder, 
erbarme dich derer, die deinen heiligen Namen verkünden.

Vergib uns jede Sünde, bringe unser Seufzen zum Schweigen, 
und bringe die Freude deiner Rettung wieder in unseren Mund zurück.
Vergib unsere Mitschuld an allen Unterdrückungen, 
und unsere jahrelange geistliche Hungersnot und ungläubige Angst.
Vergib uns, vergib unseren Vätern und Müttern, 
vergib unseren Freunden und Leitenden, vergib unseren Feinden.
Gieße nun deinen Geist aus, oh Herr – wie im Himmel, 
dein Reich komme.

Gib uns Glauben statt Zögern, entfache unsere Hoffnung, 
und lass die Erde deine neue Herrlichkeit erkennen.
Mache, wofür wir nicht bitten, und was wir uns nicht vorstellen können, 
und bringe unserem Land richtige und dauerhafte Heilung.
Öffne die Augen der Blinden, jetzt, 
und entzünde Reue und Bußfertigkeit in den Herzen der Schuldigen.
Heile den Geist deiner Kirchen, 
und lass deine Gläubigen richtig in Erinnerung bleiben.
Mache den Namen Christi bekannt, 
dass sein Licht den Morgen bringe in unsere Nacht.

Sei für uns derselbe, oh Gott, der du
für die Israeliten im Exodus und in der Wildnis des Sinai warst.
Damit Gärten des Friedens wachsen können, in diesen durch Krieg verwüsteten Landstrichen, 
und dein Name hoch erhoben werde.
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, 
beten wir dies –
Ein Gott, sei gelobt von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen."  (von Naji Umran)

Montag, 8. Januar 2018

Die Krise in Venezuela spitzt sich zu

Anti-Maduro Graffitis in Caracas
“Für unser Straßenkinderheim in Valencia müssen wir die Lebensmittel aus Miami besorgen. Das schaffen wir immer noch irgendwie. Nur - es kostet Geld! Inzwischen wird es immer schwieriger, die Grundversorgung für unsere Kinder und Jugendlichen in dem Heim zu sichern“, schreibt der Kirchenpräsident der lutherischen Kirche Venezuelas Gerardo Hands. „1 US-Dollar ist auf dem Schwarzmarkt inzwischen für 120.000 Bol. zu bekommen. Damit kann man 1 Kg Zucker kaufen…! Ein normaler Arbeiter verdient im Durchschnitt 5 – 7 US-Dollar monatlich. Dafür kann man für 3 bis 4 Tage Essen kaufen.“ Diese Worte von Gerardo machen deutlich, wie desolat die Lage in Venezuela ist. Mit einer Kryptowährung versucht Präsident Maduro gegenzusteuern und findet die Schuld an dem Desaster im Ausland - ohne das eigene Versagen anzuerkennen. In Venezuela spitzt sich die Versorgungskrise zu. Es gibt überall Plünderungen. Soldaten sind vor Supermärkten postiert. Überall bilden sich lange Schlangen vor Supermärkten. Das Militär versucht, die Lage unter Kontrolle zu halten. Regierung und Opposition bieten sich einen Machtkampf. In dem Erdölland Venezuela gibt es sogar Versorgungsengpässe, um an Benzin und Diesel zu kommen. Trinkwasser ist zudem teurer als Benzin.
Kinder und Jugendliche des Straßenkinderheimes in Valencia
Wie lange wird es so noch weitergehen? Das fragen sich viele. Kann sich Präsident Maduro noch lange halten? Wie verhält sich das Militär? Können sie die Bevölkerung unter Kontrolle halten.
Im Kleinen zeigen sich die dramatischen Auswirkungen der Krise in Venezuela: Die kleine lutherische Kirche hat zwischen 30 und 40 % ihrer Mitglieder verloren. Insgesamt sollen mehr als 3 Millionen Venezolaner das Land verlassen haben. 
Der lutherische Kindergarten San Blas in Valencia leidet immer wieder darunter, kein Wasser zu haben. Die gesamte Infrastruktur im Land droht zusammen zu brechen.
Und für das Straßenkinderheim der lutherischen Gemeinde in Valencia heißt es, dass die Sorge um die Versorgung der Kinder und Jugendlichen ein existenzieller Überlebenskampf ist. Nur über die Kontakte von Gemeindemitgliedern aus Caracas nach Miami ist es möglich, die Versorgung einigermaßen zu sichern. Nur – darum dreht sich der tägliche Kampf um diese wichtige Arbeit.

Das GAW will die Versorgung dieses Heimes in diesem Jahr mit sichern. Gebraucht werden 10.000 Euro für das gesamte Jahr.

Helfen Sie mit! Jede Spende hilft! Stichwort "Venezeuela": http://www.gustav-adolf-werk.de/spenden.html

Mittwoch, 3. Januar 2018

Der neue GAW-Projektkatalog 2018 startet

Pfr. Enno Haaks, Generalsekretär
des GAW, präsentiert den neuen
Projektkatalog
Mit dem neuen Jahr beginnt das GAW seine neue Spendenkampagne zur Unterstützung von 50 evangelischen Partnerkirchen in 40 Ländern weltweit. Der Projektkatalog 2018 umfasst 125 Projekte mit einer Rahmensumme von 1,6 Millionen Euro. (http://gustav-adolf-werk.1kcloud.com/ep1Ezbrv/#0)

Eines davon ist aus Bolivien aus Batallas auf dem Altiplano:

Auf dem Altiplano, 45 km von La Paz entfernt und in der Nähe des Titicacasees, befindet sich Batallas in der Provinz Los Andes. Hier wohnen ausschließlich Aymara, die von Landwirtschaft und Viehzucht leben, einige auch vom Fischfang auf dem Titicacasee. Die Menschen sind sehr arm und leben von dem, was sie ernten und produzieren. Die Ernte ist sehr abhängig von den klimatischen Bedingungen. Aufgrund starker Probleme in den letzten Jahren haben jedoch viele Menschen das Land verlassen und sind in die Stadt gezogen - mit für sie ungewissen Folgen.
Jugendgruppe in der lutherischen Gemeinde Batallas
Es gibt in der Region zahlreiche lutherische Gemeinden, die durch die Missionsarbeit aus Nordamerika in den 1930er Jahren entstanden sind. Eine davon ist die Kirchengemeinde in Batallas. Zur Gemeinde gehören 30 Familien. Bisher gibt es nur eine Kirche, die keine weiteren Räumlichkeiten bietet, um z.B. für Kinder und Jugendliche Angebote machen zu können. In solch ärmlichen Regionen mit ungenügenden Bildungschancen sieht die Kirchengemeinde sich gefordert, ihre Türen zu öffnen für Kinder und Jugendliche, um sie zu fördern und ihnen bessere Bildungschancen bieten zu können. 30-40 Kinder sollen von den neuen Angeboten profitieren. 

Die Kirchengemeinde in Batallas will einen Gemeindesaal bauen, der vielfältig für Kinder und Jugendliche und andere Gemeindeveranstaltungen genutzt werden kann und zudem die entsprechenden sanitären Einrichtungen bietet. Eine Küche zur Versorgung der Kinder und Jugendlichen soll ebenfalls eingebaut werden. Ziel ist es, dass diese Räumlichkeiten der gesamten Kommune zu Gute kommen, sodass 800 Familien davon profitieren können.

Freitag, 29. Dezember 2017

Grußwort der Präsidentin des GAW zum neuen Jahr 2018

Prälatin Gabriele Wulz, Präsidentin des GAW
„Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ (Offenbarung 21, 6)

Viel haben macht nicht glücklich. Wer meint, den Durst der Seele mit materiellen Gütern stillen zu können, irrt. Die Seele schreit weiter – so verzweifelt, wie der Hirsch in Psalm 43 in staubig, ausgetrocknetem Flusstal nach Wasser schreit. Die Surrogate, für die wir so hart arbeiten und alles zu geben bereit sind, halten nie das, was sie versprechen.

Die Gottesrede in der Offenbarung des Johannes zeigt die Alternative. Den Durstigen, wird lebendiges Wasser verheißen, das den Durst nach Leben wirklich zu stillen vermag. Gott selbst verspricht solches Wasser denen, die den Mangel spüren und die nicht aufhören, nach ihm zu suchen.

Die Jahreslosung aus dem letzten Buch der Bibel will und soll uns im neuen Jahr immer wieder Anstoß sein und Orientierung geben. Nicht ums Haben und Behalten kann es gehen, sondern um das Beschenktwerden. Nicht die „Werte“ sind entscheidend, sondern das „umsonst“. Gott füllt den „Mangel unseres Lebens aus“ (EG 324, 12) – jenseits dessen, was wir tun und leisten. Ein Gedanke, den es in der konkreten Arbeit des GAW immer wieder durchzubuchstabieren gilt.

Ein gutes und gesegnetes neues Jahr

Ihre 

Gabriele Wulz, Präsidentin des GAW

Freitag, 22. Dezember 2017

Das Volk das im Finstern wandelt sieht ein helles Licht (Jesaja 9,2)

Schülerinnen der armenischen Bethelschule in Aleppo
Liebe Freunde des GAW, liebe Spender und Spenderinnen, liebe Partner in der weltweiten evangelischen Diaspora, liebe Schwestern und Brüder,

Ihnen/Euch allen wünschen wir von Herzen ein gesegnetes und friedvolles Weihnachtsfest!

An den unterschiedlichsten Orten dieser Welt feiern wir Weihnachten verbunden in der einen Hoffnung, dass das Kind in der Krippe unser Licht sein möge in allen Finsternissen, die uns umgeben. Weltweit sind wir in diesem Glauben verbunden und unterwegs. Je nach Umgebung und Umständen feiern wir dieses Fest mit besonderen Akzenten. Immer spielt dabei auch eine Rolle, was wir im vergangenen Jahr erlebt haben. Davon zeugen auch die unterschiedlichsten Weihnachtsgrüße, die wir in der Zentrale des GAW erhalten haben. An zweien davon möchten wir Sie, die Sie unsere Arbeit begleiten und unterstützen, stellvertretend für unsere 50 evangelischen Partnerkirchen teilhaben lassen. 

Haroutune Selimian, Pfarrer der armenisch-evangelischen Bethelgemeinde aus Aleppo und Präsident der Union Armenisch-Evangelischer Gemeinden in Syrien schreibt: „Wir wünschen euch allen ein erfülltes und gesegnetes Weihnachtsfest! Es gibt so viele Dinge für die wir Gott dankbar sind, insbesondere, dass die heftigen Kämpfe und Gefechte um Aleppo endlich aufgehört haben. Wir hoffen auf Gutes für die Zukunft! Wir hoffen, dass wir so schlimme Zeiten nie wieder erleben müssen. Und wir glauben fest daran, dass es einen Sinn hat, dass wir in Aleppo ausgeharrt haben. Der Glaube, der uns durch Trauer und Hoffnungslosigkeit getragen hat, lässt uns Gottes Liebe von einer neuen Seite sehen. Gott wird größer.“ 

Nestor P. Friedrich, Pfarrer und Präsident der Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien, schreibt: „Weihnachten erinnert uns an die Geburt eines Kindes, das vom Propheten Jesaja angekündigt wurde: ‚Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ist auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst.‘ (Jes 9,5) Im Moment erleben wir in Brasilien Zeiten, die uns an die des Propheten Jesaja erinnern. Es scheint, dass uns eine Wolke des Bösen bedeckt. Wir leben nicht im Krieg, aber in unseren Städten eskaliert die offene Gewalt zwischen kriminellen Banden. Immer mehr Familien zerbrechen durch Gewalt, Arbeitslosigkeit und Verzweiflung. Dialog wurde von Konfrontation verdrängt. Wir haben Angst! Ist es das, was uns bleibt? Weihnachten erinnert uns an die Geburt eines zerbrechlichen Kindes, das in einer Krippe liegt, umgeben von einfachen und armen Leuten, die sich nach besseren Tagen sehnen. Jesus – das Kind, der junge Mensch, gekreuzigt und wiederauferstanden – ist der Wunder-Rat inmitten unserer Verzweiflung. Er ist ein strahlendes Licht in der Dunkelheit unserer Angst, auch in unserem Land, auch in Brasilien. Es ist Weihnachten!“

Ja - es möge Weihnachten sein! Und das Licht dieser Welt - Jesus Christus - möge Herzen und Sinnen ergreifen, dass es ein mehr an Frieden und Liebe geben möge - sei es in Syrien, Brasilien, Kirgistan, Kuba, Griechenland, Portugal, Marokko, Polen, Spanien, Chile, Russland, Kolumbien, Rumänien, Venezuela, Frankreich, Ungarn, Litauen, Bulgarien, Estland,Ägypten, Italien... oder wo auch immer auf dieser Welt. Wir sind EINS in dem Glauben an den, der unser Heiland ist!

Bleiben Sie behütet,

Enno Haaks, Pfarrer
Generalsekretär des GAW



Dienstag, 19. Dezember 2017

Talarspenden für die evangelische Diaspora


"Zufällig habe ich erfahren, dass das GAW  Talare weitergibt an junge Theologen in der Diaspora, für die eine Neuanschaffung eines Talares zu teuer ist," schrieb mir die Witwe eines verstorbenen Pfarrers. "Mein Mann hatte zwei Talare, die gut erhalten sind. Und ich hoffe, dass sie in der Diaspora noch einen guten Dienst leisten werden!"

Das werden die Talare mit Sicherheit tun! 

Pfr. H. Selimian (Aleppo)
In diesem Jahr konnten wir an junge Vikare in Argentinien fünf Talare übergeben, die für die angehenden Pfarrer ein großes Geschenk waren. Kürzlich konnte ich ebenfalls in Argentinien einer Pfarrerin einen sehr guten Talar überreichen. Die Freude war groß, denn den, den sie bis dahin nutzte, hatte schon zwei Vorbesitzer gehabt und war recht verschlissen.

Im Oktober erhielt Pastor Haroutune Selimian aus Aleppo einen Talar mit entsprechenden Stolen. 

Das GAW hat einige Talare auch für Studierende am Theologischen Seminar in Warschau geschickt.

In Chile hat sich ein Pfarrer über einen bayrischen Talar gefreut, weil er einige Semester in Bayern studiert hatte.

Immer wieder erreichen uns Anfragen, ob es möglich ist, einen Talar über das GAW zu erhalten. Deshalb sind wir dankbar für jede Spende eines gebrauchten gut erhaltenen Talares. Bitte weitererzählen! -  Enno Haaks

Kirchen sind Friedenshäuser: Casa de Paz - ein Konzept

Friedensgebet in Nikolai (Leipzig): Pfr. B. Stief (Nikolai),
GAW-Stipnediaten Ismael und Liria, Pfr. E. Haaks (GAW)
"Unsere Kirche soll ein Haus des Friedens sein!" betont Pastor John Hernandez von der lutherischen Emmausgemeinde in Medellin immer wieder. Medellin ist ein Synonym geworden für die Gewalt des kolumbianischen Bürgerkrieges, der Drogenmafia und blutigster Kämpfe zwischen den unterschiedlichen Konfliktparteien. Gerade hier will John mit seiner kleinen Gemeinde in dem "Haus des Friedens" mit daran arbeiten, dass der Frieden in Kolumbien eine Chance hat. "Frieden muss von unten beginnen, an den Orten, wo wir leben und unter Gewalt gelitten haben oder leiden!" sagt John. "Es geht um Menschen und ihre Geschichten. Hier wird Versöhnung real." Und er ergänzt: "Dazu müssen aber auch politische Vereinbarungen kommen, die das unterstützen. Aber Frieden beginnt von unten!" Daran arbeitet die lutherische Gemeinde mit ihrer "Casa de Paz" - ihrem Friedenshaus.
In der Nikolaikirche in Leipzig wurde in der Friedensdekade im November in jedem Friedensgebet für dieses Friedenshaus gesammelt, das das GAW 2018-2010 unterstützen will. Kurz vor Weihnachten konnte aktuell von den Begegnungen in dem Friedenshaus berichtet werden durch die kolumbianische Stipendiatin Lira und den Generalsekretär des GAW, der im November vor Ort die Gemeinde besuchte.
Im Blick auf Weihnachten erinnert dieses Projekt uns alle daran, dass alle unsere Kirchen "Häuser des Friedens" sein sollen, so wie die Engel es den Hirten in Bethlehem verkündeten: "Frieden auf Erde bei den Menschen seines Wohlgefallens."
Ein Haus des Friedens will lehren, dass man befriedet wird - innerlich und äußerlich. Und dann geht vor es darum, Frieden nach außen zu tragen und draußen zu zeigen, was man innen glaubt. Der verstorbene Nikolaipfarrer Christian Führer hat immer wieder betont: Straße und Altar gehören zusammen. Unsere Häuser des Friedens, unsere Kirchen sollen offen für alle sein, denn allen ist diese Friedensbotschaft gesagt, damit dann Frieden wachsen kann - in jeder Stadt, in unseren Ländern, in unserer Welt.
Eine Kirche, ein Haus des Friedens ist nicht nur ein Ort aus Stein. Es ist ein Ort des Hörens. Das Gehörte soll nicht leer bleiben. Es soll nach außen gezeigt werden, was gehört wurde. Und das sind lauter Friedensworte. Frieden – innen und außen! 
Deshalb stimmt es: Das Haus des Friedens, Kirche ist ein Konzept!
Die Arbeit des GAW ist deshalb immer auch Friedensarbeit.

Freitag, 15. Dezember 2017

Jahrbuch des GAW zu den Folgen des 1. Weltkrieges für den Protestantismus in Arbeit

v.li.: Bischof Dr. Michael Bünker, Dr. Wilhelm Hüffmeier, Dr. Elisabeth Parmentier, Frau Klaafs, Profr. Klaus Fitschen
Mitte Dezember traf sich der vom Vorstand des GAW berufene Herausgeberkreis des GAW-Jahrbuches "Die Evangelische Diaspora" zur Vorbereitung einer neuen Ausgabe. 2018 wird an den vor 100 Jahren endenden 1. Weltkrieg erinnert. In vielen europäischen Ländern wird es dazu Gedenkfeiern und Veranstaltungen geben, die auf die bis heute nachwirkenden Folgen dieses fürchterlichen Krieges erinnern. Das Jahrbuch will sich diesem Thema ebenso stellen und auf die Auswirkungen auf den europäischen Protestantismus hinweisen. Das Thema des Jahrbuches heißt: "Die Evangelischen Diasporakirchen nach dem Ersten Weltkrieg und ihre ökumenischen Beziehungen". In vielfältigen Beiträgen wird dieser Thematik Raum gegeben. dabei wird es bestimmte exemplarische Länderschwerpunkte geben.
Auch Dokumente, die diese Thematik beleuchten, werden eingearbeitet in das Jahrbuch, so u.a. Stellungnahmen der GEKE, der EKD, aus Frankreich, aus Polen etc. 
Im Jahr 2014 wurde an den Beginn des 1. Weltkrieges erinnert. Die evangelische Kirche hat sich damals tief beschämt über das kirchliche Versagen beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren geäußert. Kirche und Theologie in Deutschland hätten versagt angesichts der Aufgabe, zu Frieden und Versöhnung beizutragen und sich zu Anwälten der Menschlichkeit und des Lebens zu machen, hieß es in einem Wort des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), das damals veröffentlicht wurde.
Zu einem Moment des Schweigens als ein angemessenes Zeichen des Erinnerns rief damals die  Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) auf. Die Kirchengemeinschaft empfahl für den Jahrestag des Beginns des Ersten Weltkrieges am 1.August, europaweit um 12 Uhr eine Schweigeminute einzulegen.
Das Jahrbuch des GAW soll im Januar/Februar 2019 erscheinen.

Dienstag, 5. Dezember 2017

"Brasilien braucht einen Martin Luther"

Ruben Goldmeyer, Vorsitzender der Rede Sinodal
mit dem Generalsekretär des GAW; das Plakat zeigt 
das Jahresthema der Kirche 2018
"Brasilien braucht einen Martin Luther! Das Land leidet unter Korruption und Vetternwirtschaft, einem schlechten Erziehungs- und Gesundheitswesen, unter Gewalt gegen Frauen und einer  zunehmenden Unsicherheit," erklärte im Septemberein bekannter brasilianischer Journalist in einer landesweit ausgestrahlten Talkshow. Dabei sei dieser Mann gar kein Lutheraner, so Ruben Goldmeyer, Vorsitzender des Bildungsnetzwerks "Rede Sinodal de Educação" der Evanglischen Kirche Lutherischen Bekenntnises in Brasilien (EKLBB): "Als ich das im Fernsehen hörte, bekam ich Gänsehaut. Das war für uns Lutheraner etwas ganz Besonderes.
Luther ist normalerweise kein Thema in Brasilien. "Wir sind eine Diasporakirche und in dem großen Land werden wir manchmal nicht wahrgenommen", sagt Ruben Goldmeyer. "Was hier über die Reformation bisher bekannt war, war sehr dürftig. Man sprach von der Reformationszeit als von etwas Partikularem und Sektiererischem. Das Reformationsjubiläum hat nun hier im Land ein neues Bewusstsein geschaffen." 
Ruben berichtet, dass die EKLBB zunächst befürchtet hatte, dass die Jubiläumsfeierlichkeiten etwas Innerkirchliches bleiben und keine Außenwirkung in Brasilien haben würden. Doch nun beobachtet er das Gegenteil. In nicht unerheblichem Masse hat das Bildungsnetzwerk  dazu beitragen können. In der "Rede Sinodal" der EKLBB sind 51 Schulen mit einigen Filialen (d.h. an die 70 Schulen) verbunden. Insgesamt werden mit diesen konfessionellen Schulen 45.000 Schüler erreicht. Mindestens 75 % der SchülerInnen gehören nicht zur EKLBB. Eltern schicken ihre Kinder auf die EKLBB-Schulen, weil diese einen sehr guten Ruf genießen. Inzwischen steigt auch das Interesse am Deutschunterricht wieder. 
Die "Rede Sinodal" hat sich an den Feierlichkeiten in mit verschiedenen Schwerpunkten beteiligt. Es wurde z.B. von Lehrern und Pfarrern didaktisches Material zu Martin Luther, zur Reformation und zu wesentlichen Aspekten der reformatorischen Theologie erarbeitet, einsetzbar von dem Kindergartenalter bis zur 5. Klasse . Dieses Material steht inzwischen allen Schulen Brasiliens zur Verfügung und wird auch nachgefragt. Ein Theatertreffen der Schulen wurde organisiert. Zum Reformationsjubiläum fand ein großer Lehrerkongress für 800 LehrerInnen statt.  Dazu kam noch ein großes Konzert der Schulen mit 500 musizierenden SchülerInnen und 200 SängerInnen. Über 4.000 Menschen besuchten das Konzert.  Unter dem Motto "500 Jahre Reformation - 500 Schüler" fand im Süden Brasiliens  ein Schülertreffen statt. "Das Treffen war sicher eines der Höhepunkte. Jede Schule konnte Schüler zu diesem Freizeitcamp schicken", sagt Ruben Goldmeyer. Er berichtet auch, wie sich langsam wieder eine Schulpastoral in den Schulen etabliert: "Wir arbeiten an unserem Profil als lutherische Schulen."
"In unserem überschaubaren Kontext zeigt sich, welche Auswirkungen das Reformationsjubiläum hat. Es wirkt nachhaltig und ist nicht verpufft" ist sich Ruben sicher. "Insgesamt ist in der brasilianischen Gesellschaft eine Sehnsucht nach einem Wandel, nach einer Reform - ja nach einer Reformation zu spüren. Es ist besorgniserregend, wie sich in den letzten Jahren das Bild Brasiliens  durch Korruptionsskandale, Machtmissbrauch und fehlende Erneuerungen im Bildungs- und Gesundheitswesen verschlechtert hat. Wenn man sich nach einem Martin Luther sehnt, ist dies ein Ausdruck für den Wunsch nach einer Neuausrichtung und einem politischen Wandel, der allen Menschen dient - und nicht einigen Wenigen!"