Donnerstag, 23. November 2017

Der GAW Schriftendienst stärkt die weltweite evangelische Diaspora

Spanischsprachige Losungen für die lutherischen Gemeinden in Venezuela
Der sog. GAW-Schriftendienst unterstützt die Bibliotheken Evangelischer Theologischer Fakultäten in der Diaspora, um die Qualität der Aus- und Weiterbildung zu stärken. Dafür braucht es theologische Fachliteratur. 
Zudem erhalten Diasporagemeinden erhalten Losungen, Bibeln, Gesangbücher etc. Der Schriftendienst ist eine wichtige Unterstützung der pastoralen Arbeit in der Diaspora geworden. Damit stärkt das GAW den Bildungsanspruch evangelischer Kirchen.

Bei seinem Besuch lutherischer Gemeinden in Venezuela konnte der GS des GAW spanischsprachige Losungen für die Gemeindearbeit, Bibelstunden und dem persönlichen Bibelstudium übergeben.

Das ist eine wichtige Unterstützung zur geistlichen Stärkung der Gemeinden und zur Festigung einer gemeinsamen weltweiten evangelischen Identität.

Den Spendern, die dieses Programm unterstützen sei herzlich gedankt!

Mittwoch, 22. November 2017

Gemeindeleben in Venezuela trotz großer Probleme

Sanierung des Innenhofes des Gemeindezentrum in Valencia
Wie besorgniserregend die derzeitige Lage in Venezuela ist zeigt sich an wenigen Beispielen: die normale Bevölkerung kommt kaum noch an Bargeld heran, weil die Regierung mit dem Drucken von Geldscheine nicht nachkommt. Angestellte und Arbeiter lassen sich lieber mit Lebensmitteln "bezahlen" als Bargeld anzunehmen, denn dies verliert von einem Tag auf den anderen an Wert. Die Lehrer der lutherischen Schule in Valencia verhandeln monatlich über eine Anpassung ihrer Gehälter - gerechte Forderungen bei der horrenden Inflation, aber die Schule bringt das in wirtschaftliche Probleme. Stehen irgendwo vor einem Supermarkt Menschen Schlange, dann gibt es bestimmt etwas, was sonst nur schwer zu bekommen ist - Mehl, Zucker.... Venezuela muss inzwischen Lebensmittel importieren, was vor Jahren undenkbar war. In den Krankenhäusern sterben Menschen, weil es keine Medikamente gibt. Kaum jemand berichtet davon. Nach 19 Uhr abends ist es nicht ratsam auf die Strasse zu gehen. Es passiert zu viel. Und aus den lutherischen Gemeinden und ihren diakonischen Projekten kann jeder eine Geschichte über Raub, Körperverletzung und Morden berichten. Der Sekretärin der lutherischen Gemeinde in Valencia wurde vor wenigen Tagen ihr Auto gestohlen... In den Restaurants bleiben viele Plätze leer, weil es sich kaum noch jemand leisten kann, Essen zu gehen.

Inmitten dieser dramatisch sich zuspitzenden Situation versucht die lutherische Kirche (IELV) an der Seite ihrer Mitglieder zu sein, Menschen einzuladen und zu stärken, zu helfen so gut es geht - und die diakonischen Zentren offen zu halten, was nur mit ausländischer Hilfe möglich ist. Zudem versucht die Kirche, ihre Gemeinden selbst zu stärken, die Orte schön zu erhalten und einladend zu sein.

Sicherheitszaun vor dem lutherischen Zentrum in Caracas
In diesem Jahr unterstützt das GAW mit zwei Projekten die beiden Gemeinden in Caracas und Valencia.

In Caracas war es auf Grund schwierigen Sicherheitslage notwendig, die Umzäunung und die Außenmauer um das Gemeindezentrum zu verstärken. In Valencia wurden Gemeinderäume und ein Innenhof des Zentrums saniert. Die Arbeiten konnten jetzt abgeschlossen werden und bedeuten eine wichtige Unterstützung für die Gemeinden und gleichzeitig Arbeit für die die, die die Arbeiten durchgeführt haben.

Allen Spendern, die dabei geholfen haben sei gedankt!

Cesar hat es geschafft

Die Kinder aus dem Casa Hogar in Valencia
Cesar ist 17 Jahre alt und lebt seit 11 Jahren im "Casa Hogar" - einem Heim für Strassenkinder in Valencia in Venezuela. Die lutherische Kirchengemeinde in Valencia ist Träger des Heims, das 11 Kindern und Jugendlichen ein zu Hause gibt, das sie so nicht kannten in ihrem Leben. Manche Geschichten der Kinder von Casa Hogar sind dramatisch. Jeffersons Mutter ist z.B. drogenanbhängig. Sie hat sieben Kinder von sieben Männern und hat ihre Kinder völlig vernachlässigt. Cesar hat eine ähnlich dramatische Geschichte hinter sich. Im Casa Hogar konnte sie Zuflucht finden. Hier sorgt sich Orlando mit seiner Familie um alles, was die Kinder brauchen: Erziehung, Schulausbildung, handwerkliche Fertigkeiten, Sport, Nachhilfe etc. Eine große Familie lebt hier zusammen. Es gibt für diese wertvolle Arbeit keinerlei staatliche Unterstützung. und in der derzeitigen wirtschaftlichen Situation Venezuelas wird es immer schwerer, die Ernährung der "Großfamilie" sicherzustellen. ca. 5.000 Euro muss die Kirchengemeinde alle drei Monate beschaffen, um die Versorgung  sicherzustellen. Das ist nicht einfach und funktioniert nur, weil es verschiedene Partner gibt - wie z.B. das GAW, das in den vergangenen Jahren immer wieder geholfen hat. U.a. hat das GAW auch dafür gesorgt, dass ein Kleinbus für den Schultransport angeschafft werden konnte, der inzwischen aber auch  in die Jahre gekommen ist. Demnächst wird ein Brunnen gebaut, den das GAW finanziert. So kann die Wasserversorgung sichergestellt werden. Auch für die Sicherheit hat das GAW die Verstärkung der Aussenmauer des großen Grundstücks finanziert.
Cesar hat es geschafft. Er wird jetzt seinen Schulabschluss machen und im kommenden Jahr Jura studieren. Er ist ein Beispiel, dass diese Arbeit wertvoll und wichtig ist und niemanden aufzugeben.

Eine lutherische Schule in Venezuela

Anna (re.), daneben Pastor Hands
Anna ist Leiterin der Deutschabteilung der Lutherischen Schule La Esperanza in Valencia. Die Lutherische Kirche der drittgrößten Stadt Venezuelas ist Träger der Schule. Seit 60 Jahren gibt es die Schule. Inzwischen kommen Kinder in die Schule, wo die Eltern darauf wert legen, dass ihre Kinder eine Fremdsprache lernen, damit sie leichter in anderem Ländern Fuß fassen können. Denn das Leben in Venezuela ist sehr schwer geworden - für alle Gesellschaftschichten. Bis zum Ende des Jahres rechnet man mit einer Inflationsrate von 1.800%. Das führt dazu, dass man für die Gehälter immer weniger bekommt. Anna bekommt 9 Euro umgerechnet. Inzwischen hat sie drei verschiedene Jobs, um ihre Familie durchzubringen.
Die Schüler warten darauf, abgeholt zu werden am
Ende des Schultages
Auch für die Schule wird es schwerer, zu überleben. Nach dem heutigen Umrechnungskurs bezahlen die Eltern weniger als 1 Euro pro Monat Schulgeld. Und auch das ist für einige schwer aufzubringen bei der rasenden Inflation. Dennoch hat die Schule 750 SchülerInnen. Von anderen teureren Privatschulen sind Kinder gekommen, weil hier das Schulgeld günstiger ist und die Kirche keinen Gewinn mit der Schule macht. Andere Kinder mussten die Schule verlassen und zu einer schlechteren öffentlichen Schule wechseln. 
Die lutherische Kirche hat sich bewusst entschieden, dass die schule für alle offen sein soll. Deshalb gibt es ein Stipendienfonds, der von ausländischen Partnern unterstützt wird. 

Dienstag, 21. November 2017

Evangelisch-Lutherische Kirche in Venezuela

Kirchenpräsident Gerado Hands in Caracas
vr dem Kirchenzentrum "la Resurrección"
Pfarrer Gerardo Hands hat früher gut verdient in Venezuela. Seine Familie kam als Flüchtlinge nach dem 2. Weltkrieg aus Deutschland nach Venezuela. Wirtschaftlich ging es damals in dem Land durch den Ölboom immer weiter bergauf. Das hat sich radikal geändert. Die inzwischen 18-jährige Chavez- und Maduro-Regierungszeiten haben das Land an den Rand des Staatsbankrotts geführt. Viele Menschen haben das Land verlassen. Man schätzt, dass zwischen 2-3 Millionen Venezolaner dem Land den Rücken gekehrt haben. Die vier Kinder von Hands sind mit ihren Kindern auch gegangen. Als Familie waren sie eine stützende Säule in der lutherischen Gemeinde „La Reforma“ in Caracas. Diese Geschichte ist kein Einzelfall. Vielen Familien aus der Mittelschicht geht es ähnlich. Und natürlich leidet die lutherische Kirche (IELV) unter der Auswanderung. Die Kirchenleitung schätzt, dass zwischen 30-40% der Mitglieder gegangen sind. „In meiner Gemeinde in Valencia haben allein in diesem
GS Enno Haaks  (3.v.li.)  im Gespräch mit Vertretern
der IELV 
Jahr 18 Familien das Land verlassen“, berichtet der Kirchenpräsident. „Das schwächt natürlich unsere Gemeinde und die Kirche insgesamt.“ Und er gesteht, dass das Leben einer Kirchengemeinde auch dadurch anstrengend ist. Als Pfarrer versucht er, Menschen zu unterstützen und zu stärken und zum Bleiben zu bewegen. „Nur wie kann ich das schaffen, wenn die wirtschaftlichen Bedingungen so dramatisch schlecht sind.“ 


Die IELV ist eine kleine lutherische Kirche mit 1.500 Mitgliedern in 6 Gemeinden. Die Pfarrerschaft ist dringend auf Nachwuchs angewiesen. Derzeit werden die Gemeinden von einem fünfköpfigen pastoralen Team betreut. Vier Studierende werden von Gerado Hands vorbereitet für den Pfarrdienst. In einem Land wie Venezuela eine echte Berufung. Neben der Gemeindearbeit gibt es mit der Acción Ecumenica und den diakonischen Projekten in Valencia wichtige sozialdiakonische Arbeiten, die unter den erschwerten ökonomischen Bedingungen schwer zu erhalten sind. Da ist die IELV auf dringende Hilfe angewiesen. Das GAW hat hier immer wieder geholfen.

Freitag, 17. November 2017

Besuch im krisengeschüttelten Venezuela

"Es ist ein wichtiges Signal der Solidarität für uns, dass du uns in der kommenden Wochen besuchen wirst," schreibt der venezolanische Kirchenpräsident Gerardo Hands mir. "Es ist wichtig, dass du dir selbst ein Bild von unserer Situation als Kirche machst und von der aktuellen Lage Venezuelas."
In seiner Mail beschreibt Hands, wie sich von Tag zu Tag die Situation im Land verschlechtert: In den letzten zwei Monaten ist die nationalen Währung um 300 % abgewertet worden; der Mindestlohn beträgt somit nur noch ca. 6 Euro. Wer kann davon überleben? Eigentlich können sich nur noch Personen mit ausländischem Gehalt die normalen Lebenskosten leisten. Der öffentliche Nahverkehr ist zusammengebrochen, die medizinische Versorgung verschlimmert sich täglich, die Kindersterblichkeit ist enorm gestiegen. Die Stromversorgung bricht regelmäßig zusammen und die Wasserversorgung ist ebenfalls sehr problematisch. Gas zum Kochen zu kaufen ist kompliziert geworden, auch Benzin bekommt man nur schwer - und das im erdölreichsten Land der Welt ...
Hands fragt sich, wann es einen Wandel im Land gibt: "Auch für 2018 ist derzeit keine Verbesserung in Sicht. Die diakonischen Projekte unserer Kirche können nur dank der Hilfe überleben, die wir u.a. vom GAW erhalten." 
Er schließt seine E-Mail mit den Worten: "Danke, dass du in der kommenden Woche uns besuchen willst. Es gibt wenige Menschen, die derzeit zu uns kommen und noch weniger, die mit uns zusammenarbeiten! Hasta lunes!"

Mittwoch, 15. November 2017

50 Jahre Frauenordination in Estland

Laine Villenthal und Harri Rein bei ihrer Ordination
in der Domkirche in Tallinn am 16.11.1967
"Als Erzbischof Tooming uns um 17:30 Uhr in sein Dienstzimmer rief – wir sollten unser Amtsgelübde ablegen – merkte ich, dass seine Finger leicht zitterten. Das beruhigte mich: Ich war nicht alleine mit meiner Aufregung und Angst. Auch der Allergrößte und Allerbeste ist nervös. Das verschaffte mir Ruhe. Auf dem Tisch lag eine geöffnete Bibel, wir legten unsere Hände darauf. Der Erzbischof las den Text des Gelübdes laut vor. Die Ordinationsassistenten waren auch dabei. Danach unterschrieben wir alle das Amtsgelübde, auch die Zeugen. Ich kann die Erhabenheit dieses Augenblicks nicht in Worte fassen“, erinnert sich Laine Villenthal an eine Szene vor ihrem Ordinationsgottesdienst am 16. November 1967 in der Domkirche von Tallinn.
Laine Villenthal (1922-2009) war die erste Frau in Estland (und in der Sowjetunion), die als Pfarrerin ordiniert wurde. 

"Mir wurde die Pfarrstelle in dieser Gemeinde angeboten. Das kann man nicht beantragen oder sich nehmen. Gott bietet Menschen Arbeit in seinem Reich an. Der Mensch kann es nun annehmen oder ablehnen", sagt Laine Villenthal in ihrer ersten Predigt als Pfarrerin in ihrer Gemeinde in Pindi.
Das entsprach ihrem bescheidenen Wesen. Nicht sie selbst hatte die Ordination ersucht, sondern ihre Gemeinde in Pindi. „Wir haben gelernt, uns gegenseitig zu vertrauen. Wir wollen keinen anderen Pfarrer als Laine“, hatte der alte Gemeinderatsvorsitzende zwei Jahre zuvor die kritischen Fragen des Propstes abgewehrt.


Ihre bewegende Lebensgeschichte hat Laine Villenthal aufgeschrieben. Die deutsche Übersetzung von Pfarrehepaar Merike Schümers-Paas und Michael Schümers ist unter dem Titel „Wir wollen keinen anderen Pfarrer! Die Geschichte der ersten ordinierten Pfarrerin in Estland“ (308 Seiten, 18,00 EUR, ISBN: 978-3-87593-129-7) im Verlag des GAW erschienen und kann auf der Internetseite http://www.gustav-adolf-werk.de/neuerscheinungen.html oder in der Buchhandlung bestellt werden.

Eine Materialsammlung zum Thema Pfarrerin Laine Villenthal/Frauenordination in Estland: https://www.facebook.com/LaineVillenthal/




Von der Amtseinführung Laine Villenthals in Pindi am 23. November 1967 existiert ein äußerst seltenes Zeitdokument, ein kurzer Film, aufgenommen von Pfarrer Alber Soosaar mit einer 8-Millimeter-Kamera.

 

Montag, 6. November 2017

Neue Ausgabe "Evangelisch weltweit"



Die Ausgabe 4/2017 des Magazins "Evangelisch weltweit" hat die Feierlichkeiten anlässlich des Reformationsjubiläums zum Titelthema gemacht. Während in Deutschland die Zahlen die Diskussion über die Feierlichkeiten bestimmen, ist die Sicht unserer Partner ein anderer. Gerade die kleinen Minderheitskirchen, die sooft in ihren Gesellschaften nicht wahrgenommen werden, haben das Reformationsjubiläum genutzt, um Themen zu setzen, öffentliche Aufmerksamkeit zu gewinnen, mit anderen Konfessionen ins Gespräch zu kommen, einander zu begegnen und zu feiern.

„Gerade für uns als Minderheitskirche ist es wichtig, dass wir uns vergewissern, gemeinsam mit unseren Geschwistern weltweit unterwegs zu sein“, unterstreicht Pfarrer Israel Flores Olmos, Professor für Praktische Theologie an der Evangelischen Theologischen Fakultät in Madrid in seinem Interview über Evangelisch-Sein im katholischen Spanien. Für bestärkende Treffen und Begegnungen bot das Jubiläumsjahr Gelegenheiten zuhauf. In der aktuellen Ausgabe von „Evangelisch weltweit“ berichten wir von solchen Begegnungen auf der Weltausstellung in Wittenberg, während des Reformierten Welttreffens in Leipzig und auf dem Kirchentag „Aus gutem Grund: Evangelisch in Rumänien“. Selbstverständlich können wir nur einen kleinen Ausschnitt bieten. Wir haben aber vor, unsere Partnerkirchen demnächst danach fragen, welche Höhepunkte des Jubiläumsjahres in ihrem Land am besten ankamen und ob das Jubiläum die öffentliche Wahrnehmung evangelischer Minderheiten spürbar beeinflusst hat.

Zu Themen der Ausgabe 4/2017 zählt auch der Einsatz der Christlichen Stiftung Diakonia für junge Roma in Rumänien. Das im Artikel „Maria kann jetzt lesen“ vorgestellte Bildungsprojekt steht übrigens auch im Projektkatalog 2018 des GAW – zusammen mit 125 Projekten aus nunmehr 50 Partnerkirchen


Einige Berichte aus dem aktuellen Magazin sind im Internet zugänglich: http://www.gustav-adolf-werk.de/evangelisch-weltweit-das-magazin-des-gaw.html

Das Jahresabo des Magazins „Evangelisch weltweit“ kostet 9,90 Euro. Sie können gern ein Abo auch spenden, z.B. als Geschenk an eine Leserin und einen Leser in unseren Partnerkirchen: http://www.gustav-adolf-werk.de/patenschafts-abos.html

Mittwoch, 25. Oktober 2017

Ein Mann des Friedens und großen Mutes - Frans van der Lugt: ein Märtyrer aus Homs

Generalsekretär Enno Haaks am Grab von Frans van der Lugt
Nur 150 Meter von der evangelische Gemeinde in Homs entfernt befindet sich  der Konvent der Jesuiten. Er liegt direkt hinter ihrem Schulgebäude, das in der über zwei Jahre dauernden Belagerungs- und Kriegszeit in der Stadt zerstört wurde. Am 7. April 2014 drangen maskierte Bewaffneten in den Jesuitenkonvent ein. Sie zerrten den 75-jährigen Jesuitenpater Frans van der Lugt aus dem Gebäude, schlugen ihn zusammen und exekutiert ihn schließlich im Innenhof. 
Pater van der Lugt hatte als einziger aus dem Konvent in der belagerten Altstadt ausgehalten und sich immer wieder an die Weltöffentlichkeit gewendet.
Im Februar 2014 sandte er eine dramatische Botschaft an die Weltöffentlichkeit: "Wir wollen nicht in einem
 Meer von Leid und Elend versinken. Wir lieben das Leben. Wir wollen leben. Die Menschen sind verrückt vor Hunger, die Stadt ist zu einem gesetzlosen Dschungel geworden." Den Islamisten war er ein Dorn im Auge, denn er kritisierte immer wieder ihre Gewalt. Er selbst weigerte sich, zu gehen. Er könne doch als Hirte seine Schafe nicht alleine lassen, bekannte er. Diese Treue zu den ihm Anvertrauten kostete ihm das Leben. Syrien war ihm zweite Heimat geworden. Schon seit den 1960er Jahren hatte der Niederländer in Syrien gelebt.
Direkt im Innenhof des Konvents ist er begraben. Dort wird an ihn als einen christlichen Märtyrer erinnert. 
Unsere evangelischen Partner führten uns zu seinem Grab. Ein bewegender Moment, denn sie schilderten dabei, wie eng sie mit ihm im ökumenischen Austausch und im Einsatz für die Menschen in Homs verbunden gewesen waren. Die evangelische Kirche mit dem Pfarrhaus wurde im Krieg schwer beschädigt und als Rekrutierungsbüro missbraucht. Inzwischen sind die Kirche und das Pfarrhaus wieder hergerichtet.

Zehn Kirchen und 60.000 Christen aus verschiedenen Konfessionen gab es in Homs vor dem Bürgerkrieg. Jetzt sollen es noch gut 12.000 Christen sein. 
Von den ehemals 1,5 Millionen Einwohnern lebt noch 1 Million in der Stadt.

Dienstag, 24. Oktober 2017

Resignation ist keine christliche Option! - Zukunft in Homs

Homs
Zwischen 2012 und 2014 wurde Homs vom Bürgerkrieg hart getroffen. Große Teile der Stadt wurden von islamistischen Militanten besetzt, einschließlich der Gegend, in der sich die presbyterianische Kirche befindet. Im Jahr 2014 wurde ein ein lokaler Friedensvertrag unterzeichnet, der die Stadt langsam befriedete. Vor drei Monaten sind letztlich die letzten Kämpfer abgezogen. Seit einem Jahr gab es keinen Bombenanschlag mehr. Ca 5 km Luftlinie nördlich von Homs sollen sich islamistische Al-Nusra Kämfer aufhalten, die aber von der Stadt ferngehalten sind. "Wir leben sicher in Homs!" betont Pfarrer Mofid Karajili. "Viele Christen verließen zwischen 2012 und 2014 die Stadt um ihrer Sicherheit willen. Unsere presbyterianische
Pfr. Mofid vor seiner Kirche
Gemeinde ist aber ziemlich stabil geblieben." Ca. 500 Gemeindemitglieder gibt es noch. "Die größte Herausforderung ist, dass sie eigen Lebensgrundlagen haben und bleiben können", sagt Mofid, der all die Jahre geblieben ist und Hoffnung vorlebt, dass es eine Zukunft für Christen in Homs gibt.Fährt man durch Homs, dann sind man eingestürzte Gebäude und Wände mit Artillerienschäden. Und zwischen den Ruinen wächst dennoch Leben und wird versucht, aufzubauen.
Ein weiteres Zeichen der Hoffnung ist die Jugendarbeit in der Presbyterianischen Kirche von Homs. 22 aktive junge Erwachsene versuchen einen Ort der Hoffnung vorzuleben in den Räumen der Kirchengemeinde: "Space for Hope“ - so heißt das Programm, das Mofid sich ausgedacht hat.  Kinder sollen die Möglichkeit haben, Kinder zu sein. Barrieren zwischen sunnitischen, alawitischen und
Mit dem Space for Hope Team
christlichen Kindern sollen durch Spiel und Spass überwunden werden, in der Hoffnung, dass die nächste Generation einen Weg finden wird, um miteinander auszukommen und in Frieden leben zu können. Viele der Kinder, mit denen sie arbeiten, haben nur Krieg erlebt. Sogar die 8- und 9-jährigen Kinder haben den Großteil ihres Lebens unter dem Bürgerkrieg gelitten. Alle haben im Bürgerkrieg Familienmitglieder und Freunde verloren. "In den Gesichtern und der Körpersprache der Kinder spürt man die Traumata des Krieges," sagt Mofid. "Aber die Kinder sollen wie alle Kinder auf der ganzen Welt Kinder sein dürfen." 
Die jungen Erwachsenen schaffen die Grundlage für eine zukünftige Generation von Frieden und Zusammenarbeit.
"Resignation ist keine christliche Option. Das ist in Europa leichter zu sagen als in Syrien. Ich bin beeindruckt von den vielen jungen und motivierten Menschen in der Gemeinde in Homs, die versuchen Hoffnung und Freude vorzuleben. Das ist zutiefst christlich gelebter Glaube", zeigt sich Landesbischof Ralf Meister beeindruckt von dem Engagement in der Gemeinde in Homs.

Sonntag, 22. Oktober 2017

Unter den Trümmern -LEBEN! - Evangelisch in Homs

Mofid Karajili
Erschütternd, bewegend und dann wieder "normal" ist es, einen Rundgang durch die Altstadt von Homs zu unternehmen. Hier wurde in den zwei Jahre und drei Monate lang währenden Kämpfen bis 2014 viel zerstört. Man geht an zerstörten Moscheen  vorbei und gleich daneben an einem eingestürzten Kirchturm. Die Gewalt des Krieges macht keinen Unterschied zwischen den Religionen und christlichen Konfessionen. Und jeder leidet unter der Zerstörung. So viele Menschen haben ihre Häuser verloren. Es gibt Gegenden in Homs, die völlig zerstört sind. Da wird es dauern. In der Altstadt versuchen Menschen, Normalität - was auch immer das sein kann - wieder zu gewinnen.
Einige versuchen ihre Wohnungen herzurichten. Bei anderen Häusern droht Einsturzgefahr. Die evangelische Gemeinde baut eine kleine Bäckerei auf, damit Frauen hier ein Auskommen haben können. Der Laden ist schön hergerichtet. Aber im 1. Stock ist ein großes Loch - ein Raketeneinschlag ... Man kann sich in Homs ganz entspannt in ein wunderschönes Restaurant setzen, als wäre drumherum keine Zerstörung zu sehen, und einen wunderbaren Abend bei syrischem Essen genießen, während ein ähnlich schönes Lokal 100 Meter entfernt völlig zerstört wurde.  
Wer hat Schuld an was - diese Frage stellt sich in dem Moment nicht, wo man durch die Strassen läuft und zwischen den Ruinen spürt, wie Menschen Schritt für Schritt sich neues Leben aufbauen wollen. Eher fragt man wütend, warum Menschen sich gegenseitig leben zerstören. Zumindest gibt es keine Kämpfe mehr in Homs. Es gab seit über einem Jahr keine Anschläge. Die Stadt gilt als sicher. Sicherheitskräfte sind permanent präsent.
Mitten in der Altstadt leitet Pfarrer Mofid Karajili seine evangelische Gemeinde, die noch ca. 500 Mitglieder hat. 100 von ihnen besuchen in der Regel den Sonntagsgottesdienst. Direkt neben seiner Kirche liegt eine zerstörte Moschee und eine zerstörte Schule. Mit Hilfe des GAW konnte er seine Kirche zügig wieder aufbauen, die in der Kriegszeit ein Rekrutierungsbüro für Islamisten gewesen war. Inzwischen ist diese Kirche ein pulsierenden, lebendiger Hoffnungsort mit einem Pfarrer, der sagt: "Ich glaube, dass es Sinn macht, hier zu sein. Gott hat mir diese Aufgabe zugedacht. Wie kann ich da nein sagen und gehen. ich will bleiben und Hoffnung säen! Und: Das geht!" Und er betont wie wichtig die Unterstützung aus dem Ausland ist, sowohl die materielle als aus geistliche Hilfe. "Wir brauchen eure Gebete und eure Solidarität!"

Das GAW hat beim Wiederaufbau der Kirche geholfen. bei der Einrichtung einer Bibliothek. Stromgeneratoren wurden gekauft. Die Schule und das Altersheim saniert. - Viel Hilfe ist in diese Gemeinde durch das GAW geflossen. und man sieht, dass diese Hilfe Menschen motiviert zu bleiben und Zeugnis ihres Glaubens zu geben.

Wir haben in Homs unsere Familie!

Landesbischof Meister (li.) mit Pfarrer Joseph Kassab
„Warum seid ihr nach Homs in Syrien gefahren? Das wird eine Frage sein, die wir – ich als hannoverscher Landesbischof und Enno Haaks als Generalsekretär des GAW nach der Rückkehr hören werden. Und die Antwort wird sein: Wir haben unsere Familie dort. Sie sind und bleiben Teil unserer Familie. Der Glaube an Jesus Christus verbindet uns und weist uns aufeinander. In Jesus Christus werden wir über Grenzen hinweg eine Familie Gottes“, sagte in der Predigt am 22. Oktober in der evangelischen Kirche in Homs in Syrien Landesbischof Ralf Meister. Über 120 Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde in Homs kamen zu einem bewegenden Gottesdienst zusammen, um beieinander zu sein und sich im Glauben zu stärken. Das brauchen die Christen in Syrien. Ihre Zahl ist durch den Krieg sehr zurückgegangen. Waren es mal 11 %, so schätzt man, dass nur die Hälfte übrig geblieben ist. In der Altstadt in Homs lebten z.B. einmal 60.000 Christen. Jetzt nach den kriegerischen Auseinandersetzungen sind
Pfarrer Enno Haaks 
höchstens 12.000 zurückgekehrt. Umso wichtiger ist es, dass die, die geblieben sind, sich gegenseitig bestärken und durch das Hören auf Gottes Wort ermutigt werden. Dafür ist eine heile Kirche wichtig, in dem die Gemeinde sich treffen kann. Es gibt zahlreiche zerstörte Kirchen und Moscheen in der Nähe der evangelischen Kirche. Die Evangelischen konnten mit Hilfe – u.a. des GAW – ihre zerstörte Kirche 2014/5 wieder aufbauen und Weihnachten 2015 ihren ersten Gottesdienst wieder feiern. Unsere Glaubensgeschwister brauchen unsere Solidarität. Sie brauchen unsere Gebete. Und sie brauchen auch unsere Besuche! Wie wichtig ist es, wahrgenommen zu werden mit den Sorgen, Nöten und auch Freuden! Und diese müssen weitererzählt werden. Dafür braucht es Begegnung. Nichts ist schlimmer, sich verlassen zu fühlen und nicht mehr wahrgenommen zu werden!