Dienstag, 23. Mai 2017

Du siehst mich - Gedanken zur Kirchentagslosung

„Du siehst mich" – diese drei Worte stehen über dem am 24. Mai beginnenden Kirchentag in Berlin im Reformationsjubiläumsjahr. Drei Worte, die mitten in unsere Zeit gesprochen sind. Wenn man so will sind es helle Worte in dunkler Zeit. Im 1. Buch Mose spricht  die Magd Hagar die Worte in ihrer Wüstenzeit. Dort sagt sie: „Du bist ein Gott, der mich sieht.“ 
Hagar ist auf der Flucht. Sie, die Magd von Abrahams Frau Sara, ist schwanger. Das brachte Probleme. Mit dem Hochmut der Gesegneten blickte sie auf ihre Herrin, die unfruchtbar ist, herab. Da ist kein Gespür dafür da, wie es der nicht Gesegneten wohl geht. Wie überhaupt Menschen im Glück so oft das Gefühl für die anderen, die Unglücklichen, verlieren. So stichelte und demütigte Hagar Sara, die dann ihrerseits es Hagar zurückgab. Die Situation eskalierte. Hagar musste fliehen. Auf der Flucht in der Wüste erreicht sie eine Oase mit einem Brunnen. Hier wird die Geflüchtete von einem Engel, einem Boten Gottes, angesehen und angeredet. Engel verstehen sich auf das "Fürchte dich nicht", aufs Mut machen und Weiterhelfen. Hagars Geschichte endet nicht in der Wüste. Der Engel verkündet Zukunft. „Gott hat erhört“ – Ismael soll der Sohn heißen. Inmitten der Orientierungslosigkeit und ihrer Wüstenzeit ist sie nicht verlassen. Und sie bekennt: „Du bist ein Gott, der mich sieht!“ Das ist ein tief empfundenes Bekenntnis. Da geht es nicht um Moral oder den vohergehenden Hochmut oder irgendwelche Verfehlungen im Sinne, dass Gott alles sieht. Gottes Sehen und Wissen steht – so erlebt es Hagar – im Dienst des von ihm geschaffenen Lebens. Gottes Sehen steht im Dienst der Liebe und des Erbarmens.
Gabriele Mistral, chilenische Dichterin und Nobelpreisträgerin, schreibt in ihrem Gedicht „Scham“, das von der Begegnung mit einem Geliebten lebt. Da heißt es: "Wenn du mich anblickst, werd' ich schön". Dann aber fährt sie fort, dass sie sich ohne diesen Blick des Geliebten "arm" und "bloß" fühlt, um dann einzumünden in die Bitte: "Senk' lange deinen Blick auf mich. Umhüll' mich zärtlich durch dein Wort."
Das ist die Erfahrung, die Hagar in der Wüste macht. Sie erlebt, wie sie himmelwärts angeschaut und unverhofft wahrgenommen wird in ihrem Elend. Sie ist nicht allein. Und sie wird bewahrt mitten in der Wüste. Dafür steht der Brunnen, an dem sie ausruhen und sich stärken kann. Ein Brunnen, der den Namen bekommt: "Brunnen des Lebendigen, der mich sieht." 
Wenn das Zukunft eröffnende Wort und die lebensfreundliche Welt so zusammen kommen, wie bei der flüchtenden Hagar, dann stimmt das Bekenntnis: "Du bist ein Gott, der mich sieht." 
Das möge unser Bekenntnis werden – bei uns und in der weltweiten evangelischen Diaspora. Und es mögen bei uns freundliche Worte und die guten Dinge dieser Welt in unserem Leben so zusammen stimmen, dass wir bekennen können: "Du bist ein Gott, der mich sieht."


Donnerstag, 18. Mai 2017

Wir wollen keinen anderen Pfarrer! - 50 Jahre Frauenordination in Estland

Die Biographie der vor 50 Jahren ordinierten estnischen Pfarrerin
"Wir wollen keinen anderen Pfarrer!" so lautet der Titel des gerade neu erschienene Buches aus dem Verlag des GAW. Es geht um die Geschichte der ersten ordinierten Pfarrerin in der lutherischen Kirche in Estland. „Wir haben gelernt, uns gegenseitig zu vertrauen. Wir wollen keinen anderen Pfarrer als Laine,“ erwiderte der alte Gemeinderatsvorsitzende von Pindi  den kritischen Fragen seines Propstes, als der sich anfangs weigerte. Es ist Frühsommer 1965 und die Gemeinde Pindi hat eben etwas getan, was es in der Estnischen Evangelisch-Lutherischen Kirche bis dahin so nicht gegeben hat: Sie hat die Kirchenleitung gebeten, die Predigerin Laine Villenthal als Pfarrerin zu ordinieren. Laine Villenthal ist dieser Werdegang nicht in die Wiege gelegt. In einer armen Bauernfamilie aufgewachsen, studiert sie unter erschwerten Bedingungen Theologie – in einem sozialistischen Land, in dem die Kirche als Staatsfeind galt. Der Zweite Weltkrieg und die sowjetische Okkupation ihrer Heimat durchkreuzen immer wieder ihre Lebensentwürfe. Doch sie lässt sich nicht beirren. Ohne die Aussicht auf Ordination stellt sie sich als Predigerin in den Dienst der Kirche. Im vollen Vertrauen auf Gott lässt sie sich dann auf das Wagnis ein, einen gänzlich neuen Weg zu beschreiten, den vor ihr noch keine Frau in ihrer Kirche gegangen ist: Am 16. November 1967 wird Laine Villenthal als erste Frau in Estland und in der gesamten Sowjetunion ordiniert. Bis zu ihrem 82. Lebensjahr bleibt sie als Pfarrerin im Dienst. 
Laine Villenthal ist eine Wegbereiterin für viele Frauen, die ein geistliches Amt anstreben, und eine wichtige Zeitzeugin. Ihre packende Lebensgeschichte ist für Leserinnen und Leser in Deutschland eine große Hilfe, die wechselvolle Geschichte Estlands im 20. Jahrhundert besser zu verstehen.
Gerade im Jahr des Refomrationsjubiläums ist dieses Buch ein Zeugnis und ein Bekenntnis zur Frauenordination insgesamt.
Im Blick auf die Frage der Ordination von Frauen gilt es immer wieder den Gegnern der Frauenordination deutlich zu machen, dass es keine biblische Grundlage dafür gibt, einen getauften, für ein Amt geeigneten und von Gott berufenen Menschen von der Ordination auszuschließen. Diese Überlegung muss für eine evangelische Argumentation in dieser Frage leitend bleiben. Zudem muss man deutlich sagen: Eine Kirche, die die Hälfte der Menschen vom Pfarramt meint ausschließen zu müssen, verdunkelt die Strahlkraft des Evangeliums. Die Kirche Jesu Christi braucht das gleichberechtigte Amt!

50 Jahre Frauenordination in Estland - wir wünschen dem Buch viele Leser und Leserinnen!

Die Übersetzung stammt von dem deutsch-estnischen Pfarrerehepaar Merike Schümers-Paas und Michael Schümers, die beide in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck arbeiten. 

Hrsg. vom Gustav-Adolf-Werk e.V., Diasporawerk der Evangelischen Kirche in Deutschland 
· ISBN 978-3-87593-129-7 · 18 EUR · 308 Seiten + 16 Seiten farbiger Bildteil · Verlag des GAW, Leipzig 2017 
· Zu beziehen über: verlag@gustav-adolf-werk.de
Tel.: 0341/490 62 13, www.gustav-adolf-werk.de/buecher.html oder über den Buchhandel.

Mittwoch, 17. Mai 2017

Das Seniorenheim in Komárno wurde eingeweiht

Das neue Seniorenheim in Komárno in der Slowakei
Am 7. Mai wurde das neue Seniorenheim „Timoteus-Haus“ in Komárno in der Slowakei festlich eingeweiht. Bischof László Fazekas von der Reformierten Kirche in der Slowakei begrüßte bei den Feierlichkeiten über 200 Gäste. Lange hat er mit seiner Kirche auf diesen Tag hingearbeitet.
Der reformierte Bischof Fazekas bei der Einweihung
Die Stadt Komárno (ungarisch: Rékomárom) liegt in der Südslowakei an der Mündung der Váh (deutsch: Waag) in die Donau. 1920 wurde sie zwischen der Tschechoslowakei und Ungarn geteilt, die Schwesterstadt Komárom auf der ungarischen Seite ist etwas kleiner. Auch in Komárno bilden die Ungarn die Mehrheit der Bevölkerung. Die Stadt ist ein wichtiges Zentrum für die Ungarn in der Slowakei. Die reformierte Gemeinde in Komárno ist die größte in der Slowakei.
Mit dem „Timotheus“-Haus soll die Arbeit im diakonischen Bereich verstärkt werden. Das Gebäude wurde 1938 als Waisenhaus gebaut und nach dem Zweiten Weltkrieg verstaatlicht. 2004 kaufte die Gemeinde das leer stehende Haus für einen symbolischen Preis zurück. Lange war nicht abzusehen, wann die Sanierung abgeschlossen sein könnte. Regelmäßig hat das GAW seit 2006 die schrittweise Sanierung des Hauses gefördert. Die gesamten Baukosten beliefen sich letztlich auf ungefähr 980.000 €. Die Finanzierung erfolgte u.a. durch einen großen Zuschuss der ungarischen Regierung, vielen Einzelbeiträgen, einem Zuschuss einer holländischen Stiftung und Mitteln des GAW in Höhe von ca. 68.000 €.
Dem Timoteus-Haus bietet nun in 18 Doppelzimmer und 4 Einzelzimmer Platz für 40 BewohnerInnen. Zu hoffen und zu wünschen ist es, dass das Haus sich auch wirtschaftlich tragen wird und eine Auslastung gegeben ist.
Allen Spendern, die geholfen haben, dankt Bischof Fazekas!

Donnerstag, 11. Mai 2017

Eine neue Orgel für die Petrikirche in St. Petersburg

In dieser Woche konnte nach langer Planungs- und Vorbereitungszeit eine gebrauchte Konzertorgel aus der Gertrudengemeinde in Stockholm in der St. Petrikirche in St. Petersburg am Newski Prospekt eingebaut werden. Zahlreiche Partner haben mit dem GAW gemeinsam dafür gesorgt, dass dieses Vorhaben umgesetzt werden konnte.
 
Pfarrer Michael Schwarzkopf schreibt:
 
"Wir danken allen, die dabei geholfen haben! Viele haben mitgeholfen, dass dieses Projekt möglich wurde. Aber noch ist die Orgel nicht fertig - sie sieht nur schon so aus. Aber im Inneren muss noch fünf Wochen lang gearbeitet werden."
 
Bisher wurde ein Orgelpositiv genutzt, das den großen Kirchraum klanglich nicht ausfüllen konnte. Ziel ist es, dass die Orgel hilft, viele Menschen zu Konzerten in die Kirche zu bringen. Das soll auf der einen Seite der Gemeinde helfen, Eigenmittel zu generieren, auf der anderen Seite die lutherische Kirche bekannter zu machen.

In Moskau wird mit guten Orgelkonzerten regelmäßig die evangelisch-lutherische Kirche mit Besuchern gefüllt. So soll es dann zukünftig auch in St. Petersburg sein.


Mittwoch, 10. Mai 2017

Protestantische Gotteshäuser strahlen in neuem Glanz


Innenraum der Kirche in Bodonci
Viele evangelische Christen in Slowenien haben eine besondere Beziehung zu ihren Kirchengebäuden. Das hat auch historische Gründe. Die ersten protestantischen Kirchen aus der Zeit der Reformation wurden in der Gegenreformation wieder zerstört. Die Gläubigen konnten sich nur noch Zuhause treffen, in der ständigen Angst vor Entdeckung und tödlicher Strafe.
Katja Ajdnik ist Pfarrerin in der Gemeinde in Puconci im Übermurgebiet. Das Übermurgebiet liegt im Nordosten Sloweniens, im Dreiländereck zwischen Österreich und Ungarn. Hier ist die historische Heimat der Protestanten Sloweniens. Die Kirche von Puconci wurde 1783 gebaut und ist damit die älteste evangelische Kirche in Slowenien, wie sie stolz erzählt. Erst nach dem Toleranzedikt von 1781 durften die Protestanten überhaupt Kirchen bauen - ein großer Gewinn für sie: Sie konnten sich selbstbewusst treffen und ihren Glauben in Gemeinschaft und aller Öffentlichkeit leben. Das Toleranzedikt galt jedoch nur für das Übermurgebiet.
Kirche in Gornji Slaveči 

Simona Prosič-Filip ist Pfarrerin in der Gemeinde Gornji Slaveči, ebenfalls im Übermurgebiet. Sie erzählt, dass die Kirchen nach dem Ende der sozialistischen Herrschaft sehr heruntergekommen waren und dringend restauriert werden mussten. Die Regierung Titos hatte die Gemeinden nach dem Zweiten Weltkrieg enteignet und sich nicht bemüht, die alten Gebäude zu erhalten. Besonders die Wände der Kirche in Gornji Slaveči waren sehr feucht. Sechs Jahre lang hat die Gemeinde die Restaurierung geplant und Geld dafür gesammelt. Die Gläubigen wurden gebeten, zur Andacht an die Verstorbenen statt Blumen und Kerzen Geld für die Restaurierung der Kirche zu spenden. Es kam viel Geld zusammen. Gemeinsam mit einem Kredit von der Kirchenleitung und Geldern aus dem Kulturfonds der Regierung konnte die Gemeinde die erforderlichen 220.000 Euro zur Restaurierung aufbringen und mit den Arbeiten beginnen.

Die Primus-Truber-Kirche in Ljubljana war in den Jahren zwischen 1945 und 1990 sogar zweckentfremdet worden: Hier waren die Werkstätten des Staatlichen Theaters untergebracht! In den letzten Jahren konnten die 15 protestantischen Kirchengebäude in Slowenien nun endlich restauriert werden. Die Kirchengebäude wirken innen freundlich und einladend. Nach außen geben sie ein lebendiges Zeugnis für die Jahrhunderte währende protestantische Kirchengeschichte in Slowenien. Den Gemeindegliedern und PfarrerInnen merkt man an, wie wichtig ihnen der Erhalt ihrer Kirchen ist. Pfarrerin Simona Prosič-Filip freut sich: "Mit der Restaurierung haben wir die Voraussetzungen geschaffen, dass unsere Gemeinde auch in Zukunft lebendig bleibt."

Samstag, 6. Mai 2017

Primus Truber und die Unterdrückung der Reformation in Slowenien

Altarbild in der Primus-Truber-Kirche in Ljubljana
Der 31. Oktober, der Reformationsfeiertag, ist in Slowenien staatlicher Feiertag. Und das, obwohl die Protestanten weniger als 1% der Bevölkerung ausmachen! Primus Truber (1508 – 1586) ist nicht nur der Reformator Sloweniens, sondern auch der Begründer einer einheitlichen slowenischen Sprache – ähnlich wie Luther in Deutschland. Er wurde als einfacher Müllerssohn in der Nähe von Ljubljana geboren. Als begabter Jugendlicher sprach er bereits mit 16 Jahren sechs verschiedene Sprachen. Später wurde er Priester und war schnell begeistert von den Lehren Luthers. Er predigte gegen das Zölibat und den Papst. 1542 wurde er als Superintendent von Ljubljana eingesetzt. Schnell verbreitete sich die reformatorische Botschaft in Slowenien. Die meisten Slowenen wurden evangelisch.

Gedenktafel an die Bücherverbrennung in Ljubljana 1601
Doch die von den Habsburgern unterstützte und von den Jesuiten durchgeführte Gegenreformation wirkte in Slowenien so gründlich und vernichtend wie in wenigen anderen Ländern: Mehrfach musste Truber nach Deutschland fliehen. Die erste Übersetzung der Bibel erschien nicht in Slowenien, sondern in Wittenberg. Versteckt in Weinfässern wurden die Bibeln schließlich nach Slowenien geschmuggelt. Unter Androhung von Folter und Tod mussten die Protestanten zum katholischen Glauben zurückkehren. Viele flohen nach Deutschland, Ungarn, Österreich oder Siebenbürgen. Evangelische und auf Slowenisch geschriebene Bücher wurden verbrannt. Im Jahr 1630 gab es quasi keinen Protestantismus mehr in Slowenien. Erst mit dem Toleranzedikt von 1781 wurde ein evangelisches Glaubensleben wieder möglich. Dies galt jedoch nur für die ungarisch verwalteten Provinzen im nordöstlichen Teil Sloweniens, die immer schon einen Sonderstatus hatten. Das sogenannte Übermurgebiet ist noch heute die Heimat der meisten Protestanten in Slowenien.

Primus Truber auf der Ein-Euro-Münze
Alle Slowenen kennen Primus Trubar als Begründer der slowenischen Schriftsprache, die ohne ihn vielleicht nie entstanden wäre. Dass er eigentlich evangelischer Pfarrer war und aus religiösen, nicht aus nationalen Motiven handelte, wissen die wenigsten. Sogar auf Sloweniens Ein-Euro-Münze ist Truber abgebildet. Damit ist sie die einzige Münze im gesamten Euro-Raum, die einen Reformator zeigt!


Freitag, 5. Mai 2017

Slowenien – die grüne Lunge Europas

Gruppe der Frauenarbeit in Primus-Truber-Kirche in Ljubljana
Eine Gruppe von der Frauenarbeit des Gustav-Adolf-Werks befindet sich gerade auf der diesjährigen Projektreise der Frauenarbeit. Ziel der Reise ist es, das Jahresprojekt 2018 vorzubereiten, das sich mit den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens beschäftigen wird. Gastgeber ist die Evangelische Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in Slowenien, eine Partnerkirche des Gustav-Adolf-Werk.
Predjamski Grad - eine mittelalterliche Burg in eine Karsthöhle gebaut
Wer das erste Mal nach Slowenien reist, wird womöglich überrascht sein: Satte grüne Hügel, so weit das Auge reicht. Slowenien ist eines der waldreichsten Länder Europas. In der Ferne ragen die Hochgebirge der Alpen in den Himmel. Zwischendurch sieht man kleine Dörfer mit spitzen Kirchtürmen auf den Hügeln thronen. „Gott wollte das Land mit so viel Reichtum ausstatten, also musste er es unterkellern“, lautet ein Spruch der Slowenen über ihr Land, der auf die zahlreichen unterirdischen Höhlen anspielt. Fast die Hälfte des Landes besteht aus kalkigem Karstgebirge. Darunter befinden sich viele tausend kleine und große Höhlen – einige von ihnen Dutzende Kilometer lang.

Slowenien ist mehrheitlich katholisch geprägt. Weniger als ein Prozent der 2 Millionen Einwohner Sloweniens gehören heute der evangelischen Kirche an. Die meisten von ihnen leben im Nordosten Sloweniens, im Übermurgebiet. Slowenien gilt nach Tschechien und den neuen Bundesländern als die säkularisierteste Gegend Europas. Der Glaube spielt für die Menschen vor allem an den großen Festen im Jahres- und Lebenslauf eine Rolle. In den anderen jugoslawischen Nachfolgestaaten ist die Säkularisierung weniger weit fortgeschritten – schließlich ist die Religion dort stark mit der nationalen Zugehörigkeit verbunden. Ein Kroate hat nach diesem Verständnis katholisch zu sein, eine Serbe orthodox und ein Bosnier muslimisch. In Slowenien war die Identifizierung über die Religion in Abgrenzung zu den anderen Völkern Jugoslawiens weniger stark.

Die neue Ausgabe "Evangelisch weltweit" (2/2017) ist da

Die neue Ausgabe des GAW-Magazins "Evangelisch weltweit" ist erschienen!

Ein spannendes Interview mit Pfarrer Joseph Kassab von der "National Evangelical Synod of Syria and Lebanon" ist eines der Schwerpunkte:
Pfarrer Kassab wird Gast des GAW auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin sein.

Ein weiterer Beitrag informiert über evangelische Glaubensgeschwister in Bulgarien.

Chris Ferguson, Generalsekretär der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WRK), ist mit einer Kolumne vertreten. Die WRK wird Ende Juni sich in Leipzig zu ihrer Vollversammlung treffen.

Simon Schaierer berichtet von dem Evangelischen Salam-Krankenhaus in Ägypten. "Es ist ein Friedensprojekt", betont er. In diesem Jahr fördert das GAW das Krankenhaus.

Dass die Evangelische Kirche in Tschechien (EKBB) sich in die gesellschaftspolitischen Fragen einbringt, konnten deutsche Theologiestudenten bei einer Exkursion nach Prag erfahren.

Diese und viele weitere Themen aus der weltweiten evangelischen Diaspora finden sich in der aktuellen Ausgabe 2/2017. Das Magazin des GAW erscheint vierteljährlich zum Jahresabonnementpreis von nur 9,90 EUR.
Bestellungen und Redaktion: presse@gustav-adolf-werk.de

Sonntag, 30. April 2017

Chaos in Venezuela

"Nicht noch mehr Tote!" - Demonstration in Venezuela
Massenproteste füllen seit Tagen die Hauptstraßen der großen Städte in Venezuela. "Die wichtigsten Städte sind wie gelähmt", schreibt der lutherische Kirchenpräsident Gerardo Hands. "Es gab Plünderungen von Geschäften. Nahrungsmittel sind knapp. An Medikamente ist kaum noch heranzukommen. Und am 1. Mai will Präsident Maduro auf einer Großkundgebung seiner Partei eine Gehaltserhöhung ankündigen, wobei jeder weiß, dass das eine Illusion und Lüge ist. Aber es wird die Gemüter weiter anheizen." Gerardo berichtet, dass es in der vergangenen Woche keinen Schulunterricht gab. 
Insgesamt befindet sich das Land in einem katastrophalen Zustand. Warum sich die Regierung Maduro überhaupt noch halten kann liegt wohl auch daran, dass die sich auf Militär und Polizei noch verlassen kann. Dazu kommen Geldeinnahmen durch das reiche Erdölvorkommen, auch wenn die durch die sinkenden Erdölpreise erheblich weniger geworden sind. Korruption und Vetternwirtschaft schwächen auf der einen Seite den Staat, auf der anderen Seite aber auch die bestehenden Strukturen. Die Fronten in Venezuela sind verhärtet. Es gibt zahlreiche Tote bei Demonstrationen zu beklagen. Ob in dieser angespannten Situation Regierung und Opposition es schaffen, einen Dialog aufzunehmen, um einen Weg aus der bitteren Krise zu finden?
Trotz allem versucht die lutherische Gemeinde in Valencia ein Straßenkinderheim und ein Diakonisches Zentrum mit Kindergarten weiter zu betreiben. Die Versorgung mit Lebensmitteln ist eine der größten Herausforderungen. "Gerade deswegen sind wir dem GAW dankbar für die Unterstützung für das Straßenkinderheim, damit wir Lebensmittel beschaffen können," schreibt Gerardo. "Vielen Dank für die Initiativen des GAW. Vielen Dank für eure Gebete und eure Solidarität!"

Freitag, 28. April 2017

Madina aus Wasiljewka

In der Mitte Madina aus Wasilowka
Vor drei Jahren habe ich Madina kennengelernt. Jetzt ist sie 16 Jahre alt und besucht immer noch das Tageszentrum für behinderte Kinder und Jugendliche in dem kirgisischen Dorf Wasiljewka. Als Kleinkind war sie schwer gestürzt. Auf Grund schlechter ärztlicher Versorgung sind erhebliche Schäden an Becken und Beinen zurückgeblieben. Sie kann sich nur mit Krücken fortbewegen. Vor fünf Jahren konnte sie überhaupt noch nicht gehen. Dank der Betreuung im Tageszentrum der lutherischen Kirche geht es ihr heute wesentlich besser. Vor zwei Jahren musste Madina dringend operiert werden. Es ging um Leben und Tod. Mit Hilfe des GAW wurde sie in Russland operiert und ihr Leben gerettet. Nun ist sie weitgehend stabilisiert. Es besteht Hoffnung, dass sich Madina durch eine orthopädische Operation in Zukunft besser bewegen kann. Das alles ist der Initiative von Bischof Alfred Eichholz zu verdanken, der es geschafft hat, dieses Zentrum mit Hilfe von Partnern aufzubauen und diesen Kindern und Jugendlichen beizustehen um die sich sonst niemand kümmern würde. Derzeit bietet das Zentrum Platz für knapp 15 Kinder und Jugendliche. "Der Bedarf wäre allerdings viel größer", betont Eichholz bei einem Treffen im GAW in Leipzig als er von Madinas Schicksal und den Herausforderungen des Tageszentrums erzählt. 
Dieses Zentrum ist eines der diakonischen Aktivitäten, der kleinen lutherischen Kirche in Kirgistan. Sie weist damit auch hin auf gesellschaftliche Herausforderungen in dem zentralasiatischen Land. Unterstützung von staatlicher Seite gibt es dafür nicht. "Inzwischen wird aber vom Staat durchaus anerkannt, dass wir uns für Menschen einsetzen, um die sich sonst keiner wirklich kümmert", sagt Eichholz.
Er ist verantwortlich für 16 registrierte lutherische Gemeinden mit ca. 1.000 Mitgliedern. In den letzten Jahren - so Eichholz bei dem Kirgistanabend im GAW - hat sich die Situation der lutherischen Kirche in Kirgistan verändert. Man spüre den Einfluss radikaler muslimischer Kräfte aus dem Ausland - insbesondere aus Pakistan und Saudi-Arabien. Es gibt ein Moscheebauprogramm aus dem Ausland, das dazu führt, dass man inzwischen in jedem Dorf eine oder mehrere Moscheen findet. Menschen, die zum Christentum konvertieren, würden bedrängt. Auch hat sich durch Abwanderung nach Deutschland und Russland die Kirche verändert und ist kleiner geworden.  Das sei vor 20 Jahren noch anders gewesen, beschreibt Eichholz die Situation für Christen in Kirgistan.  
Das GAW hatte in Zusammenarbeit mit der Frauenarbeit des GAW in Sachsen Bischof Eichholz zu einem Kirgistanabend in Leipzig eingeladen. In diesem Jahr werden durch die Frauenarbeit Projekte in dem zentralasiatischen Land gefördert - u.a. auch das Tageszentrum in Wasiljewka.

Sie können mithelfen dieses Zentrum zu unterstützen: http://www.gustav-adolf-werk.de/spenden.html


Donnerstag, 20. April 2017

Ostern in Aleppo - Sanierung des Kirchendaches der Bethel-Kirche kann beginnen

Die Karwoche und Osterfestage in Aleppo in der armenischen evangelischen Bethel-Kirche

"Als armenisch-evangelische Christen wollen wir hier in unserer Heimat Syrien bleiben und hoffen, arbeiten und beten für eine bessere Zukunft", schreibt Pfarrer Haroutune Selimian, Präsident der armenisch-evangelischen Gemeinden in Syrien und Pfarrer der Bethel-Kirche in Aleppo. "Die Karwoche und das Osterfest in unseren Gemeinden - besonders in Aleppo - standen ganz unter dieser Hoffnung, dass es Sinn hat, dass wir hier sind und Zeugnis geben, dass unser HERR Jesus Christus dem Tod die Macht genommen hat. Dafür sind und bleiben wir in Aleppo!"
Pfarrer Selimian berichtet von den bewegenden Ostergottesdiensten. "Die Gottesdienste waren so überfüllt, dass wir sie nach draußen übertragen mussten.
Auf dem Campus unserer Schule stand eine große Menschenmenge und lauschte an den Lautsprechern. Es war beeindruckend, wie Viele gekommen waren, um das Osterfest zu feiern - für uns nach über vier Jahren Krieg in einer befreiten Stadt!"
Selimian berichtet von der derzeitigen Situation in Aleppo: "Es gab in Aleppo einige Verbesserungen, da die Stadt nach viereinhalb Jahren Kämpfen wieder vereint wurde. Es waren harte Jahre für uns alle. Während der ersten paar Wochen nach dem Abzug der islamistischen Kämpfer aus dem Ostteil der Stadt waren die Bulldozer damit beschäftigt, Barrieren abzureißen, die in jenen Jahren des Kampfes zu Grenzen geworden waren. Plötzlich konnten wir von einem Stadtteil zum anderen laufen, ohne dass jemand uns anhielt oder aus dem Hinterhalt auf uns schoss. All die Straßensperren haben die Menschen voneinander getrennt. Außerdem versuchten die Regierungstruppen, die Umgebung von Aleppo zu befrieden. Es gab immer mal wieder Versuche, Aleppo vom Westen her zu beschießen.
Gleichzeitig wurde daran gearbeitet, die Trinkwasserversorgung für alle Einwohner zu sichern. Ihr könnt euch kaum vorstellen, was für eine Freude es war, als plötzlich Wasser aus unseren Wasserhähnen lief! Leben ohne Wasser ist furchtbar hart. Wann die Stromversorgung wiederhergestellt wird, ist schwer zu sagen, da so viel an Infrastruktur zerstört wurde. Die Reparatur der ganzen Stromnetzes wird wohl Jahre dauern. Dankbar sind wir in der Bethel-Kirche und unserer Schule für die beiden vom GAW geförderten Stromgeneratoren. - Trotz der Zerstörung in Aleppo geht das Leben weiter und wir sind dankbar und glücklich, dass wir hier sind und Aleppo wieder mit aufbauen können."
Aleppo ist  eine geteilte Stadt. Der Westen von Aleppo ist modern geprägt, die Menschen hier waren vor den Kämpfen wohlhabend. In der Altstadt lebt die Mittelschicht. Der Osten ist arm und durch den Krieg sehr zerstört. Es gilt nun Brücken zu bauen zwischen dem Ostteil und dem Westteil der Stadt und die Menschen zum Zusammenhalt bewegen, trotz aller Zerstörung.
Ob der Frieden in Aleppo hält? Man hat den Eindruck, dass beinahe die Vorstellung von Frieden herrscht. Doch ist er bei der komplizierten Gemengelage und dem Einfluss unterschiedlicher Kriegsparteien stabil? Von einer Friedenssituation, in der man gesicherten Wiederaufbau leisten kann, ist die Stadt wohl noch weit entfernt. Aleppo ist momentan ein Fall für die Katastrophenhilfe, die Aufbauhilfe kommt erst später. Es geht jetzt darum, den Menschen in Aleppo solidarisch zur Seite zu stehen.
Das GAW hat nach dem Osterfest 30.000 Euro zur Verfügung gestellt, damit die dringend notwendigen Sanierungsarbeiten an der Bethel-Kirche in Aleppo durchgeführt werden können. Damit entstehen auch für eine Zeitlang Arbeitsplätze, die wiederum den Familien der Arbeiter zugute kommen. Gleichzeitig ist eine sanierte Kirche mitten in der Zerstörung ein Zeichen, dass Menschen sich sammeln können und Hoffnung bewahren, dass ihr Leben Sinn hat. Die Bethel-Kirche will dem Evangelium Raum geben.




Dienstag, 18. April 2017

Die frohe Botschaft hat RAUM in Nabik!

Die Sanierung der Kirche hat be-
gonnen
Zerstörte evangelische Kirche
in Nabik
"Ohne die Hilfe des GAW wäre es nicht möglich gewesen, unsere evangelische Kirche in Nabik zu sanieren!" schreibt Pfarrer Mofid Karajili aus Homs, der  die kleine Gemeinde in Nabik mit betreut. Nabik liegt auf dem Weg von Damaskus nach Homs. Durch die heftigen Kämpfe in der Region wurde in Nabik viel zerstört  - auch die evangelische Kirche, die 1932 erbaut wurde. Die Region gilt derzeit als sicher. Neben der evangelischen Kirche gibt es nur noch eine syrisch-katholische Kirche, die inzwischen saniert wurde. "Wenn wir jetzt nicht begonnen hätten, unsere Kirche zu sanieren, dann wäre das wohl das baldige Ende der evangelischen Kirchengemeinde gewesen!" sagt Karajili.Vor dem Bürgerkrieg hatte Nabik ca. 50.000 Einwohner. Jetzt sind es noch 32.000 Einwohner.  Vor dem Krieg lebten 800 christliche Familien in Nabik, davon waren 80 evangelisch. Viele Familien sind auf Grund des Krieges  in den Libanon, nach Damaskus oder Malula geflohen. 10 evangelische Familien leben noch in Nabik. Ursprünglich gehörte zur Gemeinde auch eine Schule, die 280 SchülerInnen besuchten aus allen Religionen und Konfessionen. Diese Schule ist durch den Krieg völlig zerstört worden. 
Die Kirchengemeinde ist aus der dänisch-lutherischen Missionsarbeit hervorgegangen. Aus dieser Missionsarbeit entstand auch ein Krankenhaus, das durch die Regierung 1970 der Gemeinde allerdings wieder genommen wurde.
Blick in den Kircheninnenraum
Die Gemeinde ist sehr aktiv insbesondere in der Kinder- und Jugendarbeit zu der auch Kinder und Jugendliche aus der syrisch-katholischen Gemeinde gerne kommen. 
"Für die Stadt und die Gemeinde ist die Sanierung der evangelischen Kirche ein wichtiges Hoffnungszeichen. Eine sanierte Kirche heißt für uns: Es gibt eine Zukunft für uns! Wir sind nicht allein. Unsere Botschaft hat Raum in Nabik!"
Zudem bedeutet die Sanierung, dass Menschen Arbeit haben und dadurch ihre Familien ernähren können.
Die "National Synod of Syria and Lebanon" hat sich mit 15.000 Euro an der Sanierung beteiligt. Über das GAW konnten 22.000 Euro gegeben werden.